
Viel ist es nicht, was der Leser aus Xaver Bayers neuem Roman Hauch über die Protagonisten Veit und Dora erfährt. Er ist ein mit dem Literaturbetrieb hadernder, derzeit verstummter Schriftsteller. Sie übersetzt (sowohl Simultan als auch Texte) und schreibt Gedichte. Beide dürften lebenserfahren sein. Sind sie verheiratet oder nur liiert? Egal. Es gibt eine Vereinbarung: Man trennt sich für ein Jahr. Veit geht aufs Land, zieht in den kleinen, längst stillgelegten Landwirtschaftsbetrieb seines Großvaters, ein altes Haus, von dem die Dorfkinder im Vorübergehen erzählen, es wohne dort niemand mehr. Dora bleibt in der Stadt, geht ihrem Beruf nach. Ihren gegenseitigen Kontakt halten sie ausschließlich durch Briefe (oder Karten) aufrecht. Die rund 140 Nachrichten sind undatiert; aus der Schilderung des Wetters oder typischer Jahresereignisse entsteht beim Leser langsam eine zeitliche Übersicht. Es beginnt stets mit »Lieber« oder »Liebe« und endet mit »Deine« oder »Dein«. Selten gibt es einen Gruß. Formalien braucht es nicht. Bis auf drei Ausnahmen erfolgen die Briefe im regelmäßigen Wechsel.
Hauch ist trotz dieses Settings kein Schriftsteller- oder Intellektuellenroman. Warum es zu diesem Trennungsjahr kommt, bleibt ebenso unerörtert wie die Referenz auf die ökonomischen Verhältnisse insbesondere von Veit, der keine Einnahmen zu haben scheint, während Dora Aufträge erhält und auch zu Veranstaltungen fährt. Das Briefeschreiben wird zum Selbstverständlichsten und, mit der Zeit, womöglich sogar Wichtigsten auf der Welt. Veit schreibt seine Naturbetrachtungen mit der Hand auf und überträgt sie danach in den Laptop, der zunächst auch als Nachrichtenmedium dient. Im Lauf der Zeit verwendet er ihn wie auch seinen Weltempfänger immer seltener. Nachrichtenaktualitäten will er ausblenden; der Tageslauf bei sich genügt ihm.



