
Haus für eine Person
Sie heißt Rosa Lux (der Vorname ist ein Wortspiel der Mutter), ist 32 Jahre alt und wohnt irgendwo im Osten von Ostberlin in einem kleinen, 50 Quadratmeter großen Haus, dass sie (wie auch immer) von einem ehemaligen SED- und/oder Stasi-Menschen gekauft hat. Ihre Nachbarin ist die 98jährige Witwe Frau Paul, die in einem 1970er-Jahre-DDR-Kuriosum wohnt, dass ihr Mann in den 1970er Jahren aus Trümmern und Baustellenresten zusammengebaut hatte. Frau Paul bekam zwischen 1931 und 1952 fünf Kinder und hat ebenso viele politische Systeme erlebt. »Und immer waren die Namen, die ihr gefielen, politisch unerwünscht.« Mit Charme und Schalk erzählt sie davon, warum ihre Kinder nicht Wilhelm, Iwan und Glenn heißen durften und warum sie aus Joshua Joschi machen musste. Und sie erzählt von den Bombenangriffen, den Wohnblockknackern und Vierpfündern.
Rosa ist beeindruckt von der Gelassenheit und Lebensklugheit dieser Frau. Weniger sympathisch ist ihr Herr Scholl, der andere Nachbar, etwas jünger als Frau Paul, Witwer, ein Steine- und Findlingssammler (mit einem, wie sich später herausstellt, rührendem Geheimnis) und, so Frau Paul, ein damals Nazi-Überzeugter. Ansonsten ist das Viertel verschlafen, ein »Fleckchen Bürgerlichkeit«. Rosa schwankt ob sie das mögen oder hassen soll. Ihr Vater ist seit acht Jahren tot und jetzt starb auch noch ihre Mutter. Von ihrem Freund Olaf hat sie sich getrennt, der daraufhin in den Himalaya geflüchtet ist. Jetzt lebt Rosa alleine, fast isoliert, von einem One-Night-Stand mit einem schrecklichen Immobilienmakler einmal abgesehen.





