Pressefreiheit und – vielfalt sind ein wesentlicher Kern unserer freiheitlich-demokratischer Grundordnung. Umso schöner ist es, das Funktionieren dieser Vielfalt in der Praxis zu beobachten. Da kandidiert der amtierende Umweltminister Norbert Röttgen für den Vorsitz der CDU in Nordrhein-Westfalen. Damit gibt es plötzlich zwei Kandidaten für diese Position, denn der ehemalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet kandidiert ebenfalls für dieses Amt. Aus dem vollkommen normalen, demokratischen Vorgang, dass sich für ein Amt mehrere Kandidaten zur Wahl stellen, wird nun ein Skandalon produziert. Es herrscht, so wird suggeriert, »Streit« in der Partei. Die am meisten verwandte Vokabel ist nicht die der Kandidatur, sondern des »Machtkampfes«. Mehrere Kandidaten für ein Amt, die im demokratischen Verfahren gefunden werden, sind demnach keine Bereicherung, sondern werden mit leicht bellizistischen Vokabeln per se negativ konnotiert.
Bürgerkrieg
A.d.L.e.R: Aus dem Leben einer Rikschafahrerin – Nr. 3
In der Saison 2002 hatten wir einen arabischen Kollegen, der aus dem Libanon kam. Damals war die Liste der Attentäter vom 11. September noch ganz frisch in den Köpfen: alles Araber, einer davon aus dem Libanon. Aber das war vermutlich nicht das Problem, als wir an einem Samstagmittag vorm Eingang des KaDeWe standen, wo die Menschheit zum Einkaufen wuselte. Der Kollege saß auf dem halb kniehohen Trittbrett seines Fahrzeugs und las Zeitung, (er war der Letzte in der Reihe), und ich sah ein etwas älteres Ehepaar herankommen, das mich an Reisekataloge der Fünfziger Jahre erinnerte. Ich sah, wie das Ehepaar auf ihn zu ging und vor ihm stehen blieb. Der Kollege faltete sofort die Zeitung zusammen. Das Ehepaar redete ihn an mit der Frage: »Woher kommst Du?« und zeigte dabei mit dem Kinn auf ihn.
Ver-kohlt
Seit heute wissen wir es ganz genau: 8,8% aller Waren, die in die Bundesrepublik eingeführt werden, kommen aus China. Sagt Anja Kohl in »boerse im Ersten« am 09.08.2010 kurz vor 20 Uhr. Man dachte, das ist mehr. Überraschend ist dann, dass auf Platz 2 die Niederlande steht (mit 8,3 %). Hoppla: Soviel Obst und Gemüse ...
Der 20. Juli
A.d.L.e.R: Aus dem Leben einer Rikschafahrerin – Nr. 2
Wir haben 28 Grad, eine hauchfeine Brise und ein paar Zierwölkchen im Himmel. Ich habe zwei Damen die Linden heraufgebracht, fahre durchs Brandenburger Tor hindurch und finde den Platz auf der anderen Seite, namentlich: den »Platz des 18. März«, (an dem die »Straße des 17. Juni« beginnt), abgesperrt mit rotweißen Gittern, hinter denen alle fünf Meter Polizisten und Polizistinnen in schusssicheren Westen stehen, um die Absperrung zu sichern. Unter den Bäumen auf der nordwestlichen Seite Einsatzfahrzeuge der Polizei, eins neben dem anderen, eine Wagenburg ums Gelöbnis herum. Öffentliches Gelöbnis der Rekruten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weiträumige Absperrungen, Sicherheitszonen, Zufahrten. Von der Ecke Behrenstraße/Ebertstraße, über die nördliche Tiergartenhälfte bis zum Bahnof rauf: Alles dicht.
Sabine Peters: Feuerfreund

Rupert ist ein bekannter Schriftsteller und schreibt Hörspiele. Marie beginnt mit dem Schreiben, veröffentlicht 1990 ihr erstes Buch. Er ist ein politischer Kopf, der mit RAF-Gefangenen korrespondiert und sich als Kommunist bezeichnet. Er hat eine manchmal enervierende Radikalität, schimpft auf den Kleinbürgerdreck anderer (und bei sich selbst) und zieht sich an kleinen Dingen hoch, wie beispielsweise am Trinken von Cola (seiner Frau bringt er sie dann doch vom Kiosk mit).
Journalisten sind keine Meinungseunuchen
Ausgerechnet in der sich meinungsfreudig gerierenden Blogosphäre stößt das neue Engagement des ZDF-Journalisten Steffen Seibert als zukünftiger Regierungssprecher auf zum Teil drastische Ablehnung. So kann man beispielsweise nachlesen: »Wo Journalisten, und seien sie vormals auch noch so regierungsfreundlich gewesen, zu Propagandisten werden – und das ganz ohne sich vor der Öffentlichkeit zu schämen, ohne einen Rest von Alibi vorzuschieben -, da ist die unaufdringliche Berlusconisierung der Gesellschaft zum Tagesordnungspunkt erklärt worden.«
Was vielen geschichtsvergessenen Kommentatoren vielleicht nicht präsent ist: Es gab immer schon Journalisten, die von ihrem Amt in die Regierungsadministration wechselten. Und es waren nicht die schlechtesten: Conrad Ahlers beispielsweise (ein »Spiegel«-Mann und später, nach Aufgabe seines Regierungssprecheramtes, ein polemischer Regierungskritiker). Oder – ebenfalls für die sozial-liberale Regierung, Klaus Bölling und Rüdiger von Wechmar. Später dann für die Kohl-Regierung Peter Boenisch und – auch vom ZDF – Friedhelm Ost. Für die Regierung Schröder sprach mit Uwe-Carsten Heye auch ein gelernter Journalist.
Jürgen Petersen: Repräsentation in Demokratien

Repräsentation in Demokratien
»Der Kern moderner Demokratien ist die Repräsentation«. So steht es auf dem Rückdeckel des Buches »Repräsentation in Demokratien«. Aber was bedeutet das? Wie verstehen die Repräsentanten ihre Repräsentation? Wem gilt sie? Nur den Wählern oder gar allen, die sich im geografischen Bereich des Repräsentanten befinden? Welcher Art und welchen Inhaltes sind die handlungsstrukturierenden Konzeptionen von Repräsentation in demokratischen Systemen? Und: Gibt es Unterschiede zwischen den Repräsentationsmodellen beispielsweise in Deutschland und den USA?
Der Autor Dr. Jürgen Petersen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Frankfurt und Research Associate am dortigen Zentrum für Nordamerika-Forschung (ZENAF). Er versucht diese Fragen zu beantworten und bedient sich dabei eines denkbar einfachen Mittels: der Befragung. Dabei steht er vor dem Dilemma, ebenfalls ein repräsentatives Ergebnis vorzulegen, was er durchaus thematisiert, wenn auch nicht ganz überzeugend (dazu später).
Bjarte Breiteig: Von nun an

Ein Mann fährt mit dem Nachtzug von Norwegen nach Schweden, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen. Offenbar leidet er an einer schweren Krankheit. Im Zug trifft er einen ehemaligen Mitschüler, an den er sich kaum erinnert. Sie erzählen und trinken ein Bier, als der Mann ans Telefon gerufen wird – seine Frau ist besorgt, sie hat Angst um die Zukunft, aber er kann sie beruhigen. Als er zum Speisewagen zurückkommt, ist dieser verwaist. Und auch in seinem Abteil ist der ehemalige Mitschüler nicht anzutreffen.
In einer anderen Geschichte arbeitet ein Ich-Erzähler als Helfer des Bestatters. Frau Seland, die er von früher kannte, ist gestorben. Durch eine Ungeschicklichkeit fällt ihm die Leiche hin. Eine klumpige, stinkende Flüssigkeit tritt aus und die vorher mühsam angezogene Leichenbluse ist verschmutzt.