Rai­nald Goetz: wrong

Rainald Goetz: wrong

Rai­nald Goetz: wrong

Mit den drei Stücken Reich des To­des, Ba­racke und La­pi­da­ri­um, die im so­eben er­schie­ne­nen Band La­pi­da­ri­um ver­sam­melt sind und der par­al­lel da­zu pu­bli­zier­ten Text­samm­lung wrong be­en­det der Schrift­stel­ler Rai­nald Goetz sei­ne sechs­tei­li­ge Schlucht-Rei­he, je­nen 2007 be­gon­ne­nen »Ver­such der Er­kun­dung der Dun­kel­zeit der Nuller­jah­re«, be­stehend aus »Kla­ge, Ta­ge­buch­es­say; los­la­bern, Be­richt; Johann Hol­trop, Ab­riß der Ge­sell­schaft, Ro­man; elf­ter sep­tem­ber 2010, Bil­der ei­nes Jahr­zehnts«. Hier soll es aus­schließ­lich um wrong ge­hen, die der Schrift­stel­ler »Text­ak­tio­nen« nennt. Sie rei­chen von 2005 bis hin­ein in die un­mit­tel­ba­re Ge­gen­wart. Es han­delt sich um je ei­nen (län­ge­ren, kürz­lich erst ver­öf­fent­lich­ten) Ar­beits­jour­nal- bzw. (kür­ze­ren, bis­her un­ver­öf­fent­lich­ten) Ta­ge­buch­ein­trag, ei­ni­ge mar­kan­te Es­says, vor al­lem je­doch Re­den und In­ter­views mit di­ver­sen Me­di­en.

Ins­be­son­de­re die Tex­te der Nuller- und Zeh­ner­jah­re wir­ken rück­blickend fast wie aus ei­ner an­de­ren Epo­che. Et­wa die für heu­ti­ge Ver­hält­nis­se sehr lan­ge Re­zen­si­on über Mi­chel Hou­el­le­becqs Die Mög­lich­keit ei­ner In­sel aus dem Jahr 2005, da­mals er­schie­nen im Ma­ga­zin Ci­ce­ro. Goetz outet sich von Be­ginn an als En­thu­si­ast, be­kommt gu­te Lau­ne bei der Lek­tü­re, ent­deckt, dass da »ma­te­ria­li­sti­scher Fun­da­men­tal­pes­si­mis­mus […] in ei­ner co­mic-haft über­zeich­ne­ten Hei­ter­keits­er­zähl­wei­se« ge­zeigt wird und bi­lan­ziert, dass der Le­ser »am En­de des Le­bens von Da­ni­el […] emo­tio­nal so mit­ge­nom­men, aus­ge­laugt, zer­malmt [ist] wie Da­ni­el selbst.« Und es ge­lingt ihm mit der Fest­stel­lung, dass sich Hou­el­le­becq »zum Chro­ni­sten [der] öf­fent­li­chen Be­din­gun­gen für in­di­vi­du­el­les Un­glück ge­macht« ha­be, ei­ne über die­sen Ro­man hin­aus tref­fen­de Cha­rak­te­ri­sie­rung der Pro­sa die­ses fran­zö­si­schen Schrift­stel­lers über die da­ma­li­ge Pu­bli­ka­ti­on hin­aus.

Goetz zeigt sich in sei­nen es­say­isti­schen Tex­ten nicht nur als lu­zi­der, son­dern bis­wei­len mit­füh­len­der Li­te­ra­tur­er­klä­rer, wie im Nach­wort zu ei­nem Ro­man von Al­bert von Schirn­ding, in­dem er des­sen »Tat­kraft­le­ben, dem Sym­pa­thie und Sehn­sucht gel­ten« in schö­nen, knap­pen Sät­zen Re­vue pas­sie­ren lässt. Oder 2014, die Elo­ge zu Sieg­fried Un­sel­ds 90. Ge­burts­tag. Ich glau­be, dass noch nie je­mand den Gang Un­sel­ds der­art pla­stisch be­schrie­ben hat, »die­ses Ge­hen und die schwin­gen­den Ar­me, den vor­ge­beug­ten Ober­kör­per, und in­dem er mir sei­ne rech­te Hand zum Gruß hin­streck­te, faß­te er sich zu­gleich mit der lin­ken kurz zwi­schen die Bei­ne und pack­te zu, um die lo­se Last dort et­was zu he­ben und zu lockern.« Er be­wun­der­te Un­sel­ds Ur­teils­kraft, be­rich­tet von des­sen Schwie­rig­kei­ten des Ver­le­gers mit sei­ner Pro­sa und ist ver­blüfft, dass in den (bis­her ver­öf­fent­lich­ten) Brief­wech­seln Un­sel­ds mit Schrift­stel­lern die­ser stets sym­pa­thi­scher er­scheint als die je­wei­li­gen Au­toren (was auch stimmt). Ganz und gar eu­pho­risch, in den Duk­tus des (ein­sti­gen?) Pop­li­te­ra­ten ver­fal­lend, wird er bei der Wür­di­gung von Joa­chim Bes­sings Ro­man un­tit­led (2013).

Den voll­stän­di­gen Text »Neu­es und Al­tes aus der Ge­gen­wart« bei Glanz und Elend wei­ter­le­sen.

Hil­des­hei­mer statt Ca­net­ti

Ju­ry­sit­zun­gen und Alar­mis­men

Li­te­ra­tur­preis der Stadt Bre­men:

»[A]lle hat­ten ih­ren Kan­di­da­ten, der nie­mals Ca­net­ti ge­we­sen war, ge­nannt, als ich an die Rei­he ge­kom­men war und ›Ca­net­ti‹ sag­te. Ich war da­für, Ca­net­ti den Preis zu ge­ben für sei­ne ›Blen­dung‹, das ge­nia­le Ju­gend­werk, das ein Jahr vor die­ser Ju­ry­sit­zung wie­der neu ge­druckt wor­den war. Meh­re­re Ma­le sag­te ich das Wort ›Ca­net­ti‹ und je­des Mal hat­ten sich die Ge­sich­ter an dem lan­gen Tisch weh­lei­dig ver­zo­gen. Vie­le an dem Tisch wuss­ten gar nicht, wer Ca­net­ti war, aber un­ter den we­ni­gen, die von Ca­net­ti wuss­ten, war ei­ner, der plötz­lich, nach­dem ich wie­der Ca­net­ti ge­sagt hat­te, sag­te: aber der ist ja a u c h Ju­de. Dann hat­te es nur noch ein Ge­mur­mel ge­ge­ben und Ca­net­ti war un­ter den Tisch ge­fal­len.«

Die Dis­kus­si­on zog sich schier end­los hin, Na­men fal­len und wer­den ver­wor­fen; es muss­te ei­ne Ent­schei­dung ge­ben.

»Zu mei­ner gro­ßen Ver­blüf­fung zog plötz­lich ei­ner der Her­ren, ich weiß wie­der nicht, wel­cher, aus dem Bü­cher­hau­fen auf dem Tisch, wie mir schien wahl­los, ein Buch von Hil­des­hei­mer her­aus und sag­te in um­wer­fend nai­vem To­ne und ge­ra­de­zu schon im Auf­ste­hen zum Mit­tag­essen: ›Neh­men wir doch Hil­des­hei­mer, neh­men wir doch Hil­des­hei­mer‹ und Hil­des­hei­mer war ge­ra­de je­ner Na­me, der wäh­rend der gan­zen stun­den­lan­gen De­bat­ten über­haupt nicht ge­fal­len war […] Wer wirk­lich Hil­des­hei­mer war, wuss­ten sie wahr­schein­lich al­le nicht. Im Au­gen­blick wur­de auch schon an die Pres­se die Mit­tei­lung ge­ge­ben, Hil­des­hei­mer sei nach die­ser über zwei­stün­di­gen Sit­zung der neue Preis­trä­ger. Die Her­ren er­ho­ben sich und gin­gen hin­aus in den Spei­se­saal. Der Ju­de Hil­des­hei­mer hat­te den Preis be­kom­men. Für mich was d a s die Poin­te des Prei­ses. Ich ha­be sie nicht ver­schwei­gen kön­nen.«1

58 Jah­re spä­ter zu Ju­lia­ne Lie­bert und Ro­nya Oth­mann. Bei­de wa­ren 2023 in der Ju­ry zum »In­ter­na­tio­na­len Li­te­ra­tur­preis« des HKW Ber­lin. In der ZEIT be­rich­ten sie »kom­plett aus al­len Wol­ken ge­fal­len« (Per­len­tau­cher) un­ter dem Gris­ham-Ti­tel Die Ju­ry mehr als ein hal­bes Jahr spä­ter ih­re Er­leb­nis­se. Die Sa­che ist kom­pli­ziert, han­delt von Au­toren und Au­torin­nen, die auf­grund ih­rer Her­kunft, Haut­far­be und/oder Be­liebt­heit von Ju­ry­mit­glie­dern nicht auf ei­ne Short­list kom­men sol­len bzw. an­de­ren Au­torin­nen und Au­toren, die auf­grund ih­rer Her­kunft, Haut­far­be und/oder Un­be­kannt­heit auf die­se Li­ste kom­men sol­len. Es fie­len Sät­ze wie »Sor­ry, ich lie­be die Li­te­ra­tur, aber Po­li­tik ist wich­ti­ger« und selbst als man sich auf ei­nen Preis­trä­ger ge­ei­nigt hat­te, kri­ti­sier­te man noch die bei­den Über­set­zer und ob es über­haupt ge­stat­tet ist, wenn Wei­ße ei­nen Schwar­zen über­set­zen und al­ler­lei an­de­rer Un­sinn. Es ging al­so, so die Quint­essenz, we­ni­ger um li­te­ra­ri­sche Qua­li­tät als um iden­ti­täts­po­li­tisch mo­ti­vier­te Quo­ten. So weit, so we­nig über­ra­schend. Und man hät­te si­cher­lich die­sen Text nie zu le­sen be­kom­men, wenn die bei­den Au­torin­nen auch für 2024 in der Ju­ry no­mi­niert wor­den wä­ren. Wur­den sie aber nicht und nun al­so das, ei­ne gan­ze Sei­te in der ZEIT, das gibt es nicht mehr häu­fig.

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  1. Thomas Bernhard, Meine Preise, Suhrkamp, 1. Auflage 2009, S. 32-49. 

Wel­ten und Zei­ten VI

Trans­ver­sa­le Rei­sen durch die Welt der Ro­ma­ne

← Wel­ten und Zei­ten V

In der poe­to­lo­gi­schen Kor­re­spon­denz Aus der Zu­kunft des Ro­mans zwi­schen Ol­ga Mar­ty­n­o­va und mir, zu der sich dann an­de­re Au­toren ge­sell­ten und die sich über fast zwei Jah­re er­streck­te, fragt Kurt Neu­mann, das gan­ze Kon­vo­lut über­blickend, ob die Zu­kunft des Ro­mans nicht ei­ne mi­ni­ma­li­sti­sche sei. In der Tat neig­te vor al­lem Ol­ga im­mer wie­der zur Kür­ze; auch An­na Wei­den­hol­zer teil­te am En­de mit, sie wol­le künf­tig Er­zäh­lun­gen in der Art von Ray­mond Car­ver schrei­ben, und zi­tier­te He­ming­ways be­rühm­te Eis­berg-Theo­rie: »Al­les, was man eli­mi­niert, macht den Eis­berg nur noch stär­ker. Es liegt al­les an dem Teil, der un­sicht­bar bleibt.« Sich aufs We­sent­li­che kon­zen­trie­ren – so­fern man weiß, was das We­sent­li­che ist. Bei mir selbst ent­spricht die­se Ten­denz mei­ner spä­ten Ent­deckung der klei­nen Ro­ma­ne à la Mo­dia­no. Ich den­ke mir auch, daß wir auf schwe­res Ge­päck künf­tig ver­zich­ten soll­ten, und in der Wirk­lich­keit rei­se ich ge­nau so, nicht mal ei­nen Rei­se­füh­rer brau­che ich, kei­nen Com­pu­ter, nur ein Han­dy, für Ho­tel­re­ser­vie­run­gen. Und dann soll­ten wir viel­leicht aufs Rei­sen über­haupt ver­zich­ten… Zu an­stren­gend, bringt die na­tür­li­chen Le­bens­ab­läu­fe durch­ein­an­der.

An­de­rer­seits schrei­ben bei wei­tem nicht al­le Ro­man­au­to­ren mi­ni­ma­li­stisch. Hin und wie­der gibt es ge­gen­ge­rich­te­te Strö­mun­gen, oder soll man sa­gen: Mo­den? »Ach­tung, die dicken Ro­ma­ne kom­men!«, kün­de­te – oder warn­te? – Paul Jandl im Som­mer 2018 in der neu­en Zür­cher Zei­tung. Of­fen­sicht­lich ein Ar­ti­kel auf der Grund­la­ge von Ver­lags­ka­ta­lo­gen, die in vie­len Fäl­len wohl die Lek­tü­re der Bü­cher er­set­zen. Am Wel­ten­rand sit­zen die Men­schen und la­chen, von Phil­ip Weiss, ist da­bei, gut 1000 Sei­ten, ei­gent­lich aber fünf Ro­ma­ne, und auch Schat­ten­froh, von Mi­cha­el Lentz, ein Buch, das ich in­zwi­schen – Som­mer 2021 – ge­le­sen ha­be, quer­ge­le­sen, um ehr­lich zu sein, der Ro­man spielt kei­nes­wegs, wie der ir­re­ge­lei­te­te Jandl meint, in Chi­na, son­dern im Kopf des Au­tors, und der ist ziem­lich weit­läu­fig, weit­läu­fi­ger als Chi­na.

Hin­zu kommt, und das ist jetzt wirk­lich pein­lich, daß ich als Au­tor trotz neu­er Vor­lie­ben als Le­ser im­mer noch so schrei­be, wie ich es vor ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert zu recht­fer­ti­gen such­te, in­dem ich ei­nen ma­ni­fest­ar­ti­gen Text ver­faß­te: Für ei­ne ba­rocke Li­te­ra­tur! Un­ter »ba­rock« faß­te ich Ei­gen­schaf­ten wie aus­ufernd, schwei­fend, wu­chernd, ver­schnör­kelt, viel­di­men­sio­nal, lang-wei­lig (im Adal­bert Stif­ter­schen Sinn) zu­sam­men – al­les, was die stram­me deut­sche Li­te­ra­tur­kri­tik seit dem En­de des letz­ten Welt­kriegs ver­pönt. So schrei­be ich ver­al­tet in die Zu­kunft hin­ein… Pe­ter Hand­ke hat ja auch sol­che Bü­cher ge­macht, nur hat­te er nichts mit dem Ba­rock am Hut, hat viel­mehr sei­ne Epen an fast schon prä­hi­sto­ri­sche Zei­ten an­schlie­ßen wol­len: Gott­fried von Straß­burg wur­de zum Schutz­hei­li­gen er­nannt. Bei man­chen Au­toren ist das Neo­ba­rock ei­ne Al­ters­er­schei­nung, die Kon­zen­tra­ti­ons­kraft scheint ih­nen ab­han­den­ge­kom­men, ein bio­lo­gi­scher Vor­gang. Jun­ger Au­tor = Ge­dich­te, ra­san­te Er­zäh­lun­gen; al­ter Au­tor = be­hä­big aus­ufern­de Ro­ma­ne.

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Ak­ti­vis­mus und Re­ak­tanz

Über drei Ana­ly­sen zur Zeit

Ein neu­es Ge­spenst geht um. Man mag es »Iden­ti­täts­po­li­tik« (Bernd Ste­ge­mann), »Wo­ke­ness« (Esther Bock­wyt) oder »Mo­ral­spek­ta­kel« (Phil­ipp Hübl) nen­nen. Im Kern ist es ei­ne aus den USA her­über­schwap­pen­de, sich epi­de­misch aus­brei­ten­de Gei­stes­hal­tung, die, zu En­de ge­dacht, an die Grund­fe­sten plu­ra­li­sti­scher Ge­sell­schaf­ten rüt­telt. Der deut­sche Du­den de­fi­niert das eng­li­sche Lehn­wort wo­ke als »in ho­hem Maß po­li­tisch wach und en­ga­giert ge­gen (ins­be­son­de­re ras­si­sti­sche, se­xi­sti­sche, so­zia­le) Dis­kri­mi­nie­rung«. Ei­gen­schaf­ten, die zu­nächst po­si­tiv be­setzt sind, denn wer ist nicht für ei­ne ge­rech­te Welt und ge­gen Ras­sis­mus? Gin­ge es nach Ver­fech­tern die­sen Den­kens, dürf­ten die Be­grif­fe »wo­ke« und Wo­ke­ness gar nicht ver­wen­det wer­den, denn wie schon »po­li­ti­cal cor­rect­ness« soll es sich um ei­nen rech­ten Kampf­be­griff han­deln. Das kann man als ziem­lich durch­sich­ti­gen Ver­such neh­men, ei­ne dog­ma­tisch auf­tre­ten­de Ideen­leh­re als un­ab­weis­ba­res Er­for­der­nis für ei­ne neue Welt ein­zu­füh­ren.

Die Pu­bli­ka­tio­nen, die sich mit die­sem Phä­no­men be­schäf­ti­gen, neh­men dra­stisch zu. Es ist na­he­zu un­mög­lich, den Über­blick zu be­hal­ten. Hier sol­len drei Bü­cher vor­ge­stellt wer­den, die die The­ma­tik ver­su­chen, mög­lichst un­ideo­lo­gisch zu er­fas­sen, aber un­ter­schied­li­che Prio­ri­tä­ten set­zen. Wäh­rend der Phi­lo­soph Phil­ipp Hübl in Mo­ral­spek­ta­kel ei­nen tie­fen, de­skrip­ti­ven Ein­blick ver­schafft, ana­ly­siert die Psy­cho­lo­gin Esther Bock­wyt in Wo­ke vor al­lem die Aus­wir­kun­gen der Gender-Theorie(n) auf die phy­si­sche und psy­chi­sche Ge­sund­heit Be­trof­fe­ner und zeigt, wie sehr die­ses Den­ken be­reits in po­li­ti­schen In­sti­tu­tio­nen bis hin zu Ge­setz­ge­bern ein­ge­sickert ist. Im be­reits im letz­ten Herbst er­schie­ne­nen Buch Iden­ti­täts­po­li­tik un­ter­sucht der Kul­tur­so­zio­lo­ge Bernd Ste­ge­mann die Aus­wir­kun­gen der von den Prot­ago­ni­sten ver­foch­te­nen schrof­fen Ab­leh­nung des Uni­ver­sa­lis­mus zu Gun­sten ei­nes Wer­te-Re­la­ti­vis­mus und ent­deckt in der Um­deu­tung der Wer­te der Auf­klä­rung frap­pie­ren­de Par­al­le­len zwi­schen rech­ten und lin­ken Denk­rich­tun­gen.

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Chri­stoph Rans­mayr: Als ich noch un­sterb­lich war

Christoph Ransmayr: Als ich noch unsterblich war

Chri­stoph Rans­mayr: Als ich noch un­sterb­lich war

Ei­gent­lich sind es drei­zehn Er­zäh­lun­gen, die Chri­stoph Rans­mayr in sei­nem neu­en Buch ver­sam­melt hat. Al­le­samt sind sie zwi­schen 1997 und 2018 pu­bli­ziert wor­den und wer­den jetzt mit dem leicht-re­si­gna­ti­ven Ti­tel Als ich noch un­sterb­lich war end­lich an ei­nem Ort zu­sam­men­ge­fasst. Wo­bei der aber­gläu­bi­sche Au­tor in ei­nem klei­nen Vor­wort von »12a« spricht, um die­se un­ge­lieb­te Zahl zu ver­mei­den. Man kann al­ler­dings auch ein­fach die Ein­lei­tung als 14. Ge­schich­te le­sen, zu­mal dort das Co­ver vom bren­nen­den Schab­racken­ta­pir er­läu­tert wird.

Rans­mayr spricht in 12a von »Spiel­for­men der Er­zähl­kunst« und be­weist in die­sem Band sei­ne Viel­sei­tig­keit. Die Ti­tel­ge­schich­te, die den Band er­öff­net, han­delt von ihm als Kind, wel­ches beim Es­sen der Buch­sta­ben­sup­pe durch die Mut­ter an­ge­lernt wird »mit ei­nem Löf­fel voll Buchstaben…die Welt in der Hand« zu hal­ten und sich dem »Zau­ber der Ver­wand­lung von et­was in Spra­che et­was selt­sam Fried­li­ches« hin­zu­ge­ben. Die­ser pa­ra­die­sisch an­mu­ten­de Zu­stand kommt zu ei­nem jä­hen En­de, als die Mut­ter »kaum sech­zig­jäh­rig, an ei­nem hei­ßen Au­gust­tag starb«. Auf dem To­ten­bett aus Ver­zweif­lung nach Wor­ten rin­gend, mahn­te die Mut­ter ih­ren Sohn ge­sti­ku­lie­rend zur Stil­le. Ein be­we­gen­des Bild.

Auch die an vor­letz­ter Stel­le wie bei­läu­fig ein­ge­ar­bei­te­te Va­ter­ge­schich­te An der Bah­re ei­nes frei­en Man­nes er­greift den Le­ser. Karl-Fried­rich Rans­mayr wird hier als ein Wie­der­gän­ger von Mi­cha­el Kohl­haas er­zählt. Da­bei klingt es zu­nächst mehr nach Bart­le­by. Rans­mayrs Va­ter wi­der­stand als Schü­ler dem Druck, auf ei­ne Na­zi-Eli­te­schu­le zu ge­hen und lehn­te es spä­ter ab, die Of­fi­ziers­lauf­bahn in der Wehr­macht ein­zu­schla­gen. »Ich woll­te un­ter die­sen Leu­ten nichts wer­den«, er­klär­te er hin­ter­her. Nach dem Krieg wur­de er Leh­rer und en­ga­gier­te sich eh­ren­amt­lich, ver­fass­te Ein­ga­ben und Ge­su­che »für Bau­ern, Hand­wer­ker, Gast­wir­te, Faß­bin­der und Schicht­ar­bei­ter«, schließ­lich stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­mei­ster und ver­gab hemds­är­me­lig und un­kon­ven­tio­nell Kre­di­te an Klein­ge­wer­be­trei­ben­de. Sei­ne Be­liebt­heit weck­te Nei­der, man de­nun­zier­te ihn, Gel­der ver­un­treut zu ha­ben. Es wur­de er­mit­telt, Karl-Fried­rich Rans­mayr »ver­lor sei­ne Stel­le als Ober­leh­rer, ver­lor al­le sei­ne Funk­tio­nen in den Ver­ei­nen des Or­tes und na­tür­lich auch sei­nen Rang als stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­mei­ster«. Der Pro­zess er­gab, dass er sich zwar nicht be­rei­chert und der Ge­mein­de kei­nen Scha­den zu­ge­fügt hat­te, aber der ju­ri­sti­sche Tat­be­stand der Un­treue blieb be­stehen. »Aber Kohl­haas, mein Va­ter, woll­te zum er­sten Mal in sei­nem Le­ben kei­ne Nach­sicht, auch kei­ne Mil­de, son­dern Ge­rech­tig­keit« und »wei­ger­te sich, das Ur­teil an­zu­neh­men.« Im­mer­hin: »Nach fünf Jah­ren Nacht­ar­beit am Fließ­band der Pa­pier­fa­brik« er­folg­te die voll­stän­di­ge Re­ha­bi­li­ta­ti­on. Dann starb sei­ne Frau, Rans­mayrs Mut­ter. Der Va­ter »lehnte…die Wie­der­auf­nah­me in die dörf­li­che Ge­mein­schaft ab« und or­ga­ni­sier­te sein Le­ben neu. Ein zärt­lich-be­wun­dern­der Ton ist in die­ser Er­zäh­lung ein­ge­wo­ben.

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Wel­ten und Zei­ten V

Trans­ver­sa­le Rei­sen durch die Welt der Ro­ma­ne

← Wel­ten und Zei­ten IV

Liest man Huys­mans‘ rück­blicken­des Vor­wort (1903) zu A re­bours (1884), er­kennt man so­gleich die Front­stel­lun­gen, li­te­ra­ri­schen Schu­len und Kon­stel­la­tio­nen, die die Au­toren je­weils zu über­win­den trach­te­ten. Huys­mans hebt die­se Re­li­efs noch her­vor. »Ge­gen den Strich«, das heißt auch: ge­gen die Li­te­ra­tur­ge­schich­te, ge­gen be­stimm­te Strö­mun­gen. Aber da es heu­te kei­ne sol­chen epo­cha­len oder schul­mä­ßi­gen Front­stel­lun­gen mehr gibt, er­üb­ri­gen sich auch die Kämp­fe da­ge­gen. Von wem soll ich mich in mei­nem Werk denn ab­gren­zen? Von El­frie­de Je­li­nek? Von … Ich wüß­te wirk­lich nicht, von wem. In den sieb­zi­ger Jah­ren des vo­ri­gen Jahr­hun­derts, kei­ne hun­dert Jah­re nach A re­bours – wie na­he die­se Da­ten jetzt bei­ein­an­der­lie­gen, um 1980 kam mir Huys­mans tief hi­sto­risch vor – galt das noch: Ex­pe­ri­men­tel­le Li­te­ra­tur ge­gen (so­zia­li­sti­schen) Rea­lis­mus, Neue In­ner­lich­keit ge­gen bei­de Fron­ten, dann noch ein­mal Rück­kehr zur Sach­lich­keit und zu­letzt – Post­mo­der­ne, d. h. anything goes, To­le­ranz ge­gen al­le und al­les. Da ste­hen wir heu­te noch, in der Post-post­mo­der­ne. Das Prä­fix läßt sich be­lie­big oft wie­der­ho­len, wie ein Ge­stot­ter. Wenn al­les geht, gibt es nichts zu er­le­di­gen.

A re­bours, der Ti­tel wur­de – mit gu­ten Grün­den – auch mit »Wi­der die Na­tur« über­setzt (na­he­lie­gend: ge­gen den Na­tu­ra­lis­mus). Was mich an A re­bours dann wie­der ab­stößt – nein, zu scharf for­mu­liert: was mich da­von wie­der weg­zieht, ist das The­sen­haf­te. Denn A re­bours ist ein The­sen­ro­man. Der Au­tor il­lu­striert er­zäh­lend-be­schrei­bend sei­ne The­se, daß Li­te­ra­tur und Kunst ih­rer ei­ge­nen Künst­lich­keit zu fol­gen ha­ben und nicht – wie es Goe­the sei­ner­zeit for­der­te – der Na­tur. Kunst ist ei­ne Art An­ti-Na­tur, so Huys­mans. Selt­sam, aber ein ganz an­de­rer Ro­man, den ich kürz­lich ge­le­sen ha­be, So­u­mis­si­on von Mi­chel Hou­el­le­becq, ist eben­falls ein The­sen­ro­man. Gar nicht so selt­sam, wenn man be­denkt, daß die Haupt­fi­gur dar­in Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler ist und als sol­cher Huys­mans-Spe­zia­list. Sti­li­stisch hat Hou­el­le­becq mit Huys­mans we­nig ge­mein­sam, und sei­ne The­se ist kei­nes­wegs ge­gen die Li­te­ra­tur­ge­schich­te ge­rich­tet – in die­ser Hin­sicht ist Hou­el­le­becq mit sei­ner Bal­zac-Be­wun­de­rung ziem­lich kon­ser­va­tiv. Nein, die vom Ro­man zu il­lu­strie­ren­de The­se be­trifft die Ge­sell­schaft und hat po­li­ti­schen Cha­rak­ter: »Der Is­lam über­nimmt die kul­tu­rel­le He­ge­mo­nie«. Der ge­sam­te Text ist auf die­se The­se hin ge­trimmt. In mei­nem Ver­ständ­nis – aber da bin ich Kaf­kaianer, nicht Tho­mas Man­nia­ner, moi aus­si j’ai choi­si mon camp – in mei­nem Ver­ständ­nis soll­te man als Au­tor ge­nau die­ses Trim­men ver­mei­den, sich viel­mehr ins Un­be­kann­te trei­ben las­sen. Der Schrei­ben­de soll­te nicht zu­viel wis­sen. Am be­sten: Gar nichts wis­sen; sein Wis­sen über Bord wer­fen.

Ich er­in­ne­re mich, wie Hand­ke vor vie­len Jah­ren ein­mal zu mir sag­te: »Sie wis­sen zu­viel.« Ich er­schrak, fühl­te mich plötz­lich wie in ei­nem Kri­mi. Ei­nen Mo­ment lang lau­te­te die Bot­schaft an mich: Wir müs­sen Sie be­sei­ti­gen. Das wer­den sie doch ver­ste­hen.

Wei­ter­le­sen

Ma­thi­as Enard: Tanz des Ver­rats

Mathias Enard: Tanz des Verrats

Ma­thi­as Enard: Tanz des Ver­rats

Ei­gent­lich sind es zwei ganz un­ter­schied­li­che Ge­schich­ten, die der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Ma­thi­as Enard in sei­nem neue­sten Ro­man er­zählt. Und das spie­gelt sich (ab­sicht­lich oder nicht?) be­reits in der deut­schen Über­set­zung des Ti­tels. Im Ori­gi­nal heißt der Ro­man Dé­ser­ter, in der deut­schen Über­set­zung von Hol­ger Fock und Sa­bi­ne Mül­ler Tanz des Ver­rats. Zum ei­nen han­delt es sich um ei­ne Er­zäh­lung in per­so­na­lem Stil um ei­nen na­men­los blei­ben­den De­ser­teur, der in ei­nem noch nicht be­en­de­ten Krieg oder Bür­ger­krieg als ei­ne Art Zwi­schen­sta­ti­on die Or­te sei­ner Kind­heit ein­kehrt, weil die­se auf dem Weg zu ei­ner Gren­ze lie­gen, wo er sich stel­len will. Und zum an­de­ren er­zählt Iri­na Heu­de­ber, 1951 ge­bo­ren, die Ge­schich­te ih­rer El­tern, dem be­rühm­ten Ma­the­ma­ti­ker Paul Heu­de­ber und der all­seits ge­schätz­ten so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Po­li­ti­ke­rin Ma­ja Scharn­horst und ih­ren Um­gang mit den lan­gen Schat­ten die­ser Per­sön­lich­kei­ten. Auf ei­nem Kon­gress zu Eh­ren ih­res 1995 ver­stor­be­nen Va­ters, der aus­ge­rech­net am 11. Sep­tem­ber 2001 statt­fin­det, sieht sie bei ei­nem Abend­essen im Re­stau­rant ein Paar, das, wie man ihr er­zählt, den »Tanz des Ver­rats« zei­gen, mit dem man durch die Art der Be­we­gun­gen ent­decken soll, »was der an­de­re ei­nem ver­schwie­gen hat«. Der Tanz schüt­ze die Prot­ago­ni­sten vor der »Schan­de des Ge­ständ­nis­ses« und da­nach sei al­les ver­zie­hen. So un­ter­schied­lich die Sze­na­ri­en auch sein mö­gen – nach der Lek­tü­re er­kennt man, dass der deut­sche wie auch der fran­zö­si­sche Ti­tel auf wun­der­sa­me Wei­se auf bei­de Er­zäh­lun­gen an­wend­bar ist.

Die Set­tings wech­seln sich, bis auf ei­ne Aus­nah­me, ste­tig in 28 Ka­pi­teln ab. Kurz über­legt man, ob es bes­ser wä­re, sie se­pa­rat und nicht ne­ben­ein­an­der zu le­sen, ent­schei­det sich je­doch für die Rei­hen­fol­ge des Bu­ches. Es be­ginnt mit dem schmut­zi­gen, nach Schei­ße und Blut stin­ken­den De­ser­teur, der seit vier Ta­ge al­lei­ne un­ter­wegs ist. Sei­ne Schu­he lö­sen sich auf, Waf­fe und Mu­ni­ti­on hat er noch, aber kei­ne Le­bens­mit­tel, er sieht aus wie der »letz­te Mensch«. Die Stim­mung ist un­heim­lich, »Ent­set­zen liegt über dem Land«. Die Nacht in der Na­tur ist ein »ge­hetz­tes Raub­tier vol­ler Angst« und die »Schreie der Ster­ne sind ei­sig.« Es gibt Rück­blicke auf den Krieg, auf die tau­sen­den To­ten, die er, der »Feig­ling«, als den er sich jetzt be­zeich­net, zu ver­ant­wor­ten hat. Das Mit­leid, dass der Le­ser zu­nächst mit dem De­ser­teur hat, wird im Lau­fe der Zeit durch die An­deu­tun­gen sei­ner Ta­ten ge­rin­ger. Über den »Cairn sei­ner Kind­heit« als Zwi­schen­sta­ti­on kommt er zu ei­ner Hüt­te, in der einst mit sei­nem Va­ter zu­sam­men war. Im­mer wie­der wird er auf Kind­heits­er­in­ne­run­gen zu­rück­ge­wor­fen wer­den oder, tref­fen­der, sich sel­ber zu­rück­wer­fen, will da­durch die Kriegs­bil­der für ei­ne kur­ze Zeit ge­bannt wer­den. Dann gibt es die Be­geg­nung mit ei­ner jun­gen Bäue­rin, die mit ei­nem ein­äu­gi­gen, strup­pi­gen Esel un­ter­wegs ist. Die Furcht der Frau, von ihm, dem Mann, ver­ge­wal­tigt oder gar er­schos­sen zu wer­den ist groß und der De­ser­teur denkt tat­säch­lich dar­über nach, sie, die Mit­wis­se­rin sei­ner Flucht, zu tö­ten. Rasch kommt die Kriegs- und Tö­tungs­lo­gik wie­der her­vor, die ein­zi­ge Mög­lich­keit, die das Über­le­ben zu si­chern ver­mag, wie es scheint. Schließ­lich tren­nen sich die bei­den; aber das ist nur für kur­ze Zeit.

Den voll­stän­di­gen Text »Spiel mit Ge­gen­sät­zen« bei Glanz und Elend wei­ter­le­sen.

The in­ward spi­ral I

Kas­san­dra – muss­te die Lek­tü­re ab­bre­chen. Die­se Sät­ze fuh­ren mir durch Mark und Bein: »Wer wird, und wann die Spra­che wie­der­fin­den. Ei­ner, dem ein Schmerz den Schä­del spal­tet, wird es sein [..]«. Die­se Sät­ze sind tief in mir, nur ver­schütt’ ge­gan­gen: ich hat­te ganz ver­ges­sen, dass sie von dort stamm­ten. Fah­rig blät­ter­te ich noch et­was im Text, aber konn­te nicht wei­ter, so blieb mir nichts au­ßer ihn von au­ßen zu um­krei­sen und ich nahm mir die Frank­fur­ter Vor­le­sun­gen vor; »Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Er­zäh­lung«, ob ich denn be­stä­tigt fän­de, wie ich mei­ne Le­se­er­fah­rung von vor knapp 18 Jah­ren er­in­ne­re.

Und im »Se­kun­där­text« fin­det sich dann auch der Dis­kurs zum Fe­mi­nis­mus, die Sehn­sucht nach ei­ner herr­schafts­frei­en Ge­sell­schaft fern un­se­rer zer­stö­re­ri­schen Aus­beu­tung. Und vie­les mehr, das ich spür­te oder viel­leicht sche­men­haft er­ahn­te. Die Ver­bin­dun­gen zu Bach­mann, die mir auch sehr herz­nah, oder zu Ador­nos Kri­ti­scher Theo­rie, an der ich im­mer noch knab­be­re.

Ei­ni­gem möch­te ich nun Nach­spü­ren: vor al­lem auch dem frei­en, un­ge­bremst of­fe­nen Spre­chen der Er­zäh­lung, von den letz­ten Din­gen, die­ses un­be­ding­te, exi­sten­zi­el­le Mo­men­tum, das ich so schmerz­haft ver­mis­se, weil ich im­mer noch der Il­lu­si­on an­hän­ge, wenn ich mich nur tie­fer in die Sprach- und Sinn­lo­sig­keit un­se­rer tech­ni­fi­zier­ten Welt ein­grü­be, dass ich dann aus die­sem Nichts ei­nen tie­fe­ren Schrei ber­gen könn­te, der wie­der et­was Mensch­lich­keit auf­schim­mern lie­ße. Statt­des­sen frucht­lo­ses Ver­stum­men.

An­ge­regt hat mich, wie bei mei­nem er­sten Es­say, Leo­pold Fe­der­mairs Es­say­rei­he, dies­mal sei­ne »trans­ver­sa­len Rei­sen«. Wahr­schein­lich wird sich wie­der kein in­halt­li­cher Be­zug fin­den, aber da ich mei­ne Halb­werts­zeit schon über­schrit­ten, möch­te auch ich wich­ti­gen Lek­tü­re­er­leb­nis­sen oder kul­tu­rel­len Prä­gun­gen nach­ge­hen. Mir schwebt da­bei das Bild ei­ner Spi­ral­be­we­gung vor. Ei­ne Rei­se ins In­ne­re. Ich den­ke da­bei an das un­welt­li­che Bild der Dia­mant­mi­ne in Si­bi­ri­en oder das Ni­ne Inch Nails Al­bum, auf den der Ti­tel die­ser Es­say­rei­he an­spielt. Auch wenn der End­punkt der Spi­ra­le als Asym­pto­te nicht er­reich­bar, hof­fe ich, dass die Mo­ti­ve und Be­zü­ge sich der­art ver­dich­ten, dass et­was über den rei­nen Text Hin­aus­ge­hen­des durch­scheint. Die­ser äs­the­ti­sche Über­schuss ist das Ziel.

Quel­le: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mirny_in_Yakutia.jpg

...wird fort­ge­setzt...