
Wenn es ein Buch 2013 geschafft hat, die zuweilen konstatierte »Verkommenheit« des Literaturbetriebs (nicht nur Fritz J. Raddatz’ Urteil) für wenige, kostbare Augenblicke durch so etwas wie Empathie und Milde zu ersetzen, dann dürfte es John Williams’ »Stoner« gelungen sein. Kaum jemand konnte sich der Begeisterung entziehen, von Elke Heidenreich über Hubert Spiegel bis Ulrich Greiner, von »Bild«, über »FAZ« bis zum »Playboy« schienen alle versöhnt durch einen Roman der 1965 in den USA erschienen war und über Umwege erst seit einigen Jahren in den europäischen Sprachraum eindringt. Merkwürdig, dass dies in Deutschland so spät der Fall war – ein Land, indem ansonsten fast jedes Romandebut eines Schreibschul-Jüngelchens medial aufmotzt und auch schon einmal stante pede mit Tolstois »Krieg und Frieden« gleichgesetzt wird
Dabei ist »Stoner« ein vollkommen aus der Zeit gefallenes Buch. Es wird keine Zielgruppe bedient. Zeitgenössische »Problemstellungen« fehlen. Die Welt soll weder verbessert noch gerettet werden. Und alles spielt weit entfernt von unserer unmittelbaren Erfahrungswelt. Der Titelheld, William Stoner, ist 1891 geboren und stirbt 1965. Ein auktorialer Erzähler hält bis auf wenige Ausnahmen streng die Chronologie ein.


