nie den Georg-Büchner-Preis bekommen haben:
- Nicolas Born
- Rolf Dieter Brinkmann
- Hermann Burger
- Ludwig Fels
- Gerd Gaiser
- Josef W. Janker
- Gert Jonke
- Gert Ledig
- Gerlind Reinshagen
- Gabriele Wohmann
Wer hat Ergänzungen? Einwände?
-.-.-.-
aktualisiert hier
Nur auf die Schnelle: Herburger? Kirchhoff? Arno Schmidt?
(Lese gerade Wohmann – kennt man sie denn noch?
Und der Preis – hat er noch seine Bedeutung? Von Wunnicke habe ich, glaube ich, nie auch nur den Namen gehört ... )
Edgar Hilsenrath, Irena Brežná
Herburger kenne ich nun wieder nicht. Natürlich Arno Schmidt, von dem ich rein gar nichts gelesen habe bzw. nach einigen Versuchsseiten resignierte. Aber natürlich, er gehörte da ‘rein-
Wenn Bodo Kirchhoff gemeint ist – er lebt noch, hat also weiterhin alle Chancen.
@Milena
Hilsenrath, ja.
Irena Brežná wäre ja noch möglich.
Ilse Aichinger! Ihr Mann Günter Eich hat ihn bekommen. Vielleicht dachte man, das reicht für 1 Familie.
Sträflich, Ilse Aichinger keinen Büchnerpreis gegeben zu haben. Genauso sträflich, sie nicht im Beitrag aufzuführen. Danke für diese sehr wichtige Ergänzung.
Lese gerade, dass sie 1984 den Günter-Eich-Preis bekam, was natürlich ein bisschen lustig ist.
Ich nehme an, es hat damit zu tun, dass sie sehr sparsam und spärlich geschrieben hat. Was m. E. nur für sie spricht, aber im nachhinein ist man klüger. Den Büchnerpreis hat man eher den Viel- und Langschreibern gegeben. Den Workaholics.
Ich kenne noch viele, die keine Preise bekommen. Uwe Friesel z. B.. also ich selber. Habe immer nur für andere getrommelt, hätte statt dessen die Blechtrommel schreiben sollen.
Selbstnennungen disqualifizieren sich. Und viele nicht, das liegt in der Natur von Auszeichnungen.
Der eine „Uwe“ bringt mich jetzt auf einen andern, der fehlt: , dass auch Uwe Timm.
Und dass Dieter Wellershoff ihn nicht bekommen hat, finde ich im Nachhinein … mindestens befremdlich.
@herr.jedermann
Uwe Timm hat noch Chancen...
Ja, Dieter Wellershoff – Autor und Lektor.
Zwischenstand 12.08.2026: Ergänzt aufgrund der bisher eingegangenen Kommentare:
Walter Kempowski?
Unbedingt!
(Habe ich oben ergänzt.)
Zu Kempowski: Schon seine Deutsche Chronik passte nicht in die politisch-progressive Szene. Die Schilderungen der DDR-Haft galten als ehrenrührig. Sogar das Echolot-Projekt (ab 1993 publiziert) wurde kritisiert. Der perfideste Vorwurf war, dass bis auf die erste Seite nichts von ihm stamme.
Was ist mit Karin Struck?
(Seltsam, wie so ein Listen-Wesen fruchtbar sein kann. Es geht bei mir allerdings parallel mit dem anhaltenden Prozess, mich – schon wegen Platzproblemen – von über Jahrzehnte angesammelten Büchern/Autoren zu trennen. In meinem persönlichen Kanon finde ich Struck allerdings eine überdauernde, in ihren Büchern doch ziemlich ‚diverse‘ [variationsreiche] Stimme, zu der ich von Zeit zu Zeit auch zurückkehre. Hätte sie nicht eine Wiederentdeckung verdient?)
Und noch ein Name kommt mir gerade: Thomas Brasch?
(Ich hör dann auch auf.)
@herr.jedermann
Nein, bitte nicht aufhören!
Ich füge beide ein; bei Karin Struck habe ich meine Schwierigkeiten. Klassenliebe war innovativ, expressiv und wuchtig. Aber die beiden nachfolgenden Romane ( Die Mutter- totaler Verriss von Handke – und Liebenließen ihren Stern sinken. Sie waren auch spürbar schwächer, fast nur noch plakativ. Später hat mir dann Glut und Asche wieder besser gefallen.
Wiederentdeckung verdient? Ja, sicher.
-.-.-.-
Meine »Liste« ist nicht ohne Hintergedanken. Im nächsten Jahr wird die Gruppe 47 80 Jahre alt. Es ist interessant zu sehen, wie die Protagonisten bis weit in die 1980er Jahre die Literaturszene zumindest in Deutschland bestimmt haben. Das gilt nicht nur für die üblichen Verdächtigen wie Grass, Walser, Enzensberger oder Böll, sondern auch für die zweite Reihe (später mal Genaueres). Sie waren in den Lesebüchern sehr lange präsent (sind es vielleicht immer noch). Anders diejenigen, die vielleicht einmal dort gelesen haben oder, aus Furcht, gar nicht erst antraten (Brinkmann etwa oder auch Gert Ledig, der gesagt haben soll, er könne nicht neben jemandem wie Ilse Aichinger bestehen). Es waren meist Autoren, die dem aufgepfropften (Neo-)Realismus Richters (und der damaligen Kritik, die ja immer dominanter wurde) nicht entsprachen. Sie fielen, sofern sie überhaupt eingeladen wurden, durch.
Dies zeigt sich in der Liste deutlich. Es waren meist Autoren, die quer zum Zeitgeistgeschmack des Betriebs standen, nicht von den »Großkritikern« berücksichtigt wurden und damit auch in den Buchhandlungen nicht präsent waren.
Es gibt Ausnahmen. So habe ich Siegfried Lenz nicht aufgenommen, der durch die Buchclubs der damaligen Zeit fast so etwas wie ein Bestseller-Autor war und die Öffentlichkeit der Gruppe 47 nicht brauchte. Gewissermaßen ist auch Ilse Aichinger eine Ausnahme, weil sie sehr viele andere Preise erhalten hat. »Vergessen« wurde sie nicht. Andere wiederum starben früh (Brinkmann) oder lieferten für den Betrieb nur »One-Hit-Wonder« (Karin Struck?). Dass ich Gerd Gaiser aufnahm, ist natürlich eine kleine Provokation gewesen – der wurde vom NSDAP-Mitglied Walter Jens und seinem Freund Reich-Ranicki abserviert, weil er ein Hitler-Gedicht geschrieben hatte. Ernst Jünger habe ich nicht aufgenommen, weil ich ihn als Tagebuchschreiber interessanter und wichtiger finde. Auch er hatte keine Chance.
Gerd Gaiser geht für mich völlig in Ordnung – einer, den ich spät entdeckt, von dem ich dann aber alles Verfügbare gelesen habe; er überdauert so manchen Persilschein-Bereinigten.
Jünger sehe ich genauso: Seine Zeitgenossenschaft – und dann das Aus-der-Zeit-Gefallen-Sein im Alter, sein (entomologisch geschärftes?) Beobachtungsgenie.
Karin Struck, wie gesagt, bewerte ich fast weniger nach Ihren Büchern als nach ihrer ‚Stimme‘, die einen Langzeitwiderhall in mir entwickelt hatte und hat; wildes, weibliches Denken; ich hatte sie seinerzeit als Kontrast zu Kronauer (also etwa gegen wohlabgewogene Ästhetik & Intellektualität) gelesen – wovon dann aber beide umso autonomere Stimmen für mich wurden.
Und so weiter.
Noch ein Name: Alfred Andersch?
(Und Ortheil? Aber seine Stimme ist … arg verblasst)
***
Ich lese gerade das Tagebuch von Ploog (im letzten ‚Schreibheft‘), und muss sagen, dass sein tiefer Skeptizismus nicht nur gegen das Schreiben überhaupt (als verlängertes 19.Jahrhunderts), sondern auch gleich gegen den ganzen Thomas Mann, gegen Benn, gegen die ganze Gruppe 47, die ganze angebliche literarische Erneuerung etc. eine Saite in mir anzupft.
(So war ja auch ich nach den ersten begeisterten Lesejahren nach der Schule auf Brinkmann gekommen – wobei dann allerdings Jürgen Becker [seine Felder, Ränder, Umgebungen] mindestens so wichtig war: Das war für mich der kongeniale, der deutsche Nouveau Roman. Meine vielen Jahre im Airlines-Business mit dem geographischen Pathos, für das man dann doch zu klein bleibt, und der fragmentierten Wahrnehmung während der Ort- & Zeitverschiebungen hatten mir dann Ploogs Interesse an einer disruptiven, mit entsprechenden Schnitten schlüssigeren Schreibweise plausibel gemacht. Die Ergebnisse aus dieser Ecke waren allerdings auf längere Sicht nicht genügend und standen immer im Schatten des Riesen Burroughs.)
Andererseits entdecke ich bis heute, zwischen dem Urtext ‚Odyssee‘ und ‚New Adult‘ (= der gute alte ‚Lore‘-Roman) wie aufregend diese vorgängige Literatur sein kann: Manchmal reichen ein paar Seiten [Saiten] Wolfgang Koeppen, und ich bin wieder dabei.
Der Skeptizimus allerdings bleibt auch. Oder ist das nur die Parallelität meiner persönlichen Verjährung mit dem Niedergang in der deutschen Staatsvertrottelung, die von galoppierendem Medienwandel und dem Verschwinden der Generationsgewissheiten, meiner, der Nachkriegsgenerationen? Kann man, noch lebendig, historisch [geworden] sein? An den Zeitläuften dümmer geworden waren wir schon immer; eine eingeführte, ehemals relevante Kunstform zu erneuern aber scheint mittlerweile als etwas fast Unmögliches.
Ortheil lebt noch. Wäre interessant, wenn ein Schreibschul-Lehrer ihn bekommen würde. Andersch ist ‘raus – er war seit 1970 in der Akademie. Aber schon interessant, dass er vorher nicht dabei war.
Noch ein anderer Name kommt mir in den Sinn: W. G. Sebald. Gerade im angelsächsischen Raum genießt er einen guten Ruf, wie ich neulich nicht nur in diesem Buch feststellen konnte.
Ploog habe ich auch im Schreibheft gelesen; das war sehr interessant. Im Westend-Verlag gibt es eine Art Lesebuch von (und über) ihn mit Texten, Collagen und auch (teilweise anderen) Tagebuchauszügen. Seine frühen Bücher sind nur zu Wucherpreisen erhältlich. Ich habe ein schmales Essaybändchen von ihm (Facts of fiction) mit einem starken Text über Brinkmann. Im gleichen Band entwickelt er über Milan Kundera eine Entwicklungsgeschichte des (europäischen) Romans. Am Ende laufen bei ihm die meisten Fäden zu Burroughs.
Mir geht mit den »alten« Texte bisweilen ähnlich. Man wird wieder eingesogen, entdeckt Form(en) und Sprache, die man heute derart nicht mehr liest, vermutlich weil die Lektoren das alles ‘rausstreichen und möglichst Glattes liefern wollen, um das anderweitig medial verblödete Publikum nicht zu überfordern. Und so geschieht es immer häufiger, dass ich die Verlagskataloge mit distanzierter Langeweile betrachte und mich dann frage, ob ich nicht nur einfach versnobt bin. Aber Anspruch war immer auch elitär.
Von mir aus wäre der sehr reduzierte Reiner Kunze ein Kandidat. Vor Jahren jedenfalls.
@Adam Dichter
Das sah man schon 1977 so. Da bekam Reiner Kunze den Büchnerpreis. Es war eine Reaktion auf den Band Die wunderbaren Jahre, in dem er heftige Kritik an den Zuständen in der DDR übte und sich danach Verfolgungen ausgesetzt sah.
In jener Sekunde, in der ich Kunze in die weite Welt des Digitalen geschickt habe, war mir bewusst, dass er den Preis ohnehin bekommen hat.
Es ist mir leider kein konstruktiver Beitrag gelungen.
@Adam Dichter
Ich halte Ihren Kommentar durchaus für konstruktiv. Immerhin habe ich das Bändchen wieder aus dem Regal genommen und darin geblättert.
Jetzt wollte ich wirklich den Mund halten, aber sie ist mir lieb und wichtig, und ich muss sie unbedingt nennen: Undine Gruenter!
(Und überhaupt: Was ist mit Roger Willemsen?
Ich habe seinerzeit kaum je Sendungen mit ihm gesehen, aber viele seiner Bücher bleiben großartig!)
@herr.jedermann
Gruenter füge ich gerne dazu. (Kann es sein, dass sie keinen Preis bekommen hat?)
Willemsen: Ich schätze vor allem sein Knacks-Buch. Aber ist das Prosa? Vielleicht seine Reiseerzählungen...
Einfallen würde mir noch Carl Zuckmayer, der wie Büchner ja Dramatiker war.
Ich hatte Willemsen tatsächlich zuerst als Literaten gesehen – für mich war sein Grenzgängertum bzw. seine Distanz, sein Außerhalb des ‚Betriebs‘ Teil seiner Stärke. (War er nicht zuerst Germanist – und dann so erfrischend wenig akademisch?)
Und ja, seine Reisebücher sind eine Klasse für sich; es gibt da ganz eigene Einsichten und ganz wunderbare Sätze und Beschreibungen von ihm. (Und soll man nicht dankbar sein, wenn ein sonst wie ‚Prominenter‘ einem seinen Roman erspart? Aber natürlich: In der Gruppe 47 hätte ich ihn mir wirklich schwer vorstellen können.)
(Und Gruenter war ja auch mit ihrem Leben in Paris so Eine eher fernab.)
Das Argument des Roman-Ersparens hat mich überzeugt und ich habe Willemsen hinzugefügt.
Zu Gruenter: Tatsächlich scheint es so zu sein, dass Autoren, die nicht im deutschsprachigen Raum leben, Schwierigkeiten haben, den Büchnerpreis zu bekommen. Die Ausnahme ist Handke, der ihn bekam, als er in Deutschland lebte.
Es gibt zahlreiche zeitgenössische Aspiranten, die allesamt noch die Chance hätten: Paul Nizon, Peter Stephan Jungk, Anne Weber, Georges-Arthur Goldschmidt. Vielleicht sogar Erich Wolfgang Skwara. Man darf gespannt sein.
Jungk und Skwara halte ich nicht für büchneriabel.
Bei letzterem würde ich zustimmen.
Über die Kriterien kann man ja nur rätseln, wenn man sich anschaut, wer vor allem in den letzten rund 15 Jahren schon so alles bedacht wurde.
Das ist richtig. Doch, was haben die letzten beiden Großes geschrieben?
Interessante Frage. Was haben eigentlich z. B. Felicitas Hoppe oder Sibylle Lewitscharoff »Großes« geschrieben? Oder, um eine Ikone der Szene zu befragen, Rainald Goetz? (Über die andere Ikone, den bekannten und omnipräsenten Grazer Autor, schweige ich lieber.) Ist es nicht eher, wie hier schon vermutet wurde, das Vielschreiben, dass honoriert wird?
Natürlich wird der Büchnerpreis nicht nur nach dem »Großen« vergeben, sondern ist immer auch Zeitgeist. Das wollte ich eigentlich zum Ausdruck bringen. Daher zunächst der Fokus auf die 1950er-1970er Jahre. Konkret: Wer nicht irgendwie mit der Gruppe 47 verbandelt war, hatte keine Chance. Er/Sie fand nicht statt. (Aichinger ist die große Ausnahme; die muss man vergessen haben.)
Welcher Grazer ist gemeint? Mir fällt keiner ein. Würde mich interessieren.
Setz ist schon Büchnerianer. Es interessiert mich daher, wer es sein könnte.
In meinem Kommentar ging es um »Büchnerianer« und die Frage, was die »Großes« geschrieben haben. Mit dem Grazer war demnach Setz gemeint. Ich habe nur zwei Bücher von ihm gelesen, ein weiteres abgebrochen. Mir erscheint der Preis an ihn verfrüht. Aber er ist halt ein Star.
Die Produkte des Stars sind nicht lesbar!
Soweit würde ich nicht gehen (s. hier und hier). Das Buch zum Film fand ich schon interessant.
Nachträglich überlege ich, ob es 1973 gerechtfertigt war, Handke den Büchnerpreis zuzuerkennen. Er war ja vor allem mit seinen Theaterstücken aufgefallen. Insofern natürlich perfekt für Büchner.
Ich halte Heinz Strunk für einen Kandidaten für den Büchnerpreis.
@Adam Dichter
Das steht zu befürchten.
Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen Zwerge lange Schatten (KK)
Lieber Strunk als Struck.
@Adam Dichter
Sie bringen da etwas durcheinander. Der Büchnerpreis wird nicht posthum vergeben, sondern nur an Personen, die zum Zeitpunkt der Juryfindung lebten (es gibt einige, die in der kurzen Zeit leider verstarben). Mein Posting bezog sich auf Schriftsteller, die den Preis nicht erhalten haben, obwohl sie ihn womöglich verdient gehabt hätten. (Was zwangsläufig bedeutet, dass einige Preisträger der Vergangenheit naja, eher Mittelmass waren, was aber nicht direkt Gegenstand war.)
In den Kommentaren wurde verschiedentlich auf Autoren verwiesen, die glücklicherweise noch lebendig sind und demzufolge noch die Möglichkeit besteht, dass sie ausgezeichnet werden. (ich nannte einige davon, die nicht im deutschsprachigen Raum leben und daher, so meine These, benachteiligt sind – warum auch immer).
Sie brachten nun mit Heinz Strunk einen aktuellen Autor für die Zukunft ins Gespräch, was legitim ist. Die Retoure »lieber Strunk als Struck« ist aber aus dem oben genannten Grund Unfug, wenn auch verlockend als Sprachspiel.
Da habe ich mich echt vertan und nicht mehr daran gedacht, dass hier ein Club der toten Dichter installiert werden soll. – Interessanter wäre doch, wer unter den Lebenden kein Büchnerianer werden sollte.
Kommt darauf an. Ich finde es halt interessant, warum bestimmte Schriftsteller etwa durch den Einfluss der Gruppe 47 bis weit in die 1980er hinein KEINEN Büchnerpreis bekommen haben, obwohl (1.) die Gruppe längst nicht mehr existierte und (2.) die Qualität weiterhin ignoriert wurde. Sie waren, wenn sie nicht zwischenzeitlich verstarben, schlicht vergessen. Der Kanon hielt lange, teilweise bis heute.
Die Idee, wer unter den Lebenden kein Büchnerianer werden kann, ist allerdings auch interessant. Ich gestehe, dass ich in einem Alter bin, in dem ich vermutlich die letzten Nuancen nicht mehr erleben könnte. Ich deutete aber schon in einem Kommentar an, wer bisher noch keinen erhalten hat. Auch hierüber kann man nur spekulieren. Er könnte etwas mit dem Wohnsitz zu tun haben (außerhalb DACH-Region ist ja – warum auch immer – anscheinend schwierig). Oder mit dem Zeitgeist, der ja immer eine Rolle spielt. Ralf Rothmann bekommt ihn wohl eher nicht, hingegen dürfte es nahezu unvermeidlich sein, dass Daniel Kehlmann und Ingo Schulze irgendwann aufgerufen werden. Herta Müller wird man weiterhin ignorieren. Allerdings: Sie nach fast zwanzig Jahren nach dem Nobelpreis noch auszuzeichnen...das macht wenig Sinn.
Österreicher haben es schwer, wenn sie in den Feuilletons abseits ihres Werks kaum vertreten sind. Ich denke besonders an Christoph Ransmayr. Aber auch Reinhard Kaiser-Mühlecker.
Und was ist mit Esther Kinsky? Darauf warte ich schon lange.
Einer hätte den Preis tatsächlich verdient:
Erich Fried.
Nach Kunze nun Fried. Bitte hier vorher nachschlagen.
Ich werd narrisch. Hat er da noch gelebt oder war das Momente vor dem Tod?
Hubert Fichte?
Markus Werner?
Christoph Meckel?
Gerhard Meier?
Reinhard Lettau?
Günter Kunert?
Marlen Haushofer?
Gregor von Rezzori?
Fichte unbedingt!
(Verrückt, wie man manchmal auf die Naheliegendsten nicht kommt)
Fichte auf keinen Fall!
Das war keine Literatur.
Was sagt Keuschnig?
Danke für die Vorschläge.
Keuschnig überlegt und gesteht, nichts von Fichte gelesen zu haben. Ähnlich Kunert.
Lettau war bei den 47ern sicherlich in Ungnade gefallen, daher gab es fast keine Preise. Und Kunert war lange in der Akademie. Christoph Meckel ereilte wohl das Schicksal des Lyrikers. Die haben es schwerer. (Löbliche Ausnahmen jüngst Elke Erb und Jürgen Becker. Hier wäre zu überlegen, inwiefern der Verlag eine Rolle spielt.)
Markus Werner eher nicht. Und ich mag wirklich Gregor von Rezzori – aber habe auch da Zweifel. Haushofer und Meier sofort (wobei ich mit Meier nicht warm geworden bin).
Die Liste wird länger. Demnächst in einem neuen Kommentar.
Für Meckel hätte ich übrigens auch große Sympathie!
Aber Fichte ist ganz fraglos.
Ich empfehle „Herzschlag außen“ von Torsten Teichert, auch wenn man sich nicht für Fichte interessiert: konzise, inspirierteste Germanistik auch für Nicht-Germanisten.
Fichte ist eine (nicht nur deutsche) Singularität – in mehreren (nicht nur in der Literatur) wirkmächtigen Aspekten. Ich erkläre sie hier nicht erst breit, wenn es offenbar nicht interessiert. Aber auch nur als Schreiber mit einer eigenen, beweglichen, sich mehrfach wandelnden Poetik ist er einzigartig. (Nach meinem Gefühl übrigens in seine Zugriffen auf die Welt auf eine gewisse ferne Weise mit Rainald Goetz verwandt – und dazu offen hedonistisch.) Dieser Mann war Literatur – im Gegensatz zu etwa zu den Schreibern in einem anämischen „Betrieb“! (Wenn gilt, dass Literatur das ist, was man gegen den Rat der Anderen schreibt.) UND gibt einem, fern von Exotismus, eine Ahnung von anderen Zugängen zu einer anderen Welt!
(Ich bin mal auf einer der französischen Karibik-Inseln – ich hatte mich verlaufen – in so einer Bidonville in eine Hahnenkampfarena gekommen … die sich dann nach der Gaudi in etwas an kollektivem Freak-out verwandelte, für das ich bis heute keine Begriffe habe [und die eingeführten ablehne]. Mir ist dann beim Lesen von Fichte Etliches klarer geworden. Das mag einem hier sehr entlegen vorkommen, aber es zeigt auch unsere westliche Verarmung ebenfalls in mehr als einer Beziehung.)
Und, um das nicht zu verschweigen: Das Einzige, was mir an ihm nicht so behagt, auch wenn das hier p. i. klingen mag, ist seine Forderung nach einer „Verschwulung der Welt“. Ich frage mich, was er heute von ihrer drohenden Verwirklichung halten würde – da es längst auch so etwas wie eine Quernormativität gibt, einem ein diesbezüglich Kritik-Mächtiger wie Pasolini fehlt, und einem das zunehmend karnevaleske Gender mächtig auf die Nerven gehen kann.
***
Zum Schluss kommt mir prompt noch eine Name für die Liste: Horst Bienek!
@herr jedermann
Naja, Sie machen mit jetzt ein bisschen Appetit auf Fichte und es ist ja nicht das Schlechteste, sich auf die »alten« zu besinnen, zumal wenn er für mich unbekannt ist. Hörte nur schreckliches von ihm, aber liegt wohl an meinen Quellen.
Zwischenstand 24.08.2026: Ergänzt aufgrund der bisher eingegangenen Kommentare:
Na ja – Gerd Gaiser. In der Schule wurden wir mit ihm traktiert. Seine Nazivergangenheit wurde uns verschwiegen. Ich habe kürzlich „Reiter am Himmel“ mal wieder gelesen. Ist schon heavy…
Tja, ich kann nichts für Ihre Gaiser-Qualen. Ich habe halt die anderen Bücher gelesen. Kann man hier nachlesen. Kürzlich auch ein netter Aufsatz in der WELT.
Ist Thomas Kling wirklich schon derart vergessen?
Oje.
Danke für den Hinweis (an den Prosa-Leser).
Was meint Gregor Keuschnig?
Sollte man nicht eine Liste deutschsprachiger Schriftsteller erstellen, die den Literaturnobelpreis verdient hätten, aber nicht bekommen haben. Natürlich bereits Verstorbene.
Ich finde, die deutschsprachige Literatur wurde ganz gut bedacht. Spontan fällt mir als einziger Alfred Döblin ein, der nur ein Mal nominiert wurde. Dass er übergangen wurde, ist schon schade. Und Brecht starb wohl zu früh.
Ja, aber!
Zwischen Büchner- und Nobelpreis ist ein kleiner Unterschied, weshalb eine Liste trotzdem interessant wäre.
Vielleicht schließt sich meinem Vorschlag jemand an.
Handke packt der Jähzorn: Brecht.
Brecht wäre nie nobel geworden, und wenn er 100 geworden wäre.
Nie und nimmer.