Wie der britische »Guardian« berichtet, sollen ab 2008 Neustudenten in Grossbritannien bei ihrer Anmeldung unter anderem nach dem Bildungsgrad ihrer Eltern befragt werden. Auch Fragen, die einen unmittelbaren Schluss zu ihrer »sozialen Schicht« zulassen, sollen gestellt werden. Sinn der Massnahme ist es, auch Angehörigen von unteren Schichten die Möglichkeit eines Studiums einzuräumen und diese eventuell zu fördern.
Gregor Keuschnig
»Juristischer Pups«
Es ist schwierig, in der allgemeinen Skandalisierung um die Frankfurter Richterin, die dann flugs zum Beleg für die »Koranhörigkeit« der deutschen Justiz aufgeblasen wird, eine besonnene, ruhige Stimme zu finden, die sich dem allgemeinen Gegeifer nicht anschliesst. Selbst so liberale und normalerweise verantwortungsvolle Politiker wie Dieter Wiefelspütz von der SPD waren nicht vor vorschnellen Verurteilungen gefeit; da wollte wohl niemand zurückstehen.
Heribert Prantl stellt in der heutigen Ausgabe der »Süddeutschen Zeitung« klar, dass die »Affäre«, die (von den üblichen Verdächtigen liebend gerne) als »Kulturkampf« hochstilisiert wird, nur ein juristischer Pups ist.
Dabei lässt Prantl – natürlich! – keinen Zweifel daran, dass die Begründung der Richterin grober Unfug ist. Natürlich darf man sich nicht auf den Koran beziehen, der (je nach Auslegung) häusliche Gewalt rechtfertigen könnte. Aber Prantl stellt auch klar:
Abschied von den Alten
Angeregt durch »en-passant« in einem Kommentar wurde ich auf ein kurzes, aber interessantes Gespräch in der FAZ zwischen Hubert Spiegel und den beiden Schriftstellerinnen Sibylle Lewitscharoff und Felicitas Hoppe aufmerksam. Unter dem leicht philisterhaften Titel »Haben Sie Überväter, meine Damen?« entwickelt sich ein erstaunliches Selbstbewusstsein einer Schriftstellergeneration den »alten Garden« gegenüber.
Es geht gleich in medias res und es fallen kühne Sätze, wie hier von Felicitas Hoppe:
Egon Bahr wird 85

Selbstüberhöhungsphantasien und Dummheit
Zwei Artikel in der aktuellen ZEIT, die sich mit dem RAF-Terrorismus auseinandersetzen:Peter Schneiders sich aufklärerisch gebender Aufsatz »Rächer wollen sie sein« und Jan Philipp Reemtsmas brillante Analyse »Lust an Gewalt«.
Unterschiedlicher könnten die Texte fast nicht sein – obwohl beide zu einem ähnlichen Resultat kommen. Aber wie so oft ist der Weg mindestens ein Teil des Ziels.
Digitale Narzissten
Was sind eigentlich Weblogs? Welche Erwartungen sind mit ihnen verknüpft? Wird mit Weblogs wirklich die Öffentlichkeit demokratisiert? Oder sind diese hohen Erwartungen bereits Makulatur, in dem die Masse der »persönlichen Tagebücher« eher banales, peinliches oder schlichtweg belangloses aufzeigen?
Der Essay von Geert Lovink mit dem Titel Blogging, the nihilist impulse (in deutsch unter dem Titel Digitale Nihilisten bei »Lettre International«, Heft 73, erschienen; Auszüge hier) versucht, diese Fragen zu beantworten. Das Verdienst dieser Untersuchung liegt u. a. darin, dass der Autor um Objektivität bemüht ist; Kassandrarufe über die verlorene Kraft des »Web 2.0« sind ihm ebenso fremd wie die emphatische Ausrufung einer neuen basisdemokratischen Gesellschaftsordnung. Neben Zitate von Experten für digitale Medien gibt es Rekurse u. a. auf Heidegger, Canetti, Baudrillard und (natürlich) Sloterdijk.
Lovink versucht nichts weniger als die Quadratur des Kreises: Den Begriff des Weblogs aus einem Definitions- und Erkennungsgespinst zu entwirren und dann die Zukunft dieses ’neuen Mediums’ vorherzusagen. Dabei ist es ganz klar, dass es durch die Heterogenität des Gegenstandes grobe Verallgemeinerungen gibt und das der Aufsatz gelegentlich ins Schwimmen kommt (in der englischen Sprache scheint sich der Autor besser ausdrücken zu können als im Deutschen). Insofern sollen diese gelegentlich groben Vereinfachungen nicht kritisiert und thematisiert werden; auch diese Betrachtung hier wird aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht alle Verästelungen gleichermassen berücksichtigen können.
Martin von Arndt: ego shooter
»Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? […] Wir brauchen aber Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord…« (Franz Kafka an Oskar Pollak 1904)

Und schnell vergisst man die gängigen Klischees der Nerds, die Tag und Nacht vor den Computern hocken und »herumballern«. Kovács ist zwar ein Spieler; ein Profispieler. Er hat vieles über die (deutschen) »Fliegerhelden« des ersten und zweiten Weltkriegs gelesen und spielt nächtelang in speziellen Foren um Punkte und Geld mit entsprechenden Flugsimulatoren. Aber der adler ist ein Mensch, nicht nur ein seelenloser Benutzername. Und es ist das Verdienst von Martin von Arndt, dies in den Vordergrund des Buches zu stellen; ego shooter ist primär kein Psychogramm eines »Ballerspielers«. Es ist eher eine Selbstvergewisserungsschrift eines Menschen, der droht, an der Welt zu verzweifeln (das er es noch nicht ist, macht eine Qualität dieses hochambitionierten und grandiosen Buches aus).
»Gespenster der Entfremdung« – Christian Klar äussert sich
Ein bisschen pseudo-investigativ gibt man sich bei »Report Mainz«: Dabei ist das Grusswort von Christian Klar vom 15.01.07 zur Rosa-Luxemburg-Konferenz, »das dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ vorliegt« im Internet einfach herunterzuladen – bei der »Jungen Welt«.
In dieser Diskussion wurde u. a. gefragt, wie sich Christian Klar, der ein Gnadengesuch zur vorzeitigen Entlassung gestellt hat, zur heutigen politischen Situation stellt. Das Grusswort gibt hierüber wenigstens teilweise Auskunft. Ich stelle den Text hier im Original- Wortlaut ein.