
Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten
Immer noch wirkt Mathias Énards fabelhaftes historisches Mittelmeer-Epos »Zone« nach. Zum Beispiel wenn ich eine Karte des Mittelmeeres sehe oder Berichte über diese Region höre. Die Ereignisse des Jahres 2011 in den arabischen Ländern würden neuen Stoff für Bellizist, Geheimagent und Faschist Francis Servain Mirković liefern, der auf sechs Stunden Zugfahrt von Mailand nach Rom die Geschichte des Mittelmeers mit ihren politischen Ver- und Entwicklungen, Kriegen und falschen Helden auffächert. Und so hört diese Polyphonie des Grauens niemals auf, sondern erhält ständig neue Nahrung. Unmöglich, dieses erzählerische Verfahren (angelehnt an Homers Illias) beizubehalten. Énard hat das erst gar nicht versucht (solche Form des Selbstplagiats wäre auch des Guten zuviel), sondern legt mit »Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten« ein gänzlich anderes Buch vor; fast nur ein Büchlein mit seinen 170 großzügig gefüllten Seiten. Aber bei aller Differenz – es gibt durchaus ein gut verborgenes Band zum in Duktus und Form so gänzlich anderen Buch.




