Bür­ger­krieg

A.d.L.e.R: Aus dem Le­ben ei­ner Rik­scha­fah­re­rin – Nr. 3

In der Sai­son 2002 hat­ten wir ei­nen ara­bi­schen Kol­le­gen, der aus dem Li­ba­non kam. Da­mals war die Li­ste der At­ten­tä­ter vom 11. Sep­tem­ber noch ganz frisch in den Köp­fen: al­les Ara­ber, ei­ner da­von aus dem Li­ba­non. Aber das war ver­mut­lich nicht das Pro­blem, als wir an ei­nem Sams­tag­mit­tag vorm Ein­gang des Ka­De­We stan­den, wo die Mensch­heit zum Ein­kau­fen wu­sel­te. Der Kol­le­ge saß auf dem halb knie­ho­hen Tritt­brett sei­nes Fahr­zeugs und las Zei­tung, (er war der Letz­te in der Rei­he), und ich sah ein et­was äl­te­res Ehe­paar her­an­kom­men, das mich an Rei­se­ka­ta­lo­ge der Fünf­zi­ger Jah­re er­in­ner­te. Ich sah, wie das Ehe­paar auf ihn zu ging und vor ihm ste­hen blieb. Der Kol­le­ge fal­te­te so­fort die Zei­tung zu­sam­men. Das Ehe­paar re­de­te ihn an mit der Fra­ge: »Wo­her kommst Du?« und zeig­te da­bei mit dem Kinn auf ihn.

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Ver-kohlt

Seit heu­te wis­sen wir es ganz ge­nau: 8,8% al­ler Wa­ren, die in die Bun­des­re­pu­blik ein­ge­führt wer­den, kom­men aus Chi­na. Sagt An­ja Kohl in »boer­se im Er­sten« am 09.08.2010 kurz vor 20 Uhr. Man dach­te, das ist mehr. Über­ra­schend ist dann, dass auf Platz 2 die Nie­der­lan­de steht (mit 8,3 %). Hopp­la: So­viel Obst und Ge­mü­se ...

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Der 20. Ju­li

A.d.L.e.R: Aus dem Le­ben ei­ner Rik­scha­fah­re­rin – Nr. 2

Wir ha­ben 28 Grad, ei­ne hauch­fei­ne Bri­se und ein paar Zier­wölk­chen im Him­mel. Ich ha­be zwei Da­men die Lin­den her­auf­ge­bracht, fah­re durchs Bran­den­bur­ger Tor hin­durch und fin­de den Platz auf der an­de­ren Sei­te, na­ment­lich: den »Platz des 18. März«, (an dem die »Stra­ße des 17. Ju­ni« be­ginnt), ab­ge­sperrt mit rot­wei­ßen Git­tern, hin­ter de­nen al­le fünf Me­ter Po­li­zi­sten und Po­li­zi­stin­nen in schuss­si­che­ren We­sten ste­hen, um die Ab­sper­rung zu si­chern. Un­ter den Bäu­men auf der nord­west­li­chen Sei­te Ein­satz­fahr­zeu­ge der Po­li­zei, eins ne­ben dem an­de­ren, ei­ne Wa­gen­burg ums Ge­löb­nis her­um. Öf­fent­li­ches Ge­löb­nis der Re­kru­ten un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit. Weit­räu­mi­ge Ab­sper­run­gen, Si­cher­heits­zo­nen, Zu­fahr­ten. Von der Ecke Behrenstraße/Ebertstraße, über die nörd­li­che Tier­gar­ten­hälf­te bis zum Bahnof rauf: Al­les dicht.

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Sa­bi­ne Pe­ters: Feu­er­freund

Sabine Peters: Feuerfreund
Sa­bi­ne Pe­ters: Feu­er­freund
Ma­rie ist 26, Prak­ti­kan­tin in ei­nem Ver­lag und be­geg­net dem Schrift­stel­ler Ru­pert, 59, im De­zem­ber 1986 zum er­sten Mal. Nach dem Tref­fen gibt es ei­nen zor­ni­gen Brief an den Ver­le­ger mit ei­nem freund­li­chen Gruß an die Prak­ti­kan­tin. Man schreibt sich schließ­lich di­rekt, fügt den Brie­fen klei­ne Pre­tio­sen bei; Stein­chen und Fe­dern zum Bei­spiel. Die bei­den wer­den ein Lie­bes­paar, hei­ra­ten und zie­hen ins Rhei­der­land.

Ru­pert ist ein be­kann­ter Schrift­stel­ler und schreibt Hör­spie­le. Ma­rie be­ginnt mit dem Schrei­ben, ver­öf­fent­licht 1990 ihr er­stes Buch. Er ist ein po­li­ti­scher Kopf, der mit RAF-Ge­fan­ge­nen kor­re­spon­diert und sich als Kom­mu­nist be­zeich­net. Er hat ei­ne manch­mal ener­vie­ren­de Ra­di­ka­li­tät, schimpft auf den Klein­bür­ger­dreck an­de­rer (und bei sich selbst) und zieht sich an klei­nen Din­gen hoch, wie bei­spiels­wei­se am Trin­ken von Co­la (sei­ner Frau bringt er sie dann doch vom Ki­osk mit).

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Jour­na­li­sten sind kei­ne Mei­nungs­e­u­nu­chen

Aus­ge­rech­net in der sich mei­nungs­freu­dig ge­rie­ren­den Blogo­sphä­re stößt das neue En­ga­ge­ment des ZDF-Jour­na­li­sten Stef­fen Sei­bert als zu­künf­ti­ger Re­gie­rungs­spre­cher auf zum Teil dra­sti­sche Ab­leh­nung. So kann man bei­spiels­wei­se nach­le­sen: »Wo Jour­na­li­sten, und sei­en sie vor­mals auch noch so re­gie­rungs­freund­lich ge­we­sen, zu Pro­pa­gan­di­sten wer­den – und das ganz oh­ne sich vor der Öf­fent­lich­keit zu schä­men, oh­ne ei­nen Rest von Ali­bi vor­zu­schie­ben -, da ist die un­auf­dring­li­che Ber­lus­co­ni­sie­rung der Ge­sell­schaft zum Ta­ges­ord­nungs­punkt er­klärt wor­den.«

Was vie­len ge­schichts­ver­ges­se­nen Kom­men­ta­to­ren viel­leicht nicht prä­sent ist: Es gab im­mer schon Jour­na­li­sten, die von ih­rem Amt in die Re­gie­rungs­ad­mi­ni­stra­ti­on wech­sel­ten. Und es wa­ren nicht die schlech­te­sten: Con­rad Ah­lers bei­spiels­wei­se (ein »Spiegel«-Mann und spä­ter, nach Auf­ga­be sei­nes Re­gie­rungs­spre­cher­am­tes, ein po­le­mi­scher Regierungs­kritiker). Oder – eben­falls für die so­zi­al-li­be­ra­le Re­gie­rung, Klaus Böl­ling und Rü­di­ger von Wech­mar. Spä­ter dann für die Kohl-Re­gie­rung Pe­ter Bo­e­nisch und – auch vom ZDF – Fried­helm Ost. Für die Re­gie­rung Schrö­der sprach mit Uwe-Car­sten He­ye auch ein ge­lern­ter Jour­na­list.

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Jür­gen Pe­ter­sen: Re­prä­sen­ta­ti­on in De­mo­kra­tien

Jürgen Petersen: Repräsentation in Demokratien
Jür­gen Pe­ter­sen:
Re­prä­sen­ta­ti­on in De­mo­kra­tien

»Der Kern mo­der­ner De­mo­kra­tien ist die Repräsent­ation«. So steht es auf dem Rück­deckel des Bu­ches »Re­prä­sen­ta­ti­on in De­mo­kra­tien«. Aber was be­deu­tet das? Wie ver­ste­hen die Re­prä­sen­tan­ten ih­re Re­prä­sen­ta­ti­on? Wem gilt sie? Nur den Wäh­lern oder gar al­len, die sich im geo­gra­fi­schen Be­reich des Re­prä­sen­tan­ten be­fin­den? Wel­cher Art und wel­chen In­hal­tes sind die hand­lungs­struk­tu­rie­ren­den Kon­zeptionen von Re­prä­sen­ta­ti­on in de­mo­kra­ti­schen Syst­emen? Und: Gibt es Un­ter­schie­de zwi­schen den Reprä­sentationsmodellen bei­spiels­wei­se in Deutsch­land und den USA?

Der Au­tor Dr. Jür­gen Pe­ter­sen ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an der Uni­ver­si­tät Frank­furt und Re­se­arch As­so­cia­te am dor­ti­gen Zen­trum für Nord­ame­ri­ka-For­schung (ZENAF). Er ver­sucht die­se Fra­gen zu be­ant­wor­ten und be­dient sich da­bei ei­nes denk­bar ein­fa­chen Mit­tels: der Be­fra­gung. Da­bei steht er vor dem Di­lem­ma, eben­falls ein re­prä­sen­ta­ti­ves Er­geb­nis vor­zu­le­gen, was er durch­aus the­ma­ti­siert, wenn auch nicht ganz über­zeu­gend (da­zu spä­ter).

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Bjar­te Breit­eig: Von nun an

Bjarte Breiteig: Von nun an
Bjar­te Breit­eig: Von nun an

Ein Mann fährt mit dem Nacht­zug von Nor­we­gen nach Schwe­den, um sich dort me­di­zi­nisch be­han­deln zu las­sen. Of­fen­bar lei­det er an ei­ner schwe­ren Krank­heit. Im Zug trifft er ei­nen ehe­ma­li­gen Mit­schü­ler, an den er sich kaum er­in­nert. Sie er­zäh­len und trin­ken ein Bier, als der Mann ans Te­le­fon ge­ru­fen wird – sei­ne Frau ist be­sorgt, sie hat Angst um die Zu­kunft, aber er kann sie be­ru­hi­gen. Als er zum Spei­se­wa­gen zu­rück­kommt, ist die­ser ver­waist. Und auch in sei­nem Ab­teil ist der ehe­ma­li­ge Mit­schü­ler nicht an­zu­tref­fen.

In ei­ner an­de­ren Ge­schich­te ar­bei­tet ein Ich-Er­zäh­ler als Hel­fer des Be­stat­ters. Frau Se­land, die er von frü­her kann­te, ist ge­stor­ben. Durch ei­ne Un­ge­schick­lich­keit fällt ihm die Lei­che hin. Ei­ne klum­pi­ge, stin­ken­de Flüs­sig­keit tritt aus und die vor­her müh­sam an­ge­zo­ge­ne Lei­chen­blu­se ist ver­schmutzt.

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Fuß­ball-WM mit Gün­ter Grass

Nein, nicht die ak­tu­el­le. Die von 1990. [2.7.90] Das Dau­men­hal­ten für die Tsche­chen wäh­rend des gest­ri­gen Spiels oder die Hoff­nung bis zum Ver­län­ge­rungs­schluss­pfiff, es mö­ge Ka­me­run ge­lin­gen, die Eng­län­der zu schla­gen, wor­auf sie im Halb­fi­na­le den Deut­schen zei­gen, was ei­ne ehe­ma­li­ge Ko­lo­nie auf die Bei­ne zu stel­len ver­mag. (Das Gan­ze na­t­rü­lich nicht oh­ne Rück­fäl­le: Klins­mann ...

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