Neue Er­zäh­lung

Es ist ge­schafft! Spät, aber (hof­fent­lich) nicht zu spät er­scheint mei­ne neue Er­zäh­lung Lie­be­vol­le Gleich­gül­tig­keit.

Und weil es da­zu ge­hört, ist auch Grin­del­wald von 2014 (in ei­ner leicht an­ge­pass­ten Ver­si­on) da­bei.

Lothar Struck: Grindelwald & Liebevolle Gleichgültigkeit
Lo­thar Struck: Grin­del­wald &
Lie­be­vol­le Gleich­gül­tig­keit

Das Buch ist über den Mi­ra­bi­lis-Ver­lag oder bei Ama­zon so­fort be­zieh­bar.

Dank an Bar­ba­ra Mi­k­law für ih­re Ge­duld.

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Die­ter Bon­gartz: Va­ter­land

Dieter Bongartz: Vaterland
Die­ter Bon­gartz: Va­ter­land

Der Ti­tel die­ses Ro­mans ist von fei­ner Dop­pel­deu­tig­keit: Va­ter­land. Ge­meint ist nicht un­be­dingt das, was man sich dar­un­ter vor­stellt; in­di­rekt na­tür­lich schon. Da wird von je­man­dem er­zählt, der im Land des Va­ters lebt, dem Land, in der die Ver­gan­gen­heit nicht ver­gan­gen ist und da lebt der Va­ter, der Karl heißt, einst Vor­zei­ge­ober­ge­frei­ter, der vor der Reichs­kanz­lei bei Staats­be­su­chen in blank­ge­putz­ten Stie­feln die Gä­ste emp­fing, spä­ter dann ging es nach Nor­we­gen, die er­sten To­ten wa­ren Eng­län­der, die man fo­to­gra­fier­te, Tro­phä­en, dann Russ­land, er ist Feld­we­bel, »Po­si­ti­on 3351«, ein Hü­gel, den man »hal­ten« muss, er kann nicht auf den ein­zi­gen Rus­sen, der ihm dort be­geg­net, schie­ßen, et­was hält ihn zu­rück, statt­des­sen schießt der Rot­ar­mist, zwei Kopf­schüs­se, zer­schos­se­ner Mund, er wird aus der »Mat­sche­pam­pe« ins La­za­rett ge­tra­gen. Sech­zehn Mal wird Karl ope­riert, dann ei­ne Pfle­ge­an­stalt, er ist nur noch ein Kno­chen­ge­rip­pe, »Mit­glied im Bund der Hirn­ver­letz­ten«. »Sie müss­ten tot sein, sa­gen die Ärz­te« und sie schie­ben ihn zur An­schau­ung in die Hör­sä­le der Uni­ver­si­tä­ten.

Es ist aber auch die Ge­schich­te von Loui­se, da­mit be­ginnt al­les, wie sie, die klei­ne Loui­se, ih­ren Va­ter, den Kut­scher, be­wun­dert und ver­ehrt; Kind­heits­idyl­le. Und dann pas­siert das, was nicht pas­sie­ren darf, der Va­ter wird krank, tod­krank, er »be­lei­digt« sie mit sei­nem Tod und nun ist sie mit Heinz, dem Bru­der, und der über­for­der­ten Mut­ter al­lei­ne und sie müs­sen sich durch­schla­gen. Es sind die 1920er oder 30er Jah­re, Loui­se nimmt ei­ne Bü­ro­stel­lung an, ir­gend­wie lernt sie Karl ken­nen, ei­ne kon­fes­sio­nel­le »Misch­ehe«. Das Paar zieht von Qued­lin­burg ins Rhein­land, Ma­rie wird ge­bo­ren. Nach den Schüs­sen auf Karl be­sucht sie ihn Wo­chen oder Mo­na­te spä­ter, wird zu sei­nem Bett ge­führt und dann sagt sie das, was er nie ver­ges­sen wird: »Schwe­ster, das ist nicht mein Mann. Das ist nicht mein Mann. Nicht mein Mann …«. Im­mer wie­der. Trom­mel­feu­er.

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Hel­muth Kie­sel: Schrei­ben in fin­ste­ren Zei­ten

Helmuth Kiesel: Schreiben in finsteren Zeiten
Hel­muth Kie­sel:
Schrei­ben in fin­ste­ren Zei­ten

Schrei­ben in fin­ste­ren Zei­ten von Hel­muth Kie­sel ist Band XI der Ge­schich­te der deut­schen Li­te­ra­tur von den An­fän­gen bis zur Ge­gen­wart. Er schließt die Lücke zwi­schen Band X, der 2017 eben­falls von Kie­sel ver­fass­ten Ge­schich­te der deutsch­spra­chi­gen Li­te­ra­tur 1918 – 1933 und dem be­reits 2006 er­schie­ne­nen Band XII über die »deut­sche Li­te­ra­tur« nach 1945.

Es ist ei­ne Her­ku­les-Auf­ga­be, der sich Hel­muth Kie­sel un­ter­zo­gen hat und wenn man ehr­lich ist, dann kann man sich nie­mand an­de­ren vor­stel­len, der dies hät­te der­art groß­ar­tig be­wäl­ti­gen kön­nen. Um den Le­se­fluss nicht zu hem­men, ver­zich­tet Kie­sel voll­stän­dig auf Fuß- oder End­no­ten und ver­packt bi­blio­gra­phi­sche De­tails im Text. Das gilt auch für die den je­wei­li­gen Ka­pi­teln vor­an­ge­stell­ten bis­her er­schie­ne­nen Auf­sät­ze, Zu­sam­men­stel­lun­gen und Mo­no­gra­phien zu Teil­aspek­ten ei­nes The­mas. Im An­hang gibt es ne­ben ei­ner Aus­wahl­bi­blio­gra­phie ein de­tail­lier­tes Per­so­nen- und Sach­re­gi­ster. Be­son­ders de­tail­rei­che Aus­füh­run­gen zu Wer­ken, Prot­ago­ni­sten oder The­sen wer­den in klei­ne­rer Schrift ab­ge­druckt. Es ist mög­lich, die­se Stel­len zu über­sprin­gen, oh­ne den Zu­sam­men­hang zu ver­lie­ren. Ich ra­te da­von ab; was Hel­muth Kie­sel zu sa­gen hat, ist durch­weg fun­diert und in­ter­es­sant.

Im­mer wie­der wird Be­zug ge­nom­men auf Band X, der die 14jährige »Blü­te­zeit« der deut­schen Li­te­ra­tur um­fasst, um das Aus­maß des »ter­ro­ri­stisch durch­ge­setz­ten Bruchs mit der kul­tu­rel­len Tra­di­ti­on«, die sich mit dem 30. Ja­nu­ar 1933 zeig­te, deut­lich zu ma­chen. Kurz wird dis­ku­tiert, ob man von »Macht­er­grei­fung« oder, neu­tra­ler, »Macht­über­nah­me« re­den soll­te. Kie­sel ver­wen­det dann fast durch­gän­gig »Macht­er­grei­fung«.

Exil ge­gen bin­nen­deutsch

Kie­sel er­klärt, dass die um­fang­rei­che Gen­re- und Un­ter­hal­tungs­li­te­ra­tur nicht in die­se Epo­chen­be­trach­tung auf­ge­nom­men wur­de (ge­le­gent­lich zei­gen sich al­ler­dings Grenz­fäl­le). Der Fo­kus liegt auf »dich­te­risch her­aus­ra­gen­de und zeit­ge­schicht­lich auf­schluß­rei­che Li­te­ra­tur.« Ge­klärt wird der Un­ter­schied zwi­schen »deut­scher« und »deutsch­spra­chi­ger« Li­te­ra­tur und klar­ge­stellt, dass die im Exil ent­stan­de­ne Li­te­ra­tur selbst­ver­ständ­lich in die­se Be­trach­tung ein­be­zo­gen wer­den muss, weil sie ei­ne »Spiel­art« der deut­schen Li­te­ra­tur dar­stellt und die »po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lung Deutsch­lands nach 1933« als Haupt­the­ma hat­te. Die Exil­li­te­ra­tur trat an, »(1.) [zu] zei­gen, wo­zu das freie Deutsch­land kul­tu­rell fä­hig ist; (2.) die Wahr­heit über das na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Deutsch­land ver­brei­ten; (3.) den Kampf ge­gen Hit­ler un­ter­stüt­zen.« Letz­te­res war be­son­ders wich­tig für die kom­mu­ni­sti­schen Au­toren, die un­ter Le­bens­ge­fahr ver­such­ten, ih­re Li­te­ra­tur, aber auch Flug­blät­ter und Auf­ru­fe im Reich zu ver­brei­ten, um auf­klä­re­risch zu wir­ken. Die deutsch(sprachig)e Li­te­ra­tur aus dem Exil war min­de­stens zu Be­ginn sehr stark po­li­tisch grun­diert.

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Mi­cha­el Krü­ger: Un­ter Dich­tern

Michael Krüger: Unter Dichtern
Mi­cha­el Krü­ger: Un­ter Dich­tern

2023 pu­bli­zier­te der Dich­ter, Über­set­zer, Dich­ter, Her­aus­ge­ber und ehe­ma­li­ge Ge­schäfts­füh­rer des Han­ser-Ver­lags Mi­cha­el Krü­ger mit Ver­ab­re­dung mit Dich­tern bis­wei­len lau­ni­ge und sehr per­so­nen­dich­te Le­bens- und Ver­le­ger-Er­in­ne­run­gen. 1943 in ei­nem klei­nen Dorf in Sach­sen-An­halt ge­bo­ren, mach­te Krü­ger in den 1960er Jah­ren nach sei­ner Leh­re als Ver­lags­kauf­mann in Lon­don er­ste Schrit­te in die Li­te­ra­tur­welt, wur­de zu­nächst Lek­tor im Han­ser-Ver­lag, den er schließ­lich seit Mit­te der 1980er Jah­re bis 2013 fe­der­füh­rend lei­te­te. Ne­ben sei­nen au­to­bio­gra­fi­schen Er­in­ne­run­gen ent­wickel­te Krü­ger kennt­nis­rei­che Aus­flü­ge un­ter an­de­rem in die eng­lisch­spra­chi­ge, pol­ni­sche, ita­lie­ni­sche und he­bräi­sche Poe­sie. Zwei Jah­re spä­ter wid­met er sich nun mit Un­ter Dich­tern schwer­punkt­mä­ssig den deutsch(sprachig)en Poe­ten und legt ein Pot­pour­ri aus Lob- und Ge­burts­tags­re­den, Nach­wor­ten, Lau­da­tio­nen, Preis­re­den und vor al­lem sei­nen fun­kelnd-ein­fühl­sa­men, see­len­ma­le­ri­schen Nach­ru­fen aus mehr als vier­zig Jah­ren vor.

Un­ter Dich­tern be­ginnt dem Hin­weis auf die 1983 ent­stan­de­ne Er­zäh­lung En­zy­klo­pä­die der To­ten des ju­go­sla­wi­schen Schrift­stel­lers Da­ni­lo Kiš, in der Ar­chi­va­re die Bio­gra­phien al­ler Men­schen ge­sam­melt ha­ben. Krü­gers Re­kurs auf die Furcht, die Dich­ter könn­ten in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten, stimmt me­lan­cho­lisch, denn er hört nicht auf, dar­auf hin­zu­wei­sen, wie rand­stän­dig und gleich­zei­tig not­wen­dig sie und de­ren Poe­sie sind. Die Sor­ge geht da­hin, dass die klei­nen Ge­dicht­bän­de ne­ben den Kon­vo­lu­ten der mäch­ti­gen, kom­mer­zi­ell for­cier­ten Ro­ma­ne un­ter­ge­hen könn­ten. Krü­ger be­spricht, lobt und fei­ert das Ge­dicht, das Po­em und da­mit den Dich­ter und wenn es ir­gend­wie geht, ver­mei­det er den Gat­tungs­be­griff Ly­rik, wis­send, dass vie­le Dich­ter ihn als un­zu­rei­chend emp­fin­den.

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Si­mon Strauß: In der Nä­he

Simon Strauß: In der Nähe
Si­mon Strauß: In der Nä­he

Es be­ginnt mit ei­ner me­lan­cho­li­schen Er­in­ne­rung an ei­ne Auf­füh­rung sei­ner Thea­ter AG von Thorn­ton Wil­ders Un­se­re klei­ne Stadt. Ein »sanf­tes Dra­ma« über Lie­be und Leid statt Gier und Angst nennt Si­mon Strauß die­ses Stück von 1938, ein »Gleich­nis über das Glück der Dau­er«. An­de­re wür­den es ei­ne Hom­mage an die Pro­vinz nen­nen. Strauß nimmt es als Vor­la­ge zu Über­le­gun­gen über das po­li­ti­sche Mit­ein­an­der in ei­ner glo­ba­li­sier­ten, un­über­sicht­li­chen Welt jen­seits fest ze­men­tier­ter Mei­nungs­kor­ri­do­re. In der Nä­he heißt das Buch des Ro­man­ciers und FAZ-Re­dak­teurs und es ist ei­ne Mi­schung aus Re­por­ta­ge, Streit­schrift, Ma­ni­fest und bis­wei­len so­gar Uto­pie.

Grover’s Ryle, die klei­ne Stadt bei Wil­der, ist ein Ort der Ge­mein­schaft, ei­ne klei­ne »Po­lis«. In der An­ti­ke be­stan­den Städ­te aus rund 20.000 Men­schen, ähn­lich dem Ort im Stück. Die Stadt ist ein ur-po­li­ti­sches Phä­no­men; sie be­steht aus Bür­gern (dar­in ist das Wort Burg ent­hal­ten). Die­se ken­nen sich, küm­mern sich, ar­ran­gie­ren sich. Strauß ist 1988 ge­bo­ren, wuchs in der Ucker­mark auf. Die Di­cho­to­mie zu Ost ge­gen West be­kam er über­lie­fert. In­ter­es­sant, wenn er er­zählt, wie un­be­darft man einst ei­ne LPG-Fah­ne als Zelt­decke be­nutzt ha­be. Erst wäh­rend ei­nes In­ter­nats­auf­ent­halts in Neu­see­land, im Spott der »Far­ming Boys«, die ihn mit Hit­ler-Gruß und Fra­gen nach der Mau­er kon­fron­tier­ten, än­der­te sich das.

Das »Ban­den-Ge­fühl«, das sich wäh­rend der Thea­ter AG ent­wickel­te, war rasch vor­bei. Nach dem Ab­itur kam das schnel­le »Aus-den-Au­gen-ver­lie­ren«. Auch Strauß jet­te­te für Bil­dung und Be­ruf um­her. Aber die Idee der Ge­mein­schaft, wie sie sich in Wil­ders Stück zeigt, lässt ihn nicht los. Strauß wohnt in Ber­lin und in der Ucker­mark; in der Nä­he liegt Prenz­lau, nicht zu ver­wech­seln mit dem Ber­li­ner Stadt­teil Prenz­lau­er Berg, je­ner »Mo­de­kiez, des­sen gut­si­tu­ier­te Dop­pel­mo­ral ger­ne mit La­sten­rad und Pri­vat­schul­be­such cha­rak­te­ri­siert wird«. Prenz­lau hat Po­lis-Grö­ße, wur­de erst­mals 1138 er­wähnt, hat­te in ih­rer Blü­te­zeit sie­ben Kir­chen und drei Klö­ster und galt im 15. Jahr­hun­dert als »Haupt­stadt der Ucker­mark«. Zwei Jah­re wird Si­mon Strauß die­sen Ort im­mer wie­der be­su­chen, als »Bür­ger in der Nach­bar­schaft, der sich für ei­ne Fra­ge be­son­ders in­ter­es­siert: Wie ist im Zei­chen wach­sen­der Selbst­ge­rech­tig­keit und di­gi­tal be­feu­er­ter Schmählust noch Ge­mein­schaft mög­lich?«

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Jan­ko Ferk: Franz

Janko Ferk: Franz
Jan­ko Ferk: Franz

Das ist das Set­ting des Drei­ak­ters Franz des öster­rei­chi­schen Schrift­stel­lers Jan­ko Ferk, un­längst er­schie­nen in der AT Edi­ti­on: 3. Ju­ni 1925, ge­gen 16 Uhr, Op­pelt­haus, Prag, Wohn­zim­mer der Fa­mi­lie Kaf­ka. Franz ist vor ei­nem Jahr ge­stor­ben. Ott­la hat ein­ge­la­den. Ge­kom­men sind Fe­li­ce Bau­er, Do­ra Dia­mant, Mi­le­na Je­sens­ká und Ju­lie Woh­ry­zek. Auf der In­nen­sei­te wird das Al­ter der Prot­ago­ni­stin­nen zum Zeit­punkt des fik­ti­ven Tref­fens ver­merkt.

Man könn­te nun das Wit­zeln an­fan­gen, et­wa nach dem Mot­to »Fünf Frau­en und ein To­des­fall«. Und man könn­te sich amü­sie­ren über den Ge­dan­ken an die­se ima­gi­nä­re Zu­sam­men­kunft der Lieb­lings­schwe­ster des Ver­stor­be­nen mit vier sei­ner Mehrfach‑, Ganz- oder So-gut-wie-Ver­lob­ten, die sich ein Jahr nach dem Tod ih­res Franz tref­fen, ihn be­wun­dern und be­trau­ern und sich im Lau­fe des Abends im­mer mehr be­schimp­fen und be­lei­di­gen. Aber dann gibt es nicht nur die bei­den Mot­ti zu Be­ginn, son­dern auch ei­nen Hin­weis des Au­tors. Vier die­ser fünf Frau­en ha­ben die Na­zi-Bar­ba­rei nicht über­lebt. Und dann folgt der groß­ar­ti­ge Satz: »Der Mei­ster aus Deutsch­land hat ih­nen ein Grab in den Lüf­ten ge­ho­ben.« Das bleibt haf­ten und er­zeugt bei der Lek­tü­re die­ses Stückes ei­ne ge­wis­se Be­klem­mung, die ei­nem nicht mehr los­lässt. (Aber viel­leicht ist das gar nicht schlecht.)

Jan­ko Ferk ist Ju­rist, Li­te­ra­tur­kri­ti­ker, Über­set­zer, Au­tor und, nicht ganz un­wich­tig in die­sem Zu­sam­men­hang, »Kaf­ka­lo­ge«. Er hat meh­re­re Bü­cher über Werk und Le­ben von Franz Kaf­ka ver­fasst. Am En­de li­stet Ferk so­wohl sei­ne als auch die­je­ni­gen Bü­cher auf, die Ver­wen­dung in sei­nem Stück fan­den (sei­ner Ab­nei­gung zu Rei­ner Stach ge­mäß feh­len des­sen Wer­ke). Zi­ta­te aus Brie­fen oder dem Werk von Franz Kaf­ka, die im Stück von den Per­so­nen wie­der­ge­ge­ben wer­den, sind im Buch kur­siv ge­setzt (man müss­te in ei­ner Auf­füh­rung ei­nen ent­spre­chen­den Mo­dus fin­den).

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Isol­de Ohl­baum: Pe­ter Hand­ke – Ein Lang­zeit­por­trait 1975–2024 mit 150 Pho­to­gra­phien

2011 er­schien im Müry Salz­mann Ver­lag ein Pho­to­band der be­son­de­ren Art: Lil­li­an Birn­baum por­trai­tier­te den Dich­ter Pe­ter Hand­ke »in sei­ner Ab­we­sen­heit«. Birn­baum er­zähl­te im klei­nen Vor­wort von der Qual, die Hand­ke er­fasst, pho­to­gra­phiert zu wer­den, und dach­te, »es wä­re doch sinn­vol­ler, ein Bild sei­nes Gar­tens zu zei­gen, oder der Fe­dern auf dem Kü­chen­tisch« oder all der ge­heim­nis­vol­len »In­stal­la­tio­nen« sei­en sie nun er­rich­tet oder zu­fäl­lig. Und so zeig­te die­ser be­mer­kens­wer­te Band kein ein­zi­ges Mal den Dich­ter – bis auf ei­ne Aus­nah­me, als die Hän­de zu se­hen wa­ren, die Pil­ze zu­be­rei­te­ten. Der Le­ser wird zum Schau-Lu­sti­gen, sieht Mahl­zei­ten, Obst und Nüs­se, Nähu­ten­si­li­en, Blei­stift­stum­mel, Bü­cher, Ma­nu­skript­sei­ten, ei­ne ara­bi­sche Zei­tung, Trep­pen­stu­fen, auf de­nen links und rechts Bü­cher lie­gen, Laub­hau­fen, ei­nen Gar­ten­stuhl mit Sak­ko, ein Ses­sel oder das le­gen­dä­re Obst­bau­buch sei­nes On­kel Gre­gor.

Isolde Ohlbaum: Peter Handke - Ein Langzeitportrait 1975 - 2024 mit 150 Photographien - © 2025 Isolde Ohlbaum
Isol­de Ohl­baum: Pe­ter Hand­ke – Ein Lang­zeit­por­trait 1975 – 2024 mit 150 Pho­to­gra­phien – © 2025 Isol­de Ohl­baum

Und nun legt Isol­de Ohl­baum ein »Lang­zeit­por­trait« über Pe­ter Hand­ke in 150 Pho­to­gra­phien vor (plus zwei Auf­nah­men, die nicht von ihr sind). Sie um­fas­sen den Zeit­raum von 1975 bis 2024 und zei­gen den Dich­ter auf di­ver­sen »Preis-Fe­sten und dem Drum­her­um« (Frank Wier­ke im Vor­wort). Es sind zu­nächst die Fe­ste des ab 1975 bis 1995 jähr­lich in un­ter­schied­li­chen, meist süd­eu­ro­päi­schen Re­gio­nen statt­fin­den­den Pe­trar­ca-Prei­ses. Hand­ke saß hier in der Ju­ry.

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Ali­s­sa Jung: Pa­ter­nal Lea­ve – Drei Ta­ge Meer

Alissa Jung: Paternal Leave - Drei Tage Meer
Ali­s­sa Jung: Pa­ter­nal Lea­ve – Drei Ta­ge Meer

Leo ist 15, igno­riert die Ent­schul­di­gun­gen der über­ar­bei­te­ten Mut­ter auf dem An­ruf­be­ant­wor­ter, packt ha­stig ih­ren Ruck­sack und bricht auf. Auf ih­rem Smart­phone hat sie ein Vi­deo von ei­nem Mann, der als Sur­f­leh­rer ar­bei­tet und et­was über Kin­der und Fa­mi­lie er­zählt. Sie fährt zu die­sem Mann, nach Ma­ri­na Ro­mea, an die ita­lie­ni­schen Kü­ste. Man hört Salt Co­ast von Kae Tem­pest. Es ist Ja­nu­ar, man sieht ver­ein­zelt Spu­ren ei­nes Stur­mes; kei­ne Tou­ri­sten, der Ort ist wie aus­ge­stor­ben. Der Mann auf dem Vi­deo ist Pao­lo, ihr Va­ter.

So be­ginnt Pa­ter­nal Lea­ve, der er­ste Spiel­film der Schau­spie­le­rin, Ärz­tin und Dreh­buch­au­to­rin Ali­s­sa Jung. Ich muss­te erst ein­mal nach­schla­gen, dass der Ti­tel ei­ne eng­li­sche Be­zeich­nung für Va­ter­schafts­ur­laub ist. Die­se fei­ne Iro­nie führt ein we­nig in die Ir­re. Mit »Drei Ta­ge Meer« gibt es noch ei­nen deut­schen Nach­ti­tel, der zwi­schen Kurz­trip-An­ge­bot und Road­mo­vie chan­giert.

Leo er­reicht das Quar­tier ih­res Va­ters, ei­ne de­ran­gier­te, chao­ti­sche Wohn­hüt­te mit der Be­zeich­nung »BOSCO«. We­ni­ge Me­ter ent­fernt steht ein klei­ner Cam­per-Bus. Sie zö­gert kurz, dann die Kon­fron­ta­ti­on. Pao­lo, oh­ne Som­mer­bart, ist ver­blüfft, ver­mu­tet ei­ne Streu­ne­rin. Dann kon­fron­tiert Leo­na Neu­mann, ge­bo­ren 2008, den 1987 ge­bo­re­nen Pao­lo Cu­bi­di mit den Fak­ten. Sie ha­be nicht viel Zeit, sagt sie, will ihm ein paar Fra­gen stel­len, holt ein Heft her­aus, dann das Smart­phone, mit dem sie das Ge­spräch auf­zeich­nen möch­te. Es äh­nelt ei­nem Ver­hör und Pao­lo hat kei­ne Lust auf die Fra­gen, kocht ihr aus Ver­le­gen­heit Pa­sta (die ver­sal­zen sind), will ab­len­ken, Leo ver­un­si­chern und dann mel­det sich aus dem Cam­per Emi­lia, Pao­los drei- oder vier­jäh­ri­ge Toch­ter und Leo sieht, wie sich Pao­lo um die­ses Kind küm­mert, sie in den Schlaf bet­tet.

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