Wer­ner Bar­tens: Es reicht!

Werner Bartens: Es reicht!

Wer­ner Bar­tens: Es reicht!

Wer ei­ne be­lie­bi­ge Rat­ge­ber- oder Verbrau­chersendung im Fern­se­hen an­schaut kann es nicht ver­mei­den auf die ewig glei­chen, aber mit Em­pha­se vor­ge­brach­ten Er­näh­rungs- und Le­bens­mit­tel­tipps (nebst ent­spre­chen­den Koch­re­zep­ten) zu sto­ßen. Dem­nach sind wir (fast) al­le zu dick, es­sen und trin­ken zu viel und zu fet­tig bzw. voll­kom­men falsch und be­we­gen uns zu we­nig. Wenn wir wi­der Er­war­ten ein­mal al­les rich­tig ma­chen, droht den­noch im­mer wie­der neu der Ab­grund des Bö­sen. Die Nah­rungs­mit­tel­in­du­strie ist näm­lich ein Dä­mon, der uns bei­spiels­wei­se mit Zucker und Salz ab­hän­gig macht wie ein Pau­sen­hof­dea­ler, der Ju­gend­li­che zum Dro­gen­kon­sum ver­führt. Dass die Lebens­erwartung stän­dig steigt, wird ger­ne igno­riert. Wenn ra­tio­na­le Ar­gu­men­te ver­sa­gen, wird mo­ra­lisch ar­gu­men­tiert. Neu­lich wur­de in ei­nem WDR2-Ra­dio­bei­trag das kor­rek­te Hei­lig-Abend-Me­nü be­spro­chen. Auch der Hun­ger in der Welt soll sich mit der Stär­kung re­gio­na­ler Le­bens­mit­tel und be­son­ders scho­nen­dem Land­bau be­kämp­fen las­sen, was ein biss­chen an die gut­ge­mein­ten Rat­schlä­ge der Groß­mutter er­in­nert, die an die ar­men Kin­der­chen in Afri­ka er­in­ner­te, wenn man als Kind par­tout den Tel­ler nicht leeres­sen moch­te.

Re­prä­sen­ta­tiv für die­se Form der Gou­ver­nan­ten­tums ist Yvon­ne Willicks vom WDR, die in ih­rer Sen­dung »Ser­vice­zeit« (ein eu­phe­mi­sti­scher Na­me, denn der ein­zi­ge Ser­vice be­steht dar­in, den Kon­su­men­ten ein schlech­tes Ge­wis­sen ob ih­res Le­bens­stils ein­zu­re­den) kei­ne Ge­le­gen­heit aus­lässt, den per se fau­len, über­ge­wich­ti­gen und – mein Gott! – fleisch­essenden Zu­schau­er auf den rech­ten Pfad zu lot­sen. Be­fragt wer­den die Be­haup­tun­gen über die ver­meint­lich rich­ti­ge Er­näh­rung längst nicht mehr (das ha­ben sie mit Re­li­gio­nen ge­mein, die sich auch nicht be­fra­gen) oder höch­stens noch in Mit­ter­nachtstalk­shows, wenn ei­ne Knall­char­ge wie Udo Poll­mer schlank­weg das Ge­gen­teil der gän­gi­gen Er­näh­rungs­dok­trin be­haup­ten darf. Be­son­ders er­hel­lend ist das auch nicht.

Der Pa­ter­na­lis­mus quillt auch über die an­de­ren Me­di­en an den am En­de fast hilf­lo­sen Re­zi­pi­en­ten. Wer­ner Bar­tens, seit vie­len Jah­ren Wis­sen­schafts­re­dak­teur bei der Süd­deut­schen Zei­tung, ver­sucht in sei­nen Bei­trä­gen ei­nen Mit­tel­weg zwi­schen Be­vor­mun­dung und dem, was man et­was un­be­hol­fen ge­sun­den Men­schen­ver­stand nennt. Mit »Es reicht! – Schluss mit den fal­schen Vor­schrif­ten« hat er jetzt ei­ne »Po­le­mik« ver­öf­fent­licht, in der er sich mit Ge­sund­heits­apo­steln und Re­gel­auf­stel­lern aus­gie­big aus­ein­an­der­setzt. 118 Sei­ten hat das klei­ne Büch­lein, das sich in die Ta­sche stecken lässt und zum Bei­spiel im War­te­zim­mer ei­nes Arz­tes be­quem durch­ge­le­sen wer­den kann (so­fern man Kas­sen­pa­ti­ent und oh­ne Ter­min ist).

Bar­tens sieht und be­nennt die Ge­brauchs­an­wei­sun­gen, die den Ver­brau­cher ver­meint­lich auf­klä­ren sol­len, am En­de je­doch vor al­lem ein­schüch­tern. Ei­nen wah­ren »Bevormun­dungsterror« nennt er die im­mer­glei­chen Bot­schaf­ten mit Diä­ten, Ide­al­ge­wich­ten, ge­sun­der Er­näh­rung, al­ter­na­ti­ven Heil­ver­fah­ren und Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen in der Schul­me­di­zin. Ge­sund­heit und Er­näh­rung er­sticken in Im­pe­ra­ti­ven und gut ge­mein­tem »Vor­schrif­ten­wahn«. Da­bei wit­tert Bar­tens durch­aus zu Recht ei­ne Ent­frem­dung des Men­schen von »na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen«. So wird auf­ge­räumt mit dem Schlank­heitswahn, der ab ei­nem BMI von 25 be­reits Über­ge­wicht po­stu­liert. Bar­tens will das erst bei ei­nem BMI ab 30 gel­tend ma­chen, was ver­nünf­tig er­scheint. Er plä­diert für ein ge­rin­ges bis mitt­le­res »Über­ge­wicht« (nach heu­ti­gen Kri­te­ri­en), ein »klei­nes Bäuch­lein« und sei es, um bei Krank­hei­ten bes­ser ge­rü­stet zu sein. Ent­schei­dend ist, ob man sich wohl­fühlt und nicht das Ur­teil an­de­rer. Die Re­li­quie Ide­al­ge­wicht sagt nichts über die Le­bens­qua­li­tät aus. So nennt er ein Ka­pi­tel »Von fit­ten Dicken und schlap­pen Schlan­ken«. Le­bens­freu­de, Fit­ness und In­tel­lekt hän­gen nicht vom Kör­per­ge­wicht ab, ob­wohl Me­di­en Über­ge­wicht und Fast-Food-Kon­sum als »Schich­ten­phä­no­men« dar­stel­len wol­len. Dies sei »Teil der Er­zie­hungs­maß­nah­me«, so Bar­tens em­pha­tisch. Da passt es, dass bin­nen we­ni­ger Jah­re der Herz­in­farkt von der Ma­na­ger­krank­heit (vul­go Ober­schicht) zum Un­ter­schich­ten­phä­no­men um­ge­deu­tet wur­de. Bar­tens er­läu­tert zu­dem, wel­che Feh­ler Di­ät­ge­plag­te, Hun­ger­künst­ler, Jog­ger und Frei­zeit­sport­ler in ih­rem Über­ei­fer ma­chen kön­nen und macht sich lu­stig dar­über, wenn al­lent­hal­ben und über­all aus Nuck­el­fla­schen ge­trun­ken wird, ob­wohl der Kör­per doch ein sehr in­struk­ti­ves Re­gu­la­tiv kennt: den Durst.

Ge­fähr­lich wird es, wenn Nah­rungs­mit­teln hei­len­de, al­so me­di­zi­ni­sche Wir­kun­gen at­te­stiert wer­den, et­wa wenn es heißt, das Brok­ko­li vor Krebs schüt­zen soll. Auch mit den »Low-Fat«-Aktionen kann der Au­tor nicht viel an­fan­gen: wenn statt­des­sen die Koh­le­hy­drat-Zu­fuhr stei­gen wür­de, wä­re dies lang­fri­stig schäd­li­cher für den Kör­per. Bar­tens zeigt auf, dass sol­che Aus­sa­gen sich fast im­mer auf so­ge­nann­te Stu­di­en stüt­zen, die bei nä­he­rer Be­trach­tung wis­sen­schaft­li­chen Kri­te­ri­en nicht stand­hal­ten. Kein Ver­ständ­nis hat Bar­tens für die Well­ness-In­du­strie mit ih­ren »Ent­schlackun­gen« und »Ent­gif­tun­gen«. Der Mensch sei kein Erz­berg­werk und auch nicht gif­tig. Er hat Nie­ren, ei­ne Le­ber und ei­nen Darm. In der Re­gel ge­nügt dies.

So ve­he­ment Bar­tens die Schul­me­di­zin kri­ti­siert, die mit me­di­al er­zeug­ten Verun­sicherungen die Leu­te in un­nö­ti­ge Krebs­vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen stürzt, so deut­lich nimmt er Stel­lung ge­gen Ho­möo­pa­thie (»Scha­ber­nack«). Auch für Impf­geg­ner, die mit eso­te­ri­schen Er­klä­run­gen ih­ren Kin­dern un­ter­schätz­ten ge­sund­heit­li­chen Ge­fah­ren (bspw. Ma­sern) aus­set­zen, zeigt er kein Ver­ständ­nis und ent­larvt die Be­haup­tung, durch Imp­fun­gen wür­de »Mor­bus Crohn« als Ne­ben­wir­kung ent­ste­hen, als Hum­bug.

Ei­ni­ges ver­misst man, et­wa ei­ni­ge Wor­te zu Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel und den Op­ti­mie­rungs­wahn, der die­se In­du­strie am Le­ben er­hält. Zu we­nig schreibt Bar­tens über die na­he­zu kri­tik­lo­se Ver­brei­tung von so­ge­nann­ten Stu­di­en­re­sul­ta­ten in den Me­di­en. War­um wer­den die zu­meist nur kol­por­ta­gen­haft »be­wie­se­nen« »Ge­wiss­hei­ten« der­art af­fir­ma­tiv über­nom­men? Liegt es dar­an, dass aus den ver­meint­li­chen Stu­di­en nur das zi­tiert wird, was ins ideo­lo­gi­sche Welt­bild der Jour­na­li­sten passt? So er­fährt man we­nig über die Vor­ge­hens­wei­se des Wis­sen­schafts­jour­na­lis­mus, nur ein­mal wird ei­ne schein­bare 50% Re­du­zie­rung von Krebs­fäl­len er­klärt. Da ist die­ser Bei­trag hier von Cor­ne­li­us Courts we­sent­lich er­hel­len­der, weil er deut­lich macht, wie sol­che »Ge­wiss­hei­ten« ent­ste­hen: durch man­gel­haf­te Lek­tü­re, feh­len­de Fach­kennt­nis­se bzw. aus­blei­ben­de Be­reit­schaft, sich in Vor­gän­ge ein­zu­le­sen. Hin­zu kommt, dass all­zu be­reit­wil­lig ei­ne Kor­re­la­ti­on als Kau­sa­li­tät aus­ge­wie­sen wird; dies auch zum Teil aus Un­wis­sen­heit her­aus.

Bar­tens’ Buch ist er­fri­schend, ge­le­gent­lich je­doch red­un­dant; die Ka­pi­tel­set­zung über­zeugt nicht ganz. Der gra­vie­rend­ste Ein­wand ist, dass der Au­tor sich nicht ent­schei­den konn­te ei­ne Po­le­mik oder ein Sach­buch zu schrei­ben. Für das ei­ne wä­re es schon zu dick, für das an­de­re zu dünn. Sein Ehr­geiz geht je­doch in bei­de Rich­tun­gen: poin­tier­te und wuch­ti­ge Rhe­to­rik und dann wie­der ein biss­chen wis­sen­schaft­lich. Das funk­tio­niert lei­der nicht. Da spießt er durch­aus ge­konnt die »5 am Tag«-Kampagnen auf, die den Ver­brau­cher dar­auf kon­di­tio­nie­ren sol­len, 5 mal am Tag Obst und »Grün­zeug« (Bar­tens) zu sich zu neh­men und re­ka­pi­tu­liert »die ein­zig ge­si­cher­te Er­kennt­nis« lau­nig: »Es­sen ist töd­lich – denn al­le, die ihr Le­ben lang ge­ges­sen ha­ben, sind ir­gend­wann auch ge­stor­ben«. Dann je­doch bringt er Stu­di­en und Un­ter­su­chun­gen ins Spiel, die lei­der nicht mit der ge­büh­ren­den In­ten­si­tät er­ör­tert und ge­wich­tet, son­dern de­ren Er­kennt­nis­se nur wie mit ei­nem Salz­streu­er auf­ge­tra­gen wer­den.

Bar­tens ist wo­mög­lich zu we­nig Ideo­lo­ge, um bril­lan­te Po­le­mi­ken schrei­ben zu kön­nen. Des­halb hät­te er sich für ein Sach­buch ent­schei­den, auf ei­ni­ge we­ni­ge The­sen kon­zentrieren und die­se de­co­u­vrie­ren sol­len. Aber was nicht ist, kann ja noch wer­den.

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  1. Bei all dem Rat-Schlä­ge-Aus­tei­len, um das es hier geht, stellt sich mir im­mer die Fra­ge, wer da­von am mei­sten pro­fi­tiert und wer am we­nig­sten. Schließ­lich geht es am En­de ja im­mer nur um das Be­ste des Men­schen, um sein Geld und um die mög­lichst voll­stän­dig ab­zu­schöp­fen­de Ar­beits­kraft des Ein­zel­nen. Si­cher, mensch­li­chen Ge­sund­heits­wahn gibt es ja schon län­ger – auch die Na­tio­nal­so­zia­li­sten woll­ten den Men­schen (und durch­aus nicht nur den Frau­en) ja zum Bei­spiel das Rau­chen ab­ge­wöh­nen, re­spek­ti­ve ver­bie­ten, oh­ne Er­folg, was aber jetzt be­zeich­nen­der­wei­se ei­ne gro­ße Par­tei­en­ko­ali­ti­on in vie­len Bun­des­län­der nach und nach durch­zieht; Rot-Grün ist da­bei dann na­tür­lich be­son­ders ri­go­ros (Rot+Grün=Braun?), und daß Bay­ern das neue Preu­ßen ist, dürf­te vie­len auch schon auf­ge­fal­len sein. Zu all dem kommt ja dann auch noch die­se Sa­che mit den Selb­st­op­ti­mie­rern, die mit (n o c h nicht in den Kör­per im­plan­tier­ten) Sen­so­ren sich selbst über­wa­chen, ob sie denn ge­nug Be­we­gung ha­ben, or­dent­lich schla­fen, ge­sund es­sen und schei­ßen und so wei­ter, wo­für sie dann ei­nen Bo­nus von der Kran­ken­kas­se er­hal­ten, den die­je­ni­gen zu be­zah­len ha­ben, die sich nicht über­wa­chen las­sen wol­len. Ob aber wo­mög­lich die­se Selb­st­op­ti­mie­rer sich nicht et­wa ei­ne tief­grei­fen­de psy­chi­sche Stö­rung zu­zie­hen durch ihr Tun, wird wie­der­um nicht ge­fragt, denn pas­sier­te dies, be­kä­men ja schließ­lich die The­ra­peu­ten wie­der Ar­beit …

  2. Hm, dem Te­nor Ih­rer Be­spre­chung fol­ge ich ger­ne. Al­ler­dings stim­men mich Vo­ka­beln wie »Op­ti­mie­rungs­wahn« et­was miss­trau­isch. Wenn mir et­was die Pres­se­be­richt­erstat­tung su­spekt ge­macht hat, dann das Ver­fah­ren der Mo­tiv­un­ter­stel­lung. Fit­ness, Ge­sund­heit oder auch Schmerz­frei­heit sind ja zu­nächst ein­mal le­gi­ti­me und nach­voll­zieh­ba­re Grün­de.
    (Die dia­gno­sti­sche Kon­no­ta­ti­on der Kom­bi­na­tio­nen mit »wahn« las­se ich ein­mal au­ßen vor. Das wä­re ein sehr bil­li­ges »sel­ber!«.)

  3. Auch wenn das nicht di­rekt zum Buch passt: Ich ha­be manch­mal den Ein­druck in ei­ner über­re­gu­lier­ten und gleich­zei­tig de­re­gu­lier­ten Welt zu le­ben.

    Ich se­he da vie­les ähn­lich, wahr­schein­lich weil ich oft hö­re, ich sei zu schlank (»du bist so schlank«); ich ant­wor­te dann: Ich füh­le mich wohl, so wie ich bin (der bis­wei­len gras­sie­ren­de Ge­sund­heits­wahn ist fürch­ter­lich und ein Ge­schäft). Ein we­nig in Ab­re­de stel­len möch­te ich, dass über­mä­ßi­ge Kör­per­fül­le nicht mit der Le­bens­freu­de (in man­cher Hin­sicht) zu­sam­men­hängt (mit dem um­ge­kehr­ten Fall ist es ähn­lich). Ein­fach weil, die Be­la­stun­gen hö­her und die Be­weg­lich­keit ge­rin­ger ist (ich mer­ke das, wenn ich mit ei­nem 20 kg schwe­rem Ruck­sack in den Ber­gen un­ter­wegs bin, das ist ein Un­ter­schied).

    Ich hielt ein­mal ein Buch, das vor­beu­gen­de Er­näh­rung im Hin­blick auf Krebs­er­kran­kun­gen be­han­del­te, in Hän­den, von Me­di­zi­nern ver­fasst und ent­spre­chend for­mu­liert (ha­be da­mals aber nur durch­ge­blät­tert und ge­schmö­kert). Das The­ma Prä­ven­ti­on hat sei­ne Be­rech­ti­gung, ge­ra­de wenn man den Zu­stand der Kas­sen be­denkt und wie vie­le Fol­ge­ko­sten ge­spart wer­den kön­nen (wo­bei das wohl am mei­sten für die Fol­gen von Al­ko­hol- und Ta­bak­ge­nuss gilt). — Aber die Zu­sam­men­hän­ge sind oft kom­pli­zier­ter und es gibt eben kei­ne Ga­ran­tie (das muss man schon selbst ent­schei­den).

    Ich bin auch kein gro­ßer Freund der Nudge-Idee (das ist fast noch schlim­mer als Vor­schrif­ten, weil es sub­til bleibt).

    Hat Bar­tens ir­gend­et­was zu über­mä­ßi­gem Salz­kon­sum ge­schrie­ben?

  4. Bar­tens hält die War­nun­gen für über­trie­ben. Bei zu mas­si­vem Salz­kon­sum ver­än­de­re sich der Blut­druck selbst bei äl­te­ren Men­schen nur um rund 5 MMHG (wo­bei er nicht schreibt, was »mas­siv« be­deu­tet). Im Durch­schnitt nimmt, so Bar­tens, der Mensch in den In­du­strie­län­dern zwi­schen 8 und 12 Gramm Salz täg­lich zu sich. Er kon­ze­diert zwar,dass auch 5 Gramm rei­chen wür­den, er­klärt aber, dass ei­ne Re­du­zie­rung des Salz­kon­sums schwie­rig ist, da et­wa 80% des auf­ge­nom­me­nen Koch­sal­zes be­reits in den Le­bens­mit­teln ent­hal­ten sei (»in Wurst, Kä­se und Kon­ser­ven, aber auch in Fer­tig­ge­rich­ten, Re­stau­rant- und Kan­ti­nen­es­sen«). Die Stu­die in den 90er Jah­ren, die im­mer wie­der zi­tiert wer­de, sieht Bar­tens als un­zu­läng­lich – die Aus­wir­kun­gen auf Herz- und Kreis­lauf­erkran­kun­gen sei­en nicht kau­sal be­legt.