Si­sy­phos auf dem Pla­teau ‑8/8-

Ein­blicke in die Aben­teu­er ei­nes be­frei­ten Le­sers

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An ei­nem der schö­nen Ta­ge, an de­nen ich mit die­sem Heft im Ruck­sack ab­wech­selnd her­um­f­la­nier­te und her­um­saß, zog es mich wie­der ein­mal nach Ara­shi­ya­ma, aber dies­mal ging ich nicht das rech­te, son­dern das lin­ke Fluß­ufer ent­lang, das die mei­ste Zeit des Ta­ges im Schat­ten liegt. Nach ei­ner Wei­le be­geg­ne­te ich ei­nem Mann, der dort auf ei­ner Bank saß, ei­ne Hau­be auf dem Kopf und mit ei­nem Lä­cheln be­gabt, das sein Ge­sicht wohl dau­er­haft zeigt, und mich oh­ne Um­schwei­fe an­sprach: Whe­re are you from?

Oh my god, dach­te ich zu­erst (im Deutsch mei­ner Toch­ter), gab dann aber doch ei­ne brauch­ba­re Ant­wort. Es stell­te sich her­aus, daß er flie­ßend eng­lisch sprach, die­ser hei­te­re, im­mer noch neu­gie­ri­ge, le­bens­be­gie­ri­ge Mann von sieb­zig Jah­ren, der eben­so un­er­schüt­ter­lich wie ge­schmei­dig ei­ne Denk­wei­se pflegt, die sich in der Zeit, als er jung war, ei­ner Zeit des Auf­bruchs, der Öff­nun­gen, des Al­les-ist-mög­lich aus­ge­bil­det ha­ben muß. (Und ich, Starr­kopf, hier am tri­sten Com­pu­ter, re­de von Ab­brü­chen!) In jun­gen Jah­ren war er als Ma­the­ma­tik­leh­rer an ei­ner Ober­schu­le tä­tig ge­we­sen, die Ar­beit hat­te ihn zu lang­wei­len be­gon­nen, so ver­such­te er sich als Blu­men­händ­ler, grün­de­te bald ei­nen ei­ge­nen Be­trieb, zog sich nach vie­len Jah­ren auch von die­sem zu­rück; jetzt ist er Ma­na­ger in ei­nem Trans­port­un­ter­neh­men. Er wohnt nicht weit von mei­ner Schwie­ger­mut­ter ent­fernt, al­so in mei­ner Nä­he, wenn ich in Osa­ka bin, Nord-Osa­ka, um ge­nau zu sein, Iba­ra­ki-shi, und kommt oft nach Ara­shi­ya­ma, we­gen der Schön­heit und Ru­he des Orts, hier wei­ter oben im Tal, sitzt auf der Bank, liest in ei­nem Buch, plau­dert mit Pas­san­ten – schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten kam ein Be­kann­ter von ihm vor­über.

Und mit die­sem Be­kann­ten, ei­nem jun­gen, eher schweig­sa­men Mann von der un­auf­fäl­li­gen und den­noch un­an­ge­paß­ten Sor­te, die es im­mer noch, so­gar in Ja­pan, gibt, stieg ich dann zu dem Tem­pel­chen hin­auf, das mir vom Hö­hen­kamm auf der an­de­ren Sei­te her­über­blickend schon oft auf­ge­fal­len war. Es war ein stei­ler An­stieg, den ich mit Mü­he schaff­te, wäh­rend der jun­ge Mann mir in kar­gen Wor­ten er­zähl­te, daß er ein hal­bes Jahr lang ei­ne Schiff­bau­schu­le in Hi­ro­shi­ma be­sucht ha­be, es sei nicht das Rich­ti­ge für ihn ge­we­sen, der­zeit ar­bei­te er als Nacht­por­tier in ei­nem Ho­tel in Nam­ba, Süd-Osa­ka, sei aber auf der Su­che nach et­was an­de­rem. Im Sen­ko­ji, je­nem Tem­pel­chen, wo er nach un­se­rer An­kunft so­gleich zwi­schen grau­en Holz­hüt­ten, Ge­rä­te­schup­pen, ver­schwand (kaum ein Wort des Ab­schieds kam über sei­ne Lip­pen), war er als »frei­wil­li­ger« Ge­hil­fe tä­tig. Die­ser Ort, hat­te er ge­sagt, kom­me sei­nem We­sen ent­ge­gen. ‘Und mei­nem’, hat­te ich, an­ge­steckt von sei­ner Art, still­schwei­gend hin­zu­ge­fügt. Aber stimm­te das denn, ent­sprach die­se klei­ne, zu­gleich ein­sied­le­ri­sche und auf ein al­ter­na­ti­ves Ziel­pu­bli­kum schie­len­de In­sti­tu­ti­on (denn ei­ne sol­che schien es zu sein), mei­nem We­sen? Ich saß da auf der Holz­bank über dem Ab­grund, schau­te hin­un­ter zum leuch­tend grü­nen Fluß, gre­at view!, das Ver­spre­chen in eng­li­scher Spra­che war mir auf dem Weg ins Au­ge ge­sprun­gen, und jetzt dräng­te sich mir ein an­de­rer dicker Schrift­zug zwi­schen zahl­lo­sen chi­ne­si­schen und ja­pa­ni­schen Zei­chen auf: NO BIRTH NO DEATH. Was soll­te das hei­ßen? Die Bot­schaft – kei­ne Fla­schen­post, eher ein Wer­be­slo­gan, Pro­pa­gan­da ei­nes ne­bu­lo­sen Zen­tral­ko­mi­tees – war an mich ge­rich­tet, sie ging mich an. NO LIFE NO DEATH hat­te ich zu­erst ge­le­sen, mein Ver­nunftsinn hat­te so ge­le­sen und die Wort­fol­ge um­ge­kehrt: NO DEATH NO LIFE. Ak­zep­tie­re den Tod, dann kannst du le­ben. Ich weiß, daß mir in mei­nem Le­ben nur noch bleibt, mei­ne per­sön­li­che ars mo­ri­en­di aus­zu­ge­stal­ten. Je schö­ner, kom­ple­xer, tief­sin­ni­ger sie ge­rät, de­sto län­ger wer­de ich dar­an ar­bei­ten dür­fen.

Aber halt, da stand ja: NO BIRTH. Und auf ei­nem an­de­ren Blatt da­ne­ben ei­ne Er­läu­te­rung mit An­toi­ne La­voi­sier, dem Va­ter der mo­der­nen Che­mie, die ja, an­stel­le der al­ten Al­che­mie, den Schlüs­sel des Le­bens kennt. Bio­che­mie. Ri­en ne se crée, ri­en ne se perd, tout se trans­for­me. Der En­er­gie­er­hal­tungs­satz, oder? Ich selbst und wir al­le sind da in­be­grif­fen, mei­ne Li­bi­do, wie auch die der Ge­sell­schaft, bleibt stets gleich, ver­schiebt und wan­delt sich aber. Nichts ent­steht – im Sinn ei­nes Ur­sprungs – und nichts ver­geht, es ent­wickelt sich bloß, was im­mer schon da war, und trans­for­miert sich. Wir sind un­sterb­lich, sind un­ge­bo­ren, un­ser klei­nes Ich mag ver­lo­ren­ge­hen – nicht ganz ver­lo­ren, nein, et­was tritt an sei­ne Stel­le. Der Bud­dhis­mus, hat­te ich ge­dacht, wird von der Idee der Wie­der­ge­burt durch­zo­gen, durch­tränkt, durch­lüf­tet. Viel­leicht läuft das auf das­sel­be hin­aus, Wie­der­ge­burt ist Trans­for­ma­ti­on, Ge­stal­tung ist Um­ge­stal­tung, Goe­the wuß­te das, und Scho­pen­hau­er und noch ein paar an­de­re. Auf die Bü­cher­welt über­tra­gen: Was wir »Werk« nen­nen, die Schöp­fung ei­nes ein­zel­nen (oder ei­nes Kol­lek­tivs), ist nur ei­ne an­de­re Aus­ge­stal­tung der li­te­ra­ri­schen Sub­stanz, die nie­man­dem zu­ge­schrie­ben wer­den kann, auch kei­nem Kol­lek­tiv, schon gar kei­nem Volk.

Der Sen­ko­ji ist ein Zen-Tem­pel­chen. Die locke­re Art, in der er »ver­wal­tet« und nicht ver­wal­tet – durch Nicht­ver­wal­tung ver­wal­tet – wird, zieht mich an, macht mich aber auch skep­tisch. Ich ver­mu­te, es ist die ame­ri­ka­ni­sier­te Va­ri­an­te des Zen-Bud­dhis­mus, die hier an­ge­bo­ten wird, wi­der den Kom­merz und doch ein we­nig ge­schäfts­tüch­tig, im­mer­hin zahlt man Ein­tritt, gra­tis ist das nicht, ir­gend­wo­her muß das Geld kom­men, um das Dach nach Sturm­schä­den (am Sturm­berg, ara­shi­ya­ma) re­pa­rie­ren zu kön­nen. Ich ha­be ein al­tes Fo­to ge­se­hen, aus den sech­zi­ger oder frü­hen sieb­zi­ger Jah­ren, da war von dem Tem­pel­chen nur noch das Ske­lett üb­rig, nicht ein­mal ein Ein­sied­ler wird noch hier ge­haust ha­ben. Und dann wur­de es re­stau­riert, in der Zeit der Öff­nun­gen und Auf­brü­che, als in den USA und auch in Eu­ro­pa ein klei­nes Mas­sen­pu­bli­kum zu me­di­tie­ren und Yo­ga zu trei­ben be­gann und Bü­cher wie Zen und die Kunst, ein Mo­tor­rad zu re­pa­rie­ren las, aber auch die et­was ge­lehr­te­ren Auf­sät­ze von Dai­setsu Su­zu­ki.

Bambuswäldchen am Sturmberg (Matsuo Basho war hier!) © Leopold Federmair

Bam­bus­wäld­chen am Sturm­berg (Matsuo Bas­ho war hier!) © Leo­pold Fe­der­mair

Der Sen­ko­ji aber hat ei­ne viel wei­ter zu­rück­rei­chen­de Ge­schich­te, sei­ne An­fän­ge lie­gen im frü­hen 16. Jahr­hun­dert, in der Mo­moy­a­ma-Zeit, als ein ge­wis­ser Ryoi Sumi­no­ku­ra nach ei­nem er­folg­rei­chen Kauf­manns­le­ben ihn er­rich­ten ließ. Der wort­kar­ge Nacht­por­tier aus Takats­uki hat­te mir ge­sagt, daß Matsuo Bas­ho hier ge­we­sen sei und bei der Ge­le­gen­heit ein Hai­ku ver­faßt ha­be. Ich glau­be, das ist nicht be­zeugt, aber daß er Ara­shi­ya­ma be­such­te, geht aus sei­nem Rei­se­ta­ge­buch von 1691 her­vor, und das Tem­pel­chen kam sei­nen Vor­lie­ben ge­wiß ent­ge­gen.

Es gibt ein Ge­dicht, in dem der Na­me, Ara­shi­ya­ma, vor­kommt:

dich­ter Bam­bus­hain
am Berg der kräf­ti­gen Win­de
die stets ihn durch­we­hen

Ara­shi­ya­ma, Sturm­berg. Wahr­schein­lich be­zieht sich das Ge­dicht auf den Hain auf der an­de­ren Sei­te, Rich­tung Kyo­to, wo sich heu­te die (groß­teils) chi­ne­si­schen Tou­ri­sten drän­gen – die gab es da­mals noch nicht. Viel bes­ser ist frei­lich das Ge­dicht, das Matsuo un­mit­tel­bar vor­her am sel­ben Ort ge­schrie­ben hat­te; ich ge­be es hier in et­was freie­rer Über­set­zung wie­der:

schmerz­li­cher Kno­ten
Bam­bus­spros­se zu wer­den
Men­schen schrei­ten vor­an

Ja, das ist die lei­se Tra­gik: Men­schen schrei­ten vor­an. Hi­to no ha­te. Flie­gen auf wie Vö­gel, wie Me­teo­re, wie Bam­bus­spröß­lin­ge. »Ich woll­te im­mer auf­flie­gen wie ein Vo­gel aus der Schlucht; jetzt le­be ich au­ßen am Kri­stall.« Die­ser Satz von Gott­fried Benn hat sich dem Halb­wüch­si­gen, der ich war, ein­ge­prägt und sein Bild-Wort-Ge­dächt­nis nie mehr ver­las­sen. Über­all­hin be­glei­tet es mich, auf den Sturm­berg, zu Matsuo Bas­ho, nach Ara­shi­ya­ma.

Back in Hiroshima © Leopold Federmair

Back in Hi­ro­shi­ma © Leo­pold Fe­der­mair

Und jetzt ich hier, back in Hi­ro­shi­ma, mit mei­ner Li­ste, den ewi­gen Sta­peln. Was kommt zu­erst dran? Was kommt weg, was hin­zu? Her­tha Pau­li (weil die spa­ni­sche Über­set­ze­rin mich um ein Vor­wort ge­be­ten hat) oder Hen­ry Ja­mes mit dem Ve­ne­dig-Buch oder Jo­seph Brods­ky, auch Ve­ne­dig, weil ich dem­nächst wie­der hin­fah­re und sol­che Rei­sen oh­ne li­te­ra­ri­sche Be­glei­tung / li­te­ra­ri­schen Er­trag gar nicht denk­bar sind. Ob ich die Fried­hofs­in­sel dies­mal be­su­chen wer­de? Ich war nie dort, ha­be nur da­von ge­schrie­ben.

Viel­leicht soll­te ich ei­ne Wei­le gar nichts le­sen. Die Buch­sta­ben zie­hen oh­ne­hin nur noch an mir vor­bei, rou­ti­ne­mä­ßig, die Ka­ra­wa­ne der Sät­ze. Bes­ser schrei­ben, das kann ich noch. Bes­ser schrei­ben. Ei­nen Stein den oh­ne­hin schon him­mel­ho­hen Berg hin­auf­rol­len, so­fern mir die Ele­ganz des Rol­lens ge­ge­ben ist und ich mir das Schlep­pen er­spa­ren darf. Noch ei­nen Stein. Si­sy­phos auf dem Pla­teau von Ba­bel.

Seit ich kei­nen Wert mehr auf ei­ne ei­ge­ne Bi­blio­thek le­ge und nur noch ein paar Hand­bü­cher be­sit­ze, die ich auf ei­nem Bauch­la­den – trag­ba­re Bi­blio­thek, ich hö­re euch sa­gen: Leg dir ei­nen Kind­le zu – durch die Welt füh­ren kann, ge­be ich Bü­cher, nach­dem ich sie ge­le­sen ha­be, gern weg. Vor mir das Er­in­ne­rungs­bild ei­ner nicht mehr ge­brauch­ten öf­fent­li­chen Te­le­phon­zel­le in ei­nem öster­rei­chi­schen Dorf, zur frei­en Mi­ni­bi­blio­thek um­funk­tio­niert, Spen­den eben­so will­kom­men wie Aus­lei­hen und Dieb­stäh­le. Sie ster­ben sonst aus, die Te­le­phon­zel­len, und auch die Le­ser­schaft ist ei­ne ra­re Spe­zi­es ge­wor­den. Kürz­lich in Osa­ka, ver­wand­tes Bild, im ge­sichts­lo­sen Meer der Groß­stadt, ein klei­nes, gut ge­füll­tes Re­gal im Mo­no­rail-Bahn­hof, dies­seits der Ab­sper­rung, da­ne­ben ein Ge­trän­ke­au­to­mat, da­vor zwei Ti­sche und ein paar Stüh­le.

Aber in Ja­pan, wo ich die mei­ste Zeit le­be, wel­chen Sinn macht es (macht es) hier, deut­sche oder fran­zö­si­sche oder spa­ni­sche Bü­cher zu­rück­zu­las­sen? Wo nicht ein­mal Spe­zia­li­sten, aka­de­misch be­stall­te Er­for­scher des Frem­den, in der Fremd­spra­che le­sen? In ei­ner öster­rei­chi­schen Klein­stadt ha­be ich vor et­wa ei­nem Jahr­zehnt in ei­nem Ca­fé den Ac­tion-Ro­man Bren­nen­der Za­ster von Ri­car­do Pi­glia, der ei­ne im grie­chi­schen Sinn tra­gi­sche Ge­schich­te – so die Selbst­ein­schät­zung des Au­tors – er­zählt, auf ein Reg­al­brett un­ter dem Fen­ster ge­stellt. Das Buch ist im­mer noch da, hin und wie­der stat­te ich ihm ei­nen Be­such ab; ob es ge­le­sen wur­de, auch nur ein ein­zi­ges Mal, ich ha­be mei­ne Zwei­fel. Fla­schen­post, treib wei­ter, auf der Stel­le. Au ca­fé de la jeu­nesse per­due, ei­nes der zau­ber­haf­ten Bü­cher von Pa­trick Mo­dia­no, ha­be ich letz­ten Som­mer in ei­ner Künst­ler­woh­nung in Öster­reich zu­rück­ge­las­sen, die mir freund­li­cher­wei­se für ei­ne Wo­che zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den war (vie­le der zeit­wei­li­gen Be­woh­ner dort kom­men aus an­de­ren Län­dern, spre­chen an­de­re Spra­chen). So ge­winnt je­des von mir ge­le­se­ne Buch ei­ne zu­sätz­li­che Ge­schich­te, an der ich manch­mal so­gar ein we­nig teil­ha­ben kann. Die Bü­cher le­ben wei­ter, es gibt kei­nen Tod, je­de neue Lek­tü­re, sei es auch erst in zehn oder hun­dert Jah­ren, trans­for­miert es, je spä­ter de­sto mehr. Auch ge­bo­ren wer­den die Bü­cher nicht, die Au­toren neh­men nur ei­nen Strom auf, neh­men an ihm teil, schwim­men mit dem und ge­gen den Strom, der durch die Zei­ten fließt. Goe­the am Faust-Strom, Kier­ke­gaard am Don Ju­an-Fluß, Brecht am Bett­ler-Ka­nal – um nur be­rühm­te, mit Na­men be­nann­te Bei­spie­le zu ge­ben. Wer schreibt, schöpft nicht nur aus dem Le­ben, aus in­di­vi­du­el­len oder kol­lek­ti­ven Er­fah­run­gen, son­dern aus den di­ver­sen Flüs­sen, Fluß­ar­men, Tüm­peln, Mee­ren der Li­te­ra­tur. Nicht zu­letzt des­halb sind die gan­zen Ur­he­ber­rechts­dis­kus­sio­nen so ab­surd. Fuck you, Kul­tur­in­du­strie!

NO BIRTH NO DEATH! Aber was ma­che ich jetzt mit Do­ra Bru­der? Ich hat­te das Buch in ei­ne Ge­sprächs­run­de von Fran­zö­sisch­stu­den­ten und –do­zen­ten mit­ge­nom­men, ha­be es dann aber nicht ge­wagt, es je­man­dem zu schen­ken. Zu­min­dest die Mög­lich­keit, daß es ge­le­sen wird, soll­te be­stehen, aber die Stu­den­ten le­sen ja nicht, je­den­falls nicht so­was, und ih­re Leh­rer auch nicht. Bei die­sen für mich lehr­rei­chen Ge­sprä­chen, in de­nen die Teil­neh­mer oft nur ra­de­bre­chen, ha­be ich be­merkt, daß die jun­gen Leu­te (nur in Ja­pan?) al­le ihr ko­da­wa­ri ha­ben, ir­gend­ei­ne klei­ne, net­te Ob­ses­si­on, ein Hob­by, ihr Fahr­rad oder ei­ne be­stimm­te Man­ga-Se­rie, oft seit ih­rer frü­hen Ju­gend. Da­bei blei­ben sie dann, oft ihr Le­ben lang, wie ich von den äl­te­ren Ge­sprächs­run­den­teil­neh­mern er­fah­re. Ei­ne Hand­voll Fil­me se­hen sie –zig und hun­der­te Ma­le im DVD-For­mat, ein Buch, ein ein­zi­ges, le­sen sie ein­mal pro Jahr, in den Som­mer­fe­ri­en, und die »Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler« hal­ten es nicht an­ders, sie wis­sen zum Bei­spiel ALLES über den Ulysses von Joy­ce (der sich für ein sol­ches Fach­idio­ten­tum be­son­ders gut eig­net, Fin­ne­gans Wa­ke frei­lich noch bes­ser).

Ei­ne Stu­den­tin hat­te als Kind das Eli­sa­beth-Mu­si­cal in Taka­ra­zu­ka ge­se­hen, im be­rühm­ten Mu­si­cal-Thea­ter, wo aus­schließ­lich Frau­en auf­tre­ten, na­tur­ge­mäß auch in Män­ner­rol­len. Seit­dem in­ter­es­siert sie sich für nichts an­de­res, ich muß­te mit ihr die un­säg­li­chen Ge­dich­te un­se­rer ehe­ma­li­gen Kai­se­rin durch­be­spre­chen, die sie dann ins Ja­pa­ni­sche über­setz­te. Wenn ich mit mir ver­glei­che – man soll nicht mit sich ver­glei­chen? Aber kann man denn an­ders? –: Ich woll­te mir in die­sem Al­ter al­les an­eig­nen, und noch jetzt will ich das, bin nie da­mit fer­tig ge­wor­den, schritt­wei­se ALLES, die Neu­gier für das Un­be­kann­te hört nie auf. Ist ei­ne sol­che Hal­tung jetzt ob­so­let? Ver­al­tet? Viel­leicht ja, je­den­falls ha­be ich mit der Zeit ge­merkt, daß ALLES nicht zu ha­ben ist. Auch des­halb die Idee der Trans­ver­sa­li­tät: Kei­ne Ter­ri­to­ri­en er­schlie­ßen oder gar be­set­zen, son­dern Li­ni­en zie­hen, Quer­ver­bin­dun­gen, in Be­we­gung blei­ben. Wie die Bü­cher und ih­re ein­sa­men, hoff­nungs­los ein­sa­men Bot­schaf­ten (Hoff­nungs­lo­sig­keit, die von Zeit zu Zeit ei­nes Bes­se­ren be­lehrt wird). Do­ra Bru­der liegt aus­ge­le­sen auf ei­nem Sta­pel in mei­nem Bü­ro; ich wer­de zu­se­hen müs­sen, daß das Buch nicht ganz nach un­ten wan­dert, son­dern auf­fliegt, ei­nes Ta­ges, frü­her oder spä­ter.

Und mei­ne Zu­kunfts­li­ste? Un­end­li­cher Spaß ist da­zu­ge­kom­men, In­fi­ni­te Qu­est, Ama­zon hat mir, oh­ne die Post­ge­bühr zu ver­rech­nen (thx!), den zwei­ten Fo­ster Wal­lace-Zie­gel ge­schickt. Die Ve­ne­dig-Schrif­ten von Hen­ry Ja­mes – über­haupt neh­me ich mir seit län­ge­rem vor, mehr von die­sem Au­tor zu le­sen. Ich ha­be schon mit der Lek­tü­re be­gon­nen, bald wer­de ich die Rei­se, das Ein­tau­chen in die Wirk­lich­keit, an­tre­ten kön­nen.

Oder ei­ne Wei­le gar nichts mehr le­sen…

Ich wie­der­ho­le mich, es reicht. Mal se­hen, wie lan­ge ich es oh­ne Bü­cher aus­hal­te. Mei­ne Stern­stun­den als Le­ser sind oh­ne­hin vor­bei. Bes­ser schrei­ben – ich wie­der­ho­le mich. Noch ei­nen Stein den oh­ne­hin schon him­mel­ho­hen Berg hin­auf?

Noch ei­nen. Ich wie­der­ho­le mich.

© Leo­pold Fe­der­mair

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wit­zig, Leo­pold F., war­um sagst du denn im­mer »In­fi­ni­te Qu­est« statt »In­fi­ni­te Jest«!? Freud­scher Ver­spre­cher, oder wie? Ob­wohl dein Ubw ja nicht ganz un­recht hat (das Ubw hat nie Un­recht!), wir al­le sind im­mer auf der Su­che, und D. F. Wal­lace erst recht.

  2. Scha­de, dass ihr Es­say nun auf­hört. Aber es gibt ja Ih­re Bü­cher, auf die ich nun neu­gie­rig ge­wor­den bin.

    Hat­te ich das En­de – ei­ne Wei­le nicht le­sen – vor­aus­ge­ahnt? Ich hat­te, be­vor ich den letz­ten Teil ge­le­sen hat­te, ei­nen ähn­li­chen – letzt­lich wohl pla­to­ni­schen – Ge­dan­ken: die Bü­cher­höh­le zu ver­las­sen und zur »Wirk­lich­keit« auf­zu­bre­chen. (Wo­bei ich – im Un­ter­schied zu Pla­to – die­se Wirk­lich­keit nicht un­be­dingt in ei­nem Ideen­kos­mos ver­mu­te). Aber wei­sen gu­te Bü­cher nicht oh­ne­hin den Weg ins Of­fe­ne? (Da kommt mir so­gleich der Vers Höl­der­lin in den Sinn: »Komm! ins Of­fe­ne, Freund!«)

    Ihr Es­say hat mich au­ßer­dem da­zu ver­lei­tet, mei­ne Lek­tü­ren im Gei­ste Re­vue pas­sie­ren zu las­sen. Was ist da­von ge­blie­ben? Was wür­dest du wie­der le­sen? Was wür­dest du noch ger­ne le­sen? Wel­che Spu­ren wei­ter ver­fol­gen? Und ich fan­ge an, Li­sten zu ma­chen ...

    All das lässt sich kaum auf ei­nen Nen­ner brin­gen.

  3. Hat­te mich an­fangs ver­le­sen. Statt

    Aber wei­sen gu­te Bü­cher nicht oh­ne­hin den Weg ins Of­fe­ne?

    las ich

    Aber wei­sen gu­te Bü­cher nicht oh­ne­hin den Weg ins Off­line?

    Par­don.

  4. Selt­sa­mer­wei­se geht es mir un­ge­fähr seit der Be­en­di­gung die­ses Es­says so, daß ich kaum noch ein Buch über die Hälf­te hin­aus­brin­ge. Da­vid F. Wal­lace hat mich nach ein paar hun­dert Sei­ten an­ge­ödet mit sei­ner stän­di­gen Osten­ta­ti­on ir­gend­wel­chen Fach­wis­sens und der Dau­er­i­ro­nie, die er zu be­kämp­fen vor­gibt. Oder Ge­or­ge Stei­ner, dem ich frü­her so­sehr ver­traut hat­te – er schreibt üb­ri­gens auch über Pla­ton in »Ge­dan­ken dich­ten«, lau­ter Pla­ti­tü­den, und sei­ne Ur­tei­le oft so vor­ge­fer­tigt, den Ka­non rauf und run­ter.

    Sel­ber den­ken, sel­ber schrei­ben, das ist mei­ne Pri­vat­pa­ro­le. Und dann ha­ben wir noch die Mu­sik, wahr­schein­lich eh das ein­zi­ge, was die Mensch­heit in ih­rer Exi­stenz ein we­nig recht­fer­tigt.

  5. Ken­ne die­sen Le­se-Über­druss auch.

    Bü­cher, über die ich ge­schrie­ben ha­be, rüh­re ich ei­ne Wei­le nicht mehr an. Ich ha­be sie hin­ter mir ge­las­sen. Manch­mal stel­le ich nach­träg­lich fest, dass ich viel zu po­si­tiv ge­ur­teilt ha­be. Ein Buch »be­steht« viel­leicht erst beim oder wäh­rend des zwei­ten Le­sens.

  6. »In­fi­ni­te Jest« ha­be ich nach ca. 200 Sei­ten auf­ge­ge­ben. War­um, weiss ich nicht mehr, ein­zel­ne Epi­so­den fand ich bril­li­ant, ins­ge­samt fand ich’s aber über­frach­tet. Spä­ter ha­be ich noch Er­zäh­lun­gen von DFW ge­le­sen, die mich aber auch nicht bei der Stan­ge zu hal­ten ver­moch­ten.

  7. Ich glau­be, so kann mans sa­gen, DFW be­tref­fend. Wür­de hin­zu­fü­gen: ZU bril­lant. Will im­mer zei­gen, was er drauf­hat. Viel­leicht auch durch Dro­gen­kon­sum be­dingt, auch die Län­gen und das Ra­sen­de, wie auf Speed oder Ko­ka­in, dann wie­der Ma­ri­hua­na. Und wie Sie sa­gen, ein­zel­ne Er­zäh­lun­gen sind ein­fach gut, bril­lant oh­ne ZU. Was mich am mei­sten zu lang­wei­len an­ge­fan­gen hat: Die Weh­weh­chen der Ten­nis­pro­fis und Halb­pro­fis und all de­rer, die es nicht schaf­fen wer­den. Was geht mich das an? Ver­lei­det mir höch­stens das so­wie­so schon arg ver­lit­te­ne In­ter­es­se am Kom­merz­sport.

  8. Was ich noch als stö­rend emp­fand: so, als woll­te DFW die »to­ta­le« Kon­trol­le über die Fan­ta­sie des Le­sers ge­win­nen. Und da­mit ver­bun­den: ein Man­gel an Ge­fühl, wann es ge­nug ist. Das sind wie­der­um Sym­pto­me von De­pres­si­on und Sucht.

  9. Wer die Neue Frank­fur­ter Schu­le schätzt, wird von Da­vid Fro­ster Wal­lace bald ge­nug ha­ben. Sein Witz ist ein Tram­pel­tier. Au­ßer­dem sieht man sei­ne Krank­heit um die Ecke lu­ren, und die ist nicht schön. Jo­na­than Fran­zen z. B. ist bes­ser und in­ter­es­san­ter.

  10. Na­ja, ich fand Fo­ster Wal­lace mit sei­nem Ro­man­frag­ment »Der blei­che Kö­nig« al­le­mal in­spi­rier­ter und in­ter­es­san­ter als ein Jo­na­than Fran­zen. Da hab’ ich nichts von Krank­hei­ten ge­se­hen und ge­le­sen.

    (Es wird mir ewig ein Rät­sel blei­ben wie man so schlud­rig mit Na­men um­ge­hen kann – der Mann heisst Fo­ster Wal­lace, oh­ne »r«.)

  11. Der Ver­tip­per spielt doch schön trans­ver­sal über die Ban­de: Ist das nun Da­vid Frost (»Frost« war doch kein üb­ler Film) oder gar ganz ent­fernt Ro­bert Frost?

  12. »Der blei­che Kö­nig« ist mei­ner An­sicht nach ge­nau­so prä­ten­ti­ös und lang­fä­dig wie »Un­end­li­cher Spaß«. Wal­lace war ver­mut­lich zu schlecht drauf um gut zu schrei­ben. Das war bei Tho­mas Bern­hard ganz an­ders. Ein Lust­schrei­ber! – Den hät­te ich auch nen­nen kön­nen. Ich wür­de die Bil­lig­es­ser nicht für den ge­sam­ten Wal­lace her­ge­ben. Witt­gen­steins Nef­fe und das ei­ne oder an­de­re sei­ner Stücke (Rit­ter, De­ne, Voss) auch nicht. Auch nicht Wer­ner Schwabs Prä­si­den­tin­nen.
    Ich hät­te als Wal­lace-Ge­gen­bil­der auch Hei­ne neh­men kön­nen oder noch bes­ser: Lich­ten­berg, oder Kurt Tu­chol­sky, Mo­liè­re, Jean Paul, ähh, oder so Sa­chen wie Lum­pa­ziva­ga­bun­dus oder den Dat­te­rich. Wurscht.
    Sor­ry wg. Ver­tip­per, ich – äh – ver­fü­ge über sehr gro­ße blin­de Flecken und des­halb ei­ne eher spe­zi­el­le Wahr­neh­mung des Buch­sta­ben­ge­wim­mels (mir war das lan­ge nicht klar – wo­her auch, man sieht ja nur wie man selbst, und nicht mit den Au­gen an­de­rer...) An­de­rer­seits, mit Phor(!()kyas und Ernst Eli­as Nie­bergall ge­re­det: Da­vid Fr(!)oster Wal­lace isss gaa ned schleschd! Der in­ne­re Frost, ne, ist in der Tat ei­ne Emp­fin­dung, die mit psy­chi­schen Aus­nah­me­zu­stän­den gern ein­her­geht, und dar­un­ter litt – - – der Au­tor Wal­lace sehr.

    Auf Fran­zen lass ich nichts kom­men. Von psy­chi­schen Aus­nah­me­zu­stän­den weiß er sehr an­schau­lich zu schrei­ben – vor al­lem da­von, wie die auf das je­wei­li­ge Ge­gen­über wir­ken und ei­ne Si­tua­ti­on »fär­ben«. Ganz gro­ßes Ki­no, wie ich fin­de. Tech­ni­co­lor!

  13. Es ist nicht leicht, so krank und sui­zi­dal zu sein wie Wal­lace. Er nahm hef­ti­ge Psy­cho­phar­ma­ka – und er nahm sie un­re­gel­mä­ssig. Das ist be­son­ders schlecht.
    Wir wis­sen viel über die­se Din­ge. Und wir ha­ben sei­ne lei­der pseu­do-wit­zi­gen Bü­cher, of­fen­bar von höchst per­sön­li­chem Elend be­schwert. Er hat auch ein paar in­ter­es­san­te Sa­chen ge­schrie­ben, aber früh an schon – z. B. im Rol­ling Stone, bes­ser­wis­se­ri­sches Zeug, das zwar ei­ne flir­ren­de sprach­li­che Ge­stalt hat­te, aber we­nig Plau­si­bi­li­tät. Für mich das Pa­ra­de­bei­spiel, sei­ne pseu­do-sou­ve­rä­ne Par­tei­nah­me für John Mc­Cain im Rol­ling Stone.
    Das leuch­ten­de Ge­gen­bei­spiel ist für mich Tho­mas Bern­hard, der ei­ner mi­se­ra­blen per­sön­li­chen Dis­po­si­ti­on ei­ne um­wer­fend pro­duk­ti­ve Schreib­hal­tung ab­ge­wann.

  14. @Dieter Kief: Ich kenn’ bis­her nur »Die Ent­deckung des Un­end­li­chen: Ge­org Can­tor und die Welt der Ma­the­ma­tik« und »This is wa­ter« von Wal­lace. Aber das se­he ich über­haupt nicht von Wal­lace psy­chi­scher Ver­fas­sung über­schat­tet – für den Blog­her­ren win­ken Sie da­mit nur lei­der mit ei­nem röt­li­chen Tuch, wenn Sie sich Au­toren-au­to­bio­gra­phisch so sehr ein­fär­ben las­sen. (Aber mir ist’s auch schon ähn­lich er­gan­gen: Na­bo­kovs »Ada« war mir ein­fach un­er­träg­lich, weil viel­leicht et­was viel der ge­zier­ten »Ari­st­ro­kra­tie« des Au­tors durch­schien, muss­te ich nach 20 Sei­ten weg­le­gen)

  15. @ Phor­kyas – Das Haupt­pro­blem bei Wal­lace ist, dass er in »Un­end­li­cher Spaß« kei­nen Rhyth­mus fin­det und wenn er ei­nen hat, dann ist es der schwe­re, schlep­pen­de Takt­schlag ei­nes Trau­er­marschs. Das Buch ist nicht wit­zig, son­dern lang­fä­dig. Witz lebt vom Takt. – Das kann man bei Gern­hardts Ge­dich­ten se­hen, aber auch in sei­ner Pro­sa – und in sei­nen Auf­sät­zen. – Z. B. in dem über Wil­helm Busch – ein ein­sichts­rei­cher Licht­blick, der auf ganz leich­ten Soh­len da­her­kommt. – So macht man das!

    Wal­lace’ The­ma ist gut: Spaß und die Un­ter­hal­tungs­in­du­strie (ein­schließ­lich des Sports, den Wal­lace als se­mi­pro­fes­sio­nel­ler Ten­nis­spie­ler gut kann­te) als Nar­ko­ti­kum und die na­ko­ti­sie­ren­de Wir­kung des auf Dau­er ge­stell­ten Spa­ßes – nicht zu­letzt des Dro­gen­kon­sums. – Aber das sind ur­alte Hü­te, und je­de zwei­te (min­de­sten) Rock­star-Bio be­rich­tet da­von, und noch die letz­te The­ken­beich­te lebt von den un­wei­ger­lich auf­tau­chen­den Ver­satz­stücken. Das Ge­halt der Sucht­the­ra­peu­ten ist nicht zu­letzt ei­ne Be­loh­nung da­für, dass sie die – un­end­li­chen – Wie­der­ho­lun­gen er­tra­gen, die, mit der In­brunst des ge­ra­de selbst (=au­then­tisch...) Er­leb­ten vor ih­nen stets aufs Neue aus­ge­brei­tet wer­den.

    Das The­ma von »Un­en­ed­li­cher Spaß« ist gut – die Aus­füh­rung un­be­frie­di­gend.

    »This is Wa­ter« fand ich auch gut, hab’ aber letzt­jahr je­mand aus den USA ge­trof­fen, der auch die­se Re­de be­reits für ober­prä­ten­ti­ös hielt. Will noch­mal gucken. – Von Na­bo­kov hat ein Text über sei­ne Aus­flü­ge mit sei­nem Sohn zu ei­ner Brücke über die Ei­sen­bahn am Ufer des Gen­fer Sees um Lo­ko­mo­ti­ven zu be­schau­en mei­ne paar an­de­ren Lek­tü­ren kom­plett den Rang ab­ge­lau­fen. »Lo­li­ta« leuch­tet manch­mal noch (schwach, ganz schwach) nach. Der Ei­sen­bahn­text ist frei­lich ei­ner, auf den ich re­gel­mä­ßig – und da­mit im Hin­blick auf al­les an­de­re, was ich je ge­le­sen ha­be: Weit über­durch­schnitt­lich oft zu spre­chen kom­me. Das ist ja auch ein The­ma Leo­pold Fe­der­mairs: Wie viel des Ge­le­se­nen bleibt in Er­in­ne­rung – und auf was da­von greift man auch nach der Lek­tü­re – und wie lan­ge da­nach, möch­te ich da­zu­fü­gen – noch be­wusst zu­rück.

  16. »Gern­hardt, Wil­helm Busch und Tho­mas Bernhard...Das ist wirk­lich lä­cher­lich.«

    Lo­go – zu­mal ich Ar­thur Scho­pen­hau­er noch da­zu­fü­gen könn­te, das wür­de den »Schkan­dal« viel­leicht noch run­den, ne.

    (Zu­tritt nur für Ver­rück­te: »Al­les au­ßer Karl May und He­gel ist ei­ne un­rei­ne Mi­schung.« – Und Hu­mor, fü­ge ich die­sem frü­her be­rühm­ten Dik­tum hin­zu, ist die Saue­rei schlecht­hin – denn es geht da­bei nicht zu­letzt um Kör­per­säf­te...)

  17. Ih­re Äu­ße­run­gen zur Li­te­ra­tur be­fä­hi­gen Sie nur zu ei­ner Sa­che: Als Mit­dis­ku­tant beim »Li­te­ra­ri­schen Quar­tett«. Be­wer­ben Sie sich mal. An­schau­en wür­de ich es mir – le­sen eher nicht.

  18. Jetzt wer­den Sie lu­stig, Gre­gor Keu­sch­nig!
    Ich fra­ge mich frei­lich, was ich in ei­ner Sen­dung soll, die ich nicht an­schaue. – Ok, ich könn­te Ih­nen ei­nen Ge­fal­len tun, hehe...

    PS
    Vor­hin aus dem Grund­rau­schen in mei­nem Kopf noch zu dem Obi­gen über Ar­thur Scho­pen­hau­er, Ro­bert Gern­hardt und Hu­mor auf­ge­taucht: Es gibt nur Wil­helm Busch und Jack­son Pol­lock, – al­les da­zwi­schen ist ei­ne »un­rei­ne Mi­schung« (Ernst Bloch).

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