Pe­ter Slo­ter­di­jk: Zei­len und Ta­ge

Peter Sloterdijk: Zeilen und Tage

Pe­ter Slo­ter­di­jk: Zei­len und Ta­ge

In den Vor­be­mer­kun­gen zu die­sem Buch heißt es, dass es der Über­re­dungs­kün­ste von Rai­mund Fel­lin­ger und Ul­rich Raulff be­durft ha­be, um die zwölf ta­ge­buch­ar­ti­gen »Hef­te« von Pe­ter Slo­ter­di­jk, die zwi­schen dem 8. Mai 2008 und dem 8. Mai 2011 (!) ent­stan­den sind, zu ver­öf­fent­li­chen. Die­ses ge­spreiz­te Un­der­state­ment un­ter­stützt Slo­ter­di­jk in dem er für ei­nen kur­zen Mo­ment so­gar von sich in der drit­ten Per­son spricht. Schließ­lich wur­de dem Drän­gen nach­ge­ge­ben, die Hef­te 100 bis 111 wur­den tran­skri­biert und si­cher­lich auch lek­to­riert (al­te Recht­schrei­bung!). Lei­der hat man da­bei das Inhalts­verzeichnis ver­ges­sen, denn dort wer­den für Heft 105 und Heft 106 fal­sche Da­ten ge­nannt; ei­ne Pe­ti­tes­se zwar, aber är­ger­lich.

Vor­ab sei ge­sagt: »Zei­len und Ta­ge« ist kein Stein­bruch, son­dern ein weit­ver­zweig­tes, zu­wei­len la­by­rin­thisch an­mu­ten­des Stol­len­sy­stem mit vie­len ver­schie­de­nen Ein- und Aus­gän­gen und ge­le­gent­li­chen Sack­gas­sen. Mit der er­sten Lek­tü­re die­ses Bu­ches soll­te der Le­ser sei­ne ei­ge­ne Kar­to­gra­phie die­ses Kon­vo­luts an­fer­ti­gen um dann, je nach Zeit und Ge­le­gen­heit, die Gold­pfan­nen ziel­ge­rich­tet krei­sen las­sen zu kön­nen. So man­ches Körn­chen wird bei der zwei­ten oder drit­ten Lek­tü­re um­so hel­ler auf­leuch­ten.

Da wird do­ziert, re­flek­tiert, brüs­kiert, iro­ni­siert, rä­so­niert, bram­ar­ba­siert und, vor al­lem, phi­lo­so­phiert. So wird bei­spiels­wei­se Hand an Hei­deg­gers »Sein und Zeit« an­ge­legt und nicht nur in­ter­pre­tiert, son­dern er­gänzt und sub­stan­ti­ell kri­ti­siert und er­wei­tert. Es gibt tief­ge­hen­de Aus­füh­run­gen über Der­ri­da nebst Be­mer­kun­gen zu sei­nem Ethos der Aus­führ­lich­keit. Witt­gen­steins letz­te Sät­ze for­dern ei­ne gründ­li­che Ana­ly­se. Selbst­verständlich wer­den hi­sto­ri­sche und ge­sell­schaft­li­che Phä­no­me­ne mit dem Lieblings­philosophen Nietz­sche as­so­zi­iert und ge­deu­tet. Aus­führ­li­che Lek­tü­re­ein­drücke gibt es von Or­te­ga y Gas­set, Kier­ke­gaard, Em­ma­nu­el Le­vinas, Rous­se­au, Sart­re und Goe­the. Letz­te­rer wird als Gips­fi­gur ab­ge­han­delt; für je­man­den, der Ho­tels nach den Marmor­sorten in den Ba­de­zim­mern zu ru­bri­zie­ren ver­mag, ei­ne ziem­lich de­spek­tier­li­che For­mu­lie­rung, die je­doch wo­mög­lich nur aus rei­ner Pro­vo­ka­ti­ons­lust den si­tu­ier­ten Hei­li­gen­ver­eh­rern in der (deut­schen) Ger­ma­ni­stik ge­schul­det ist.

Wein­berg statt El­fen­bein­turm

Slo­ter­di­jk hin­ge­gen ist aus­ge­spro­chen fran­ko­phil und ist ein aus­ge­zeich­ne­ter Ken­ner der fran­zö­si­schen Ge­schich­te. Mun­ter ver­knüpft er sei­ne Lek­tü­re­er­kennt­nis­se auch aus zu­wei­len eher ab­sei­ti­gen, weil sehr spe­zi­el­len Wer­ken mit den Er­eig­nis­sen der Ge­gen­wart. Nur bei ihm er­fährt man et­was über den fran­zö­si­schen Fu­tu­ris­mus von 1793, die zwei Kol­la­bo­ra­tio­nen Frank­reichs im Zwei­ten Welt­krieg und Ro­land Bar­t­hes’ Ent­zau­be­rung Chi­nas wäh­rend ei­ner Rei­se 1974. Häu­fig tritt er auf fran­zö­si­schen Büh­nen auf. In ei­nem Fern­seh­ge­spräch mit Ber­nard Hen­ry Lé­vy ver­misst er des­sen in­tel­lek­tu­el­le Gastfreund­schaft, da er nicht auf das an­ge­kün­dig­te The­ma – Slo­ter­di­jks Buch – ein­geht. Hier­zu passt dann das Bon­mot, dass nichts so su­spekt [ist] wie die­ser Po­pu­lis­mus der Ge­bil­de­ten, die im Na­men der an­de­ren sel­ber nicht ver­ste­hen. Zu­dem mo­kiert sich Slo­ter­di­jk über die Gim­pel­fal­le, in der sich BHL be­ge­be, in dem er sich als »Krie­ger« cha­rak­te­ri­sie­re. Die As­so­zia­ti­on zu Jün­ger kommt ihm da­bei nicht. Aber nicht nur in Frank­reich ist Slo­ter­di­jk be­kannt. Im­mer wie­der tru­deln Über­set­zun­gen sei­ner Bü­cher in di­ver­sen eu­ro­päi­schen Spra­chen ein. Slo­ter­di­jk ist kein El­fen­bein­turm-Phi­lo­soph, son­dern äu­ßerst mo­bil und fast stän­dig un­ter­wegs (Trans­at­lan­tik­flü­ge be­vor­zugt busi­ness-class); Vor­trä­ge, Le­sun­gen, Dis­kus­sio­nen, Sym­po­si­en, Emp­fän­ge. In In­ter­la­ken wird er, der un­fri­sier­ba­re Oger, für ei­nen Bus­fah­rer ge­hal­ten.

Sehr ge­nau wer­den Be­su­cher­zah­len und Dis­kus­si­ons­ver­läu­fe bei Ver­an­stal­tun­gen pro­to­kol­liert (die Sä­le sind fast im­mer voll bis über­füllt). Nach ei­ner Eh­rung be­merkt er an die Adres­se der Lau­da­to­ren Ge­lobt wer­den ist nicht mei­ne Stär­ke. Bei der Be­trach­tung der Quo­ten zum »Phi­lo­so­phi­schen Quar­tett« (sei­ne Ur­tei­le über die Sen­dun­gen fal­len aus­schließ­lich po­si­tiv aus) wird nicht mit Kri­tik am ZDF ob des Schat­ten­da­seins der Sen­dung ge­spart. Als der Volks­wa­gen-Kon­zern als Spon­sor aus­steigt, be­klagt Slo­ter­di­jk, dass der Sen­der für die­se ver­gleichs­wei­se preis­wer­te Sen­dung über­haupt ei­nen Spon­sor ge­braucht ha­be. Auch der Suhr­kamp Ver­lag be­kommt sein Fett ab: Slo­ter­di­jk er­fährt aus den ihm bei Le­sun­gen zur Si­gna­tur vor­ge­leg­ten Ex­em­pla­ren die je­weils ak­tu­el­le Auf­la­ge sei­nes Übungs­bu­ches. Und manch­mal hat man den Ein­druck, dass die Pro­duk­ti­vi­tät des Phi­lo­so­phen nicht mit den Ka­pa­zi­tä­ten des Ver­lags mit­kommt; grim­mig wird ver­merkt, wenn ei­ne Re­de von ihm noch im­mer nicht pu­bli­ziert wur­de.

Ei­ne bos­haf­te Spit­ze be­kommt Hans-Jür­gen Hein­richs ver­passt, der es »ge­wagt« hat­te, über Slo­ter­di­jk ei­ne Bio­gra­phie (im Han­ser-Ver­lag) vor­zu­le­gen. Sein Buch sei zwar wohl­tu­end be­müht, ver­knüp­fe je­doch die ro­ten Ge­dan­ken­fä­den des Werks nicht der­art, wie dies mög­lich ge­we­sen wä­re, so das Ur­teil. En pas­sant wird von ei­nem Brief Mi­cha­el Krü­gers be­rich­tet, in dem er sei­ne Rat­lo­sig­keit an­ge­sichts des Ma­nu­skripts von HJH ge­ste­he. Er hal­te das Werk nach so vie­len Kor­rek­tu­ren für nicht mehr ver­bes­ser­bar und im­mer noch nicht gut. Er winkt es re­si­gniert zur Pu­bli­ka­ti­on durch, ob­schon er sei­ne Män­gel schär­fer sieht als ir­gend­wer sonst. Herrn Hein­richs dürf­te die­se Sot­ti­se nicht ge­fal­len.

Slo­ter­di­jk ist der un­er­müd­lich Schaf­fen­de im phi­lo­so­phi­schen Wein­berg. Er ist Rek­tor in Karls­ru­he, lehr­te zeit­wei­se noch re­gel­mä­ßig in Wien, schreibt an ei­nem Opern­li­bret­to, kon­zi­piert mit Ba­zon Brock ei­nen »Profi-Bürger«-Studiengang und kommt von fast je­der Rei­se mit neu­en Ide­en für Es­says und Vor­trä­gen zu­rück, zu de­nen in den Hef­ten zu­wei­len er­ste, kur­ze Ent­wür­fe ver­fasst sind. Es ist un­mög­lich, auch nur an­näh­rend der Spann­brei­te der In­ter­es­sen die­ses Man­nes hier aus­zu­brei­ten. So ent­deckt und ent­wickelt Slo­ter­di­jk ei­ne »Ba­star­dolo­gie«, be­schreibt in ver­blüf­fen­der Klar­heit die Ver­wechs­lung von Gemein­schaft und Ge­sell­schaft, mo­niert ei­nen feh­len­den Ar­chi­tek­to­klas­mus, ver­tei­digt Vi­lém Flus­ser ge­gen Alex Bloch, re­fe­riert über Kant und die Re­li­gi­on, setzt sich mit Rous­se­au und sei­nen Idio­syn­kra­si­en aus­ein­an­der, kan­zelt Lukács Vor­wort zu sei­nen »The­sen des Ro­mans« als Ab­itu­ri­en­ten­pro­sa ab und gei­ßelt die per­ver­se Kol­la­bo­ra­ti­on der west­li­chen Phil­an­thro­pie mit dem Sy­stem der afri­ka­ni­schen Kor­rup­ti­on. Das fa­tal­ste Er­be der Ko­lo­ni­al­mäch­te an die in die Un­ab­hän­gig­keit ent­las­se­nen Völ­ker ist Slo­ter­di­jk zu­fol­ge der Na­tio­nal­staat. Gif­ti­ge Pfei­le wer­den ge­gen den sich epi­de­misch aus­brei­ten­den Neu­ro-Talk ab­ge­schos­sen; die zu­neh­men­de Ver­na­tur­wis­sen­schaft­li­chung der Geistes­wissenschaften be­arg­wöhnt Slo­ter­di­jk na­tur­ge­mäß (was ihn je­doch nicht dar­an hin­dert, sie ge­le­gent­lich sel­ber zu prak­ti­zie­ren). Beim Kol­le­gen Žižek be­merkt er vor­sich­tig ei­ne zu ein­sei­ti­ge Aus­rich­tung auf La­can, Hitch­cock und Freud und be­fürch­tet ei­ne ge­wis­se Selbst­banalisierung (üb­ri­gens auch vice ver­sa, was Slo­ter­di­jk be­wusst ist). Den Mit­glie­dern des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs wer­den selt­sa­me Welt­fremd­hei­ten at­te­stiert. Deut­li­che Wor­te nach der Er­mor­dung Bin La­dens: Ein gu­ter Tag für den Ra­che-In­stinkt, ein trü­ber Tag für die Zi­vi­li­sa­ti­on. Und über die zeit­ge­nös­si­sche Kunst heißt es, dass sie, weil sie in Über­pro­duk­ti­on schwimmt […] die Flucht in die Über­be­wer­tung des Wert­lo­sen an­tre­ten [muß].

Auf der Ge­mü­se­ki­ste

Trotz die­ses Pen­sums und sei­ner im­plan­tier­ten Skep­sis ge­gen­über den gän­gi­gen Massen­medien, die er im­mer mehr zu Mei­nungs­me­di­en ver­kom­men sieht (So wie es bald ei­ne Kenn­zeich­nungs­pflicht für Gift­stof­fe und ver­steck­te Dick­ma­cher in Nah­rungs­mit­teln ge­ben wird, soll­te man ei­ne Kenn­zeich­nungs­pflicht für In­hal­te von Mei­nungs­wa­ren ein­füh­ren. Ro­te Punk­te für Ver­het­zung, Ver­dum­mung und Auf­gei­lung, auf die Ge­fahr hin, daß Zei­tun­gen und TV-Sen­dun­gen wie ro­ter Re­gen auf uns fal­len.), fin­det sich noch Zeit für die Lek­tü­re zahl­rei­cher Zei­tun­gen und aus­ge­wähl­ter Fern­seh­sen­dun­gen; wenn Egon Bahr bei An­ne Will zu Gast ist, hat er ein­ge­schal­tet. Und na­tür­lich surft auch Slo­ter­di­jk im Netz, kom­men­tiert »Telepolis«-Artikel, be­klagt sich über ein län­ge­res Zi­tat ei­nes »Welt«-Artikels von ihm im »Per­len­tau­cher« und ent­deckt das ge­nia­li­sche Pam­phlet von Jür­gen Niel­sen-Si­ko­ra über den »kom­men­den Auf­stand« in »Glanz und Elend«. Auch pri­va­tes wird ge­bo­ten (glück­li­cher­wei­se nicht zu viel) und man liest er­staunt über die 122 km Fahr­rad­tour um Wien, die man ihm nicht zu­ge­traut hät­te. Fe­ste – un­ter an­de­rem mit Hu­bert und Ma­ria – wer­den ge­fei­ert aber manch­mal fres­sen die Ju­bi­lä­en die Ge­gen­wart auf. Be­trof­fen ist Slo­ter­di­jk im­mer wie­der von Krank­hei­ten und To­des­fäl­len von Freun­den und Be­kann­ten (Spu­ren ins Post­hu­mi­en ist der er­ste Teil des Bu­ches über­schrie­ben). Be­son­ders er­grif­fen ist er vom Tod von Her­mann Scheer und vom zwei Jah­re jün­ge­ren Bernd Ei­chin­ger. Von Letz­te­rem er­fährt der Le­ser ei­ni­ges.

In­ter­es­san­tes gibt es zum deut­schen Ost-West-Ver­hält­nis. Erst das Ver­glei­chen mit dem We­sten brach­te im Osten die flä­chen­decken­de Un­zu­frie­den­heit, denn seit je­her war der so­zia­le Ver­gleich ei­ne un­fehl­ba­re An­lei­tung zum Un­glück­lich­sein, so Slo­ter­di­jk. Die Ost­deut­schen hat­ten ih­re Schutz­hül­le, die DDR, je­nes In­ter­nat für un­te­res Kleinbürger­tum, ver­lo­ren: Sie ver­glei­chen sich jetzt, und hal­ten die Wir­kun­gen des Ver­gleichs nicht aus. Das nennt er mit ge­wohnt groß­spu­ri­gem Vo­ka­bu­lar das psy­cho­po­li­ti­sche Ge­heim­nis. Viel­leicht hät­te er »Schutz­höl­le« schrei­ben sol­len. An­de­re de­zi­diert in­nen­po­li­ti­sche Phä­no­me­ne fin­den nur am Ran­de Er­wäh­nung. Frank-Wal­ter Stein­mei­er zeigt sich ihm als gänz­lich an­de­rer Mensch als in der me­dia­len Wahr­neh­mung und wird ge­lobt. Köh­lers De­mis­si­on hält er für über­trie­ben, zu Wulff fal­len ihm nur bö­se Be­mer­kun­gen ein (op­por­tu­ne La­ger-Pup­pe vor der Wahl – Pla­stik­bun­des­prä­si­dent da­nach). Sei­nen Satz, der Is­lam ge­hö­re zu Deutsch­land, se­ziert er kunst- und wir­kungs­voll (da be­darf es des prot­zi­gen Eti­ketts me­reo­lo­gi­sche Sumpf­blü­te ei­gent­lich nicht mehr). Auch zeit­ge­nös­si­sche Po­li­ti­ker fan­den nur be­grenzt Auf­nah­me. So wit­tert er bei Cha­vez Kli­en­te­lis­mus von links und stellt Ver­glei­che zwi­schen Sar­ko­zy und Na­po­le­on III. an.

In die Nie­de­run­gen des Bou­le­vard be­gibt sich der Af­fekt-Ex­per­te nur ein­mal, in dem der Neo­li­be­ra­lis­mus aufs Def­tig­ste an­thro­po­mor­phi­siert wird: Hät­te der Neo­li­be­ra­lis­mus Tit­ten aus Ze­ment, er sä­he aus wie Hei­di Klum. Nicht nur in die­ser Sen­tenz ent­fleucht aus der zu­meist gut ver­schlos­se­nen Phio­le mit der Auf­schrift »Ver­ach­tung« ei­ne klei­ne Duft­wol­ke. Da wer­den aus den Fuß­ball­spie­lern des FC Ba­sel, die er im Ho­tel zu er­tra­gen hat, jun­ge, se­mi-de­pres­si­ve Pro­le­ten oder die Re­cher­chen zur Dok­tor­ar­beit von Gut­ten­berg als Ver­pö­be­lung ei­nes uni­ver­si­tä­ren Prü­fungs­ver­fah­rens durch ei­nen in­qui­si­to­ri­schen Mob de­nun­ziert. Lie­ber möch­te er stren­ge, in­ner­uni­ver­si­tä­re Richt­li­ni­en, die dann wie Tat­sa­chen­ent­schei­dun­gen im Fuß­ball mehr oder we­ni­ger sa­kro­sankt blei­ben. Über­haupt ist sein Ver­hält­nis zum In­ter­net eher am­bi­va­lent bis kri­tisch. So kon­sta­tiert er (wo­mög­lich zu­tref­fend) ei­ne ge­wis­se on­to­lo­gi­sche Pa­nik bei ei­ni­gen In­ter­net-Usern, die der­art schwa­che Kan­di­da­ten fürs wirk­li­che Da­sein sei­en, dass ih­nen je­des Mit­tel recht sei, ih­re Exi­stenz zu be­wei­sen. Zwar sieht er die Mög­lich­kei­ten des Net­zes als Ba­sis-Tech­nik für die glo­ba­le De­mo­kra­tie, scheint aber un­glück­lich, dass es zu oft auf ein di­gi­ta­les Bahn­hofs­vier­tel hin­aus­läuft, be­sten­falls ein vir­tu­el­ler Hy­de-Park, in dem je­der Er­reg­te von sei­ner Ge­mü­se­ki­ste her­ab pestet.

Grü­ße aus »Il­li­qui­di­en«

Slo­ter­di­jk be­schäf­tigt sich aus­gie­big mit der Fi­nanz­kri­se, die sich dann im Lau­fe der Jah­re zu ei­ner Eu­ro-Schul­den­kri­se aus­wächst. Sou­ve­rän sei, so pa­ra­phra­siert er Carl Schmitt, wer über das Aus­maß des Ru­ins ent­schei­de und an an­de­rer Stel­le wird der neue Kon­ti­nent Il­li­qui­di­en ent­deckt. Wenn er nicht über Ban­ken und Un­ter­neh­men als neue Ka­te­go­rie von So­zi­al­hil­fe­emp­fän­gern spöt­telt, er­scheint ihm ab dem Früh­jahr 2010 der Über­gang in die Ära der Hyp­no-Po­li­tik als voll­zo­gen: Die Hyp­no-Po­li­ti­ker ha­ben sich ei­nen Ap­pa­rat von The­sen zu­recht­ge­legt, mit de­ren Hil­fe Evi­den­zen ab­ge­strit­ten wer­den. Po­li­tik wird be­trie­ben mit der Ein­sicht: Zu la­bil sind die Ver­hält­nis­se ge­wor­den, als daß man sie vor dem Volk er­ör­tern dürf­te. Die Hyp­no-Al­li­anz sucht in der eu­ro­päi­schen Po­li­tik oder in der af­fir­ma­ti­ven Markt­be­ob­ach­tung ih­re rai­son d’etre. Dies führt dann da­zu, dass die nicht mehr frag­lich ge­mach­te Wirk­lich­keit auf­at­me, so­bald die De­the­ma­ti­sie­rung ein­setzt; wo­mög­lich in Form ei­nes leid­lich taug­li­chen Em­pö­rungs­the­ma. In­ter­es­sant wä­re es ge­we­sen, wenn Slo­ter­di­jk den Bo­gen die­ser ak­tu­el­len »Hyp­no-Al­li­anz« zu den Pa­ro­lendre­schern des re­al exi­stie­ren­den So­zia­lis­mus Mitte/Ende der 80er Jah­re ge­spannt hät­te.

Aber Slo­ter­di­jk wä­re nicht Slo­ter­di­jk, wenn sich nicht Stel­len fin­den las­sen wür­den, in de­nen er sich sanft wi­der­spricht. So be­klagt er ei­ner­seits die mas­sen­ein­schlä­fern­de, un­ehr­li­che Kri­sen­be­wäl­ti­gungs­po­li­tik, an­de­rer­seits spricht er über die Ent­zau­be­rung des Vol­kes, die sich mit der Zeit in ei­ner De­mo­kra­tie ein­stel­le: In den ma­gi­schen Morgen­stunden der De­mo­kra­tie kann ein elan­vol­ler An­teil des Vol­kes be­haup­ten, das gan­ze Volk zu sein. Als Hort sei­ner Ganz­heit spricht sich das Volks­frag­ment selbst hei­lig. In der ab­ge­klär­ten al­ten De­mo­kra­tie ha­ben al­le Be­tei­lig­ten be­grif­fen, daß das gan­ze Volk nicht mehr ist als die Sum­me al­ler Kli­en­te­len.

Man­che Be­ob­ach­tun­gen sind von ei­ner sprü­hen­den Lu­zi­di­tät. Et­wa wenn er über die In­ter­na­tio­na­le Schiff­fahrts­or­ga­ni­sa­ti­on IMO be­rich­tet, die seit 1948 be­steht und 169 Mit­glieds­staa­ten um­fasst. Dort gibt es seit 1973 ei­nen »Aus­schuß für den Schutz der Mee­res­um­welt«. Slo­ter­di­jk de­co­u­vriert in we­ni­gen Sät­zen die Sinn­lo­sig­keit die­ser in­sti­tu­tio­nel­len Ebe­nen: In der Zeit sei­nes Be­stehens hat sich die Ver­schmut­zung der Mee­re um den Fak­tor 100 ver­mehrt, als ob be­wie­sen wer­den soll­te: Aus­schüs­se sind da­zu da, da­mit sich un­ter ih­rem wach­sa­men Au­ge die im­mer prä­zi­ser er­faß­ten Pro­ble­me präch­tig ent­wickeln. Man ist ge­ra­de gut ge­nug aus­ge­rü­stet, um die Da­ten zu sam­meln, die An­laß zu In­ter­ven­tio­nen gä­ben, auf der prak­ti­schen Ebe­ne steht sie je­doch der Exe­ku­ti­ve zu fern, um aus­füh­ren zu las­sen, was von der Be­ob­ach­tung na­he­ge­legt wird.

Es steht zu be­fürch­ten, dass die­se Er­kennt­nis nicht nur für die­se In­sti­tu­ti­on gilt, son­dern auch bei­spiels­wei­se für die Eu­ro­päi­sche Uni­on, denn Slo­te­r­id­jks Be­sorg­nis über die Zu­kunft Eu­ro­pas ist mit Hän­den zu grei­fen. Eu­ro­pa ist für ihn nicht nur demo­graphisch ein aus­ster­ben­der Kon­ti­nent. Hein­sohns The­sen vom »youth bulge«-Phänomen verinner­lichend plä­diert er als ein­zi­gen Aus­weg ge­gen die Ver­grei­sung des Kon­ti­nents für ei­ne kon­trol­lier­te Zu­wan­de­rung. Hier­für er­kennt er je­doch über­haupt kei­ne Be­reit­schaft in der po­li­ti­schen Klas­se in der EU; eher im Ge­gen­teil. Spie­le­risch phan­ta­siert er die Sicht der Nach­welt auf Eu­ro­pa, die­sem Na­tio­nal­park Al­te Welt der ir­gend­wann zu ei­ner Art Über­schweiz ver­kom­men dürf­te, die ir­gend­wann nur noch Bol­ly­wood-Fil­me­ma­chern als Ku­lis­se dient. Wei­ter­ge­spon­nen auf die näch­sten 200 oder 300 Jah­ren könn­te Eu­ro­pa für die Mäch­te von mor­gen [das] sein, was Grie­chen­land für das auf­stei­gen­de Eu­ro­pa war, ein my­thi­sches Da­mals, mit dem Un­ter­schied, daß die kom­men­den Macht­kom­ple­xe im Osten und Sü­den al­les, was sie vom »We­sten« über­nom­men ha­ben, für ih­re ei­ge­ne Er­fin­dung hal­ten wer­den. Als Ur­bild des lang­sam ab­ster­ben­den Kon­ti­nents dient ihm Ve­ne­dig, was den Le­ser über­rascht, denn der To­pos »Un­ter­gang« in Be­zug auf Ve­ne­dig ist doch spä­te­stens seit Tho­mas Manns No­vel­le Volks­hoch­schul­stan­dard. Spä­ter be­lu­stigt er sich noch an dem Ge­dan­ken, wie wohl Ar­chäo­lo­gen in 2000 Jah­ren die seltsame[m] Ske­lett­fun­de von An­ge­hö­ri­gen der EU-Stu­fe ein­ord­nen wür­den: Die ei­nen wer­den die Hy­po­the­se ver­tei­di­gen, es hand­le sich um die Re­ste von mo­der­nen Men­schen. […] Die an­de­ren wer­den sa­gen, es sei­en Ho­mi­ni­den aus dem Welt­all, die von ei­nem Stern der Geh­be­hin­der­ten aus die Er­de ko­lo­ni­sier­ten. Im lust­vol­len Ab­ge­sang auf das de­mo­gra­phisch und am über­bor­den­den So­zi­al­staat un­ter­ge­hen­de Eu­ro­pa ver­gisst er non­cha­lant, dass auch Chi­na be­reits jetzt ein ver­grei­sen­des Land ist und der­zeit le­dig­lich nur noch durch die schie­re Mas­se sei­ner Be­völ­ke­rung öko­no­mi­sche und po­li­ti­sche Macht­zu­wäch­se aus­zu­üben ver­mag.

Re­gen­ta­ge in den Ber­gen

Über die Lek­tü­re von Da­vid Ever­etts Buch über die Pi­rahã in Bra­si­li­en und de­ren Ab­leh­nung den west­li­chen »Er­run­gen­schaf­ten« (Re­li­gi­on; Ka­pi­ta­lis­mus), er­fin­det er den mis­sio­na­ri­schen Im­pe­ra­tiv: »Ihr sollt euch von Gü­tern ab­hän­gig ma­chen, die ihr bis­her nicht ge­braucht habt!« Ei­ne Sei­te wei­ter wird über die Kul­tur­pes­si­mi­sten als mür­ri­sche gate kee­per am Ein­gang zu den Schatz­häu­sern der Hoch­kul­tur ge­lä­stert, die spü­ren, daß nie­mand mehr durch das von ih­nen be­wach­te Tor ge­hen will.

An­son­sten wird auf zeit­ge­nös­si­sche Lek­tü­re et­was sel­te­ner Be­zug ge­nom­men. Sehr freund­lich ge­son­nen ist er in Be­zug auf Sté­pha­ne Hes­sel als Per­son und Au­tor des »Em­pört Euch«-Büchleins. An­grif­fe auf die­ses Buch, die mit man­geln­der Kom­ple­xi­tät argu­mentieren, be­ant­wor­tet er mit bö­sen At­tri­bu­ten. Rad­datz’ Ta­ge­buch­band ist mit we­ni­gen Aus­nah­men mitt­le­re An­ek­do­te und Li­te­ra­tur­gos­sip. Mit Thi­lo Sar­ra­zin kann er we­nig an­fan­gen und at­te­stiert ihm in Be­zug auf das »Lettre«-Interview ei­ne ve­ri­ta­ble Empathie­störung, die bei Ver­wal­tungs­fach­leu­ten nicht sel­ten sei. Er kri­ti­siert je­doch den Um­gang mit ihm und kon­tert im Rah­men sei­ner The­se, nach der sich die Ge­sell­schaft im­mer mehr über me­dia­le Em­pö­run­gen de­fi­niert. Hy­ste­ri­ker sind auf der Su­che nach ei­nem Herrn, um ihn ty­ran­ni­sie­ren zu kön­nen, heißt da und in Be­zug auf Sar­ra­zin merkt er an, dass das em­pa­thie­freie Re­den re­gel­mä­ßig als ab­sichts­vol­le Pro­vo­ka­ti­on miß­ver­stan­den wür­de. Der Skan­dal ver­setzt ei­ne un­will­kom­me­ne Ver­deut­li­chung in den ver­wisch­ten Zu­stand zu­rück. Was man Denk­ver­bot nennt, ist mei­stens ein Deut­lich­keits­ver­bot – man möch­te die Din­ge wie­der in die ge­wohn­te Trüb­heit tau­chen. Sät­ze, die nicht nur in der auf­kommenden Dis­kus­si­on um den SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten Stein­brück oh­ne Än­de­rung über­nom­men wer­den könn­ten.

Lust­voll no­tiert Slo­ter­di­jk Nach­rich­ten von der an­ti­mo­der­nen Front, wie er das Papst­tum Be­ne­dikts und die all­zu from­men Got­tes­ver­tei­di­ger wie Ro­bert Spa­e­mann süf­fi­sant und mit we­nig Sym­pa­thie be­zeich­net (da­für je­doch ei­ne Hym­ne auf Hans Küng an­stimmt). Auch das Nein gro­ßer Tei­le der CDU zur Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gno­stik wird scharf at­tackiert. Da kom­men nur noch die »In­tri­gan­ten« der Frank­fur­ter Schu­le noch schlech­ter weg. Das be­ginnt bei den In­ter­ven­tio­nen zur Ver­hin­de­rung von Go­lo Manns Rück­kehr aus dem Exil in den 60er Jah­ren (hier sieht Slo­ter­di­jk ei­nen Miss­brauch des Op­fer­sta­tus durch Ador­no und Hork­hei­mer), setzt sich in der nach­träg­li­chen Gou­tie­rung von Han­nah Arendts Ur­teil über Ador­no fort und fin­det schließ­lich sei­ne Fort­set­zung im Streit mit Axel Hon­neth und des­sen in an­stecken­der Ta­lent­lo­sig­keit vor­ge­brach­ter Kri­tik zu Slo­ter­di­jks Aus­füh­run­gen zur Steu­er- und Ge­ber­po­li­tik. Aber Deutsch­land war noch nie ein De­bat­ten­land, son­dern ei­ne Echo­kam­mer für Hy­ste­ri­en und Vor­wür­fe, aus de­nen kei­ner et­was lernt, au­ßer wie man die näch­ste Run­de sinn­lo­ser Auf­re­gun­gen an­zet­telt. Nur schein­bar im Ge­gen­satz da­zu der Be­fund über die un­ver­ar­bei­te­ten zeit­wei­li­gen Mao-Ver­herr­li­chun­gen be­stimm­ter Alt-68er: Mit tie­fem Ver­ständ­nis ge­stand man sich ge­gen­sei­tig zu, daß im Cur­ri­cu­lum ei­nes wah­ren In­tel­lek­tu­el­len ei­ne Sai­son bei den Mör­dern ge­hör­te.

Aber auch der hoch­flie­gen­de Ika­rus droht zu­wei­len in ei­ne ve­ri­ta­ble Me­lan­cho­lie zu ver­fal­len. Im Re­gen auf dem Land sin­ke der Sinn­spie­gel und ein Re­gen­tag in den Ber­gen stellt viel in Fra­ge. Fieb­ri­ge Über­hit­zun­gen des Weltallergiker[s] wer­den mit As­pi­rin und vor al­lem Ibu­pro­fen the­ra­piert; letz­te­res führt zu Ver­stim­mun­gen. Es gibt ve­ri­ta­ble Stoß­seuf­zer wie Wenn wir schon so un­fä­hig sind, um wie viel un­fä­hi­ger wer­den die sein, die auf uns fol­gen. Und ge­le­gent­lich blitzt bei dem Reservist[en] der Ver­zweif­lung ei­ne Spur Selbst­er­kennt­nis auf: Schlimm ist der Au­tis­mus der Pro­phe­ten, die über ih­rer Mis­si­on die Ko­or­di­na­ti­on mit der Um­welt aus dem Au­ge ver­lie­ren. Was ihn nicht dar­an hin­dert, die Ur­tei­le der An­de­ren über sich maß­voll iro­nisch zu kom­men­tie­ren und sie da­mit auf Di­stanz zu hal­ten.

Was zählt, ist das gut Ge­sag­te heißt es ein­mal. In »Zei­len und Ta­ge« ist vie­les »gut ge­sagt«. Slo­ter­di­jks ba­rock-hy­per­bo­li­sche Opu­lenz ist selbst in den Mo­men­ten des Ver­ir­ren­den und Ver­wir­ren­den noch um ein Viel­fa­ches an­re­gen­der als das üb­li­che Mei­nungs-Ge­klin­gel aus der Sam­mel­büch­se des Neu­sprech. Als Drein­ga­be ver­misst der Le­ser le­dig­lich ei­ne oder zwei Ibu­pro­fen ge­gen die manch­mal arg aus­grei­fen­den Be­deu­tungspi­rou­et­ten. Die la­pi­da­re Aus­sa­ge zu Be­ginn, dass wei­te­re Edi­tio­nen der No­tiz­bü­cher nicht vor­ge­se­hen sei­en, wä­re eher ei­ne Dro­hung. Man hofft auf Ein­sicht – und den Ver­lag.


Die kur­siv ge­setz­ten Pas­sa­gen sind Zi­ta­te aus dem be­spro­che­nen Buch.
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14 Kommentare zu »Pe­ter Slo­ter­di­jk: Zei­len und Ta­ge«:

  1. Fritz Iversen sagt:

    Dan­ke für die­sen aus­führ­li­chen Le­se­be­richt.
    Ich kann mir ei­nen Grund vor­stel­len, dass Slo­ter­di­jk erst ein­mal nicht mehr von sei­nen Hef­ten ver­öf­fent­li­chen möch­te. Schon hier hat man den Ein­druck von viel Emo­ti­on und et­was zu viel Freu­de am »gut Ge­sag­ten«. Was mag da in den äl­te­ren Sa­chen zu le­sen sein, was viel­leicht in­zwi­schen schon von Pa­ti­na über­zo­gen ist? Wenn man »No­tiz­hef­te« als li­te­ra­ri­sches Gen­re sieht und Ver­glei­che zie­hen wür­de, z.B. Hen­ning Rit­ter, Va­le­ry, Scho­pen­hau­ers Nach­lass fal­len mir ein, dann fin­det man ver­mut­lich Un­ter­schie­de im Ge­stus, die be­zeich­nend sind. We­ni­ger Rin­gen um den Ge­dan­ken, Zwei­fel, Su­che, Auf­mer­ken und Selbst­ver­ge­wis­se­rung, mehr schon im Schrei­ben nach au­ßen ge­rich­te­tes For­mu­lie­ren – »sa­gen« eben.

    #1

  2. Über ei­ne Pa­ti­na der äl­te­ren Ta­ge­bü­cher ha­be ich noch gar nicht nach­ge­dacht; ein in­ter­es­san­ter As­pekt. Wür­de man die zeitak­tu­el­len Be­zü­ge her­aus­strei­chen, blie­ben wo­mög­lich nur fach-phi­lo­so­phi­sche Re­fle­xio­nen üb­rig, die ein Mas­sen­pu­bli­kum kaum in­ter­es­sie­ren dürf­te. Und Gos­sip grö­ße­ren Aus­ma­ßes – wie er dies Rad­datz und sei­nen Ta­ge­buch­auf­zeich­nun­gen vor­wirft – will und/oder kann er nicht bie­ten.

    Der Grund für ei­ne vor­aus­schrei­ten­de Ver­al­te­rung be­stimm­ter Pas­sa­gen könn­te zum ei­nen an der Ba­na­li­tät der Er­eig­nis­se un­se­rer Zeit­läuf­te lie­gen (so man­cher Be­zug in »Zei­len und Ta­ge« wirkt heu­te schon sehr, sehr lan­ge her [Sar­ra­zin-De­bat­te; Köh­ler-Rück­tritt; Gut­ten­bergs Dok­tor­ar­beit]), zum an­de­ren je­doch viel­leicht auch an der Per­son Slo­ter­di­jk sel­ber: Sie ist ein­fach noch nicht der­art ka­no­ni­siert wie bspw. ein Tho­mas Mann, von dem Ex­ege­ten selbst die Kon­si­stenz des Früh­stücks­eis als im­ma­nen­te In­for­ma­ti­on ver­tei­di­gen.

    #2

  3. pathoblogus sagt:

    Al­so die­se Re­zen­si­on ist dann doch schockie­rend po­si­tiv aus­ge­fal­len. Die Dif­fe­renz bei der Le­se­re­ak­ti­on ist durch­aus be­ein­druckend. Auf mich wirk­te die im er­sten Teil über­trie­ben vor­herr­schen­de Ba­stard­sa­che to­tal auf­ge­bauscht und ir­gend­wie le­se ich aus je­der Zei­le, die Slo­ter­di­jk auch nur zu ir­gend­ei­nem The­ma äu­ßert prä­ten­tiö­ses Ge­ha­be her­aus. Al­les und je­der be­nei­den den un­glaub­lich strin­gen­ten – so zu­min­dest sein Selbst­bild – Slo­ter­di­jk und da­bei ist sei­ne Der­ri­da In­ter­pre­ta­ti­on schlicht und ein­fach falsch. Wenn er fast schon ehr­fürch­tig über sein ei­ge­nes – nicht ge­ra­de über­ra­gen­des Buch Sphä­ren 2 – be­rich­tet, die­ses Werk sei wohl für nach­fol­gen­de Ge­nera­tio­nen ge­schaf­fen, wo­hin­ge­gen es heu­te nur ver­stau­bend im Bi­blio­theks­re­gal sein Da­sein fri­stet, über­sieht Slo­ter­di­jk, dass er ei­gent­lich nur ei­ne phi­lo­so­phi­sche Schieß­bu­den­fi­gur ist, de­ren Bü­cher al­les an­de­re als NICHT den Zeit­geist tref­fen und des­halb in Wirk­lich­keit per­ma­nent ge­le­sen und aus­ge­borgt wer­den. Bril­lan­te Au­toren wie Ba­diou oder Hobs­bawm, Spa­e­mann (der manch­mal viel­leicht schlech­te Ta­ge hat) oder Hon­neth wer­den hy­ste­risch und be­lei­di­gend ab­ge­kan­zelt, weil sie ge­gen sei­nen ge­ni­us slo­ti ja doch nicht be­stehen kön­nen. Das hat wirk­lich nichts mit Gast­freund­schaft zu tun, die Slo­ter­di­jk bei Der­ri­da nicht ver­steht, die er aber gleich­zei­tig von an­de­ren for­dert. Viel­leicht ha­be ich ei­ne Stel­le über­le­sen, aber ich fin­de es be­zeich­nend, dass die phi­lo­so­phi­sche Hin­rich­tung Slo­ter­di­jks durch Man­fred Frank im Zu­ge des Streits mit Hon­neth nicht er­wähnt wird, und das in Ca­hiers (oder als was Slo­ter­di­jk sei­nen Aus­wurf sonst krumm­ge­le­sen ha­ben will), die ja über­haupt nicht zur Ver­öf­fent­li­chung be­stimmt wa­ren.

    Ein­zi­ger Sinn die­ser Slo­ter­di­jklek­tü­re ist die Ver­ge­wis­se­rung der nun klar ge­wor­de­nen Gren­ze zwi­schen Slo­ter­di­jk-Freun­den und se­riö­sen Au­toren. Man weiß jetzt end­lich klar, war­um man die zahl­lo­sen Wei­bels, Groys’, Ma­tus­seks und Thea Dorns, Ac­tive-Li­fe-Phi­lo­so­phin­nen und Ma­stur­ba­ti­ons­per­fek­tio­nie­rer im­mer schon ge­mie­den hat. Wenn Hand­ke zum Ge­burts­tag gra­tu­liert, dann kann nicht al­les in Ord­nung sein. Feucht­hauch­spe­zia­li­sten­tum aus Mess­kirch und Deutsch­mei­ster­sül­ze ich hal­te das nicht aus!

    #3

  4. @pathoblogus
    Na­ja, halb­wegs ge­lun­ge­ne Slo­ter­di­jk-Haß­pre­digt, die ge­gen En­de ins Res­sen­ti­ment ab­drif­tet. Im üb­ri­gen: Was soll ein Au­tor, des­sen Bü­cher (ver­meint­lich) ein­stau­ben an­de­res tun, als auf die nach­fol­gen­den Ge­nera­tio­nen hof­fen? Man kann dann von Glück sa­gen, wenn man sei­nen ei­ge­nen Ruhm nicht er­lebt.

    #4

  5. pathoblogus sagt:

    mir ist lei­der Got­tes ein Kon­junk­tiv ent­kom­men: er be­haup­tet, dass sei­ne Bü­cher ver­stau­ben wür­den, das stimmt na­tür­lich nicht. Die wer­den ge­le­sen. Und nicht zu knapp. Das ist die Mi­se­re.

    #5

  6. pathoblogus sagt:

    woll­te mit mei­ner Hand­ke-Er­wäh­nung üb­ri­gens nur ein biss­chen ran­da­lie­ren. Ich ver­ste­he aber trotz­dem nicht, was man an die­ser Phi­lo­schicki­micki-Sa­che mit Slo­ter­di­jk was fin­den kann. Wenn sich so ein SPA-Fett­sack in sei­ne ei­ge­nen Wa­den­übun­gen ver­liebt und je­de Da­me, die halb­wegs was ge­ra­de schaut als phi­lo­s­phi­sche Mu­se an­schleimt und zur schön­sten Phi­lo­s­phin tür­ki­scher Na­ti­on oder Locken­kö­ni­gen krönt, dann ist das nichts an­de­res als ein ehr­li­che­res Ab­bild sei­ner Phi­lo­s­phie.

    #6

  7. Es zeugt von ei­ner ge­hö­ri­gen Por­ti­on In­fan­ti­lis­mus, die Phy­sio­gno­mie ei­ner Per­son zum Ge­gen­stand des Spotts zu­ma­chen. So­viel zum »Fett­sack«. Auf das zwei­te »o« bei Phi­lo­so­phie wei­se ich nur der gu­ten Ord­nung hal­ber hin.

    Die Hand­ke-Er­wäh­nung im Buch hat mich er­staunt. In ei­nem In­ter­view im Mai at­te­stiert er Slo­ter­di­jk im­mer­hin »An­ge­be­rei«. Aber zum Ge­burts­tag kann man ja trotz­dem noch gra­tu­lie­ren.

    #7

  8. pathoblogus sagt:

    Ach nein, sol­che Kör­per­lich­kei­ten be­dür­fen kei­nes »In­fan­ti­lis­mus«. Dass ich mit mei­ner Hand­ke­ab­leh­nung bei Dir an der fal­schen Adres­se bin, ist mir klar. Slo­to und er pfle­gen na­tür­lich un­or­dent­li­che Ver­hält­nis­se. Ein­mal der über den ei­nen, dann wie­der der an­de­re pseu­do­kritsch über das ei­ne Schwein­derl. (Ent­schul­di­ge üb­ri­gens, dass ich der Ord­nung hal­ber nicht den Edit­but­ton ver­wen­den kann, so wie Du)

    Mir üb­ri­gens nach ei­ner Lek­tü­re von Slo­ti­wich­se­rei­en In­fan­ti­lis­mus vor­zu­wer­fen, weil ich dem Mei­ster der Prä­na­tal­or­che­strie­rung mit in­trau­te­ri­nem Ab­gang Fett­lei­big­keit und SPA-Schwei­ne­rei­en nach­sa­ge, ent­behrt doch nicht ei­ner ge­wis­sen Lä­cher­lich­keit. Der üben­de Über­über­phi­lo­soph ver­liert sich ja auch pau­sen­los in dümm­li­chen Bo­dyM­aß­In­dex-Weis­hei­ten ge­al­ter­ter Nicht­fri­seur­be­su­cher. Da kann man gar­nicht ge­hä­ßig und un­ter­grif­fig ge­nug sein um ei­nem Slo­to auf glei­cher Hö­he be­geg­nen zu kön­nen. Wie über­haupt man ja in Be­geg­nung mit Leu­ten wie Hand­ke oder Slo­to gar­nicht an die pein­li­che Ge­ziert­heit im Selbst­um­gang ran­kom­men kann. Bei sol­chen Leu­ten ist je­der Satz Ma­stur­ba­ti­ons­schau. Des­we­gen kann man von Slo­tos Kör­per gar­nicht nicht spre­chen, wenn man über ihn spricht.

    #8

  9. Ei­gent­lich gilt ja das Ge­setz, dass kein Suhr­kamp-Au­tor et­was Ne­ga­ti­ves in der Öf­fent­lich­keit über ei­nen an­de­ren Suhr­kamp-Au­tor sagt. La­eder­ach ging da­mals des­halb aus dem Ver­lag. Hand­ke hat das ge­le­gent­lich weit in­ter­pre­tiert (s. sei­ne Äu­ße­run­gen zu En­zens­ber­ger). Aber nicht nur er al­lei­ne, son­dern bspw. auch Paul Ni­zon. Und ge­le­gent­lich kommt es zu merk­wür­di­gen, kaum für mög­lich ge­hal­te­nen Al­li­an­zen (hier).

    #9

  10. pathoblogus sagt:

    na­ja was die Wis­sen­schafts­rei­he be­trifft, in die Slo­ter­di­jk ja aus ir­gend­ei­nem Grund noch nicht vor­ge­drun­gen ist (das ist kei­ne Ver­wun­de­rung in Be­zug auf ei­ne wie auch im­mer ge­ar­te­te Qua­li­tät die­ser Rei­he), ist ein sol­ches ge­gen­sei­ti­ges Be­schmutz­kü­beln doch gang und gä­be. Gut, viel­leicht ach­ten aus­län­di­sche Au­toren nicht so sehr auf die Aus­wahl der Ver­la­ge, bei de­nen die Über­set­zun­gen er­schei­nen...

    Und ich re­de da nicht von werk­im­ma­nen­ter Be­schmutz­kü­belung, wie das z.B. bei Luhmann/Habermas war, die ja auch nicht wirk­lich mit ei­ner sach­lich-theo­re­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung zu fas­sen ist. Seit al­ler­dings Slo­to ei­ne der­art gro­ße Num­mer ge­wor­den ist, hin­ken al­le an­de­ren Denk­rich­tun­gen in dem Ver­lag so­wie­so nur­noch hin­ten nach. Es gibt kei­ne nen­nens­we­re Ver­öf­fent­li­chung ana­ly­ti­scher Phi­lo­so­phie mehr... nur­noch slo­to­kon­for­me So­zio­lo­gie­dich­ter wie Bru­no La­tour oder an­de­re...

    Leu­te, die fach­lich betach­tet ei­gent­lich viel mehr zu sa­gen ha­ben und noch auf kon­ti­nen­ta­ler Phi­lo­so­phie­ebe­ne ste­hen, wie z.B. Ba­diou oder Ran­cie­re ver­öf­fent­li­chen bei dia­pha­nes, oder bei Böhlau oder im Pas­sa­gen­ver­lag... und ein paar kul­tur­phi­lo­so­phi­sche Ar­bei­ten von ame­ri­ka­ni­schen oder bri­ti­schen Au­toren, die der Slo­to­so­phie nicht ins Ge­he­ge kom­men (wahr­schein­lich wis­sen die nicht in wes­sen Teich sie ba­den), wer­den, oh­ne nä­he­ren Schul­be­zug bei Slo­ter­kamp ge­dul­det. Sonst ist al­les nur ge­schirr­ma­chert, groy­si­fi­ziert oder ge­gumb­rech­tet...

    Was die Auf­ar­bei­tung al­ter Theo­rie­lei­stun­gen be­trifft, be­schränkt sich der Suhr­kamp-Ver­lag auf Vor­le­sun­gen Fou­caults oder dann ir­gend­wel­che Or­chi­de­en wie Ga­bri­el Tar­de, die rein­kom­men, weil Bru­no La­tour über Slo­to Ein­fluss nimmt. (nicht dass ich da was ge­gen hät­te, aber es ist ein­fach to­tal ein­sei­tig)...

    Wenn man sich die Suhr­kam­prei­hen an­sieht, könn­te man glau­ben, die Hei­deg­ger­jün­ger hät­ten da al­les platt­ge­macht. Ador­no und Ben­ja­min wer­den als slo­to­poe­ti­sche Klas­si­ker noch ge­dul­det... Lu­kacs al­ler­dings darf man GARNICHT GARNICHT GARNICHT ha­ben... weil Slo­to den nicht gut fin­det... und über­haupt sei die Theo­rie des Ro­mans nur ein Pam­phlet ei­nes pein­lich­pa­the­ti­schen Ab­itu­ri­en­ten. (da­bei wä­re das das ein­zi­ge Buch Lu­kacs’, das Slo­to über­haupt be­fä­higt wä­re zu ver­ste­hen von Lu­kacs Werk. Der Rest wä­re ihm so­wie­so zu hoch. Von der Be­ga­bung Lu­kacs’ im Ge­gen­satz zu Slo­to mal ganz ab­ge­se­hen)

    Kein Wie­ner Kreis, nichts Idea­li­sti­sches, nichts Prag­ma­ti­sches, nichts Na­tur­phi­lo­so­phi­sches, nichts Lo­gi­sches, nichts Phä­no­me­no­lo­gie­kri­ti­sches... und so­zio­lo­gie ist so­wie­so nur So­zio­lo­gie, wenns von Slo­to-Luh­mann-Baecker-Sei­ten kommt. Ha­ber­mas ist aus ir­gend­ei­nem Grund noch da. Hon­neth kom­mi­scher­wei­se auch... wahr­schein­lich aus Ali­bi­grün­den...
    Be­gabt sol­len die ja so­wie­so nicht ge­we­sen sein...

    #10

  11. pathoblogus sagt:

    ich muss mich al­so kor­ri­gie­ren... es gibt kein Be­schmutz­kü­beln mehr, weil es ein­fach kei­ne wirk­li­che Dif­fe­renz mehr im Suhr­kamp-Ver­lag gibt...

    Wer wür­de er­war­ten, dass ir­gend­wer aus dem Slo­to-Kreis ge­gen Ciorans oder La­tours schießt? Al­so un­kla­res, slo­to­eli­ten­kon­for­mes Me­ta­phern­bla­bla sa­gen die in der Re­gel ja e al­le das Glei­che.

    Ab und zu kommt noch ein Blu­men­berg­kon­vo­lut­aus­schlach­tungs­band, den der Slo­to­freund Ul­rich Raulff frei­schal­tet, da­mit Slo­to noch was zum Aus­schmücken hat.

    #11

  12. — ich muss mich sehr, sehr wun­dern über die ni­veau­hei­schen­den ge­häs­sig­kei­ten ge­gen­über ei­nem, na­ja, er­folg­rei­chen phi­lo­so­phie-schrift­stel­ler, des­sen ‘zy­ni­sche ver­nunft’ seit mit­te der ach­zi­ger doch recht ein­sam in der landschft steht und des­sen,
    ich sag mal un­dog­ma­tisch-krea­ti­ve her­vor­brin­gun­gen so­wohl in sa­chen ‘zeit­geist’ als auch ‘gei­stes­ge­schich­te’ als auch ‘geist’ im sin­ne von sa­voir viv­re und ent­spann­ter be­trach­tung der ‘post­mo­der­nen’ sze­ne bei gleich­zei­tig wohl­tu­en­der und gu­te lau­ne ver­schaf­fen­der dik­ti­on (je­den­falls hat’s die­sen ef­fekt bei mir) char­mant, lie­bens­wür­dig und wis­sens­reich her­vor­ste­chen – ja, – hm ... lan­ger satz – trotz­dem wei­ter : wie al­so pa­tho­lo­gus uns kü­bel­wei­se sei­nen neid prä­sen­tiert in wohl­fei­ler un­flä­tig­keit, dann aber doch bis hin zu ‘fett­sack’ etc. – das ist doch er­staun­lich ... !
    die­ser krank­heit kann mei­ner mei­nung nach nur ab­ge­hol­fen wer­den durch den rat :
    ‘lieb sein, mein kran­ker freund – s o schlimm ist es doch nicht ... !’ und das mein ich gar nicht fies. wirk­lich nicht. gre­gor-lo­thar soll­te ihm viel­leicht mit dem in­ti­men, nicht mit dem ‘ex­klu­si­ven’ hand­ke ent­ge­gen­tre­ten, nein – gar nicht mal e n t g e g e n , eher f ü r ... es gibt emp­fin­dun­gen, und das müs­sen nicht stun­den der wah­ren sein, die es ei­nem letzt­end­lich ver­bie­ten, so sou­ve­rä­ni­täts­ver­ses­sen ‘ge­hä­ßig’ zu sein. (letz­te­ren schreib­feh­ler, ei­ne an­de­re be­to­nung er­zwin­gend, neh­me ich dann un­se­rem pa­tho-glo­bus doch ein biss­chen übel ...) na­ja, ich frag mal : slo­ti­wix, hand­kä­se, keusch­fick oder wie im­mer man fort­set­zen kann – ist d a s un­ser ni­veau ... ??
    — h a h a

    #12

  13. - darf ich fra­gen, war­um mein bei­trag vom 01. fe­bru­ar um 05.33, die slo­ter­di­jk-de­bat­te be­han­delnd, ins­be­son­de­re in ant­wort auf ‘pathoblogus’-beiträge – war­um al­so die­ser bei­trag von ih­nen ‘weg­zen­siert’ wor­den ist ? – war er der hö­he ih­res ni­veau-po­de­stes nicht an­ge­mes­sen? ich ver­steh das nicht ganz. darf man nicht ge­gen ge­häs­sig­kei­ten an­schrei­ben? darf man nicht ver­su­chen, et­was ge­gen die­se krank­haft-po­le­mi­schen bil­dungs­krämp­fe zu un­ter­neh­men? gilt die mei­nungs­frei­heit nur für me­ta-yp­si­lons und pa­tho-lo­gen? ist in ih­rer ex­klu­siv-ge­mein­schaft ei­ne be­stimm­te ‘dik­ti­on’ er­for­der­lich? oder be­vor­zu­gen sie nur ei­ne ge­wis­se ’sor­te’ von ge­dan­ken­be­we­gun­gen? herrscht ‘pro­duk­tiv­zwang’? – ich weiß nicht, was der pe­ter hand­ke, des­sen geist ja in be­stimm­ter wei­se über den was­sern ih­res blogs schwebt und des­sen ro­man­per­so­nal ja auch na­ment­lich und na­men-ge­bend auf­taucht (ei­ne sehr net­te idee üb­ri­gens, wie ich fin­de!) – was al­so der pe­ter hand­ke da­zu sa­gen wür­de, wie hier mit – ich sag mal: in­ter­es­sen­ten ver­fah­ren wird; er selbst kennt sich ja nun so­wohl weid­lich als auch un­frei­wil­lig mit an­fein­dun­gen und poe­sie­ab­tö­ten­dem klug­jour­nals­mus aus – ich bin ei­ner sei­ner recht flei­ßi­gen le­ser seit et­wa fünf­und­vier­zig jah­ren ... um­so er­freu­li­cher war es für mich ge­we­sen, ih­ren blog zu ent­decken und abon­nie­ren zu kön­nen. — in sa­chen slo­ter­di­jk ist es mir nicht un­be­dingt wich­tig, pro­fun­de sen­ten­zen hin­zu­set­zen mit ador­no-ha­ber­mas-luh­mann-foul­cault-etc-er­wäh­nun­gen, doch ich kann sa­gen, dass als sehr an­re­gen­der und auch un­ter­halt­sa­mer ‘phi­lo­so­phie-leh­rer’ die­ser rie­sen­pen­sums­be­wäl­ti­ger mir sehr lieb und teu­er ge­wor­den ist. und die­se ‘pathoblogus’-angelegenheit fin­de ich – das ist dann durch­aus ’no­men est omen’ – ir­gend­wie krank. war­um wird da der­ma­ßen un­leid­lich, gna­den­los und bei­nah logor­rhoe-mä­ßig vom le­der ge­zo­gen? was ist da los? – wenn ich
    ih­rem ’ni­veau’ nicht ent­spre­che und in ih­rem sin­ne nichts ‘pro­duk­ti­ves’ von mir ge­be, so tut’s mir leid, ist wirk­lich kei­ne ab­sicht. ei­ner ih­rer me­ta-yp­si­lons woll­te mich schon in den kin­der­gar­ten schicken (nach­dem sie, gre­gor keu­sch­nig, char­man­ter­wei­se die ‘höh­le’ vor­ge­schla­gen hat­ten), weil ich – in ei­nem an­de­ren zu­sam­men­hang – es un­ter­nom­men hat­te, ein the­ma, als the­ma!, un­in­ter­es­sant zu fin­den. muss man ei­ne win­zig klei­ne flo­rett-spit­ze gleich mit dem sä­bel nie­der­ma­chen? hat ihr dis­kus­si­ons­fo­rum ei­ge­ne ge­set­ze, hin­ter die ich noch nicht ge­kom­men bin? – sie dür­fen mich ger­ne be­leh­ren. je­den­falls ‘weg­zen­sie­ren’, wie ge­sagt, tut doch nicht not, oder? nun denn – wenn ich in ih­re no­ble ge­mein­schaft nicht rein­pas­se, so mö­gen sie dies dann be­stä­ti­gen. pa­tho­lo­gus hat beim ‘aus­fäl­lig­wer­den’ wahr­schein­lich die ih­nen ge­mä­ße­re form; was mich be­trifft : ich plä­die­re doch schon ein­deu­tig für ei­ne – sa­gen wir: to­le­ran­te­re streit­kul­tur ...
    so­weit erst­mal, und freund­li­che grü­ße ‘trotz al­lem’ h a h a

    #13

  14. @ha ha
    Ich war ein paar Ta­ge un­ter­wegs und hat­te Ih­ren Kom­men­tar, der ei­ne Mi­schung aus Lä­cher­lich­keit, Dumm­heit und Wirr­nis aus­drückt, erst ein­mal ver­scho­ben. Jetzt prangt er wie­der.

    Wo­für Sie plä­die­ren, ist mir herz­lich egal. Ich be­stehe auf die Ein­hal­tung von ein paar Re­geln, die Sie auch nach­schla­gen kön­nen. Dumm­drei­ste Sprü­che fal­len nicht dar­un­ter. Das wird dem­nächst rück­stands­los ge­löscht.

    #14