Kom­ple­xi­tät nur be­dingt er­wünscht

Karin Röhricht: Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis - Korpusanalyse der Anthologie Klagenfurter Texte (1977-2011)
Ka­rin Röh­richt: Wett­le­sen um den In­ge­borg-Bach­mann-Preis – Kor­pus­ana­ly­se der An­tho­lo­gie Kla­gen­fur­ter Tex­te (1977–2011)

Be­mer­kun­gen über Ka­rin Röh­richts Dis­ser­ta­ti­on zum Bach­mann­preis oder Wie kann man in Kla­gen­furt ge­win­nen?

Nach­dem ich von Ka­rin Röh­richts Mo­no­gra­phie um den In­ge­borg-Bach­mann-Preis erst nach der Ver­an­stal­tung von 2016 er­fah­ren hat­te, stand das Buch den gan­zen Win­ter über un­ge­le­sen im Re­gal. Jetzt, nach der un­längst ver­öf­fent­lich­ten Kan­di­da­ten­li­ste für die Ju­bi­lä­ums­ver­an­stal­tung 2017, schien mir die Zeit ge­kom­men, sich dem Buch zu wid­men und viel­leicht die in den letz­ten Jah­ren ste­tig zu­rück­ge­hen­de Kla­gen­furt-Eu­pho­rie wie­der ein biss­chen auf­le­ben zu las­sen. Da­zu war zu­nächst die Hür­de des doch arg pla­ka­ti­ven Ti­tels zu neh­men. »Wett­le­sen um den In­ge­borg-Bach­mann-Preis« ist die »Kor­pus­ana­ly­se der An­tho­lo­gie Klagen­furter Tex­te (1977–2011)« über­schrie­ben. Man darf sich je­doch von der zu­meist pe­jo­ra­ti­ven Ver­wen­dung der »Wettlesen«-Vokabel nicht be­ein­drucken las­sen, denn Röh­richt geht es nicht um ei­ne Wer­tung der Ver­an­stal­tung an sich, son­dern sie möch­te mit wis­sen­schaft­lich-em­pi­ri­schen Me­tho­den un­ter­su­chen, wel­che Tex­te in Kla­gen­furt re­üs­sie­ren und wel­chen Repräsen­tationsgrad für die deutsch­spra­chi­ge Li­te­ra­tur der Be­werb be­sitzt. Da­bei ist je­doch der ge­naue Blick auf den Un­ter­ti­tel mit dem Hin­weis auf die An­tho­lo­gie Kla­gen­fur­ter Tex­te (KT) von gro­ßer Re­le­vanz.

Be­vor sie je­doch mit Ana­ly­se los­legt, gibt es ei­nen gro­ben Über­blick über Ge­schich­te und Be­deu­tung des Wett­be­werbs. Haupt­re­fe­ren­zen sind die Auf­sät­ze und Stu­di­en von Do­ris Mo­ser1, die teil­wei­se mit ak­tu­el­len Ein­drücken er­gänzt wer­den. Hier ist auch die In­for­ma­ti­on zu fin­den, dass zwi­schen 1977 und 1996 »ins­ge­samt 42% der be­frag­ten Au­toren von ei­nem Ju­ry­mit­glied kon­tak­tiert wur­den»2. Ge­ne­rell wird da­von aus­ge­gan­gen, dass die Ju­ro­ren un­ter den ih­nen zu­ge­schick­ten Tex­ten wäh­len; dies scheint je­doch seit Be­ginn des Wett­be­werbs nicht im­mer der Fall ge­we­sen zu sein.3

Ei­ner der in­ter­es­san­te­sten Punk­te ist der heut­zu­ta­ge voll­kom­men ver­ges­se­ne Aspekt, dass die ver­meint­li­che Es­senz des Wett­be­werbs, die Pa­ten­schaft der Ju­ro­ren4 für je­weils zwei Au­toren, nicht im­mer prak­ti­ziert wur­de. Bis ein­schließ­lich 1982 be­stimm­ten mehr oder we­ni­ger die Ver­an­stal­ter die Teil­neh­mer; den Ju­ro­ren wur­de die Li­ste le­dig­lich vor Be­ginn vor­ge­legt. Seit 1983 wer­den die Au­toren von den Ju­ro­ren er­nannt5, wo­bei nicht ge­klärt wird, wie sich bei­spiels­wei­se 28 Teil­neh­mer auf die 11 Ju­ro­ren ver­tei­len. Seit 1987 no­mi­niert ein Ju­ror zwei Au­toren6, was al­ler­dings zu­wei­len nicht ganz funk­tio­niert (1987 ste­hen 11 Ju­ro­ren nur 19 Teil­neh­mern ge­gen­über).

Wei­ter­le­sen ...


  1. Insbesondere "Der Ingeborg-Bachmann-Preis - Börse, Show, Event" aus dem Jahr 2004 

  2. S. 76, Fußnote 4 

  3. Zu klären wäre freilich, wieviel Autoren "befragt" wurden; dies kann ich nicht leisten, weil ich die Studie von Moser nicht vorliegen habe. 

  4. Ich halte es in diesem Text wie Röhricht und verwende das generische Maskulinum. 

  5. S. 55, Fußnote 98 

  6. S. 17 

Das Stöh­nen der Ver­la­ge

Vor ei­ni­gen Wo­chen er­schien im Zeit-Ma­ga­zin ei­ne Art Por­trait des Schrift­stel­lers Ma­xim Bil­ler. Ich hat­te es im Strom all der Links über­se­hen, ver­mut­lich auch, weil ich Bil­ler als Au­tor zu we­nig ken­ne. Be­kannt sind mir ei­ni­ge sei­ner Po­le­mi­ken und na­tür­lich die Auf­tritte im »Li­te­ra­ri­schen Quar­tett«, aus dem er sich kürz­lich selbst hin­aus­ka­ta­pul­tier­te.

Wil­le­ke über­schreibt sei­nen Text mit ei­ner Dia­gno­se: »Der Un­zu­mut­ba­re«. Ober­fläch­lich be­trach­tet wird von meh­re­ren Be­geg­nun­gen be­rich­tet und die Bio­gra­phie Bil­lers skiz­ziert. Man er­fährt u. a. dass der mit­tel­mä­ssi­ge Da­ni­el Kehl­mann zu Bil­lers Freun­den ge­hört. Mit fort­schrei­ten­der Lek­tü­re wird die So­zi­al­ar­bei­ter-Me­ta­pho­rik Wil­le­kes im­mer unerträg­licher, denn er möch­te Bil­ler ir­gend­wie vor sich selbst be­schüt­zen und fin­det »Erklä­rungen« für des­sen zu­wei­len af­fek­tier­tes Ver­hal­ten. Die Bot­schaft: Was könn­te aus dem Raub­ein wer­den, wenn er erst ein­mal gu­te Ma­nie­ren hät­te. Aber »ge­gen ir­gend­was oder ge­gen ir­gend­wen rennt er im­mer an« kon­sta­tiert Street­wor­ker Wil­le­ke und fragt ei­ni­ger­ma­ßen re­si­gniert: »War­um nur?« Denn er »könn­te es sich so ein­fach ma­chen, aber er macht es sich so schwer. Wä­re er ein biss­chen kon­zi­li­an­ter, ein biss­chen we­ni­ger stur, dann könn­te er dank sei­nes Wort­wit­zes und sei­ner Klug­heit ein gern ge­se­he­ner Au­tor sein, um den sich Fern­seh­sen­der rei­ßen. Aber er ist be­reit, sich selbst zu scha­den, nur um sei­ne Un­ab­hän­gig­keit zu do­ku­men­tie­ren.«

Wil­le­ke ver­steht das nicht. Und ich ver­ste­he Wil­le­ke nicht. Wenn Bil­ler näm­lich ge­nau so wä­re, wie er, Wil­le­ke, es möch­te, dann wä­re Bil­ler eben nicht mehr Bil­ler son­dern ei­ner die­ser weich­ge­spül­ten Li­te­ra­tur­be­triebspüpp­chen, die sich auf blau­en, ro­ten oder sonst­far­bi­gen So­fas lä­cher­li­chen Fra­gen von eben­so lä­cher­li­chen Kri­ti­ke­ri­mi­ta­tio­nen ge­fal­len las­sen nur um ih­re all­zu oft ma­xi­mal durch­schnitt­li­che Reiß­brett­pro­sa am Zwei­buch­im­jahr­le­ser zu ver­kau­fen.

Wei­ter­le­sen ...

Blog­ger sind kei­ne Mar­ke­ting­pup­pen

Und wie­der flammt die Dis­kus­si­on um ei­ne Pro­fes­sio­na­li­sie­rung (die im­mer auch ei­ne Mo­ne­ta­ri­sie­rung sein soll) von Buch­blog­gern auf. Im März ent­deck­te Kar­la Paul in ei­ner »Key-No­te« die »Nai­vi­tät des Feuil­le­tons samt de­rer Re­dak­teu­re« in Be­zug auf Li­te­ra­tur­blog­ger und emp­fahl die­sen, end­lich aus der »Flausch­zo­ne« aus­zu­tre­ten und sich ent­sprechend zu ver­mark­ten. »Der Kauf ist nur ei­nen Klick ent­fernt und die Le­ser ver­trauen Euch längst weit mehr als je­dem Jour­na­li­sten«, so lau­tet denn die Pa­ro­le und am En­de wur­de der schwam­mi­ge Ap­pell vor­ge­bracht »Voll­pro­fis für die lei­den­schaft­li­che Hin­ga­be« an Li­te­ra­tur zu sein.

Wie die­se Pro­fes­sio­na­li­sie­rung ge­nau aus­se­hen soll, blieb im Dun­keln; Vi­sio­nä­re küm­mern sich ja eher sel­ten dar­um, wer den Müll run­ter­bringt. Pauls Käm­mer­lings-Schel­te ist aber nicht nur sug­ge­stiv, son­dern ab­ge­schmackt. Sie läuft dar­auf hin­aus, das Feuil­le­ton durch die Blog­ger­sze­ne er­set­zen zu wol­len. Die Be­deu­tung des Feuil­le­tons sin­ke oh­ne­hin, so Paul. Der Be­fund ist zwar rich­tig, aber die Grün­de hier­für lie­gen nicht dar­in, dass es Blogs gibt, son­dern das in­ner­halb der Kul­tur­sei­ten der klas­si­schen Me­di­en die Kri­te­ri­en zu Gun­sten ei­nes eher tri­via­le­ren Li­te­ra­tur­ver­ständ­nis­ses auf­ge­weicht wur­den. Pauls Ar­gu­men­ta­ti­on hinkt auch da­hin­ge­hend, weil sie (auch rich­ti­ger­wei­se) fest­stellt, dass Blog­ger nicht in Struk­tu­ren des Feuil­le­tons ar­bei­ten. In­so­fern wä­re ja ei­ne di­rek­te Kon­kur­renz (auch in punk­to fi­nan­zi­el­ler Mit­tel) gar nicht vor­han­den.

Wei­ter­le­sen ...

Pos­sen­spie­le

»Ich bin psy­chisch sta­bil«, sagt die Schrift­stel­le­rin Mi­chel­le Stein­beck in ei­nem In­ter­view mit dem Schwei­zer »Ta­ges­an­zei­ger«. Ein merk­wür­di­ges State­ment, aber es ist fast schon er­zwun­gen, da die Hil­de Ben­ja­min der deut­schen Li­te­ra­tur­kri­tik, El­ke Hei­den­reich, wie­der ein­mal ei­nen ih­rer Aus­set­zer hat­te und im letz­ten »Li­te­ra­tur­club« der Au­torin ei­ne »ernst­haf­te Stö­rung« at­te­stier­te – und dies ein­zig al­lei­ne, weil ihr, Hei­den­reich, das Buch von Stein­beck (»Mein Va­ter war ein Mann an Land und im Was­ser ein Wal­fisch«) nicht ge­fällt.

Hei­den­reich ent­wicke­le sich zu ei­ner Hy­po­thek für den »Li­te­ra­tur­club« stell­te dann auch Gui­do Kal­be­rer im »Ta­ges­an­zei­ger« fest. Die Li­ste der Hei­den­reich-Es­ka­pa­den sind längst Le­gi­on. Aus Grün­den, die nicht nach­voll­zieh­bar sind, steht und stand die Re­dak­ti­on zu ihr. Als sie mit Ste­fan Zwei­fel an­ein­an­der­ge­riet, weil sie ein fal­sches Zi­tat ver­wen­de­te, muss­te nicht sie ge­hen, son­dern Zwei­fel. Die Gran­dez­za, mit der sie neu­lich die­sen Vor­gang ver­dreh­te, muss man erst ein­mal nach­ma­chen.

All­ge­mein wur­de das State­ment von Stein­beck als be­son­nen und rich­tig be­zeich­net. Die Un­ge­heu­er­lich­keit die­ses Vor­gangs an sich ist da­bei ir­gend­wie un­ter die Rä­der ge­kommen: Müs­sen dem­nächst Schrift­stel­le­rIn­nen auf Mut­ma­ssun­gen von so­ge­nann­ten Kri­ti­kern mit ärzt­li­chen At­te­sten re­agie­ren? Wei­ter ge­spon­nen: Muss ein Kri­mi­nal­ro­man-Au­tor dem­nächst pro­phy­lak­tisch ein po­li­zei­li­ches Füh­rungs­zeug­nis vor­le­gen, das er/sie nicht sel­ber ge­mor­det hat?

Wei­ter­le­sen ...

Schmerz­haft gleich­gül­tig

Wenn man er­klärt, dass man sich die Le­sun­gen und Dis­kus­sio­nen zum Bach­mann­preis an­schaut, kommt im­mer mehr die mit­lei­di­ge Fra­ge: »War­um?« Sie im­pli­ziert zwei­er­lei: Zum ei­nen glaubt man nicht mehr an die Kraft der Li­te­ra­tur im Zei­chen des Fern­se­hens. Und zum an­de­ren wird da­mit auch gleich in ei­ner Mi­schung aus Mit­leid und Em­pö­rung die je­wei­li­ge Aus­wahl der Le­sen­den er­le­digt. Nein, die Le­sen­den im Bach­mann­preis re­prä­sen­tie­ren na­tür­lich nicht »die deutsch­spra­chi­ge Li­te­ra­tur« wie es dann mal apo­dik­tisch, mal vor­wurfs­voll heißt. Nach­träg­lich muss man die­ses De­men­ti ge­ra­de für den »Jahr­gang 2016« zur Hand ha­ben: Nein, das, was heu­er in Kla­gen­furt ge­le­sen wur­de ist kein re­prä­sen­ta­ti­ver Quer­schnitt der deutsch­spra­chi­gen Li­te­ra­tur. Da mag der Mo­de­ra­tor noch so Ani­ma­teurs­qua­li­tä­ten of­fen­bart ha­ben (was zu­wei­len pein­lich war). (Über das pein­li­che Sand­ka­sten­ar­ran­ge­ment »drau­ßen«, bei Zi­ta Be­reu­ter, schweigt man bes­ser.)

Aber es ist wo­mög­lich ein Quer­schnitt der in­zwi­schen in­fla­tio­nä­ren Stadt­schrei­ber- und Schreib­schul­pro­sa­isten, die sich von ih­ren Note­books er­he­ben und das re­pli­zie­ren, was sie ge­lernt ha­ben, wo­für sie aus­ge­zeich­net wur­den und was sie nun mit ei­nem selt­sam stoi­schen Selbst­be­wusst­sein als preis­wür­dig re­kla­mie­ren.

Wei­ter­le­sen ...

Kas­per­le­thea­ter

Ent­ge­gen al­len Be­teue­run­gen ist die auf Form und Spra­che ach­ten­de, ar­gu­men­ta­tiv-ver­glei­chen­de Li­te­ra­tur­kri­tik im Zei­tungs­feuil­le­ton längst auf dem Rück­zug. Statt­des­sen wird ei­nem bio­gra­phi­sti­schen Li­te­ra­tur­jour­na­lis­mus ge­hul­digt, haupt­säch­lich be­stehend aus In­ter­views, »Home Sto­ries« und an­de­ren, oft ge­nug au­ßer­li­te­ra­ri­schen Re­fe­ren­zen. Die Tri­via­li­sie­rung der Li­te­ra­tur­kri­tik im Fern­se­hen schrei­tet al­ler­dings noch stär­ker vor­an. An der Neu­auf­la­ge des »Li­te­ra­ri­schen Quar­tetts« ist das gut sicht­bar. Nach drei Sen­dun­gen kann man sich da­hin­ge­hend ein Ur­teil bil­den, dass das zar­te Hoff­nungs-Pflänz­chen mit dem Na­men »Das Gan­ze ist mehr als die Sum­me sei­ner Tei­le«, wel­ches man in An­be­tracht der drei stän­di­gen Dis­ku­tan­ten im Som­mer noch heg­te, an aku­ter Lieb­lo­sig­keit ein­ge­gan­gen ist.

Kur­zer Blick zu­rück

Na­tür­lich war die Hy­po­thek des Reich-Ra­nicki-Quar­tetts sehr hoch. Sie wird nicht klei­ner da­durch, dass man den Ti­tel bei­be­hielt (die Ver­su­chung, ei­nen »Kult« wie­der­zu­be­le­ben, war wohl zu groß). Ver­ges­sen oder ver­drängt wur­de auch, dass sich mit der Dau­er der Rei­he die Dis­kus­sio­nen un­ter Reich-Ra­nicki im­mer mehr in Rich­tung En­ter­tain­ment ent­wickel­ten. Nach fünf Sen­dun­gen stieg Jür­gen Bu­sche aus, der das Ge­fühl sei­ner in­tel­lek­tu­el­len Über­le­gen­heit nicht mehr ver­leug­nen woll­te und lie­ber Re­den­schrei­ber für Ri­chard von Weiz­säcker wur­de. Die ge­stan­de­ne Li­te­ra­tur­kri­ti­ke­rin Kla­ra Ober­mül­ler hielt nur zwei Sen­dun­gen aus. Von da an ent­wickel­ten sich in der Stamm­be­set­zung Reich-Ra­nicki, Ka­ra­sek und Löff­ler mit der Zeit meist leicht vor­her­seh­ba­re In­ter­ak­tio­nen, die es für die vier­te Per­son schwer mach­te, sich ein­zu­fü­gen, zu­mal Reich-Ra­nicki als Mo­de­ra­tor das letz­te Wort häu­fig für sich re­kla­mier­te.

Am En­de soll­te den Zu­se­her nur in­ter­es­sie­ren, ob das Buch was »taugt«, wie sich der Mo­de­ra­tor aus­drück­te, und man dann zum näch­sten »Fall« wei­ter­ge­hen kön­ne. Als Löff­ler ein­mal das Wort »Fall« sanft kri­ti­sie­rend wie­der­hol­te, sah man Un­ver­ständ­nis ob sol­chen Fein­ge­fühls. Da­mit war man lan­ge vor Face­book-Dau­men und Ama­zon-Stern­chen Trend­set­ter: Reich-Ra­nicks »Ge­fällt mir« galt in Small­talks und auf Par­tys als Gottes­urteil. Mehr woll­te man nicht wis­sen; war­um es ge­fällt (oder auch nicht), war für den klas­si­schen Zwei-Buch-im-Jahr-Le­ser ent­behr­lich. Am En­de stol­per­te dann Sig­rid Löff­ler über die Wucht der Kom­ple­xi­täts­re­duk­ti­on. Als sie bei der Lob­hu­de­lei auf Ha­ru­ki Mu­ra­ka­mi Alt­her­ren­lü­stern­heit dia­gno­sti­zier­te und auf li­te­ra­ri­sche Kri­te­ri­en poch­te, wur­de sie ad ho­mi­nem an­ge­grif­fen. Da­mit war die Sen­dung ih­rer letz­ten li­te­ra­risch-po­ten­ten Fi­gur ver­lu­stig ge­gan­gen; Iris Ra­disch als Nach­fol­ge­rin blieb sich da­hin­ge­hend treu, in Ar­ti­keln und Re­zen­sio­nen zu pol­tern. In der Fern­seh­sen­dung nahm sie sich zu­rück.

Wei­ter­le­sen ...

Längst ab­ge­kop­pelt

Er­lan­gen, Sonn­tag, 30. Au­gust 2015. 14.00 Uhr. 33 Grad. 35. Er­lan­ger Poe­ten­fest. Ort: Oran­ge­rie. Fünf Men­schen auf dem Po­di­um. Rund 100 Men­schen im Saal, wei­te­re 100 (ge­schätzt) drau­ßen auf der Wie­se, laut­spre­cher­be­schallt. » ‘Elen­des Kum­pel­sy­stem’ – Kri­tik der Kri­tik« ist das The­ma der Dis­kus­si­on mit Ur­su­la März, Re­né Agu­i­gah, Jörg Sun­dermei­er, Flo­ri­an Fe­lix Weyh (als Mo­de­ra­tor) und mir.

Weyh er­öff­ne­te die Dis­kus­si­on. Er wies dar­auf hin, dass die Kri­tik an der Li­te­ra­tur­kri­tik nicht neu sei und dass es et­li­che Bü­cher mit Re­zen­sen­ten­be­schimp­fun­gen ge­be. Der Ti­tel die­ser Dis­kus­si­on war ei­nem Buch­Markt-In­ter­view vom Ja­nu­ar die­ses Jah­res mit Jörg Sun­dermei­er ent­nom­men. Weyh stellt die Teil­neh­mer vor und ver­sprach: »Wir wol­len Ta­che­les re­den« und »die Be­zie­hun­gen un­ter­ein­an­der auf­klä­ren.« Weyh be­gann bei sich selbst zu­erst. Dann ging die Fra­ge »Kön­nen sie mir sa­gen, wen Sie ken­nen und wie Sie die ken­nen?« an Ur­su­la März. Die­se auf Trans­pa­renz zie­len­de Fra­ge, die zur Situations­bestimmung ge­dacht war (Weyh wies dar­auf hin, dass er als frei­er Mit­ar­bei­ter beim Deutsch­land­ra­dio Kul­tur un­ter Um­stän­den mit Ur­su­la März kon­kur­rie­re), war wohl für Frau März zu viel. Ih­re Mi­schung aus Phil­ip­pi­ka und Schimpf­ti­ra­de vom Be­ginn sei hier do­ku­men­tiert (in Fuss­no­ten ste­hen hier­zu mei­ne sub­jek­ti­ven An­mer­kun­gen):

Wei­ter­le­sen ...

Prä­li­mi­na­ri­en zu ei­nem Li­te­ra­tur­preis

Ei­ne klei­ne Te­tra­lo­gie zum Bach­mann­preis 2015

Ser­vice für Schnell­leser:
I. Fla­tu­len­zen
II. Weg mit den Pa­ten­schaf­ten!
III. Die Kri­tik in der Kri­se
IV. Jour­na­li­sti­sche Do­mi­nanz oder: Ver­mut­lich kei­ne »Mup­pet-Show« in die­sem Jahr

Für Al­les­le­ser (ein Pleo­nas­mus):

Wei­ter­le­sen ...