Ri­chard Daw­kins: Der Got­tes­wahn

Richard Dawkins: Der Gotteswahn

Ri­chard Daw­kins:
Der Got­tes­wahn

»Der Got­tes­wahn« ist ein Mis­sio­nie­rungs­ver­such, ei­ne Kampf­schrift wi­der al­les und al­lem, was in ir­gend­ei­ner Form mit Tran­szen­denz in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den kann. Der ra­tio­na­li­sti­sche Fu­ror des bri­ti­schen Evolu­tionsbiologen Ri­chard Daw­kins ist ei­ne Mi­schung zwi­schen kru­dem Welt­ver­bes­se­rungs­pa­thos, der Pa­ra­noia from­mer Ex­or­zi­sten, die über­all nur noch Be­ses­se­ne se­hen, die von ih­rer Krank­heit zu hei­len sind und ei­nem ar­cha­isch-ja­ko­bi­ni­schem Mo­ral­ver­ständ­nis. Der mono­theistischen Chau­vi­nis­mus spe­zi­ell des Christen­tums hat es ihm an­ge­tan (früh wer­den Konfu­zianismus und Bud­dhis­mus aus­ge­klam­mert; sie wer­den flugs als ethi­sche Sy­ste­me ein­ge­ord­net) und sein Bil­der­sturm für ei­nen ra­di­ka­len Athe­is­mus nimmt im Lau­fe des Bu­ches wahr­haft kultur­revolutionärere Zü­ge an (ver­flacht dann al­ler­dings auf den letz­ten 50 Sei­ten).

Re­li­gi­on ist ei­ne »psych­ia­tri­sche Krank­heit«

Es ist ei­gent­lich ganz ein­fach. Zu­nächst ein­mal wird der Athe­is­mus als tap­fe­res, gross­artiges Ziel aus­ge­ge­ben. Dann ver­wei­gert Daw­kins aus­drück­lich und de­zi­diert den reli­giösen Ge­füh­len von Men­schen sei­nen Re­spekt – ver­mut­lich, um hi­sto­ri­sche Unge­rechtigkeiten ein für al­le­mal aus­zu­glei­chen (der be­wusst­seins­er­wei­tern­de Femi­nismus der 68er ist da sein »Lehr­mei­ster«). Ei­gent­lich al­so ein Vor­ge­hen, wel­ches dem frei­mü­tig be­kann­ten Zweck der Be­keh­rung zu­wi­der­läuft, denn ge­mein­hin ge­winnt man ei­nen Men­schen für ei­ne Idee nicht da­durch, in dem man sei­ne bis­he­ri­gen Über­zeugungen in den Dreck zieht. Nach­dem dann Al­bert Ein­stein und – et­was spä­ter -Tho­mas Jef­fer­son als Ge­sin­nungs­ge­nos­sen ver­ein­nahmt wur­den (bei Jef­fer­son unter­schlägt Daw­kins al­ler­dings des­sen Be­wun­de­rung dem Neu­en Te­sta­ment ge­gen­über, wel­ches in der so­ge­nann­ten »Jef­fer­son Bi­ble« mün­de­te) geht es dann los: Re­li­gi­on ist ei­ne psych­ia­tri­sche Krank­heit, ein Vi­rus, sie ent­steht durch Fehl­funk­tio­nen ein­zel­ner Gehirn­module; ih­re Ver­fech­ter sind sehr viel düm­mer als Athe­isten (gläu­bi­ge Ka­tho­li­ken ha­ben – im­mer noch nach Daw­kins – ei­ne un­ter­durch­schnitt­li­che In­tel­li­genz).

Die Theo­lo­gie sel­ber ist gar kein For­schungs­ge­gen­stand, da Gott eh nicht exi­stiert (ein Schluss, der den Au­tor für den Rest des Bu­ches ent­bin­det, sich mit kri­ti­schen religions­wissenschaftlichen Stim­men aus­ein­an­der­zu­set­zen); ei­ne »See­le«, die den Kör­per über­dauert, exi­stiert eben­falls nicht. Ein be­son­de­res An­lie­gen ist ihm die re­li­giö­se Indok­trination von Kin­dern und er be­haup­tet, der durch se­xu­el­len Miss­brauch er­zeug­te psy­chi­sche Scha­den, sei nach­weis­lich ge­rin­ger als der, den ei­ne ka­tho­li­sche Er­zie­hung an­rich­te. Und ein Bei­spiel für das Un­heil, wel­ches Re­li­gio­nen heu­te noch an­rich­ten, er­kennt er im is­la­mi­schen Dschi­ha­dis­mus, in dem er die Ak­tio­nen der Selbst­mord­at­ten­tä­ter als aus der Re­li­gi­on ab­ge­lei­te­te Im­pe­ra­ti­ve be­haup­tet.

Um­fra­ge per E-Mail

In An­be­tracht des­sen, dass Daw­kins ein Wis­sen­schaft­ler ist, sind sei­ne Me­tho­den – ge­lin­de ge­sagt – reich­lich merk­wür­dig. Als er bei­spiels­wei­se be­wei­sen will, dass Hoch­schul­ge­lehr­te in Gross­bri­tan­ni­en im Ver­hält­nis zur Be­völ­ke­rung über­durch­schnitt­lich athe­istisch einge­stellt sind (al­so ein in­di­rek­ter wei­te­rer Nach­weis für die The­se, dass re­li­giö­se Men­schen un­in­tel­li­gent sind), zi­tiert er ei­ne Stu­die, die wie folgt ab­lief: Be­fragt wur­den 1074 Fel­lows der Roy­al So­cie­ty, die ei­ne E-Mail-Adres­se be­sa­ssen (die gro­sse Mehr­heit), und von die­sen ant­wor­te­ten un­ge­fähr 23 Pro­zent (was für ei­ne sol­che Un­ter­su­chung ei­ne gu­te Quo­te ist). Das Re­sul­tat: Nur 3,3 Pro­zent der Fel­lows äu­sser­ten zu der Aus­sa­ge, es ge­be ei­nen per­sön­li­chen Gott ei­ne star­ke Zu­stim­mung […], 78,8 Pro­zent da­ge­gen lehn­ten sie völ­lig ab…. Schein­bar be­ein­druckend.

Aber das Er­geb­nis ist voll­kom­men wert­los und über­haupt nicht re­prä­sen­ta­tiv. Zu­nächst wur­den of­fen­sicht­lich nur die Fel­lows mit E-Mail-Adres­se be­fragt – ein frag­wür­di­ges Aus­wahl­kri­te­ri­um. Des­wei­te­ren bleibt Daw­kins schul­dig, wie hoch die »klei­ne Min­der­heit« ist, die kei­ne E-Mail-Adres­se hat. Und dann ist die Be­tei­li­gung von 23% viel zu nied­rig, um ei­nen Schluss auf die »Fröm­mig­keit« in der ge­sam­ten »Roy­al So­cie­ty« zu zie­hen. Uner­wähnt bleibt auch noch, ob die Er­he­bung »neu­tral« durch­ge­führt wur­de, oder ob die bei­den Be­fra­ger (Corn­well und Stir­rat) in Er­schei­nung ge­tre­ten sind (al­so den Be­frag­ten die »In­ten­ti­on« der An­fra­ge durch­aus hät­te be­kannt sein kön­nen). Und nicht er­wähnt wird auch, ob die Ant­wor­ten der Fel­lows an­ony­mi­siert wur­den oder schlicht mit dem »Antwort«-Button er­folg­ten.

In­duk­ti­ve Schlüs­se, Ver­all­ge­mei­ne­run­gen, Be­haup­tun­gen, Wi­der­sprü­che

Daw­kins ar­bei­tet mit Vor­lie­be mit in­duk­ti­ven Schlüs­sen, die er dann als Be­wei­se aus­gibt. Bei­spiels­wei­se be­legt er die ei­gent­lich schockie­ren­de Be­haup­tung, die re­li­giö­se Er­zie­hung von Kin­dern wä­re dem se­xu­el­len Miss­brauch gleich­zu­stel­len, mit ge­nau zwei Quel­len: Zum er­sten den Brief ei­ner Frau, die ein­mal als Kind von ei­nem Prie­ster im Au­to ge­strei­chelt wur­de und zum zwei­ten mit der Mail ei­ner an­de­ren Frau, die heu­te ih­re re­li­giö­se Er­zie­hung nach­träg­lich als Mar­ty­ri­um emp­fin­det.

Manch­mal voll­zieht er reich­lich sprung­haf­te As­so­zia­tio­nen. Et­wa, wenn er Tho­mas Jef­fer­son als Athe­ist dar­stel­len will, aus Chri­sto­pher Hit­chens’ Jef­fer­son-Bio­gra­phie zi­tie­rend: Als sei­ne Ta­ge zur Nei­ge gin­gen, schrieb Jef­fer­son mehr als ein­mal an Freun­de, er se­he sei­nem be­vor­ste­hen­den En­de we­der mit Hoff­nung noch mit Furcht ent­ge­gen. Zwei­fel­los ei­ne in­ter­es­san­te Aus­sa­ge, die mit den gän­gi­gen Dog­men des Chri­sten­tums nicht di­rekt in Ver­bin­dung zu brin­gen sind. Um so ver­blüf­fen­der den­noch der Schluss: Das war das Glei­che, als hät­te er un­miss­ver­ständ­lich er­klärt, dass er kein Christ war. Üb­ri­gens kein Pro­blem für den Jün­ger des ethi­schen Zeit­gei­stes schnell noch Im­ma­nu­el Kant Athe­is­mus zu­zu­schrei­ben, Hux­leys dop­pel­deu­ti­ge Äu­sse­run­gen wis­send als Athe­is­mus zu in­ter­pre­tie­ren und Adolf Hit­ler zum (viel­leicht) gläu­bi­gen Chri­sten zu ma­chen (mit ei­ni­gen Go­eb­bels-Zi­ta­te und ein biss­chen »Mein Kampf«). Letz­te­res, da­mit nicht bö­se Men­schen Sta­lin und Hit­ler zu Re­prä­sen­tan­ten der Hand­lun­gen von Athe­isten ma­chen kön­nen (so hilf­los »wehrt« sich Daw­kins ge­gen ei­ne lä­cher­li­che Schluss­fol­ge­rung – an­statt ein­fach den Fehl­schluss of­fen­zu­le­gen).

Und dann wi­der­spricht sich Daw­kins ge­le­gent­lich in sei­nem Über­ei­fer, et­wa wenn er ei­ner­seits zu­gibt, vie­le be­nutz­ten Re­li­gi­on als Eti­kett, um ih­re Zwecke durch­zu­set­zen aber spä­ter dann den Dschi­ha­dis­mus di­rekt aus dem Ko­ran ab­lei­tet. Oder er be­geht ausdrück­lich nicht den Weg, dem Chri­sten­tum die gan­zen Ver­bre­chen der letz­ten zwei­tausend Jah­re ge­bets­müh­len­ar­tig (!) vor­zu­wer­fen (Kreuz­zü­ge; Mis­sio­nie­run­gen; Er­obe­run­gen; Inqui­sition), weil es ja grau­sa­me und bö­se Men­schen in je­dem Jahr­hun­dert ge­ge­ben ha­be – um dann ir­gend­wann wie­der auf die un­heil­vol­le Chri­sten­ge­schich­te im Na­men der Bi­bel hin­zu­wei­sen.

Manch­mal schreibt er schlicht­weg Un­sinn, et­wa wenn er Al­tru­is­mus im Tier­reich lau­fend mit Sym­bio­se ver­wech­selt oder die ame­ri­ka­ni­schen Grün­der­vä­ter be­leg­los als Sä­kularisten be­zeich­net (an­de­re Quel­len sa­gen ex­akt das Ge­gen­teil – wie wä­re es, Mr. Daw­kins, dies mal wis­sen­schaft­lich zu klä­ren?) oder be­haup­tet Dua­li­sten in­ter­pre­tie­ren gei­sti­ge Krank­hei­ten be­reit­wil­lig als »Teu­fels­be­ses­sen­heit«. Vom Is­lam hat Daw­kins of­fen­sicht­lich über­haupt kei­ne Kennt­nis­se – ein­mal spricht er von der all­ge­mein üb­li­chen In­ter­pre­ta­ti­on des Is­lam [sic!]. Von ei­nem Au­tor über Re­li­gi­on er­war­te ich als Min­dest­kri­te­ri­um, dass er weiss, dass es so et­was gar nicht gibt.

Nicht­exi­stenz­be­wei­se

Na­tür­lich ist Re­li­gi­on auch als Stif­ter für ethi­sche und mo­ra­li­sche Fra­gen un­taug­lich. Daw­kins be­grün­det dies für das Chri­sten­tum haupt­säch­lich mit der Blut­rün­stig­keit des Got­tes des Al­ten Te­sta­ments (das Op­fer Abra­hams wird aus­führ­lich be­han­delt), die sich auch in ei­ni­gen Tei­len im Neu­en Te­sta­ment fort­setzt (ge­meint ist haupt­säch­lich die Erb­sün­de; aber ein paar freund­li­che Wor­te zur Berg­pre­digt fin­det er den­noch). Mit spür­ba­rer Lust an der Ver­spot­tung des Ge­gen­stands greift Daw­kins ei­ni­ge Er­zäh­lun­gen des Al­ten Te­sta­ments her­aus, die ex­em­pla­risch für sei­ne The­se ste­hen. Da­bei rennt er – was ihm of­fen­sicht­lich un­be­kannt ist – of­fe­ne Tü­ren en mas­se ein, aber die De­kon­struk­ti­on die­ser tat­säch­lich furcht­ba­ren Tex­te macht ihm ein­fach zu­viel Spass, wäh­rend der Le­ser ob der Red­un­dan­zen schon ein biss­chen ge­lang­weilt ist.

Ei­ne Mo­ral ba­sie­rend auf die­sen lau­nisch-bos­haf­ten Ty­ran­nen na­mens »Gott« ist für Daw­kins schlicht­weg un­mög­lich zu be­grün­den. So­weit mag man ihm ja durch­aus fol­gen. Hier­aus zieht er je­doch den Schluss, dass die Kir­che ih­re Kom­pe­tenz in die­sen Fra­gen für al­le Zei­ten und voll­stän­dig ein­ge­büsst hat. Mo­ral­theo­lo­gen wie bei­spiels­wei­se Hans Küng, die ver­su­chen, ei­ne all­ge­mein gül­ti­ge Welt­ethik aus den mo­no­the­isti­schen Re­li­gio­nen zu de­stil­lie­ren, kennt Daw­kins na­tür­lich nicht (sei­ne Li­te­ra­tur­li­ste ent­hält fast aus­schliess­lich eng­lisch­spra­chi­ge Pu­bli­ka­tio­nen, die mehr­heit­lich sei­ner Li­nie fol­gen).

War­um er bei ei­nem der­art ein­deu­ti­gen Re­sul­tat für die Ge­fähr­lich­keit und Nutz­lo­sig­keit von Re­li­gi­on über­haupt noch den Be­weis der Nicht­exi­stenz Got­tes vor­nimmt, bleibt sein Ge­heim­nis. Die­ser Ab­schnitt, wel­chen er als ei­ner sei­ner Kern­ka­pi­tel sieht, ge­hört zum schwäch­sten des Bu­ches. Die The­se Gott exi­stiert nicht, da es kein Le­be­we­sen gibt, wel­ches au­sser­halb ei­nes Evo­lu­ti­ons­pro­zes­ses steht ist in sei­ner Sub­stanz­lo­sig­keit vie­len so­ge­nann­ten Got­tes­be­wei­sen eben­bür­tig. Den Ein­wand, dass Gott als »Be­grün­der« der Evo­lu­ti­on ge­se­hen wer­den wür­de, kon­tert Daw­kins mit ei­nem lu­sti­gen Ein­fall: Wenn es Gott gä­be, dann müss­te es ein We­sen ge­ben, wel­ches die­sen Gott er­schaf­fen hat. Und dann ei­nes, wel­chen den Va­ter Got­tes er­schuf, usw. In dem er die­se Re­gres­si­on ins Un­end­li­che treibt, ver­sucht er zu be­wei­sen, dass es des­halb kei­nen Gott ge­ben kann. Die­se The­se ist selbst für ei­nen Un­gläu­bi­gen ein­fach zu wi­der­le­gen, in dem er (mit Kant) Gott als ein »Ding an sich« (ein »mög­li­cher Ge­dan­ke«) »sieht«, wel­ches der Kau­sa­li­tät (die nur für die »Welt der Er­schei­nun­gen« gilt) ent­zo­gen ist.

Von den »Zell­hau­fen« und »Kaul­quap­pen«

Beim The­ma Ab­trei­bung läuft Daw­kins zu Hoch­form auf. Zu­nächst ein­mal stellt er fest, dass vie­le Per­so­nen, die für ein ra­di­ka­les Ab­trei­bungs­ver­bot plä­die­ren gleich­zei­tig Be­für­wor­ter der To­des­stra­fe für Ka­pi­tal­ver­bre­chen sind (er be­zieht sich hier auf die USA und nennt na­tür­lich als pro­mi­nen­te­stes Bei­spiel Ge­or­ge W. Bush). Aber statt die­sen in­ter­es­san­ten Zu­sam­men­hang de­tail­liert zu durch­leuch­ten, dient das na­tür­lich aus­schliesslich als Mu­ni­ti­on ge­gen Re­li­gi­on.

Fa­ta­ler­wei­se glaubt der Au­tor mit ef­fekt­ha­sche­ri­scher Wort­wahl noch mehr er­rei­chen zu kön­nen. Zu­nächst wird Mut­ter Te­re­sa als schein­hei­lig-heuch­le­risch ti­tu­liert (weil sie ei­ne an­de­re Mei­nung als er ver­tritt) und dann wer­den mensch­li­che Em­bry­os (Kaul­quap­pen) mit Kü­hen in ei­nem Schlacht­haus ver­gli­chen (letz­te­re wür­den bei der Schlach­tung mehr lei­den als Em­bry­os, wenn die­se vor Ent­wick­lung des Ner­ven­sy­stems ab­ge­trie­ben wür­den). Und über­haupt sei das an­thro­po­zen­tri­sche Welt­bild so­wie­so schäd­lich (er for­dert kei­ne Son­der­rech­te mehr für die mensch­li­che Spe­zi­es) und das pri­mi­ti­ve Schwarz-Weiss-Bild funk­tio­niert auch bei die­sem The­ma auf­grund der strikt se­lek­ti­ven Wahr­neh­mung wun­der­bar: Re­li­giö­se Ethi­ker dis­ku­tie­ren häu­fig über Fra­gen wie die, wann ein Em­bryo zu ei­ner Per­son wird, al­so zu ei­nem mensch­li­chen We­sen. Sä­ku­la­re Ethi­ker da­ge­gen fra­gen eher: »Ganz gleich, ob es ein Mensch ist (was be­deu­tet das bei ei­nem klei­nen Zell­hau­fen über­haupt?) – von wel­chem Ent­wick­lungs­sta­di­um an ist ein Em­bryo je­der be­lie­bi­gen Tier­art in der La­ge, zu lei­den?

Wer nicht für ihn ist, ist ge­gen ihn – wer sei­ne The­sen nicht über­nimmt, ist ein »Re­li­giö­ser« (Agno­sti­ker fin­den am An­fang des Bu­ches nur zö­gernd ei­nen ge­wis­sen Re­spekt; im Grun­de be­trach­tet er sie als Weich­ei­er). Und man stellt alt­be­kann­tes auch bei Daw­kins fest: Ei­ne Per­son be­stimmt ex ca­the­dra, wer der Ab­trün­ni­ge, der Hä­re­ti­ker ist, und wer der Ver­kün­der des neu­en, ethi­schen Zeit­gei­stes.

Wor­um es wirk­lich geht

Athe­isten ha­ben kei­nen Glau­ben po­stu­liert Daw­kins – und er­nennt flugs die na­tür­li­che Se­lek­ti­on, die un­sicht­ba­re Hand (Hand?) der Evo­lu­ti­on zur un­um­stöss­li­chen Tat­sa­che. Für Daw­kins ist das nicht bloss wis­sen­schaft­li­ches Axi­om, son­dern ein Fak­tum (vom Gö­del­schen Un­voll­stän­dig­keits­satz hat er schein­bar noch nie et­was ge­hört). Evo­lu­ti­on und re­li­giö­ser Glau­ben sind für ihn nicht ver­ein­bar. Da­mit be­gibt er sich in selt­sa­mer Über­ein­stim­mung mit den Krea­tio­ni­sten, die er so ve­he­ment be­kämpft. Und die­ser »Kampf« bil­det der wah­re Hin­ter­grund für die­ses Buch. Daw­kins zi­tiert den Ge­ne­ti­ker Jer­ry Coy­ne:

Für Wis­sen­schaft­ler wie Daw­kins und Wil­son [E. O. Wil­son, den be­rühm­ten Bio­lo­gen der Har­vard Uni­ver­si­ty] tobt der wah­re Krieg zwi­schen Ra­tio­na­lis­mus und Aber­glau­ben. Na­tur­wis­sen­schaft ist ei­ne Form des Ra­tio­na­lis­mus, und Re­li­gi­on ist die am wei­te­sten ver­brei­te­te Form des Aber­glau­bens. Der Krea­tio­nis­mus ist nur ein Sym­ptom des­sen, was sie als ih­ren grö­sse­ren Feind an­se­hen: die Re­li­gi­on. Zwar kann Re­li­gi­on oh­ne Krea­tio­nis­mus exi­stie­ren, aber ei­nen Krea­tio­nis­mus oh­ne Re­li­gi­on gibt es nicht.

(Her­vor­he­bung von mir)

»Der Got­tes­wahn« ist nur auf Ba­sis die­ses Zi­tats zu ver­ste­hen. Daw­kins sind die krea­tio­ni­sti­schen Um­trie­be in den USA, die auch im­mer mehr nach Eu­ro­pa über­schwappen, zu­tiefst zu­wi­der (in Deutsch­land wird das Phä­no­men, ob­wohl es er­ste An­zeichen gibt, noch weit­ge­hend un­ter­schätzt). In­dem Krea­tio­ni­sten (die ame­ri­ka­ni­schen Ta­li­ban) durch ihr dog­ma­ti­sches Be­haup­ten der Wört­lich­keit der Bi­bel ele­men­tar­ste na­tur­wis­sen­schaft­li­che For­schungs­er­geb­nis­se ad ab­sur­dum füh­ren und ei­ne ei­ge­ne, kru­de Mo­ral aus ih­rer Ex­ege­se schöp­fen, grei­fen sie das Pri­mat der Na­tur­wis­sen­schaf­ten an. Ver­mut­lich über­zie­hen sie Daw­kins’ »Le­bens­werk« mit ähn­lich un­flä­ti­gen Tex­ten, so dass sich die­ser zum Be­frei­ungs­schlag ge­nö­tigt sieht (Chri­sto­pher Hit­chens ist ein an­de­rer Prot­ago­nist die­ser ve­he­men­ten Re­li­gi­ons­kri­tik). Ein-, zwei­mal ver­beisst sich Daw­kins ge­ra­de­zu in Tex­ten des (krea­tio­ni­sti­schen) »Wacht­turms«, und man fragt sich, war­um ein Na­tur­wis­sen­schaft­ler sich in der­ar­ti­ge Nie­de­run­gen be­gibt. Statt sich in ein­zel­ne Formu­lierungen ei­ner Wo­chen- oder Mo­nats­schrift zu ver­lie­ren, hät­te viel­leicht ei­ne et­was detail­lierte Be­trach­tung der un­ter­schied­li­chen Be­we­gun­gen und ih­rer in­zwi­schen gesell­schafts­politischen Ver­strickun­gen gut ge­tan. Aber fei­nes Ar­gu­men­tie­ren und Aus­arbeiten ist Daw­kins’ Sa­che nicht; er ist ein Uhr­ma­cher, der mit Axt und Vor­schlag­ham­mer re­pa­rie­ren möch­te.

Che­mo­the­ra­pie ge­gen Krea­tio­ni­sten

Da die Re­li­gi­on ge­mäss obi­ger The­se die Ba­sis für krea­tio­ni­sti­sches Ge­dan­ken­gut dar­stellt, ist es Daw­kins we­der mög­lich, ei­ne Di­ver­si­fi­zie­rung von Re­li­gi­on und Got­tes­glau­ben vor­zu­neh­men, noch ei­ne Re­li­gi­ons­in­ter­pre­ta­ti­on in Be­tracht zu zie­hen, wel­che die Evo­lu­ti­ons­theo­rie in­kor­po­riert und ver­sucht, ei­ne Syn­the­se zwi­schen Na­tur­wis­sen­schaft und Glau­ben zu schaf­fen (Vor­rei­ter die­ses Stre­bens, wie den deut­schen Religions­philosophen Karl Rah­ner, hat er wohl nicht ge­le­sen).

Daw­kins kennt – und wie­der­um gibt es Ähn­lich­kei­ten zwi­schen ihm und den­je­ni­gen, die er be­kämpft – nur die Di­cho­to­mie »gut« oder »bö­se«. Krea­tio­ni­sten sind bö­se und – und hier­in liegt der zwei­te Grund für Daw­kins’ Er­re­gung – nicht nur dog­ma­ti­sche Bibel­interpreten, die sek­ten­ar­tig das Land mit fal­schen Leh­ren über­zie­hen. Sie stre­ben insbe­sondere – zu­sam­men mit den Evan­ge­li­ka­len – nach ge­sell­schaft­li­chem und poli­tischem Ein­fluss, ja: Macht. Daw­kins ist ein An­hän­ger des west­li­chen Uni­ver­sa­lis­mus und warnt in die­sem Zu­sam­men­hang vor ei­ner Zer­stö­rung des (de­mo­kra­ti­schen) Wer­tesystems un­ter an­de­rem durch falsch ver­stan­de­ne To­le­ranz den­je­ni­gen ge­gen­über, die das Fal­sche ver­brei­ten. Er nimmt da aus­drück­lich den Is­lam nicht aus, wo­bei sein Is­lam-­Bashing be­grenzt ist und im­mer im Kon­text mit dem ei­gent­li­chen Feind­bild, dem Chri­sten­tum, ge­se­hen wer­den muss (das Ju­den­tum wird nur mit zwei, drei despek­tierlichen Be­merkungen »be­dacht« [man ahnt, war­um]; Sci­en­to­lo­gy hält er ei­ner ein­zi­gen Bemer­kung für ei­ne Re­li­gi­on, die in­tel­li­gent ge­stal­tet sei – ei­ne Aus­nah­me, wie Daw­kins schreibt, oh­ne die­se Ein­las­sung zu prä­zi­sie­ren).

Vor die­sem Hin­ter­grund spielt sich die­ser Kul­tur­kampf ab: Daw­kins sieht die Ver­ei­nig­ten Staa­ten in die­ser Hin­sicht im fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um ei­ner Krebs­krank­heit. Sein Buch ist so­mit ei­ne The­ra­pie, in der dann auch Ne­ben­wir­kun­gen in Kauf zu neh­men sind (in dem man bei­spiels­wei­se den ge­sam­ten ge­mä­ssig­ten oder gar pro­gres­si­ven Kle­rus ver­prellt). Und um Eu­ro­pa (und sein Hei­mat­land Gross­bri­tan­ni­en) hier­vor zu be­schüt­zen, ver­ord­net er ei­ne ra­di­ka­le, neoad­ju­van­te Che­mo­the­ra­pie. Man sieht in der Fer­ne den mo­ra­li­schen Im­pe­tus und den gu­ten Wil­len (den hat­ten die Ja­ko­bi­ner si­cher­lich auch am An­fang) – aber viel Wohl­wol­len zer­stört Daw­kins durch sei­nen ab­sto­ssen­den Ri­go­ris­mus.

Es grüsst ein wü­ten­der An­ti­christ, der un­fä­hig ist, bei­spiels­wei­se ei­ne Syn­the­se zwi­schen den fei­nen Denk­struk­tu­ren des Exi­sten­tia­lis­mus und der von ihm als Ge­gen­bild po­stu­lier­ten Na­tur­wis­sen­schaft fort­zu­schrei­ben. (Wes­halb ich den Exi­sten­tia­lis­mus im­mer vor­zie­he.) Ein un­be­ding­ter Recht­ha­ber, der kei­nen Ta­bu­bruch scheut, um Aufmerk­samkeit zu er­hei­schen; ein Zwangs­pro­vo­ka­teur. Die Ver­wun­de­rung über die Vor­wür­fe sei­ner schril­len Spra­che im Nach­wort klingt da­bei wie Heu­che­lei. Von »nüch­ter­nem Nach­den­ken«, wel­ches er sich sel­ber at­te­stiert, ist er mei­len­weit ent­fernt.

Hun­de­na­sen und die Schön­heit von Schrö­din­gers Kat­ze

Daw­kins ent­wickelt kei­ne neue Ideo­lo­gie als Re­li­gi­ons­sur­ro­gat. Ein­mal zi­tiert er ir­gend­wel­che neu­en zehn Ge­bo­te (das 10. Ge­bot lau­tet: Stel­le al­les in­fra­ge) – und gibt we­nig spä­ter zu, nur den er­sten Goog­le­tref­fer wie­der­ge­ge­ben zu ha­ben; es hät­te enorm vie­le, an­de­re »An­ge­bo­te« ge­ge­ben. Ihm reicht ei­gent­lich die Schön­heit der Natur­wissenschaft als Er­satz für das re­li­giö­se Den­ken. Sei­ne Be­keh­rung hin zu die­sem Den­ken fal­len eher un­ge­lenk aus. Da wird die Schön­heit des Mo­dells von Schrö­din­gers Kat­ze und der »Vie­le-Wel­ten-Theo­rie« po­stu­liert oder das Ge­ruchs­ver­mö­gen von Hun­den ge­prie­sen. Oder man könn­te mal »Per An­hal­ter durch die Ga­la­xis« le­sen. Und na­tür­lich die Be­schwörung der be­wusst­seins­er­wei­tern­den na­tür­li­chen Se­lek­ti­on (wo­bei Daw­kins viel­leicht ei­ni­gen Irr­tü­mern in der In­ter­pre­ta­ti­on Dar­wins auf­sitzt). Und ob­schon für Daw­kins Re­li­gi­on und Re­li­gi­ons­ge­füh­le nur evo­lu­tio­nä­re Ne­ben­pro­duk­te dar­stel­len, die als re­li­giö­se Ide­en über­le­ben, weil sie sich mit an­de­ren Me­men ver­tra­gen (Me­me sind Daw­kins Er­fin­dung – es sind, ver­ein­facht ge­sagt, kul­tu­rel­le Ver­hal­tens­wei­sen, ana­log zum Gen, al­ler­dings nicht stoff­li­cher Na­tur) und in Mem­ple­xen, al­so ei­nem ima­gi­nä­ren Korb kul­tu­rel­ler Tra­die­run­gen, Über­re­ste dar­stel­len (die­se Hy­po­the­se über­zeugt nicht rich­tig), scheint er zu ah­nen, dass sei­ne Ge­gen­wel­ten we­nig at­trak­tiv sind, denn hier er­mat­tet sein einst so ve­he­men­ter Fu­ror.

Die At­trak­ti­viät re­li­giö­ser Struk­tu­ren

Bei al­ler Kri­tik an sei­ner Spra­che und der un­re­flek­tier­ten Hin­ga­be na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Er­klä­rungs­ver­su­chen ge­gen­über – zwei we­sent­li­che Grün­de für das schein­bar unver­tilgbare Ver­lan­gen vie­ler Men­schen nach Tran­szen­den­ta­lem hat Daw­kins schlicht­weg ver­ges­sen: Zum ei­nen sind Re­li­gio­nen Ge­mein­schafts­stif­ter, und zwar not­falls über al­le phy­si­schen Gren­zen hin­weg (zwei­fel­los mit der Ge­fahr, auch aus­gren­zend zu wir­ken). Ein wich­ti­ger Punkt, der sich im Chri­sten­tum in der »Ge­mein­de« zeigt, oder im Is­lam in der »Um­ma«, die über das re­li­giö­se hin­aus auch so­zia­le Funk­tio­nen über­nimmt. In die­ser Ge­mein­schaft wird – un­ter an­de­rem, aber im­mer ir­gend­wie prä­sent – die Unge­heuerlichkeit der To­de­s­tat­sa­che auf­ge­ar­bei­tet: Die Gläu­bi­gen wol­len sich nicht mit dem ge­borg­ten Da­sein ab­fin­den. Man mag das Le­bens als zweck­los be­zeich­nen – und dies mag ja durch­aus rich­tig sein (wer ver­mag es zu sa­gen?) -, aber die­se Per­spek­ti­ve ist of­fen­sicht­lich für vie­le Men­schen nicht be­son­ders ver­lockend.

Der an­de­re Punkt, der in Daw­kins Theo­rie­ge­rüst kei­nen Ein­gang ge­fun­den hat, und der die welt­wei­te Zu­nah­me nach re­li­giö­sem Über­bau teil­wei­se er­klärt, liegt in der zu­neh­men­den Ver­un­si­che­rung, wel­che die plu­ra­li­stisch-ka­pi­ta­li­sti­sche Welt bie­tet. Vie­le seh­nen sich ei­ner­seits nach Frei­heit und Glück – aber er­fah­ren schnell, dass die Glücks­ver­spre­chen (ma­te­ri­el­ler und ide­el­ler Na­tur) schwie­rig zu er­rei­chen sind. Par­al­lel hier­zu emp­fin­den vie­le ei­nen dif­fu­sen, von der Mas­se er­zeug­ten Druck, die­se Glücks­ver­spre­chen er­fül­len zu müs­sen. Sie se­hen sich in ei­nem Kon­for­mi­täts­zwang, der aber – bei Ein­hal­tung der Nor­men – letzt­lich trotz­dem über­haupt kein Si­cher­heits­netz bie­tet; im Ge­gen­teil: man stei­gert u. U. die Ab­hän­gig­keit fremd­be­stimm­ter Ent­schei­dun­gen, denn nichts ist mehr si­cher.

In die­ser, von vie­len als va­ge Be­dro­hung emp­fun­de­nen Si­tua­ti­on, wächst nicht nur der Hang zu hier­ar­chi­schen po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen (die »ein­fa­che« Lö­sun­gen an­bie­ten), son­dern auch die Be­reit­schaft sich mit ei­nem ir­gend­wie ge­ar­te­ten tran­szen­den­ta­len Netz zu um­ge­ben, an das bei­spiels­wei­se grund­le­gen­de »Ent­schei­dun­gen« oder so­gar das Schei­tern de­le­giert wer­den kön­nen. Das ist ein Grund, der für den im­mer noch stei­gen­den Zu­lauf hin zur Eso­te­rik oder Sek­ten (im west­li­chen Kul­tur­raum) oder ei­ne der »gro­ssen« Re­li­gio­nen führt (ins­be­son­de­re des Is­lam). Hier ist in de Re­gel ei­ne ein­fa­che, grad­li­ni­ge Struk­tur, die vor der Kom­ple­xi­tät der Au­ssen­welt schützt oder min­de­stens Ant­wor­ten gibt. Und hier greift wie­der der obi­ge Punkt: Statt lau­ter in­di­vi­dua­li­sier­te Kon­for­mi­sten (nur schein­bar ein Wi­der­spruch), die ei­nem ima­gi­nä­ren und un­si­che­ren Glück hinter­herjagen, bringt man sich ein in ei­ne Ge­mein­schaft, die ein­deu­ti­ge Pa­ra­dig­men po­stu­liert und kla­re Zie­le hat. Re­li­gi­on als Re­ak­ti­on wi­der die zu­neh­mend emp­fun­de­ne Kom­ple­xi­tät der glo­ba­li­sier­ten und »un­si­che­rer« ge­wor­de­nen Welt (zu be­ob­ach­ten ins­be­son­de­re am »Boom« nach dem Zu­sam­men­bruch des Kom­mu­nis­mus in den ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten).

Man mag dies ver­ur­tei­len oder die Men­schen, die so re­agie­ren, be­schimp­fen, in dem man sie für dumm er­klärt. Aber ge­löst hat man das Pro­blem da­mit nicht.


Al­le kur­siv ge­druck­ten Pas­sa­gen sind Ori­gi­nal-Zi­ta­te aus dem Buch »Der Got­tes­wahn«
Dieser Beitrag wurde unter Religion abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Permalink zum Artikel

56 Kommentare zu »Ri­chard Daw­kins: Der Got­tes­wahn«:

  1. Daw­kins nicht wis­sen­schaft­lich
    Ich kom­me ge­ra­de von ei­ner in­ter­na­tio­na­len Ta­gung zu­rück, in der Wis­sen­schaft­ler ver­schie­den­ster Fach­rich­tun­gen und auch Glau­bens­hal­tun­gen auf Ba­sis em­pi­ri­scher Da­ten und dem Stand der Evo­lu­ti­ons­for­schung die Evo­lu­ti­on der Re­li­gio­si­tät (die »Bio­lo­gy of Faith«) dis­ku­tiert ha­ben. Daw­kins wur­de und wird von kaum ei­nem se­riö­sen Wis­sen­schaft­ler ernst ge­nom­men, da schon sei­ne Grund­an­nah­men un­re­flek­tiert sind und sei­ne »Meme­tik« seit zwei Jahr­zehn­ten kei­ne kla­ren De­fi­ni­tio­nen, kei­ne em­pi­ri­schen Stu­di­en, da­für aber ei­ne Un­men­ge Wi­der­sprü­che auf­zu­wei­sen hat.

    Den­noch se­he ich den »Got­tes­wahn« nicht nur als po­le­mi­sches Mach­werk, son­dern auch als ei­ne Er­mu­ti­gung für se­riö­se For­schung an. Daw­kins stellt ra­di­ka­le Fra­gen und er­mu­tigt so end­lich auch un­se­re gei­stes-, kul­tur- und so­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tä­ten, sich dem Dia­log mit den Na­tur­wis­sen­schaf­ten und be­son­ders der Evo­lu­ti­ons­theo­rie zu stel­len. Nur weil selbst in ge­bil­de­ten Krei­sen nicht klar ist, was Evo­lu­ti­on ei­gent­lich be­deu­tet, kann Daw­kins sei­ne Welt­an­schau­ung als Wis­sen­schaft ver­mark­ten.

    Dan­ke für die Re­zen­si­on, die ich von mei­nem Blog aus ver­lin­ken wer­de!

    #1

  2. steppenhund sagt:

    Aus der Re­zen­si­on „,
    ent­neh­me ich, dass Daw­kins sich zu­min­dest nicht wis­sen­schaft­lich aus­drücken kann. Aber es könn­te sein, dass er be­wusst über­treibt, weil er sonst in der heu­ti­gen Zeit kei­ne Denk­rich­tung be­ein­flus­sen kann.
    Ich per­sön­lich hal­te das mei­ste für ei­nen Schmarr’n (Die Aus­sa­gen, nicht die Re­zen­si­on) und trö­ste mich da­mit, dass ich den gest­ri­gen IQ-Test mit bra­vour be­stan­den ha­be.
    Jetzt sol­len halt ein­mal ein paar Athe­isten kom­men und be­wei­sen, dass sie klü­ger sind.
    Ihr Kin­der­lein kom­met, oh kom­met doch all!

    #2

  3. Na­ja,
    Daw­kins ist schon ein ganz be­son­de­res Ka­li­ber, wie man auch hier se­hen kann (das liegt aber schon ein biss­chen zu­rück). Das kommt mir dann fast schon pa­ra­no­id vor.

    #3

  4. Peter sagt:

    Ja, Daw­kins ist ein Ge­trie­be­ner sei­ner Über­zeu­gun­gen. Wer The Blind Watch­ma­ker ge­le­sen hat­te, be­kam schon ei­ne Ah­nung wie hilf­los sich der Mann als Ge­gen­über der Krea­tio­ni­sten fühl­te, je­de Sou­ve­rä­ni­tät op­fer­te, um ei­nen Stich zu ma­chen. Der Mann ist si­cher nicht dumm, die Mo­ti­ve sind ver­mut­lich lau­ter. Aber ir­gend­wann hat er den rech­ten Pfad ver­las­sen. Er­in­nert dies an et­was?

    Ei­ne er­ste Vor­schau auf »The God De­lu­si­on« konn­te man schon im Ja­nu­ar 2006 in der Do­ku­men­ta­ti­on »The Root Of All Evil« be­kom­men, die im bri­ti­schen Pri­vat­fern­se­hen(!) lief. Die bei­den Tei­le kann man hier und hier se­hen (über Keep­vid kann man sich auch ei­ne qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ver­si­on down­loa­den). Die Bil­der sind ein­drück­lich, Daw­kins do­ziert fast pa­sto­ral und sei­ne In­ten­tio­nen wer­den sehr deut­lich. Das ist al­les nicht sehr wiss­ent­schaft­lich. Aber, wie denn auch bei dem The­ma? Al­les an­de­re als Agno­stik ist seit Kant ob­jek­tiv halt­los, der Rest nicht be­weis­ba­re Ver­mu­tung.

    Dei­ne Kri­tik ist sehr dra­stisch. Ver­mut­lich auch zu Recht, weil Daw­kins die Ge­pflo­gen­hei­ten des Dis­kur­ses igno­riert.

    Ein paar An­mer­kun­gen:

    • Mit dem Buch hat Daw­kins den Evan­ge­li­ka­len in den USA den Kampf an­ge­sagt, ist ganz kon­se­quent mit vie­len Le­sun­gen in den USA prä­sent. Das ist zu­min­dest mu­tig, wenn nicht selbst­mör­de­risch. Das dort nicht Flo­rett ge­foch­ten wird, soll­te klar sein.
    • Die re­li­gö­se In­dok­tri­na­ti­on von Kin­dern macht Daw­kins in In­ter­views ger­ne an dem Film Je­sus Camp fest (Ei­nen Trai­ler gibt es hier). Ei­ner der Prot­ago­ni­sten ist Ted Hag­gard; man er­in­nert sich? Die Wi­der­wär­tig­keit der Bil­der ist tat­säch­lich un­be­schreib­lich.
    • Bei dem The­ma Mut­ter Te­re­sa könn­te ich zum Daw­kins wer­den. Man hat si­cher­lich Quel­len, de­nen man eher traut als an­de­ren. Ich glau­be aber, die Be­haup­tung, dass Mut­ter Te­re­sa schein­hei­lig-heuch­le­risch sei, ist nicht ganz halt­los. Sie­he z.B. hier.
    • Das The­ma Krea­tio­nis­mus in Deutsch­land ist auch mei­ner Mei­nung nach weit­ge­hend un­ter­schätzt. Sie­he, nach den Althaus’schen Ka­prio­len, die letz­ten Ein­las­sun­gen der hes­si­schen Kul­tus­mi­ni­ste­rin Ka­rin Wolf.

    #4

  5. walhalladada sagt:

    Daw­kins ist ein ‘Ei­fe­rer’. Das zeigt zu­nächst mal die pre­kä­re Nä­he zum Ob­jekt.
    Wenn das Ob­jekt die Re­li­gi­on’ ist, dann ist Daw­kins ein an­ge­mes­sen fla­cher Nietz­sche.
    Dar­an hat auch die For­schung nichts än­dern kön­nen. Die Ar­gu­men­te stam­men aus dem glei­chen Näh­käst­chen...

    #5

  6. #4 Pe­ter
    Dass es ei­gent­lich um die Evan­ge­li­ka­len / Krea­tio­ni­sten geht, ist für mich ein­deu­tig. Und na­tür­lich ist das The­ma ID in Deutsch­land ziem­lich un­be­kannt (ein Link in mei­ner Be­spre­chung ist im­mer­hin von 2005 – man kann es al­so schon fin­den, wenn man will, ins­be­son­de­re in Thü­rin­gen und Hes­sen – wie von Dir er­wähnt).

    Ob­wohl ich in die­ser Hin­sicht sein Ziel als durch­aus eh­ren­wert an­se­he, schiesst er je­doch bei wei­tem hin­aus. Die Re­li­gi­on greift er an, weil sie Be­stand­teil des krea­tio­ni­sti­schen Welt­bilds ist. Er will das Pro­blem qua­si an den Wur­zeln be­kämp­fen. Da­mit igno­riert er je­doch, dass es sehr wohl Theo­lo­gen gibt (und zwar wich­ti­ge), die die na­tur­wis­sen­schaft­li­che Sicht mit ih­rer Bi­bel­aus­le­gung (die si­cher­lich auch und ge­ra­de im in­sti­tu­tio­na­li­sier­ten Ka­tho­li­zis­mus ziem­lich re­form­be­dürf­tig ist) in Über­ein­stim­mung brin­gen.

    Was ihm voll­kom­men fehlt ist ei­ne Sou­ve­rä­ni­tät, mit der er die evo­lu­tio­nä­re Welt­sicht (bei al­len Fra­gen und Un­ge­reimt­hei­ten) ein­fach ent­wickelt und ver­tritt. Statt­des­sen wählt er den ein­fa­che­ren Weg, in dem er al­le, die re­li­gi­ös sind, als dumm und gei­stes­krank be­schimpft. Wenn die an­de­ren her­um­pö­beln, ist es ein Zei­chen man­geln­der Klas­se, sel­ber mit­zu­ma­chen (wohl­ge­merkt: nicht viel­leicht ein-, zwei­mal zu ent­glei­sen).

    Hag­gard er­wähnt er im Buch. Er sagt aber nie de­zi­diert, die re­li­giö­se In­dok­tri­na­ti­on von Kin­dern wie Heg­gard das macht ist falsch. Er ge­ne­ra­li­siert so­fort und gei­sselt je­de re­li­giö­se Er­zie­hung als In­dok­tri­na­ti­on (auch hier sagt er rich­ti­ges, was bspw. den Re­li­gi­ons­un­ter­richt an­geht, aber das geht im Meer der Wut schlicht­weg un­ter). Ge­ra­de hier könn­te man – wenn man sei­ner Li­nie fol­gert – auch sa­gen, dass der ra­di­ka­le Athe­is­mus und die Er­zie­hung hier­zu nichts an­de­res als ei­ne »re­li­giö­se In­dok­tri­na­ti­on« ist – al­ler­dings in die an­de­re Rich­tung.

    Dan­ke für die Links.


    PS: Mir ist ge­ra­de beim noch­ma­li­gen Le­sen Dei­nes Kom­men­tars ein At­tri­but auf­ge­fal­len: Du schreibst über den Ein­druck, wie »hilf­los« sich Daw­kins den Krea­tio­ni­sten ge­gen­über fühlt. Ge­nau das ist es wohl. Ich fra­ge mich aber, war­um er sich hilf­los fühlt?

    Speist sich die­ses Ge­fühl der Hilf­lo­sig­keit nicht auch aus ei­nem Un­ver­ständ­nis fun­da­men­ta­li­sti­scher Über­zeu­gun­gen ge­gen­über, die kei­ner­lei ra­tio­na­les Ge­gen­ar­gu­ment zu­las­sen?

    #6

  7. #5 wal­hal­l­a­da­da
    Ich ha­be lan­ge über­legt, die For­mu­lie­rung des An­ti­chri­sten hin­ein­zu­brin­gen. Sei­en Sie ge­wiss: Mit Nietz­sche hat Daw­kins nichts ge­mein. Und schon gar nicht das schrift­stel­le­risch-apho­ri­sti­sche.

    Nietz­sche hät­te Daw­kins’ Athe­is­mus si­cher­lich auch mit gro­sser Skep­sis be­trach­tet.

    #7

  8. Peter sagt:

    #6
    PS: Mir ist ge­ra­de beim noch­ma­li­gen Le­sen Dei­nes Kom­men­tars ein At­tri­but auf­ge­fal­len: Du schreibst über den Ein­druck, wie »hilf­los« sich Daw­kins den Krea­tio­ni­sten ge­gen­über fühlt. Ge­nau das ist es wohl. Ich fra­ge mich aber, war­um er sich hilf­los fühlt?

    Speist sich die­ses Ge­fühl der Hilf­lo­sig­keit nicht auch aus ei­nem Un­ver­ständ­nis fun­da­men­ta­li­sti­scher Über­zeu­gun­gen ge­gen­über, die kei­ner­lei ra­tio­na­les Ge­gen­ar­gu­ment zu­las­sen?

    So wird es sein. Ich den­ke, es war ei­ne Ent­wick­lung und die wil­den Rund­um­schlä­ge wie du sie zi­tierst, sind ein Stil, den ich bis­her nicht von ihm kann­te.
    Daw­kins hat seit zwan­zig Jah­ren ar­gu­men­tiert und ist nur in in­ter­es­sier­ten Krei­sen be­kannt ge­wor­den und jetzt haut er rich­tig auf den Putz und hat fast ei­nen me­dia­len Hype aus­ge­löst. Ob das Ab­sicht war, kann ich nicht be­ur­tei­len.

    Ei­ne an­de­re Fra­ge, die sich mir stellt, ist, ob Evo­lu­ti­ons­theo­rie und christ­li­cher Glau­be tat­säch­lich ver­ein­bar sind? Woll­te man im Chri­sten­tum die Al­lein­stel­lung des Men­schen auf­ge­ben, wie es die ET ver­langt, was blie­be dann üb­rig?

    Ein letz­ter Punkt: Zwei­mal hat­test du mo­niert, dass Daw­kins deut­sche Au­toren nicht kennt. Auch wenn Rah­ner und Küng hier­zu­lan­de ei­ne ge­wis­se Be­deu­tung ha­ben, im an­glo­ame­ri­ka­ni­schen Raum sind die­se Au­toren schlicht egal. Mehr­fach ha­be ich in der Ver­gan­gen­heit Bü­cher ge­le­sen, in de­nen The­sen po­stu­liert wur­den, die hier schon vor zwan­zig, drei­ßig Jah­ren pu­bli­ziert wur­den. Wir soll­ten uns dar­an ge­wöh­nen.

    #8

  9. walhalladada sagt:

    #7 – Um Got­tes Wil­len!
    Ich woll­te auch kei­nen Ver­gleich na­he­le­gen!
    Nietz­sche spielt si­cher in der Ober­li­ga,
    wäh­rend Daw­kins bloß ei­nen ‘soc­cer’ ab­gibt:)
    Der So­phist Prot­ago­ras er­klär­te sei­nen agno­sti­schen Stand­punkt im 5. Jahr­hun­dert v. Chr. mit den Wor­ten:
    „Von den Göt­tern weiß ich nichts, we­der dass es sol­che gibt, noch dass es kei­ne gibt.“

    #9

  10. #8 Pe­ter
    Sor­ry, aber ge­nau dar­an wer­de und will ich mich nicht ge­nau nicht ge­wöh­nen. Wenn Au­toren The­sen auf­stel­len, sol­len sie sich un­fas­send kun­dig ma­chen und nicht die se­lek­ti­ve Wahr­neh­mung, die sie an­de­ren vor­wer­fen, sel­ber prak­ti­zie­ren.

    Ob ET und Chri­sten­tum ver­ein­bar sind, weiss ich nicht. Tat­sa­che ist, dass die mo­no­the­isti­schen Re­li­gi­ons­bü­cher in den letz­ten 200 Jah­ren durch die Na­tur­wis­sen­schaf­ten arg zer­rupft wur­den. Wört­li­che Aus­le­gung ist m. E. nicht mehr halt­bar, oh­ne sich der Lä­cher­lich­keit preis­zu­ge­ben (das macht der Va­ti­kan ja zur Ge­nü­ge; aber auch die an­de­ren Re­li­gio­nen). Ob ei­ne Syn­the­se der un­ter­schied­li­chen Sy­ste­me mög­lich ist, oh­ne es­sen­ti­el­le Glau­bens­sät­ze auf­ge­ben zu müs­sen, wä­re doch ei­gent­lich DIE Auf­ga­be für die Hü­ter der »Glau­bens­wahr­hei­ten«. Das ist das, was Herr Blu­me im er­sten Kom­men­tar hier als wich­ti­gen Dis­kus­si­ons­an­stoss sieht. In der Tat könn­te da was los­ge­sto­ssen wer­den, aber ich fürch­te, die Schrill­heit und Ag­gres­si­on Daw­kins’ ist da ge­nau kon­tra­pro­duk­tiv.

    Im üb­ri­gen bleibt – bei al­ler axio­ma­ti­schen Plau­si­bi­li­tät – auch die Evo­lu­ti­ons­theo­rie ei­ne Theo­rie.

    #10

  11. Köppnick sagt:

    Daw­kins Denk­feh­ler

    Dawkins Skizze

    Un­ab­hän­gig von vie­len Schwä­chen im De­tail scheint Daw­kins ei­nen prin­zi­pi­el­len Denk­feh­ler zu ma­chen, sie­he da­zu die Skiz­ze.

    Athe­is­mus um­fasst le­dig­lich die An­nah­me, für das, was wir Wirk­lich­keit nen­nen, exi­stie­re kei­ne Ur­sa­che oder, wenn es ei­ne de­ter­mi­nier­te (not­wen­di­ge) gä­be, dann we­nig­stens ei­ne un­be­wuss­te, d.h. aper­so­na­le. Und Glau­ben wie­der­um will Daw­kins auf die An­nah­me ei­nes per­so­na­li­sier­ten Got­tes re­du­zie­ren, der den Men­schen wohl­wol­lend ge­gen­über steht, ent­we­der im­mer oder an die Ein­hal­tung ge­wis­ser Ver­hal­tens­vor­schrif­ten ge­bun­den.

    Man kann aber auch an­neh­men, dass es ei­nen ent­we­der gleich­gül­ti­gen, heu­te to­ten oder zu­min­dest ge­gen­wär­tig ab­we­sen­den „Schöp­fer“ der Wirk­lich­keit gibt. Das ist auch Glau­ben, aber au­ßer­halb al­ler heu­ti­gen Re­li­gio­nen, ih­rer My­then und Ri­ten ste­hend. Und die Wis­sen­schaft wä­re schön dumm, wenn sie die Su­che nach ei­ner sol­chen be­wuss­ten Ur­sa­che nicht füh­ren wür­de. Si­cher­lich gibt es noch sehr viel mehr Mög­lich­kei­ten, zu dif­fe­ren­zie­ren oder zu va­ri­ie­ren, aber al­lein das reicht ja schon, um Daw­kins Ent­we­der-Oder-Ar­gu­men­ta­ti­on als feh­ler­haft zu ent­lar­ven. Es gilt eben nicht der Satz vom aus­ge­schlos­se­nen Drit­ten, wenn es mehr als zwei ein­an­der ein­fach aus­schlie­ßen­de Mög­lich­kei­ten gibt.

    #11

  12. Ei­ne »neue« Ideo­lo­gie?
    Der Athe­is­mus, wie auch der The­is­mus be­nö­ti­gen not­wen­di­ger Wei­se den Glau­ben. Nur der Agno­sti­ker ist sich be­wusst, dass er die Exi­stenz Got­tes nicht er­ken­nen kann. Er ist der ein­zi­ge der mit mög­lichst we­ni­gen zu­sätz­li­chen An­nah­men aus­kom­men will bzw. muss. Er ist es, der den mei­sten Mut be­nö­tigt, und si­cher al­les an­de­re als ein »Weich­ei«.

    Im Grun­de gibt es nur zwei Mög­lich­kei­ten: wir stif­ten ei­nen Sinn­zu­sam­men­hang, und brau­chen da­zu Prä­mis­sen die wir nicht be­wei­sen oder wi­der­le­gen kön­nen, und da­her glau­ben müs­sen, oder wir ak­zep­tie­ren die Sinn­lo­sig­keit die­ser Welt, ih­re Käl­te und Be­deu­tungs­lo­sig­keit (die al­ler­mei­sten von uns be­frei­en sich da­von wohl un­be­wusst). Letz­te­res ist nicht un­be­digt ein­fach zu (er)tragen, das hat im­mer wie­der den Sieg der Re­li­gio­nen, und an­de­rer ideo­lo­gi­scher Sy­ste­me und Ide­en aus­ge­macht. Auch aus dem Evo­lu­tio­nis­mus (Na­tu­ra­lis­mus) kann (un­ge­wollt?) eben­so ein sol­ches Sy­stem ent­ste­hen (sie­he hier).

    Ich fra­ge mich – in Un­kenn­tis des Daw­kins­schen Wer­kes – ob er sich des­sen be­wusst ist, er viel­leicht ein Sy­stem schafft (mit er­schafft), das er am En­de selbst be­kämp­fen müss­te?

    #12

  13. #12 Me­tep­si­lo­n­e­ma
    Über den Bio­lo­gis­mus gab es bei die­sem Bei­trag ei­ni­ge in­ter­es­san­te Kom­men­ta­re.

    Wenn ich schrei­be, dass er kei­ne neue Ideo­lo­gie ent­wickelt, so mei­ne ich, dass er nichts Neu­es po­stu­liert – au­sser ei­nen Re­kurs auf die »gän­gi­gen« Na­tur­wis­sen­schaf­ten (= Evo­lu­ti­ons­leh­re). In­di­rekt hast Du na­tür­lich Recht: Die von ihm stark un­ter­stütz­te »Brights«-Bewegung ist ja so et­was wie ei­ne »athe­isti­sche Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft«. Es gibt da ein Fo­rum, in dem in frap­pie­ren­der Wei­se die Nicht-Re­li­gi­on ver­ab­so­lu­tiert wird – und durch­aus to­ta­li­tä­re Zü­ge ent­wickelt (ähn­lich bspw. wie heu­te im fun­da­men­ta­li­sti­schen Chri­sten­tum und Is­lam).

    Da er die Evo­lu­ti­ons­leh­re als ab­so­lu­te Wahr­heit setzt, schafft er auch kein Sy­stem in dem Sin­ne, was zu be­kämp­fen ist. Um sich vom Vor­wurf des Fun­da­men­ta­lis­mus ab­zu­gren­zen schreibt er ein­mal, dass, wenn man ihm be­wei­se, dass die Evo­lu­ti­ons­leh­re falsch sei, er auch so­fort von ihr »ab­schwö­ren« wür­de (mein Wort; ich ha­be das Buch im Mo­ment nicht zur Hand, zi­tie­re da­her aus dem Kopf und von No­ti­zen).

    Das mit den Weich­ei­ern des Agno­sti­zis­mus geht da­hin­ge­hend, dass er na­tür­lich sei­nem di­cho­to­mi­schen Welt­bild ge­schul­det ir­gend­wann nur schwarz oder weiss gel­ten lässt; al­les an­de­re ist dann für ihn ein Hin­weg­steh­len. Ei­nen klei­nen Kom­pro­miss macht er, wo er Kants Got­te­s­idee »durch­ge­hen« lässt die­sen Agno­sti­zis­mus of­fen­bar »ak­zep­tiert«. Da hat Im­ma­nu­el aber noch mal Glück ge­habt!

    Will­kom­men hier! Hof­fe auf mehr Re­ak­tio­nen von Dir.

    #13

  14. #11 Köpp­nick
    Ich glau­be, Daw­kins’ Den­ken in be­zug auf Re­li­gi­on ist nicht der­art kom­plex, wie Du es hier aus­brei­test. In Wirk­lich­keit be­schäf­tigt er sich über­haupt nicht mit »Re­li­gi­ons­kri­tik«. Das wür­de ja ei­ne ge­wis­se Aus­ein­an­der­set­zung im­pli­zie­ren – das ist aber nicht sei­ne Sa­che (und wür­de sich si­cher­lich auch nicht so gut ver­kau­fen).

    Auf den »ab­we­sen­den Schöp­fer« geht er zwar kurz ein, aber mit dem Dik­tum, dass es kein We­sen au­sser­halb der Evo­lu­ti­on ge­ben kann, sug­ge­riert er, dass es auch nie­mals ei­nes ge­ge­ben ha­ben könn­te. Daw­kins ist in sei­nen ein­fa­chen Ge­dan­ken­ge­bäu­den den Re­li­gi­ons­a­po­lo­ge­ten nicht un­ähn­lich.

    #14

  15. The­is­mus – Athe­is­mus
    Soll­ten wir die Be­grif­fe nicht en­ger fas­sen bzw. an­ders de­fi­nie­ren?

    Un­ter Athe­is­mus ver­stün­de ich le­dig­lich den Glau­ben an die Nicht­exi­stenz ei­ner per­so­na­li­sier­ten, all­mäch­ti­gen Ur­sa­che, ei­nes an­thro­po­mor­phen Got­tes, der fä­hig ist in den Lauf des Uni­ver­sums (der Welt) ein­zu­grei­fen – al­le an­de­ren Ur­sa­chen kann man un­ter dem Be­griff De­is­mus zu­sam­men­fas­sen z.B. ei­nen Schöp­fer­gott der sich aus sei­ner Schöp­fung zu­rück­ge­zo­gen hat, ei­nen »Ver­nuft­gott«, even­tu­ell den ari­sto­te­li­schen un­be­weg­ten Be­we­ger etc.

    Der The­is­mus wä­re dann na­tür­lich der Glau­be an eben die­sen ver­mensch­lich­ten, all­mäch­ti­gen Gott.

    #15

  16. @Metepsilonema
    Der De­is­mus der Auf­klä­rung fin­det vor Daw­kins wenn nicht Gna­de, so Mil­de. Was na­tür­lich mei­ne The­se be­stä­tigt, dass es sein An­ti-The­is­mus mit Re­li­gi­on nur da­hin­ge­hend zu tun hat, weil die­se die Ba­sis für das stellt, was er zu be­kämp­fen trach­tet.

    #16

  17. Peter sagt:

    Mir kam es di­rekt merk­wür­dig vor und ha­be noch­mal nach­ge­se­hen. Dein Ein­druck, dass Daw­kins Agno­sti­ker als Weich­ei­er an­sieht, trügt, da er sich selbst aus­drück­lich als Agno­sti­ker be­zeich­net. Er sagt wört­lich, dass er kein Athe­ist sei.

    #17

  18. Ich ha­be das Buch
    im Mo­ment nicht zur Hand aber der Be­griff »Weich­ei« fällt in Ver­bin­dung mit Agno­sti­zis­mus durch­aus. Er un­ter­schei­det zwei ver­schie­de­ne Ar­ten von Agno­sti­kern – VPA »vor­über­ge­hend prag­ma­tisch« und PPA »prin­zi­pi­ell per­ma­nent«. Da bei ei­nem Agno­sti­ker im­mer die Mög­lich­keit der Exi­stenz ei­nes Got­tes be­steht, lehnt das ziem­lich ein­deu­tig ab. – Spä­te­stens nach dem Ka­pi­tel, wo er be­wei­sen will, dass Gott »ver­mut­lich« nicht exi­stiert.

    Wie ge­sagt, ich ha­be das Buch im Mo­ment nicht zur Hand, wüss­te aber ger­ne, wo er sich dort de­zi­diert als Agno­sti­ker outet (oh­ne die Ebe­ne des wis­sen­schaft­li­chen Ago­ni­sti­zis­mus zu ver­las­sen) oder sich so­gar als Nicht-Athe­ist be­zeich­net.

    Üb­ri­gens: Die Wi­ki­pe­dia-Ar­ti­kel zum The­ma sind nicht be­son­ders aus­sa­ge­fä­hig. In ei­nem Ar­ti­kel wird Daw­kins tat­säch­lich als Agno­sti­ker ge­führt – im Daw­kins-Ar­ti­kel sel­ber als »be­ken­nen­der Athe­ist«. Auch wenn die Daw­kins-Sei­te skep­ti­schen Stim­men ge­gen­über nicht auf­ge­schlos­sen ist und al­les wie­der löscht, was das Denk­mal an­krat­zen könn­te – ich glau­be (sic!), hier ha­ben sie recht.

    #18

  19. Peter sagt:

    Ich bit­te die Quel­le zu ent­schul­di­gen. In ei­nem War­te­zim­mer stol­per­te ich heu­te über das Stern-In­ter­view mit Daw­kins, wo er dies ex­pli­zit so sagt. Im Netz fin­det man noch ei­ni­ge In­ter­views, wo er die­se Hal­tung de­di­ziert ein­nimmt. Lei­der do­mi­niert die ak­tu­el­le Hype die er­sten Goog­le-Sei­ten, so dass die äl­te­ren Tref­fer un­ter­ge­hen.

    Ich stim­me ja zu, dass Daw­kins mit dem ak­tu­el­len Buch den Ru­bi­kon über­schrit­ten hat. Viel­leicht ist es dem Ver­lag ge­schul­det, viel­leicht sei­ne ei­ge­ne Ent­schei­dung, um schlicht Wind zu ma­chen. All­ge­mein hal­te ich Daw­kins aber nicht für un­se­ri­ös.

    #19

  20. Peter sagt:

    Nach­trag
    Das Stern-In­ter­view ist üb­ri­gens auch hier zu le­sen. Der ent­spre­chen­de Ab­satz lau­tet:

    Ich bin Agno­sti­ker. Üb­li­cher­wei­se sind Agno­sti­ker Leu­te, die ei­ne 50 : 50-Wet­te über die Exi­stenz Got­tes ein­ge­hen: Kann sein, dass es ihn gibt, kann auch sein, dass es ihn nicht gibt. Das fin­de ich zu we­nig. Auf der an­de­ren Sei­te ste­hen die Athe­isten. Athe­is­mus in pu­rer Form heißt: Gott gibt es mit hun­dert­pro­zen­ti­ger Wahr­schein­lich­keit nicht. Auch die­se Po­si­ti­on tei­le ich nicht. Ein Wis­sen­schaft­ler soll­te sich nie hun­dert­pro­zen­tig si­cher sein. Aber es geht um mehr als 50 : 50. Ver­mut­lich glau­ben Sie eben­so we­nig wie ich an die Exi­stenz von Fe­en oder von un­sicht­ba­ren We­sen in ro­sa Uni­for­men. In die­sem Sin­ne sind wir fast al­le Agno­sti­ker. Ge­nau dar­um geht es auch bei der Exi­stenz Got­tes.

    Dem kann ich in­halt­lich voll­stän­dig zu­stim­men.

    #20

  21. Die Se­rio­si­tät von Daw­kins
    will ich nicht dis­ku­tie­ren; die soll je­der aus die­sem Buch her­aus­le­sen. Sei­ne Me­tho­den sind – na­ja, nicht be­son­ders wis­sen­schaft­lich.

    Dan­ke für die Quel­le. Wenn sich Daw­kins als Agno­sti­ker be­zeich­net, ist das ein Witz. Et­wa so, als wür­de sich Kim Yong-Il als De­mo­krat be­zeich­nen (wo­mit ich Daw­kins nicht mit Kim ver­glei­chen will). Ich ver­ste­he das nur so, dass er sich ein biss­chen an­bie­dern will.

    Daw­kins be­ginnt den Got­tes­wahn mit dem »Ge­ständ­nis«, er wol­le mit die­sem Buch zum Athe­is­mus be­keh­ren. Dies sei ein gro­sses, rea­li­sti­sches Ziel. Er be­kennt sich zum Stolz auf den Athe­is­mus. Ob er sich d e z i d i e r t als Athe­ist be­zeich­net, kann ich im Mo­ment nicht re­kon­stru­ie­ren.

    Ir­gend­wo be­rich­tet Daw­kins von ei­ner Ska­la von 1 bis 7 – wo­bei 1 die ab­so­lu­te Fröm­mig­keit dar­stellt und 7 die 100%ige Got­tes­leug­nung. Daw­kins stuft sich dort – wenn ich es rich­tig in er­in­ne­rung ha­be – bei 6,5 ein. Um ei­ne Um­fra­ge hier­zu aus­zu­wer­ten, wirft er 6er und 7er in den glei­chen Topf (was lo­gisch ist) und nennt sie Athe­isten.

    #21

  22. Rhe­to­rik?
    Mir scheint Daw­kins »Agno­sti­zis­mus« rhe­to­ri­scher Na­tur zu sein:
    »Ein Wis­sen­schaft­ler soll­te sich nie hun­dert­pro­zen­tig si­cher sein.«

    So nach dem Mot­to, wenn es schon zum gu­ten Ton ge­hört...

    #22

  23. Peter sagt:

    Hast du ei­gent­lich »Das ego­isti­sche Gen« oder »Der blin­de Uhr­ma­cher« ge­le­sen? Wenn nicht, wä­re dies ei­ne Mög­lich­keit Daw­kins’ Leu­mund wie­der her­zu­stel­len. Bei dem zwei­ten Buch merkt man al­ler­dings schon, dass der Mann von dem Fun­da­men­ta­lis­mus man­cher Op­po­nen­ten ge­zeich­net war.

    Und, die 6,5 wird von ihm de­zi­diert (Ja,Danke!) be­grün­det, in dem er sich aus­drück­lich auf die Russel’sche Teapot-Ana­lo­gie ( heu­te wohl eher als Spa­ghet­ti­mon­ster be­kannt ) be­zieht.

    Zählt man die be­reits po­stu­lier­ten Göt­ter, die die Men­scheit so her­vor­ge­bracht hat, bleibt dann als Wahr­schein­lich­keit pro Gott nicht viel. Si­cher­lich wird es ei­nem Evan­ge­li­ka­len in Ame­ri­ka kei­ner­lei Kopf­zer­bre­chen be­rei­ten Apol­lo als denk­ba­ren Gott zu ver­wer­fen. Aber mit wel­chem Recht? Wür­den al­le Men­schen, nicht per Ge­burts­ort, son­dern per On­to­ge­ne­se ei­nen be­stimm­ten of­fen­bar­ten Gott an­be­ten, sä­he die Si­tua­ti­on völ­lig an­derns aus.

    Agno­stik ist eben nicht die 50:50 Hal­tung, son­dern nur die An­er­ken­nung, dass die Fra­ge schluss­end­lich nur aus ei­ner un­mög­li­chen Me­t­a­po­si­ti­on zu be­ur­tei­len wä­re. Re­al exi­stie­ren­de Re­li­gio­nen ha­ben da­bei aber noch viel grö­ße­re An­griffs­flä­chen als die durch Kant frei­ge­pin­sel­ten.

    ...falls du noch In­ter­es­se an dem The­ma hast.

    #23

  24. Köppnick sagt:

    Ich ha­be be­gon­nen, Daw­kins Buch zu le­sen. Die ge­sam­te Ein­lei­tung nutzt er, The­is­mus, De­is­mus, Pan­the­is­mus und Athe­is­mus von­ein­an­der ab­zu­gren­zen und die »Re­li­gi­on« von Wis­sen­schaft­lern zu er­klä­ren. Sein Lieb­lings­bei­spiel sind un­zäh­li­ge Zi­ta­te von Ein­stein, die, aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen, den Ein­druck ver­mit­teln kön­nen, Ein­stein wä­re re­li­gi­ös im Sin­ne des The­is­mus ge­we­sen. Zu sich selbst schreibt Daw­kins:

    In­des, ich nen­ne mich lie­ber nicht »re­li­gi­ös«, weil die­se Be­zeich­nung miss­ver­ständ­lich ist – auf ver­häng­nis­vol­le Wei­se miss­ver­ständ­lich, weil für die al­ler­mei­sten Men­schen »Re­li­gi­on« das »Über­na­tür­li­che« im­pli­ziert. Sehr schön hat es auch Carl Sa­gan for­mu­liert: »Wenn man mit ‘Gott’ die Ge­samt­heit der phy­si­ka­li­schen Ge­set­ze meint, die das Uni­ver­sum be­herr­schen, dann gibt es na­tür­lich ei­nen Gott. Doch die­ser Gott ist emo­tio­nal un­be­frie­di­gend. Es hat nicht viel Sinn, zum Gra­vi­ta­ti­ons­ge­setz zu be­ten.

    Sum­ma sum­ma­rum: Daw­kins ist ein lu­pen­rei­ner Athe­ist, der auch den Agno­sti­zis­mus kri­ti­siert. De­is­mus (ab­we­sen­der Gott) ist für ihn ein ver­wäs­ser­ter The­is­mus (per­so­na­li­sier­ter Gott), Pan­the­is­mus (Gott ist Na­tur) ver­wäs­ser­ter Athe­is­mus. Wenn er sich tat­säch­lich als Agno­sti­ker be­zeich­net hat, dann nur zäh­ne­knir­schend aus er­kennt­nis­theo­re­ti­schen Grün­den.

    #24

  25. #23 Pe­ter
    Nein, ich ha­be die an­de­ren Daw­kins-Bü­cher nicht ge­le­sen. Und ich woll­te auch sei­nen Leu­mund nicht an­grei­fen – das kann ich gar nicht und schon gar nicht auf Daw­kins’ Ge­biet. Das In­ter­es­se be­steht üb­ri­gens wei­ter­hin bei mir – ich ha­be be­reits das Buch von Chri­sto­pher Hit­chen auf dem Tisch (Daw­kins zi­tiert Hit­chen ge­le­gent­lich).

    Ich glau­be, man muss da­bei die in­sti­tu­tio­na­li­sier­te Re­li­gi­ons­aus­übung von der Sehn­sucht vie­ler Men­schen nach tran­szen­den­ta­lem Glau­ben un­ter­schei­den.

    Die In­sti­tu­ti­on »ka­tho­li­sche Kir­che« bei­spiels­wei­se kann man mit sehr vie­len, gu­ten Grün­den kri­ti­sie­ren. Man kann die Ver­ein­nah­mung der Evan­ge­li­en kri­ti­sie­ren, man kann die Ex­ege­se kri­ti­sie­ren, man kann die hi­sto­ri­schen Ver­ir­run­gen wie Kreuz­zü­ge, In­qui­si­ti­on, usw. an­grei­fen (letz­te­res macht Daw­kins nicht) – man kann die ak­tu­el­len Ver­strickun­gen des Va­ti­kan kri­ti­sie­ren und/oder des­sen Hal­tung wäh­rend der NS-Zeit. All dies ist wich­tig, le­gi­tim und durch­aus auf­klä­re­risch. Man kann und muss auch die nach wie vor star­ken EIn­flüs­se der christ­li­chen Kir­chen in das deut­sche Ge­mein­we­sen hin­ein kri­ti­sie­ren – ich fin­de es bei­spiels­wei­se skan­da­lös, dass der Kir­chen­steu­er­ab­zug von den Fi­nanz­äm­tern durch­ge­führt wird und dass es ei­nen Re­li­gi­ons­un­ter­richt in den Schu­len gibt, der aus­schliess­lich die christ­li­che Re­li­gi­on na­he­bringt.

    Aber man kann und darf das im Men­schen we­sen­de Ge­fühl, was nur un­deut­lich mit »rei­li­gi­ös« be­schrie­ben ist, nicht per se als Aber­glau­ben de­nun­zie­ren. Ich glau­be, dass Daw­kins das glei­che macht, was er den Krea­tio­ni­sten vor­wirft: Er setzt sich und sei­nen Wis­sen­schaftsglau­ben ab­so­lut; Daw­kins ist – im schlech­te­sten Sinn – ein Dog­ma­ti­ker.

    »Der Got­tes­wahn« ist des­halb nicht auf­klä­re­risch, weil er dem Le­ser gar kei­ne Chan­ce lässt, sich ein ei­ge­nes Bild zu ma­chen. Für Daw­kins sind Gläu­bi­ge dumm und krank. Und wer das nicht be­greift, ist auch dumm. Ba­sta. Daw­kins ist ein Ja­ko­bi­ner.

    Noch et­was zur ka­tho­li­schen Kir­che: Bei al­len (auch oben auf­ge­zähl­ten) Kri­tik­punk­ten zeigt sich doch im Vergkleich zum Is­lam, wie wich­tig ei­ne In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung sein kann. Der Is­lam kennt so et­was nicht (der Pro­te­stan­tis­mus auch nicht) und da­her gibt es – was die In­ter­pre­ta­ti­on des Ko­ran an­geht – kei­ne »ein­heit­li­che Mei­nung«. Die Krux dar­an zeigt sich jetzt: Re­li­gi­on kann von je­dem Pre­di­ger in sei­nem Sinn fast be­lie­big ge­deu­tet und in­stru­men­ta­li­siert wer­den. Was nach au­ssen hin als plu­ra­li­stisch gilt, birgt ei­ne gro­sse Ge­fahr in sich.

    Die­se Ge­fahr ist nicht nur im Is­lam vi­ru­lent, son­dern auch im Pro­te­stan­tis­mus, der uns in den USA be­geg­net. Daw­kins greift die­sen ja auch voll­kom­men zu­recht an. Er macht dies nur mit den fal­schen Mit­teln. Ich glau­be auch, dass auf Dau­er Be­we­gun­gen wie die Evan­ge­li­ka­len ei­ne grö­sse­re Ge­fahr für un­se­re De­mo­kra­tie dar­stel­len, wie der so­ge­nann­te Is­la­mis­mus. Aber man schärft das Be­wusst­sein da­für nicht, dass man auch al­le »wohl­mei­nen­den« Chri­sten in der­ar­ti­ger Form ver­prellt und dif­fa­miert.

    #25

  26. Peter sagt:

    @Köppnick

    Nur aus er­kennt­nis­theo­re­ti­schen Grün­den?

    @Gregor Keu­sch­nig

    Ich glau­be nicht, dass Daw­kins re­li­giö­se Men­schen per se für dumm hält. Hag­gard-Jün­ger si­cher­lich, aber nicht all­ge­mein (hier wird ger­ne sei­ne Freund­schaft zu dem ehe­ma­li­gen Bi­schof von Ox­ford ge­nannt). Er ver­steht sie nur nicht. Da es mir eben­so geht, mag mei­ne Em­pa­thie den ein oder an­de­ren Fehl­griff re­la­ti­vie­ren.

    Das Kau­sa­li­täts­prin­zip ist dem Men­schen in die Wie­ge ge­legt. Der Drang Ur­sa­chen für Wir­kun­gen zu fin­den, ist ei­ne der Ei­gen­schaf­ten, die den Mensch zum Men­schen macht. Die letz­te Ur­sa­che, den un­be­weg­ten Be­we­ger oder wie im­mer man das nen­nen will, zu fin­den, kommt al­so nicht von un­ge­fähr. Was ist jetzt de­mü­ti­ger? Wenn ich mir an­ma­ße die­se letz­te Ur­sa­che zu ben­ne­nen oder wenn ich sa­ge dies liegt au­ßer­halb mei­ner Mög­lich­kei­ten?

    Es wä­re für Herrn Schäub­le oder auch Beck­stein an­ge­nehm mit ei­nem in­sti­tu­tio­na­li­sier­ten Is­lam zu ver­han­deln. Das ist aber rein po­li­tisch mo­ti­viert. War­um gibt es denn ei­ne ka­tho­li­sche In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung? Fing das nicht da­mit an, dass Pau­lus Jo­han­nes aus dem Boot schub­ste? Dass Au­gu­sti­nus die Kir­che kurz­fri­stig neu er­fun­den hat? An­ders for­mu­liert, ist das nicht rei­nes Men­schen­werk zum Macht­er­halt und hat mit der Fra­ge nach Agno­stik, De­is­mus oder The­is­mus über­haupt nichts zu tun?

    #26

  27. @Gregor Keu­sch­nig
    Wenn wir da­von aus­ge­hen, dass wir kei­ne letz­te Ur­sa­che und kei­nen Sinn un­se­res Da­seins mit Si­cher­heit be­grün­den kön­nen, dann ste­hen wir, wie Ca­mus ge­zeigt hat, vor der Ab­sur­di­tät un­se­rer Exi­stenz: Wir sind, aber wir wis­sen nicht wie­so oder wo­zu.

    Trotz al­lem: Es ist na­he lie­gend ir­gend­wel­che Deu­tun­gen zu ver­su­chen und je­de Me­taer­zäh­lung – wie Re­li­gi­on – bin­det den Men­schen in ei­nen sinn­stif­ten­den Rah­men ein, sie gibt ihm Ori­en­tie­rung. Das ist mei­nes Er­ach­tens der we­sent­lich­ste Grund für Re­li­gi­on. Sie ist ein­fach ei­ne psy­cho­lo­gi­sche »Not­wen­dig­keit« (eben­so wie vie­le Ideo­lo­gi­en). Die ei­ge­ne Exi­stenz soll er­träg­lich sein, wir wol­len glau­ben, dass un­ser Tun und Las­sen ir­gend­ei­nen Sinn hat. Ich kann das ver­ste­hen.

    Zur In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung: Ab­seits vom Macht­er­halt, es ist für den Ge­setz­ge­ber na­tür­lich ein­fach und wün­schens­wert wenn er »ei­nen« An­sprech­part­ner für je­de Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft hat. Ich glau­be die­se For­de­rung an den Is­lam ist le­gi­tim und not­wen­dig; das heißt ja auch nicht, dass es dann nur ei­ne Spiel­art des Is­lam gibt.

    #27

  28. @Peter und Me­tep­si­lo­n­e­ma
    Es steht wört­lich im Buch, dass er re­li­giö­se Men­schen für dumm hält. Das schliesst nicht aus, dass er ei­ni­gen, we­ni­gen Bi­schö­fen Re­spekt be­zeugt. Ver­mut­lich wird er dann durch des­sen In­tel­lekt ein biss­chen mil­der ge­stimmt.

    Die Fra­ge, ob Re­li­gi­on zum Macht­er­halt für be­stimm­te Eli­ten dient, ist nicht ein­fach zu be­ant­wor­ten. Die Ur­sprün­ge des Chri­sten­tums müs­sen m. E. als »rein« ge­dacht wer­den. Spä­ter – und das mei­ne ich mit der in­sti­tu­tio­na­li­sier­ten Kir­che – wur­den In­ter­es­sen ge­bün­delt und Mei­nun­gen ka­no­ni­siert (und an­de­re be­kämpft). Aber Daw­kins be­treibt mit sei­nem ja­ko­bi­ni­schen Athe­is­mus nichts an­de­res. Das un­ter­schei­det ihn vom Exi­sten­zia­lis­mus, der den Men­schen zwar von Gott »be­freit«, dies je­doch we­der dog­ma­tisch macht, noch An­ders­den­ken­de pau­schal de­nun­ziert. Der Exi­sten­zia­lis­mus lässt mir die Frei­heit, mich für das Nichts zu ent­schei­den – Daw­kins will mich zum Par­tei­gän­ger ma­chen.

    #28

  29. @Gregor Keu­sch­nig
    Ge­nau! Er zer­stört das Nichts, in­dem er wie­der et­was, ei­ne Idee, als si­cher an­nimmt, und es an sei­ne Stel­le setzt.

    #29

  30. Peter sagt:

    @Metepsilonema

    Trotz al­lem: Es ist na­he lie­gend ir­gend­wel­che Deu­tun­gen zu ver­su­chen und je­de Me­taer­zäh­lung – wie Re­li­gi­on – bin­det den Men­schen in ei­nen sinn­stif­ten­den Rah­men ein, sie gibt ihm Ori­en­tie­rung. Das ist mei­nes Er­ach­tens der we­sent­lich­ste Grund für Re­li­gi­on. Sie ist ein­fach ei­ne psy­cho­lo­gi­sche »Not­wen­dig­keit« (eben­so wie vie­le Ideo­lo­gi­en). Die ei­ge­ne Exi­stenz soll er­träg­lich sein, wir wol­len glau­ben, dass un­ser Tun und Las­sen ir­gend­ei­nen Sinn hat. Ich kann das ver­ste­hen.

    Wo kommt die Sinn­stif­tung her? Of­fen­ba­rung? Mir hat sich nichts of­fen­bart und neh­me an, dass mei­nen re­li­gö­sen Mit­men­schen der Glau­be nur per ge­sell­schaft­li­cher Dok­trin zu Teil wur­de. Die psy­cho­lo­gi­sche Not­wen­dig­keit hört sich eher nach »Ich möch­te, al­so ist« an. Wenn du so leicht­fer­tig be­haup­test, dass es na­he lie­gend ist ir­gend­wel­che Deu­tun­gen zu ver­su­chen, dann fra­ge ich mich was dar­an na­he lie­gend ist. Wie­so ist aus­ge­rech­net der christ­li­che Gott sinn­stif­tend? Wie­so über­haupt? War­um nicht Apol­lo et al.? Wie klärst du das Leib-See­le-Pro­blem? Na­he lie­gend se­he ich da gar nichts. »Ich weiß, dass ich nichts weiß« ist na­he­lie­gend.

    @Gregor Keu­sch­nig

    Die Fra­ge, ob Re­li­gi­on zum Macht­er­halt für be­stimm­te Eli­ten dient, ist nicht ein­fach zu be­ant­wor­ten. Die Ur­sprün­ge des Chri­sten­tums müs­sen m.E. als »rein« ge­dacht wer­den.

    Des­halb hat­te ich Jo­han­nes und Pau­lus er­wähnt. Schon wäh­rend der frü­hen In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung kam es zum Sün­den­fall.

    Spä­ter – und das mei­ne ich mit der in­sti­tu­tio­na­li­sier­ten Kir­che – wur­den In­ter­es­sen ge­bün­delt und Mei­nun­gen ka­no­ni­siert (und an­de­re be­kämpft).

    Und die­se ka­no­ni­sier­te Mei­nung kam wem per Of­fen­ba­rung (oder wel­che »Be­glau­bi­gung« gibt es) und war­um ist er le­gi­ti­mier­ter als an­de­re? Ent­schul­di­gung, dass ist für mich ha­ne­bü­chen.

    Ich Stel­le ein­fach mal die The­se auf: Was Agno­sti­zis­mus für Na­tur­wis­sen­schaft­ler, ist Exi­sten­zia­lis­mus für die Gei­stes­wis­sen­schaft. Bei­de er­lau­ben den Rück­zug vor den »gro­ßen Fra­gen«, schmecken aber je nach gei­sti­ger Her­kunft bes­ser. Mehr Frei­heit se­he ich da nicht.

    #30

  31. Lang­sam, lang­sam
    @Peter

    Wo kommt die Sinn­stif­tung her? Of­fen­ba­rung? Mir hat sich nichts of­fen­bart und neh­me an, dass mei­nen re­li­gö­sen Mit­men­schen der Glau­be nur per ge­sell­schaft­li­cher Dok­trin zu Teil wur­de. Die psy­cho­lo­gi­sche Not­wen­dig­keit hört sich eher nach »Ich möch­te, al­so ist« an. Wenn du so leicht­fer­tig be­haup­test, dass es na­he lie­gend ist ir­gend­wel­che Deu­tun­gen zu ver­su­chen, dann fra­ge ich mich was dar­an na­he lie­gend ist. Wie­so ist aus­ge­rech­net der christ­li­che Gott sinn­stif­tend? Wie­so über­haupt? War­um nicht Apol­lo et al.? Wie klärst du das Leib-See­le-Pro­blem? Na­he lie­gend se­he ich da gar nichts. »Ich weiß, dass ich nichts weiß« ist na­he­lie­gend.

    Nicht al­le Re­li­gio­nen sind Of­fen­ba­rungs­re­li­gio­nen, das ist nur ei­ne Ka­te­go­rie.

    Die Sinn­stif­tung wird von uns kon­stru­iert, und wenn man es ge­nau nimmt, dann be­ginnt sie dort wo wir auf ir­gend­et­was zu hof­fen be­gin­nen, wo wir glau­ben, oder mei­nen, dass das was wir tun ir­gend­ei­ne Be­deu­tung hat. Es ist nicht ein­fach die Sinn­lo­sig­keit sei­ner Exi­stenz hin­zu­neh­men (man ver­su­che ein­mal dar­aus al­le Kon­se­quen­zen zu zie­hen und da­nach zu le­ben); und na­tür­lich, es ist in ei­nem ge­wis­sen, wenn auch oft un­be­wuss­ten Sin­ne ein »Ich möch­te, al­so ist«. Apol­lo et al. ist ge­nau­so sinn­stif­tend wie Je­sus, Al­lah, Bud­dha, oder die Auf­klä­rung, wie­so auch nicht (das wur­de, glau­be ich, doch nir­gends be­strit­ten)?

    Wor­auf ich hin­aus will ist, dass je­de Deu­tung un­ser Da­sein we­sent­lich er­leich­tert, uns qua­si ein Grund­la­ge, ei­nen Be­zug, ei­ne Recht­fer­ti­gung gibt. Das »ich weiß nichts« ist quä­lend! Ca­mus schreibt « [...] er ist ein Blin­der, der se­hen will und weiß dass die Nacht kei­ne En­de hat.« (aus dem Kopf zi­tiert). Wir wol­len nicht se­hen, dass es so ist. Die Sinn­stif­tung ist ei­ne Be­frei­ung, ei­ne Be­frei­ung von der Ab­sur­di­tät der Exi­stenz! Es lebt sich ein­fach um so­viel bes­ser. Und wer will schon un­glück­lich sein?

    Man nimmt meist den Glau­ben, den die Mehr­heit ei­ner Ge­sell­schaft an, das kann man von mir aus Dok­trin nen­nen, aber es gibt ge­nau­so ei­ne per­sön­li­che Dis­po­si­ti­on, die wohl nicht das gan­ze Le­ben lang gleich aus­ge­prägt ist.

    Im Üb­ri­gen glau­be ich, dass je­mand der tat­säch­lich glaubt sich des »Rest­ri­si­kos« durch­aus be­wusst ist, denn wer glaubt ver­traut, und weiß gleich­zei­tig, dass es nicht hun­dert­pro­zen­tig si­cher ist. Et­was Mut ist da­her ge­for­dert. Nur die Ei­fe­rer und Fa­na­ti­ker ver­wech­seln Glau­ben und si­che­res Wis­sen. Sie zer­stö­ren die letz­te ver­blei­ben­de Un­ge­wiss­heit.

    War­um jetzt das Leib-See­le-Pro­blem ins Spiel kommt, ver­ste­he ich nicht ganz, ich bit­te um Er­läu­te­rung.

    #31

  32. scipio sagt:

    Wie ...
    ... be­grün­dest Du die­sen Satz:

    »Mit dem Buch hat Daw­kins den Evan­ge­li­ka­len in den USA den Kampf an­ge­sagt, ist ganz kon­se­quent mit vie­len Le­sun­gen in den USA prä­sent. Das ist zu­min­dest mu­tig, wenn nicht selbst­mör­de­risch. Das dort nicht Flo­rett ge­foch­ten wird, soll­te klar sein.«

    Wie viel to­te Athe­isten oder ge­ne­rell: wie viel To­te ha­ben die »Evan­ge­li­ka­len in den USA« auf dem Ge­wis­sen? Sind Evan­ge­li­ka­le be­son­ders ge­walt­tä­tig? Reist Daw­kins über­haupt in den Bi­ble Belt, oder bleibt er doch lie­ber sei­nes­glei­chen, im Osten und im ka­li­for­ni­schen We­sten?

    #32

  33. Peter sagt:

    Wie viel to­te Athe­isten oder ge­ne­rell: wie viel To­te ha­ben die »Evan­ge­li­ka­len in den USA« auf dem Ge­wis­sen? Sind Evan­ge­li­ka­le be­son­ders ge­walt­tä­tig? Reist Daw­kins über­haupt in den Bi­ble Belt, oder bleibt er doch lie­ber sei­nes­glei­chen, im Osten und im ka­li­for­ni­schen We­sten?

    Ich hat­te z.B. den Link auf »Je­sus Camp« ge­bracht. Man schaue sich das In­ter­view Daw­kins’ mit Hag­gard (die Höh­le des Lö­wen) in »The root of all evil« an. Wem das nicht reicht, fin­det im Netz das In­ter­view von Daw­kins bei Fox. Da blei­ben Mil­lio­nen to­te Hir­ne auf der Strecke. Gu­ten Tag.

    #33

  34. scipio sagt:

    Al­les, was wir je über die Evan­ge­li­cals wis­sen wol­len ...
    ... oder bes­ser nie wis­sen woll­ten, hö­ren wir von Daw­kins, der so ganz neu­tral vor­geht? Oder sucht er sich doch die leich­te­sten Geg­ner aus, schnitzt sie sich so, daß er sie mit ei­nem Schlag um­hau­en kann?

    Al­len, die nicht je­dem Po­le­mi­ker al­les glau­ben – vor al­lem nicht, wenn er al­le über den Kamm ex­tre­mer Fäl­le schert, emp­feh­le ich die Mit­schrift ei­ner Dis­kus­si­on aus 2004, u.a. mit Chri­sto­pher Hit­chens und an­de­ren an­ge­se­he­nen US-Jour­na­li­sten und Wis­sen­schaft­lern.

    #34

  35. scipio sagt:

    Rah­ner – Küng in den US
    Rah­ner und Küng sind bei ka­tho­li­schen und pro­te­stan­ti­schen Theo­lo­gen in den USA aus­rei­chend be­kannt und über­setzt, und zwar seit Jahr­zehn­ten, so­daß ein je­der, der sich drü­ben für christ­li­che Theo­lo­gie an ih­re Bü­cher ran­kommt oder Rah­ner-Schü­ler und Küng-An­hän­ger fin­det, mit de­nen er dis­ku­tie­ren kann.

    Kei­ne Ent­schul­di­gung für Daw­kins.

    #35

  36. @scipio
    Ich glau­be nicht, dass die Evan­ge­li­ka­len zu den »leich­te­sten« Geg­nern ge­hö­ren. Ihr Ein­fluss­be­reich bis in die Schalt­zen­tra­len der Po­li­tik ist schon ziem­lich gross.

    Oh­ne die ver­link­te Dis­kus­si­on ge­le­sen zu ha­ben: Hit­chens schlägt ja mit sei­nem Buch »Der Herr ist kein Hir­te« in die glei­che Ker­be wie Daw­kins. Ich ha­be das Buch aber erst an­ge­fan­gen.

    #36

  37. Nicht nur von Gott
    @Gregor

    Der Exi­sten­zia­lis­mus be­freit nicht nur von Gott, son­dern von sämt­li­cher Me­ta­phy­sik, was ver­mut­lich nicht al­len ge­nehm ist.

    #37

  38. @Metepsilonema
    Ja, das ist für ei­ni­ge si­cher­lich nicht an­ge­nehm, wo­bei der Exi­sten­zia­lis­mus al­ler­dings An­ders­den­ken­de nicht dif­fa­miert und die Be­frei­ung von jeg­li­cher Me­ta­phy­sik er­folgt m. E. üb­ri­gens auf­grund ei­nes Denk­mo­dells und nicht ir­gend­wel­cher em­pi­ri­scher Nach­weis­bar­keit (was Daw­kins ver­sucht und wo­mit er kläg­lich schei­tert). Sie ist viel fi­li­gra­ner und zar­ter.

    Es gibt aber min­de­stens ei­ne Stel­le bei Ca­mus, die ich aus dem Kopf er­in­ne­re, in dem er vor der »Ab­trün­nig­keit« (mei­ne For­mu­lie­rung) hin zur Re­li­gi­on in den letz­ten Le­bens­mo­men­ten »warnt«. Das hat dann ein biss­chen was Ri­go­ro­ses – da wird Kon­se­quenz ein­ge­for­dert.

    #38

  39. @Gregor
    Wenn der Exi­sten­zia­lis­mus ei­ne Me­ta­py­sik­kri­tik dar­stellt – und das tut er -, dann darf er auch nicht mehr als die Ent­schei­dung in die Hän­de des In­di­vi­du­ums zu le­gen – sie ist da­mit ei­ne per­sön­li­che ge­wor­den. Al­les was dar­über hin­aus­geht wä­re ja wie­der Me­ta­phy­sik (das ge­nau ist ja auch ein »Pro­blem« der Post­mo­der­ne).

    Em­pi­ri­sche Ver­su­che sind na­tür­lich zum Schei­tern ver­ur­teilt...

    Falls du die Ca­mus-Stel­le re­kon­stru­ie­ren kannst (oh­ne all­zu gro­ßen Auf­wand), sie wür­de mich in­ter­es­sie­ren. Ich glau­be es er­for­dert tat­säch­lich ri­go­ro­se Kon­se­quenz wenn man den Weg, den Ca­mus be­schreibt, ge­hen will. Aber es wird nie­mand ge­zwun­gen.

    Ver­mut­lich for­dern die letz­ten Le­bens­mo­men­te (so man sie be­wusst er­lebt) da­zu her­aus doch noch auf »Num­mer si­cher zu ge­hen« und zu glau­ben zu be­gin­nen.

    #39

  40. ww sagt:

    ne
    das ist denn doch so von oben her­ab und so mo­kant, wie Daw­kins Ar­gu­men­tai­ti­on laut Re­zen­sent sein soll. Und so ober­fläch­lich, bei all dem mar­kier­ten Tief­gang, dass es auch als Es­say­re­zen­si­on kaum durch­geht. Man ge­he in sich und schaue.

    #40

  41. »Von oben her­ab«? Ich neh­me an, Sie ha­ben das Buch nicht ge­le­sen, sonst wüss­ten Sie den Ton mei­ner Be­spre­chung bes­ser ein­zu­schät­zen. Seit wann darf man kei­ne An­for­de­run­gen an den Au­tor mehr stel­len? Und: Wo ist Ih­re »Ar­gu­men­tai­ti­on«? Ich schaue und sehe...erst mal nichts.

    #41

  42. wwamser sagt:

    hm
    den­ke, ww hat ziem­lich recht

    #42

  43. Das ist mir zu we­nig. War­um? Wie?

    (»dass es auch als Es­say­re­zen­si­on kaum durchgeht«...das ist nicht »von oben her­ab«?)

    #43

  44. matthias sagt:

    daw­kins ist wie ich auch kein »athe­ist«, son­dern ein »agno­sti­ker«
    daw­kins ist wie ich auch kein »athe­ist«, son­dern ein »agno­sti­ker«:
    er­ste aus­sa­ge: man kann die exi­stenz hö­he­re we­sen we­der be­wei­sen noch das (für mich sehr wahr­schein­li­che) ge­gen­teil be­le­gen. die zwei­te aus­sa­ge ist, dass, selbst wenn es hö­he­re we­sen gä­be, die­se ir­rele­vant sind, da sie kei­nen ein­fluss aufg die welt näh­men. in die­ser aus­sa­ge kön­nen sich de­i­sten wie­der­fin­den ...

    be­zug­neh­mend auf:
    »The­is­mus – Athe­is­mus
    Soll­ten wir die Be­grif­fe nicht en­ger fas­sen bzw. an­ders de­fi­nie­ren?

    Un­ter Athe­is­mus ver­stün­de ich le­dig­lich den Glau­ben an die Nicht­exi­stenz ei­ner per­so­na­li­sier­ten, all­mäch­ti­gen Ur­sa­che, ei­nes an­thro­po­mor­phen Got­tes, der fä­hig ist in den Lauf des Uni­ver­sums (der Welt) ein­zu­grei­fen – al­le an­de­ren Ur­sa­chen kann man un­ter dem Be­griff De­is­mus zu­sam­men­fas­sen z.B. ei­nen Schöp­fer­gott der sich aus sei­ner Schöp­fung zu­rück­ge­zo­gen hat, ei­nen »Ver­nuft­gott«, even­tu­ell den ari­sto­te­li­schen un­be­weg­ten Be­we­ger etc.«

    #44

  45. Was Daw­kins »ist«,
    ist ir­rele­vant. Die Aus­sa­ge, er sei kein Athe­ist, son­dern ein Agno­sti­ker stammt von ihm sel­ber. Sie ist ei­ne Lü­ge, wenn er die­ses Buch Ernst meint. Wenn sie stim­men soll­te, ist das Buch noch un­sin­ni­ger.

    Der Mann ist ver­mut­lich pa­ra­no­id. Da hel­fen auch Be­griffs­be­stim­mun­gen in die ei­ne oder an­de­re Rich­tung nicht.

    #45

  46. ww sagt:

    LEICHTE VERZWEIFLUNG
    DREI ZITATE aus Gre­gors Keu­sch­nigs Agno­sti­zis­mus-Dis­kurs

    Zi­tat 1: Die Quo­te steht 50:50 ?
    Pe­ter – 2007-10-17 20:41
    Nach­trag

    Das Stern-In­ter­view [von Daw­kins] ist üb­ri­gens auch hier zu le­sen. Der ent­spre­chen­de Ab­satz lau­tet:

    »Ich bin Agno­sti­ker. Üb­li­cher­wei­se sind Agno­sti­ker Leu­te, die ei­ne 50 : 50-Wet­te über die Exi­stenz Got­tes ein­ge­hen: Kann sein, dass es ihn gibt, kann auch sein, dass es ihn nicht gibt. Das fin­de ich zu we­nig. Auf der an­de­ren Sei­te ste­hen die Athe­isten. Athe­is­mus in pu­rer Form heißt: Gott gibt es mit hun­dert­pro­zen­ti­ger Wahr­schein­lich­keit nicht.

    Auch die­se Po­si­ti­on tei­le ich nicht. Ein Wis­sen­schaft­ler soll­te sich nie hun­dert­pro­zen­tig si­cher sein.

    Aber es geht um mehr als 50 : 50. Ver­mut­lich glau­ben Sie eben­so we­nig wie ich an die Exi­stenz von Fe­en oder von un­sicht­ba­ren We­sen in ro­sa Uni­for­men. In die­sem Sin­ne sind wir fast al­le Agno­sti­ker. Ge­nau dar­um geht es auch bei der Exi­stenz Got­tes.«
    (Daw­kins im Stern-In­ter­view)

    Zitát 2: Dawkins´»Agnostizismus« – ein Witz?
    Gre­gor Keu­sch­nig – 2007-10-17 21:08

    Die Se­rio­si­tät von Daw­kins will ich nicht dis­ku­tie­ren; die soll je­der aus die­sem Buch her­aus­le­sen. Sei­ne Me­tho­den sind – na­ja, nicht be­son­ders wis­sen­schaft­lich.

    Dan­ke für die Quel­le. Wenn sich Daw­kins als Agno­sti­ker be­zeich­net, ist das ein Witz. Et­wa so, als wür­de sich Kim Yong-Il als De­mo­krat be­zeich­nen (wo­mit ich Daw­kins nicht mit Kim ver­glei­chen will). Ich ver­ste­he das nur so, dass er sich ein biss­chen an­bie­dern will.

    Zi­tat 3: Gre­gor Keu­sch­nig – 2010-02-04 12:01: Dawkins´»Agnostizismus« – ein Zei­chen von Pa­ra­noia?

    Was Daw­kins »ist«, ist ir­rele­vant.

    Die Aus­sa­ge, er sei kein Athe­ist, son­dern ein Agno­sti­ker stammt von ihm sel­ber. Sie ist ei­ne Lü­ge, wenn er die­ses Buch Ernst meint. Wenn sie stim­men soll­te, ist das Buch noch un­sin­ni­ger.

    Der Mann ist ver­mut­lich pa­ra­no­id. Da hel­fen auch Be­griffs­be­stim­mun­gen in die ei­ne oder an­der Rich­tung nicht.

    DREI KOMMENTARE

    Bin von leich­ter Ver­zweif­lung er­fasst: Der Lo­thar Gre­gor Keu­sch­nig, den ich ken­ne, ar­bei­tet weit prä­zi­ser. Und da be­frem­den die­se Ein­schät­zun­gen (Pa­ra­noi­der Um­gang mit dem Agno­sti­zis­mus­be­griff, un­wis­sen­schaft­li­che Me­tho­dik, Lü­gen­haf­tig­keit oder Un­sinns­ver­fal­len­heit) doch. So­gar sehr.

    In­wie­fern?

    1. TEEKANNEN-AGNOSTIKER UND GOTTES-AGNOSTIKER

    Gre­gor kennt (vgl. sei­ne Re­zen­si­on) Daw­kins Un­ter­schei­dung von PPA und VPA (Got­tes­wahn p 68); Er kennt Daw­kins Po­le­mik ge­gen den 50:50 Agno­sti­zis­mus; Pe­ter weist da oben (Zi­tat 1) noch­mal dar­auf hin, dass Daw­kins ei­nen an­de­ren Agno­sti­zis­mus-Be­griff ein­führt, le­gi­ti­mer­wei­se ein­führt –

    Daw­kins be­zeich­net sich in sei­nem »Got­tes­wahn« als »Tee­kan­nen-Agno­sti­ker« und da­mit ist dann auch hin­rei­chend Pe­ters Zi­tat er­klärt: »Wir kön­nen nicht mit Si­cher­heit be­wei­sen, dass es kei­ne himm­li­sche Tee­kan­ne gibt« (Got­tes­wahn p 75), Daw­kins hält »Gott für nicht wahr­schein­li­cher als die Fee, die klei­nen Kin­dern die aus­ge­fal­le­nen Milch­zä­he weg­nimmt und ih­nen Ge­schen­ke da­für gibt.« Der Trans­fer lau­tet: »Bei­de Hy­po­the­sen kann man nicht wi­der­le­gen, und bei­de sind glei­cher­ma­ßen un­wahr­schein­lich«, die der Exi­stenz der kos­mi­schen Tee­kan­ne (und Got­tes) und die der Mi­ra­kel-Zahn­fee.

    Das ist von Daw­kins po­le­misch for­mu­liert, aber der Klar­text ist gut ver­ständ­lich: Ein Nicht-Wi­der­le­gen -Kön­nen be­stimm­ter The­sen heißt nicht, dass sie gleich wahr­schein­lich sind wie ih­re Ge­gen­the­se. So lässt sich si­cher plau­si­bel be­haup­ten: die Exi­stenz von Zahn­fe­en ist sehr viel un­wahr­schein­li­cher als de­ren Nicht­exi­stenz. Oder: Die Nicht­exi­stenz von Zahn­fe­en ist sehr viel wahr­schein­li­cher als ih­re Exi­stenz.

    Und/aber der TEEKANNENAGNOSTIKER ist auf je­den Fall ei­ne gut er­klä­ren­de bild­haf­te Be­griff­lich­keit für Daw­kins Agno­sti­zis­mus-Va­ri­an­te: Nicht 50:50, son­dern sehr »viel mehr«, et­wa 95: 05, dass ei­ne Mi­ra­kel-The­se nicht stimmt. Und ei­ne in­ter­es­san­te Fa­zit-Me­ta­pher für vie­le sei­ner Ar­gu­men­te, wenn es um die Plau­si­bi­li­tät von tran­szen­den­ten, me­ta­phy­si­schen In­stan­zen geht..

    Wenn man ihn dann als »pa­ra­no­id« (- Agno­sti­ker, kein Agno­sti­ker, Athe­ist -) be­zeich­net, ist dies wohl dem hei­li­gen Fu­ror ge­schul­det, der ei­nen manch­mal am Wickel hat?

    2. DIE ATHEISTISCHE BILDUNGSELITE

    Ein an­de­res Bei­spiel für ver­miss­te Lo­thar-Gre­gor-Prä­zi­si­on fin­det sich ganz oben in sei­ner Re­zen­si­on, ich mei­ne die Pas­sa­ge zur e-mail-Be­fra­gung eng­li­scher Fel­lows: Ei­ne Bil­dungs­eli­te – so Corn­wall-Stir­rat – eng­li­scher Uni-Pro­ve­ni­enz ist dem Glau­ben an ei­nen per­sön­li­chen Gott – zen­tra­le Aus­sa­ge des The­is­mus – eher ab­ge­neigt.

    Man mag der Corn­wall-Stir­rat-Un­ter­su­chung me­tho­di­sche Män­gel vor­wer­fen (E-Mail-Adres­sen, Fra­ge­for­mu­lie­rung, 23% Ant­wor­ten bei 1074 Fel­lows-Be­frag­ten) (vgl. die ent­spre­chen­den An­ga­ben im Got­tes­wahn 143ff).

    Aber: Die jetzt schon mehr­fach in die­sem Thread for­mu­lier­te the­is­mu­ssi­gni­fi­kan­te Aus­sa­ge (sie­he Kwa­ku in sei­nem Thread und Ant­wor­ten hier), sie ist wich­tig für den vor­ge­leg­ten Test, den Be­fund und des­sen Wer­tung:

    »Ich glau­be an ei­nen per­sön­li­chen Gott, der sich für ein­zel­ne Men­schen in­ter­es­siert, Ge­be­te er­hört, sich um Sün­den und Fehl­trit­te küm­mert und dar­über urteilt«(Gotteswahn, p 144)

    Das ist ein Satz, der si­cher­lich recht gut zu­sam­men­fasst, was die drei mo­no­the­isti­schen Re­li­gio­nen als zen­tra­le In­va­ri­an­te be­sit­zen. Asi­de: Er könn­te noch ein Ad­den­dum ver­tra­gen: Die­ser per­sön­li­che Gott hat ei­nen gut funk­tio­nie­ren­den Kos­mos er­schaf­fen, der in der Ma­kro- und der Mi­kro­struk­tur pla­ne­ri­sche Bril­li­anz auf­weist. Aber las­sen wir das bei­sei­te.

    Der Test-Satz der Um­fra­ge wird – laut den Un­ter­su­chungs­lei­tern – nur von 3,3 Pro­zent mit star­ker Zu­stim­mung (7 auf ei­ner Sie­ben­erska­la) be­dacht.

    Dies dürf­te ei­ne sehr re­prä­sen­ta­ti­ve Ra­te sein. Be­le­ge da­für fin­den sich et­wa in der von Daw­kins avi­sier­ten Um­fra­ge von Lar­son und Wi­t­ham 1998 in Na­tu­re (p. 142), wo es auch um die Exi­stenz­the­se »per­sön­li­cher Gott« geht.

    Ei­ne un­se­riö­se Daw­kins-Pas­sa­ge? Oder in ih­rem Aus­sa­ge­wert ernst zu neh­men – trotz der me­tho­di­schen Pro­ble­me, die sei­ne Ge­währs­leu­te Corn­wall-Stir­rat se­hen oder nicht se­hen?

    3. PARADOXER FIDEISMUS UND DIE DUMMHEIT

    Ob man aus sol­chen Be­fra­gun­gen schlie­ßen kann, dass The­isten dumm sind und ob man dar­aus schlie­ßen kann, dass Daw­kins The­isten für dumm hält oder sie als dumm (un­in­tel­li­gent) cha­rak­te­ri­sie­ren will (s. Re­zen­si­on Gre­gor), las­se ich da­hin­ge­stellt.
    Daw­kins zi­tiert in die­sem Zu­sam­men­hang (GW S. 145) ei­ne Un­ter­su­chung von Paul Bell im Men­sa-Ma­ga­zin 2002:

    »...Das heißt, je hö­her die In­tel­li­genz [Re­fe­renz auf Men­sa-Mit­glie­der und de­ren IQ) oder das Bil­dungs­ni­veau ist, de­sto ge­rin­ger ist die Wahr­schein­lich­keit, dass je­mand re­li­gi­ös ist..«

    Kann man hier un­ter­stel­len, dass Men­sa-Mit­glie­der in­tel­li­gen­ter sind als Nicht-Mit­glie­der? Und wenn das so sein soll­te, dass in Be­zug auf die Grup­pe der Nicht-Men­sa-Mit­glie­der von »düm­mer« ge­spro­chen wer­den muss? Und dass es al­so in Dawkins´Perspektive ei­ne si­gni­fi­kan­te Kor­re­la­ti­on von »Dumm­heit« und »The­is­mus« gibt? Oder doch eher ei­ne star­ke Kor­re­la­ti­on von ho­her na­tur­wis­sen­schaft­li­cher Bil­dung mit In­tel­li­genz­grund­la­te und der Ab­sa­ge an the­istisch- pa­ter­na­le Kon­zep­tio­nen.

    Nicht zu­letzt des­we­gen sei dies da­hin­ge­stellt, weil es – ich ken­ne das von mir – so et­was wie ei­nen »pa­ra­do­xen Fi­de­is­mus« gibt:

    Der Nor­mal-Agno­sti­ker (Ich) und der Tee­kan­nen-Agno­sti­ker und der fet­te­ste Athe­ist fan­gen als Luft­pas­sa­gie­re das Be­ten an, zu ei­ner über­ir­di­schen, gü­ti­gen In­stanz, wenn Sturm­bö­en an ih­rem Gleit­flie­ger rüt­teln. Und al­ler­lei spir­tu­ell-my­thisch-my­sti­sche Re­gu­la­ri­en hal­ten auch den auf­ge­klär­ten Ei­er- und Klar­kopf am Wickel, wo die NOT groß und die Angst nicht ge­ring ist. Im

    DISPENSE OF DISBELIEF

    Bei ei­ner Um­fra­ge dürf­ten sich vie­le Aka­de­mi­ker vor al­lem na­tur­wis­sen­schaft­li­cher Do­mä­nen als star­ke Skep­ti­ker be­zeich­nen. Was nicht auschließt, dass ihr Han­deln in be­stimm­ten Not­si­tua­tio­nen an sol­che Gläu­bi­ge er­in­nert, die über Ge­be­te und Ri­tua­le ei­ne ih­nen ge­wo­ge­ne Gott­heit zu kon­tak­tie­ren ver­su­chen. Ver­mut­lich ist der pro­zen­tua­le An­teil von Nicht­aka­de­mi­kern an der Ge­samt­men­ge der »pa­ter­nal Gläu­bi­gen« in ei­ner Um­fra­ge sehr viel hö­her. Das liegt dann ein­fach dar­an, dass ih­nen die re­li­giö­se Grund­stim­mung durch ih­re Aus­bil­dung in wei­te­re Fer­ne ge­rückt wur­de. Und dass man dann die gän­gi­ge skep­ti­sche Vor­der­grun­de­be­ne in Um­fra­gen mar­kiert.

    Wir ken­nen das auch aus an­de­ren Zu­sam­men­hän­gen: Als Be­su­cher der Tri­lo­gie »Herr der Rin­ge« ist nach kur­zer Zeit mein ra­tio­na­les Ori­en­tie­rungs­sy­stem aus­ge­schal­tet. Ich ge­nie­ße den »Dis­pen­se of Dis­be­lief«. Und die wun­der­ba­re Wirk­lich­keit der Bil­der­eig­nis­se schiebt al­le Skep­sis weg.

    Viel­leicht wird in mei­nem Kopf ein prä­ratio­na­les Mo­dul ge­weckt. Sehr wahr­schein­lich so­gar. Und der Glau­be an das zu Se­hen­de ist in die­sem Mo­ment sehr stark. Trotz­dem wür­de ich in der ge­nann­ten Um­fra­ge den Glau­ben an das Wun­der­ba­re nur nied­rig ska­lie­ren.

    Mir scheint nicht, dass Daw­kins in die­sen Zu­su­sam­men­hän­gen The­isten der Dumm­heit zeiht, auch wenn er die eben ge­nann­ten Prä­mis­sen nicht prä­sen­tiert.

    Asi­de: Da hat Dok­tor Blu­me si­cher nicht un­recht: Es gibt ver­mut­lich ein an­ge­bo­re­nes und durch re­li­giö­se Er­zie­hung spe­zi­fier­ba­res De­es­ka­lie­rungs- und Im­mu­ni­sie­rungs­pro­gramm mit be­ru­hi­gen­der Wir­kung, in Angst- und Not­si­tua­tio­nen vor al­lem. Oder man den­ke nach über die Plau­si­bi­li­tät von Dawkins´Agenten-Teleologie-Theorie 231ff.

    Ach Daw­kins! »Wi­der al­les und al­lem« (je­des, je­den)?

    #46

  47. Grö­sse­re Ver­zweif­lung
    Es tut mir leid...ich ver­ste­he rein gar nichts von Dei­nem Kom­men­tar.

    Wor­um geht es ge­nau? Dar­um, was Daw­kins in der Öf­fent­lich­keit in In­ter­views sagt oder was er in die­sem Buch schreibt? Wor­über soll­te man dis­ku­tie­ren?

    Zi­tat Köpp­nick: In sei­nem Buch stellt er ei­ne Ska­la auf, um der Re­li­gio­si­tät ei­nes Men­schen ei­nen Zah­len­wert zu­zu­wei­sen. Die­se Ska­la be­ginnt mit 1 und en­det mit 7 [...] Er selbst ord­net sich ei­nen Wert von 6,5 zu.

    Nix mit 50:50. Das ord­ne ich un­ter ge­ord­ne­ten Rück­zug ein.

    (Bit­te Klar­na­men­spiel­chen zu un­ter­las­sen.)

    #47

  48. ww sagt:

    Ver­zweif­lungs­min­de­rung
    @gregor

    Zi­tat­an­fang:

    Grö­sse­re Ver­zweif­lung
    Es tut mir leid...ich ver­ste­he rein gar nichts von Dei­nem Kom­men­tar.

    Wor­um geht es ge­nau? Dar­um, was Daw­kins in der Öf­fent­lich­keit in In­ter­views sagt oder was er in die­sem Buch schreibt? Wor­über soll­te man dis­ku­tie­ren?

    Zi­tat Köpp­nick: In sei­nem Buch stellt er ei­ne Ska­la auf, um der Re­li­gio­si­tät ei­nes Men­schen ei­nen Zah­len­wert zu­zu­wei­sen. Die­se Ska­la be­ginnt mit 1 und en­det mit 7 [...] Er selbst ord­net sich ei­nen Wert von 6,5 zu.

    Nix mit 50:50. Das ord­ne ich un­ter ge­ord­ne­ten Rück­zug ein.

    Zi­ta­ten­de

    Jou,
    das Nicht­ver­ste­hen – es ist of­fen­sicht­lich -
    liegt wohl an mei­ner Ar­gu­men­ta­ti­ons­wei­se.
    Ha­be den Text – so hof­fe ich – kla­rer ge­macht.

    P.S.

    Ähn­li­che ar­gu­men­ta­ti­ve Pro­ble­me, meist in Zu­sam­men­hang mit der The­is­mus vs De­is­mus Sa­che, fin­den sich in der Re­zen­si­on gar nicht we­ni­ge. Ich den­ke da an die Pas­sa­gen zur Jef­fer­son-Bi­bel oder zur Re­li­gio­si­tät der ame­ri­ka­ni­schen »Grün­der­vä­ter«.

    Dann et­wa in der Bio­lo­gie die Sym­bio­se-Al­tru­is­mus-Sa­che.

    Dann die Miss­brauch-Er­zie­hung­s­ache – Daw­kins ar­gu­men­tiert hier mit der mas­si­ven Schä­di­gung, die durch Höl­len­vor­stel­lun­gen bei Kin­dern her­vor­ge­ru­fen wird. Er hält sie für mas­si­ver als die Schä­di­gung durch kle­ri­kal-se­xu­el­len Miss­brauch, durch­aus er­wä­gens­wert.

    Oder, oder, oder.

    Ob da wohl un­ser schät­zens­wer­ter Re­li­gi­ons­phi­lo­lo­ge und Dok­tor und Dich­ter drü­ber­ge­schaut hat? Kann es mir fast nicht den­ken, aber wer weiß. Dei­ne Re­zen­sio­nen zu sei­nen Ro­ma­nen sind erstklassik/g, fin­de ich und schrieb ich Dir ein­mal vor lan­ger Zeit.

    greets

    w

    #48

  49. Hin­weis:
    Der oben un­ter dem Da­tum 06.02.2010 15:29 Uhr ste­hen­den Kom­men­tar #46 von ww wur­de am 08.02.2010 09:49 Uhr er­gänzt. Die Soft­ware zeigt die­se Än­de­rung in­fol­ge ei­ner Über­nah­me des neu­en Da­tums nicht an, was ich für ein Schwä­che hal­te. Der Ver­fas­ser hat lei­der die Ver­än­de­run­gen nicht kennt­lich ge­macht.

    Lei­der er­schliesst sich mir im­mer noch nicht die In­ten­ti­on, was in die­sem Kom­men­tar ge­sagt wer­den soll. Dass Daw­kins Gläu­bi­ge nicht für dumm hält (wem wi­der­spricht er ja mehr­fach im Buch)? Oder dass die Äu­ße­run­gen in ei­nem In­ter­view hö­her zäh­len als das, was im Buch steht? Wie dem auch sei: Ich hal­te es für Zeit­ver­schwen­dung, dar­über zu dis­ku­tie­ren, ob Daw­kins nun Agno­sti­ker oder Athe­ist ist. Die Ant­wort da­zu steht ex­pli­zit in sei­nem Buch; ei­ne Ex­ege­se ist m. E. über­flüs­sig. Wenn er sei­ne Mei­nung ge­än­dert hat, ist das auch gut; dann wird er uns ja in ab­seh­ba­rer Zeit mit neu­en Er­kennt­nis­sen be­hel­li­gen.

    #49

  50. ww sagt:

    Scha­de,
    ich dach­te, auf der Ba­sis frü­he­rer ge­mein­sa­mer Fo­rums­er­fah­rung wä­ren Bo­nus so­wie Ver­trau­ens­vor­schuss ent­stan­den, der Ar­gu­men­ta­tio­nen und Ar­gu­men­ta­ti­ons­ana­ly­sen von mei­ner Sei­te ge­nau­er an­schau­en lässt. Und nicht – wie mir scheint – vor­schnell als ir­rele­vant oder un­ver­ständ­lich ab­tut.

    P.S. Rü­pe­lei­en sind nicht mein Stil oder al­len­falls letz­tes Mit­tel. Das, was Rü­pel-Gä­ste (!) hier un­ter ww ge­schrie­ben ha­ben, stammt nicht von mir und wur­de nicht von mir in­iti­iert.

    greets

    #50

  51. 1. Ich ver­ste­he Dei­ne In­ten­ti­on wirk­lich nicht.

    2. Wel­che Rü­pel­kom­men­ta­re sind ge­meint? Bit­te Mail oder hier auf­füh­ren – sie wer­den so­fort ge­löscht.

    #51

  52. ww sagt:

    Zu 1 Fe­en und El­fen und frag­li­che Patt-Si­tua­tio­nen
    a)
    Nun ja, wir hat­ten ne­ben dem fo­rum­kon­takt zu­letzt vor lan­ger Zeit auch Kon­takt im Zu­sam­men­hang mit dei­ner Spa­e­mann-Got­tes­be­weis-Be­spre­chung. Da­her dach­te ich, es gibt ei­ne ge­wis­se be­reit­schaft sich auf die De­tail­un­ter­su­chung dei­ner Daw­kins­re­zen­si­on ein­zu­las­sen.

    b)
    In dei­ner re­zen­si­on zu Daw­kins gibt es – so mei­ne ich – ei­ni­ges an be­wuss­ten oder un­be­wuss­ten oder fahr­läs­si­gen Miss­ver­ständ­nis­sen des Daw­kins-Tex­tes, und das weit un­ter­halb den Nor­men von über­kan­di­del­ter Text-Ex­ege­se.

    c)
    Ei­nes die­ser Miss­ver­ständ­nis­se liegt vor beim Agno­sti­zis­mus-Be­griff.
    Das ist be­ob­acht­bar in der Gre­gor-Buch­re­zen­si­on, setzt sich fort in der Gre­gor-Re­zep­ti­on von Pe­ters Stern-Zi­tat und fin­det sich zu­letzt in dei­nem Hin­weis auf Kwa­kus »6,5-Hinweis«.

    d)
    Be­zo­gen auf das Buch­re­zen­si­ons­pro­blem wur­de von mir oben recht aus­führ­lich ar­gu­men­tiert, die Sei­ten­zah­len sind an­ge­ge­ben; auch ha­be ich ex­pli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen, die Schrei­be kla­rer zu ma­chen.

    Soll­test du das Buch noch zur Hand ha­ben und neh­men ... aber gut, bei In­ter­es­se sich vom Fol­gen­den bit­te nicht ab­schrecken las­sen.

    e) Bei der In­ten­si­on (sic) des agno­sti­zis­mus-be­grif­fes geht es um fol­gen­des:

    »Es gibt Fe­en.« (The­se A)
    »Nein, die gibt es nicht.« (The­se Non-A)
    »Be­wei­se es!«

    Der Ver­tre­ter der The­se A meint wohl, dass The­se Non-A falsch ist.
    Hört er, dass es gu­te Grün­de gibt, The­se A für falsch zu hal­ten, ant­wor­tet er »Aber Du kannst nicht be­wei­sen, dass A falsch ist« . Und er setzt fort: »Aha, Du räumst al­so ein, dass The­se A wahr sein kann. Al­so ei­ne Patt-Si­tua­ti­on. Oder?! «

    Nun gilt aber:

    Wenn wir we­der end­gül­tig be­wei­sen kön­nen, dass Fe­en exi­stie­ren noch dass sie nicht exi­stie­ren, ist nicht lo­gisch zwin­gend, dass bei­de An­sich­ten gleich ver­nünf­tig sind. Oder dass sie bei­de ei­ne Wahr­schein­lich­keit von 50% ha­ben.

    Ein Athe­is­mus­be­griff, der 100% Si­cher­heit be­an­sprucht, wird von Daw­kins im Got­tes­wahn ex­pli­zit nicht ver­tre­ten. Da­mit ord­net er sich zum ei­nen in der Band­brei­te ei­nes wei­ten Agno­sti­zis­mus­be­grif­fes ein und zum an­de­ren ist die­se Po­si­ti­on re­prä­sen­ta­tiv für das Gros mo­der­ner Na­tur­wis­sen­schaft­ler oder Theo­ry of mind-Leu­te.

    f)
    Die Got­testhe­se lässt sich – cum gra­no sa­lis – in fol­gen­de Va­rie­tä­ten dif­fe­ren­zie­ren, :

    f1) The­is­mus

    - Es gibt ei­nen all­mäch­ti­gen, all­wis­sen­den, all­gü­ti­gen Gott.
    – Er ist ei­ne Per­son, die jen­seits der Ding­welt zu »ver­or­ten« ist – in ei­nem me­ta­phy­si­schen Be­reich.
    – Er hat die Welt ge­schaf­fen, in sie­ben ta­gen, wie es in den hl Schrif­ten steht.
    – Er greift – das ist das Kenn­zei­chén ei­ner Per­son – durch Wun­der und auf Bit­ten hin in das Welt­ge­sche­hen ein.
    Wie es in der Bi­bel steht. Und wie es sel­ten aber doch im All­tags­le­ben zu be­ob­ach­ten ist.
    – Sei­ne Schöp­fung ist bril­lant funk­tio­nal. Al­lein dar­aus schon könn­te man auf ei­ne bril­lan­te über­mensch­li­che In­stanz, den Ma­cher, schließen.Nicht nur aus den hl Schrif­ten.
    – Er be­lohnt und be­straft Men­schen, oft im ‘Dies­seits, si­cher aber im Jen­seits für gu­te und schlech­te Ta­ten.
    – Er ver­langt be­stimm­te ri­tua­le und ist bei de­ren Er­fül­lung dann gnä­dig.

    f2) De­is­mus

    Es gibt ei­nen all­mäch­ti­gen, all­wis­sen­den, all­gü­ti­gen Gott.
    Das ist nicht so klar...
    Er ist ei­ne Per­son, die jen­seits der Ding­welt zu »ver­or­ten« ist – in ei­nem me­ta­phy­si­schen Be­reich.
    Das ist wahr­schein­lich.
    Er hat die Welt ge­schaf­fen, wie es in den hl Schrif­ten steht.
    Das ist nicht so klar. Die Evo­lu­ti­on und so .....
    Er greift durch Wun­der und auf Bit­ten hin in das Welt­ge­sche­hen ein.
    Wie es in der Bi­bel steht. Und wie es sel­ten aber doch im All­tags­le­ben zu be­ob­ach­ten ist.
    Das ist eher un­wahr­schein­lich.
    Sei­ne Schöp­fung ist bril­lant funk­tio­nal. Al­lein dar­aus schon könn­te man auf ei­ne bril­lan­te über­mensch­li­che In­stanz, den Ma­cher, schlie­ßen.
    Das ist wohl plau­si­bel.
    Er be­lohnt und be­straft Men­schen, oft im ‘Dies­seits, si­cher aber im Jen­seits für gu­te und schlech­te Ta­ten.
    Das ist nicht ganz un­wahr­schein­lich.
    Er ver­langt be­stimm­te ri­tua­le und ist bei de­ren Er­fül­lung dann gnä­dig.
    Das ist eher un­wahr­schein­lich.

    g)
    Nun ist aus f) er­kenn­bar, dass der Be­griff »A-the­is­mus« sich dif­fe­ren­zie­ren lässt.

    In sei­ner har­ten Va­ri­an­te ne­giert er ab­so­lut al­le Merk­ma­le des The­is­mus, da­mit ist dann auch der De­is­mus über­bo­ten und »ka­putt«.

    In sei­ner wei­chen Va­ri­an­te ver­tritt er die Merk­ma­le des De­is­mus oder stuft de­ren Wahr­schein­lich­keit noch wei­ter her­ab.

    Nicht um­sonst war der Be­griff »De­is­mus« in der auf­klä­rung (sie­he die Fran­zo­sen und ih­re En­zy­klo­pä­di­en) sehr häu­fig syn­onym mit »Athe­is­mus«: Die Kon­fes­si­onskle­ri­ker sa­hen die Merk­ma­le Got­tes, die in der Bi­bel zu fin­den sind, ge­leug­net. Und das war dann hin­rei­chend für den Athe­is­mus-vor­wurf.

    An­de­rer­seits hat sich der Be­griff »Athe­is­mus« im mo­der­nen Sprach­ge­brauch auf der 100%-Variante ein­ge­pen­delt. Er be­ginnt dort, wo der Agno­sti­zis­mus-be­griff en­det.

    h)
    Der Be­griff »Agno­sti­zis­mus« ar­bei­tet mit zwei Pa­ra­me­tern:
    h1: die Wahr­schein­lich­keit ei­nes the­isti­schen Got­tes
    h2: die Wahr­schein­lich­keit ei­nes de­i­sti­schen got­tes.

    Je un­wahr­schein­li­cher für ei­ne Per­son der the­isti­sche oder de­i­sti­sche Gott, de­sto nä­her sei­ne Po­si­ti­on zum 100% -Athe­is­mus.
    Aber da­bei im­mer noch in der Band­brei­te des Agno­sti­zis­mus.

    i)
    Daw­kins und an­de­re (et­wa Mackie oder Law) in­si­stie­ren ge­gen Swin­bur­ne u.a, auf der ho­hen Un­wahr­schein­lich­keit bei­der re­li­giö­sen Sy­ste­me, auch wenn sie de­ren ab­so­lu­te Wi­der­leg­bar­keit nicht be­haup­ten oder ein­räu­men, dass die­se re­li­giö­sen Sy­ste­me nicht end­gül­tig wi­der­leg­bar sind.

    j)
    Eben für die­se Ge­dan­ken­fi­gur be­mü­hen Daw­kins und and­re ei­ne Un­wahr­schein­lich­keits­denk­fi­gur (Daw­kins sehr ex­pli­zit in sei­nem Got­tes­wahn, die Sei­ten und Be­leg­stel­len wur­den von mir zi­tiert):

    Die kos­mi­sche Tee­kan­ne, das flie­gen­de Spaget­ti­mon­ster, die Zahn­fee, Zwer­ge, Ein­hör­ner.....

    Die­se Ge­dan­ken­fi­gur er­fasst den ex­trem ver­dünn­ten Agno­sti­zis­mus: Die Er­kenn­bar­keit ei­ner Nicht­exi­stenz ist nicht ge­ge­ben, aber die Un­wahr­schein­lich­keit ei­ner Exi­stenz ist sehr hoch.

    Die­ser Be­griffs­ge­brauch ist durch­aus statt­haft und auch gän­gig, wenn auch als Ab­wei­chung vom Stan­dard­mo­dell.

    xyz) Fa­zit, vor­läu­fi­ges:

    Die­sem Daw­kins und sei­nen Buch­aus­sa­gen nun nun »Pa­ra­noia« vor­zu­hal­ten, greift ein­fach zu kurz. Und hat sehr viel mit ei­nem ver­ständ­li­chen bis un­prä­zi­sen Fu­ror zu tun. Aber da­mit be­fin­det sich dei­ne Re­zen­si­on in gu­ter Ge­sell­schaft. In der un­über­schau­bar groß ge­wor­de­nen Daw­kins­re­zep­ti­on be­son­ders in­ter­es­sant ein ak­tu­el­ler Sam­mel­band (2010) im Böhlau­ver­lag.

    Ru­dolf Langtha­ler / Kurt Ap­pel (Hg):
    Daw­kins´ Got­tes­wahn. 15 kri­ti­sche Ant­wor­ten auf sei­ne athe­isti­sche Mis­si­on.
    Böhlau, Wien – Köln – Wei­mar 2010, ISBN 978–3205784098

    Das Kant­ka­pi­tel dar­in von Ru­dolf Langtha­ler, wow! Oder Phil­ip Clay­ton, wow!

    #52

  53. Be­reit­schaf­ten usw.
    Sor­ry, ich kom­me lei­der erst jetzt da­zu, Dir zu ant­wor­ten.

    Na­tür­lich ist die Be­reit­schaft da, sich kri­tisch mit dem Ge­schrie­be­nen ausei­an­der­zu­set­zen. Ich tren­ne da­bei aber auf zwei Ebe­nen: Ich schrei­be über das, was in dem je­wei­li­gen Buch steht. Und sel­ten bzw. gar nicht, was ein Au­tor zum oder über die­ses Buch ge­sagt hat bzw. was even­tu­ell als Er­gän­zung zu die­sem Buch ver­stan­den wer­den könn­te. (Es gibt hier sel­te­ne Aus­nah­men.)

    In­so­fern in­ter­es­siert es mich zwar, was Herr Daw­kins so al­les zu sei­nem Agno­sti­zis­mus oder Athe­is­mus in di­ver­sen In­ter­views ge­sagt hat – und da­für sind ja un­ter an­de­rem die Kom­men­ta­re da, dies ggf. zu er­gän­zen. Aber das dar­aus ei­ne ve­ri­ta­ble Um­deu­tung des im Buch auf­ge­stell­ten Theo­rie­ge­bäu­des ver­sucht wird, fin­de ich nicht in Ord­nung.

    In Kern geht es um Dei­ne fol­gen­de Ar­gu­men­ta­ti­on:

    c)
    Ei­nes die­ser Miss­ver­ständ­nis­se liegt vor beim Agno­sti­zis­mus-Be­griff.
    Das ist be­ob­acht­bar in der Gre­gor-Buch­re­zen­si­on, setzt sich fort in der Gre­gor-Re­zep­ti­on von Pe­ters Stern-Zi­tat und fin­det sich zu­letzt in dei­nem Hin­weis auf Kwa­kus »6,5-Hinweis«.

    Wor­in be­steht die­ses Miß­ver­ständ­nis GENAU? Daw­kins gibt sich auf der mehr­fach zi­tier­ten Ska­la ei­nen Wert von 6,5 (7 wä­re »voll­kom­me­ner« Athe­ist). er ist na­tür­lich als Wis­sen­schaft­ler klug ge­nug, nie et­was als 100%ig auf­zu­fas­sen – ge­schenkt. Wor­aus lei­test Du hier aber ei­nen Agno­sti­zis­mus ab? Ge­nau das macht er näm­lich im Buch nicht. Es gibt so­gar ein Ka­pi­tel, in dem er Agno­sti­ker sinn­ge­mäss als »Weich­ei­er« be­zeich­net, die sich ei­ne wie auch ge­ar­te­te Hin­ter­tür auf­las­sen wol­len.

    d)
    Be­zo­gen auf das Buch­re­zen­si­ons­pro­blem wur­de von mir oben recht aus­führ­lich ar­gu­men­tiert, die Sei­ten­zah­len sind an­ge­ge­ben; auch ha­be ich ex­pli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen, die Schrei­be kla­rer zu ma­chen.

    Der Text steht; die »Schrei­be« wird nicht mehr »kla­rer« ge­macht wer­den. Wo sind aber hier­zu Dei­ne Er­gän­zungs­vor­schlä­ge, die im­ma­nent aus dem »Got­tes­wahn« her­aus ar­gu­men­tie­ren?

    Ich wer­de mir nicht die Mü­he ma­chen her­aus­zu­ar­bei­ten, in welch’ rü­pel­haf­tem Ton Daw­kins Gläu­bi­ge (und auch Agno­sti­ker) im Buch be­schimpft; Re­li­gi­on als »Krank­heit« dar­stellt, usw. Das ist in »mei­ner Schrei­be« durch die kur­siv ge­setz­ten Stel­len min­de­stens teil­wei­se deut­lich ge­wor­den. DAS be­zeich­ne ich als Pa­ra­noia: Daw­kins sieht sich so­zu­sa­gen um­zin­gelt von bös­ar­ti­gen Glau­ben­den (oder Halb-Glau­ben­den). Er spricht ih­nen pau­schal ih­ren In­tel­lekt ab. Auf die­sen gro­ben Keil ha­be ich mir er­laubt, ei­nen gro­ben Klotz zu set­zen. Du kannst mei­ne Wort­wahl kri­ti­sie­ren – den Te­nor, der aus Daw­kins’ Buch her­aus­kriecht, nicht.

    Ich ha­be ver­sucht zu er­klä­ren, WARUM Daw­kins so schreibt. ich glau­be näm­lich, dass dies in sei­ner ra­di­ka­len Ge­ge­gen­er­schaft zu den evan­ge­li­ka­len Chri­sten in den USA be­grün­det ist, die dort seit ge­rau­mer Zeit zur spi­ri­tu­el­len aber auch – und das treibt ihn um – po­li­ti­schen Macht stre­ben und na­tur­wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se ne­gie­ren. Die­ses durch­aus eh­ren­haf­te Ziel treibt Daw­kins um. Ähn­lich ei­nem On­ko­lo­gen will er mit dem Buch ALLE Zel­len von Re­li­gio­si­tät und Spi­ri­tua­li­tät (au­ßer den Bud­dhis­mus, den er aus­spart – Hit­chens üb­ri­gens nicht) ver­nich­ten, da­mit dann auch die »bö­sen« Zel­len »ver­nich­tet« wer­den. Sein Buch ist als Che­mo­the­ra­pie ge­dacht.

    Wei­ter ge­dacht be­deu­tet dies: Den Kon­sens der Auf­klä­rung, die Tren­nung bzw. Dul­dung von staat­li­chen und re­li­giö­sen Be­lan­gen, kün­digt er auf. Er be­ant­wor­tet die Ge­gen­auf­klä­rung der Evan­ge­li­ka­len mit der Ge­gen­auf­klä­rung ei­nes be­haup­te­ten Athe­is­mus.

    #53

  54. ww sagt:

    Zwei Mön­che
    In ei­nem Klo­ster­gar­ten auf- und ab­wan­delnd – zwei Mön­che. In der Nä­he die Klo­ster­bi­blio­thek. Of­fen­sicht­lich be­fin­den sich die bei­den in ei­nem ge­lehr­ten Dis­put.

    Fra­ter Gre­go­ri­us:

    Ich ha­be das Buch im Mo­ment nicht zur Hand, aber der Be­griff »Weich­ei« fällt in Ver­bin­dung mit Agno­sti­zis­mus durch­aus. Wenn sich Daw­kins ir­gend­wo als Agno­sti­ker be­zeich­nen soll­te, dann ist er viel­leicht pa­ra­no­id. Denn: Daw­kins un­ter­schei­det zwei ver­schie­de­ne Ar­ten von Agno­sti­kern – VPA »vor­über­ge­hend prag­ma­tisch« und PPA »prin­zi­pi­ell per­ma­nent«. Da bei ei­nem Agno­sti­ker im­mer die Mög­lich­keit der Exi­stenz ei­nes Got­tes be­steht, lehnt er das ziem­lich ein­deu­tig ab. – Spä­te­stens nach dem Ka­pi­tel, wo er be­wei­sen will, dass Gott »ver­mut­lich« nicht exi­stiert.

    Fra­ter Gu­i­ell­mus:
    Gre­go­ri­us, Du er­wähnst Daw­kins Un­ter­schei­dung von PPA und VPA – das fin­det sich – Mo­ment hier mei­ne Auf­zeich­nung – in Got­tes­wahn p 68; Du be­ziehst dich al­so – oh­ne dass du nä­her dar­auf ein­gehst – auf Daw­kins Po­le­mik ge­gen den 50:50 Agno­sti­zis­mus; Daw­kins be­zeich­net sich näm­lich in sei­nem »Got­tes­wahn« als »Tee­kan­nen-Agno­sti­ker« und ord­net die Got­tes­fra­ge dem VPA-Agno­sti­zis­mus zu. »Wir kön­nen nicht mit Si­cher­heit be­wei­sen, dass es kei­ne himm­li­sche Tee­kan­ne gibt« (Got­tes­wahn p 75), aber es gilt »Gott ist nicht wahr­schein­li­cher als die Fee, die klei­nen Kin­dern die aus­ge­fal­le­nen Milch­zä­he weg­nimmt und ih­nen Ge­schen­ke da­für gibt.« Daw­kins Fa­zit aus dem Tee­kan­nen-Fe­en-To­pos lau­tet: »Bei­de Hy­po­the­sen kann man nicht wi­der­le­gen, und bei­de sind glei­cher­ma­ßen un­wahr­schein­lich« (S.75), die der Exi­stenz der kos­mi­schen Tee­kan­ne und die der Mi­ra­kel-Zahn­fee. Ähn­lich ist es mit der The­se von der Exi­stenz Got­tes.

    Das ist von Daw­kins po­le­misch for­mu­liert, aber der Klar­text ist gut ver­ständ­lich: Ein Nicht-Wi­der­le­gen-Kön­nen be­stimm­ter The­sen heißt nicht, dass sie gleich wahr­schein­lich sind wie ih­re Ge­gen­the­se. So lässt sich si­cher plau­si­bel be­haup­ten: die Exi­stenz von Zahn­fe­en ist sehr viel un­wahr­schein­li­cher als de­ren Nicht­exi­stenz. Oder: Die Nicht­exi­stenz von Zahn­fe­en ist sehr viel wahr­schein­li­cher als ih­re Exi­stenz.

    Und/aber der TEEKANNENAGNOSTIKER ist auf je­den Fall ei­ne gut er­klä­ren­de bild­haf­te Be­griff­lich­keit für Daw­kins Agno­sti­zis­mus-Va­ri­an­te: Nicht 50:50, son­dern sehr »viel mehr«, et­wa 95: 05, dass ei­ne Mi­ra­kel-The­se nicht stimmt. Und ei­ne in­ter­es­san­te Fa­zit-Me­ta­pher für vie­le sei­ner Ar­gu­men­te, wenn es um die Plau­si­bi­li­tät von tran­szen­den­ten, me­ta­phy­si­schen In­stan­zen geht..

    Wenn man ihn dann als »pa­ra­no­id« (- Agno­sti­ker, kein Agno­sti­ker, Athe­ist -) be­zeich­net, ist dies wohl dem hei­li­gen Fu­ror ge­schul­det, der ei­nen manch­mal am Wickel hat?

    Fra­ter Gre­go­ri­us :
    Wor­in be­steht die­ses Miss­ver­ständ­nis GENAU? Daw­kins gibt sich auf der mehr­fach zi­tier­ten Ska­la ei­nen Wert von 6,5 (7 wä­re »voll­kom­me­ner« Athe­ist). er ist na­tür­lich als Wis­sen­schaft­ler klug ge­nug, nie et­was als 100%ig auf­zu­fas­sen – ge­schenkt. Wor­aus lei­test Du hier aber ei­nen Agno­sti­zis­mus ab? Ge­nau das macht er näm­lich im Buch nicht. Es gibt so­gar ein Ka­pi­tel, in dem er Agno­sti­ker sinn­ge­mäss als »Weich­ei­er« be­zeich­net, die sich ei­ne wie auch ge­ar­te­te Hin­ter­tür auf­las­sen wol­len.

    Fra­ter Gu­i­ell­mus:
    Aber das Miss­ver­ständ­nis wur­de doch ge­ra­de be­schrie­ben? Da­mit meint er die 50:50 Agno­sti­ker, die sind für ihn die »Weich­ei­er«. Und der Be­griffs­ge­brauch ist doch halb­wegs klar­ge­stellt, die­se Un­ter­schei­dung der bei­den Va­ri­an­ten? Die Va­ri­an­te mit 50:50. Und die Va­ri­an­te mit 95:05 (die Va­ri­an­te mit der Fe­en und der kos­mi­schen Tee­kan­ne)? Viel­leicht ge­hen wir in die Bi­blio­thek und schla­gen dort die frag­li­chen Sei­ten auf?

    Fra­ter Gre­go­ri­us:
    Ich re­de über das, was in dem je­wei­li­gen Buch steht. Und sel­ten bzw. gar nicht, was ein Au­tor zum oder über die­ses Buch ge­sagt hat bzw. was even­tu­ell als Er­gän­zung zu die­sem Buch ver­stan­den wer­den könn­te. (Es gibt hier sel­te­ne Aus­nah­men.)

    In­so­fern in­ter­es­siert es mich zwar, was Herr Daw­kins so al­les zu sei­nem Agno­sti­zis­mus oder Athe­is­mus in di­ver­sen In­ter­views ge­sagt hat – und da­für sind ja un­ter an­de­rem die Kom­men­ta­re da, dies ggf. zu er­gän­zen. Aber dass dar­aus ei­ne ve­ri­ta­ble Um­deu­tung des im Buch auf­ge­stell­ten Theo­rie­ge­bäu­des ver­sucht wird, fin­de ich nicht in Ord­nung.

    Fra­ter Gu­i­ell­mus:
    Aber die Sei­ten­zah­len sind doch an­ge­ge­ben. Wie­so al­so ve­ri­ta­ble Um­deu­tung? Wie­so al­so di­ver­se In­ter­views? Da das „das Buch ge­ra­de nicht zur Hand ist“ im Gar­ten, ge­hen wir in die Bi­blio­thek?

    Fra­ter Gre­go­ri­us:
    Und au­ßer­dem hat Daw­kins ei­nen Ton drauf, der das To­le­ranz­po­stu­lat der Auf­klä­rung kol­la­bie­ren lässt. Ich wer­de mir nicht die Mü­he ma­chen, all das zu wie­der­ho­len, was ich da­zu be­reits mit Be­le­gen ge­sagt ha­be. Dumm­heit dia­gno­sti­ziert er bei den Re­li­giö­sen. Da­bei hy­perstasiert er die ame­ri­ka­ni­sche Fun­da­men­ta­li­sten­va­ri­an­te. Was da­bei für Tö­ne her­aus­krie­chen, das muss ich mir nicht noch ein­mal ge­hör­mä­ßig an­tun.

    Fra­ter Gu­i­ell­mus:
    Las­sen wir es gut sein. Soll­test Du ein­mal ei­ne Samm­lung dei­ner Dis­kur­se her­aus­ge­ben, so bin ich be­reit, da­für ein Nach­wort zu schrei­ben. Und Mi­cha­el Blu­me könn­te das Vor­wort bei­steu­ern. Als Ti­tel dei­nes Bu­ches könn­te ei­ne Ant­ony­men­paar fun­gie­ren, viel­leicht so­was wie „Glanz und Elend auf­klä­re­ri­scher Dis­kur­se“. Und un­ser Ge­spräch im Klo­ster­gar­ten soll­te dar­in nicht feh­len.

    #54

  55. Ach Gott (sic!)
    Soll ich dem Fra­ter Gu­i­ell­mus wirk­lich die ent­spre­chen­den Sei­ten her­aus­su­chen, in de­nen Herr D. wie ein Wü­te­rich sei­ne Sup­pe nicht es­sen möch­te? Und Du fin­dest im Tee­kan­nen-Din­gens Daw­kins mit sei­nen ei­ge­nen Aus­füh­run­gen wi­der­legt? Ge­schenkt.

    Die ober­leh­rer­haft-an­spie­le­ri­schen At­ti­tü­den sind mir ziem­lich un­er­träg­lich ge­wor­den. Nach­wor­te wer­de ich zum Glück nie brau­chen, da die Samm­lung mei­ner Dis­kur­se ir­gend­wann im Nir­wa­na des w.w.w. (!) wir­kungs­los ver­puf­fen wird. Und das ist auch gut so.

    Üb­ri­gens: Mit 1–2-3 ist hier ein Blog an­ge­legt!

    PS: 2010-02-27 17.15 Uhr: Ich ha­be ei­ni­ge Stel­len noch ein­mal nach­ge­schla­gen. »Die Ar­mut des Agno­sti­zis­mus« be­ginnt sein Un­ter­ka­pi­tel auf Sei­te 67, in dem er den Got­tes­glau­ben mit Fe­en- und Tee­kan­nen­al­le­go­ri­en de­nun­ziert. Das ist durch­aus le­gi­tim. Und – zum ge­fühl­ten 25. Mal: Ja, er lässt ei­ne Hin­ter­tür – 6,5/7 eben. Aber es sind letzt­lich nur rhe­to­ri­sche Spiel­chen. Er hält re­li­giö­se Men­schen für krank und we­ni­ger in­tel­li­gent; so­gar Hit­ler wird von ihm be­kehrt, da­mit es rein­passt.

    Im wei­te­ren Ver­lauf macht R.D. kei­nen Hehl dar­aus, dass für ihn Gott nicht exi­stie­ren kann, weil es kein We­sen ge­ben kann, wel­ches au­ßer­halb des Evo­lu­ti­on­pro­zes­ses steht. Die­se Ve­he­menz ist sei­nem von mir mehr­fach vor­ge­brach­ten An­lie­gen hin­sicht­lich der Be­kämp­fung der Evan­ge­li­ka­len in den USA ge­schul­det; s. Vor­wort zur deut­schen Aus­ga­be, S. 16/17.

    #55

  56. ww sagt:

    Pa­ter G.
    Und Du fin­dest im Tee­kan­nen-Din­gens Daw­kins mit sei­nen ei­ge­nen Aus­füh­run­gen wi­der­legt? Ge­schenkt.

    Pa­ter Gu­i­ell.
    Nein, ich fin­de nicht, dass er sich wi­der­legt. Zum ge­fühl­ten zwölf­ten Mal: er the­ma­ti­siert zwei Agno­sti­zis­mus-Va­ri­an­ten und hält die ei­ne für plau­si­bel, die an­de­re hält er für et­was, des­sen sich Weich­ei­er im Um­gang mit the­isten be­die­nen.

    Und: Wenn »ober­leh­rer­haft« – auch -be­deu­tet, »ei­nen Text ge­nau le­sen«, dann soll­te man »ober­leh­rer­haft« ne­ga­ti­ver Kon­no­ta­tio­nen ent­klei­den. Wenn es aber be­deu­tet, »groß­mäu­lig und von oben her­ab oder flie­gen­bein­zäh­lend da­her re­den«, dann kann sich das si­cher auf mei­ne Re­de be­zie­hen. Aber Gott mö­ge ent­schei­den, wel­che der bei­den Re­den dann die­ses At­tri­but wahr­lich ver­dient.

    #56