Tag der of­fe­nen Tür?

Udo Stiehl schlägt vor den »Lü­gen­pres­se­ru­fern« den All­tag in den Re­dak­tio­nen zu zei­gen um auf die­sem Weg ih­rer Kri­tik zu be­geg­nen; das klingt ein we­nig nach Ver­zweif­lung, könn­te aber ein An­satz sein, wenn man ihn un­ter den rich­ti­gen Vor­zei­chen be­geht. Ein­mal un­ter­stellt, dass es nicht nur »Lü­gen­pres­se­ru­fer« gibt, und Herr Stiehl das auch so sieht, ...

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Aus der Nach­rich­ten­höh­le

Herrn Dr. Gniff­ke, sei­nes Zei­chen 1. Chef­re­dak­teur bei »NDR/ARD Ak­tu­ell«, reicht’s! In ei­nem Blog­ein­trag pol­tert er aus sei­ner Nach­rich­ten­höh­le ge­gen die­je­ni­gen, die das Bild der mar­schie­ren­den Po­li­ti­ker in Pa­ris als In­sze­nie­rung apo­stro­phie­ren. Je­des Po­li­ti­ker­bild sei ei­ne In­sze­nie­rung, so Gniff­ke. Und im üb­ri­gen ver­wahrt er sich ge­gen je­ne, die die­se Nach­rich­ten­fäl­schung als sol­che be­nen­nen, wie zum Bei­spiel Ines Pohl.

Die Tak­tik ist nicht ganz neu, al­ler­dings die Rhe­to­rik. Die Dünn­häu­tig­keit bei Jour­na­li­sten scheint aus­ge­prägt zu sein; sie sind nicht ger­ne sel­ber Ge­gen­stand der Be­richt­erstat­tung, son­dern tei­len lie­ber aus. Ge­stern wur­de »Lü­gen­pres­se« zum »Un­wort des Jah­res« er­nannt, da glaub­te Gniff­ke sich viel­leicht un­be­sieg­bar. Bis jetzt ha­ben sich 295 Kom­men­ta­re zum Blog­ein­trag ein­ge­fun­den – durch­aus et­li­che dar­un­ter, die ihm zu­stim­men. Ei­ne Dis­kus­si­on ent­steht den­noch nicht, weil sich die Re­dak­ti­on – wie vor­her auch schon – zu­ver­läs­sig ver­wei­gert.

Gniff­kes Kern­the­se: Je­des Po­li­ti­ker­bild ist per se ei­ne In­sze­nie­rung – al­so braucht man sich auch nicht wun­dern, wenn die­ser Trau­er­marsch ei­ne sol­che ist. Der Un­ter­schied ist nur, dass die »nor­ma­len« Po­li­ti­ker­in­sze­nie­run­gen als sol­che sicht­bar und für den Zu­schau­er min­de­stens er­ahn­bar sind. Aus­schnit­te aus Pres­se­kon­fe­ren­zen, die fast schon ri­tua­li­sier­ten Op­po­si­ti­on-hat-auch-et­was-zu-sa­gen-State­ments (ma­xi­mal ein Satz; manch­mal nur ein hal­ber), die­se un­se­li­gen wie nichts­sa­gen­den Bil­der von »Gip­feln« oder Staats­be­su­chen – all die­se In­sze­nie­run­gen sind längst zum iko­no­gra­fi­schen Be­stand­teil von Nach­rich­ten­sen­dun­gen ge­wor­den. Man könn­te es ein biss­chen ru­sti­kal aus­drücken: Nie­mand glaubt mehr, dass es hier um die Ver­mitt­lung in der Sa­che geht – es sind Sprach­spie­le, die not­ge­drun­gen be­bil­dert wer­den (müs­sen); lei­der im­mer mehr be­wegt und mit O‑Tönen statt als Stand­bild und von ei­nem neu­tra­len Spre­cher vor­ge­le­sen.

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Wer­ner Bar­tens: Es reicht!

Werner Bartens: Es reicht!
Wer­ner Bar­tens: Es reicht!
Wer ei­ne be­lie­bi­ge Rat­ge­ber- oder Verbrau­chersendung im Fern­se­hen an­schaut kann es nicht ver­mei­den auf die ewig glei­chen, aber mit Em­pha­se vor­ge­brach­ten Er­näh­rungs- und Le­bens­mit­tel­tipps (nebst ent­spre­chen­den Koch­re­zep­ten) zu sto­ßen. Dem­nach sind wir (fast) al­le zu dick, es­sen und trin­ken zu viel und zu fet­tig bzw. voll­kom­men falsch und be­we­gen uns zu we­nig. Wenn wir wi­der Er­war­ten ein­mal al­les rich­tig ma­chen, droht den­noch im­mer wie­der neu der Ab­grund des Bö­sen. Die Nah­rungs­mit­tel­in­du­strie ist näm­lich ein Dä­mon, der uns bei­spiels­wei­se mit Zucker und Salz ab­hän­gig macht wie ein Pau­sen­hof­dea­ler, der Ju­gend­li­che zum Dro­gen­kon­sum ver­führt. Dass die Lebens­erwartung stän­dig steigt, wird ger­ne igno­riert. Wenn ra­tio­na­le Ar­gu­men­te ver­sa­gen, wird mo­ra­lisch ar­gu­men­tiert. Neu­lich wur­de in ei­nem WDR2-Ra­dio­bei­trag das kor­rek­te Hei­lig-Abend-Me­nü be­spro­chen. Auch der Hun­ger in der Welt soll sich mit der Stär­kung re­gio­na­ler Le­bens­mit­tel und be­son­ders scho­nen­dem Land­bau be­kämp­fen las­sen, was ein biss­chen an die gut­ge­mein­ten Rat­schlä­ge der Groß­mutter er­in­nert, die an die ar­men Kin­der­chen in Afri­ka er­in­ner­te, wenn man als Kind par­tout den Tel­ler nicht leer­essen moch­te.

Re­prä­sen­ta­tiv für die­se Form der Gou­ver­nan­ten­tums ist Yvonne Wil­licks vom WDR, die in ih­rer Sen­dung »Ser­vice­zeit« (ein eu­phe­mi­sti­scher Na­me, denn der ein­zi­ge Ser­vice be­steht dar­in, den Kon­su­men­ten ein schlech­tes Ge­wis­sen ob ih­res Le­bens­stils ein­zu­re­den) kei­ne Ge­le­gen­heit aus­lässt, den per se fau­len, über­ge­wich­ti­gen und – mein Gott! – fleisch­essenden Zu­schau­er auf den rech­ten Pfad zu lot­sen. Be­fragt wer­den die Be­haup­tun­gen über die ver­meint­lich rich­ti­ge Er­näh­rung längst nicht mehr (das ha­ben sie mit Re­li­gio­nen ge­mein, die sich auch nicht be­fra­gen) oder höch­stens noch in Mit­ter­nachtstalk­shows, wenn ei­ne Knall­char­ge wie Udo Poll­mer schlank­weg das Ge­gen­teil der gän­gi­gen Er­näh­rungs­dok­trin be­haup­ten darf. Be­son­ders er­hel­lend ist das auch nicht.

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Pe­gi­da: Phä­no­men ei­ner Ent­frem­dung?

Wenn die hier ver­tre­te­ne Le­se­rich­tung, mög­li­cher­wei­se auch nur in Tei­len, zu­tref­fend sein soll­te, dann ist die Aus­ein­an­der­set­zung mit Pe­gi­da be­deut­sam, weil ih­re Er­geb­nis­se über das kon­kre­te Phä­no­men hin­aus rei­chen: Pe­gi­da wä­re dann, mehr in ih­rer Zu­sam­men­set­zung als in ih­ren For­de­run­gen, ei­ne Keim­zel­le ge­sell­schaft­li­cher Ent­wick­lun­gen und zu­gleich de­ren er­stes Re­sul­tat. — Pe­gi­da ist kei­ne Ge­fahr, aber viel­leicht ei­ne Weg­mar­ke; Hy­ste­ri­sie­run­gen sind un­an­ge­bracht.

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