Jour­na­li­sten sind kei­ne Mei­nungseu­nu­chen

Aus­ge­rech­net in der sich mei­nungs­freu­dig ge­rie­ren­den Blo­go­sphä­re stößt das neue En­ga­ge­ment des ZDF-Jour­na­li­sten Stef­fen Sei­bert als zu­künf­ti­ger Re­gie­rungs­spre­cher auf zum Teil dra­sti­sche Ab­leh­nung. So kann man bei­spiels­wei­se nach­le­sen: »Wo Jour­na­li­sten, und sei­en sie vor­mals auch noch so re­gie­rungs­freund­lich ge­we­sen, zu Pro­pa­gan­di­sten wer­den – und das ganz oh­ne sich vor der Öf­fent­lich­keit zu schä­men, oh­ne ei­nen Rest von Ali­bi vor­zu­schie­ben -, da ist die un­auf­dring­li­che Ber­lus­co­ni­sie­rung der Ge­sell­schaft zum Ta­ges­ord­nungs­punkt er­klärt wor­den.«

Was vie­len ge­schichts­ver­ges­se­nen Kom­men­ta­to­ren viel­leicht nicht prä­sent ist: Es gab im­mer schon Jour­na­li­sten, die von ih­rem Amt in die Re­gie­rungs­ad­mi­ni­stra­ti­on wech­sel­ten. Und es wa­ren nicht die schlech­te­sten: Con­rad Ah­lers bei­spiels­wei­se (ein »Spiegel«-Mann und spä­ter, nach Auf­ga­be sei­nes Re­gie­rungs­spre­cher­am­tes, ein po­le­mi­scher Regierungs­kritiker). Oder – eben­falls für die so­zi­al-li­be­ra­le Re­gie­rung, Klaus Böl­ling und Rü­di­ger von Wech­mar. Spä­ter dann für die Kohl-Re­gie­rung Pe­ter Boe­nisch und – auch vom ZDF – Fried­helm Ost. Für die Re­gie­rung Schrö­der sprach mit Uwe-Car­sten Heye auch ein ge­lern­ter Jour­na­list.

Ge­stan­de­ne Jour­na­li­sten wie Gün­ter Gaus oder Klaus Harpprecht en­ga­gier­ten sich in den 1970er Jah­ren in der Re­gie­rung Wil­ly Brandt un­ter an­de­rem als Re­den­schrei­ber und kehr­ten da­nach in ih­ren Be­ruf zu­rück.

Wa­ren das nun al­les ver­kom­me­ne Pro­pa­gan­di­sten der Macht, wie uns sug­ge­riert wer­den soll? Ist das gar die Stu­fe zur »Ber­lus­co­ni­sie­rung der Ge­sell­schaft«? Un­sinn. Die Jour­na­li­sten, die die­ses Amt an­tra­ten, wa­ren schon zu ih­rer Zeit an­er­kann­te Ver­tre­ter ih­rer Zunft. Sie sym­pa­thi­sier­ten mit der je­wei­li­gen Re­gie­rung. Man merk­te es ih­nen viel­leicht schon vor­her an ih­rer Be­richt­erstat­tung an. Jour­na­li­sten wa­ren und sind kei­ne Mei­nungseu­nu­chen. Sie sind auch kei­ne Staats­an­wäl­te, die fort­lau­fend ir­gend­wel­che Miß­stän­de auf­zu­decken ha­ben.

Der Wech­sel in das Amt des Re­gie­rungs­spre­chers hat das Ru­hen der jour­na­li­sti­schen Ak­ti­vi­tä­ten zur Fol­ge. Nach ih­rer Amts­zeit wa­ren sie na­tür­lich mehr denn je mit dem Stem­pel des ent­spre­chen­den La­gers stig­ma­ti­siert, was ei­ni­ge nicht hin­der­te, Kri­tik auch an ih­ren »Freun­den« zu üben.

Wer das schlimm oder ver­kom­men fin­det, soll­te nicht nur sein Po­li­tik­ver­ständ­nis über­prüfen. Teil­wei­se wird so ge­tan, als sei Stef­fen Sei­bert ei­ner ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Sek­te bei­getre­ten. Die Em­pö­rungs­ma­schi­ne, die hier los­ge­tre­ten wird, ist lä­cher­lich. Par­al­lel hier­zu fin­det ei­ne fa­ta­le Ver­wechs­lung statt: In­dem ein Jour­na­list in die Staats­bü­ro­kra­tie wech­selt, wird so ge­tan, als sei dies ein Be­leg für wei­te­ren Ein­fluss der Po­li­tik in den öf­fent­lich-recht­li­chen Me­di­en. Auch die­se An­nah­me ist falsch. Die Po­li­tik ist aus­drück­lich als »Mit­spie­ler« bei den öf­fent­lich-recht­li­chen Me­di­en vor­ge­se­hen. Und dass ein Jour­na­list ei­ne Mei­nung hat – sie­he oben.

Die Miß­gunst, die Stef­fen Sei­bert er­fährt, spie­gelt na­tür­lich die (be­rech­tig­te) Unzu­friedenheit mit die­ser Re­gie­rung wie­der. Und da ist je­mand, der die­se so ver­hass­te Re­gie­rung »ver­tei­di­gen« möch­te, na­tür­lich so­fort ei­ne Un­per­son. Hier­aus gleich ei­ne wei­te­re Ver­lot­te­rung der po­li­ti­schen Sit­ten her­aus­zu­le­sen, ist über­zo­gen und hy­ste­risch.

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46 Kommentare zu »Jour­na­li­sten sind kei­ne Mei­nungseu­nu­chen«:

  1. en-passant sagt:

    Ich ver­mu­te, es wä­re aber auch fast un­denk­bar und viel­leicht im Hin­blick auf die Pro­fes­si­on ein merk­wür­di­ges Zei­chen, als Jour­na­list tat­säch­lich n i c h t zum in­ner­sten Kreis ei­ner Re­gie­rung ge­hö­ren zu wol­len, wenn es denn ein­mal die Chan­ce da­zu gibt. In sol­chen Rie­gen »mit­zu­spie­len« ist wohl an sich ei­ne Be­son­der­heit, ein Her­aus­ge­ho­ben­sein: Die po­li­ti­schen und die Zeit­um­stän­de än­dern sich rasch, aber die­se si­cher in­ti­men Hin­ter­grund­kennt­nis­se (»net­wor­king«) sind spä­ter viel­leicht, auch im Hin­blick auf vie­les an­de­res als nur den Be­ruf, un­be­zahl­bar. Was na­tür­lich die Kor­rum­pier­bar­keit nicht ge­ra­de mil­dert. Aber ge­wis­se Din­ge lehnt man eben nur schwer ab. Und der be­am­ten­haft vor­ge­zeich­ne­te Kar­rie­re­weg im ZDF muss ja auch nicht je­dem als Heils­ver­spre­chen vor­kom­men.

     

    #1

  2. Eben die­se Kor­rum­pier­bar­keit möch­te ich re­la­ti­vie­ren. Wenn man sich die Rie­ge der Leu­te an­schaut, die frü­her in Re­gie­rungs­dien­sten wa­ren – Ah­lers, Böl­ling, Gaus (um nur ei­ni­ge zu nen­nen) – wa­ren die­se in ir­gend­ei­ner Form »kor­rupt« oder kor­rum­piert? Sei es vor­her oder nach­her? Wenn ein Ge­sin­nungs­jour­na­list wie Küp­pers­busch sinn­ge­mäss sagt, wer ein sol­ches Amt an­neh­me, sei nie Jour­na­list ge­we­sen, muss ich mich fra­gen, ob er (1.) noch al­le Tas­sen im Schrank hat und (2.) ob sei­ne gran­dio­se Ge­sin­nungs­ethik nicht weit mehr Ur­sa­che für den po­li­ti­schen Nie­der­gang der Re­prä­sen­ta­ti­ons­kul­tur ist, als Sei­berts Af­fir­ma­ti­ons­stre­ben.

    #2

  3. Lothar K. sagt:

    Im Ge­gen­teil,...
    ... mir ist es lie­ber, die po­li­ti­schen Pre­fe­ren­zen ei­nes Jour­na­li­sten zu ken­nen, schliess­lich kann ich dann sei­ne Be­rich­te im ent­spre­chen­den Kon­text le­sen. Die­ses »ty­pisch deut­sche« Ge­ha­be, dass ein Jour­na­list in je­der Hin­sicht ob­jek­tiv zu sein ha­be, ist so­wie­so Wunsch­den­ken.

    Da sind mir die USA lie­ber. So po­le­misch bei­spiels­wei­se Fox News oder ein Glen Beck un­ter­wegs sind, we­nig­stens ist je­dem mit Hirn klar, das bei­de treu zu den Re­pu­bli­ka­nern ste­hen. Auch dass ein Jon Ste­wart mit den De­mo­kra­ten sym­pa­thi­siert ist be­kannt, wenn al­so in sei­ner Show die ei­ne oder an­de­re kri­tik­wür­di­ge Ak­ti­on von der Sei­te un­ter den Tisch fällt, be­schwert sich kei­ner.

    So­was nennt sich IMHO Mei­nungs­viel­falt, nicht die For­de­rung, dass ei­ne Quel­le al­le Mei­nun­gen un­ter ei­nen Hut brin­gen soll oder gar, dass al­les aus ei­ner sub­jek­ti­ven Sicht ge­sche­hen soll.

    #3

  4. en-passant sagt:

    Aber dass die­se Kor­rum­pier­bar­keit exi­stiert, ist auch klar.
    An des­sen Tisch man sitzt...

    Al­ler­dings ist das auch un­ver­meid­lich und kann wirk­lich nicht an sich ver­dammt wer­den. Wenn man die Hin­ter­grün­de, Zwän­ge etc. ei­ner Sei­te kennt, kann man aber die auch schlicht­weg nicht mehr igno­rie­ren, auch nicht im Sin­ne wo­mög­lich noch vor­han­de­ner Idea­le (die ja meist viel mehr »Mei­nung« ma­chen, als Fak­ten) : In­so­fern wird man »um­ge­dreht«.

    An­de­rer­seits ist heu­te In­for­ma­ti­on »in­si­de« sel­ber schon oft mehr wert, als der blo­ße Wil­le, mei­nungs­ma­chend oder sonst ir­gend­wie in­ten­tio­na­li­stisch, ei­ne Sa­che dar­zu­le­gen oder sie auch nur zu er­klä­ren. Das mit­ge­teil­te Wis­sen über ei­ne (in sich eher un­be­kann­te) Sa­che klärt per se schon über die­se auf – da­zu muss man sich aber auch mal da­hin be­ge­ben ha­ben und sich die Hän­de schmut­zig ma­chen. Wohl ei­ne Ab­wä­gungs­vor­gang.

    Und Küp­pers­busch... na­ja: Der muss halt auch für sich sel­ber sor­gen.)

    @Lothar K.
    So was wie Fox news »Jour­na­lis­mus« zu nen­nen, ist mei­ner Mei­nung nach nicht mehr zu­läs­sig, wenn die Blick­win­kel der­art ver­engt sind, dass man (als Neu­tra­ler) schon im vor­aus weiß, wie ten­den­zi­ös man be­dient wer­den wird. Da kann auch »Of­fen­heit« kei­ne Qua­li­tät mehr sein, son­dern da herrscht pu­res La­ger­den­ken. Und Leu­te, die sich dann eben die Be­stä­ti­gung ih­rer Den­ke dort ab­ho­len, wo sie wis­sen, dass sie nach ih­rem Gu­sto pas­siert, sind ei­gent­lich auch nicht mehr auf­zu­klä­ren.

     

    #4

  5. #3 und #4
    Aber ein biss­chen ist es doch so, dass das La­ger­den­ken in Deutsch­land ver­brei­te­ter ist, als man meint. Es hat si­cher nicht »Fox«-Niveau, aber es gibt durch­aus Reiz­fi­gu­ren und Reiz­ge­gen­stän­de, an de­nen es sich be­quem rei­ben lässt (so wird je­mand das Eti­kett ei­nes »Springer«-Journalisten nie mehr los – egal was er tut).

    Die Ab­wehr, der da ei­nem m. E. eher mä­ssi­gen Jour­na­li­sten wie Sei­bert ent­ge­gen­schlägt, rührt da­her, dass er sich in die Höh­le des Fein­des be­gibt. War­um sagt man nicht: Toll, da baut ei­ner nicht ei­ne öf­fent­lich-recht­li­che Kar­rie­re, die dann ir­gend­wann im Chef­re­dak­teur-Ses­sel mün­den kann, wenn man nur lan­ge ge­nug die ent­spre­chen­den Pro­gramm­rats-Stie­fel ge­putzt hat? Was ist an ei­nem Sei­ten­wech­sel so ob­szön? Das be­kommt doch ei­nen Zun­gen­schlag, als wechs­le ein Fuß­ball­spie­ler von Dort­mund nach Schal­ke. Kin­disch.

    Ge­ne­rell müss­te man ein­mal dis­ku­tie­ren, ob die jour­na­li­sti­sche An­ma­ßung der »vier­ten Ge­walt« nicht auch Ur­sa­che die­ser Ent­rü­stung ist. Tat­säch­lich ist die­se Selbst­be­haup­tung längst ein Selbst­läu­fer ge­wor­den; je­der Lo­kal­jour­na­list sieht sich heu­te als wich­ti­ger In­for­ma­ti­ons­lie­fe­rant oder gar Auf­klä­rer. Da­bei ist der Jour­na­lis­mus längst zum Mit­spie­ler je­ner Ber­li­ner Mei­nungs­re­pu­blik ge­wor­den, die in je­der in­ner­par­tei­li­chen Dis­kus­si­on gleich ei­nen »Streit« oder ei­nen »Zank« ent­deckt, um dann schein­hei­lig den Zu­stand der Par­tei­en und/oder Po­li­tik zu be­kla­gen. Kann es da­her nicht auch sein, dass je­mand die­se Heu­che­lei ein­fach auch satt hat (ab­ge­se­hen von den fi­nan­zi­el­len Ver­gün­sti­gun­gen)?

    #5

  6. Wolfgang M. sagt:

    Ist doch ei­gent­lich wohl­tu­end
    ..., wenn man ge­nau weiß, wer wo­für und mit wie­viel Eu­ro be­zahlt wird. Bei vie­len »Jour­na­li­sten« (sie­he Kat­rin Mül­ler-Ho­hen­stein, eben­falls ZDF) ist das lan­ge nicht so trans­pa­rent wie bei Stef­fen Sei­bert oder sei­nen Vor­gän­gern als Re­gie­rungs­spre­cher.

    #6

  7. Sie glau­ben, dass Herr Sei­bert bis­her »be­zahlt« wur­de? Von wem? Kann er kei­ne ei­ge­ne Mei­nung ha­ben?

    Das ist üb­ri­gens mit KMH nicht zu ver­glei­chen. Die hat Wer­bung ge­macht. Und ist ei­gent­lich kei­ne Jour­na­li­stin.

    #7

  8. Wolfgang M. sagt:

    Klei­nes Miss­ver­ständ­nis
    @Gregor Keu­sch­nig: Nein, ich mein­te, dass man ab Au­gust ge­nau weiß, wer Stef­fen Sei­bert für was be­zahlt. Die­se Trans­pa­renz ist bei an­de­ren Jour­na­li­sten mög­li­cher­wei­se nicht ge­ge­ben. Die kön­nen zwar al­le ei­ne Mei­nung ha­ben, bei man­chen mag die­se aber auch durch ei­nen hand­fe­sten mo­ne­tä­ren oder po­li­ti­schen Hin­ter­grund be­ein­flusst sein. Ich ha­be das selbst in der Spar­te »Mo­tor­jour­na­lis­mus« er­lebt, sie­he hier:
    http://fastvoice.net/2009/06/28/wer-gut-schmiert-der-gut-fahrt/
    An­son­sten ge­he ich völ­lig d’accord mit Ih­rer Ein­schät­zung der La­ge.

    Ob KMH nun nach Ih­rem Maß­stab »Jour­na­li­stinW ist oder nicht, spielt für die Wahr­neh­mung des »nor­ma­len« und nicht me­di­en­kun­di­gen Pu­bli­kums kaum ei­ne Rol­le – sie wird ge­nau wie Stef­fen Sei­bert ein­fach als ZDF-Mo­de­ra­to­rin wahr­ge­nom­men.

    Und dem Pu­bli­kum ist auch sel­ten be­kannt, wel­che der be­lieb­ten TV-Ge­sich­ter Un­ter­neh­mens-Ga­las oder Mes­se­auf­trit­te mo­de­rie­ren und da­durch even­tu­ell auch ei­ne ge­wis­se Beiß­hem­mung bei be­stimm­ten The­men ha­ben könn­ten (wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing..).

    #8

  9. Dan­ke für die Klar­stel­lung. Und Sie ha­ben na­tür­lich recht: Ob KMH von mir als Jour­na­li­stin wahr­ge­nom­men wird, spielt kei­ne Rol­le. Aber als Sportjour­na­li­stin bzw. Sportmo­de­ra­to­rin ist es ziem­lich egal, ob sie »ne­ben­bei« noch für Milch wirbt. Ih­re Ob­jek­ti­vi­tät, ob es sich nun um ei­ne Ab­seits­stel­lung han­del­te oder nicht, wird da­durch nicht be­ein­flusst.

    Was Sie da im Mo­tor­jour­na­lis­mus auf­ge­deckt ha­ben, hat na­tür­lich gleich ei­ne an­de­re Qua­li­tät.

    Fast noch pro­ble­ma­ti­scher fin­de ich die Ne­ben­tä­tig­kei­ten bei­spiels­wei­se der »Anchor«-Leute der Haupt­nach­rich­ten­sen­dun­gen. Hier gibt es Ver­quickun­gen mit Po­li­tik und Wirt­schaft, die all­zu schnell un­ter dem Tep­pich ge­hal­ten wer­den. Es ist ja kaum ein Jour­na­list da, der im ei­ge­nen Teich fischt; der Korps­geist ist merk­wür­di­ger­wei­se auch hier sehr stark. Das »in­ve­sti­ga­ti­ve« hört vor der ei­ge­nen Tür auf.

    #9

  10. Wolfgang M. sagt:

    Klei­nes P.S.
    Zur Fra­ge, wie KMHs Tä­tig­keit für’s ZDF zu be­ur­tei­len ist, hat­te ZDF-Chef­re­dak­teur Pe­ter Frey of­fen­bar auch ei­ne kla­re Mei­nung: »Der Ver­trag en­spricht nicht den Vor­stel­lun­gen des ZDF von Auf­trit­ten sei­ner jour­na­li­sti­schen Köp­fe.«, war sein Kom­men­tar da­mals zum DEal mit Wei­hen­ste­phan. Al­so sieht er wohl KMH zu­min­dest als »jour­na­li­sti­schen Kopf«.

    Wer­be­tä­tig­kei­ten ha­ben na­tür­lich kei­nen Ein­fluss auf die Be­ur­tei­lung ei­ner Ab­seits­si­tua­ti­on, aber Sport­mo­de­ra­ti­on ist ab und zu auch mal mehr als das – manch­mal gibt’s so­gar Sport­po­li­tik. Spä­te­stens seit der cau­sa Emig und dem Tour-de-Fran­ce (Team Telekom)-Werbe-Engagement der ARD wis­sen wir doch, dass Fern­se­hen, Wirt­schaft und Sport auch ei­ne un­se­li­ge Al­li­anz ein­ge­hen kön­nen, die Sport­jour­na­li­sten/-mo­de­ra­to­ren zu will­fäh­ri­gen Knap­pen ih­rer Sen­der macht – zu La­sten der Zu­schau­er, die ver­geb­lich auf ob­jek­ti­ve In­for­ma­tio­nen war­ten.

    Und selbst­ver­ständ­lich wer­den von der In­du­strie be­son­ders ger­ne An­chor­men und -wo­men für Fir­men­ver­an­stal­tun­gen ge­bucht. Gilt nicht nur für die TV-Bran­che: Im Klei­nen ha­be ich das auch schon bei der Lo­kal­pres­se er­lebt: Ein Re­dak­teur mo­de­riert ei­ne (nicht von der Zei­tung, son­dern von der Ge­mein­de­ver­wal­tung ver­an­stal­te­te) öf­fent­li­che Dis­kus­si­on, über die er die dann auch noch selbst be­rich­tet. Adieu, Du schö­ne Di­stanz zwi­schen den »Ge­wal­ten«.

    #10

  11. Un­se­li­ge Al­li­an­zen
    Ja, Frey hat das ver­ur­teilt. Frü­her war man im ZDF da an­de­rer Mei­nung – Ker­ner durf­te wei­ter­ma­chen, muss­te nur evtl. neue Wer­be­maß­nah­men »an­mel­den«.

    Dass die Sport­jour­na­li­sten über Sport­po­li­tik be­rich­ten, ist doch eher die Aus­nah­me. Meist steht das af­fir­ma­ti­ve Ele­ment im Vor­der­grund; es gab wäh­rend der Fuß­ball-WM mei­nes Wis­sens kei­nen ein­zi­gen kri­ti­schen Bei­trag über die FIFA und die Ab­wick­lung die­ser WM in Süd­afri­ka. Al­len­falls wenn es um tech­ni­sche Hilfs­mit­tel bei Schieds­rich­ter­ent­schei­dun­gen geht, be­fragt man den all­mäch­ti­gen Ver­an­stal­ter.

    Der kom­mer­zia­li­sier­te Sport spielt sich doch heut­zu­ta­ge ab­seits je­der jour­na­li­stisch-kri­ti­schen Dar­stel­lung ab. Emigs Ma­chen­schaf­ten spre­chen da ja tat­säch­lich Bän­de. Ob­wohl der na­tür­lich nie für ir­gend et­was Wer­bung ge­macht hat. Die wirk­li­chen Schwei­ne­rei­en fin­den zu­meist hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren statt.

    Ein Sport­jour­na­lis­mus, der sich sel­ber nur halb­wegs rnst neh­men wür­de, dürf­te von ei­ner Tour de Fran­ce nicht ein­mal ei­ne Mel­dung brin­gen, ge­schwei­ge denn fil­misch aus­gie­big be­rich­ten.

    #11

  12. Wolfgang M. sagt:

    Sehr rich­tig er­kannt,
    dass es bei der WM kei­ne FI­FA-kri­ti­schen Bei­trä­ge gab, fi­nan­zie­ren doch die be­richt­erstat­ten­den Sen­der die Ver­an­stal­tung und Ver­an­stal­ter (die noch da­zu ein zen­sier­tes TV-»Weltbild« lie­fer­ten – das darf man ru­hig zwei­deu­tig le­sen). Na­tür­lich wä­re da auch was Kri­ti­sches über die FI­FA-Haupt­spon­so­ren eher lä­stig ge­we­sen.

    Und da ha­ben wir sie wie­der, die in­di­rek­te Ab­hän­gig­keit der Jour­na­li­sten von den Geld­ge­bern. Der qua­li­ta­ti­ve Un­ter­schied zu ei­nem Re­gie­rungs­spre­cher er­schließt sich mir da ge­nau so we­nig wie Ih­nen.

    Ob die­ses Sy­stem al­ler­dings wirk­lich auf den Sport be­schränkt ist, wa­ge ich zu be­zwei­feln.

    [EDIT: 2010-07-14 11.30]

    #12

  13. Es ist na­tür­lich ein Un­ter­schied, ob ich mich im Rah­men ei­ner pri­va­ten Ver­an­stal­tung (die Fuß­ball-WM ist ja nichts an­de­res) den Ge­set­zen der Aus­rich­ter und Haus­her­ren zu fü­gen ha­be, oder ob wir von po­li­ti­schem Jour­na­lis­mus re­den, der »über den Din­gen« zu ste­hen hat.

    Den ach so ob­jek­ti­ven Jour­na­lis­mus gibt es nicht. Ich ha­be in der Ver­gan­gen­heit fest­ge­stellt, dass die­je­ni­gen, die sich am mei­sten als »ob­jek­tiv« ge­rie­ren, die schlimm­sten Dem­ago­gen sind. Mit der Zeit weiss oder ahnt zu­min­dest die po­li­ti­schen Prä­fe­ren­zen des Be­richt­erstat­ters. Ent­spre­chend bes­ser las­sen sich ja des­sen Ur­tei­le dann ein­ord­nen. So funk­tio­niert die Mei­nungs­bil­dung beim Zu­schau­er über den »in­di­rek­ten« Weg. Wenn der CSU-Mann Gott­lieb vom BR et­was Kri­ti­sches zu Söder sagt, kann man hier­aus die Ver­an­ke­rung von Söders’ Mei­nung in der Par­tei rück­schlie­ßen.

    [EDIT: 2010-07-14 12:02]

    #13

  14. Detlef sagt:

    Das ist schlimm und ver­kom­men !
    Mir per­sön­lich geht es nicht um die Per­son St. Sei­bert, es geht um das öf­fent­lich Recht­li­che Sy­stem ! Hier wur­de wie­der mal ein Pa­ra­de­bei­spiel da­für ab­ge­legt das der Ex ZDF-Chef­re­dak­teur N. Bren­der recht hat. Ex ZDF-Chef­re­dak­teur N. Bren­der sag­te dem Spie­gel z.B: »Spit­zel­sy­stem, das da­von lebt, dass Re­dak­teu­re den Par­tei­en Sen­der­in­ter­na zu­tra­gen«... »wirk­lich ver­gleich­bar mit den IM der DDR«. Da sei ein »fein­ge­spon­ne­nes Netz von Abhängigkeiten«...Er selbst ha­be »ver­sucht, sol­che Spio­ne we­nig­stens von Po­sten mit ech­ter Ver­ant­wor­tung fernzuhalten«...»Parteipolitische Me­tho­dik droht ge­ra­de den öf­fent­lich-recht­li­chen Rund­funk zu ok­ku­pie­ren.« ...
    usw. im üb­ri­gen so­viel zum The­ma 8 Mil­li­ar­den Eu­ro GEZ – Ge­büh­ren und den neu­tra­len Jour­na­lis­mus den wir uns da­mit er­kau­fen !

    #14

  15. Sie ha­ben of­fen­sicht­lich mei­nen klei­nen Text nicht ge­le­sen, sonst wüss­ten Sie, dass es sich um gän­gi­ge Pra­xcis han­delt, dass Jour­na­li­sten ins po­li­ti­sche La­ger verch­seln und um­ge­kehrt. Und dass man sich mit GEZ-Ge­büh­ren neu­tra­len Jour­na­lis­mus er­kauft, ist kühn. Denn (1.) steht das nir­gend­wo so (in den öf­fent­lich-recht­li­chen me­di­en spielt die Po­li­tik aus­drück­lich ei­ne Rol­le) und (2.) kann es »neu­tra­len Jour­na­lis­mus« gar nicht ge­ben.

    Zu Bren­ders dum­men Äu­ße­run­gen braucht man ei­gent­lich nichts zu sa­gen. Die spre­chen für sich sel­ber. (Ver­mut­lich hat man ihn nicht ge­fragt, wie er denn in die­sem »Spit­zel­sy­stem« über­haupt so­weit kom­men konn­te.)

    PS: Dem­nächst lö­sche ich Kom­men­ta­re, die auf sol­che Sei­ten wie die Ih­re ver­wei­sen.

    #15

  16. Görd sagt:

    Schwa­che Aus­re­de...
    Als Jour­na­list ist man der Wahr­heit ver­pflich­tet, so man die­se denn fin­den kann. Es reicht schon aus, wenn man mög­lichst prä­zi­se die Fak­ten wie­der­gibt und die mög­li­chen Schluß­fol­ge­run­gen auf­zeigt. Da­zu dann ent­spre­chen­de Mei­nun­gen aus den un­ter­schied­li­chen La­gern. Will man sei­ne ei­ge­ne Mei­nung äu­ßern, was durch­aus le­gi­tim ist, macht man das deut­lich und darf dann auch ger­ne et­was mehr vom Le­der zie­hen, sar­ka­stisch wer­den und Ver­mu­tun­gen äu­ßern. So soll­te es sein.

    Als Re­gie­rungs­spre­cher ist man der Re­gie­rung ver­pflich­tet. Die Wahr­heit ist se­kun­där. Man sagt das, was die Re­gie­rung im be­sten Licht er­schei­nen läßt, ob nun wahr oder nicht. Was ist dar­an noch Jour­na­lis­mus?

    Ich hal­te es nicht für mög­lich, die mo­ra­li­sche In­te­ge­ri­tät, die man als gu­ter Jour­na­list ha­ben soll­te, für ei­ne kur­ze Zeit völ­lig über Bord zu wer­fen, um sie spä­ter wie­der auf­zu­fi­schen. Wer in der La­ge ist, für die Re­gie­rung Lü­gen zu ver­brei­ten (oder die Wahr­heit ge­schickt zu ver­schlei­ern), ist mo­ra­lisch auch vor­her oder nach­her nicht halt­bar. Da mag es noch so vie­le Bei­spie­le ge­ben (von de­nen ich nicht ei­nen ken­ne, aber ich bin auch nicht aus der Bran­che). Mag sein, daß es In­itia­l­ereig­nis­se gab, die die­se Men­schen ge­läu­tert ha­ben, aber wer sich vor den Kar­ren der Po­li­tik span­nen läßt, hat jeg­li­ches Ver­trau­en bei mir ver­lo­ren. Das gilt na­tür­lich ins­be­son­de­re für die Po­li­ti­ker ^^

    Das glei­che gilt na­tür­lich auch für Men­schen, die für die Ta­bak­in­du­strie ar­bei­ten, für gie­ri­ge Phar­ma­fir­men oder für Sprin­ger (die Li­ste ist nicht voll­stän­dig). Wer sich der­art für Geld/Macht/Ansehen/Netzwerke pro­sti­tu­iert, daß er das Schlech­te sei­nes »Ar­beit­ge­bers« stumpf igno­riert und mit Scheu­klap­pen sei­nen Dienst ver­sieht, für den hab ich nur Ver­ach­tung über.

    Und bit­te kei­ne Aus­re­den wie »Ver­än­de­run­gen von in­nen her­aus schaf­fen« oder so­was. Soll­te man tat­säch­lich sol­che An­wand­lun­gen ha­ben, wä­re man nicht auf dem Po­sten ge­lan­det. Oder man ist so leicht zu be­ein­flus­sen, daß der Ar­beit­ge­ber sich der kor­rum­pie­ren­den Macht si­cher sein kann. Glaub­haft wä­re das nur, wenn man den Po­sten nach we­ni­gen Wo­chen hin­schmeißt und dann of­fen­bart, was für mo­ra­lisch ver­werf­li­che Ta­ten von ei­nem ver­langt wur­den. Das ist bis­her aber noch nicht pas­siert. Und wird es auch nicht.

    Ach ja, ich bin ar­beits­lo­ser Na­tur­wis­sen­schaft­ler und wä­re das lie­ber bis zum En­de mei­ner Ta­ge, als ei­nen Job an­zu­neh­men, für den ich mich je­den Tag schä­men muß. Und, nein, ich ko­ste den Staat kein Geld, weil ich mich nicht ar­beits­los ge­mel­det ha­be. Nur um den ty­pi­schen »Schmarotzer!«-Rufen den Wind aus den Se­geln zu neh­men.

    Der Görd aus Köln

    #16

  17. @Görd
    Was sa­gen Sie zu all den ge­nann­ten Jour­na­li­sten der Ver­gan­gen­heit? Wa­ren bzw. sind die für im­mer und ewig »mo­ra­lisch« dis­kre­di­tiert? Ich muss dann schon die Fra­ge nach dem Ver­ständ­nis (partei-)politischer Or­ga­ni­sa­ti­on und dem Po­li­tik­bild da­hin­ter fra­gen: Ist Po­li­tik der­art ver­dam­mens­wür­dig?

    Ha­ben Sie nie in Ih­rem Le­ben ein Un­ter­neh­men ge­wech­selt? Sind viel­leicht so­gar zur Kon­kur­renz ge­gan­gen? Neh­men Sie – aus Angst zu »Pro­sti­tu­ie­ren« lie­ber kein Geld an? (Wo­von wol­len Sie – ar­beits­los und »kein ‘Schma­rot­zer’ « wie Sie so wirk­sam be­to­nen – le­ben?)

    »Glaub­haft« wä­re je­mand nur, der dann ganz schnell hin­wirft und da­mit Ihr Ur­teil be­stä­tigt? Nur der­je­ni­ge ist glaub­haft, der Ih­re mo­ra­li­schen Vor­stel­lun­gen teilt? Was, wenn ihm der Job ge­fällt? Was, wenn er den An­spruch, die Wahr­heit her­aus­zu­fin­den, nicht mehr hat? Ihr mo­ra­li­scher Ri­go­ris­mus streift in sei­ner Ver­bohrt­heit schon den Fun­da­men­ta­lis­mus.

    #17

  18. Wolfgang M. sagt:

    #16 -Das kann man na­tür­lich so kon­se­quent se­hen,
    aber dann dürf­ten die mei­sten Ar­beits­stel­len für Dich nicht mehr in Fra­ge kom­men. Wel­cher Ver­lag ver­knüpft nicht re­dak­tio­nel­le In­hal­te mit werb­li­chen, kom­mer­zi­el­len In­ter­es­sen, zu­min­dest ge­le­gent­lich? Wel­ches In­du­strie­un­ter­neh­men war oder ist nicht mehr oder we­ni­ger um­welt­schäd­lich? Wel­che Be­hör­de ar­bei­tet wirk­lich im­mer sau­ber und mo­ra­lisch ein­wand­frei? Bei nä­he­rer Be­trach­tung dürf­te da wohl nur ei­ne Hand­voll »ein­wand­frei­er« Jobs üb­rig blei­ben.

    Um­ge­kehrt be­steht aber der Job ei­nes PR-Be­auf­trag­ten (und nichts an­de­res ist ein Re­gie­rungs­spre­cher) nicht zwangs­läu­fig aus »Lü­gen«. Gu­te PR-Leu­te kön­nen dar­auf ver­zich­ten und trotz­dem (oder ge­ra­de des­halb) ih­ren Auf­trag­ge­ber wür­dig re­prä­sen­tie­ren und kom­mu­ni­zie­ren. Und ge­nau wie bei »nor­ma­len« Jour­na­li­sten ist es na­tür­lich klar, dass nie die »vol­le Wahr­heit« ver­mit­telt wird – das schafft wohl nicht mal der be­ste Jour­na­list. Wie Herr Keu­sch­nig schon an­ge­merkt hat: Ei­nen kom­plett ob­jek­ti­ven Jour­na­lis­mus gibt es nicht.

    #18

  19. hansi sagt:

    Hah­ne­bü­che­ner Un­sinn!
    Erst ei­nen auf re­gie­rungs­freund­lich ma­chen und den Zu­schau­er ver­ar­schen um dann Re­gie­rungs­spre­cher zu wer­den. Ekel­haft!

    Nur weil an­de­re es ge­nau­so ge­macht ha­ben ist es kei­ne Le­gi­ti­ma­ti­on.

    1rd und 2df ha­ben un­ab­hän­gig und neu­tral zu be­rich­ten.

    #19

  20. Es heisst
    ha­ne­bü­chen.

    Wer macht »auf re­gie­rungs­freund­lich«? Wo steht, dass es ei­ne »Le­gi­ti­ma­ti­on« ist, dass es die an­de­ren ge­macht ha­ben? Aber: Wa­ren die­se »an­de­ren« schlech­te­re Jour­na­li­sten? Ah­lers? Gaus? Harpprecht?

    #20

  21. Jeeves sagt:

    »Teil­wei­se wird so ge­tan, als sei Stef­fen Sei­bert ei­ner ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Sek­te bei­getre­ten.«
    Das scheint mir ei­ne star­ke aber nicht ganz un­zu­tref­fen­de Be­zeich­nung für die mo­men­ta­ne po­li­ti­sche Klas­se zu sein.

    #21

  22. Nicht nur po­li­ti­sche Klas­se, mei­ne ich: auch pu­bli­zi­sti­sche Klas­se. Bzw. noch ge­nau­er: Blog­ger-Klas­se. Oder?

    #22

  23. D aus B sagt:

    Ge­nau!
    Dan­ke für den Text!

    #23

  24. Sebastian sagt:

    »Die Miß­gunst, die Stef­fen Sei­bert er­fährt, spie­gelt na­tür­lich die (be­rech­tig­te) Un­zu­frie­den­heit mit die­ser Re­gie­rung wie­der.«

    Ich se­he das ge­nau­so. Ei­ner der Grün­de, war­um so­viel Bo­hei um die Sa­che ge­macht wird liegt in mei­nen Au­gen dar­an, dass ein smar­ter und re­la­tiv be­lieb­ter »An­ker­mann« des ZDF nun für die in Miss­gunst ge­ra­te­ne gro­ße Ko­ali­ti­on spricht, al­so qua­si »zur dunk­len Sei­te der Macht« über­ge­lau­fen ist.
    Dan­ke für den Bei­trag. Und viel Glück für Herrn Sei­bert, er wird noch ei­ne Men­ge Re­gie­rungs­ar­beit zu er­klä­ren ha­ben.

    #24

  25. blackconti sagt:

    Die Em­pö­rung über Sei­bert und sei­nen Job­wech­sel ist tat­säch­lich völ­lig un­an­ge­mes­sen. Der Mann wech­selt sei­nen Ar­beit­ge­ber und singt nun des­sen Lied. Die Be­fä­hi­gung zu die­sem spe­zi­el­len Job er­gibt sich schon aus sei­nem Na­men: Stef­fen sei­bert!

    Sei­bert mit Jour­na­li­sten vom Schla­ge ei­nes Ah­lers, Gaus, Böl­lings oder auch Boe­nischs zu ver­glei­chen, ver­bie­tet sich mei­nes Er­ach­tens. Letz­te­re wa­ren mei­nungs­star­ke Me­di­en­leu­te, bei de­nen man wuss­te, auf wel­cher Sei­te sie ste­hen und de­ren Be­ru­fung in die je­wei­li­ge Re­gie­rung ei­ner ge­wis­sen Lo­gik folg­te.

    Em­pö­ren soll­te man sich über die­se Re­gie­rung, die ih­re ge­ra­de­zu hi­sto­ri­sche Un­fä­hig­keit nun durch das sym­pa­tisch-jun­gen­haf­te Ge­sicht ei­nes all­seits be­kann­ten, schein­neu­tra­len Nach­rich­ten­mo­de­ra­tors zu ka­schie­ren ver­sucht.

    #25

  26. Ich ha­be nicht den Jour­na­li­sten Sei­bert mit Gaus, Böl­lig et. al. ver­gli­chen, son­dern eher den Vor­gang.

    Wor­in liegt denn ei­gent­lich der Un­ter­schied zwi­schen »mei­nungs­stark« und »schein­neu­tral«?

    #26

  27. blackconti sagt:

    Ge­nau den Vor­gang ha­be ich auch ge­meint und im Nach­fol­gen­den auch ver­sucht zu be­grün­den.

    Ich ken­ne Sei­berts po­li­ti­sche Ein­stel­lung nicht. Er wird ei­ne ha­ben, aber die durf­te, ver­ständ­li­cher­wei­se, in sei­nem Heu­te-Job kei­ne er­kenn­ba­re Rol­le spie­len. Er hat das Image des schein­bar neu­tra­len Nach­rich­ten­über­mitt­lers und ge­nau des­halb wur­de er aus­ge­wählt. Mit die­sem Image soll er den Re­gie­rungs­murks ver­kau­fen. Der Un­ter­schied zu Ah­lers, Boe­nisch, Böl­ling usw. liegt doch auf der Hand. Im Spie­gel , in BILD, In TV-Ma­ga­zi­nen usw. ha­ben die de­zi­diert Mei­nun­gen ge­äu­ßert und ge­macht. Aber das weißt Du doch selbst .

    #27

  28. Sor­ry, aber den »Vor­gang« hast Du nicht ge­meint. Du schriebst (Her­vor­he­bung von mir): »Sei­bert mit Jour­na­li­sten vom Schla­ge ei­nes Ah­lers, Gaus, Böl­lings oder auch Boe­nischs zu ver­glei­chen, ver­bie­tet sich mei­nes Er­ach­tens.« (Hier stim­men wir üb­ri­gens über­ein)

    Ich fin­de es ein biss­chen welt­fremd, dass man Sei­berts po­li­ti­sche Mei­nung in den »heute«-Nachrichten so klein re­det. Sie ist al­lei­ne durch die Set­zung und Poin­tie­rung von Schlag­zei­len und In­for­ma­tio­nen ge­ge­ben; von der Aus­wahl und Rei­hen­fol­ge der The­men gar nicht zu re­den. Sei­bert muss­te üb­ri­gens den UNICEF-Spen­den­skan­dal be­rich­ten, ob­wohl er UNICEF-»Botschafter« war (was je­doch in ei­nem kur­zen Satz er­wähn­te).

    Und nein, ich weiss nicht, in­wie­fern Böl­lig und Co. als Jour­na­li­sten de­zi­diert Mei­nun­gen ge­äu­ßert hät­ten, die sie als Jour­na­li­sten dis­qua­li­fi­ziert hät­te. Böl­ling ha­be ich da­mals als »Weltspiegel«-Moderator und Aus­lands­kor­re­spon­dent wahr­ge­nom­men. Er wur­de dann In­ten­dant bei ei­nem SPD-Sen­der (Ra­dio Bre­men), was nur auf­grund be­stimm­ter Prä­fe­ren­zen mög­lich war (ist). Als Mei­nungs­jun­kie (wie bei­spiels­wei­se ein Klaus Bed­narz) er­schien mir auch Gaus nie. Ah­lers kri­ti­sier­te die Bun­des­re­gie­rung Brandt/Scheel nach sei­nem Ab­gang 1973 auf das Schärf­ste. Ei­ne Aus­nah­me bil­de­te da­mals Fried­helm Ost, der da­mals schon als ziem­lich markt­ra­di­ka­ler Jour­na­list galt. Er war aber nie ein Nach­rich­ten­mann.

    #28

  29. blackconti sagt:

    Na gut, ich hab’s mög­li­cher­wei­se miss­ver­ständ­lich ge­schrie­ben, aber, dass ich das ge­meint ha­be soll­test Du mir schon ab­neh­men. – OK?
    Dass Nach­rich­ten­sen­dun­gen auch fär­ben, al­lein durch die Nach­rich­ten aus­wahl, dass Mo­de­ra­to­ren durch Poin­tie­run­gen, ja selbst durch ih­ren Ge­sichts­aus­druck, Mei­nun­gen aus­drücken oder Mei­nungs­bil­dung be­ein­flus­sen kön­nen, wer woll­te das be­strei­ten. Ei­ne be­son­de­re Af­fi­ni­tät Sei­berts zur mo­men­ta­nen Re­gie­rung ist mir je­den­falls bis­her nicht auf­ge­fal­len. Au­sser­dem steht ja hin­ter so ei­nem An­ker­mann ei­ne gan­ze Re­dak­ti­on und de­ren Ein­fluß auf die The­men, die Schlag­zei­len­set­zung, die Bil­der und Fil­me dürf­te den des Prä­sen­ta­tors doch er­heb­lich über­stei­gen.
    Und ganz si­cher ha­be ich Ah­lers, Böl­ling, Boe­nisch und all den an­de­ren oben ge­nann­ten nicht die jour­na­li­sti­sche Qua­li­fi­ka­ti­on ab­ge­spro­chen. Ih­re po­li­ti­sche Ein­stel­lung war für mich im­mer klar und wo an­ders, als aus de­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen, Mo­de­ra­tio­nen usw. hät­te ich dies ent­neh­men kön­nen?

    #29

  30. Ei­ne be­son­de­re Af­fi­ni­tät Sei­berts zur mo­men­ta­nen Re­gie­rung ist mir je­den­falls bis­her nicht auf­ge­fal­len.
    ich auch nicht. Und jetzt weiss ich nicht, ob ich das gut oders chlecht fin­den soll (ehr­lich).

    #30

  31. blackconti sagt:

    Sei­bert zu sei­ner Be­ru­fung zum Re­gie­rungs­spre­cher:

    „Ich neh­me die­se Auf­ga­be ger­ne an, weil ich über­zeugt bin, dass die Bun­des­re­gie­rung un­ter Füh­rung von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel die rich­ti­gen Schwer­punk­te setzt, um un­se­rem Land in die­sen schwie­ri­gen Jah­ren ei­ne gu­te Zu­kunft zu si­chern.«

    Die­se Aus­sa­ge ist doch ei­nes Re­gie­rungs­spre­chers wür­dig. Na­tür­lich glaubt er das sel­ber nicht und weil er beim Ver­bie­gen der Rea­li­tät auch noch so un­schul­dig drein­schau­en kann – mein Fa­zit:
    Als Re­gie­rungs­spre­cher – Sehr gut!
    ( Selbst­ver­ständ­lich wür­de Sei­bert auch als An­prei­ser beim Te­le­shop­ping, als Heiz­decken­ver­käu­fer auf Kaf­fee­fahr­ten, als Staub­sauger- oder Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter ei­ne pri­ma Fi­gur ab­ge­ben.)

    #31

  32. Tja, das ist die Fra­ge. ob er das wirk­lich nicht glaubt. Ich bin ei­gent­lich bis zum Be­weis des Ge­gen­teils im­mer ge­neigt, den Leu­ten zu glau­ben. War­um kann er nicht von die­ser Re­gie­rung bzw. dem, was da an­steht, über­zeugt sein? Zu­mal ja man­gels Pro­gram­ma­tik sehr gro­ße Spiel­räu­me exi­stie­ren. Oder er weiß schon mehr als wir.

    #32

  33. blackconti sagt:

    Ja si­cher, Fra­gen über Fra­gen. Aber da musst Du nun sel­ber la­chen?

    #33

  34. La­chen – nein. Ich wun­de­re mich nur.

    Das man Anfang/Mitte der 80er bei ei­ner »gei­stig-mor­lai­schen Wen­de« à la Kohl mit­ma­chen woll­te, konn­te ich noch ver­ste­hen. Es wa­ren ja nicht die schlech­te­sten Köp­fe, die er da ver­sam­melt hat­te; auch Sei­ten­ein­stei­ger. Al­le­samt er­staun­lich schnell er­nüch­tert. Kohl wä­re ei­ne Fuß­no­te in der »Ge­chich­te«, wenn es die deut­sche Ein­heit nicht ge­ge­ben hät­te.

    Aber wo ist das Pro­gramm die­ser Re­gie­rung? Die CDU un­ter ih­rer Par­tei­che­fin Mer­kel war so­fort nach der Wahl voll­kom­men oh­ne Pro­gram­ma­tik. Al­len­falls die CSu schwenk­te po­pu­li­sti­sche Fähn­chen. Das war erst der Hin­ter­grund, der der FDP die Büh­ne für ihr La­men­to gab und We­ster­wel­le ver­an­laßt sah ge­gen den So­zi­al­staat zu wet­tern. Die­se Re­gie­rung ist in­tel­lek­tu­ell am Bo­den. Sie hat kei­ne Lö­sun­gen an­zu­bie­ten. Ich stel­le mir das im­mer so vor wie ein haus­be­sit­zer, des­sen Dach an meh­re­ren Stel­len un­dicht ist. Statt das Dach ab­zu­dich­ten geht er Ei­mer kau­fen.

    Was ver­mag Sei­bert, nein: was ver­mag ei­nen Jour­na­li­sten, der ja nicht rest­los ver­bö­det ist, an die­ser Auf­ga­be rei­zen? Das Geld? Nein. Idea­lis­mus! Ja, okay. Aber wel­cher?

    Aber das führt von der Dis­kus­si­on weg: Es ging mir dar­um, dass die­se Ent­rü­stung über den Vor­gang und die Ver­glei­che mit Ita­li­en oder ähn­li­chen Pseu­do-De­mo­kra­ti­en Un­sinn sind. Das ist aber un­ab­hän­gig da­von, dass Sei­bert auf ei­nem Damp­fer an­heu­ert, der oh­ne Kom­pass ei­ne Welt­rei­se an­tre­ten möch­te.

    #34

  35. blackconti sagt:

    Die Bun­des­re­gie­rung: “Ein Damp­fer, der oh­ne Kom­pass ei­ne Welt­rei­se an­tritt.” Was für ei­ne per­fek­te Be­schrei­bung!

    Das grau­en­haf­te dar­an: Wir al­le sind die Pas­sa­gie­re und fei­ern rau­schen­de Bord­fe­ste, so­lan­ge, bis uns Stef­fen Sei­bert von der Ka­pi­tä­nin­nen­brücke mel­det: “Eis­berg vor­aus!” Dann wird es ganz still und dann hö­ren wir das dump­fe Schram­men und dann war­ten wir auf den Was­ser­ein­bruch – - Stil­le – - Und dann gibt Stef­fen Sei­bert Ent­war­nung, die Bord­ka­pel­le setzt ju­bi­lie­rend ein, Ein Hoch der Ka­pi­tä­nin! Wir dür­fen wei­ter­fei­ern. Noch­mal gut ge­gan­gen...
    ( Ent­schul­di­gung, Dei­ne Steil­vor­la­ge war zu ver­füh­re­risch, da ging mir der Gaul durch. Und jetzt sag ich nix mehr.)

    #35

  36. Tosco Weber sagt:

    Den­ken ist vor al­lem Mut – war doch so, oder?!
    Du willst al­so be­haup­ten, Kar­rie­re­jour­na­li­sten wä­ren kei­ne Po­li­ti­ker, Rund­funk- und Zei­tungs­re­dak­teu­re wä­ren kei­ne Po­li­ti­ker, Fern­seh­mo­de­ra­to­ren wä­ren kei­ne Po­li­ti­ker, Buch­au­toren wä­ren kei­ne Po­li­ti­ker – sa­gen wir – Be­rufs­pre­di­ger jeg­li­cher Cou­leur ein­schließ­lich Lein­wand­göt­tern, aka­de­mi­schen Gei­stes­ko­ry­phä­en, Kunst­i­ko­nen, Kir­chen­hei­li­gen, Pop­sän­gern, Sport­ido­len bis hin zu Leh­rern und Ärz­ten wä­ren al­les kei­ne Po­li­ti­ker, son­dern nur »Po­li­ti­ker« wä­ren eben Po­li­ti­ker, die ech­te Macht in­ne­ha­ben.
    Das wä­re so­zu­sa­gen dei­ne Theo­rie oder auch: dei­ne Fröm­mig­keit.
    Mei­ne geht ein biss­chen an­ders: Ich glau­be z.B., dass wir nicht po­li­tisch be­herrscht wer­den, son­dern kul­tu­rell. Mit al­len sich dar­aus er­ge­ben­den Kon­se­quen­zen ...
    Und jetzt bin ich ge­spannt, ob man bei dir frei kom­men­tie­ren kann – von we­gen Den­ken ist vor al­lem Mut und so.

    #36

  37. Was ist denn ein »Kar­rie­re­jour­na­list«?

    #37

  38. Tosco sagt:

    Be­rufs­jour­na­li­sten mit an­de­ren Prio­ri­tä­ten als – na sa­gen wir – Be­rufs­eh­re. Oder nen­nen wir’s mit Vor­täu­schen von Pro­fes­sio­na­li­tät und Se­rio­si­tät doch gleich beim rich­ti­gen Na­men.
    Mi­cha­el Hese­mann z.B. – ein lu­pen­rei­ner Pa­pist. Claus Kle­ber aber ge­nau­so. Und für Frau Ill­ner ist der »Spa­gat« zwi­schen kom­mu­ni­sti­scher und kon­stan­ti­ni­scher Un­ter­wür­fig­keit ein Klacks ... Al­le drei Pa­ra­de­ex­em­pla­re der Gat­tung Opportunist/Karrierist (wie üb­ri­gens na­tür­lich al­le ak­kre­di­tier­ten TV Tal­king Heads).
    Spä­ter mehr.
    Lass mich erst ge­nau­er auf dei­nen Bei­trag ein­ge­hen, okay?
    Und dan­ke für Kom­men­tar­frei­heit! (Und kei­ne Ban­ge bit­te.)

    #38

  39. Was ist die Be­rufs­eh­re ei­nes Jour­na­li­sten?

    Ich ken­ne Mi­cha­el Hese­mann nicht – so viel Kar­rie­re kann da al­so nicht drin sein. Und Sie wol­len das un­ter­leg­te ge­schreib­sel mit Claus Kle­ber ver­glei­chen? ma­chen Sie sich doch nicht lä­cher­lich.

    Nur zur Klä­rung: Ver­schwö­rungs­theo­ri­en fin­den hier kei­nen Platz; De­nun­zia­tio­nen selbst mit Link­un­ter­le­gun­gen auch nicht. Ein­fa­che Be­haup­tun­gen (»X ist Y«) sind im üb­ri­gen kei­ne Ar­gu­men­te.

    #39

  40. Phorkyas sagt:

    Ent­ru­este­te Jour­na­li­sten, Me­di­en­wis­sen­schaft­ler
    Ge­stern hat es mich bei die­sem Bei­trag doch ge­schu­et­telt, so grau­sam fand ich’s:
    »[..] weil er hat ein­fach sei­ne Un­schuld ver­lo­ren [..] Er war zu nah an den Töp­fen der Macht, auch an den Fleisch­töp­fen der Macht..
    Man muss ei­nem sol­chen po­ten­zi­el­len Rück­keh­rer im Grun­de vor­her, wenn er den Sen­der ver­lässt, sa­gen, du könn­test al­len­falls in der Tier­film­ab­tei­lung be­schäf­tigt wer­den [..]«
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1249880/

    Spiel nicht mit den Schmud­del­kin­dern (von der Po­li­tik)!

    Die Ab­mo­de­ra­ti­on konn­te ich dann be­in­hae nur noch iro­nisch neh­men:
    »Vol­ker Li­li­en­thal, Me­di­en­wis­sen­schaft­ler aus Ham­burg, über Jour­na­li­sten als Re­gie­rungs­spre­cher und die mög­li­che Rol­le rück­wärts in die An­stalt.«
    Ne, in so’ne An­stalt mo­echt ma doch gar nicht zu­ru­eck­rol­len, so ver­wirrt und em­po­ert, wie sie da al­lent­hal­ben sind. Die­ses hoch­mo­ra­li­sche Ross, auf das sie, die Jour­na­li­sten und Kom­men­ta­to­ren, sich da schwin­gen wol­len – Vaul­ting am­bi­ti­on, which o’erleaps its­elf.

    #40

  41. @Phorkyas
    Ja, die­ses ho­he Roß hat für mich in­zwi­schen nicht mehr nur et­was Lu­sti­ges oder Neid­vol­les, so wie man viel­leicht ei­nem Kol­le­gen nach­schaut, der die Sei­ten ge­wech­selt hat (was sel­ten ge­nug vor­kommt). Es zeigt sich dar­in so­wohl der fast af­fekt­ar­ti­ge Beiß­re­flex ge­gen all das, was man »Po­li­tik« nen­nen kann. Aber es zeigt, und das ist viel wich­ti­ger (und schlim­mer) ein in­zwi­schen selt­sam ab­ge­ho­be­nes und ar­ro­gan­tes Selbst­ver­ständ­nis der Jour­na­li­sten in die­ser Ge­sell­schaft. Bei »zapp« war das auch zu hö­ren: Sei­bert »ent­hül­le« und »kon­trol­lie­re« jetzt nicht mehr (sinn­ge­mäß), son­dern ver­hül­le. Als sei es die pri­mä­re Auf­ga­be von Jour­na­li­sten, dau­ernd ir­gend et­was zu ent­hül­len.

    Ähn­lich ge­bär­den sie sich ja auch: Im Sti­le ei­nes Staats­an­wal­tes, der je nach Gu­sto an­klagt oder – mit gön­ner­haf­ter At­ti­tü­de – Ver­ge­bung ge­währt. Ihr »Vierte-Gewalt«-Gerede muß man wohl Ernst neh­men. Nur: Da ent­ste­hen dann kei­ne vor­ur­teils­frei­en Jour­na­li­sten mehr son­dern Ge­sin­nungs­schrei­ber und Mas­sen­be­ein­flus­ser.

    #41

  42. Ein Ar­ti­kel in der Pres­se, der in ei­ne ähn­li­che Ker­be schlägt (auch wenn ich ihn in Sum­me et­was ent­täu­schend fin­de).

    #42

  43. Phorkyas sagt:

    »Nichts wird et­wa von ge­wis­sen Kri­ti­kern so sehr ver­ach­tet wie der Kol­le­ge, der plötz­lich ei­nen Ro­man schreibt und al­so die Sei­te wech­selt. Und nichts wird von et­li­chen Au­toren so scheel be­trach­tet wie der Kol­le­ge, der ge­le­gent­lich Bü­cher re­zen­siert.«

    Da pass­te ei­ni­ges, wie ich fand auch auf den Ko­eh­ler-Rueck­tritt, dem ja auch ei­ne ge­wis­se Du­enn­haeu­tig­keit at­te­stiert wur­de (- die Mu­ster blei­ben al­so be­stehen?) – Aber die Saet­ze pas­sen schon wie an­ge­gos­sen.

    Wohl auch ein Pha­e­no­men, das sich auf vie­le Berufs»kasten« ue­ber­tra­gen laesst. Wenn ein Phy­si­ker in die Wirt­schaft wech­selt, dann ‘geht er der Phy­sik ver­lo­ren’ – so et­was wie ein ver­lo­re­ner, ab­tru­en­niger Sohn, der nicht dem er­kennt­ni­se­he­ren Pa­ro­len fol­gen ver­mag und den Mam­mon vor­zieht? – Was mu­es­sen Jour­na­li­sten dann sein: knall­hart. in­ve­sti­ga­tiv. Wahr­schein­lich ver­mit­telt das Stu­di­um auch das ent­spre­chen­de Selbst­bild.. aber dass man den fie­sen Po­li­ti­ker­macht­mensch noch als Ge­gen­bild be­mue­hen muss, der sich vor Macht der Fe­der nie an­die­nen du­er­fe (ko­misch das – was der Spie­gel da z.B. an Mer­kel­por­traits raus­rotz­te, war das nicht auch so et­was wie .. ‘Hof­be­richts­er­stut­tung’ – aber jetzt kann man ei­nem ‘of­fi­ci­al­ly cor­rup­ted’ auf­drucken, an­statt die Guel­tig­keit des ei­ge­nen Be­rufs­ethos’ zu prue­fen) – Mit der Vo­ka­bel ‘Ge­sin­nungs­schrei­ber’ muss ich noch warm wer­den, aber hier scheint’s gut zu pas­sen. Da wird re­flex­haft an­ge­klagt, ver­ur­teilt, ob­wohl der­je­ni­ge ja noch gar nichts ge­macht hat­te – nicht dass er das Amt schon be­en­det ha­et­te und zu­ru­eck­woll­te, er hat­te noch nicht ein­mal sei­ne er­ste Pres­se­kon­fe­renz ge­ge­ben, bzw. nahm man dar­auf gar kei­nen Be­zug. Wen in­ter­es­sie­ren schon In­hal­te wenn man mal ein­fach drauf­los­ver­ur­tei­len kann.

    — Statt­des­sen soll­ten sie mal die Bou­le­var­di­sie­rung ein­daem­men:
    Schla­gen bis aufs Blut – Al­le sie­ben Jah­re lädt ein klei­ner Ort in Süd­ita­li­en zur Eu­ro­pas blu­tig­ster Fla­gel­lan­ten – Pro­zes­si­on (dra­dio)
    Jan Fak­tors schrei­end ko­mi­sche Phä­no­me­no­lo­gie des Hau­sens und Woh­nens. (zeit.de)
    Für Ve­re­na Sai­ler hat sich mit dem Eu­ro­pa­mei­ster­ti­tel ei­ni­ges ge­än­dert. Die blon­de Sprin­te­rin kann ihr Gold of­fen­bar ver­sil­bern.
    (faz.net)

    #43

  44. Men­as­ses Text ist zu­nächst ein­mal fast skan­da­lös schlecht for­ma­tiert. Das ist ei­gent­lich ei­ne Frech­heit.

    Zum In­halt: Mei­nes Er­ach­tens will sie zu­viel. Sie be­schränkt sich nicht auf das Feuil­le­ton und die Kul­tur, son­dern ver­sucht auch noch Aus­flü­ge in die Po­li­tik.

    Im Prin­zip hat sie recht. Die Sät­ze »Die Jour­na­li­sten sind die ein­zi­ge Be­rufs­grup­pe, die kei­ner öf­fent­li­chen Kri­tik, kei­ner Eva­lua­ti­on, kei­ner Über­prü­fung un­ter­liegt. Da­für be­zah­len sie zwar tra­di­tio­nell mit ei­nem wirk­lich mie­sen Pre­sti­ge [...], doch ist das, an­ge­sichts ih­rer lu­xu­riö­sen und zum Hoch­mut ver­füh­ren­den Un­an­greif­bar­keit, wohl ei­ne er­träg­li­che Stra­fe.« müss­ten ei­nem ei­gent­lich angst und ban­ge wer­den las­sen. Und Jour­na­li­sten wür­den si­cher­lich die­se Form der Un­an­greif­bar­keit, ja Macht, an­pran­gern. Wenn es nicht ge­ra­de sie be­trä­fe.

    @Phorkyas
    Die Bou­le­var­di­sie­rung auch der »Qua­li­täts­me­di­en« ist nicht mehr auf­zu­hal­ten. Ich sah hier­in die Chan­ce bei­spiels­wei­se von Blogs oder In­ter­net­fo­ren. Aber auch das ist ei­ne Il­lu­si­on. Selbst der Bil­dungs­bür­ger mags meist ganz ger­ne grif­fig.

    #44

  45. @Gregor
    Will­kom­men in der On­line­welt öster­rei­chi­scher Ta­ges­zei­tun­gen! Das ist bei der Pres­se lei­der üb­lich, auch beim Stan­dard, dort al­ler­dings (ge­fühlt) bes­ser. Ei­ne Frech­heit, ja, das dach­te ich mir auch schon öf­ter, ge­gen­über dem Au­tor und dem Le­ser (letz­te­rer aber liest un­ent­gelt­lich mit, al­so...).

    Men­as­se hat recht ja, der Text hält aber lei­der nicht was er ver­spricht, und dringt zu we­nig tief ein.

    #45

  46. @Metepsilonema
    Nur weil je­man­dem et­was un­ent­gelt­lich zur Ver­fü­gung ge­stellt wird, »darf« es nicht lieb­los auf­be­rei­tet sein. Und Du hast recht: Es ist ei­ne Un­ver­schämt­heit der Au­torin ge­gen­über.

    #46