
Hinter der Blechwand
- Ich konnte mich wirklich nicht erinnern, wann ich ihn zum ersten Mal getroffen habe. Er war wie der Geist dieser Stadt. Er verkörperte sie: grau, unscheinbar, fast durchsichtig. Der erstgeborene Sohn der Alltäglichkeit, von Geburt an im Scheitern bewandert. Aber man mußte ihn nur anschauen, den Blick auf ihn heften, um nicht durch ihn hindurchzusehen, und schon war er ein anderer. Wenn jemand ihn wahrnahm, wurde er sichtbar. Er sammelte sich, geriet in Spannung, seine Gegenwart verdichtete sich. Er war überall, sah und wußte alles, den Rest ahnte er.
Die Rede ist von Władek. Er und der Erzähler, Pawel, kaufen und verkaufen hauptsächlich Textilien (Paris – London – New York) auf den Wochen- und Jahrmärkten Osteuropas. Sie sind die (selbsternannten) Könige des Plunders. Dabei müssen sie sich zusehends mit den Anbietern der asiatischen Produkte messen, diesem Ramsch und Tand von erbärmlicher Qualität. Kleidungsstücke, die schon nach kurzer Zeit nur noch als Putzlappen taugen. In den besten Momenten vernimmt man im Hintergrund dieser zum Teil rüden Beschimpfungen des asiatischen Billigkrams ein zwischen Ehrfurcht und Fetischismus changierendes Sentiment zum das Ding, das, trotz aller kommerziellen Attitüden, mehr ist als nur schnödes Handelsobjekt. (Oder ist man jetzt schon auf die Władek’sche Werbung reingefallen?)

