Groß­ar­ti­ge Schrift­stel­ler, die…

nie den Ge­org-Büch­ner-Preis be­kom­men ha­ben:

  • Ni­co­las Born
  • Rolf Die­ter Brink­mann
  • Her­mann Bur­ger
  • Lud­wig Fels
  • Gerd Gai­ser
  • Jo­sef W. Jan­ker
  • Gert Jon­ke
  • Gert Le­dig
  • Ger­lind Reins­ha­gen
  • Ga­brie­le Woh­mann

Wer hat Er­gän­zun­gen? Ein­wän­de?

-.-.-.-
ak­tua­li­siert hier

62 Kommentare zu „Groß­ar­ti­ge Schrift­stel­ler, die…“

  1. Nur auf die Schnel­le: Her­bur­ger? Kirch­hoff? Ar­no Schmidt?

    (Le­se ge­ra­de Woh­mann – kennt man sie denn noch?
    Und der Preis – hat er noch sei­ne Be­deu­tung? Von Wun­nicke ha­be ich, glau­be ich, nie auch nur den Na­men ge­hört ... )

  2. Her­bur­ger ken­ne ich nun wie­der nicht. Na­tür­lich Ar­no Schmidt, von dem ich rein gar nichts ge­le­sen ha­be bzw. nach ei­ni­gen Ver­suchs­sei­ten re­si­gnier­te. Aber na­tür­lich, er ge­hör­te da ‘rein-

    Wenn Bo­do Kirch­hoff ge­meint ist – er lebt noch, hat al­so wei­ter­hin al­le Chan­cen.

  3. Il­se Ai­chin­ger! Ihr Mann Gün­ter Eich hat ihn be­kom­men. Viel­leicht dach­te man, das reicht für 1 Fa­mi­lie.

  4. Sträf­lich, Il­se Ai­chin­ger kei­nen Büch­nerpreis ge­ge­ben zu ha­ben. Ge­nau­so sträf­lich, sie nicht im Bei­trag auf­zu­füh­ren. Dan­ke für die­se sehr wich­ti­ge Er­gän­zung.

    Le­se ge­ra­de, dass sie 1984 den Gün­ter-Eich-Preis be­kam, was na­tür­lich ein biss­chen lu­stig ist.

  5. Ich neh­me an, es hat da­mit zu tun, dass sie sehr spar­sam und spär­lich ge­schrie­ben hat. Was m. E. nur für sie spricht, aber im nach­hin­ein ist man klü­ger. Den Büch­nerpreis hat man eher den Viel- und Lang­schrei­bern ge­ge­ben. Den Work­aho­lics.

  6. Ich ken­ne noch vie­le, die kei­ne Prei­se be­kom­men. Uwe Frie­sel z. B.. al­so ich sel­ber. Ha­be im­mer nur für an­de­re ge­trom­melt, hät­te statt des­sen die Blech­trom­mel schrei­ben sol­len.

  7. Selbst­nen­nun­gen dis­qua­li­fi­zie­ren sich. Und vie­le nicht, das liegt in der Na­tur von Aus­zeich­nun­gen.

  8. Der ei­ne „Uwe“ bringt mich jetzt auf ei­nen an­dern, der fehlt: , dass auch Uwe Timm.

    Und dass Die­ter Wel­lers­hoff ihn nicht be­kom­men hat, fin­de ich im Nach­hin­ein … min­de­stens be­fremd­lich.

  9. Zwi­schen­stand 12.08.2026: Er­gänzt auf­grund der bis­her ein­ge­gan­ge­nen Kom­men­ta­re:

  10. Zu Kem­pow­ski: Schon sei­ne Deut­sche Chro­nik pass­te nicht in die po­li­tisch-pro­gres­si­ve Sze­ne. Die Schil­de­run­gen der DDR-Haft gal­ten als eh­ren­rüh­rig. So­gar das Echo­lot-Pro­jekt (ab 1993 pu­bli­ziert) wur­de kri­ti­siert. Der per­fi­de­ste Vor­wurf war, dass bis auf die er­ste Sei­te nichts von ihm stam­me.

  11. Was ist mit Ka­rin Struck?

    (Selt­sam, wie so ein Li­sten-We­sen frucht­bar sein kann. Es geht bei mir al­ler­dings par­al­lel mit dem an­hal­ten­den Pro­zess, mich – schon we­gen Platz­pro­ble­men – von über Jahr­zehn­te an­ge­sam­mel­ten Büchern/Autoren zu tren­nen. In mei­nem per­sön­li­chen Ka­non fin­de ich Struck al­ler­dings ei­ne über­dau­ern­de, in ih­ren Bü­chern doch ziem­lich ‚di­ver­se‘ [va­ria­ti­ons­rei­che] Stim­me, zu der ich von Zeit zu Zeit auch zu­rück­keh­re. Hät­te sie nicht ei­ne Wie­der­ent­deckung ver­dient?)

    Und noch ein Na­me kommt mir ge­ra­de: Tho­mas Brasch?
    (Ich hör dann auch auf.)

  12. @herr.jedermann

    Nein, bit­te nicht auf­hö­ren!

    Ich fü­ge bei­de ein; bei Ka­rin Struck ha­be ich mei­ne Schwie­rig­kei­ten. Klas­sen­lie­be war in­no­va­tiv, ex­pres­siv und wuch­tig. Aber die bei­den nach­fol­gen­den Ro­ma­ne ( Die Mut­ter- to­ta­ler Ver­riss von Hand­ke – und Lie­benlie­ßen ih­ren Stern sin­ken. Sie wa­ren auch spür­bar schwä­cher, fast nur noch pla­ka­tiv. Spä­ter hat mir dann Glut und Asche wie­der bes­ser ge­fal­len.

    Wie­der­ent­deckung ver­dient? Ja, si­cher.

    -.-.-.-

    Mei­ne »Li­ste« ist nicht oh­ne Hin­ter­ge­dan­ken. Im näch­sten Jahr wird die Grup­pe 47 80 Jah­re alt. Es ist in­ter­es­sant zu se­hen, wie die Prot­ago­ni­sten bis weit in die 1980er Jah­re die Li­te­ra­tur­sze­ne zu­min­dest in Deutsch­land be­stimmt ha­ben. Das gilt nicht nur für die üb­li­chen Ver­däch­ti­gen wie Grass, Wal­ser, En­zens­ber­ger oder Böll, son­dern auch für die zwei­te Rei­he (spä­ter mal Ge­naue­res). Sie wa­ren in den Le­se­bü­chern sehr lan­ge prä­sent (sind es viel­leicht im­mer noch). An­ders die­je­ni­gen, die viel­leicht ein­mal dort ge­le­sen ha­ben oder, aus Furcht, gar nicht erst an­tra­ten (Brink­mann et­wa oder auch Gert Le­dig, der ge­sagt ha­ben soll, er kön­ne nicht ne­ben je­man­dem wie Il­se Ai­chin­ger be­stehen). Es wa­ren meist Au­toren, die dem auf­ge­pfropf­ten (Neo-)Realismus Rich­ters (und der da­ma­li­gen Kri­tik, die ja im­mer do­mi­nan­ter wur­de) nicht ent­spra­chen. Sie fie­len, so­fern sie über­haupt ein­ge­la­den wur­den, durch.

    Dies zeigt sich in der Li­ste deut­lich. Es wa­ren meist Au­toren, die quer zum Zeit­geist­ge­schmack des Be­triebs stan­den, nicht von den »Groß­kri­ti­kern« be­rück­sich­tigt wur­den und da­mit auch in den Buch­hand­lun­gen nicht prä­sent wa­ren.

    Es gibt Aus­nah­men. So ha­be ich Sieg­fried Lenz nicht auf­ge­nom­men, der durch die Buch­clubs der da­ma­li­gen Zeit fast so et­was wie ein Best­sel­ler-Au­tor war und die Öf­fent­lich­keit der Grup­pe 47 nicht brauch­te. Ge­wis­ser­ma­ßen ist auch Il­se Ai­chin­ger ei­ne Aus­nah­me, weil sie sehr vie­le an­de­re Prei­se er­hal­ten hat. »Ver­ges­sen« wur­de sie nicht. An­de­re wie­der­um star­ben früh (Brink­mann) oder lie­fer­ten für den Be­trieb nur »One-Hit-Won­der« (Ka­rin Struck?). Dass ich Gerd Gai­ser auf­nahm, ist na­tür­lich ei­ne klei­ne Pro­vo­ka­ti­on ge­we­sen – der wur­de vom NSDAP-Mit­glied Wal­ter Jens und sei­nem Freund Reich-Ra­nicki ab­ser­viert, weil er ein Hit­ler-Ge­dicht ge­schrie­ben hat­te. Ernst Jün­ger ha­be ich nicht auf­ge­nom­men, weil ich ihn als Ta­ge­buch­schrei­ber in­ter­es­san­ter und wich­ti­ger fin­de. Auch er hat­te kei­ne Chan­ce.

  13. Gerd Gai­ser geht für mich völ­lig in Ord­nung – ei­ner, den ich spät ent­deckt, von dem ich dann aber al­les Ver­füg­ba­re ge­le­sen ha­be; er über­dau­ert so man­chen Per­sil­schein-Be­rei­nig­ten.

    Jün­ger se­he ich ge­nau­so: Sei­ne Zeit­ge­nos­sen­schaft – und dann das Aus-der-Zeit-Ge­fal­len-Sein im Al­ter, sein (en­to­mo­lo­gisch ge­schärf­tes?) Be­ob­ach­tungs­ge­nie.

    Ka­rin Struck, wie ge­sagt, be­wer­te ich fast we­ni­ger nach Ih­ren Bü­chern als nach ih­rer ‚Stim­me‘, die ei­nen Lang­zeit­wi­der­hall in mir ent­wickelt hat­te und hat; wil­des, weib­li­ches Den­ken; ich hat­te sie sei­ner­zeit als Kon­trast zu Kro­nau­er (al­so et­wa ge­gen wohl­ab­ge­wo­ge­ne Äs­the­tik & In­tel­lek­tua­li­tät) ge­le­sen – wo­von dann aber bei­de um­so au­to­no­me­re Stim­men für mich wur­den.

    Und so wei­ter.

    Noch ein Na­me: Al­fred An­dersch?

    (Und Ort­heil? Aber sei­ne Stim­me ist … arg ver­blasst)

    ***

    Ich le­se ge­ra­de das Ta­ge­buch von Ploog (im letz­ten ‚Schreib­heft‘), und muss sa­gen, dass sein tie­fer Skep­ti­zis­mus nicht nur ge­gen das Schrei­ben über­haupt (als ver­län­ger­tes 19.Jahrhunderts), son­dern auch gleich ge­gen den gan­zen Tho­mas Mann, ge­gen Benn, ge­gen die gan­ze Grup­pe 47, die gan­ze an­geb­li­che li­te­ra­ri­sche Er­neue­rung etc. ei­ne Sai­te in mir an­zupft.

    (So war ja auch ich nach den er­sten be­gei­ster­ten Le­se­jah­ren nach der Schu­le auf Brink­mann ge­kom­men – wo­bei dann al­ler­dings Jür­gen Becker [sei­ne Fel­der, Rän­der, Um­ge­bun­gen] min­de­stens so wich­tig war: Das war für mich der kon­ge­nia­le, der deut­sche Nou­veau Ro­man. Mei­ne vie­len Jah­re im Air­lines-Busi­ness mit dem geo­gra­phi­schen Pa­thos, für das man dann doch zu klein bleibt, und der frag­men­tier­ten Wahr­neh­mung wäh­rend der Ort- & Zeit­ver­schie­bun­gen hat­ten mir dann Ploogs In­ter­es­se an ei­ner dis­rup­ti­ven, mit ent­spre­chen­den Schnit­ten schlüs­si­ge­ren Schreib­wei­se plau­si­bel ge­macht. Die Er­geb­nis­se aus die­ser Ecke wa­ren al­ler­dings auf län­ge­re Sicht nicht ge­nü­gend und stan­den im­mer im Schat­ten des Rie­sen Bur­roughs.)

    An­de­rer­seits ent­decke ich bis heu­te, zwi­schen dem Ur­text ‚Odys­see‘ und ‚New Adult‘ (= der gu­te al­te ‚Lore‘-Roman) wie auf­re­gend die­se vor­gän­gi­ge Li­te­ra­tur sein kann: Manch­mal rei­chen ein paar Sei­ten [Sai­ten] Wolf­gang Koep­pen, und ich bin wie­der da­bei.

    Der Skep­tizi­mus al­ler­dings bleibt auch. Oder ist das nur die Par­al­le­li­tät mei­ner per­sön­li­chen Ver­jäh­rung mit dem Nie­der­gang in der deut­schen Staats­ver­trot­te­lung, die von ga­lop­pie­ren­dem Me­di­en­wan­del und dem Ver­schwin­den der Ge­ne­ra­ti­ons­ge­wiss­hei­ten, mei­ner, der Nach­kriegs­ge­nera­tio­nen? Kann man, noch le­ben­dig, hi­sto­risch [ge­wor­den] sein? An den Zeit­läuf­ten düm­mer ge­wor­den wa­ren wir schon im­mer; ei­ne ein­ge­führ­te, ehe­mals re­le­van­te Kunst­form zu er­neu­ern aber scheint mitt­ler­wei­le als et­was fast Un­mög­li­ches.

  14. Ort­heil lebt noch. Wä­re in­ter­es­sant, wenn ein Schreib­schul-Leh­rer ihn be­kom­men wür­de. An­dersch ist ‘raus – er war seit 1970 in der Aka­de­mie. Aber schon in­ter­es­sant, dass er vor­her nicht da­bei war.

    Noch ein an­de­rer Na­me kommt mir in den Sinn: W. G. Se­bald. Ge­ra­de im an­gel­säch­si­schen Raum ge­nießt er ei­nen gu­ten Ruf, wie ich neu­lich nicht nur in die­sem Buch fest­stel­len konn­te.

    Ploog ha­be ich auch im Schreib­heft ge­le­sen; das war sehr in­ter­es­sant. Im West­end-Ver­lag gibt es ei­ne Art Le­se­buch von (und über) ihn mit Tex­ten, Col­la­gen und auch (teil­wei­se an­de­ren) Ta­ge­buch­aus­zü­gen. Sei­ne frü­hen Bü­cher sind nur zu Wu­cher­prei­sen er­hält­lich. Ich ha­be ein schma­les Es­say­bänd­chen von ihm (Facts of fic­tion) mit ei­nem star­ken Text über Brink­mann. Im glei­chen Band ent­wickelt er über Mi­lan Kun­de­ra ei­ne Ent­wick­lungs­ge­schich­te des (eu­ro­päi­schen) Ro­mans. Am En­de lau­fen bei ihm die mei­sten Fä­den zu Bur­roughs.

    Mir geht mit den »al­ten« Tex­te bis­wei­len ähn­lich. Man wird wie­der ein­ge­so­gen, ent­deckt Form(en) und Spra­che, die man heu­te der­art nicht mehr liest, ver­mut­lich weil die Lek­to­ren das al­les ‘raus­strei­chen und mög­lichst Glat­tes lie­fern wol­len, um das an­der­wei­tig me­di­al ver­blö­de­te Pu­bli­kum nicht zu über­for­dern. Und so ge­schieht es im­mer häu­fi­ger, dass ich die Ver­lags­ka­ta­lo­ge mit di­stan­zier­ter Lan­ge­wei­le be­trach­te und mich dann fra­ge, ob ich nicht nur ein­fach ver­snobt bin. Aber An­spruch war im­mer auch eli­tär.

  15. @Adam Dich­ter
    Das sah man schon 1977 so. Da be­kam Rei­ner Kun­ze den Büch­nerpreis. Es war ei­ne Re­ak­ti­on auf den Band Die wun­der­ba­ren Jah­re, in dem er hef­ti­ge Kri­tik an den Zu­stän­den in der DDR üb­te und sich da­nach Ver­fol­gun­gen aus­ge­setzt sah.

  16. In je­ner Se­kun­de, in der ich Kun­ze in die wei­te Welt des Di­gi­ta­len ge­schickt ha­be, war mir be­wusst, dass er den Preis oh­ne­hin be­kom­men hat.
    Es ist mir lei­der kein kon­struk­ti­ver Bei­trag ge­lun­gen.

  17. @Adam Dich­ter
    Ich hal­te Ih­ren Kom­men­tar durch­aus für kon­struk­tiv. Im­mer­hin ha­be ich das Bänd­chen wie­der aus dem Re­gal ge­nom­men und dar­in ge­blät­tert.

  18. Jetzt woll­te ich wirk­lich den Mund hal­ten, aber sie ist mir lieb und wich­tig, und ich muss sie un­be­dingt nen­nen: Un­di­ne Gruen­ter!

  19. (Und über­haupt: Was ist mit Ro­ger Wil­lem­sen?
    Ich ha­be sei­ner­zeit kaum je Sen­dun­gen mit ihm ge­se­hen, aber vie­le sei­ner Bü­cher blei­ben groß­ar­tig!)

  20. @herr.jedermann
    Gruen­ter fü­ge ich ger­ne da­zu. (Kann es sein, dass sie kei­nen Preis be­kom­men hat?)

    Wil­lem­sen: Ich schät­ze vor al­lem sein Knacks-Buch. Aber ist das Pro­sa? Viel­leicht sei­ne Rei­se­er­zäh­lun­gen...

    Ein­fal­len wür­de mir noch Carl Zuck­may­er, der wie Büch­ner ja Dra­ma­ti­ker war.

  21. Ich hat­te Wil­lem­sen tat­säch­lich zu­erst als Li­te­ra­ten ge­se­hen – für mich war sein Grenz­gän­ger­tum bzw. sei­ne Di­stanz, sein Au­ßer­halb des ‚Be­triebs‘ Teil sei­ner Stär­ke. (War er nicht zu­erst Ger­ma­nist – und dann so er­fri­schend we­nig aka­de­misch?)

    Und ja, sei­ne Rei­se­bü­cher sind ei­ne Klas­se für sich; es gibt da ganz ei­ge­ne Ein­sich­ten und ganz wun­der­ba­re Sät­ze und Be­schrei­bun­gen von ihm. (Und soll man nicht dank­bar sein, wenn ein sonst wie ‚Pro­mi­nen­ter‘ ei­nem sei­nen Ro­man er­spart? Aber na­tür­lich: In der Grup­pe 47 hät­te ich ihn mir wirk­lich schwer vor­stel­len kön­nen.)

    (Und Gruen­ter war ja auch mit ih­rem Le­ben in Pa­ris so Ei­ne eher fern­ab.)

  22. Das Ar­gu­ment des Ro­man-Er­spa­rens hat mich über­zeugt und ich ha­be Wil­lem­sen hin­zu­ge­fügt.

    Zu Gruen­ter: Tat­säch­lich scheint es so zu sein, dass Au­toren, die nicht im deutsch­spra­chi­gen Raum le­ben, Schwie­rig­kei­ten ha­ben, den Büch­nerpreis zu be­kom­men. Die Aus­nah­me ist Hand­ke, der ihn be­kam, als er in Deutsch­land leb­te.

    Es gibt zahl­rei­che zeit­ge­nös­si­sche Aspi­ran­ten, die al­le­samt noch die Chan­ce hät­ten: Paul Ni­zon, Pe­ter Ste­phan Jungk, An­ne We­ber, Ge­or­ges-Ar­thur Gold­schmidt. Viel­leicht so­gar Erich Wolf­gang Skwa­ra. Man darf ge­spannt sein.

  23. Bei letz­te­rem wür­de ich zu­stim­men.

    Über die Kri­te­ri­en kann man ja nur rät­seln, wenn man sich an­schaut, wer vor al­lem in den letz­ten rund 15 Jah­ren schon so al­les be­dacht wur­de.

  24. In­ter­es­san­te Fra­ge. Was ha­ben ei­gent­lich z. B. Fe­li­ci­tas Hop­pe oder Si­byl­le Le­witschar­off »Gro­ßes« ge­schrie­ben? Oder, um ei­ne Iko­ne der Sze­ne zu be­fra­gen, Rai­nald Goetz? (Über die an­de­re Iko­ne, den be­kann­ten und om­ni­prä­sen­ten Gra­zer Au­tor, schwei­ge ich lie­ber.) Ist es nicht eher, wie hier schon ver­mu­tet wur­de, das Viel­schrei­ben, dass ho­no­riert wird?

    Na­tür­lich wird der Büch­nerpreis nicht nur nach dem »Gro­ßen« ver­ge­ben, son­dern ist im­mer auch Zeit­geist. Das woll­te ich ei­gent­lich zum Aus­druck brin­gen. Da­her zu­nächst der Fo­kus auf die 1950er-1970er Jah­re. Kon­kret: Wer nicht ir­gend­wie mit der Grup­pe 47 ver­ban­delt war, hat­te kei­ne Chan­ce. Er/Sie fand nicht statt. (Ai­chin­ger ist die gro­ße Aus­nah­me; die muss man ver­ges­sen ha­ben.)

  25. In mei­nem Kom­men­tar ging es um »Büch­ne­ria­ner« und die Fra­ge, was die »Gro­ßes« ge­schrie­ben ha­ben. Mit dem Gra­zer war dem­nach Setz ge­meint. Ich ha­be nur zwei Bü­cher von ihm ge­le­sen, ein wei­te­res ab­ge­bro­chen. Mir er­scheint der Preis an ihn ver­früht. Aber er ist halt ein Star.

  26. So­weit wür­de ich nicht ge­hen (s. hier und hier). Das Buch zum Film fand ich schon in­ter­es­sant.

    Nach­träg­lich über­le­ge ich, ob es 1973 ge­recht­fer­tigt war, Hand­ke den Büch­nerpreis zu­zu­er­ken­nen. Er war ja vor al­lem mit sei­nen Thea­ter­stücken auf­ge­fal­len. In­so­fern na­tür­lich per­fekt für Büch­ner.

  27. @Adam Dich­ter
    Sie brin­gen da et­was durch­ein­an­der. Der Büch­nerpreis wird nicht post­hum ver­ge­ben, son­dern nur an Per­so­nen, die zum Zeit­punkt der Ju­ry­fin­dung leb­ten (es gibt ei­ni­ge, die in der kur­zen Zeit lei­der ver­star­ben). Mein Po­sting be­zog sich auf Schrift­stel­ler, die den Preis nicht er­hal­ten ha­ben, ob­wohl sie ihn wo­mög­lich ver­dient ge­habt hät­ten. (Was zwangs­läu­fig be­deu­tet, dass ei­ni­ge Preis­trä­ger der Ver­gan­gen­heit na­ja, eher Mit­tel­mass wa­ren, was aber nicht di­rekt Ge­gen­stand war.)

    In den Kom­men­ta­ren wur­de ver­schie­dent­lich auf Au­toren ver­wie­sen, die glück­li­cher­wei­se noch le­ben­dig sind und dem­zu­fol­ge noch die Mög­lich­keit be­steht, dass sie aus­ge­zeich­net wer­den. (ich nann­te ei­ni­ge da­von, die nicht im deutsch­spra­chi­gen Raum le­ben und da­her, so mei­ne The­se, be­nach­tei­ligt sind – war­um auch im­mer).

    Sie brach­ten nun mit Heinz Strunk ei­nen ak­tu­el­len Au­tor für die Zu­kunft ins Ge­spräch, was le­gi­tim ist. Die Re­tou­re »lie­ber Strunk als Struck« ist aber aus dem oben ge­nann­ten Grund Un­fug, wenn auch ver­lockend als Sprach­spiel.

  28. Da ha­be ich mich echt ver­tan und nicht mehr dar­an ge­dacht, dass hier ein Club der to­ten Dich­ter in­stal­liert wer­den soll. – In­ter­es­san­ter wä­re doch, wer un­ter den Le­ben­den kein Büch­ne­ria­ner wer­den soll­te.

  29. Kommt dar­auf an. Ich fin­de es halt in­ter­es­sant, war­um be­stimm­te Schrift­stel­ler et­wa durch den Ein­fluss der Grup­pe 47 bis weit in die 1980er hin­ein KEINEN Büch­nerpreis be­kom­men ha­ben, ob­wohl (1.) die Grup­pe längst nicht mehr exi­stier­te und (2.) die Qua­li­tät wei­ter­hin igno­riert wur­de. Sie wa­ren, wenn sie nicht zwi­schen­zeit­lich ver­star­ben, schlicht ver­ges­sen. Der Ka­non hielt lan­ge, teil­wei­se bis heu­te.

    Die Idee, wer un­ter den Le­ben­den kein Büch­ne­ria­ner wer­den kann, ist al­ler­dings auch in­ter­es­sant. Ich ge­ste­he, dass ich in ei­nem Al­ter bin, in dem ich ver­mut­lich die letz­ten Nu­an­cen nicht mehr er­le­ben könn­te. Ich deu­te­te aber schon in ei­nem Kom­men­tar an, wer bis­her noch kei­nen er­hal­ten hat. Auch hier­über kann man nur spe­ku­lie­ren. Er könn­te et­was mit dem Wohn­sitz zu tun ha­ben (au­ßer­halb DACH-Re­gi­on ist ja – war­um auch im­mer – an­schei­nend schwie­rig). Oder mit dem Zeit­geist, der ja im­mer ei­ne Rol­le spielt. Ralf Roth­mann be­kommt ihn wohl eher nicht, hin­ge­gen dürf­te es na­he­zu un­ver­meid­lich sein, dass Da­ni­el Kehl­mann und In­go Schul­ze ir­gend­wann auf­ge­ru­fen wer­den. Her­ta Mül­ler wird man wei­ter­hin igno­rie­ren. Al­ler­dings: Sie nach fast zwan­zig Jah­ren nach dem No­bel­preis noch auszuzeichnen...das macht we­nig Sinn.

    Öster­rei­cher ha­ben es schwer, wenn sie in den Feuil­le­tons ab­seits ih­res Werks kaum ver­tre­ten sind. Ich den­ke be­son­ders an Chri­stoph Rans­mayr. Aber auch Rein­hard Kai­ser-Mühlecker.

    Und was ist mit Esther Kin­sky? Dar­auf war­te ich schon lan­ge.

  30. Hu­bert Fich­te?
    Mar­kus Wer­ner?
    Chri­stoph Meckel?
    Ger­hard Mei­er?
    Rein­hard Lettau?
    Gün­ter Ku­n­ert?
    Mar­len Haus­ho­fer?
    Gre­gor von Rezz­ori?

  31. Dan­ke für die Vor­schlä­ge.

    Keu­sch­nig über­legt und ge­steht, nichts von Fich­te ge­le­sen zu ha­ben. Ähn­lich Ku­n­ert.

    Lettau war bei den 47ern si­cher­lich in Un­gna­de ge­fal­len, da­her gab es fast kei­ne Prei­se. Und Ku­n­ert war lan­ge in der Aka­de­mie. Chri­stoph Meckel er­eil­te wohl das Schick­sal des Ly­ri­kers. Die ha­ben es schwe­rer. (Löb­li­che Aus­nah­men jüngst El­ke Erb und Jür­gen Becker. Hier wä­re zu über­le­gen, in­wie­fern der Ver­lag ei­ne Rol­le spielt.)

    Mar­kus Wer­ner eher nicht. Und ich mag wirk­lich Gre­gor von Rezz­ori – aber ha­be auch da Zwei­fel. Haus­ho­fer und Mei­er so­fort (wo­bei ich mit Mei­er nicht warm ge­wor­den bin).

    Die Li­ste wird län­ger. Dem­nächst in ei­nem neu­en Kom­men­tar.

  32. Für Meckel hät­te ich üb­ri­gens auch gro­ße Sym­pa­thie!

    Aber Fich­te ist ganz frag­los.

    Ich emp­feh­le „Herz­schlag au­ßen“ von Tor­sten Tei­chert, auch wenn man sich nicht für Fich­te in­ter­es­siert: kon­zi­se, in­spi­rier­te­ste Ger­ma­ni­stik auch für Nicht-Ger­ma­ni­sten.

    Fich­te ist ei­ne (nicht nur deut­sche) Sin­gu­la­ri­tät – in meh­re­ren (nicht nur in der Li­te­ra­tur) wirk­mäch­ti­gen Aspek­ten. Ich er­klä­re sie hier nicht erst breit, wenn es of­fen­bar nicht in­ter­es­siert. Aber auch nur als Schrei­ber mit ei­ner ei­ge­nen, be­weg­li­chen, sich mehr­fach wan­deln­den Poe­tik ist er ein­zig­ar­tig. (Nach mei­nem Ge­fühl üb­ri­gens in sei­ne Zu­grif­fen auf die Welt auf ei­ne ge­wis­se fer­ne Wei­se mit Rai­nald Goetz ver­wandt – und da­zu of­fen he­do­ni­stisch.) Die­ser Mann war Li­te­ra­tur – im Ge­gen­satz zu et­wa zu den Schrei­bern in ei­nem an­ämi­schen „Be­trieb“! (Wenn gilt, dass Li­te­ra­tur das ist, was man ge­gen den Rat der An­de­ren schreibt.) UND gibt ei­nem, fern von Exo­tis­mus, ei­ne Ah­nung von an­de­ren Zu­gän­gen zu ei­ner an­de­ren Welt!

    (Ich bin mal auf ei­ner der fran­zö­si­schen Ka­ri­bik-In­seln – ich hat­te mich ver­lau­fen – in so ei­ner Bi­don­ville in ei­ne Hah­nen­kampf­are­na ge­kom­men … die sich dann nach der Gau­di in et­was an kol­lek­ti­vem Freak-out ver­wan­del­te, für das ich bis heu­te kei­ne Be­grif­fe ha­be [und die ein­ge­führ­ten ab­leh­ne]. Mir ist dann beim Le­sen von Fich­te Et­li­ches kla­rer ge­wor­den. Das mag ei­nem hier sehr ent­le­gen vor­kom­men, aber es zeigt auch un­se­re west­li­che Ver­ar­mung eben­falls in mehr als ei­ner Be­zie­hung.)

    Und, um das nicht zu ver­schwei­gen: Das Ein­zi­ge, was mir an ihm nicht so be­hagt, auch wenn das hier p. i. klin­gen mag, ist sei­ne For­de­rung nach ei­ner „Ver­schwu­lung der Welt“. Ich fra­ge mich, was er heu­te von ih­rer dro­hen­den Ver­wirk­li­chung hal­ten wür­de – da es längst auch so et­was wie ei­ne Quer­nor­ma­ti­vi­tät gibt, ei­nem ein dies­be­züg­lich Kri­tik-Mäch­ti­ger wie Pa­so­li­ni fehlt, und ei­nem das zu­neh­mend kar­ne­val­eske Gen­der mäch­tig auf die Ner­ven ge­hen kann.

    ***

    Zum Schluss kommt mir prompt noch ei­ne Na­me für die Li­ste: Horst Bie­nek!

  33. @herr je­der­mann
    Na­ja, Sie ma­chen mit jetzt ein biss­chen Ap­pe­tit auf Fich­te und es ist ja nicht das Schlech­te­ste, sich auf die »al­ten« zu be­sin­nen, zu­mal wenn er für mich un­be­kannt ist. Hör­te nur schreck­li­ches von ihm, aber liegt wohl an mei­nen Quel­len.

  34. Zwi­schen­stand 24.08.2026: Er­gänzt auf­grund der bis­her ein­ge­gan­ge­nen Kom­men­ta­re:

  35. Na ja – Gerd Gai­ser. In der Schu­le wur­den wir mit ihm trak­tiert. Sei­ne Na­zi­ver­gan­gen­heit wur­de uns ver­schwie­gen. Ich ha­be kürz­lich „Rei­ter am Him­mel“ mal wie­der ge­le­sen. Ist schon hea­vy…

  36. Was meint Gre­gor Keu­sch­nig?
    Soll­te man nicht ei­ne Li­ste deutsch­spra­chi­ger Schrift­stel­ler er­stel­len, die den Li­te­ra­tur­no­bel­preis ver­dient hät­ten, aber nicht be­kom­men ha­ben. Na­tür­lich be­reits Ver­stor­be­ne.

  37. Ja, aber!
    Zwi­schen Büch­ner- und No­bel­preis ist ein klei­ner Un­ter­schied, wes­halb ei­ne Li­ste trotz­dem in­ter­es­sant wä­re.
    Viel­leicht schließt sich mei­nem Vor­schlag je­mand an.

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