Endlich wieder ein neues Buch von Andrzej Stasiuk. »Beskiden-Chronik« heißt es, 2018 in Polen erstmals erschienen. Stasiuk wohnt ja irgendwo in den Beskiden, an der polnisch-slowakischen Grenze, in einem Haus ohne Fernsehen (aber mit WLAN), einem Holzofen und einigen Schafen. Versammelt sind 76 Feuilletons auf fast 300 Seiten, »Nachrichten aus Polen und der Welt«, so ...
An einem der schönen Tage, an denen ich mit diesem Heft im Rucksack abwechselnd herumflanierte und herumsaß, zog es mich wieder einmal nach Arashiyama, aber diesmal ging ich nicht das rechte, sondern das linke Flußufer entlang, das die meiste Zeit des Tages im Schatten liegt. Nach einer Weile begegnete ich einem Mann, der dort auf einer Bank saß, eine Haube auf dem Kopf und mit einem Lächeln begabt, das sein Gesicht wohl dauerhaft zeigt, und mich ohne Umschweife ansprach: Where are you from?
Oh my god, dachte ich zuerst (im Deutsch meiner Tochter), gab dann aber doch eine brauchbare Antwort. Es stellte sich heraus, daß er fließend englisch sprach, dieser heitere, immer noch neugierige, lebensbegierige Mann von siebzig Jahren, der ebenso unerschütterlich wie geschmeidig eine Denkweise pflegt, die sich in der Zeit, als er jung war, einer Zeit des Aufbruchs, der Öffnungen, des Alles-ist-möglich ausgebildet haben muß. (Und ich, Starrkopf, hier am tristen Computer, rede von Abbrüchen!) In jungen Jahren war er als Mathematiklehrer an einer Oberschule tätig gewesen, die Arbeit hatte ihn zu langweilen begonnen, so versuchte er sich als Blumenhändler, gründete bald einen eigenen Betrieb, zog sich nach vielen Jahren auch von diesem zurück; jetzt ist er Manager in einem Transportunternehmen. Er wohnt nicht weit von meiner Schwiegermutter entfernt, also in meiner Nähe, wenn ich in Osaka bin, Nord-Osaka, um genau zu sein, Ibaraki-shi, und kommt oft nach Arashiyama, wegen der Schönheit und Ruhe des Orts, hier weiter oben im Tal, sitzt auf der Bank, liest in einem Buch, plaudert mit Passanten – schon nach wenigen Minuten kam ein Bekannter von ihm vorüber.
[...] Peter Handke findet in seinem Vorwort den Begriff des »Zungenredens« (eine Art lyrischer Écriture automatique, welches Heranwachsenden sozusagen geschieht). Er schreibt von Arthur Rimbaud – um dann schnell diese Parallele zu verwerfen und Hafners Gedichte als einzigartig zu beschreiben: »Diese Gedichte da sind ernst; der Mensch, der sich darin äußert, das Ich, welches da, ...
Irgendwie war es Peter Handkes Schuld, dass ich 2014 »Kruso« nicht gelesen hatte. Er fand das Buch »grauenhaft« (nebst einer nicht zitierbaren Vokabel). Ich hatte dann keine Lust mehr und widmete mich anderen Büchern. »Kruso« gewann damals den Deutschen Buchpreis. Und nun wieder ein Preisbuch von Seiler, »Stern 111« (mit kurzen Cameoauftritten einer Figur namens »Kruso«). Der neue Roman hat 520 Seiten, aber es ist verblüffend leicht, den Inhalt wiederzugeben: Man ist zu Beginn im Herbst 1989. Die Mauer hatte sich geöffnet. Carl Bischoff, Einzelkind, 26, »zur Zeit Student«, wird von seinen Eltern Inge und Walter (um die 50) telegraphisch mit einer Art Hilferuf nach Hause, nach Gera gebeten. Sie offenbaren ihm, dass sie sofort »den Westen in Angriff« nehmen, noch einmal ganz von vorne anfangen wollen. Beginnen im Notaufnahmelager. Carl ist fassungslos, für ihn sind die beiden die »unwahrscheinlichsten Flüchtlinge«; die er sich nur vorstellen kann. Er richtet sich im Elternhaus ein, rechnet mit einer früher Rückkehr. Die tritt nicht ein, er bekommt einen Lagerkoller und bricht seinerseits mit dem Shiguli seines Vaters auf. Er strandet in der Berliner Hausbesetzerszene »Assel«, um die Oranienburger Strasse. Während er in Berlin lieben und leben lernt, mithilft, die ruinösen Häuser als Maurer und Putzer zu verschönern, nebenbei kellnert und eine Ziege melken kann, bekommt er die von Gera umgeleiteten Briefe seiner Mutter. Aus Sorge, dass sich die Eltern Sorgen machen würde, verschweigt er ihnen lange sein Leben in Berlin. Carls Zukunftsplan ist eine Karriere als Dichter. Die Hausbesetzer-Guerilla ist beeindruckt: Ein Handwerker und Dichter. Das passt perfekt in die ideologische Gebäckmischung der Freizeitguerillas. Ein paar Jahre später sind die Eltern über Umwege in Los Angeles gelandet und Carl verabschiedet sich schließlich aus Berlin.
Es ist nicht unbedingt ein Ausweis von fehlender Qualität, wenn Romaninhalte derart schnell rekapitulierbar sind. Es ist ein Rahmen. Literatur besteht ja auch aus Nebenaspekten. Zum Beispiel: Was ist mit dem Titel? Auf dem wunderschönen Cover sieht man eine Radioskala nebst Lautsprecherverkleidung und Senderrad. Der im Westen sozialisierte Leser lernt auf Seite 340, dass es sich um die Ansicht von »Stern 111«, einem ostdeutschen Radio, handelt. Tatsächlich spielt dieses Radio eine Rolle. Geht es um die Kurzwelle, die das Hören allerlei »verbotener Sender« zu DDR-Zeiten hätte ermöglichen können? Nein. Das Radio dient als Erinnerungsanker für Ausflüge von Carl als Kind mit seinen Eltern. Später, am Ende, wird es dann noch ausgegraben, wobei unklar bleibt, warum es jemals eingegraben wurde. Das war’s.
Schluß. Meine abgebrochenen Lektüren wollte ich doch unter den Teppich kehren. Besser, du machst mal halt und blickst zurück (auf diesen Rückblick hier). Die Rede ist da nur von Erzählliteratur, fast alles Romane. Dabei habe ich doch auch Essays gelesen, nicht nur von Foster Wallace, auch von Olga Martynova und Thomas Stangl. Montaigne, den lese ich sowieso immer, meine Bibel, die essais. Auch sogenannte Sachliteratur, Grundfragen der Maschinenethik zum Beispiel, die Namen von Sachbuchautoren vergesse ich mittlerweile fast ausnahmslos. Und Gedichte? Ich gehöre zu denen, die die Lyrik für den Kern des Planeten Literatur halten: ein heißer, glühender Kern, der in der Epik manchmal Eruptionen zeitigt; emblematisch in Bolaños Wilden Detektiven. Ricardo Piglia hat so gut wie gar keine Gedichte geschrieben – nur eines, im Traum:
Soy
el equilibrista que
en el aire camina
descalzo
sobre un alambre
de púas
Ich bin
der Seiltänzer der
in der Luft geht
ohne Schuhe
auf dem
Stacheldraht
– aber 2008 zur Eröffnung der Buchmesse in Buenos Aires sagte er in seiner (wie üblich improvisierten) Rede, in den eiligen Zeiten, in denen wir heute lebten, sei die Dichtung einer der wenigen Räume, in denen man eine eigene Zeitlichkeit entfalten könne. Und er widersprach Adornos Verdikt, nach Auschwitz sei das Schreiben von Gedichten barbarisch (die Überlieferung transportiert das Adverb »unmöglich«, doch Adorno hatte »barbarisch« geschrieben, fast so, als machte sich ein Dichter allein durch sein Dasein mit der Nazi-Barbarei gemein): Die argentinische Erfahrung nach »unserem kleinen Auschwitz« zeige, daß dies sehr wohl möglich sei, sagte Piglia und verwies auf Juan Gelman1 und Leónidas Lamborghini. »Wir, die Erzähler«, fuhr Piglia fort, »bringen den Dichtern Hochachtung entgegen, weil sie mit Sprache in Reinkultur arbeiten.«
Diese Mitteilung verbanne ich in die Fußnote, weil die Fülle des Getanen, Gelesenen, Geschriebenen langsam ein bißchen angeberisch wirkt; andererseits gehört das halt alles zum Bericht, dessen Teile sich wechselseitig erhellen sollen: Kürzlich habe ich zwei Gedichte von Gelman für eine zweisprachige Anthologie spanischer und lateinamerikanischer Dichtung übersetzt, und vor einigen Jahren auch einen ganzen Gedichtband, der bisher – auf deutsch – nicht veröffentlicht ist. Von Gedichten bin ich umgeben, mehr als von Romanen, Erzählungen oder Essays. Mit den Gedichten lebe ich. Freilich, sie lassen mir auch keine Ruhe, treten nicht so zurück in ihre Schlafkammer wie, zum Beispiel, die ersten beiden Bände der Suche nach der verlorenen Zeit. Man liest öfter und genauer, es kommt zu Verschiebungen und Überlagerungen des Sinns. So daß wir beim Übersetzen manchmal zu zweifeln beginnen: Was steht hier: amo oder amor, zwei grundverschiedene Wörter, grundverschiedene Bedeutungen. Herr oder Liebe? Mit Susanne Lange, einer großartigen Übersetzerin, der wir u. a. den neuen deutschen Don Quijote verdanken, tausche ich mich jetzt gerade darüber aus. Übersetzen ist ein genaueres, eindringliches, schöpferisches Lesen. ↩
Irgendwo im Fränkischen, um 1960 herum. »Die Hut«, ein Baugebiet. Es sollen Einfamilienhäuser entstehen für Zugezogene. Im Winter ist dort hart, ein »riesiges Dach aus Glas«, ein Anstieg, fast nicht zu bewältigen. Roseggerhafte Bilder von Menschen, die Naturgewalten trotzen. Jahrelang wird gebaut, immer wieder Unterbrechungen, weil Wasser von oben wie von unten eindringt, die Baufortschritte immer wieder zerstört. Riesige Pumpen, die nicht immer funktionieren. Feindseligkeiten von den lokalen Bauern, »stiernackige Brutalität«. Sie sind Flüchtlinge, keine Kinder des Wirtschaftswunders. Die Einheimischen sind gegen die Siedlung. Eine Parzelle für den Bau einer Schule wird verweigert. Man haust lange im Rohbau, spät erst mit Elektrizität. Die Neuen bilden »symbolische Gruppen des Scheiterns«.
Es gibt einen Wir- später Ich-Erzähler, damals Kind, heute um die 60. Die Neuansiedler und ihre »seltsame Schwermut«. »Unscheinbare, schweigsame Männer«, von den ungelösten Problemen aufgezehrt. Es herrschte ökonomischer Mangel. Mangel statt Zuversicht – ganz gegen den Zeitgeist.
Man reibt sich die Augen. Hat das wirklich DER Oskar Roehler geschrieben? Das (sozusagen) letzte verbliebene Enfant terrible des deutschen Regiefilms, der mit seinem Roman »Selbstverfickung« einen kleinen Skandal auslöste? Der Oskar Roehler, der zuweilen auf »Tele 5« sogenannte Skandalfilme analysiert? (Es sind Analysen, die meist besser sind als die Filme danach.)
Peter Handke gehört zu den Autoren, von denen ich jede Neuerscheinung früher oder später lese; manchmal später, wenn die Erscheinung nicht mehr ganz neu ist, als Nicht-Kritiker kann ich mir das erlauben. Den Aktualitätsstreß, die Hysterie des Publizierens, den martialischen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit, all das habe ich in meinem Sayonara-Essay beschrieben. Ich lese immer wieder mal die »Userkommentare« in den Foren von Tageszeitungen und stelle dann fest, wie sehr ein Teil des Publikums diese Hysterie verinnerlicht hat: Journalisten sind beim kleinen Mann unten durch, wenn sie ein, zwei Stunden später als andere Journalisten in anderen Medien an einem »Ereignis« dran sind. Als ginge es ihnen nicht um den Inhalt einer Nachricht, sondern darum, erster zu sein, der das Ding – meist fehlerhaft in der Online-Ausgabe – in die Tastatur klappert. Und darum geht es dem User auch, die Nachricht selbst er kaum, nur den Reiz der Großbuchstaben nimmt er auf. Das Internet, die digitale Verfügbarkeit, potenziert solches Verhalten, da jeder jederzeit ALLES »vergleichen« kann.
Genau das sind die neuralgischen Punkte, an denen unsereins Abstand und Langsamkeit einfordern müßte (Stifter- oder Handke-Lektüre kann Bereitwillige ein wenig dafür schulen). Ich konnte mich nach der spät gewordenen Lektüre der Obstdiebin nicht daran hindern, doch wieder mal eine Art Kritik zu schreiben, als Nichtkritiker sozusagen. Genau genommen ist es jedoch ein ironisch-dialektischer Essay geworden, den man in der Literaturzeitschrift manuskripte (Heft 224) nachlesen kann – eine Inhaltsangabe will ich hier nicht liefern. Als Titel hatte ich mir »Im Wechselbad der Gefühle« einfallen lassen, und habe damit zwei Bedeutungsebenen eingezogen: die erste betrifft den Text und seine Machart, die zweite meine Gefühle bei der Lektüre. Zwei Fliegen auf einen Schlag sozusagen.
Es kommt beim Lesen nicht selten vor, daß die Gefühle unsicher und wechselhaft sind; gute, riskante, herausfordernde oder neuartige Literatur ruft sie eher hervor als gefällige, die bestrebt ist, den Leser zu »packen«. Das Buch, das ich jetzt, während ich diesen Text abschreibe, lese, Der Riß der Zeit geht durch mein Herz von Hertha Pauli, ein Erinnerungsbuch an den Anschluß Österreichs an Deutschland, an Ödön von Horvath und Joseph Roth, an Flucht und Exil in Paris, ist gefällig, spannend, jungmädchenhaft, gutgelaunt trotz aller Schicksalsschläge. Ich lese es gern, wißbegierig, mit Zuneigung zu den meisten Figuren, aber ins Schwanken bringt es meine Gefühle und Urteile nicht.1) Literaturkritiker verschweigen solche Gefühle in der Regel, sie müssen zu einer Bewertung kommen, drei Sterne von fünf, oder doch dreieinhalb… Bei anderen Autoren ist der Wechsel der Lesegefühle über die lange Reihe ihrer Bücher verteilt, einige davon gefallen mir, andere nicht. Bei Haruki Murakami ist diese Unsicherheit selbst ein Grund, immer wieder etwas von ihm zu lesen. Kafka am Strand fand ich sehr gut, ein postmoderner, vielschichtiger und trotzdem leichtlebiger Mix, pubertäre Literatur à la Hermann Hesse, mag sein (Murakamis Held ist der Pubertät gerade eben entwachsen); Karl-Markus Gauß, einer der tapfersten und ausdauerndsten Literaturkritiker, hat sich in diesem Sinn geäußert, aber ich habe mich bei der Lektüre gut unterhalten und Zuneigung zu einzelnen Figuren gefaßt.2 Gut möglich, daß Murakami seine Figuren, auch die Bösewichte, zu sehr liebt, daß er sie verhätschelt und manchmal verdirbt: typischer Fall von amayakasu, von kawaigaru – beide Wörter verweisen auf japanische Stärken, die sich unmerklich in Übel verwandelt haben: kawaii und amae, die kleinen hübschen Dinge und das Lieb-und-angepaßt-Sein. Die Lektüre von Kafka am Strand hat mir durchaus Momente der Erkenntnis gewährt, in denen Zusammenhänge aufgegangen sind, ja, sogar etwas wie Erleuchtung ahnbar geworden ist.
Von Anfang an hörte ich aus diesem Buch einen bestimmten Ton, der sich bis zum Ende durchzieht: den fast mädchenhaften Ton der guten Laune, der selbstständigen, lebensfrohen jungen. Hertha Pauli hat das Buch im Alter von sechzig Jahren geschrieben, die "Erlebnisse" – sie nennt es tatsächlich "Erlebnisbuch" –, von denen die Rede ist, zeigen sie um 1938/39 im Alter von 31, 33 Jahren, da ist sie wirklich frei und ungebunden, doch als Halbjüdin und österreichische Patriotin auch bedroht, ohne Zukunftsaussichten. Der Widerspruch – Elend und Gefälligkeit – ist in diesem Fall nicht wirklich produktiv, die Erzählung zu linear und einsinnig, um mehr entstehen zu lassen als einen Bericht, den man gern verschlingt, weil man natürlich wissen will, wie die Geschichte einer Flucht ausgeht, und zweitens, weil die Frau so viele interessante Bekannte hatte, die meisten von ihnen Schriftsteller. Hier ein Beispiel für den unbekümmerten Ton. Pauli beschreibt eine Kellnerin in einem Dorf in Südwestfrankreich: "Da ihre Oberlippe zu kurz war, um über die vorstehenden Zähne zu reichen, blieb ihr Mund stets wie fragend offen. Auch Sanftmut und Wehrlosigkeit hatte sie mit einem Kaninchen gemein. So war Paulette die allgemeine Jagdbeute des Ortes, und als sie schließlich ein Kind gebar, war wohl der ganze Burschenstammtisch der Papa." In Zeiten von Me too kaum vorstellbar, daß eine emanzipierte Frau und Anftifaschistin so naiv und spaßhaft über die sexuellen Umtriebe einer Dorfjugend und so "lookistisch" über eine hart arbeitende junge Kellnerin schreibt. Da könnten glatt Rufe nach Zensur und Ächtung laut werden… Lest dieses Buch, das in der Reihe "Die Frau in der Literatur" – 1990, lang ist's her – neu aufgelegt wurde, bloß nicht! Aber nein, Frauensolidarität geht vor, lest es oder kauft es zumindest. Dank Google – danke! – erfahre ich, daß erst vor kurzem ein Roman von Hertha Pauli über ein Mädchen, welches das KZ überlebt hat, erschienen ist, und zwar in einem sogenannten Frauenverlag. Die Geschichte erinnert ein wenig an die von Ariel Magnus' Großmutter. (Inzwischen habe ich sie zu lesen begonnen. Der Riß der Zeit lohnt die Lektüre unbedingt; Jugend nachher, Paulis Nachkriegsroman über die Schicksale eines Mädchens, das das KZ überlebt hat, eher nicht. Der Titel verweist ungeschickt auf Jugend ohne Gott von Ödön von Horvath, den die Autorin in jungen Jahren heiß geliebt hatte. Einiges über diese alles in allem unglückliche Liebe kann man in Der Riß der Zeit erfahren. ↩
Daß Hesse von den Snobs mit größter Hartnäckigkeit niedergemacht wird, ist eine andere Geschichte. Meine Tochter liest gerade Unterm Rad, das allein ist für mich ein Grund, meinen sicherlich verschmutzten Wertungsfilter wieder einmal zu reinigen. Ich erinnere mich an eine sehr ferne Lektüre von Narziß und Goldmund. Auch dieses Buch hat in meinem Tiefengedächtnis Spuren hinterlassen und erinnert mich immer – besser: für immer – an den unauflösbaren Konflikt mit meinem Bruder. "Erinnert mich", heißt in diesem Fall: beeinflußt meine Art, mit diesem Konflikt umzugehen. Überhaupt kriege ich Lust, das Pubertäre, Unreife in Schutz zu nehmen – und denke auch gleich an einen Vorläufer, Witold Gombrowicz, den Verfechter der Unreife. ↩
Eigentlich wollte ich schon vor ein paar Tagen einen Text über das »Experiment Tageszeitung« schreiben. Nach dem Umzug nach Augsburg konnte ich einem Angebot nicht widerstehen: 3 Wochen für 5 Euro. Erinnerungen wurden wach. Der Geruch der Zeitung – wie damals, als Kind. Aber irgendwie fehlt mir in Anbetracht der Pandemie der analytische Geist für ...