(← II)
Wieder am bivio, warum nicht doch die andere Möglichkeit wählen? Entscheidung revidieren? Beides tun! Es ging steil bergauf, zuletzt war die Straße geschottert, wohl hatte man sie verbreitert, damit Bagger an den Schrein herankämen, die ich dort im abgeholzten Gelände tatenlos herumstehen sah. Eine Tafel bezeichnete dem Besucher den Ort, das Gründungsdatum 1204, dazu das Götterlied von Minamoto no Yorimasa, einem dichtenden Krieger, der es im Jahrhundert vor dem dreizehnten (nach christlicher Zeitrechnung) verfaßt hatte. Das kleine Bauwerk war zweifellos vielmal erneuert worden, sicher auch manchmal beschädigt, unterspült, von einem stürzenden Baum getroffen, neu errichtet, wie es hierzulande so oder so der Brauch ist. Bei den letzten Unwettern hatte sich das Erdreich links und rechts vom Ogura-Schrein gelöst, zwei Lawinen waren an ihm vorbeigerauscht, er selbst hat die Katastrophe überstanden.

Habe jetzt wirklich den Rand des Randes der Welt erreicht: das war mein Flüstergedanke, als ich die letzte Stufe der Steintreppe hinter mir hatte und auf dem Plateau stand. Wenn die Erde annähernd eine Kugel ist, gibt es keinen Rand, es gibt nur Mitten. Der Ogura-Schrein befand sich in der Mitte der Mitte. Beides galt, Rand und Mitte. Und die Bewegung konnte immer noch weitergehen. Obwohl sich in Bälde, dachte ich, eine Pause empfiehlt. Ein (vorläufiges) Ende von Rand und Mitte.



