
Seit die Witwe Maleen Brinkmann den Nachlass von Rolf Dieter Brinkmann freigegeben und 2023 nach Marbach gegeben hatte, wird jetzt das Gebirge seiner bisher unveröffentlichten Texte bestiegen. Im Frühjahr beginnt eine Briefedition (Briefe von 1956–1958) bei Wallstein, herausgegeben von Markus Fauser und Annkathrin Sonder. Und im neuen Schreibheft von Norbert Wehr kann man eine erste Auswahl finden, getroffen und sparsam kommentiert von Michael Töteberg.
Es beginnt mit einem Text aus 1971, überschrieben als Frage im Brinkmann-Stil Worüber kann man noch schreiben, was? und es scheint so, als erinnere er sich, wenn es um die »abtraumhaft leer[en] Augenblicke am Sonntag nach dem Mittagessen« geht, die er fast herbeibeschwor, womöglich eine Reminiszenz an eine Erzählung von 1963 mit dem Titel Ein langer Sonntag, die sich ebenfalls im Schreibheft findet. Töteberg skizziert die Geschichte dieser Erzählung, die Brinkmann mehrmals umgeschrieben hatte, zeitweise weiter ausführte und als einen Romananfang dachte. Sein damaliger Lektor Dieter Wellershoff schickte sie, als »Werkstück« deklariert, an Walter Höllerer, der damals zusammen mit Hans Bender die Literaturzeitschrift Akzente herausgab. »HB dagegen« findet sich schließlich auf dem Brief und die Erzählung wurde nicht abgedruckt, wanderte ins Akzente-Archiv und wurde von Autor und Lektor vergessen.






