
Jacques Monod legt anhand zentraler Erkenntnisse der modernen Biologie eine Angst frei, die uns alle, bewusst oder unbewusst, zeichnet. Sie entspringt dem Versagen unserer subjektiven Deutung der Welt, das wir auch als das Unbehagen an der Moderne kennen — und der Ursprung dieser Angst liegt, was überraschen mag, in der Evolution des Menschen begründet.
Monods Darstellung ist knapp, zugespitzt, lakonisch: Darin ist er ein Meister; doch er hütet sich vor Vereinfachungen, und wo er fürchtet es dennoch zu tun, merkt er es an. Monod zaudert nicht, seine Schlüsse sind messerscharf, und er bleibt nicht stehen, ehe zuletzt eine gesellschaftspolitische Utopie erscheint; aber er weiß auch was Zweifel bedeutet, und wie wenig, trotz aller Logik und Entschlossenheit, am Ende gewonnen ist.
»Zufall und Notwendigkeit« ist das Werk eines Aufklärers, der sich weder als solchen bezeichnet, noch das Wort Aufklärung im Mund führt — man merkt diesem Buch seinen vierzigjährigen Geburtstag kaum an.



