Zum letz­ten Ge­fecht

Man sagt im­mer, Ge­schich­te wie­der­ho­le sich nicht. Kann sein. Aber merk­wür­di­ger­wei­se hat­te ich ge­stern in­mit­ten die­ses To­hu­wa­bo­hus, wel­ches die SPD bot, ein Dé­jà-vu-Er­leb­nis: Es er­in­ner­te mich an die Aus­ru­fung von Franz Jo­sef Strauß als Kanz­ler­kan­di­da­ten im Jahr 1980. Hel­mut Kohl, 1976 ge­schei­tert, da­nach von Strauß fast of­fen als un­fä­hig be­schimpft, konn­te die Am­bi­tio­nen von Strauß nur noch schwer zü­geln. Er ent­schloss sich zur Flucht nach vor­ne und liess die No­mi­nie­rung zu. Er kal­ku­lier­te die Nie­der­la­ge von Strauß, der au­sser­halb Bay­erns ins­be­son­de­re bei li­be­ra­len CDU-Wäh­lern we­nig Sym­pa­thien ge­noss, ein und dach­te stra­te­gisch auf das Jahr 1984 (das es dann durch den Schwenk der FDP schon 1982 reich­te, konn­te er noch nicht wis­sen).

Der Abgang (c: Reuters)
Der Ab­gang (c: Reu­ters)

Die Lin­ken in der SPD konn­ten sich nicht durch­set­zen und Kurz Kurt Beck hat­te das ewi­ge Brücken­bau­en wohl leid. Mit Stein­mei­er als Kanz­ler­kan­di­dat und Mün­te­fe­ring als (de­si­gnier­ten) Parteivor­sitzenden geht nun die Schrö­der-­Frak­ti­on der SPD ins letz­te Ge­fecht. Beck ver­schwand ein biss­chen la­fon­tai­ne­haft durch den Hin­ter­aus­gang und wird wohl im­mer­hin Mi­ni­ster­prä­si­dent in Rhein­land Pfalz blei­ben (der zwei­te Pfäl­zer der SPD, der schei­tert).

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Ka­tha­ri­na Hacker: Die Ha­be­nicht­se

Katharina Hacker: Die Habenichtse
Ka­tha­ri­na Hacker: Die Ha­be­nicht­se

Isa­bel­le, seit dem frü­hen Krebs­tod ih­rer Che­fin Han­na Mit­in­ha­be­rin ei­ner Gra­phik­agen­tur be­geg­net Ja­kob, ih­rem Ver­eh­rer und Lieb­ha­ber aus frü­he­ren Ta­gen wie­der. Ja­kob, ein An­walt mit Kar­rie­re­per­spek­ti­ve, ver­lässt we­gen des Ren­dez­vous-Ter­mins mit Isa­bel­le ei­ni­ge Ta­ge vor dem 11. Sep­tem­ber 2001 New York in Rich­tung Ber­lin. Sein Freund Ro­bert ver­tritt ihn dort – und kommt beim An­schlag auf die Zwil­lings­tür­me ums Le­ben. An­dras, der Kol­le­ge Isa­bel­les, ein un­ga­ri­scher Ju­de mit Iden­ti­täts­pro­ble­men, him­melt Isa­bel­le an, trö­stet sich mit Mag­da mehr recht als schlecht und fin­det sich schliess­lich da­mit ab, als Ja­kob Isa­bel­le hei­ra­tet. Jim, ein Dro­gen­dea­ler und Klein­kri­mi­nel­ler und sei­ne Freun­din Mae schla­gen sich in der Lon­do­ner Un­ter­welt durch. Und Da­ve und sei­ne klei­ne Schwe­ster Sa­ra, die von ih­rem Va­ter mit äu­sser­ster Bru­ta­li­tät ver­prü­gelt und wie ei­ne Ge­fan­ge­ne ge­hal­ten wird, träu­men von ei­ner bes­se­ren Zu­kunft.

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Jour­na­li­sten­at­trap­pen (2)

Se­riö­se Fern­seh­kri­tik sei nicht mehr mög­lich meint Jan-Phil­ipp Hein in sei­nem Ar­ti­kel »Der TV-Un­ter­gang im In­ter­net« auf »Spie­gel On­line«. Aber was so ein rich­ti­ger »Spiegel«-Reporter ist, der hat dann doch im­mer noch »ei­nen« und das gal­li­sche Dorf des Herrn Hein ist Da­vid Har­nasch und sei­ne Web­sei­te »Der Bild­schirm­ar­bei­ter«. Hein ver­fasst ei­ne Hom­mage auf Har­nasch, of­fen­sicht­lich der Fels in der Bran­dung der me­dio­kren Kri­ti­ker­zunft.

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Jour­na­li­sten­at­trap­pen

Ei­gent­lich ei­ne Pro­vinz­pos­se, der sich u. a. Ste­fan Nig­ge­mei­er in der letz­ten Wo­che da an­ge­nom­men hat: Da druckt die »Tor­gau­er Zei­tung« ei­ne Pres­se­er­klä­rung der NPD ab. Wört­lich und oh­ne Kom­men­tie­rung. Oh­ne re­dak­tio­nel­le, sprich jour­na­li­sti­sche Be­ar­bei­tung oder Ein­bet­tung. Und oh­ne Not.

Nach­le­sen kann man das hier und hier. Die Kom­men­ta­re bei Nig­ge­mei­er sind al­ler­dings in­ter­es­sant.

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Der an­de­re Fo­kus der ARD – Ob­jek­ti­vi­tät adé

Wie so oft woll­te man sich im ta­ges­schau-Blog ein biss­chen sel­ber fei­ern. Tho­mas Roth schil­der­te sei­ne Mü­hen um das In­ter­view mit Wla­di­mir Pu­tin. Als Sen­sa­ti­on an­ge­prie­sen (als ein­zi­gem eu­ro­päi­schen Sen­der ein In­ter­view ge­währt), wur­de am Frei­tag das Pro­gramm noch er­gänzt. Von 23.30 Uhr an wur­den zehn Mi­nu­ten aus­ge­strahlt. Roth schreibt aber im Blog­bei­trag, dass das In­ter­view 60 Mi­nu­ten dau­er­te. Wo war denn aber ei­gent­lich der Rest?

Auf dem ta­ges­schau-Blog trat nun – trotz des Wo­chen­en­des – ei­ne Dy­na­mik ein, die wohl die Re­dak­ti­on über­rasch­te. Im rus­si­schen Fern­se­hen war das In­ter­view näm­lich ent­we­der ganz oder min­de­stens in ei­ner Fas­sung von rund 27 Mi­nu­ten zu se­hen. Und im Lau­fe der Zeit ver­dich­te­te sich der Ver­dacht, dass die Kür­zun­gen, die in der ARD vor­ge­nom­men wur­den, den Te­nor des Ge­sprä­ches stark ent­stellt wie­der­ga­ben. Al­le Pas­sa­gen, in de­nen Pu­tin (und auch Roth) auf die Feh­ler der ge­or­gi­schen Macht­ha­ber ein­gin­gen, fie­len der Sche­re zum Op­fer. Und auch Pu­tins Aus­füh­run­gen über die Ver­strickun­gen der USA in den Kon­flikt, wie er sie be­ur­teilt, wur­den nicht ge­sen­det.

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No­ti­zen aus der Pro­vinz (2)

«««No­ti­zen 1. Teil

An­ge­la Mer­kel kommt nach Düs­sel­dorf! Ei­ne OB-Wahl mit Bun­des­kanz­ler-Be­tei­li­gung. Die CDU möch­te den durch den Tod von Joa­chim Er­win va­kan­ten, stra­te­gisch wich­ti­gen Po­sten des Ober­bür­ger­mei­sters der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf un­be­dingt hal­ten. An­ders kann man sich die­ses En­ga­ge­ment nicht er­klä­ren. Aber ein an­de­rer Ter­min als 13 Uhr ging wahr­schein­lich nicht. Und aus An­lass des 350. Ge­burts­ta­ges von Jan Wel­lem fin­det seit heu­te auf dem Markt­platz ein »hi­sto­ri­scher Markt« statt; ei­ne Art Mittel­altermaschine mit Stän­den mit Met, Le­der­beu­teln, Amu­let­ten, selt­sa­men Ess­gerichten und auch ge­le­gent­lich ganz viel Rauch, der dann spä­ter in Rich­tung auf das Po­di­um weh­te.

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Hand­ke, Rat­ten­tö­ten und Ka­tho­li­zis­mus

Jo­sef Wink­ler, Büch­nerpreis­trä­ger 2008, in Neuss

Nach der Le­sung aus ei­nem Buch »Rop­pon­gi« wur­de Jo­sef Wink­ler aus dem Pu­bli­kum ge­fragt, ob er ei­nen Grund nen­nen kön­ne, war­um so vie­le, ei­gent­lich die mei­sten wort­mäch­tig­sten, zeit­ge­nös­si­schen Schrift­stel­ler deut­scher Spra­che aus Öster­reich kom­men wür­den (Hand­ke, Je­li­nek, Tho­mas Bern­hard und na­tür­lich auch Wink­ler).

Wink­ler über­leg­te kaum, ant­wor­te­te sehr schnell, an­fangs mit ei­ner Art Stot­tern oder, bes­ser, Stam­meln, als hät­te er die Fra­ge schon Wo­chen vor­her ge­wusst. Na­ja, sag­te er, es gä­be doch auch ei­ni­ge sehr gu­te Schrift­stel­ler aus der Schweiz. Ge­läch­ter im Pu­bli­kum. Dann hat­te Wink­ler sei­ne Ge­dan­ken sor­tiert. Hand­ke, Je­li­nek, Bern­hard – das sei­en eu­ro­päi­sche Aus­nah­me­erschei­nun­gen. Ins­be­son­de­re Hand­ke.

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