
Nach dem gewissenhaft-historischen Aufriss über die Gruppe 47, einer eher launigen Revue über die Literatur der 1970er Jahre und einem reisereportagehaften Band über Czernowitz legt der Literaturkritiker Helmut Böttiger mit Die Gegenwart durchlöchern Werkportraits über fünfzehn Dichter vor, garniert mit seiner Rede zur Literaturkritik, die zwar auch schon mehr als zehn Jahre zurückliegt, aber nichts von ihrer Brisanz verloren hat und auf Samtpfoten, aber dennoch deutlich, den Unterschied zwischen Literaturjournalismus und Literaturkritik aufzeigt.
Zwar sind zehn der fünfzehn Autoren Büchnerpreisträger, dennoch fristen einige immer noch (bzw. wieder) ihr Los im Geheimtipp-Status. Obwohl auch Johannes Bobrowski (geboren in Tilsit) und Paul Celan (Czernowitz) vorgestellt werden, kann man guten Gewissens erklären, dass hier deutsche Autoren portraitiert werden (Österreicher und Schweizer kommen nicht vor). Böttiger weist in einem kurzen Hinweis, versteckt bei den Nachweisen, darauf hin, dass es sich nicht um den Versuch eines Kanons handeln soll.
