Gun­nar Hein­sohn: Söh­ne und Welt­macht

Die be­reits in 2003 von Gun­nar Hein­sohn ent­wickel­ten The­sen zur Bevölkerungs­entwicklung und de­ren emi­nen­te Be­deu­tung wur­den En­de Ok­to­ber 2006 im »Phi­lo­so­phi­schen Quar­tett« des ZDF vor­ge­stellt. Die an­son­sten recht struk­tu­riert und sta­tisch von Pe­ter Slo­ter­di­jk und Rü­di­ger Sa­fran­ski mo­de­rier­te Sen­dung ge­riet ein biss­chen aus den Fu­gen, da Hein­sohn, schlag­fer­tig, iro­nisch und ge­le­gent­lich ein biss­chen rau­nend Wi­der­spruch pro­vo­zie­rend, die Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer in den Bann zog und im Lau­fe der 60 Mi­nu­ten dann al­le sei­nen Schluss­fol­ge­run­gen er­la­gen.

Gunnar Heinsohn: Söhne und Weltmacht

Gun­nar Hein­sohn: Söh­ne und Welt­macht

Die Kern­the­se Hein­sohns ist ziem­lich ein­fach: In Ge­sell­schaf­ten mit über­zäh­li­gen jun­gen Män­nern be­steht die gro­sse Ge­fahr, dass die­se jun­gen, wü­ten­den [zor­ni­gen] und oh­ne Karriere­aussichten Zweit-, Dritt- und Viertsöh­ne (der er­ste, äl­te­ste Sohn ist durch Erb­fol­ge ab­ge­si­chert) ih­re Per­spek­ti­ve an­ders­wo su­chen und es zu blu­ti­gen Ex­pan­sio­nen und zur Schaf­fung und Zer­stö­rung von Rei­chen kommt.

Hein­sohn führt den Be­griff des child­ren bul­ge und des youth bul­ge* ein. Un­ter child­ren bul­ge ver­steht er den Über­schuss in ei­nem pro­zen­tua­len Ver­hält­nis der Kin­der un­ter 15 Jah­ren in ei­ner Ge­sell­schaft (bzw. ei­ner Na­ti­on oder Re­gi­on oder der Welt­be­völ­ke­rung). Aus dem child­ren bul­ge ent­steht dann der so­ge­nann­te youth bul­ge; so nennt er die 15–24 jäh­ri­gen (in vie­len Ge­sell­schaf­ten be­ginnt das Krie­ger­al­ter bei 15 Jah­ren). Aus dem child­ren bul­ge lässt sich das »Re­kru­tie­rungs­po­ten­ti­al« der »Zor­ni­gen« ab­le­sen. Die welt­weit zwei­fel­los ge­stie­ge­ne ärzt­li­che und er­näh­rungs­tech­ni­sche Ver­sor­gung (Hein­sohn be­legt dies oh­ne zu ver­schwei­gen, dass noch vie­les im ar­gen liegt) sorgt da­für, dass aus dem child­ren bul­ge re­la­tiv zu­ver­läs­sig auf ein youth bul­ge ge­schlos­sen wer­den kann.

Die Phä­no­me­ne child­ren bul­ge und youth bul­ge dür­fen nicht mit kurz­fri­stig stei­gen­den Ge­bur­ten­ra­ten ver­wech­selt wer­den, die nach we­ni­gen Jah­ren wie­der ab­klin­gen; hier­für be­nutzt er das all­seits be­kann­te Wort vom ba­by­boom.

*[Hein­sohn bie­tet kei­ne Über­set­zung der An­gli­zis­men an; man könn­te grob ver­ein­facht mit »de­mo­gra­fi­scher Kin­der­beu­le« bzw. »Ju­gend­li­chen­beu­le« über­set­zen, was ein biss­chen ge­schwol­len klingt. Ge­le­gent­lich wird vom »Über­schuss« ge­spro­chen. Da­bei ist un­be­dingt klar­zu­stel­len, dass die­ser Be­griff nicht im re­duk­tio­ni­sti­schen Sinn ge­braucht wird, son­dern rein de­skrip­tiv.]

Wich­tig ist da­bei, dass die ab­so­lu­ten Zah­len nicht un­be­dingt re­le­vant sind. Am Bei­spiel der Volks­re­pu­blik Chi­na wird dies deut­lich: Zwar gibt es dort der­zeit 310 Mil­lio­nen Kin­der un­ter 15 Jah­ren (was ei­ne ge­wal­ti­ge Zahl ist), aber mit ei­nem Pro­zent­satz der Be­völ­ke­rung un­ter 15 Jah­ren (in letz­ter Halb­de­ka­de) von »nur« 24% liegt Chi­na be­reits un­ter der vom Au­tor als re­le­vant be­nann­ten Quo­te von 25% für po­ten­ti­ell »ex­pan­siv-ag­gres­si­ve« Ge­sellschaften; die Ein-Kind-Po­li­tik sorgt da­für, dass der Hö­he­punkt der Ge­bur­ten be­reits er­reicht ist. Lang­fri­stig ist Chi­na ei­ne ver­grei­sen­de Ge­sell­schaft. Ein­drucks­vol­le Bei­spie­le für ver­grei­sen­de Ge­sell­schaf­ten lie­fert Hein­sohn im Ver­lauf des Bu­ches auch u. a. für Ja­pan, Russ­land (ins­be­son­de­re den asia­ti­schen Teil), die Ukrai­ne und auch – wenn auch nicht ganz so dra­ma­tisch wie bei den vor­ge­nann­ten – für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, in der be­reits gan­ze Land­stri­che im Osten aus­ster­ben.

Wenn ein Va­ter statt ei­nem plötz­lich drei Söh­ne hin­ter­lässt und fast al­le Vä­ter das in je­der näch­sten Ge­nera­ti­on von neu­em tun, dann lebt ei­ne Na­ti­on mit ei­nem Dau­er-youth bul­ge. Der sucht – wie es be­schö­ni­gend heisst – sein Glück eben nicht nur zu Hau­se, son­dern auch in der Neu­en Welt...[...] ‘Go west, young man!’, heisst eben nicht nur »ver­schwin­de, zor­ni­ger jun­ger Mann!«, son­dern im­mer auch: »Es gibt noch je­de Men­ge Chan­cen für die Grün­dung ei­ner ei­ge­nen Exi­stenz fern von Dei­nen Brü­dern«.

Wich­tig für die wei­te­re Be­trach­tung ist, dass Hein­sohn aus­drück­lich er­wähnt, dass die zor­ni­gen jun­gen Män­ner kei­nes­falls Ge­schwäch­te oder Hun­gern­de sind, die sich qua­si der Not ge­hor­chend mit letz­ter Ver­zweif­lung neue Le­bens­räu­me er­obern wol­len. Sie stecken nicht in ab­so­lu­ter Ar­mut und hun­gern nicht (Ih­re mi­li­tä­ri­schen Op­tio­nen zie­len zwar auch auf Er­näh­rungs­grund­la­gen, aber eher im Sin­ne ei­ner Op­ti­mie­rung, ei­ner Ge­win­nung von öko­lo­gisch in­ter­es­san­tem Le­bens­raum)

Hein­sohn greift auch die so oft kol­por­tier­te The­se fron­tal an, (der is­la­mi­stisch mo­ti­vier­te) Ter­ro­ris­mus sei Aus­druck ei­ner Be­we­gung von Un­ter­drück­ten oder Schwa­chen. Ted Hon­de­richs (um­strit­te­ner) Er­klä­rungs­ver­such in »Nach dem Ter­ror«, die Ter­ro­ri­sten re-agier­ten aus ei­nem ge­wis­sen Ge­rech­tig­keits­fu­ror her­aus (das Um­strit­te­ne dar­an war Hon­de­richs’ min­de­stens ru­di­men­tär ge­äu­sser­tes Ver­ständ­nis für die­se Form von »Ver­zweif­lungs­tat«; sei­ne The­se ist aber kom­ple­xer und hier sehr ver­kürzt wieder­gegeben), wird da­mit ver­wor­fen. Und auch En­zens­ber­gers psy­cho­ana­ly­tisch kru­de Deu­tung des »ra­di­ka­len Ver­lie­rers« wird zer­pflückt. Nach Hein­sohn su­chen die über­flüs­si­gen Söh­ne an­ders­wo An­er­ken­nung und letzt­end­lich Spit­zen­po­si­tio­nen, die sie in der ei­ge­nen Ge­sell­schaft nicht mehr fin­den (da die ra­ren Po­si­tio­nen von ih­ren äl­te­ren Brü­dern be­setzt sind).

Das Kern­stück des Bu­ches ist ei­ne ta­bel­la­ri­sche Rang­ord­nung der Na­tio­nen nach Zahl der Kin­der bis zur Voll­endung des 14. Le­bens­jah­res (auf dem Stand von 2003). Pe­ni­bel li­stet er 124 Staa­ten und de­ren de­mo­gra­fi­sche Struk­tu­ren auf (und fügt in den Bemerk­ungen re­le­van­te Ent­wick­lun­gen wie Krie­ge und Bür­ger­krie­ge ein; Hein­sohn ist ja auch Völ­ker­mord­for­scher).

Ne­ben den schwarz­afri­ka­ni­schen Län­dern, die mit child­ren bul­ge-Quo­ten von 40% und mehr er­schei­nen, legt Hein­sohn na­tür­lich be­son­de­res Au­gen­merk auf die uns (schein­bar?) un­mit­tel­bar stär­ker tan­gie­ren­den Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lun­gen von Län­dern wie In­di­en und – vor al­lem – den is­la­mi­schen Staa­ten. Hier wird kon­sta­tiert:

Das ak­tu­ell quan­ti­ta­tiv be­ein­druckend­ste Bei­spiel für youth bul­ges lie­fern die is­la­misch ge­präg­ten Län­der, die in nur fünf Ge­nera­tio­nen (1900–2000) von 150 auf 1200 Mil­lio­nen Men­schen zu­ge­nom­men ha­ben...[...]

Eu­ro­pa, das sich bis 1900 mit 460 Mil­lio­nen Men­schen auf ein Vier­tel der Welt­bevölkerung ver­mehrt hat­te [...], ist (oh­ne Sowjetunion/Russland in Asi­en) in den 100 Jah­ren bis 2000 »nur« auf 660 Mil­lio­nen ge­stie­gen und hat sich so aus ei­ner bald drei­fa­chen »Über­macht« ge­gen­über dem Is­lam in ei­ne zwei­fa­che »Un­ter­le­gen­heit« ge­dreht.

Die Ka­ta­stro­phen zwei­er Welt­krie­ge, die sich in Eu­ro­pa zwi­schen 1914 und 1945 er­eig­net ha­ben, blen­det Hein­sohn nicht aus, sind aber letzt­lich nicht si­gni­fi­kant kon­stu­ie­rend auf die Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung; vor al­lem, was die Pro­gno­sen an­geht.

Chi­na hat sich im glei­chen Zeit­raum von 400 auf 1200 Mil­lio­nen »nur« ver­drei­facht; In­di­en (heu­ti­ges Ter­ri­to­ri­um) von 250 auf 1000 Mil­lio­nen ver­vier­facht. Le­dig­lich für Ein­wan­de­rungs­län­der kon­sta­tiert Hein­sohn hö­he­re Wer­te: Bra­si­li­en bei­spiels­wei­se mit sei­nen zahl­rei­chen Ge­no­zi­den an Ein­ge­bo­re­nen von 17 auf 170 Mil­lio­nen. (Am Ran­de in­ter­es­sant: Die Be­völ­ke­rung der USA mit ih­ren Re­ser­vats-De­por­ta­tio­nen und In­dia­ner­ge­no­zi­den steigt zwi­schen 1790 und 1890 so­gar von knapp 4 auf über 60 Mil­lio­nen, al­so um den Fak­tor 15).

Die ge­sam­te Mensch­heit hat sich zwi­schen 1800 und 2000 von 1,5 auf 6 Mil­li­ar­den vier­vier­facht. Und: Von den 6,3 Mil­li­ar­den Men­schen des Jah­res 2003 er­blick­ten 4 Mil­li­ar­den in den 35 Jah­ren nach 1968 das Licht der Welt... In den 2020er Jah­ren wird der Is­lam ein Vier­tel der Mensch­heit um­fas­sen. Das ent­spricht dem An­teil Eu­ro­pas auf dem Hö­he­punkt sei­ner Welt­herr­schaft (1900) oder dem An­teil des Bri­ti­schen Im­pe­ri­ums auf sei­nem Gip­fel von 1920...

Um Miss­ver­ständ­nis­se zu ver­mei­den: Hein­sohn stellt die­se Fak­ten und Zah­len (und auch sei­ne hier­aus ab­ge­lei­te­ten Pro­gno­sen [hier­über wird noch zu re­den sein]) voll­kom­men emo­ti­ons­los dar. Ei­ne Hy­ste­ri­sie­rung, was den Um­gang mit den is­la­mi­schen Län­dern an­geht, liegt ihm fern. Es gibt ge­le­gent­lich la­ko­ni­sche bis iro­ni­sche Sei­ten­hie­be auf das eu­ro­zen­tri­sti­sche Welt­bild, wenn er et­wa die häu­fig be­nut­ze Vo­ka­bel der »Is­la­mi­sten« für die Ter­ro­ri­sten is­la­mi­schen Glau­bens auf das mit­tel­al­ter­li­che Eu­ro­pa an­wen­det, und meint, nie­mand sei je­mals auf die Idee ge­kom­men, die­se als »Chri­stia­ni­sten« zu be­zeich­nen.

Ein »Ver­harm­lo­ser« ist Hein­sohn aber auch nicht. Sei­ne Rech­nung er­gibt bis 2020 rund 300 Mil­lio­nen jun­ge Män­ner, die in ih­ren Staa­ten kei­ner­lei Per­spek­ti­ve mehr ha­ben:

Drei­hun­dert von ins­ge­samt neun­hun­dert Mil­lio­nen jun­gen Män­nern aus der Drit­ten Welt wer­den in den kom­men­den fünf­zehn Jah­ren ent­schlos­sen au­sser­halb ih­rer Hei­mat um Po­si­tio­nen kämp­fen müs­sen. Sie gel­ten in den USA als Haupt­geg­ner der na­hen Zu­kunft. Sie sind al­le schon ge­bo­ren und wer­den auch da­durch nicht we­ni­ger, dass die 2-pro­zen­ti­ge Re­kord­zu­nah­me der Welt­be­völ­ke­rung im Jahr­zehnt 1962–1971 bis 2003 auf 1,2% ge­fal­len ist...

Und wei­ter heisst es ein we­nig süf­fi­sant:

Mit der is­la­mi­schen Speer­spit­ze die­ser Ju­gend­ar­mee tritt nach dem En­de der mar­xi­sti­schen Welt­be­we­gung erst­mals wie­der ein Her­aus­for­de­rer auf, der das Ge­schäft des ak­tu­el­len He­ge­mon nicht et­wa über­neh­men, son­dern zer­stö­ren will.

Akri­bisch un­ter­füt­tert Hein­sohn sei­ne The­se im Blick auf die Ge­schich­te – an­hand der eu­ro­päi­schen He­ge­mo­ne von ca. 1400 bis ca. 1900 (da­nach die USA als be­stim­men­der Welt­he­ge­mon) – von den Por­tu­gie­sen, den Spa­ni­ern, den Hol­län­dern, den Schwe­den, den Eng­län­dern, usw. Hein­sohn be­legt, dass im­mer dann, wenn youth bul­ge-Phä­no­me­ne in die­sen Völ­kern auf­ge­tre­ten sind, die zor­ni­gen, ag­gres­si­ven Zweit- bis Fünft­brü­der ih­re Spit­zen­po­si­tio­nen – man­gels Ge­le­gen­heit – in der Welt ge­sucht hat­ten – mit den all­seits be­kann­ten Fol­gen. Hier ar­bei­tet Hein­sohn auch den re­li­giö­sen Über­bau her­aus, der den Er­obe­rern als Vor­wand dien­te – al­so der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on nicht un­ähn­lich schei­nend.

Ei­ne in­ter­es­san­te Kor­re­la­ti­on ent­wickelt Hein­sohn wenn es dar­an geht, zu er­grün­den, war­um es ca. ab 1500 ei­nen youth bul­ge in den ver­schie­de­nen eu­ro­päi­schen Staa­ten / He­ge­mo­nen über­haupt gibt. Der Grund für die ge­stie­ge­ne Ge­burt­lich­keit ist ba­nal: Die Frau­en be­kom­men mehr Kin­der. Die Fra­ge ist aber. War­um? Ei­ne wich­ti­ge Ur­sa­che hier­für sieht er in der bru­ta­len und durch­grei­fen­den He­xen­ver­fol­gung, die ab 1484 ein­setz­te. Als »He­xen« wur­den haupt­säch­lich Heb­am­men ver­ur­teilt, die ihr Wis­sen um die Ver­hü­tung an Frau­en wei­ter­ga­ben (durch Ab­trei­bung aber auch me­di­zi­ni­sche Hil­fe). Mit der Tö­tung die­ser als »He­xen« de­nun­zier­ten Frau­en (auch hier wur­de der re­li­giö­se Grund nur vor­ge­ge­ben), wur­de das Wis­sen um Ver­hü­tungs­tech­ni­ken aus­ge­rot­tet. Die eu­ro­päi­sche Be­völ­ke­rung wächst in die­ser Zeit nicht pri­mär auf­grund ei­ner ver­bes­ser­ten me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung – son­dern weil mehr Kin­der ge­bo­ren wer­den.

Ex­kurs: Die Ei­gen­tums­ge­sell­schaft

Ein youth bul­ge ist aber nicht der ein­zi­ge Grund, dass sich Welt­rei­che im­ple­men­tier­ten. Ne­ben ei­ner über­le­ge­nen Waf­fen­tech­nik (die spa­ni­schen Er­obe­rer bei­spiels­wei­se stie­ssen bei den Na­tur­völ­kern in Süd­ame­ri­ka auf stein­zeit­lich be­waff­ne­te Geg­ner), gibt es noch ei­nen an­de­ren Grund: Die Im­ple­men­tie­rung ei­ner Ei­gen­tums­ge­sell­schaft statt der Be­sitz­ge­sell­schaft, wie sie in ar­chai­schen Le­bens­ver­hält­nis­sen und in früh­mittelalterlichen Feu­dal­ge­sell­schaf­ten Eu­ro­pas exi­stier­ten.

Die­ser Punkt der Ei­gen­tums­ge­sell­schaft spielt ei­ne zen­tra­le Rol­le bei Hein­sohns Be­trach­tun­gen und er be­nennt die Trans­for­ma­ti­on von der Be­sitz- in ei­ne Ei­gen­tums­ge­sell­schaft für ei­nen ex­trem wich­ti­gen Punkt, der heu­te den (so­ge­nann­ten) Ent­wick­lungs­län­dern so­gar als Kö­nigs­weg aus ih­rer ver­fah­re­nen Si­tua­ti­on zu emp­feh­len sei.

Der bes­se­ren Über­sicht­lich­keit ge­schul­det, sind die Zi­ta­te aus Hein­sohns Buch für die­sen Ex­kurs in blau­er Schrift (und nicht – wie im Rest die­ses Be­gleit­schrei­bens kur­siv her­vor­ge­ho­ben.

Die Ba­sis des Wirt­schaf­tens liegt aber we­der im Ka­pi­tal noch im Markt, son­dern im Ei­gen­tum. Das kann man nicht se­hen, rie­chen, schmecken oder an­fas­sen, weil es ein pa­pier­ner Rechts­ti­tel ist. Nun wird gern ge­glaubt, dass »Pri­vat­ei­gen­tum« der mensch­li­chen Gier am an­ge­mes­sen­sten Aus­druck ge­be. Aber bür­ger­li­che, al­so ei­gen­tü­mer­li­che Gier wird durch Po­li­zei und Ge­richts­voll­zie­her viel stren­ger kon­trol­liert als die von raub­rit­ter­li­chen Feu­dal­her­ren oder »pri­mi­ti­ven Stam­mes­ge­nos­sen«. Vor al­lem im ed­len Wil­den hofft man auf ei­nen Men­schen noch oh­ne Ei­gen­nutz. [...] Aber auch und ge­ra­de un­ter Stam­mes­ge­nos­sen gilt: »Der Er­ste, Schön­ste, Er­folg­reich­ste, Stärk­ste und Reich­ste sein – da­nach strebt man«.

Die Su­che nach Pro­fit ent­steht nicht aus ei­ner Gier nach ihm. Er ist le­dig­lich das, was ei­nem Wirt­schaf­ten­den über die Sum­me hin­aus bleibt, die er für die Til­gung sei­ner Geld­schuld und den Zins dar­auf auch dann be­glei­chen müss­te, wenn ihm je­de Gier fremd wä­re. Und sol­che Schuld­ver­pflich­tun­gen ent­ste­hen nur dort, wo es ne­ben dem Be­sitz auch Ei­gen­tum gibt. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen Be­sitz und Ei­gen­tum ist für das Ver­ständ­nis des Wirt­schaf­tens fun­da­men­tal. Öko­no­mie wird so schlecht ver­stan­den, weil die Ge­lehr­ten Be­sitz und Ei­gen­tum für ein und die­sel­be Sa­che hal­ten.

Die auf Ei­gen­tum ba­sie­ren­den Ge­sell­schaf­ten kön­nen auch zah­len­mä­ssig grö­sse­re Völ­ker über­tref­fen, weil Ei­gen­tum für die Schaf­fung von Geld be­la­stet und für das Bor­gen von Geld in ei­nem Kre­dit ver­pfän­det wer­den kann. Der Geld­schaf­fer ver­liert durch die­se Be­la­stung wäh­rend des Kre­dit­zeit­raums die Frei­heit sei­nes Ei­gen­tums, kann es nicht noch ein­mal be­la­sten und auch nicht ver­kau­fen oder ver­schen­ken. Da­für ge­winnt er die Zins­zu­sa­ge sei­nes Schuld­ners. Und eben für den Zins, für die­ses im­mer mehr aus nie­mals län­ger wer­den­den Jah­res­fri­sten, muss er­fin­de­risch ge­wirt­schaf­tet wer­den.

Ge­sell­schaf­ten oh­ne Ei­gen­tum ha­ben kein Geld, al­so kei­ne zins­be­la­ste­ten Schul­den und blei­ben des­halb oh­ne nen­nens­wer­tes Wachs­tum.

[...]

Dass der Zins als ent­schei­den­de Zug­kraft des Wirt­schaf­tens am Ei­gen­tum haf­tet, ist zwar ganz all­ge­mein schlecht ver­stan­den. Aber nur die Mar­xi­sten strei­ten seit 1917 zu sei­ner re­gel­rech­ten Ab­schaf­fung. Sie ver­spre­chen – wenn man so will – den Men­schen für ihr Au­to ei­ne noch hö­he­re und über­dies pan­nen­si­che­re Ge­schwin­dig­keit, wenn man nur den Mo­tor aus­baue. Die­se Hei­lung der Tu­ber­ku­lo­se durch Ent­fer­nung der Lun­ge hat an die 100 Mil­lio­nen Men­schen das Le­ben ge­ko­stet...

An ei­nem Stück Acker­land lässt sich die wirt­schaft­li­che Po­tenz des Ei­gen­tums über das bloss be­sitz­ba­sier­te – und ewi­ge – Pro­du­zie­ren hin­aus be­son­ders leicht nach­voll­zie­hen. In al­len drei der Mensch­heits­ge­schich­te be­kann­ten Ge­sell­schafts­ty­pen – Stamm (nur Be­sitz), Feu­da­lis­mus (nur Be­sitz) und Ei­gen­tums­ge­sell­schaft (Be­sitz und Ei­gen­tum – kann der Be­sitz ei­ner Feldmark zum Pflü­gen, Ein­sä­en und Ern­ten ge­nutzt wer­den, al­so ei­nen greif­ba­ren Er­trag her­vor­brin­gen. Ge­wirt­schaf­tet wird bei die­ser Nut­zung der Acker­kru­me je­doch nicht. Sie wird le­dig­lich phy­sisch be­nutzt, das heisst an ihr wird das Be­sitz­recht wahr­ge­nom­men.

Zur ge­schäft­li­chen Ver­wen­dung ei­nes Ackers – al­so zum Wirt­schaf­ten mit ihm – kann es erst kom­men, wenn zum Be­sitz­recht noch ein Ei­gen­tums­ti­tel hin­zu­tritt. Man kann sa­gen, dass mit dem Acker pro­du­ziert, mit dem Zaun, der ihn um­gibt, je­doch ge­wirt­schaf­tet wird, wo­bei er den Ei­gen­tums­ti­tel sym­bo­li­siert und nicht nach Draht und Pfo­sten be­trach­tet wird, die es auch in rei­nen Be­sitz­ge­sell­schaf­ten ge­ben kann. Wäh­rend der Bau­er ei­ner Ei­gen­tums­ge­sell­schaft sei­ne Feldmark durch ei­ge­nen Ge­brauch oder durch Ver­pach­ten – als Be­sit­zer nutzt, kann er mit dem Ei­gen­tums­ti­tel an ihr gleich­zei­tig und eben zu­sätz­lich wirt­schaf­ten. Er kann die­sen Ti­tel für das Lei­hen von Geld – Mark z.B. – ver­pfän­den, oder er kann ihn für die Be­si­che­rung des von ihm selbst emit­tier­ten Gel­des – wie­der­um Mark – be­la­sten.

Die Geld­no­te – ob auf Me­tall oder Pa­pier ge­druckt – ist al­so ein Ein­griffs­recht in das Ei­gen­tum ih­res Emit­ten­ten und kommt nur durch Schul­den­ma­chen in die Welt. Auch das auf fast wert­lo­sem Ma­te­ri­al no­tier­te Geld ist wert­voll, weil hin­ter ihm be­si­chern­des und zu­sätz­lich ver­pfän­de­tes Ei­gen­tum steht. Wo je­mand Geld emit­tiert, tut er die­ses für ei­nen an­de­ren, der ihm min­de­stens im sel­ben Wert Ei­gen­tum ver­pfän­det so­wie Til­gung und Zins zu­ge­sagt hat. Der in die Zir­ku­la­ti­on ge­lang­ten Geld­no­te ent­spricht mit­hin ein zwei­tes no­ti­fi­zier­tes Do­ku­ment. Das ist der Kre­dit­kon­trakt, in dem der ge­schaf­fe­ne Be­trag als mit Ei­gen­tum des Lei­hers be­si­cher­te und zu ver­zin­sen­de Schuld nie­der­ge­schrie­ben ist. Erst wenn der die Schuld ge­tilgt hat, kann die zum Ver­lei­her heim­ge­kehr­te Geld­no­te ver­nich­tet und der Kre­dit­kon­trakt zer­ris­sen wer­den. Sind die No­ten aus Me­tall oder ist das Pa­pier noch gut, kön­nen sie bei ei­ner neu­er­li­chen Emis­si­on wie­der ver­wen­det wer­den. Bis da­hin aber – bis zu ei­nem neu­en Kre­dit­kon­trakt, der sie ge­wis­ser­ma­ssen auf­lädt bzw. scharf macht – sind sie nur For­mu­la­re. Die wer­den in ei­nem Tre­sor auf­be­wahrt, weil sie, durch Dieb­stahl in Zir­ku­la­ti­on ge­langt, äu­sser­lich nicht von sol­chen »For­mu­la­ren« zu un­ter­schei­den sind, die erst ver­schul­de­te Ei­gen­tü­mer durch Zu­sa­ge von Pfand, Til­gung und Zins in ge­nui­nes Geld trans­for­mie­ren.

Als Ver­wen­der von Geld, das im­mer je­mand – näm­lich der im geld­schaf­fen­den Kre­dit­kon­trakt Be­nann­te – schul­det, ent­wickeln Mit­glie­der von Eigentums­gesellschaften ei­nen ganz an­de­ren Blick auf die Welt als Men­schen aus rei­nen Be­sitz­ge­sell­schaf­ten, al­so aus Stäm­men oder aus Feu­dal­ge­sell­schaf­ten – wer­den die­se nun durch Adels­ka­sten oder »Avant­gar­den« ei­ner Ar­bei­ter­klas­se di­ri­giert. Geld­schuld­ner su­chen im­mer nach We­gen, aus der prin­zi­pi­ell un­ver­än­der­lich gleich lan­gen Zeit ei­nes Jah­res oder ei­nes Mo­nats das Zu­sätz­li­che her­aus­zu­ho­len, das sie für den Zins auf­brin­gen müs­sen. Eben da­für er­zeu­gen sie Märk­te. Auf die­sen ver­sucht man Schul­den­deckungs­mit­tel, al­so Geld zu er­lan­gen. Des­sen Exi­stenz geht dem Markt so­mit vor­aus, wäh­rend die Markt­wirt­schaft­ler glau­ben, dass erst die Märk­te da sei­en, auf de­nen es dann für ei­ne Tau­scher­leich­te­rung er­fun­den wer­de.

[...]

Die Kon­tak­te der Eu­ro­pä­er zu den neu­en Wel­ten wer­den al­so um­ge­hend in die Er­fül­lung von Gläu­bi­ger-Schuld­ner-Kon­trak­ten ein­ge­bun­den. Da­durch be­ginnt Glo­ba­li­sie­rung.

Und für die Ent­wick­lung der so­ge­nann­ten Drit­ten Welt rät Hein­sohn zur Ver­ei­gen­tü­me­rung:

Wenn man den we­ni­ger ent­wickel­ten Län­dern hel­fen will, dann darf man ih­nen kein Geld ge­ben. Die den­ken sonst in der Tat, dass auf rät­sel­haf­te Wei­se rie­si­ge Tre­so­re voll mit dem ed­len Pa­pier ge­ra­de in den OECD-Staa­ten ge­lan­det sind, die so­mit ru­hig mal et­was ab­ge­ben könn­ten. Doch die ha­ben kei­ne Ki­sten, son­dern für die Geld­be­schaf­fung be­last­ba­res Ei­gen­tum. Die Eta­blie­rung von Ei­gen­tum wie­der­um er­for­dert nur ganz ge­rin­gen tech­ni­schen Auf­wand. Blo­sse Be­sitz­tü­mer müs­sen um Ei­gen­tums­ti­tel er­gänzt und da­bei breit ge­streut wer­den. Die­se Ver­tei­lung muss muss in Do­ku­men­ten über die Ei­gen­tums­ti­tel fi­xiert wer­den. Ka­ta­ster und Grund­bü­cher sind an­zu­le­gen. [...] Man muss an Ge­set­ze ge­bun­de­ne Po­li­zei und un­ab­hän­gi­ge Ge­rich­te schaf­fen, die in die Ei­gen­tums­ti­tel – oh­ne An­se­hen der Macht ih­rer Hal­ter – voll­strecken kön­nen.

Den­noch: Ei­nen Au­to­ma­tis­mus, der hin­ter ei­nem über­pro­por­tio­na­len youth bul­ge und der Ag­gres­si­on ein Gleich­heits­zei­chen setzt, gibt es bei Hein­sohn nicht. Da­bei ist nicht nur die Be­trach­tung der Hit­ler­schen Ag­gres­si­ons­krie­ge ge­meint, die mit ei­nem di­rek­ten Sohn­überschuss nicht »er­klärt« wer­den kön­nen. Hein­sohn wird da ein we­nig ein­sil­big. Er merkt an, Hit­ler ha­be den youth bul­ge so­zu­sa­gen her­bei­de­kre­tie­ren wol­len – mit dem Ver­such, Frau­en von der sei­ner­zeit fort­schrei­ten­den Er­werbs­tä­tig­keit weg­zu­brin­gen und wie­der als Müt­ter ein­zu­set­zen. Der er­ste Welt­krieg, der rund 10 Mil­lio­nen Söh­nen das Le­ben ge­ko­stet hat­te, war noch in der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung Eu­ro­pas ver­an­kert.

Hein­sohn nennt zahl­lo­se Bei­spie­le auch in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit, die be­le­gen, dass youth bul­ge-Staa­ten ent­we­der in Bür­ger­krie­ge sich ge­gen­sei­tig de­zi­miert ha­ben oder ag­gres­siv ge­gen an­de­re Völ­ker ak­tiv wur­den (bzw. dies noch tun): Sri Lan­ka; Süd­ame­ri­ka 1955–1995 im all­ge­mei­nen und El Sal­va­dor im spe­zi­el­len; Ne­pal; El­fen­bein­kü­ste; Ma­rok­ko (Ge­no­zid an den Sa­hau­ris); Af­gha­ni­stan; un­be­dingt na­tür­lich der Irak, den Hein­sohn für lan­ge Zeit »bro­delnd« sieht; Pa­lä­sti­na (wo­bei er den Pa­lä­sti­na/Is­ra­el-Kon­flikt für in den Me­di­en über­zo­gen dar­ge­stellt sieht und in sei­ner Be­deu­tung – im Ver­gleich mit an­de­ren Kon­flik­ten – eher am un­te­ren En­de der Prio­ri­tä­ten­li­ste sieht).

Ei­ne Son­der­stel­lung in der Be­trach­tung neh­men die USA ein (Hein­sohn führt spä­ter den Be­griff US­ana­da ein [für USA und Ka­na­da]). Als fast ein­zi­ges west­li­ches Land hat die USA noch Zu­wachs­zah­len, die – so Hein­sohns Pro­gno­se – am Welt­macht­sta­tus der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu­nächst nicht rüt­teln wer­den (youth bul­ge-Quo­te von im­mer­hin 21%). Aber die Po­li­tik der USA (wie auch Eu­ro­pas mit un­gleich schlech­te­ren Ge­bur­ten­zah­len) trägt sei­ner Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung Rech­nung:

Die Stra­te­gie der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zielt...auf ei­ne se­quen­zi­el­le Aus­schal­tung des­po­ti­scher Staa­ten mit Me­ga­tö­tungs­waf­fen, weil ih­re ei­ge­ne Macht für die zeit­glei­che Be­kämp­fung auch nur zwei­er ag­gres­si­ver Atom­mäch­te nicht aus­reicht.

Ent­wick­lun­gen in an­de­ren Staa­ten, in­ner­staat­li­che, bür­ger­kriegs­ähn­li­che Si­tua­tio­nen oder re­gio­nal be­grenz­te bi­la­te­ra­le Kon­flik­te be­rüh­ren die Welt­macht nur noch am Ran­de. Es wird zu Lip­pen­be­kennt­nis­sen und wohl­fei­len Ap­pel­len kom­men, um den Schein zu wah­ren. Ge­no­zi­de wie in Ru­an­da oder jetzt in Dar­fur (Su­dan) fin­den nicht das unmittel­bare (prio­ri­tä­re) In­ter­es­se der USA, weil die grund­sätz­li­che Welt­la­ge von ih­nen nicht tan­giert wird. Das ist der Grund, war­um nicht ein­ge­grif­fen wird: Wenn sich die youth bul­ge-Völ­ker ge­gen­sei­tig be­krie­gen, dann sinkt die Zahl der zu er­war­ten­den Po­sten­su­cher schon ein­mal. Das klingt hart, dürf­te aber dem Kal­kül der gän­gi­gen Po­li­tik ent­spre­chen; üb­ri­gens nicht nur in den USA.

Ob­wohl Hein­sohn die gröss­te Macht­fül­le der Ver­ei­nig­ten Staa­ten schon längst in der Ver­gan­gen­heit sieht (er nennt die Zeit zwi­schen 1941–49; haupt­säch­lich des­halb, weil die USA zu die­ser Zeit das Atom­waf­fen­mo­no­pol hat­ten), fällt ihm als Zu­kunfts­per­spek­ti­ve nichts spek­ta­ku­lä­res ein. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wer­den wohl bis 2050 die be­stim­men­de Macht blei­ben. Ne­ben der über­le­ge­nen Waf­fen­tech­nik liegt dies auch dar­an, dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten (bzw. US­ana­da) ei­ne dau­ern­de Heim­statt für die gut aus­ge­bil­de­ten Mi­gran­ten sein wer­den; wäh­rend die »Ar­muts­flücht­lin­ge« haupt­säch­lich vor Eu­ro­pas Kü­sten stran­den wer­den. Mit die­sem Know-How sieht Hein­sohn die USA à la longue do­mi­nie­rend; u. a. auch des­we­gen, weil selbst aus Eu­ro­pa die Eli­ten aus­wan­dern wer­den (al­ler­dings wohl aus öko­no­mi­schen Grün­den, denn ei­nen youth bul­ge hat in Eu­ro­pa kein Staat mehr).

Die po­ten­ti­el­len Kon­kur­ren­ten um den Welt­macht­sta­tus der Zu­kunft sind ent­we­der Ver­grei­sungs­ge­sell­schaf­ten (Chi­na; Eu­ro­pa) oder – tja, oder was? War­um In­di­en mit sei­nem youth bul­ge von 33% (Pro­gno­se 2050: 1628 Mil­lio­nen [Chi­na 1394 Mil­lio­nen; USA 413 Mil­lio­nen]) den­noch kei­nen Ge­gen­part wird spie­len kön­nen, lässt Hein­sohn im Dun­keln. Es darf ver­mu­tet wer­den, dass er der doch sehr he­te­ro­ge­nen in­di­schen Ge­sell­schaft mit durch­aus gro­ssen Klas­sen­un­ter­schie­den den ent­schei­den­den »Sprung« zur Her­aus­for­de­rung der USA als Welt­macht nicht zu­traut. Vie­le gut aus­ge­bil­de­te in­di­sche Zweit- bis Fünfts­öh­ne dürf­ten üb­ri­gens auch von US­ana­da an­ge­zo­gen wer­den.

In­ter­es­sant ist Hein­sohns The­se, dass die per­ma­nent stei­gen­den Rü­stungs­aus­ga­ben der USA ein Aus­weis von (ge­fühl­ter) Schwä­che dar­stellt; die Rö­mer hät­ten den Li­mes als Grenz­be­fe­sti­gung ge­baut; die chi­ne­si­sche Mau­er soll­te Fein­de ab­hal­ten, die mit Sol­da­ten nicht mehr ver­drängt wer­den konn­ten. Ähn­li­ches sieht Hein­sohn für die ehr­gei­zi­gen Rü­stungs­plä­ne der USA (u. a. auch die Welt­raum­rü­stung). Mit we­ni­ger als 5% der Welt­be­völ­ke­rung [brin­gen die USA] auch im Jah­re 2003 noch 50% al­ler Mit­tel der Mensch­heit für For­schung und Ent­wick­lung auf. Da mag man­che Wun­der­waf­fe er­fun­den wer­den. Si­cher­lich ein nicht zu ver­nach­läs­si­gen­des Ar­gu­ment.

Und Eu­ro­pa? Wie wird Eu­ro­pa den zor­ni­gen jun­gen Män­nern bei­spiels­wei­se aus is­la­mi­schen Ge­sell­schaf­ten be­geg­nen kön­nen? Man kann Mau­ern er­rich­ten – Hein­sohn hält die­sen Weg für nicht sinn­voll. Man kann ver­su­chen, Ein­wan­de­rungs­po­ten­ti­al zu ge­ne­rie­ren, denn schliess­lich ster­ben die eu­ro­päi­schen Län­der ja suk­zes­si­ve aus. Um den Stand zu hal­ten, müss­te bei­spiels­wei­se ein Land wie Spa­ni­en jähr­lich 1 Mil­li­on Flücht­lin­ge auf­neh­men (zum Be­weis: der­zeit le­ben in Spa­ni­en noch nicht ein­mal 1 Mio. Nicht-Spa­ni­er). Und:

Deutsch­land al­lein be­nö­tigt bis 2050 min­de­stens 15 und wo­mög­lich so­gar 25 Mil­lio­nen Neu­zu­gän­ge – ... 500.000 jähr­lich, [ei­ner Zahl,] der kei­ner rich­tig ins Ge­sicht se­hen möch­te.

Selbst­re­dend wird es mit den Neu­an­kömm­lin­gen Schwie­rig­kei­ten zu­hauf ge­ben. Wer woll­te aus­schlie­ssen, dass ge­ra­de aus der is­la­mi­schen Welt voll aus­ge­bil­de­te An­ti­se­mi­ten her­bei­strö­men...[...] Man er­sieht dar­an, dass un­se­re im­po­nie­ren­den An­stren­gun­gen zur Frem­den­lie­be nicht aus dem Stre­ben nach dem Gu­ten als sol­chem er­wach­sen.

Zwi­schen den Zei­len liest man: Wo soll die Ar­beit für die­se Neu­an­kömm­lin­ge her­kom­men? Und: Wel­chen Aus­bil­dungs­grad ha­ben die­se Men­schen bzw. wel­chen »ver­lan­gen« wir? Die gut aus­ge­bil­de­ten wer­den sich di­rekt auf den Weg nach US­ana­da ma­chen; üb­ri­gens auch die in Eu­ro­pa her­an­ge­zo­ge­nen Eli­ten, die Hein­sohn in gro­ssen Strö­men dem ster­ben­den Kon­ti­nent den Rücken keh­ren sieht.

Ted Hon­de­rich hat­te die Bil­dung als Aus­weg ge­se­hen: In Ge­sell­schaf­ten, in de­nen Frau­en ver­mehrt frei­en Zu­gang zu Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und da­nach in ei­ne Art Be­rufs­le­ben fan­den, gin­gen die Ge­bur­ten­zah­len si­gni­fi­kant zu­rück (frei­lich gab es hier auch Aus­nah­men, wie bei­spiels­wei­se der Iran und – vor al­lem – der Irak). Hein­sohn sieht – das mag ein biss­chen fa­ta­li­stisch sein – kei­nen Aus­weg; vor al­lem kei­nen Kö­nigs­weg und rät (mehr oder we­ni­ger) zum Aus­har­ren. Die Krie­ger von 2020 sind eh schon al­le ge­bo­ren; für die Zeit da­nach sieht er ei­ne ge­wis­se »Ent­span­nung« (was ei­gent­lich rein spe­ku­la­tiv ist und von Hein­sohn auch so kom­men­tiert wird).

Le­dig­lich in der pro­gram­ma­ti­schen Aus­rich­tung hin zur Ei­gen­tums­ge­sell­schaft ver­mag man ei­nen Hoff­nungs­schim­mer zu er­ken­nen: Durch ei­ne Öko­no­mi­sie­rung der je­wei­li­gen Ge­sell­schaft könn­ten die sonst an­der­wei­tig ge­such­ten »Spit­zen­po­si­tio­nen« in der ei­ge­nen En­ti­tät ent­ste­hen.

Die USA be­schreibt Hein­sohn ins­ge­samt sehr op­ti­mi­stisch. Au­gu­ren wie Em­ma­nu­el Todd, die im hor­ren­den Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit der USA ei­ne ticken­de Zeit­bom­be se­hen, (und zwar nicht nur für die USA, son­dern für die ge­sam­te Welt­wirt­schaft) kom­men bei ihm nicht zu Wort. Die Tat­sa­che je­doch, dass die USA gro­sse Tei­le ih­rer In­du­strie­pro­duk­ti­on ab­ge­schafft hat und auf Im­por­te an­ge­wie­sen ist, kann nicht weg­dis­ku­tiert wer­den.

Am Bei­spiel Chi­nas könn­te Hein­sohns Theo­rie ei­nen Dämp­fer er­hal­ten. Zwar ist die Volks­re­pu­blik be­völ­ke­rungs­mä­ssig nicht in der La­ge, ex­zes­si­ve Krie­ge mit gro­ssen Ver­lu­sten zu füh­ren – aber viel­leicht braucht man dies auch nicht mehr, um trotz­dem ei­ne He­ge­mo­ni­al­po­si­ti­on zu er­rei­chen (die an­de­re Vor­aus­set­zun­gen bringt Chi­na ja mit). Öko­no­misch ist Chi­na so­wohl als Pro­du­zent als auch als Nach­fra­ger die ak­tu­el­le Welt­macht – die Wachs­tums­ra­ten er­rei­chen re­gel­mä­ssig schwin­del­erre­gen­de Hö­hen (kein Wun­der, es gibt na­tür­lich viel »auf­zu­ho­len«). Ähn­li­ches gilt für In­di­en. Wie wä­re es, wenn sich He­ge­mo­ni­al­po­si­tio­nen im 21. Jahr­hun­dert nicht mehr aus­schliess­lich an klas­si­sche (bel­li­zi­sti­sche) Kenn­zah­len ori­en­tie­ren, son­dern auch (oder vor al­lem?) an öko­no­mi­sche Pa­ra­me­ter? Lie­fert nicht Deutsch­land seit Jahr­zehn­ten auf be­stimm­ten Ge­bie­ten (im­mer noch!) ein Bei­spiel, wie ei­ne welt­po­li­tisch re­la­tiv un­be­deu­ten­de Na­ti­on durch öko­no­mi­sche Stär­ke ei­ne ge­wis­se Re­le­vanz er­rei­chen kann (und die­se dann – be­dau­er­li­cher­wei­se oder doch nicht? – nicht in der La­ge ist, po­li­tisch hier­aus Ka­pi­tal zu schla­gen)?

Hein­sohns Zah­len sind auf­re­gend und be­ein­druckend; kei­ne Fra­ge. Ge­le­gent­lich so­gar be­klem­mend. Das Buch ent­hält manch­mal sar­ka­sti­sche Spit­zen. Zar­te See­len könn­ten An­stoss an ge­le­gent­lich dra­sti­sche For­mu­lie­run­gen neh­men; der Au­tor wird’s ver­schmer­zen. Das Zah­len- und Quel­len­ma­te­ri­al ist be­ein­druckend und um­fang­reich (nach 160 Sei­ten Buch gibt es ei­ne Li­te­ra­tur­li­ste von 21 Sei­ten!); ge­le­gent­lich auch ein­mal ver­wir­rend. Man­che Un­ter­the­sen, die Hein­sohn auf­stellt, sind ver­blüf­fend und – im be­sten Sin­ne – nach­den­kens­wert (bei­spiel­haft mö­ge der Epi­log die­nen). Man mag nicht im­mer al­les gou­tie­ren, aber das Buch ist un­be­dingt und drin­gend zu emp­feh­len. Da­nach wird man ei­ne Zeit lang im­mer bei Nen­nung ei­nes Lan­des die de­mo­gra­fi­schen Da­ten nach­schla­gen. Und man sieht ei­ni­ges in an­de­rem Licht.

Epi­log: Ido­li­sie­rung ag­gres­si­ver Füh­rer heu­te und da­mals

So kann es kaum ver­wun­dern, dass et­wa auch die jun­gen Leu­te Süd­ko­reas den nord­ko­rea­ni­schen Dik­ta­tor Kim Jong II ge­ra­de we­gen sei­nes Atom­po­ten­zi­als be­wun­dern. Von den min­de­stens 500.000 Men­schen, die er seit 1994 ver­hun­gern lässt (Ha­ya­shi 1997) und von sei­nem un­ver­min­dert tö­ten­den Gu­lag (Bork 2003,10) las­sen sie sich kaum ir­ri­tie­ren. Nach der Ein­stu­fung die­ses Lan­des in die »Ach­se des Bö­sen« durch den US-Prä­si­den­ten Ge­or­ge W. Bush ist die Zahl der ame­ri­ka­feind­li- chen Süd­ko­rea­ner dra­ma­tisch hoch­ge­schnellt – von 15 Pro­zent 1994 auf 53 Pro­zent 2002. Aber nur 26 Pro­zent der über 50-jäh­ri­gen ge­hö­ren in die­se Grup­pe. Von den 20- bis 30-jäh­ri­gen hin­ge­gen sind es 75 Pro­zent. Ei­ne 29-jäh­ri­ge Frau er­klärt An- fang 2003: »Wenn Nord­ko­rea Atom­waf­fen will, soll es sie ru­hig ha­ben. Nord­ko­rea wür­de uns nie an­grei­fen. Wir sind ein und das­sel­be Volk« (Goodman/Choo 2003, 6). Die Phan­ta­si­en über die Mög­lich­kei­ten ei­ner ver­ei­nig­ten 70-Mil­lio­nen-Na­ti­on mit der öko­no­mi­schen Stär­ke Süd­ko­reas und den dann noch ver­bes­ser­ba­ren Me­ga­tö­tungs­waf­fen des Nor­dens er­wei­sen sich als un­wi­der­steh­lich. Und in der Tat bräuch­te ein sol­ches Ko­rea kei­ne Ame­ri­ka­ner mehr. Aber mit Chi­na zö­ge man nu­kle­ar gleich, und das alt­ge­hass­te Ja­pan lie­sse man hin­ter sich. Man ta­fel­te im sel­ben Klub mit Frank­reich und Gross­bri­tan­ni­en. Auf je­der di­plo­ma­ti­schen Büh­ne der Welt wä­ren jun­ge Ko­rea­ner da­bei und wich­tig. Wie wohl das na­tio­na­le Füh­len der Deut­schen aus­sä­he, wenn sie über die DDR an Atom­waf­fen ge­langt wä­ren – mit all dem Uran im Erz­ge­bir­ge?

Die jun­gen Mus­li­me, Ko­rea­ner etc. ido­li­sie­ren ih­re ag­gres­si­ven Füh­rer im 21. Jahr­hun­dert al­so kaum an­ders als et­wa im 18. Jahr­hun­dert die Deut­schen aus Goe­thes Kind­heit den spä­te­ren Gross­fried­rich, der – mit Preu­ssen – ge­ra­de nicht dem res­sour­cen­reich­sten Ge­mein­we­sen vor­steht und den­noch blu­ti­ger und tücki­scher oder eben küh­ner und in­tel­li­gen­ter als al­le an­de­ren deut­schen Für­sten sein Reich durch räu­be­ri­sche Über­fäl­le auf die Nach­barn schmie­det. Die­sen gro­ssen Tö­ter be­wun­dert der jun­ge Goe­the: »Aber kaum hat­te ich am 28. Au­gust 1756 mein sie­ben­tes Jahr zu­rück­ge­legt, als gleich dar­auf je­ner welt­be­kann­te Krieg aus­brach, wel­cher auf die näch­sten sie­ben Jah­re mei­nes Le­bens auch gro­ssen Ein­fluss ha­ben soll­te. Fried­rich der Zwei­te, Kö­nig von Preu­ssen, war mit 60.000 Mann in Sach­sen ein­ge­fal­len, und statt ei­ner vor­gän­gi­gen Kriegs­er­klä­rung folg­te ein Ma­ni­fest, wie man sag­te, von ihm selbst ver­fasst, wel­ches die Ur­sa­chen ent­hielt, die ihn zu ei­nem sol­chen un­ge­heu­ren Schritt be­wo­gen und be­rech­tigt. [ ...] Und so war ich denn auch preu­ssisch oder, um rich­ti­ger zu re­den, frit­zisch ge­sinnt. [ ...] Ich freu­te mich mit dem Va­ter un­se­rer Sie­ge, schrieb sehr gern die Sie­ges­lie­der ab, und fast noch lie­ber die Spott­lie­der auf die Ge­gen­par­tei. [ ...] Bei den Gross­el­tern [ ...] woll­te mir kein Bis­sen mehr schmecken: denn ich muss­te mei­nen Hel­den aufs greu­lich­ste ver­le­um- det hö­ren. [ ...] So fing ich nun, we­gen Fried­richs des Zwei­ten, die Ge­rech­tig­keit des Pu­bli­kums zu be­zwei­feln an. [ ...] Be­den­ke ich es aber jetzt ge­nau­er, so fin­de ich hier den Keim der Nicht­ach­tung, ja der Ver­ach­tung des Pu­bli­kums, die mir ei­ne gan­ze Zeit mei­nes Le­bens an­hing« (Dich­tung und Wahr­heit, Er­ster Teil, Zwei­tes Buch).

Die Frit­zi­schen und die Bin-Laden’schen ha­ben mit­hin viel ge­mein. Mit un­ver­hüll­ter Weh­mut, dass ihm selbst die­se Rol­le nicht mehr ge­hört, hat so­gar Li­by­en Dik­ta­tor Gad­da­fi das zu­ge­stan­den: »In der is­la­mi­schen Welt ist er [Bin La­den] ein Pro­phet ge­wor­den und al­le jun­gen Leu­te ver­eh­ren ihn« (Wey­mouth 2003, 18). Mord­ver­su­che von Al-Qai­da ge­gen die blu­ti­ge Ope­ret­ten­fi­gur der 1980er Jah­re dürf­ten die­ses Ein­ge­ständ­niss kaum er­leich­tert ha­ben. Im Mai 2003 ver­fügt Osa­ma bin La­den über das höch­ste mo­ra­li­sche und po­li­ti­sche An­se­hen in fünf von sechs is­la­mi­schen Län­dern (Aus­nah­me Tür­kei), die in ei­ner welt­wei­ten For­schung über die Au­to­ri­tät von Po­li­ti­kern ein­be­zo­gen wur­den: Pa­lä­sti­na, In­do­ne­si­en, Jor­da­ni­en, Ma­rok­ko und Pa­ki­stan (Bortin 2003, 1/6).


18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. ??
    Hal­lo,
    Dei­ne aus­führ­li­che Be­spre­chung läßt mich mit mehr Zwei­feln als Er­leuch­tung zu­rück.
    Das be­ginnt mit der Aus­gangs­the­se Hein­sohns von den über­zäh­li­gen jun­gen Män­nern (Was ist mit den Frau­en?).
    Was heißt es, sie sei­en chan­cen­los? Müß­te nicht der Zu­sam­men­hang von Wirt­schafts­wei­se und Chan­cen be­trach­tet wer­den?
    Auch in un­se­rer Ge­sell­schaft gilt es als schlich­te Tat­sa­che, daß 5–10 Mil­lio­nen Men­schen überzählig/chancenlos sind. Of­fen­kun­dig hat das bei uns nichts mit 2.-, 3.- usw. Söh­nen zu tun.

    Auch Hein­sohns Be­trach­tung von Be­sitz- und Ei­gem­tü­mer­ge­sell­schaf­ten macht mich eher schwind­lig in mei­nem ar­men Kopf. Der Feu­dal­herr, der an­ti­ke (oder nicht­an­ti­ke) Skla­ven­hal­ter blei­ben Ei­gen­tü­mer, auch wenn sie kei­nes­wegs ka­pi­ta­li­stisch wirt­schaf­ten. H. scheint ziem­lich ri­go­ros das Ver­ständ­nis von Ei­gen­tums­ver­hält­nis­sen als For­men von Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nisen zu igno­rie­ren....
    Na schön, das gilt heu­te wohl als sein Recht.
    Oder ar­gu­men­tiert er dies­be­züg­lich?

  2. Ag­gres­si­ons­po­ten­ti­al...
    geht für Hein­sohn von männ­li­chen Nach­kom­men aus. Da­mit dürf­te er nicht so schief lie­gen. Und um es ein we­nig platt aus­zu­drücken: Der »Po­sten«, den die Frau in vie­len Ge­sell­schaftsen auch heu­te noch ein­nimmt, ist die der Ge­bä­re­rin; der Hü­te­rin des Nach­wuchs. Wie ich er­wähn­te, zeigt er hier­aus kei­nen Aus­weg (man kann al­ler­dings sa­gen, es ist nicht sein The­ma ge­we­sen).

    In En­ti­tä­ten, die Frau­en Zu­gang zu Bil­dung bie­ten (Schu­le; Uni­ver­si­tät; Be­ruf), sin­ken nor­ma­ler­wei­se in­ner­halb von ein, zwei Ge­nera­tio­nen die Ge­bur­ten­zah­len (Kind pro Frau).

    »Chan­cen­los« be­deu­tet, dass sie in­ner­halb ih­rer En­ti­tät kei­ne Mög­lich­kei­ten ha­ben, Po­sten zu be­set­zen. Die­se sind in der Re­gel durch den Erst­ge­bo­re­nen be­setzt. Mög­lich­kei­ten, sich in ab­strak­te Ar­beits­ver­hält­nis­se ein­zu­brin­gen, gibt es meist nicht,(was an den Ar­beits­lo­sen­quo­ten in die­sen Staa­ten deut­lich wird). Das ist na­tür­lich ein biss­chen ver­ein­facht; es gibt durch­aus auch heu­te noch Ge­sell­schaf­ten, in der ein Sohn die Nach­fol­ge des Va­ters an­tritt (wo­bei auch im­mer); ei­ner ei­ne so­zia­le oder po­li­ti­sche Auf­ga­be über­nimmt und ei­ner »für die Re­li­gi­on« ab­ge­stellt wird.

    Der Re­kurs auf un­se­re Ge­sell­schaft ist da­hin­ge­hend ab­we­gig, da es sich (1.) um ei­ne aus­ster­ben­de Ge­sell­schaft han­delt (die is­la­mi­schen Län­der, In­di­en, sehr vie­le schwarz­afri­ka­ni­sche Staa­ten je­doch dra­ma­tisch an­stei­gen­de Kin­der­zah­len mel­den), al­so die Po­pu­la­ti­on (dra­ma­tisch) zu­rück­geht und (2.) die »chan­cen­lo­sen« hier durch so­zia­le Trans­fer­lei­stun­gen ei­ni­ger­ma­ssen ab­ge­si­chert sind. So­mit ent­fällt die Op­ti­on, sein »Glück« an­der­wei­tig zu su­chen.

    Der an­ti­ke Skla­ven­hal­ter war in Hein­sohns Sinn nicht Ei­gen­tü­mer; er war »nur« Be­sit­zer, der sich zwar als Ei­gen­tü­mer ge­ne­rier­te, dies je­doch nicht be­le­gen konn­te (er brauch­te es wohl auch nicht, weil ihn nie­mand be­fragt hat­te). Wo­zu Hein­sohn ten­diert – wenn ich ihn da rich­tig ver­stan­den ha­be – ist ein Wirt­schaf­ten, in der Ei­gen­tum die Rol­le ei­ner Art Geld­be­schaf­fungs­ma­schi­ne spielt, was wie­der­um die Öko­no­mie an­treibt, neue Po­sten schafft, usw...

  3. Dan­ke Gregor,danke Gun­nar Hein­sohn,
    ein über­wäl­ti­gen­des Buch, einfach,stimmig und schlüs­sig.
    Die Frau­en wer­den nicht ver­ges­sen, aber sie füh­ren die Krie­ge ja nicht.Sie wer­den mit den üb­rig­ge­blie­be­nen Sper­maträ­gern neue
    Män­ner ge­ne­rie­ren für den näch­sten Krieg.....

    Ich wer­de mir schon mal ein hüb­sches Kopf­tuch aus­su­chen oder mich mit den Chi­ne­sen an­freun­den, Schlitz- bzw.Mandelaugen hab ich ja eh....

    Ein groß­ar­ti­ger So­zio­lo­ge, mir wird schwind­lig von sei­nem Kön­nen ‚schwee­ri­ge Sach­ver­hal­te ganz ein­fach zu for­mu­lie­ren-das kön­nen eben nur die ganz Gschei­ten...

  4. Kei­ne Ent­kopp­lung
    Man darf die Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung nicht von der all­ge­mei­nen öko­no­mi­schen und po­li­ti­schen Ent­wick­lung des ent­spre­chen­den Lan­des oder der Re­gi­on tren­nen. Es ist nicht die Re­la­ti­on der Kin­der­zah­len im Ver­gleich zu an­de­ren Ge­bie­ten der Er­de ent­schei­dend, son­dern die Per­spek­ti­ven der Men­schen bei sich zu Hau­se. Wenn man das mit hin­ein rech­net, dann hat Hein­sohn na­tür­lich recht. Bei den er­sten Kreuz­zü­gen um 1000 n. Chr. wird ja als ei­ne der we­sent­li­chen Ur­sa­chen auch im­mer wie­der ge­nannt, dass we­gen des Erb­rechts vie­le Zweit- und Dritt­ge­bo­re­ne ihr Land ver­las­sen muss­ten, weil sie da­heim kei­ne Per­spek­ti­ve mehr hat­ten.

    Was Hein­sohn in dei­nem Zi­tat über Be­sitz und Ei­gen­tum schreibt, ist aber – mit an­de­ren Wor­ten – so­wohl im Mar­xis­mus als auch in der Volks­wirt­schafts­leh­re Grund­la­gen­wis­sen und im Ge­gen­satz zu Hein­sohns Wor­ten durch­aus sehr gut ver­stan­den. Der Un­ter­schied zwi­schen Be­sitz und Ei­gen­tum liegt nicht an den da­mit ver­bun­de­nen Rechts­ti­teln, son­dern was man mit dem be­reits Vor­han­de­nen macht. Ob ei­ne ein­fa­che oder ei­ne er­wei­ter­te Re­pro­duk­ti­on er­folgt und wie die­se or­ga­ni­siert wird. Es ist al­so der Un­ter­schied zwi­schen qua­si­feu­da­len und ka­pi­ta­li­sti­schen Ge­sell­schafts­struk­tu­ren.

    Sei­ne Grund­the­se lässt sich mei­ner Mei­nung nach in ei­nem ein­fa­chen Satz un­ter­brin­gen: Wenn der Zins­satz der Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung grö­ßer als der Zins­satz der öko­no­mi­schen Ent­wick­lung ist, die Men­schen ob­jek­tiv und im Durch­schnitt är­mer wer­den, dann führt das au­to­ma­tisch zu po­li­ti­schen Pro­ble­men und in der heu­ti­gen glo­ba­li­sier­ten Welt zu Mi­gra­ti­ons­strö­men, die zu­dem pseu­do­re­li­gi­ös un­ter­füt­tert wer­den.

    Ge­ra­de in Be­zug auf Chi­na und vie­le Ent­wick­lungs­län­der der is­la­mi­schen Welt ist für mich des­halb die Haupt­fra­ge, ob es dort auf dem Weg zu ei­ner mo­der­nen Ge­sell­schaft mög­lich ist, das Sta­di­um des Man­che­ster­ka­pi­ta­lis­mus zu über­sprin­gen, al­so ma­xi­ma­ler Pro­fi­tra­ten mit sehr we­nig po­li­ti­schen Rech­ten der Mehr­heit und ma­xi­mal un­ter­schied­li­cher Nutz­nie­ßung vom Fort­schritt in der Ge­sell­schaft. Wenn das nicht ge­lingt, ha­ben wir ein ge­wal­ti­ges Pro­blem: Hö­he­ren öko­no­mi­schen Zu­wachs­ra­ten steht ein pri­mi­ti­ve­res Po­li­tik­ver­ständ­nis und ein noch ar­chai­sche­res All­tags­den­ken ge­gen­über.

  5. Hein­sohn ent­kop­pelt nichts
    Ge­nau das sagt er ja: Die Per­spek­ti­ven der Men­schen zu­hau­se ist ent­schei­dend. Wenn im Ver­hält­nis der mög­li­chen Po­si­tio­nen (»Po­sten«) zu vie­le Nach­kom­men vor­han­den sind, gibt es ent­we­der eth­ni­sche Span­nun­gen in­ner­halb der En­ti­tät (dies u. a. wenn – wie in vie­len afri­ka­ni­schen Staa­ten – die Gren­zen will­kür­lich und oh­ne Be­rück­sich­ti­gung der eth­ni­schen Ge­ge­ben­hei­ten ge­zo­gen wur­den) oder der »Zorn« rich­tet sich nach au­ssen. Die Plau­si­bi­li­tät des Hein­sohn­schen Den­kens liegt in der Par­al­le­li­tät die­ser Fak­to­ren.

    Dei­ne Sub­sum­mie­rung ver­ste­he ich ver­mut­lich nicht rich­tig.: Der »Zins­satz« der Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung – al­so das, was er youth bul­ge nennt – ist in ei­ni­gen Län­dern weit über 40% (teil­wei­se bis an 50%). Es gibt kei­nen di­rek­ten Re­kurs auf das Zins­ni­veau der von ihm pro­kla­mier­ten Ei­gen­tums­ge­sell­schaft; Hein­sohns An­nah­me liegt ja u. a. dar­in, dass sehr vie­le Län­der noch kei­ne aus­rei­chen­de In­fra­struk­tur für die­se Ei­gen­tums­ge­sell­schaft zur Ver­fü­gung ha­ben.

    Dei­ne Be­fürch­tung, was Chi­na an­geht, ist m. E. längst Rea­li­tät: Das öko­no­mi­schen Wachs­tum ge­niesst dort ab­so­lu­te Prio­ri­tät; al­les ist ihm un­ter­ge­ord­net. Ein Punkt al­ler­dings stimmt mich nach Hein­sohns Lek­tü­re skep­tisch: Die chi­ne­si­sche Re­gie­rung müss­te schnell­stens von ih­rer re­pres­si­ven Ein-Kind-Po­li­tik Ab­stand neh­men, um der oh­ne Zwei­fel sonst un­ab­än­der­lich kom­men­den Ver­grei­sung vor­zu­bau­en. Die­se Po­li­tik war ja ei­gent­lich der Tat­sa­che ge­schul­det, dass Chi­na ir­gend­wann nicht aut­ark­ge­nug sei, um sei­ne Be­völ­ke­rung zu er­näh­ren. In der glo­ba­li­sier­ten und vor al­lem tech­ni­sier­ten Welt dürf­te die­ses »Ar­gu­ment« nicht mehr zu­tref­fen (selbst wenn man Le­bens­mit­tel ob ei­ner grö­sse­ren Be­völ­ke­rungs­an­zahl im­por­tie­ren müss­te, wä­re der Nach­teil des schwin­den­den Han­dels­bi­lanz­de­fi­zi­tes ge­rin­ger als der Nach­teil, ir­gend­wann kei­nen »nach­wach­sen­den Markt« mehr zu ha­ben) . Im Mo­ment in­ter­es­siert dies aber wohl nie­man­den, da die Wachs­tums­ra­ten enorm sind; im­mer noch sind hun­der­te von Mil­lio­nen Chi­ne­sen po­ten­ti­el­le Wohl­stands­ge­winn­ler (das Land ist im­mer noch sehr ar­gra­risch struk­tu­riert).

    Noch ein wich­ti­ger Hin­weis zur Re­li­gi­on: Hein­sohn ist ein un­be­ding­ter Ver­fech­ter der The­se, dass der »Zorn« der jun­gen Män­ner vor der Re­li­gi­on vor­han­den war. Erst der Zorn – dann die Schrif­ten, die die­sen me­ta­phy­sisch un­ter­füt­tern. Dies war so­wohl beim Chri­sten­tum der Fall – als auch jetzt beim Is­lam. Was er nur streift (ich zi­tie­re es in mei­nem – zu­ge­ge­ben ex­zes­siv lan­gen – Auf­satz): Die zor­ni­gen jun­gen Män­ner des Is­lam bie­ten gar kei­nen neu­en Ent­wurf an – sie sind (ein­fach for­mu­liert) »nur da­ge­gen«. Ein über das me­ta­phy­si­sche hin­aus ge­hen­der so­zia­ler, öko­no­mi­scher und po­li­ti­scher Über­bau – ir­gend­wel­che Uto­pi­en – gibt es nicht bzw. nur me­ta­phy­sisch ver­brämt (»Got­tes­staat«).

    So ganz ver­mag ich Dei­ner Aus­sa­ge, dass es un­er­heb­lich ist, ob et­was Be­sitz oder Ei­gen­tum ist, nicht zu fol­gen: Für den­je­ni­gen, der sich über ein Stück Land beugt und es be­wirt­schaf­tet ist sehr wohl re­le­vant, ob sei­ne Er­trä­ge ir­gend­wann zu fe­sten Prei­sen ver­kauft wer­den (da­mit wä­re bspw. die Qua­li­tät zweit­ran­gig) oder ob er mit der Ern­te frei agie­ren kann (weil sein Land sein Be­sitz ist). Der Kom­mu­nis­mus ist u. a. dar­an ge­schei­tert, dass Lei­stungs­an­rei­ze schon im Keim er­stickt wur­den. Das er sich so lan­ge ge­hal­ten hat, ist den­noch nicht un­ge­wöhn­lich: Ei­ne »Grund­ver­sor­gung« war un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen (der po­li­ti­schen An­ge­passt­heit bspw.) un­ab­hän­gig von der Lei­stung ga­ran­tiert. Ich ha­be neu­lich ei­nen Bei­trag aus Nord­ko­rea ge­se­hen. Dort hat man bei ab und zu ex­pe­ri­men­tiert und Men­schen ein klei­nes Stück Land zur ei­ge­nen Be­wirt­schaf­tung zur Ver­fü­gung ge­stellt. Das Er­geb­nis war, dass in die­sen Re­gio­nen die Le­bens­mit­tel­knapp­heit, die fast per­ma­nent in die­sem Land vi­ru­lent ist, zu­rück­ging. Und dies, ob­wohl es sich »nur« um Be­sitz han­del­te!

  6. @Gregor
    Be­sitz oder Ei­gen­tum
    Da ha­be ich mich wohl schlecht aus­ge­drückt. Ich woll­te sa­gen, dass er da­mit nichts Neu­es ge­fun­den hat, sei­ne phä­no­me­no­lo­gi­sche Be­schrei­bung ist die des Un­ter­schieds zwi­schen Feu­da­lis­mus und Ka­pi­ta­lis­mus. Ei­ne „Markt­wirt­schaft“ gab es in bei­den. In der vor­ka­pi­ta­li­sti­schen Ära wur­den dort Wa­ren ge­han­delt, im Ka­pi­ta­lis­mus kom­men als ent­schei­den­de Trieb­kräf­te das Ka­pi­tal und die Ar­beits­kraft hin­zu. Der­je­ni­ge der nur letz­te­res be­sitzt, muss sich selbst ver­kau­fen, ist zwar ju­ri­stisch frei, kann die­sen „Sach­zwän­gen“ aber nicht ent­ge­hen. Der Ka­pi­tal­be­sit­zer ver­leiht die Mög­lich­keit et­was zu pro­du­zie­ren und for­dert ei­nen Zins da­für.

    Das ist ge­nau Hein­sohns Un­ter­schied: Be­sitz be­nutzt man selbst, Ei­gen­tum kann man ge­gen Zin­sen ver­lei­hen, der Zins ist die wie­der zu Geld ge­ron­ne­ne Ar­beits­kraft des Lei­hen­den. Ge­sell­schaf­ten nach die­sem Strick­mu­ster sind dy­na­mi­scher als al­le vor­her­ge­hen­den, weil man jetzt ei­nen ob­jek­ti­ven Maß­stab für die Wert­schöp­fung hat – es ist der Zins­satz, den man für al­les und je­den be­stim­men kann. Das Ka­pi­tal strebt im­mer zu des­sen Ma­xi­mum, das ist der Grund für das ex­po­nen­ti­el­le Wachs­tum ka­pi­ta­li­sti­scher Ge­sell­schaf­ten. Hein­sohns Irr­tum be­steht viel­leicht dar­in (ich ken­ne das Buch ja nicht), dass er glaubt, al­lein der Über­gang von „Be­sitz“ zu „Ei­gen­tum“ al­lein wür­de die Ge­sell­schaft zum Bes­se­ren wen­den. Es be­darf aber ei­nes die Öko­no­mie re­gu­lie­ren­den po­li­ti­schen Über­baus, die­ser ent­steht erst in ei­nem zwei­ten Schritt, wenn man durch den Man­che­ster-/Raub­tier­ka­pi­ta­lis­mus durch ist.

    Chi­na
    Das de­mo­gra­fi­sche Pro­blem Chi­nas wird grö­ßer als das des We­stens wer­den. Es gibt näm­lich dort über­haupt kein staat­li­ches Ren­ten­sy­stem. Die Al­ten wur­den bis­her (im Sin­ne Kon­fu­zi­us) von ih­ren Kin­dern er­nährt. Die Ein­kind­po­li­tik hat die­ses Sy­stem zer­stört, aber kein neu­es an des­sen Stel­le ge­setzt. Chi­na ge­ne­riert sein ho­hes Wachs­tum heu­te da­durch, dass es we­der für die Al­ters­vor­sor­ge noch für den Um­welt­schutz sorgt, die Chi­ne­sen ver­kon­su­mie­ren heu­te die Zin­sen ih­rer Zu­kunft. Die­ser Um­gang mit den ei­ge­nen Men­schen hat in Chi­na Tra­di­ti­on, es gibt ein Buch ei­ner Exil­chi­ne­sin (den Na­men ha­be ich ver­ges­sen), die be­rech­net hat, dass Mao mehr Leu­te auf dem Ge­wis­sen hat als Hit­ler und Sta­lin zu­sam­men.

  7. @Köppnick
    Ka­pi­ta­lis­mus
    Dei­ne Dar­stel­lung des Zins­mo­dells ent­spricht ge­nau dem, was im Buch ge­meint ist. Mein Zi­tat ist – was das öko­no­mo­sche Ar­gu­ment Hein­sohns an­geht – ziem­lich voll­stän­dig; spä­ter wird noch ein­mal am Ran­de der Ge­dan­ke ge­streift.

    Es ist nicht so, dass Hein­sohn der Über­gang von Be­sitz zu Ei­gen­tum al­lei­ne aus­reicht, um die Ver­hält­nis­se in der (so­ge­nann­ten) Drit­ten Welt zu än­dern. Es ist aber das ein­zi­ge »Ar­gu­ment« über­haupt, was von ihm in die­se Rich­tung geht. Das ist ja auch ei­ner mei­ner Kri­tik­punk­te am Buch: es gibt kei­ne »Aus­we­ge« – aber viel­leicht liegt es dar­an, dass es nicht Auf­ga­be des Bu­ches sein soll, die­se zu be­nen­nen.

    Was Hein­sohn ver­mut­lich wirk­lich glaubt, ist, dass ei­ne Ei­gen­tums­ge­sell­schaft so­zu­sa­gen par­al­lel auch ei­ne so­zio­po­li­tisch sta­bi­le In­fra­struk­tur schafft, die zu mehr Rechts­si­cher­heit und da­mit zu mehr Pro­spe­ri­tät führt. Was die­se Staa­ten brau­chen ist dann kei­ne staat­li­che Gän­ge­lung (das ha­ben / hat­ten sie ge­nug), son­dern ein frei­es Spiel auf den Welt­märk­ten. Zu wel­chen Ver­wer­fun­gen das al­ler­dings führt, se­hen wir am Bei­spiel Chi­nas bzw. der Re­ak­tio­nen der mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­ne dar­auf.

    Chi­na
    Ich ver­mu­te Du meinst die­ses Buch hier. Neu­lich lief ei­ne Knopp-Do­ku im ZDF, in der die The­se von den 70 Mil­lio­nen To­ten be­stä­tigt wur­de.

    Ich fin­de, sol­che Zah­len­akro­ba­tik macht we­nig Sinn. Wenn man schon Mas­sen­mör­der ru­bri­zie­ren will (Hein­sohn ist ja auch Völ­ker­mord­for­scher!), dann könn­te man dies auch an dem Pro­zent­satz der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung fest­ma­chen, die man um­ge­bracht hat. Dann wä­re m. E. Pol Pot blut­rün­sti­ger als Mao und Sta­lin.

  8. Hm, nur so­ne An­mer­kung
    Hat sich Hein­sohn sei­ne Theo­rie wirk­lich ge­nau über­legt?

    http://www.beepworld.de/memberdateien/members/shual/demogra.html

    Es kommt noch et­was hin­zu. Hein­sohn hät­te wis­sen sol­len, das die is­rae­lisch-jü­di­sche Ge­sell­schaft nicht nur 2004 sei­ne Gren­ze zur po­ten­ti­el­len »ex­pan­si­ven-ag­gres­si­ven« Ge­sell­schaft über­schrei­ten wür­de [hüb­sche Ab­wech­lung zum Zio­nis­mus], son­dern das die is­rae­li­sche Ge­sell­schaft auch im Ge­gen­satz zu Deutsch­land zB ei­ne de­mo­gra­phi­sche Be­son­der­heit auf­weißt. Die Flücht­lin­ge nach dem Welt­krieg ... in Deutsch­land liegt der An­teil der 65+ bei 20%. In Is­ra­el bei nur 11,5%. Bis sich die de­mo­gra­phi­sche Si­tua­ti­on in Is­ra­el in 15 Jah­ren »nor­ma­li­siert« hat wird der An­teil der für »Hein­sohn re­le­van­ten« Grup­pe un­ter 15 weit über 30% lie­gen.

    Aber viel­leicht schreibt er ja dar­über ein zwei­tes Buch. Part II. »War­um Is­ra­el ein­fach an­ders ist als an­de­re.«

  9. Ich ver­mu­te stark,
    dass sich Hein­sohn sei­ne The­se sehr gut »über­legt« hat.

    Es ist ja auch kei­nes­wegs so, dass er ei­nem Au­to­ma­tis­mus das Wort re­det, d. h. ei­ne Ge­sell­schaft, die ih­ren youth bul­ge von bei­spiels­wei­se 24,8% auf 25,3% »stei­gert«, wird da­durch nicht au­to­ma­tisch »ag­gres­siv«. Im di­rek­ten Ver­gleich mit den Pa­lä­sti­nen­sern, die ei­nen youth bul­ge von 47% auf­wei­sen, in­ter­es­siert vor al­lem die Pro­por­ti­on.

    Viel­leicht er­läu­tern Sie mir ein­mal ge­nau, was sie mit der Be­mer­kung der Flücht­lin­ge nach dem Welt­krieg in Be­zug zu Is­ra­el mei­nen. Und war­um er ein Buch mit ei­nem zwei­ten Teil schrei­ben soll­te.

  10. Hal­lo Herr Keu­sch­nig,
    ich ha­be nichts von »Au­to­ma­tis­mus« ge­schrie­ben, ich hal­te mich an die »Kern­the­se« die ei­ne »Ge­fahr« be­schwört. Aus na­he­lie­gen­den Grün­den muß ich die An­wen­dung der The­se auf das Land Is­ra­el strikt ab­leh­nen. In­so­fern hal­te ich die The­se für un­nütz und über­zo­gen, da sie kei­ne allgmei­ne Gül­tig­keit be­sitzt. Ich wer­de mei­ne Haupt­kri­tik­punk­te an­hand der Sei­te 34 hier nun kurz dar­le­gen [war­um er noch ein zwei­tes Buch schrei­ben soll­te.]

    Vor­ab: Die Be­mer­kung über die Flücht­lin­ge sol­len nur auf die Tat­sa­che hin­wei­sen das Hein­sohns Theo­rie Ver­trei­bun­gen nie­mals vor­aus­be­rech­nen kann. Sie sind ein Un­si­cher­heits­fak­tor. Neh­men Sie als an­de­res Bei­spiel die Si­tua­ti­on in Syrien/Jordanien be­züg­lich der ira­ki­schen Flücht­lin­ge. Die­se Mi­gran­ten er­zeu­gen sehr oft ein neu­es de­mo­gra­phi­sches Bild, von den so­zia­len Ver­wer­fun­gen oder auch po­si­ti­ven As­pek­ten mal ganz ab­ge­se­hen. Nie­mand kann 2001 die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen für das Jahr 2020 an­hand fi­xer de­mo­gra­phi­scher Kon­stan­ten in den je­wi­li­gen Län­dern vor­her­sa­gen, da man 2001 nicht pro­gno­sti­zie­ren kann wel­che Fol­gen ein po­ten­ti­el­ler Ein­marsch der Ame­ri­ka­ner 2003 ha­ben wird.

    Die Be­mer­kung zu Is­ra­el zeigt auch das es de­mo­gra­phi­sche Ab­wei­chun­gen von der Norm gibt, die eben ihr Ei­gen­le­ben ent­wickeln. Ich kann auf­grund der Da­ten des CBS pro­gno­sti­zie­ren das im Jahr 2020 in Is­ra­el der An­teil der Kin­der un­ter 15 bei 33% liegt. Ich kann aber die The­se Hein­sohns nicht an­wen­den. Aber je­der da­her ge­lau­fe­ne An­ti­se­mit kann es. Die brau­chen im­mer et­was län­ger, aber ei­nes Ta­ges wird die­se The­se Hein­sohns zum Stan­dard­re­per­toir an­ti­se­mi­ti­scher Ak­ti­vi­sten ge­hö­ren. Ich ha­be noch nicht in Ame­ri­ka son­diert, viel­leicht ist es dort schon so­weit. Ein Bä­ren­dienst!

    Da­bei ver­sucht Hein­sohn mit in mei­nen Au­gen pro­pa­gan­di­sti­schen Mit­teln ei­ne „Kon­ti­nui­tät der jü­di­schen Un­ter­le­gen­heit ge­gen­über der ara­bi­schen-is­la­mi­schen Mehr­heit“ zu pro­du­zie­ren.

    Er­stens ist die Ver­wen­dung von Aus­sa­gen zB „Ara­fats“ zum Be­leg ein Of­fen­ba­rungs­eid für ei­nen an­ge­se­he­nen Wis­sen­schaft­ler. Ara­fat war „Bau­in­ge­nieur“ und kein So­zio­lo­ge. War­um im Buch nicht strikt auf vor­han­de­nes ara­bi­sches wis­sen­schaft­li­ches Ma­te­ri­al zu­rück ge­grif­fen wird ist mir schon klar: Das ist Hein­sohn zu „ein­sei­tig“.

    Zwei­tens ist das Buch un­glaub­lich schlecht Kor­rek­tur ge­le­sen. Schaun Sie auf Sei­te 34: »zum Da­vid ge­wor­den«. »Da­vid« sym­bo­li­siert nie­mals Un­ter­le­gen­heit, son­dern den Sieg des schein­bar Un­ter­le­ge­nen über das schein­bar Über­le­ge­ne. „Der we­sent­li­che As­pekt liegt in die­ser Ge­schich­te auf dem Ver­zicht auf Ge­walt (im da­mals land­läu­fi­gen Sinn), sei­ne Er­set­zung durch Ge­witzt­heit und Mut, wel­cher auch den Mut zum ei­ge­nen Un­ter­gang ein­schließt. Letz­te­res war – nach al­len rea­li­sti­schen Maß­stä­ben – die Aus­gangs­po­si­ti­on Da­vids.“ [Zi­tat ei­ner Be­kann­ten]. Es ist ei­gent­lich mü­ßig sol­che in­te­lek­tu­el­len Spiel­chen zu kom­men­tie­ren. Is­ra­el ist ein staat mit Wirt­schafts­kraft, Atom­waf­fen, Mer­ka­vas und F16s, führt prä­ven­ti­ve Mi­li­tär­ak­tio­nen durch, etc... Tut mir Leid, ver­al­bern kann ich mich al­lei­ne. Und wenn ich die The­se in­cl. Atom­waf­fen an­wen­de bin ich so­fort bei der „Ge­fahr des Or­tho­do­xen-Staats“, der in sei­nen Grund­zü­gen dem heu­ti­gen Iran äh­neln könn­te.

    Drit­tens [Ich bin noch auf Sei­te 34]: Zah­len sind in po­li­ti­schen Bü­chern IMMER den Be­grif­fen über­ge­ord­net. Zah­len spre­chen klar Spra­che. 3–1. Punkt. Da weiß je­der Be­scheid und die Em­pa­thie zer­set­zend auf­lö­sen­den Wort­schöp­fun­gen wie »Kin­der in der Flücht­lings­dia­spo­ra« tun ihr Üb­ri­ges. Der Ha­ken: Die Zah­len 600Tsd für Is­ra­el ist ge­türkt. Die Wahr­heit: Es wa­ren beits 2002 700Tsd is­ra­li­sche »Da­vi­de«. Das Pro­blem der Zahl­gleich­heit, die obi­ge Kon­ti­ui­tät des Ver­hält­nis­ses Ju­den-Mos­lems im Be­trach­ter auf­lö­sen könn­te [700–750] wird von Hein­sohn mit dem äl­te­sten Trick der Welt ge­löst. Er lügt. [600–750] »Der wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter hat die Zah­len ver­wech­selt!« Sie kön­nen mei­ne Da­ten je­der­zeit auf der Web­sei­te der CBS nach­prü­fen. Wun­dert mich nur war­um das ein Wis­sen­schaft­ler­stab nicht schafft.

    Fa­zit für mich: Es gibt kei­nen Zwei­fel an der Pro­ble­ma­tik die der „youth bul­ge“ mit sich bringt. Zu­min­dest im Be­reich „Na­her Osten“ ist das vor­ge­leg­te Buch ein rei­nes Sam­mel­su­ri­um an alt­her­ge­brach­tem apo­li­ti­schem Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al. Es be­sitzt kei­ne Qua­li­tät und ist an­ge­sichts der Rea­li­tät vor­nehm­lich in Is­ra­el voll­stän­dig ab­zu­leh­nen. BITTE NOCHMAL. Der er­ste Ver­such war nix.

    Gruß, Shual

  11. Ih­re Kri­tik geht an der Sub­stanz vor­bei
    Hein­sohn An­ti­se­mi­tis­mus zu un­ter­stel­len bzw. das Buch und die The­se als »Stein­bruch« für An­ti­se­mi­ten zu be­trach­ten ist ein der­ar­ti­ger Un­sinn, dass man ihn nicht wei­ter kom­men­tie­ren muss.

    Im Buch gibt es nur ein Zi­tat von Ara­fat (auf Sei­te 33) – die­ses wird be­legt. War­um dies ein »Ar­muts­zeug­nis« sein soll, er­schliesst sich mir nicht. Ara­fat wird auch nir­gend­wo als So­zio­lo­ge be­zeich­net. Er kommt in Hein­sohns Be­trach­tun­gen üb­ri­gens sehr schlecht weg; al­so ab­so­lut kein Grund, ihm Ein­sei­tig­keit vor­zu­wer­fen.

    Hein­sohns Buch ist in ei­nem be­stimm­ten Ton ver­fasst. Man könn­te die­sen Ton sar­ka­stisch-iro­nisch nen­nen. Das ist nicht je­der­manns Ge­schmack, das mag sein.

    Ih­re teil­wei­se klein­ka­rier­ten An­mer­kun­gen tra­gen dem Buch und der ent­wickel­ten The­se in kei­ner Wei­se Rech­nung. Kri­tik an sei­ner The­se kann man si­cher­lich üben, aber nicht mir Re­kur­sen auf be­stimm­te Me­ta­phern oder Bil­der, die eher ne­ben­säch­lich sind.

    Hein­sohn er­hebt nicht den An­spruch, sei­ne The­se be­rück­sich­ti­ge al­le Im­pon­de­ra­bi­li­en, die bei­spiels­wei­se durch krie­ge­ri­sche Ak­tio­nen her­vor­ge­ru­fen wer­den (sie nann­ten die Flücht­lings­pro­ble­ma­tik). Die von Ih­nen zum Staat Is­ra­el ge­mach­ten An­ga­ben sind an­de­re, als die, die Hein­sohn vor­legt – man wird se­hen, wie es sich wirk­lich ent­wickelt.

    Die youth bul­ge-»Pro­ble­ma­tik« trifft ver­mut­lich ge­ra­de auf den Na­hen Osten zu, da hier auch noch an­de­re von Hein­sohn ge­nann­ten Fak­to­ren zu­sam­men­spie­len (eben nicht nur die Kin­der-/Ju­gend­quo­te). An sei­nen Zah­len und sei­nem Ma­te­ri­al ist nichts alt­her­ge­brach­tes apo­li­ti­sches Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al. Die­ser Vor­wurf – mit Ver­laub – trifft eher auf ih­re Ar­gu­men­ta­ti­on zu.

  12. Viel­leicht not­wen­di­ge An­mer­kung
    „Ge­fahr des Or­tho­do­xen-Staats“. Bit­te be­ach­ten Sie hier­bei das in Is­ra­el im jü­di­schen Ge­sell­schafts­be­reich die Ge­bur­ten­ra­ten zwi­schen sä­ku­lar-Mit­te/­Links und ul­tra-Or­tho­do­x/­Mit­te-Rechts stark di­ver­gie­ren. Eben­so na­tür­lich die Er­zie­hung. Bit­te be­ach­ten Sie hier­bei auch das be­reits vor­han­de­ne Wäh­ler­po­ten­ti­al ent­spre­chen­der Par­tei­en.

  13. Hal­lo Herr Keu­sch­nig
    Es war mir schon vor­her klar, das von hier ei­ne schlich­te »ver­tei­di­gen­de« Re­ak­ti­on er­wart­bar ist, die mit mei­nem Text nicht um­ge­hen wird.

    Des­halb ha­be ich zu­vor ei­ne fä­hi­ge Con­tra-Po­si­ti­on zu mei­nem Text hier­her ein­ge­la­den und wenn Sie er­lau­ben nut­zen wir [nicht lan­ge] ih­ren Webspace zu ei­ner klei­nen Un­ter­hal­tung. Mal sehn ob er kommt.

    Bit­te be­wer­ten Sie am En­de noch­mal. Wenn Sie nicht wol­len, ma­chen wirs selbst­ver­ständ­lich »an­ders­wo«.

  14. @Shual – Sor­ry
    ich ant­wor­te auf Links, die mir kei­ne Rück­ant­wort er­lau­ben, grund­sätz­lich nicht; die­se Art von Kom­mu­ni­ka­ti­on ist mir ein biss­chen zu ein­sei­tig. Ich ha­be auf­ge­hört Ih­ren Text zu le­sen, als ich von Ih­rer »Me­di­en­be­ra­te­rin« las. Das ist mir zu ver­schmockt.

    Ich be­hal­te mir vor, Ih­ren letz­ten Kom­men­tar v. 16.1., 19:08 Uhr, zu lö­schen.

  15. Selbst­ver­ständ­lich
    »Me­di­en­be­ra­te­rin«, ja die ist eben so. Har­mo­nie­süch­tig. Ich sa­ge ihr im­mer wie­der das es nichts bringt, aber ich muß ihr den Ge­fal­len tun.

    Ih­re of­fen­sicht­li­chen Pro­ble­me mit kon­stru­ie­ren­den Tex­ten kann si­cher nicht durch Igno­ranz und »LöschdenBeitrag«-Reflexen kom­pen­siert wer­den.

    Sie war­ten auf ein gu­tes Buch.Und sie be­kom­men nur ein­sei­ti­gen Mist prä­sen­tiert. Ich ver­ste­he ih­re Wut, aber des­we­gen muß man doch nicht gleich auf klei­nen Füch­sen rum­tram­peln. Sie be­fin­den sich hier [ich bin wohl der Er­ste der das Ih­nen sagt] in ei­nem vir­tu­el­len Raum. Hier sind die Ge­setz­mä­ßig­kei­ten ih­res rea­len Le­bens voll­kom­men be­lang­los. Ich emp­feh­le Ih­nen [das]
    Ein gran­dio­ser Bild­band. Schicken Sie mir bit­te [das ist Ernst] auf shadowbox587@hotmail.com Ih­re Adres­se. Ich schen­ke Ih­nen den Bild­band. Und wenn sie mir nicht trau­en, kau­fen Sie sich ihn bit­te selbst.

  16. Dia­lek­tik der Ab­klä­rung: Wer ist Gun­nar Hein­sohn?
    Dia­lek­tik der Ab­klä­rung:
    Um­ris­se ei­ner neu­en Sicht auf den Auf- und Un­ter­gang des Abend­lan­des – oder:
    Wer ist ei­gent­lich Gun­nar Hein­sohn ?

    Gun­nar Hein­sohn hat be­reits 1984 und 1987 in zwei pa­ra­dig­ma­ti­schen Auf­sät­zen zwei fun­da­men­ta­le Fra­gen ge­stellt, die die gei­sti­ge Si­tua­ti­on un­se­rer Zeit noch im­mer nicht los­ge­las­sen hat. Bei­de Fra­gen, ge­stellt schon vor der epo­cha­len Zä­sur der Rück­ab­wick­lung der gro­ßen so­zia­li­sti­schen Ok­to­ber­re­vo­lu­ti­on im Osten Eu­ro­pas, näm­lich »Wer will denn über­haupt So­zia­lis­mus?“ (1984) und »Hat Auf­klä­rung über­haupt schon be­gon­nen?« (1987) sto­ßen in das Zen­trum der Dis­kus­si­on, wie sich Eman­zi­pa­ti­on nach dem gro­ßen Schei­tern des an­geb­lich eman­zi­pa­to­ri­schen Pro­jekts mar­xi­sti­scher Pro­ve­ni­enz neu den­ken lässt.

    Es geht da­her noch­mals! um Post­mo­der­ne, die Auf­klä­rung, ih­re De­kon­struk­ti­on, ja De­po­ten­zie­rung, um die Ein- und Rück­ho­lung ih­res me­ta­phy­si­schen Über­schus­ses und letzt­lich ih­re Re­ha­bi­li­tie­rung und (Wieder-)Einsetzung !

    Zu­rück hin zu Kant und zur Wis­sen­schaft, und über die zur Pra­xis – rich­tig, ei­ne be­kann­te Fi­gur: Die Phi­lo­so­phen ha­ben die Welt nur ver­schie­den in­ter­pre­tiert, es kömmt drauf an, sie zu ver­än­dern: falsch, denn mit Odo Mar­quard heißt es, von Marx und den Fol­gen, do­ku­men­tiert im Schwarz­buch des Kom­mu­nis­mus und des Welt­bür­ger­krie­ges, kom­mend, schon eher rich­tig: Die Ge­schichts­phi­lo­so­phen ha­ben die Welt nur ver­schie­den ver­än­dert, es kömmt drauf an, sie zu ver­scho­nen!

    Ja, aber was, wenn es denn hie­ße, es kommt schlicht drauf an, sie nur rich­tig zu se­hen ? die Welt rich­tig se­hen und be­grei­fen, al­so wis­sen, was war und ist ?

    Es wird al­so ei­ne Art zi­vi­li­sa­to­risch mo­ti­vier­te Re­vue ge­schrie­ben wer­den (müs­sen), um zum Ziel zu kom­men, das dem von Sloterdijk´s Sphä­ren am En­de ent­spricht:

    „Der Satz „Gott bist tot“ wird als die gu­te Nach­richt der Ge­gen­wart be­stä­tigt. Man könn­te ihn auch um­for­mu­lie­ren: Die Ei­ne Ku­gel ist im­plo­diert, nun gut – die Schäu­me le­ben. Sind die Me­cha­nis­men der Ver­ein­nah­mung durch sim­pli­fi­zie­ren­de Glo­ben und im­pe­ria­le To­ta­li­sie­run­gen durch­schaut, lie­fert das ge­ra­de nicht den Grund, war­um wir al­les hin­wer­fen soll­ten, was als groß, be­flü­gelnd und wert­voll galt. Den schäd­li­chen Gott des Kon­sen­sus tot sa­gen heißt be­ken­nen, mit wel­chen En­er­gi­en die Ar­beit wie­der auf­ge­nom­men wird – es kön­nen kei­ne an­de­ren sein als je­ne, die in der me­ta­phy­si­schen Hy­per­bel ge­bun­den wa­ren. Hat ei­ne gro­ße Über­trei­bung aus­ge­dient, er­he­ben sich Schwär­me von dis­kre­te­ren Auf­schwün­gen.“

    Nur, dass auch mit ei­ner wei­te­ren Spiel­art der Me­ta­phy­sik, die Karl Lö­with in „Von He­gel zu Nietz­sche“ schon lan­ge am Wir­ken sah, gleich mit auf­zu­räu­men ist und dies gründ­lich ! Denn dar­in liegt das Man­ko der bis­he­ri­gen an­de­ren Be­mü­hun­gen auch der eher lin­ken Pro­ve­ni­enz. Es ist nicht so, dass das En­de der Staats­so­zia­lis­men auch den So­zia­lis­mus aus den Köp­fen der Men­schen ver­trie­ben hät­te. Der spukt ir­gend­wie als Mög­lich­keits­feld, das zum Wohl­sein des Men­schen zu den­ken und viel­leicht auch noch zu er­kämp­fen an­zu­stre­ben wä­re, noch im­mer durch die Köp­fe. Nicht er ist dis­kre­di­tiert, son­dern, so die mei­sten Men­schen, die Men­schen, die ihn mach­ten. Er sei bes­ser als die Men­schen, die an ihm als Men­schen schei­tern.

    Nach Über­win­dung des me­ta­phy­si­schen Über­schus­ses, der ganz un­ter­schied­lich da­her kommt, Slo­ter­di­jk ist wie auch Hei­deg­ger da­bei der ei­ne dis­kur­siv-nar­ra­tiv-phio­so­phi­sche Weg, kommt die aus der Bahn ge­wor­fe­ne Auf­klä­rung am En­de wie­der auf Spur.

    Den­ken er­zeugt Rea­li­tä­ten, und neue Rea­li­tä­ten er­zeu­gen neue mög­li­che Denk-Mög­lich­keits­fen­ster; es gilt, auch das Un­ge­heu­re zu den­ken, ja den­ken zu kön­nen !

    Was al­so an­steht ist, Ge­schich­te, Phi­lo­so­phie und öko­no­mi­sche Theo­rie, in ei­ner Kom­bi­na­ti­on neu zu struk­tu­rie­ren bzw. zu e i n e r Lek­tü­re zu ver­ei­nen, denn; Die Kri­tik der po­li­ti­schen Öko­no­mie – im­mer­hin Grund­la­ge des dann ein­set­zen­den ro­ten Ter­rors und sei­ner das 20. Jahr­hun­dert be­stim­men­de Jahr­hun­dert der welt­kriegs­ent­fa­chen­den Ideo­lo­gi­en – war der gro­ße Feh­ler. Sie konn­te nicht stim­men, ge­nau­so we­nig, was dar­aus fol­gen soll­te, weil das, was von Marx kri­ti­siert wer­den soll­te, schon da selbst falsch war.

    Es geht nicht um die Rück­nah­me des Pro­jekts der Auf­klä­rung als Pro­jekt der Mo­der­ne, son­dern um des­sen Ab­rü­stung. Das Pro­gramm der klas­si­schen Auf­klä­rung ist doch letzt­lich: Gott ist tot, es le­be der Mensch, der Mensch nimmt die Ge­schich­te selbst in die Hand: mehr oder we­ni­ger im­pli­zit for­mu­liert mit dem For­schungs­pro­gramm der bür­ger­li­chen Auf­klä­rung, der “Na­tu­ral Hi­sto­ry of So­cie­ty“ der schot­ti­schen Mo­ral­phi­lo­so­phen, zu de­nen auch Adam Smith ge­hör­te: wor­aus auch zu se­hen ist, vor­her die nor­ma­ti­ven Grund­la­gen der po­li­ti­schen Öko­no­mie als Wis­sen­schaft kom­men: der li­be­ra­le Grund­ge­dan­ke, wer ein sich selbst glaubt, und da­nach han­delt, in­dem er sei­ne In­ter­es­sen ver­tritt, han­delt zum Woh­le al­ler Ge­sell­schafts­mit­glie­der, qua­si per »in­vi­si­ble hand« ist doch ge­nau der auf­klä­re­ri­schen Uto­pie ge­schul­det, die bür­ger­li­che Welt wer­de sich schon als Kro­ne der Zi­vi­li­sa­ti­on durch­set­zen.

    Die Na­tu­ral Hi­sto­ry ist als Theo­rie des stu­fen­wei­se so­zia­len Fort­schritts von der Ur- Ge­sell­schaft, wie sie den Theo­re­ti­kern über Fern­rei­sen der Epo­che pro­to­kol­liert wur­den bis hin zur »com­mer­ci­al« oder »po­lished« so­cie­ty (Adam Fer­gu­son) ein For­schungs­pro­gramm in eman­zi­pa­to­ri­sche Ab­sicht. Zwar ist sie nicht durch­wegs te­leo­lo­gisch zum „Heil an­ge­legt, so aber doch zur bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft, die dann per kom­mu­ni­ka­ti­ves Han­deln zu sich selbst kommt. Nun ist es aber so, dass die Dy­na­mik der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft nicht gleich auch ei­ne zum Wohl­stand al­ler ist und der Markt nicht der gro­ße Ver­mitt­ler, als der er ge­dacht wur­de. Es geht in der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft nicht um Wa­ren und Wa­ren­tausch, son­dern ums Geld.

    Da­her hat Marx den Ka­pi­tal­fe­tisch so be­tont und ge­zeigt, dass Geld ei­ne ent­schei­den­de Rol­le im Wirt­schafts­ab­lauf hat: G-W-G´: da ist er über die Klas­si­ker Smith und Ri­car­do hin­aus­ge­gan­gen, oh­ne aber im Kuhn­schen Sin­ne ei­ne wis­sen­schaft­li­che Re­vo­lu­ti­on, wie sie erst der Keyne­sia­nis­mus ge­bracht hat, zu voll­zie­hen: er ist Klas­si­ker ge­blie­ben, da er sei­ne Kri­tik auf dem Bo­den der klas­si­schen po­li­ti­schen Öko­no­mie über­trieb und kein wirk­lich al­ter­na­ti­ves Pa­ra­dig­ma ent­ge­gen­hielt.

    So wie auch schon der bür­ger­li­che Ma­te­ria­lis­mus der Schot­ten die Ar­beit als Ver­mitt­lung zwi­schen Mensch und Na­tur ins Zen­trum der Dia­lek­tik des Fort­schritts über die Ar­beits­tei­lung und das Aus­dif­fe­ren­zie­ren der Be­dürf­nis­se rück­ten, bleibt Marx bei die­sem Pa­ra­dig­ma (Deut­sche Ideo­lo­gie) und hebt es mit He­gel über sich hin­aus: der He­ge­lia­ner Marx, wie Klaus Hart­mann 1969 deut­lich ge­macht hat, will Phi­lo­so­phie prak­tisch ver­wirk­li­chen: das geht nur mit der Über­win­dung von nur – Phi­lo­so­phie, dem Stu­di­um der kon­kre­ten Be­din­gun­gen der Men­schen in der Ab­sicht, den stum­men Zwang der Ver­hält­nis­se un­ter be­wuss­te Kon­trol­le zu brin­gen.

    Je­ne Dia­lek­tik mit ih­rer Lo­gik des Wi­der­spruchs ist das Prin­zip, das er auch in der Welt am Wer­ke sieht: oder, wie E.M. Lan­ge es 1980 aus­drückt: aus He­gels „Ar­beit der Welt­ge­schich­te« wird Mar­xens »Welt­ge­schich­te der Ar­beit«: Mar­xens Er­run­gen­schaft be­steht denn auch nach sei­nen ei­ge­nen Wor­ten dar­in, die Di­cho­to­mie von kon­kre­ter und ab­strak­ter Ar­beit wis­sen­schaft­lich ent­deckt zu ha­ben: und da­mit die Di­cho­to­mie von Ge­brauchs- und Tausch­wert noch­mals in ei­nem Grund­wi­der­spruch fun­diert zu ha­ben: die­se Wi­der­spruchs­dia­lek­tik, die nach Auf­lö­sung strebt, ist das Prin­zip, mit dem das Aprio­ri der Durch­gän­gig­keit des Ka­pi­ta­lis­mus und sei­ne Not­wen­dig­keit theo­re­tisch strin­gent nach­ge­wie­sen wer­den kann: for­mal kor­rekt, aber auf Prä­mis­sen be­ru­hend, die nor­ma­tiv sind.

    Oder deut­li­cher: Marx stellt den Fort­schritts­op­ti­mis­mus der bür­ger­li­chen Auf­klä­rung nicht in­fra­ge, son­dern steht auf dem Gip­fel des nar­ziss­ti­schen Ge­dan­kens, der Mensch kön­ne Gott er­set­zen: es ist die­ser Punkt, bei dem ab­ge­rü­stet wer­den muss, es ist der Über­schuss, die­se Über­for­de­rung der Gat­tung: Nicht Gott ist mehr das idea­li­sier­te Spie­gel­bild, die Ret­tungs­in­stanz für die De­fi­zi­enz des schwa­chen Men­schen, wie Feu­er­bach rich­tig ge­se­hen hat­te, Gott wird sä­ku­la­ri­siert zur Gat­tungs­ver­nunft, wo­mit wie­der ei­ne Über­for­de­rung be­trie­ben wird.

    Die­se kommt zu sich selbst, wird prak­tisch, wenn nach der Über­win­dung des Pri­vat­ei­gen­tums der neue Mensch sei­ne Ver­hält­nis­se be­wusst re­gelt: das ist, was Marx zei­gen will, war­um er Kri­tik der po­li­ti­schen Öko­no­mie be­treibt, und da­bei zu der über­schwäng­lich­sten Apo­theo­se des Un­ter­neh­mer­ka­pi­ta­li­sten und des Ka­pi­ta­lis­mus als sol­chen (Ma­ni­fest !) kommt, apo­lo­ge­ti­scher als die Schot­ten vor ihm, den­noch, auf­grund der Wi­der­spruchs­dia­lek­tik zu ei­ner hö­he­ren Zi­vi­li­sa­ti­ons­stu­fe fä­hig, wenn da­zu reif, ab­zu­dan­ken.

    Die Auf­klä­rungs­idee des Bür­ger­tums wird nur um eins ver­scho­ben. Marx hat den Auf­klä­rungs­ge­dan­ken zu En­de ge­führt und ra­di­ka­li­siert, nicht in­fra­ge ge­stellt: wie konn­te er es auch: der Ma­te­ria­list Marx war der größ­te deut­sche Idea­list im Grun­de sei­nes Her­zens und Den­kens: aus ei­nem me­ta­phy­si­schen Grund­ver­lan­gen über­schüs­sig ge­speist.

    Die Syn­the­se aus bri­ti­scher Ar­beits­wert­leh­re und den Links­he­ge­lia­nern Mo­ses Hess und Feu­er­bach war ge­ni­al, theo­rie­ge­schicht­lich qua­si un­ver­meid­lich, da­her ob­jek­tiv in der Luft, aber des­halb noch lan­ge nicht wahr im em­pha­ti­schen Sin­ne, oder ge­ra­de doch wahr eben in die­sem Sin­ne, aber nicht rich­tig.

    In sei­ner Kri­tik des ge­schichts­phi­lo­so­phi­schen Den­kens hat Jo­chen Kitt­stei­ner in sei­ner Dis­ser­ta­ti­on „Na­tur­ab­sicht und Un­sicht­ba­re Hand“ das grund­le­gen­de Fa­zit ge­zo­gen:

    »Um dem ge­schichts­phi­lo­so­phi­schen Den­ken voll­ends zu ent­kom­men, sind noch wei­te­re Stu­fen der „Ent­my­sti­fi­zie­rung“ über die Marx­schen hin­aus not­wen­dig…) erst dann kann Ge­schich­te be­grif­fen wer­den; als ein frem­der Pro­zess, der in das in­di­vi­du­el­le Le­ben ein-schnei­det, der nicht zum al­le­go­ri­schen Aus­druck ei­nes ge­hei­men Sinns ge­macht wer­den kann und der nicht Bünd­nis­part­ner für ir­gend je­man­den ist. Was dann noch an be­schei­de­nen hu­ma­nen Ziel­set­zun­gen üb­rig bleibt, muss ge­gen die Ge­schich­te er­kämpft wer­den. Schlägt man sich die Vor­stel­lung aus dem Kopf, ih­res In­halts lo­sen Pro­zes­ses ir­gend­wann Herr wer­den zu kön­nen, so kommt es auch nicht mehr dar­auf an, sie durch „ge­sell­schaft­li­che Pra­xis“ auf ei­nen ima­gi­nä­ren Zu­stand zu brin­gen, son­dern man muss nach neu­en Be­stim­mun­gen su­chen, was es hei­ßen kann, ein Le­be­we­sen zu sein, dass sei­ner nicht Mach­ba­ren Ge­schich­te nicht ent­rinnt.“

    Das klingt nun sehr re­si­gna­tiv. Den­noch setzt an die­sem Punk­te nach-me­ta­phy­si­sches Den­ken an. Doch was bei Kitt­stei­ner im Grun­de Fa­zit ist, bleibt bis heu­te for­schungs­stra­te­gi­sches Po­stu­lat: näm­lich zu zei­gen, war­um Marx « der Ver­su­chung nach­gibt, der im Pro­zess der Ka­pi­talak­ku­mu­la­ti­on zu­nächst ent­qua­li­fi­zier­ten Be­we­gung ei­ne im­ma­nen­te Dia­lek­tik zu­zu­schrei­ben, die sie, be­grün­det nur durch den re­vo­lu­tio­nä­ren Er­war­tungs­ho­ri­zont ei­ner Ver­knüp­fung von öko­no­mi­scher Kri­se und Ak­ti­on des Pro­le­ta­ri­ats, doch wie­der­um in den si­che­ren Ha­fen ei­ner hu­ma­nen Kon­trol­le ein­mün­den lässt“.

    Es ist eben nicht nur die Er­war­tungs­hal­tung, son­dern die über He­gels Wi­der­spruchs­dia­lek­tik ge­won­ne­ne nor­ma­ti­ve ge­schichts­phi­lo­so­phi­schen Prä­mis­se bei Marx, die ihn da­zu zwingt, sei­ne Öko­no­mie­kri­tik pa­ra­dig­ma­tisch so an­zu­le­gen, dass der Wi­der­spruch in meh­re­ren Stu­fen zum vor-ge­dach­ten, theo­re­tisch ein­zu­lö­sen­den Er­geb­nis, näm­lich So­zia­lis­mus, kommt.

    Der Ka­pi­ta­lis­mus ist bei ihm theo­re­tisch so an­ge­legt, dass er über­wind­bar ist – un­ab­hän­gig von der em­pi­ri­schen Welt: es ist die nor­ma­ti­ve Grund­la­ge der Marx´schen Theo­rie, die aus obi­ger Prä­mis­sen folgt, und dann, in der Theo­rie­ge­schich­te des Mar­xis­mus zum Dog­ma wird: und dann ei­ne gan­ze Se­rie von Mar­xi­sten da­zu zwingt, im Hy­po­the­sen­schutz­gür­tel (Lá­ka­tos) je­den Nicht­ein­tre­ten des er­wünsch­ten Re­sul­tat ir­gend­wie zu be­grün­den, oh­ne selbst den har­ten Kern an­zu­ta­sten: was bei Marx mit sei­ner Kri­tik des Go­tha­er Pro­gramms selbst sei­nen An­fang hat. Es kann al­so nicht dar­um ge­hen, aus der Em­pi­rie, die uns kei­nen So­zia­lis­mus be­schert hat, Marx zu wi­der­le­gen, son­dern aus den theo­rie­im­ma­nen­ten Prä­mis­sen den Punkt her­aus­zu­ar­bei­ten, der das Theo­rie­ge­bäu­de kon­sti­tu­iert, das denn auch lo­gisch strin­gent auf­ge­baut ist.

    Dass dort der wun­de Punkt liegt, wuss­ten auch die kri­ti­schen Theo­re­ti­ker: wo­mit ich zu Ador­no und Hork­hei­mer kom­me, wie im An­ge­sicht der Bar­ba­rei gleich­sam not­wen­dig sich rich­ten muss­ten ge­gen den „sä­ku­la­ri­sier­ten Mes­sia­nis­mus“ (Hork­hei­mer) , als der sich ih­nen der Mar­xis­mus ent­pupp­te,“ ei­ne Art Er­satz­chri­sten­tum (aus des­sen An­satz) al­le theo­re­ti­schen Feh­ler (re­sul­tie­ren)“, wie Hork­hei­mer, so von Pol­lock in den „Spä­nen“ fest­ge­hal­ten, for­mu­lier­te:

    „Es ging um die Ver­got­tung der Ge­schich­te, auch bei den athe­isti­schen He­ge­lia­nern Marx und En­gels. Der Pri­mat der Öko­no­mie sol­len mit hi­sto­ri­scher Strin­genz das glück­li­che En­de als ihr im­ma­nent be­grün­den“, so Ador­no an ent­schei­den­der Stel­le der Ne­ga­ti­ven Dia­lek­tik und wen­det sich mit sei­ner Kri­tik ge­gen die Ver­nunft­kon­zep­ti­on der Auf­klä­rung an sich: denn „kei­ne Uni­ver­sal­ge­schich­te führt vom Wil­den zur Hu­ma­ni­tät (Na­tu­ral Hi­sto­ry bis Bür­ger­tum, dann So­zia­lis­mus bei Marx, F.H.), sehr wohl ei­ne von der Stein­schleu­der zur Me­ga­bom­be.“ So Recht Ador­no mit sei­ner Marx­kri­tik da hat, so folgt dar­aus aber kei­nes­wegs die glo­ba­le Ver­teu­fe­lung der Ge­schich­te, wie er sie mit sei­ner „ ne­ga­ti­ven An­thro­po­lo­gie“ be­treibt.

    Der Zwei­fel Ador­nos in der Ein­lei­tung zu sei­ner Ne­ga­ti­ven Dia­lek­tik, viel­leicht lang­te die In­ter­pre­ta­ti­on nicht zu, die den prak­ti­schen Über­gang ver­hieß“ muss ra­di­ka­li­sier­te wer­den auf die Frage(Fest-)stellung, ob: dass die In­ter­pre­ta­ti­on ver­sag­te, weil sie den Über­gang ver­hei­ßen muss­te, da sie ja da­zu an­ge­legt war ! Das trifft Hork­hei­mer: „Zu den groß­ar­ti­gen Lei­stun­gen von Marx zählt, dass er den ver­zwei­fel­ten Men­schen (und sich selbst. F.H.) die Über­zeu­gung gab, dass die­ses Ziel nicht nur er­reich­bar sei, son­dern „ wis­sen­schaft­li­chen als ge­schicht­lich not­wen­dig nach­ge­wie­sen wer­den könn­te.“ (GW 12).

    Da­her er­gibt sich das Po­stu­lat ei­ner, nicht mehr, wie in den 70er Jah­ren (letzt­lich apo­lo­ge­ti­schen) Re­kon­struk­ti­on der Marx­schen Theo­rie, son­dern ei­ne kri­ti­sche Re­kon­struk­ti­on im Sin­ne kri­ti­scher, das heißt po­si­ti­ver Über­win­dung und eben nicht ideo­lo­gie­ge­lei­te­ter De­struk­ti­on, was bei Hart­mann und – oh­ne es so ex­pli­zit zu for­mu­lie­ren, -Lan­ge zum gro­ßen Teil ana­ly­tisch durch­ge­führt wur­de.

    Das hat die kri­ti­sche Theo­rie nicht ge­lei­stet, sie hat im­mer auf dem marx­schen Fun­da­ment ar­gu­men­tiert, oh­ne aber die Grund­la­gen selbst zu hin­ter­fra­gen. Wo sie, wie hier oben, das tut, wird es zu­min­dest bei Ador­no um­ge­kehrt: was bei dem ei­nen zum Him­mel auf Er­den, wird bei dem an­dern zur Höl­le auf Er­den. Ab­rü­stung be­deu­tet hier nun, die Kon­tin­genz des Ge­schichts­pro­zes­ses zu be­grei­fen und da­mit ei­ne ge­las­se­ne­re Hal­tung – was nicht heißt, und da be­geg­ne ich gleich dem mög­li­chen Vor­wurf des Zy­nis­mus, pas­siv sich dem­ge­gen­über zu ver­hal­ten, ein­zu­neh­men, so­wie das Hork­hei­mer am En­de auch tat: mit dem da­zu ge­hö­ri­gen Zug der Trau­er.

    Auf der Ebe­ne der Mo­der­ne-Post­mo­der­ne-De­bat­te er­gibt sich nach der Zä­sur von 1989:

    Am En­de je­ner steht die Er­kennt­nis, dass es die von der Ge­schichts­phi­lo­so­phie mo­ti­vier­te, te­leo­lo­gisch nach vor­ne oder de­ter­mi­ni­stisch ge­lenk­te Ent­wick­lungs­lo­gik nicht gibt, die im „es­se per se ip­se sub­si­stens“ ruht, vom Welt­geist ge­tra­gen wird, in der klas­sen­lo­sen Heils­ge­sell­schaft oder in der kom­mu­ni­ka­ti­ven Re­zi­pro­zi­tät ver­nünf­tig Han­deln­der die Vor­ge­schich­te be­schlie­ßen­de Ge­mein­schaft en­det.

    Ei­ne Dia­lek­tik der Ab­klä­rung wä­re Phi­lo­so­phie­ge­schich­te als Theo­rie­ge­schich­te ei­ner De­po­ten­zie­rung: das Na­tur­recht zu­erst mit dann oh­ne den über al­lem ste­hen­den Schöp­fer, der auf­klä­re­ri­sche Ra­tio­na­lis­mus gibt die Be­herrsch­bar­keit der Welt zum Be­sten, He­gel de­po­ten­ziert die po­si­ti­ve Re­li­gi­on, Feu­er­bach das re­li­giö­se Ver­lan­gen, Marx den phi­lo­so­phi­schen Idea­lis­mus, die kri­ti­sche Theo­rie den zur Re­li­gi­on er­starr­ten Mar­xis­mus, Ha­ber­mas de­po­ten­ziert die kri­ti­sche Theo­rie….

    Nicht das un­voll­ende­te Pro­jekt der Auf­klä­rung als Habermas´sches Pro­jekt der Mo­der­ne ist das Pro­blem, son­dern die un­voll­ende­te Auf­klä­rung im Sin­ne von schlicht man­geln­der Ein­sicht und Wis­sen, was Ge­mein­schaft, Herr­schaft und Ge­sell­schaft ist, die nach der Dia­lek­tik der Ab­klä­rung erst neu ver­stan­den wer­den kön­nen:

    Ent­schei­dend ist die Not­wen­dig­keit der Auf­ga­be des Evo­lu­ti­ons­po­stu­lats: es gibt Struk­tur­brü­che in der Uni­ver­sal­ge­schich­te. Das kann erst er­kannt und wirk­lich be­grif­fen wer­den, wenn kei­ne evo­lu­tio­nä­re Kräf­te mehr für die e i n e gro­ße Theo­rie ge­braucht wer­den.

    Jetzt heißt es zu fra­gen: was ist und wo­her kommt Geld, was ist Zins, wie kommt das Pri­vat­ei­gen­tum in die Welt, oh­ne a prio­ri zu be­stim­men: Wa­re ist Ar­beit ist Geld ist Ka­pi­tal…, weil die Ka­te­go­ri­en je­weils so sein müs­sen wie sie ein­ge­führt wer­den.

    Wenn al­so ab­ge­klärt wird, dass die klas­si­sche Öko­no­mie und dar­auf fu­ßend auch die Marx´sche Kri­tik dar­an auf­grund ih­rer nor­ma­ti­ven Prä­mis­sen we­sent­li­che Ein­sich­ten in die Funk­ti­ons­be­din­gun­gen ver­stellt ha­ben, so heißt dies, dass wir erst heu­te über ein ana­ly­ti­sches In­stru­men­ta­ri­um ver­fü­gen, wel­ches uns er­laubt, den Wirt­schafts­pro­zess und da­mit Ge­sell­schaft zu ver­ste­hen. Hier setzt die Ei­gen­tums­öko­no­mik von Gun­nar Hein­sohn und Ot­to Stei­ger hi­sto­risch ein:

    Was Pe­ter Slo­ter­di­jk in sei­ner es­say­isti­schen Ele­ganz phä­no­me­no­lo­gisch mit sei­nem Be­griff der Ki­ne­tik be­schreibt, er­gibt sich bei Hein­sohn sy­ste­ma­tisch aus der Ei­gen­tums­öko­no­mik mit der ihr in­hä­ren­ten Dy­na­mik, die al­le Phä­no­me­ne her­vor­bringt, die die an­de­ren phä­no­me­no­lo­gisch bloß er­fas­sen: die Mo­bil­ma­chung der Be­schleu­ni­gungs­trä­ger Sloterdijk´s er­gibt sich aus dem per­ma­nen­ten In­no­va­ti­ons­zwang, Schul­den­deckungs­mit­tel, al­so ge­lie­he­nes Geld samt Zins zu er­wirt­schaf­ten.

    War Mo­der­ne da­durch ge­kenn­zeich­net, dass die Auf­klä­rung an­ge­tre­ten war, den Men­schen als Len­ker und Be­we­ger sei­ner Welt zu sich selbst kom­men zu las­sen, oh­ne sich in sei­ner Be­grenzt­heit ein­ge­denk zu sein, Mo­der­ne al­so das tä­ti­ge Pro­jekt der Ver­wirk­li­chung die­ses An­spruchs, so könn­te man es als „post­mo­der­nes Wis­sen“ be­zeich­nen, dass die­ser An­spruch über­schüs­sig war und der Sur­plus an An­spruch folg­lich zu­rück­zu­neh­men ist:

    Post­mo­der­ne ist heu­te in­so­fern ei­ne Such­be­we­gung im Sin­ne Al­brecht Well­mers (Co­da), als Auf­klä­rung sich oh­ne Me­ta­phy­sik neu zu re­flek­tie­ren hat. Post­mo­dern ist der Im­puls, doch das Neue an­zu­set­zen, aber nicht ge­gen die Ver­nunft, son­dern mit ei­ner auf ihr heil­sa­mes Maß zu­rück­ge­schraub­ten, ab­ge­klär­ten, rea­li­sti­schen Ver­nunft, der be­wusst ge­wor­den ist, dass die Er­de we­der Pa­ra­dies noch Höl­le, son­dern nur ein kurz­fri­stig zu be­woh­nen­der Hort ist, oh­ne uns Hei­mat zu wer­den im Bloch´schen Sinn: wo­bei dann mög­li­cher­wei­se doch die Me­ta­phy­sik in der Seins­fra­ge nach ei­ner Heidergger´schen Ver­si­on re­le­vant wür­de, sich nach ei­ner Heidegger´schen Lin­ken akut wür­de. Die Wahr­heit der Me­ta­phy­sik liegt in ih­rem Be­dürf­nis – eben weil der Hort nur Hort bleibt. Ak­zep­tier­te man das aber un­hin­ter­geh­bar, die viel­leicht wird er dann doch zu wohn­li­chen Heim­stät­te ?

    Die ent­schei­den­de Ge­wiss­heit, von der wir heu­te wohl al­le aus­ge­hen kön­nen, scheint die zu sein, dass wir kei­ner e i n e n g r o ß e n Er­zäh­lung mehr glau­ben kön­nen. Die gro­ße Er­zäh­lung vom Ur­men­schen mit der Keu­le, der sich ent­wick­lungs­ge­schicht­lich hoch und durch­ar­bei­tet zum An­zug tra­gen­den Be­woh­ner ei­ner eu­ro­päi­schen Me­tro­po­le kann ge­trost als Mär ad ac­ta ge­legt wer­den. Der gro­ße My­thos der Evo­lu­ti­on be­zie­hungs­wei­se der evo­lu­tio­nä­ren Leh­re von der Ent­wick­lung des Le­bens und der Ar­ten, wel­che am Be­ginn des so­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen Den­kens auch auf die Theo­rie der so­zia­len Evo­lu­ti­on der Mensch­heits­ge­schich­te über­tra­gen wur­de ge­rät zum Me­ne­te­kel eu­ro­päi­schen Fort­schritts-den­kens, das im we­sent­li­chen un­ser wis­sen­schaft­li­ches Bild noch heu­te prägt.

    Wer neu nach­den­ken will, muss ge­nau hier an­set­zen. Gun­nar Hein­sohn hat denn auch in sei­nen ver­schie­de­nen Stu­di­en zur Zi­vi­li­sa­ti­ons­theo­rie die drei oben ge­nann­ten For­men des Zu­sam­men­le­bens von Men­schen auf den Be­griff ge­bracht:

    • Stam­mes­ge­sell­schaft, die auf Re­zi­pro­zi­tät be­ruht mit der neu­en so­zio­lo­gi­schen Über­schrift: Ge­mein­schaft

    • Feu­da­lis­mus mit sei­nen hi­sto­ri­schen Er­schei­nun­gen als an­ti­ker Prie­ster-Feu­da­lis­mus, dem mit­tel­al­ter­li­chen Feu­da­lis­mus und der mo­der­nen Va­ri­an­te des So­zia­lis­mus, mit der neu­en so­zio­lo­gi­schen Über­schrift: Herr­schaft

    • Die Pri­vat­ei­gen­tums­ge­sell­schaft in ih­rer an­ti­ken kauf­skla­ven­ka­pi­ta­li­sti­schen und ih­rer neu­zeit­li­chen Va­ri­an­te mit frei­en Lohn­ar­bei­tern mit der neu­en so­zio­lo­gi­schen Über­schrift: Ge­sell­schaft.

    Die­se Neu­auf­tei­lung der So­zio­hi­sto­rie in Ge­mein­schaft, Herr­schaft und Ge­sell­schaft be­deu­tet im Kern, dass die­se drei For­ma­tio­nen nach­ein­an­der aber auch ne­ben­ein­an­der be­stan­den ha­ben oder be­stehen kön­nen und dass sie in ih­rer öko­no­mi­schen Funk­ti­ons­wei­se we­sent­lich un­ter­schei­den. Da­bei be­deu­ten die un­ter­schied­li­chen We­sens­merk­ma­le, dass die ei­ne Ge­sell­schafts­for­ma­tio­nen nicht bruch­los in die an­de­re über­ge­hen kann und um­ge­kehrt. Ei­nen- wie von der Leh­re der so­zia­len Evo­lu­ti­on un­ter­stellt – gra­du­el­len Über­gang der ei­nen Ge­sell­schafts­for­ma­tio­nen in die an­de­re gibt es ge­ra­de nicht.

    Die­ses wie­der­um be­deu­tet, dass man sich je­de For­ma­ti­on ei­gen­stän­dig an­se­hen muss und es ge­ra­de auf den Zi­vi­li­sa­ti­ons­bruch, be­zie­hungs­wei­se wie sich der Über­gang von der ei­nen zur an­de­ren For­ma­tio­nen voll­zieht, an­kommt.

    In sei­nen Pu­bli­ka­tio­nen, die er teil­wei­se mit Ot­to Stei­ger ge­schrie­ben hat

    • 1979(mit Ot­to Stei­ger et al.)
    Men­schen­pro­duk­ti­on: All­ge­mei­ne Be­völ­ke­rungs­theo­rie der Neu­zeit (suhr­kamp)

    • 1984
    Pri­vat­ei­gen­tum, Pa­tri­ar­chat, Geld­wirt­schaft (suhr­kamp)

    • 1995
    War­um Ausch­witz. Hitler´s Plan und die Rat­lo­sig­keit der Nach­welt (rororo)

    • 1996 (mit Ot­to Stei­ger)
    Ei­gen­tum, Zins und Geld (Ro­wohlt)

    • 1997
    Die Er­schaf­fung der Göt­ter. Das Op­fer als Ur­sprung der Re­li­gi­on (Ro­wohlt)

    • 2000
    Wie alt ist das Men­schen­ge­schlecht (man­tis)

    • 2003
    Söh­ne und Welt­macht. Ter­ror im Auf­stieg und Fall der Na­tio­nen (orell füss­li)

    • 2006 (mit Ot­to Stei­ger)
    Ei­gen­tums­öko­no­mik (me­tro­po­lis)

    be­leuch­tet Gun­nar Hein­sohn so­wohl die Zi­vi­li­sa­ti­ons­brü­che als auch die je­wei­li­gen For­ma­tio­nen mensch­li­chen Zu­sam­men­le­bens in ei­ner Wei­se, die des­we­gen neu und re­vo­lu­tio­när ist, weil sie eben be­wusst dar­auf ver­zich­tet, ei­ne all­ge­mei­ne Theo­rie der Ge­sell­schaft oder der Zi­vi­li­sa­ti­on ge­ben zu wol­len.

    Der Bo­gen der zi­vi­li­sa­ti­ons­theo­re­ti­schen Un­ter­su­chun­gen spannt sich von der Ent­ste­hung des Ho­mo sa­pi­ens, dem öko­no­mi­schen Über­le­bens­me­cha­nis­mus der Stam­mes­ge­sell­schaft, der Ent­ste­hung von Op­fer­kul­ten und feu­da­lem Prie­ster­tum am Be­ginn der Früh­an­ti­ke so­wie der dar­aus ent­ste­hen­den Re­li­gi­on, über das In-die-Welt-Kom­men des Pri­vat­ei­gen­tums und da­mit von Zins und von Geld über das mo­no­ga­me Pa­tri­ar­chat der ok­zi­den­ta­len An­ti­ke, bis zur mas­sen­tot­brin­gen­den Ge­bur­ten­kon­trol­le der frü­hen Neu­zeit bis zur eu­ro­päi­schen Be­völ­ke­rungs­ex­plo­si­on und der Ver­brei­tung der eu­ro­päi­schen Zi­vi­li­sa­ti­on auf der Grund­la­ge der ei­gen­tums­ba­sier­ten Geld­wirt­schaft samt Zins­druck, tech­ni­schen Fort­schritt und zahl­rei­cher über­schüs­si­ger Söh­ne. Die­ses Wis­sen­schafts­pro­gramm be­schreibt den Be­ginn ei­ner Auf­klä­rung, II. Teil.

    Dipl.-Pol. Frank-C. Han­sel
    Ei­sen­acher Str. 3
    D-10777 Ber­lin

  17. Herr Han­sel,

    ha­be mit gro­ßem In­ter­es­se und Ge­winn ih­ren Bei­trag ge­le­sen.
    Möch­te mich ein­fach nur be­dan­ken.

    MfG