Po­si­ti­ve Dis­kri­mi­nie­rung

Wie der bri­ti­sche »Guar­di­an« be­rich­tet, sol­len ab 2008 Neu­stu­den­ten in Gross­bri­tan­ni­en bei ih­rer An­mel­dung un­ter an­de­rem nach dem Bil­dungs­grad ih­rer El­tern be­fragt wer­den. Auch Fra­gen, die ei­nen un­mit­tel­ba­ren Schluss zu ih­rer »so­zia­len Schicht« zu­las­sen, sol­len ge­stellt wer­den. Sinn der Mass­nah­me ist es, auch An­ge­hö­ri­gen von un­te­ren Schich­ten die Mög­lich­keit ei­nes Stu­di­ums ein­zu­räu­men und die­se even­tu­ell zu för­dern.

Kri­ti­ker wen­den ein, dass da­mit Mit­tel­stand­mi­lieus be­nach­tei­ligt wer­den und die Kri­te­ri­en für ei­ne Auf­nah­me des Stu­den­ten an ei­ner Uni­ver­si­tät kei­ne rein fach­li­chen mehr sind, son­dern ei­ne Viel­zahl an­de­rer, sach­frem­der Punk­te ei­ne Rol­le spie­len.

Ein be­mer­kens­wer­tes Vor­ge­hen. Gal­ten doch lan­ge die dog­ma­tisch-de­tail­ler­ten Vor­schrif­ten der Tu­gend­wäch­ter als Kon­sens, die sich in ei­nem Un­ge­tüm wie dem »All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz« (AGG) wie­der­fin­den und zu in­zwi­schen ab­stru­sen Kon­stel­la­tio­nen führt (et­wa, dass »un­kor­rekt« for­mu­lier­te Stel­len­an­zei­gen ab­ge­mahnt wer­den, da der In­se­rent bei der Su­che nach ei­ner Se­kre­tä­rin den Mann »dis­kri­miert« ha­be; usw.). Wo­hin das füh­ren kann, darf man in­zwi­schen in den USA be­wun­dern. Dort wer­den Scha­den­er­satz­kla­gen we­gen an­geb­li­cher Dis­kri­mi­nie­run­gen an­ge­strengt, die je­dem halb­wegs ver­nunft­be­gab­ten Men­schen die Hän­de über den Kopf zu­sam­men­schla­gen las­sen. Fir­men er­hal­ten oft an­ony­me Be­wer­bun­gen auf ih­re Stel­len­ge­su­che oh­ne Adres­se, An­ga­ben über Ge­schlecht, Al­ter und Fa­mi­li­en­stand. Sinn der Übung: Der Per­so­nal­chef soll oh­ne Vor­ur­tei­le an die Prü­fung der Be­wer­bung ge­hen. Das führt u. a. da­zu, dass Grün­de, war­um ei­ne Be­wer­bung nicht be­rück­sich­tigt wur­de, bes­ser ver­schwie­gen wer­den – man hat zu schnell ei­ne Kla­ge auf dem Tisch.

Ar­ti­kel 3 des Grund­ge­set­zes de­fi­niert üb­ri­gens recht prä­gnant, wor­auf es an­kommt, und was nie­mand an­zwei­felt. In­so­fern war ein AGG (und die vor­ge­gan­ge­ne EU-Richt­li­nie) voll­kom­men über­flüs­sig. Wich­tig war den Ver­fas­sern des GG wohl auch, dass nicht nur nie­mand be­nach­tei­ligt, son­dern auch nie­mand be­vor­zugt wer­den darf. Und hier sind wir beim The­ma der Neu­stu­den­ten in Gross­bri­tan­ni­en (ein sol­ches An­sin­nen wird ir­gend­wann auch nach Deutsch­land kom­men): Es ist ziem­lich klar, dass ei­ne Be­vor­zu­gung von Be­wer­bern (hier: Stu­den­ten), die man ei­nem be­stimm­ten Mi­lieu zu­ord­net (was ja auch will­kür­lich und auf­grund von vor­ge­fer­tig­ten Ur­tei­len ge­schieht), eben­falls ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt. Wenn man die­se Dis­kri­mi­nie­rung ge­stat­tet – und sei es als Aus­nah­me -, dann ist der ge­sam­te an­de­re Text nur Ma­ku­la­tur.

Oder man setzt sich über die­se Be­den­ken hin­weg – wie be­reits bei der so­ge­nann­ten »Frau­en­quo­te« ge­sche­hen. Längst die hier po­si­ti­ve Dis­kri­mi­nie­rung höchst­rich­ter­lich er­laubt. Dann hat dann je­doch (un­ter an­de­rem) Ar­ti­kel 3 des Grund­ge­set­zes ir­gend­wann kei­nen Wert mehr.

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