Wenn und Aber

Ein kur­zer Rück­blick auf »2001: Odys­see im Welt­raum«

Ge­stern1 zum er­sten Mal »Odys­see 2001« von Stan­ley Ku­brick ge­se­hen, als Vi­deo und mit fünf­zig Jah­ren Ver­spä­tung ge­wis­ser­ma­ßen; sei­ner­zeit hat­te mich »Bar­ry Lyn­don« tief be­ein­druckt, der Ein­druck ist bis heu­te ge­blie­ben.

Die­se aben­teu­er­li­che Rei­se zum Mond und wei­ter zum Ju­pi­ter ist ei­gent­lich ein Kam­mer­stück: we­ni­ge Men­schen, die Räu­me im All und in den recht ge­räu­mi­gen Raum­schif­fen fast leer, ob­wohl der Mond in die­sem Jahr 2001 schon ei­ne Men­schen­ko­lo­nie zu be­her­ber­gen scheint. Die gan­ze zwei­te Hälf­te (oder län­ger) sind da nur zwei Fi­gu­ren, bzw. drei, zwei Men­schen und ein Com­pu­ter, am En­de nur noch ei­ner, der sich ver­wir­rend ver­viel­facht.

Stam­mes­ge­schich­te und In­di­vi­du­al­ge­schich­te; An­fang und En­de und Neu­an­fang. Zeit­ko­lo­rit: die psy­che­de­li­sche Rei­se, ein LSD-Trip, künst­li­che Far­ben, die in ra­sen­den Wel­len auf dich zu­ge­schos­sen kom­men. Das Au­ge ist, was es sieht.

Vor­weg­ge­nom­men das kom­men­de Jahr­hun­dert, 2001, in­dem der Film die Tat­sa­che zeigt und ver­an­schau­licht, daß es selbst­ler­nen­de und selbst­ent­schei­den­de Ma­schi­nen bzw. Com­pu­ter­pro­gram­me (neu­er­dings lie­ber »Al­go­rith­men« ge­nannt) gibt, die als Kör­per nur ein all­se­hen­des Au­ge – nicht ein­mal Sen­so­ren, aber die Zu­kunft wird HAL per­fek­tio­nie­ren – brau­chen. Die In­ter­es­sen die­ser in­tel­li­gen­ten Ma­schi­nen könn­ten frü­her oder spä­ter mit den mensch­li­chen, mensch­lich-par­ti­ku­la­ren oder mensch­heit­li­chen (In­vi­di­du­al-/Stam­mes­ge­schich­te) kol­li­die­ren, so daß die Ma­schi­nen sich ei­nes Ta­ges, in ih­rer Lo­gik: not­wen­di­ger­wei­se, ge­gen uns wen­den wer­den, so­fern sie mit ei­nem Selbst­er­hal­tungs­be­fehl aus­ge­stat­tet sind (aber viel­leicht ge­nügt wirk­lich nur der Ver­folg ei­ner ein­zi­gen Mis­si­on, ei­nes Grund­be­fehls). Was wir hier se­hen und se­hen wer­den, sind neue For­men des al­ten Kampfs zwi­schen Herr und Knecht.

Vor­aus­set­zung für das al­les: daß sol­che in­tel­li­gen­ten Ma­schi­nen bes­ser sind, al­so lei­stungs­fä­hi­ger und ver­läß­li­cher, als die Men­schen. Bes­se­re Rech­ner, bes­se­re Au­to­fah­rer, bes­se­re Flug­zeug­pi­lo­ten, bes­se­re Schach­spie­ler, bes­se­re Chir­ur­gen, bes­se­re Müll­ent­sor­ger, bes­se­re Kran­ken­pfle­ger, und zu­letzt, ja: bes­ser im Ver­ständ­nis und der Be­fol­gung der gel­ten­den – ein­pro­gram­mier­ten – mo­ra­li­schen Re­geln, viel­leicht so­gar in der Ad­ap­tie­rung die­ser Re­geln.

Ei­gent­lich über­haupt nicht ver­wun­der­lich. Frü­her wa­ren Ma­schi­nen bes­se­re Mäh­dre­scher, Trans­por­teu­re, Mon­teu­re usw., al­so den Men­schen vor al­lem phy­sisch über­le­gen, an Kraft und Ge­schick­lich­keit, und das gilt selbst­ver­ständ­lich wei­ter­hin. Wir konn­ten uns sa­gen, daß wir Men­schen eben bes­ser den­ken, be­grün­den, ent­wer­fen, be­ur­tei­len, wäh­len kön­nen. In­zwi­schen ist klar, daß der Al­go­rith­mus von Ama­zon oder ei­ner an­de­ren In­ter­net­fir­ma un­se­re ei­ge­nen Ent­schei­dun­gen bes­ser, schnel­ler und si­che­rer trifft als wir es kön­nen. HAL, der spre­chen­de Com­pu­ter in »2001«, ist den Astro­nau­ten gei­stig über­le­gen, und er wird sie bis auf den letz­ten ver­nich­ten, wenn nicht…

Im­mer gibt es ein mensch­li­ches »Wenn nicht…«, ein Wenn und Aber, ein Zö­gern und Zwei­feln, ei­ne ir­ra­tio­na­le In­tui­ti­on, ei­nen – pop­sprach­lich ge­spro­chen – Schuß Ro­man­tik, und die Ge­schich­te dreht sich in ei­ne an­de­re, un­vor­her­ge­se­he­ne Rich­tung. Am Un­vor­her­seh­ba­ren schei­tert HAL. Wird er je­doch wei­ter per­fek­tio­niert, oder per­fek­tio­niert er sich selbst, gibt es in sei­ner Wahr­neh­mung, und das heißt: in sei­ner Macht, nichts Un­vor­her­seh­ba­res mehr (und die zeit­ge­nös­si­schen Odys­se­en wer­den lang­wei­lig). Aber so weit sind wir und Ku­brick noch nicht; in sei­nem Film tritt die un­er­war­te­te, ro­man­ti­sche Wen­dung ein, viel­leicht ein we­nig zu »gach«, wie man in ge­wis­sen lang­sa­men Dia­lek­ten heu­te im­mer noch sagt. Je­den­falls se­hen wir uns zu­sam­men mit Da­ve, die­sem letz­ten Men­schen, ins Of­fe­ne ka­ta­pul­tiert.


  1. Den Beitrag erhielt ich vor einigen Tagen zugeschickt. - G. K. 

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  1. Der­zeit läuft ei­ne vom nor­we­gi­schen Schach­welt­mei­ster Ma­gnus Carl­sen in­ti­ti­ier­te (und von Spon­so­ren be­zahl­te) On­line­tur­nier­se­rie, die ich mir im In­ter­net an­schaue (das Fi­na­le be­ginnt m. E. am 9. Au­gust). Ne­ben den Kom­men­ta­ren zu den un­mit­tel­ba­ren Par­tien sind für mich auch die Er­läu­te­run­gen der Kom­men­ta­to­ren von In­ter­es­se, die sich mit den »Ma­schi­nen«, d. h. den Schach­com­pu­tern aus­ein­an­der­set­zen. Wer will kann die Par­tien mit der je­der­zeit ak­tua­li­sier­ten Ein­schät­zung ei­nes Schach­pro­gramms se­hen. Es gibt ei­nen Bal­ken links da­ne­ben, der je nach Ana­ly­se des Com­pu­ters aus­schlägt. Wenn er sich in der Mit­te hält, ist die Stel­lung aus­ge­gli­chen; im Ex­trem­fall ist der gan­ze Bal­ken schwarz oder eben weiß, je nach­dem wer dann auf Ge­winn steht. Ei­ni­ge Kom­men­ta­to­ren rie­ten den Zu­schau­ern, oh­ne die­se Ana­ly­se die Par­tien zu schau­en, um sich sel­ber bes­ser zu schu­len. Bei dem letz­ten Tur­nier wur­de der Bal­ken in der eng­lisch­spra­chi­gen Kom­men­tie­rung im­mer ak­tu­ell an­ge­zeigt. In­ter­es­sant da­bei ist, dass es in­zwi­schen ei­ne neue Ge­nera­ti­on von Schach­com­pu­tern gibt, die Zü­ge vor­schlägt, die vom Men­schen gar nicht in Er­wä­gung ge­zo­gen wer­den, weil sie zu bi­zarr oder ab­sei­tig er­schei­nen. Es könn­te sein, dass, wenn man ei­nem Spie­ler ei­nen sol­chen Zug ver­ra­ten wür­de, die­ser da­mit nicht ge­win­nen wür­de, weil die Re­chen­tie­fe der­art weit im vor­aus reicht, dass der Mensch es nicht er­fasst. Ent­spre­chend kann auch der mensch­li­che Ge­gen­spie­ler nicht den »op­ti­ma­len« Ant­wort­zug fin­den.

    Um dem Rech­nung zu tra­gen, ana­ly­sie­ren die Groß­mei­ster in­zwi­schen mit die­sen Ma­schi­nen und »er­fin­den« neue, nie vor­her er­wo­ge­ne Zü­ge in Er­öff­nun­gen. So wird in sehr vie­len der On­line­par­tien (Schnell­schach, d. h. 15 Mi­nu­ten pro Par­tie mit je 10 Se­kun­den Zeit­gut­schrift pro Zug) der Zug h2-h4 des wei­ßen Rand­bau­ers ein­ge­floch­ten. Wer dar­auf nicht vor­be­rei­tet ist, wird vor Pro­ble­men ge­stellt. Das be­deu­tet dann nicht, dass der Zug »rich­tig« war, son­dern er war der, der den Geg­ner vor die größ­ten Pro­ble­me ge­stellt hat.

    In­zwi­schen gibt es al­so Schach­com­pu­ter die de­fi­ni­tiv kei­ne Men­schen brau­chen, um ih­re Spiel­stär­ke zu op­ti­mie­ren (sie brau­chen nur mehr den Pro­gram­mie­rer). Es wird so­mit ver­mut­lich ir­gend­wann Schach­tur­nie­re ge­ben, bei de­nen aus­schließ­lich Com­pu­ter die Se­kun­dan­ten sind. Das mensch­li­che Schach­spiel wird am En­de nicht mit­hal­ten kön­nen. Das Ni­veau wird un­gleich hö­her sein, wenn zwei Com­pu­ter­pro­gram­me ge­gen­ein­an­der spie­len. Das mensch­li­che Spiel wird zu feh­ler­haft blei­ben.

  2. Deep Lear­nin, ja. Das muß man in sei­ner gan­zen Trag­wei­te se­hen. Wir ste­hen erst am An­fang. Und soll­ten den in­tel­li­gen­ten Ma­schi­nen ge­gen­über ein freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis auf­bau­en (wie die oben er­wähn­ten Schach­mei­ster), im ei­ge­nen In­ter­es­se.

  3. Vor un­ge­fähr 22 Jah­ren ha­be an­ge­fan­gen über Com­pu­ter­schach zu le­sen. So­gar an­ge­fan­gen ein ei­ge­nes Schach­pro­gramm zu schrei­ben – wohl nur die gra­fi­sche Ein­ga­be, kei­ne En­gi­ne.
    Nach­dem Schach ge­knackt war, ha­be ich ei­ne Zeit lang ver­such Go zu ler­nen, aber selbst da muss­ten sich die stärk­sten Pro­fis der Ma­schi­ne kürz­lich ge­schla­gen ge­ben. Jetzt hat mei­nen sechs­jäh­ri­gen Sohn das Schach­fie­ber ge­packt und ich bin auch da­bei. Co­ro­na scheint ei­nen re­gel­rech­ten On­line-Schach-Boom aus­ge­löst zu ha­ben. Dass die En­gi­nes viel stär­ker sind muss der Spiel­freu­de ja kei­nen Ab­bruch tun. Mitt­ler­wei­le sind sie wohl ein­fach stän­di­ger Be­glei­ter, zum Trai­nie­ren – als ei­ne Art ob­jek­ti­ve Be­wer­tungs­in­stanz für Stel­lun­gen und Zü­ge. Die ma­chi­nel­le In­tel­li­genz ist nicht im­mer per­fekt, aber es für sta­ti­stisch fast nicht mehr mög­lich noch ei­ne Lücke in ih­rem Spiel zu fin­den. (Lee Se­dol ge­lang es noch in ei­nem Spiel der Par­tien ge­gen Al­pha­Go, https://en.wikipedia.org/wiki/AlphaGo_versus_Lee_Sedol, aber nach wei­te­rem Trai­ning oder mit der zwei­ten In­kar­na­ti­on Al­pha­Ze­ro dürf­ten die heu­ti­gen Chan­cen für ei­nen Men­schen da­ge­gen zu ge­win­nen null sein.)

    So viel noch lie­ße sich hier dis­ku­tie­ren: War­um aus­ge­rech­net die­se be­grenz­ten Spie­le in un­se­rer Kul­tur so sehr über­höht wur­den, schon als In­tel­li­genz­grad­mes­ser oder als fän­de auf den Bret­tern ein gei­sti­ger Kampf statt, ei­ne Art in­tel­lek­tu­el­les Schlacht­feld (wäh­rend des kal­ten Krie­ges schon na­he am Wahn­sinn, s. auch Bob­by Fi­scher, – oder auch Na­bo­kovs gran­dio­ses »Lushins Ver­tei­di­gung«) – Grund für die AI-For­scher sich dar­auf zu stür­zen.

    Was mich an die­sem Mensch-Ma­schi­ne-Me­ta­phern­ge­wirr seit je­her um­treibt ist,.. war­um wir die Lo­gik der Ma­schi­ne im­mer als so kalt und skla­visch her­ab­wür­di­gen. Müs­sen wir dann nicht Ador­no fol­gend ei­nen gro­ßen Teil un­se­ren ei­ge­nen Den­kens und »Kal­ku­lie­rens« als »in­stru­men­tel­le Ver­nunft« und po­si­ti­vi­stisch dif­fa­mie­ren?

    Das ist für mich wie so ei­nes die­ser selt­sa­men Kipp­bil­der: Mal den­ke ich, ja, ganz klar Ador­no hat­te voll­kom­men recht. Schau doch nur, er saß da­mals schon an der Quel­le, der Na­ti­on, die die­sen un­fass­ba­ren, vir­tu­el­len Kos­mos der Lei­ter­bah­nen her­vor­brach­te und in der üb­li­chen Wei­se kom­mer­zia­li­sier­te und be­stia­li­sier­te, dass wir nun nur noch wil­len­lo­se Da­ten­wölk­chen in den Fän­gen der FAANG sind. Schau doch das ist HAL. Und dann wie­der den­ke ich: Nein, aber die Auf­klä­rung, die Ver­nunft und Lo­gik, den tech­ni­schen Fort­schritt, das kann man doch nicht al­les so in den Dreck zie­hen, nur weil wir in­tui­tiv in der Ma­schi­ne den Ter­mi­na­tor se­hen. Die­ser in­stink­ti­ven Me­ta­phern­in­tui­ti­on ist zu miss­trau­en. Kant hat­te doch recht die Trie­be so zu gei­ßeln. Mehr Ver­nunft, mehr Auf­klä­rung brau­chen wir, nicht scha­le Gra­tis-In­tui­ti­on, die dies oder je­nes, als falsch oder bö­se ge­fühlt de­kla­riert. In ei­nen ra­tio­na­len Dis­kurs soll­ten wir tre­ten, Din­ge in­ter­sub­jek­tiv be­grün­den kön­nen....

    Und ich wer­de mich wohl nie gänz­lich für die ei­ne oder an­de­re Sei­te ent­schei­den kön­nen.

  4. Man kann Ador­no ja in man­chem zu­stim­men (Kul­tur­in­du­strie, in­stru­men­tel­le Ver­nunft, die sich aus­ge­brei­tet hat, aber nicht all­ge­gen­wär­tig ist), und an­de­res ab­leh­nen (Kul­tur­pes­si­mis­mus, ne­ga­ti­ve Dia­lek­tik – ich per­sön­lich leh­ne schon den He­ge­lia­nis­mus ab, so kri­tisch er da­her­kom­men mag).
    Man kann die »Dia­lek­tik der Auf­klä­rung« mit Ge­winn le­sen, soll­te da­bei aber be­den­ken, daß Hork­hei­mer und Ador­no sie in den fin­ster­sten Stun­den (1944) ver­faßt ha­ben, wo­bei sie den deut­schen To­ta­li­ta­ris­mus mit ih­ren Er­fah­run­gen in den USA kurz­ge­schlos­sen ha­ben. Es bleibt uns nichts an­de­res üb­rig, als auf Auf­klä­rung, Ver­nunft und Ethik zu be­stehen bzw. sie den heu­ti­gen Ge­ge­ben­hei­ten an­zu­pas­sen, auch im Um­gang mit in­tel­li­gen­ten Ma­schi­nen, die mög­li­cher­wei­se auch die bes­se­ren Ethi­ker sind, weil sie Hand­lungs­si­tua­tio­nen bes­ser durch­spie­len, auf mehr Er­fah­rungs­da­ten zu­grei­fen kön­nen.

  5. Mit dem Schach­com­pu­ter ge­gen die Dia­lek­tik der Auf­klä­rung, Leo­pold Fe­der­mair, das ist schon be­acht­lich!

    Ein we­nig ern­ster: Ih­re Ma­schi­nen-Kon­tem­pla­ti­on wirkt auf mich eher wie ei­ne pro­to-theo­lo­gi­sche Ein­las­sung. Sie zeigt De­mut, Hin­ga­be und Be­wun­de­rung.

    Die kür­ze­ste Ant­wort auf die Dia­lek­tik der Auf­klä­rung und über­haupt die Kri­ti­sche Theo­rie stammt von Odo Mar­quart: Schuld sind im­mer die an­de­ren... (der Ka­pi­ta­lis­mus, der Fa­schis­mus, die Kul­tur­in­du­strie, die Auf­klä­rer v o r der Kri­ti­schen Theo­rie, der Schla­ger, das Kino...die klas­si­sche Har­mo­nie­leh­re (die Re­gres­si­on des Hö­rens...).

    Fellt mir g’­ra­de ein: Han­nah Arendt ist wird nun auch un­ter die Ras­si­sten ge­zählt – mal se­hen, wann Ador­nos Pro­to-Theo­rie der »Ne­ger« ei­ner ent­deckt...

    Je­den­falls wird hier am See be­reits dar­über öf­fent­lich dis­ku­tiert, ob die Han­nah Arendt Schu­le auf der Hö­ri nicht um­be­nannt wer­den soll – auch we­gen ih­rer Lie­bes­be­zie­hung zu Hei­deg­ger, die ihr z. B. Da­ni­el Cohn Ben­dit sehr sehr an­krei­det. (- Da­bei war sie doch er­wach­sen?)

    Ich schla­ge schon mal Oprah-Win­frey-Schu­le vor, als Er­satz, da­mit die klei­nen Racker was zu le­sen krie­gen! – Und se­hen, wie man Geld ver­dient! Ist doch wahr!

  6. @Phorkyas
    Das mit den Kipp­bil­dern in Be­zug auf AI oder KI ha­be ich auch, ob­wohl ich nicht Ih­ren Kennt­nis- und Wis­sens­stand be­sit­ze. Bei Kath­rin Pas­sig ha­be ich mal ge­le­sen, dass man sich um Bots, die Ge­dich­te und Li­te­ra­tur schrei­ben, kei­ne Sor­gen ma­chen muss, da es ja in­di­rekt mensch­li­che Tex­te sind, denn schließ­lich wur­den die Pro­gram­me ja von Men­schen ge­schrie­ben.

    Die »Gra­tis-In­tui­ti­on« oder, viel­leicht grif­fi­ger, die Gra­tis-Furcht vor all­zu viel Ma­schi­nen­do­mi­nanz ent­springt m. E. tat­säch­lich der Angst, dass in nicht all­zu fer­ner Zeit die Ma­schi­nen den Men­schen der­art do­mi­nie­ren, dass sie be­stim­men, was ge­schieht, und was nicht. Das zeigt ja HAL 9000 sehr gut und scheint im­plan­tiert zu sein in uns (bzw. in den mei­sten). Viel­leicht bahnt sich da (Freud pa­ra­phra­sie­rend) die vier­te Krän­kung der Mensch­heit an.

    Neh­men Sie es mir bit­te nicht übel, aber das Pro­jekt der Auf­klä­rung hal­te ich für ge­schei­tert. Es war ei­ne schö­ne Zeit­er­schei­nung.

  7. @Phorkyas und an­de­re Schach-Deu­ter

    Die­se Un­ter­su­chung zeigt, dass Schach und »in­tel­lec­taul abi­li­ty« nicht so sehr zu­sam­men­hän­gen wie man viel­leicht denkt.

    That stu­dy al­so had IQ da­ta (see sec­tion 3.1).
    Does ch­ess need in­tel­li­gence? — A stu­dy with young ch­ess play­ers

    https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0160289606001139

    Ab­stract:

    Alt­hough it is wi­de­ly ack­now­led­ged that ch­ess is the best ex­amp­le of an in­tel­lec­tu­al ac­ti­vi­ty among ga­mes, evi­dence sho­wing the as­so­cia­ti­on bet­ween any kind of in­tel­lec­tu­al abi­li­ty and ch­ess skill has be­en re­mar­kab­ly spar­se. One of the re­a­sons is that most of the stu­dies in­ve­sti­ga­ted on­ly one fac­tor (e.g., in­tel­li­gence), ne­glec­ting other fac­tors re­le­vant for the ac­qui­si­ti­on of ch­ess skill (e.g., amount of prac­ti­ce, ye­ars of ex­pe­ri­ence).

    Bei Ja­mes Thomp­son ge­le­sen auf sei­nem Blog Psy­cho­lo­gi­cal Com­men­ter.

  8. Es ist längst ei­ne Ba­na­li­tät, dass die Fä­hig­keit zu au­ßer­ge­wöhn­li­chem Schach­spiel und/oder ein IQ nichts mit In­tel­li­genz in an­de­ren Din­gen zu tun hat.

  9. @Gregor K.: Kath­rin Pas­sig wür­de ich sa­gen, daß Ma­schi­nen auch neue Ma­schi­nen pro­gram­mie­ren kön­nen. An Com­pu­ter­pro­gram­men wir­ken Men­schen al­len­falls mit.
    »Die vier­te Krän­kung der Mensch­heit« – das könn­te tat­säch­lich die pas­sen­de ge­schichts­phi­lo­so­phi­sche For­mel sein.

  10. @ Die­ter Kief: Ein biß­chen Hin­ga­be an die in­tel­li­gen­ten Ma­schi­nen – why not?

  11. @ Leo­pold Fe­de­mair – ok man kann al­les kon­tem­plie­ren.

    Ich wür­de frei­lich vor­schla­gen, bei der Kom­tem­pla­ti­on die Tra­di­ti­on nicht aus dem Au­ge zu ver­lie­ren – und mich eher an Lau Dse als an Ray Kurz­weil ori­en­tie­ren. Der Haupt­un­ter­schied zwi­schen den bei­den ist die Ma­schi­nen­kri­tik des Äl­te­ren.

    PS
    Ich mei­ne, das sei auch Stan­ley Ku­bricks Schluss-Poin­te in – sei­ner – Ody­s­ee.

  12. @ Gre­gor Keu­sch­nig wg. Schach und IQ

    Sie fass­sen die ge­stern von mir um 12:15 hier ver­link­te Stu­die Stu­die nicht kor­rekt zu­sam­men – da wird ge­sagt, dass Schach und IQ ein we­nig dis­junkt sei­en.

    Ei­ne an­de­re Fra­ge ist es, wie der IQ mit dem Le­ben zu­sam­men­hängt. Wenn man es so sagt, wie Sie das tun, fin­det man zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen Bei­spie­le, die be­le­gen, dass der IQ und der Er­folg im Le­ben nicht un­be­dingt zu­sam­men­hän­gen. Es gibt schlaue Leu­te, die schei­tern. Das ist rich­tig.

    Das ist aber et­was an­de­res, als zu be­haup­ten es ge­be ge­ne­rell kei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen dem IQ hie und dem Er­folg im Le­ben da. Die­se Aus­sa­ge ver­trägt sich frei­lich nicht mit den zum IQ vor­lie­gen­den For­schun­gen. Und dem, was aus­ge­wis­se­ne Fach­leu­te auf die­sem Ge­biet wie et­wa Ste­ven Pin­ker in »Das un­be­schrie­be­ne Blatt« fest­stel­len: – Dass es näm­lich ei­nen wis­sen­schaft­lich gut be­leg­ten Zu­sam­men­hang zwi­schen dem IQ und Er­folg im Le­ben ge­be.

    Hier ist ei­ne Me­ta-Stu­die, die ei­ne Vor­stel­lung da­von ver­schafft, wie gut das al­les er­forscht ist – ich ver­dan­ke sie – - – dem Blog­ger Ja­mes Thomp­son (sein sehr ge­lehr­ter Blog heißt: Psych­co­lo­gi­cal Com­men­ter) -

    - As sum­ma­ri­zed in this use­ful chart from Stren­ze (2015), me­ta-ana­ly­ses of hund­reds of IQ stu­dies have de­mon­stra­ted that IQ is pre­dic­ti­ve of li­fe suc­cess across ma­ny do­mains.
    Stren­ze 2015.JPG
    This is the ba­sic va­li­da­ting fact when it co­mes to IQ: the use of IQ tests can help us pre­dict things we want to pre­dict and to ex­p­lain things we want to ex­p­lain.

    PS
    Lei­der funk­tio­niert der ein­ge­bet­te­te link hier nicht – man kann ihn aber leicht fin­den wenn man bei Ja­mes Thomp­son Psy­chol­gi­cal Com­men­ter nach Stren­ze 2015 sucht.

  13. @Leopold Fe­der­mair
    Pas­sig wurde/wird vom Feuil­le­ton ein biss­chen hoch­ge­ju­belt, weil sie, was AI/KI an­geht, die Ein­äu­gi­ge un­ter den Blin­den ist. Ihr Kern­satz in ih­ren Gra­zer Vor­le­sun­gen ist denn auch: »Aus Li­te­ra­tur Un­fug ma­chen, das in­ter­es­sier­te mich da­mals schon.«

    Die Stel­le, auf die ich mich u. a. be­zog: »Es wirkt eben gleich viel we­ni­ger exo­tisch, wenn man nicht sagt ‘hier er­zählt ein Com­pu­ter’, son­dern ‘hier hat ein Com­pu­ter vie­le Va­ria­tio­nen von Text­bau­stei­nen aus­ge­spuckt und ein Mensch hat sie auf ei­ne an­spre­chen­de Art zu­sam­men­ge­setzt.’ «

    Von Li­te­ra­tur hat sie üb­ri­gens we­nig Ah­nung. Sub­text in ih­ren Aus­füh­run­gen: »Da ich aber mein hal­bes Ger­ma­ni­stik­stu­di­um ver­schla­fen ha­be, be­las­se ich es bei der An­deu­tung, die De­tails kann man be­stimmt ir­gend­wo nach­le­sen.«

    Sol­che Leu­te ge­ben den Ton im Dis­kurs um Li­te­ra­tur und Li­te­ra­tur im Netz an (sie kennt tat­säch­lich nicht ein­mal Al­ban Ni­ko­lai Herbsts Pro­jekt – oder sie ver­schweigt es aus ir­gend­wel­chen Grün­den). Aber ich schwei­fe ab.

  14. @Gregor Keu­sch­nig
    »Stu­di­en in­ter­es­sie­ren mich im­mer nur dann, wenn ich weiß, wer sie be­zahlt hat.«

    Ver­mut­lich die Vi­de­op­siel-Bran­che, um die Schach-Kon­kur­renz los­zu­wer­den. Hehe.

    Et­was ern­ster: Igno­ranz fin­de ich dann ok, wenn sie sou­ve­rän auf­tritt und schweigt. Kennt­nis­frei mit­re­den fin­de ich nicht so gut.

    Zu let­ze­rem: Sie­he Ih­re Be­mer­kun­gen oben über Kath­rin Pas­sig – oder, noch ei­nen Tick un­ver­söhn­li­cher: Hans Ma­gnus En­zens­ber­ger: Über die Igno­ranz, in Mit­tel­maß und Wahn, Ffm 1988, S. 9 – 22

  15. Heu­te geht’s zum fi­na­len Schlag­ab­tausch zwi­schen Na­ka­mu­ra und Carl­sen. Hof­fe ich kann mal rein­schau­en (die ru­hi­ge, spe­zi­el­le Art und der me­lo­di­sche Ak­zent von Ru­s­tam Ka­sim­ja­nov im Live­stream sind für mich schon fast Grund ge­nug).


    »Die vier­te Krän­kung der Mensch­heit« – das könn­te tat­säch­lich die pas­sen­de ge­schichts­phi­lo­so­phi­sche For­mel sein.
    Von den er­sten drei wüss­te ich mit der ko­per­ni­ka­ni­schen Wen­de wohl nur die drit­te? Was sind die an­de­ren? Ver­trei­bung aus dem Pa­ra­dies, da fing der mensch­li­che Hoch­mut doch eher an?

    An der vier­ten fra­ge ich mich, ob es um die Mög­lich­keit von ma­chi­nel­lem Be­wusst­sein geht oder um un­se­re Sicht auf was Be­wusst­sein ist. Ob schon ei­ne na­tu­ra­li­sti­sche, mo­ni­sti­sche Sicht, wo es kei­ne See­le, kei­nen gött­li­che Hauch oder im­ma­ti­ri­el­le Trä­ger mehr gä­be, ob das schon ge­nü­gend Krän­kungs­po­ten­ti­al hät­te.

  16. @ Phor­kyas

    Über Schach kann ich lei­der nicht mit­re­den, aber was die Krän­kun­gen be­trifft: Den Be­griff hat Freud er­fun­den, und er ist, wie so vie­le bei ihm, ei­ne Me­ta­pher, sehr stark ver­all­ge­mei­nernd. Wor­um es ihm ging: Die Selbst­mäch­tig­keit der Men­schen wur­de mehr­mals trau­ma­tisch er­schüt­tert. Er­stens, Ko­per­ni­kus, die Er­de, auf der wir le­ben, ist nicht im Zen­trum des Alls, kos­misch ge­se­hen sind wir so gut wie nichts. Zwei­tens Dar­win: Der Mensch ist nur ein Tier. Drit­tens Freud: Das Ich hat nicht viel zu sa­gen, es re­giert das Es. (1) Vier­tens Keu­sch­nig: Der Mensch hat als Pro­du­zent, Den­ker, Pi­lot, Au­to­fah­rer, Pro­gramm­ent­wick­ler etc. ab­ge­dankt, er ist ge­ne­rell ar­beits­los, funk­ti­ons­los ge­wor­den.

    Der Tod Got­tes ist ei­ne Krän­kung Got­tes, nicht des Men­schen oder der Men­schen, die sich viel­fach durch die­se Tö­tung er­mäch­tigt füh­len (»Ho­mo De­us«, Ha­ra­ri). Al­ler­dings steht die­ser Vor­gang mit den vier Krän­kun­gen in en­gem Zu­sam­men­hang.

    (1) Freud sah sich ge­wis­ser­ma­ßen am End­punkt der Ge­schich­te, wie He­gel vor ihm. Als Voll­ender, der den letz­ten Stein des Wei­sen ge­fun­den hat­te. Im Grun­de ist das nor­mal, wir be­fin­den uns im­mer am En­de der Ge­schich­te. Nur daß die Ge­schich­te be­weg­lich ist, kein star­res Re­li­ef.

  17. Was für ein Fi­na­le! Als hät­te es ein Dra­ma­turg ge­skrip­tet!
    (Nur Ramm­stein zu sin­gen hät­te Ka­sim­ja­nov bes­ser sein ge­las­sen)

    Dan­ke für den Link. – An das »nicht mehr Herr im ei­ge­nen Hau­se« hät­te ich mich er­in­nern kön­nen. Die mo­der­ne Hirn­for­schungs­ent­zau­be­rung der »See­le« oder des »Ichs« wür­de ich dann aber im­mer noch zur psy­cho­lo­gi­schen Krän­kung zäh­len.

    Aber selbst wenn man die al­ten ideo­lo­gi­schen, re­li­giö­sen Über­le­gen­heits­an­sprü­che des mensch­li­chen Gei­ses lang­sam ab­mil­dert, könn­te doch auch neue Be­wun­de­rung ent­ste­hen, für das was un­ser Kör­per und Ge­hirn lei­sten. Un­se­re kru­den Zau­ber­lehr­lings­schöp­fun­gen kön­nen sich mit de­nen der Na­tur nicht wirk­lich mes­sen. Wie es im Mo­ra­vec-Pa­ra­dox for­mu­liert ist: »it is com­pa­ra­tively ea­sy to make com­pu­ters ex­hi­bit adult le­vel per­for­mance on in­tel­li­gence tests or play­ing checkers, and dif­fi­cult or im­pos­si­ble to gi­ve them the skills of a one-ye­ar-old when it co­mes to per­cep­ti­on and mo­bi­li­ty« (vgl. https://scottlocklin.wordpress.com/2020/07/29/open-problems-in-robotics/)
    Die AI-For­schung hat sich im­mer wie­der die Zäh­ne an für tri­vi­al ge­hal­te­nen Pro­ble­me aus­ge­biss­chen. In den 1960er Jah­ren glaub­te man, man kön­ne in­ner­halb we­ni­ger Jah­re ma­chi­nel­le Über­set­zun­gen be­lie­bi­ger Bü­cher an­fer­ti­gen. Je­der Phi­lo­lo­ge hät­te nur ge­lacht.
    Aber das hält die Leu­te vom Hu­man Brain Pro­ject nicht da­von ab in­ner­halb von zehn Jah­ren das mensch­li­che Ge­hirn si­mu­lie­ren zu wol­len. Mal ge­spannt, mit was für ei­nem Ab­schluss­be­richt sie sich in drei Jah­ren an die Öf­fent­lich­keit trau­en (https://de.wikipedia.org/wiki/Human_Brain_Project)

  18. @ Phor­kyas

    D’­ac­cord was die neu­ro­lo­gi­sche For­schung be­trifft. Die Psy­cho­ana­ly­se ist in­zwi­schen ein biß­chen ver­staubt (auch wenn Freud ein groß­ar­ti­ger Schrift­stel­ler und Den­ker blei­ben wird).

    Das Mo­ra­vec ist, wenn ich nicht ir­re, auch längst über­holt. In­tel­li­gen­te Kin­der wer­den nicht Her­um­to­ben wie klei­ne Kin­der, weil sie kei­nen Grund und kei­nen Auf­trag da­für ha­ben. Aber au­ßer­or­dent­lich an­spruchs­vol­le Be­we­gungs­lei­stun­gen er­brin­gen sehr wohl. Sie müs­sen nur die neue­sten Mer­ce­des-Mo­del­le (mit all ih­ren Sen­so­ren) aus­pro­bie­ren oder ein mo­der­nes Pas­sa­gier­flug­zeug flie­gen (las­sen) oder ei­nen Last­wa­gen, der Erz aus ei­nem Schacht holt.

    Und auch bei den Über­set­zun­gen bin ich mir mitt­ler­wei­le nicht mehr si­cher. Bei ver­wand­ten Spra­chen sind die Er­geb­nis­se in­zwi­schen oft ver­blüf­fend gut, die Fort­schrit­te ge­hen bei die­sen Pro­gram­men sehr, sehr schnell. Nur wenn ich die Ma­schi­ne aus dem Ja­pa­ni­schen ins Deut­sche über­set­ze las­sen, kommt oft ein ziem­li­cher Un­sinn her­aus. Wird schon noch!

  19. Die Fort­schrit­te von Ma­schi­nel­lem Ler­nen sind be­ein­druckend, ja. Was vor ein paar Jahr­zehn­ten noch un­mög­lich oder schwer galt, z.B. in der Ob­jekt­er­ken­nung auf ei­nem Bild ei­nen Ham­bur­ger zu er­ken­nen, kann heu­te fast je­der Soft­ware­ent­wick­ler selbst ma­chen. Mo­men­tan pla­ne ich ei­nen Teil oder et­was Ähn­li­ches wie das hier zu bau­en: http://www.raspberryturk.com/

    Mit Ih­rem »in­tel­li­gen­te Ro­bo­ter wür­den nicht Her­um­to­ben wie klei­ne Kin­der, weil sie kei­nen Grund und kei­nen Auf­trag da­für ha­ben« be­rüh­ren oder be­stä­ti­gen Sie, mei­ner Mei­nung, aber das Mo­ra­vec-Pa­ra­dox: Das Spiel oder »un­su­per­vi­sed lear­ning« ist den Ma­schi­nen wahr­schein­lich schwe­rer bei­zu­brin­gen (ähn­lich wie Cal­vin­ball – https://xkcd.com/1002/). Ein Op­ti­mie­rungs­pro­blem, für das sich ei­ne leich­te Me­trik fin­den lässt, oder ei­ne Ko­sten­funk­ti­on, die­se Din­ge wird ein Pro­gramm schnell bes­ser kön­nen, aber was ein Klein­kind voll­bringt ist nicht im­mer tri­vi­al: un­be­kann­tes Ter­rain er­kun­den und die La­ge sei­nes ei­ge­nen Kör­per dar­in zu er­fas­sen. Oh­ne das die­ses Ziel von vor­ne­her­ein sicht­bar hin­ein­pro­gram­miert wor­den wä­re (dies als An­fän­ge des Kör­per­be­wusst­seins, für mich auch ei­ne leicht zu über­se­hen­de wich­ti­ge Vor­stu­fe zu den an­de­ren wir­ren Be­wusst­seins­funk­tio­nen) – Aber was man heu­te für schwer er­klärt kann mor­gen schon ge­löst sein.

    Die ma­schi­nel­le Über­set­zung ist ja nun auch lang­sam da, wo sie vor 60 Jah­ren schon sein woll­te. Be­ein­druckend fin­de ich die Live­über­set­zung mit Smart­pho­ne, wo die­ses in Echt­zeit über ei­nen mit der Ka­me­ra er­fass­ten Text die (gro­be) Über­set­zung legt. Oder selbst mit Sprach­nach­rich­ten geht dies nun auch schon so, dass ein ru­di­men­tä­res Ver­ste­hen mög­lich ist. – Aber wie Sie sa­gen an so man­chem ver­schluckt sich die Ma­schi­ne noch. Ich hat­te z.B. auch mal was von Салтыко́в‑Щедри́н hin­ein­ko­piert und die Ma­schi­ne war wohl doch mehr mit tem­po­rä­rem Rus­sisch ge­speist wor­den. Da kam dann ei­ni­ges her­aus was nicht zum Sprach­re­gi­ster des Ori­gi­nals pass­te.

  20. @ Phor­kyas

    Hübsch, der klei­ne Schach­ro­bo­ter. Ich glau­be wirk­lich, daß man et­was wie Zu­nei­gung zu sol­chen Ma­schi­nen ent­wickeln kann. Und ent­wickeln soll­te, wenn wir an die Zu­kunft den­ken. Gu­tes Ge­lin­gen!

    Ih­re Er­wäh­nung des Mo­ra­vec-Pa­ra­do­xons hat be­wirkt, daß ich mir die Sa­che noch ei­ne Wei­le über­leg­te. Das hat na­tür­lich meh­re­re oder vie­le Aspek­te. Das Spie­le­ri­sche ist ei­ne Sa­che, schwer ra­tio­na­li­sier­ba­res, ja, frei­her­aus ir­ra­tio­na­les Ver­hal­ten, wie sol­len Ma­schi­nen­pro­gram­me so­was er­fas­sen? Es ist nicht rech­ne­risch er­faß­bar, was ein Kind so treibt. Scheint mir, aber viel­leicht wür­de ein Neu­ro­lo­ge das an­ders se­hen und sich mit ei­nem Pro­gram­mie­rer zu­sam­men­tun.
    Mei­ne Über­le­gun­gen gin­gen mehr in die Rich­tung »all­sei­ti­ge Per­sön­lich­keit«, ein Be­griff, der durch die DDR-Ideo­lo­gen und-Päd­ago­gen heil­los des­avou­iert ist. »Viel­sei­ti­ge Per­sön­lich­keit« wür­de auch ge­nü­gen, ich glau­be, daß das in ei­ner hu­ma­ni­sti­schen Päd­ago­gik un­ver­zicht­bar ist, wenn nicht das we­sent­li­che Ziel. Com­pu­ter­ge­steu­er­te in­tel­li­gen­te Ma­schi­nen sind spe­zia­li­siert, auf ganz be­stimm­te Auf­ga­ben fest­ge­legt, die ih­nen im Grun­de ge­nom­men be­foh­len wur­den. Auch Ale­xa ist spe­zia­li­siert, die­se spre­chen­de Ma­schi­ne be­rei­tet ja nur das im In­ter­net ver­füg­ba­re Wis­sen sprach­lich auf und hat ei­ni­ge (we­ni­ge) Kom­pe­ten­zen in ver­ba­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on. Die­se Viel­sei­tig­keit, der oft plötz­li­che, un­vor­her­seh­ba­re, auch vom mensch­li­chen Sub­jekt selbst nicht im­mer vor­her­ge­se­he­ne Wech­sel zwi­schen den vie­len Sei­ten ei­ner Per­sön­lich­keit, bleibt einst­wei­len ein mensch­li­ches Spe­zi­fi­kum (Tie­ren wahr­schein­lich noch eher zu­gäng­lich als Ma­schi­nen). Und der letz­te Denk­schritt, daß die­se Viel­sei­tig­keit eben auch zu­sam­men­ge­hal­ten wird, la­tent in je­dem Au­gen­blick da ist. Von wem oder was, wel­cher In­stanz, zu­sam­men­ge­hal­ten? Ich den­ke, da­für gab es jahr­hun­dert­lang den Be­griff »See­le«.
    Manch­mal bin ich an die scho­la­sti­schen Dis­kus­sio­nen er­in­nert, ob Tie­re ei­ne See­le ha­ben oder nicht. Wir stel­len uns die­se Fra­ge heu­te in Be­zug auf Men­schen und Ma­schi­nen.

  21. Ihr Ein­wand hat auch be­wirkt, dass ich mich mit der Fra­ge wie­der of­fe­ner zu­ge­wandt ha­be. An­de­re kor­ri­gie­ren die Zeit­fen­ster, in wel­chem wir ei­ne men­schen­ähn­li­che Com­pu­ter­in­tel­li­genz se­hen könn­ten schon nach un­ten (https://www.begleitschreiben.net/der-wille-zum-nichtwissen-postskriptum/#comment-27702). Das sind al­les Kri­stall­ku­gel­blicke, das span­nen­de aber, dass wir es wohl noch er­le­ben könn­ten.

    Den al­ten hu­ma­ni­sti­schen Bil­dungs­zie­len bin ich auch sehr zu­ge­wandt. Ver­su­che al­le paar Jah­re Schil­lers Brie­fe über die äs­the­ti­sche Er­zie­hung des Men­schen wie­der­zu­le­sen – da ist so viel schon vor­ge­dacht, das reicht so tief in un­se­re heu­te, be­stehen­de Kul­tur, das viel­leicht lang­sam schwin­den­de Bür­ger­tum.

    Mit der »Tier­see­le« oder der Ab­erken­nung ei­ner sol­chen wei­sen Sie auf ei­nen an­de­ren Weg der vier­ten Krän­kung hin: die mög­li­che Er­kennt­nis, dass un­ser Be­wusst­sein in der Na­tur nicht so ein­zig­ar­tig, dass es mög­li­cher­wei­se im Tier­reich schon kon­ti­nu­ier­li­che Vor­for­men und Über­gän­ge dort­hin gibt. – Ge­ra­de bei »hö­he­ren« (schon wie­der die­se un­ter­schwel­li­gen Wer­tun­gen) Säu­ge­tie­ren spürt man bei ei­ner Be­geg­nung doch deut­lich die Prä­senz ei­nes an­de­ren We­sens und selbst oh­ne ge­mein­sa­me Spra­che ist über Kör­per­hal­tun­gen, Lau­te, Mi­mik doch so et­was wie Kom­mu­ni­ka­ti­on mög­lich. Wir bräuch­ten al­so gar nicht uns vor den Ma­schi­nen so gru­seln, son­dern könn­ten uns schon so von dem Sockel der Ein­zig­ar­tig­keit sto­ßen.

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