Wet­ten, dass Tho­mas Gott­schalk sei­ne Sen­dung nicht mehr in­ter­es­siert?

Durch Zu­fall ver­gan­ge­nen Sams­tag, den 1. März, auf »Wet­ten, dass…« ge­kom­men und als Hin­ter­grund­be­rie­se­lung an­ge­las­sen. Ir­gend­wann dann ein Ita­lie­ner, der rück­wärts über Hür­den sprin­te­te. Ein­mal stürz­te er, aber er schaff­te es.

Pflicht­schul­digst da­nach Gott­schalk zum In­ter­view. So oft ich die Sen­dung se­he: Die­se In­ter­views sind meist von oben her­ab; ei­ne Pein­lich­keit für den In­ter­view­ten. Gott­schalk ist im­mer schon auf dem Sprung auf das So­fa. Dort ist sein Platz. Dort um­gibt er sich mit den Schö­nen, Rei­chen und vor al­lem Pro­mi­nen­ten. Die­se ha­ben auch im­mer ein An­lie­gen. Mal ist es ein Film, dann ein Buch oder ei­ne CD oder DVD oder al­les zu­sam­men. Man duzt sich. Na klar, war­um nicht. Di­stanz war ge­stern. Und mit den in­ter­na­tio­na­len Stars und Stern­chen gibt’s ein Bus­si. Plau­de­rei­en für die Ga­le­rie. Wann kommt das Em­blem »Dau­er­wer­be­sen­dung« ei­gent­lich für »Wet­ten, dass...?«


Zu­rück zum Ita­lie­ner. Gott­schalk beim In­ter­view. Der Ita­lie­ner re­det in ita­lie­nisch – Gott­schalk weiss nicht, was er tun soll. Der Mann kann zwar eng­lisch – Gott­schalk ver­sucht es aber nicht. Was der Zu­schau­er in die­sem Mo­ment nicht weiss: Es ist ei­ne Über­set­zung ge­plant, was die ver­krampf­te Ge­ste des ita­lie­ni­schen Kan­di­da­ten an sein Ohr er­klärt. Er hält dort den Ohr­hö­rer fest, um die Über­set­zung von Gott­schalks Fra­gen zu ver­ste­hen. Da dies of­fen­sicht­lich in die ei­ne Rich­tung funk­tio­niert hat, re­det der Kan­di­dat. Sehr viel, zu­ge­ge­ben.

Aber man hört nichts. Kei­ne Über­set­zung; nichts. Und Gott­schalk klärt das Pu­bli­kum nicht auf, son­dern re­det nun sei­ner­seits da­zwi­schen. Er macht sich über das, was er nicht ver­steht, lu­stig und pro­vo­ziert da­mit sei­ne Couch­pota­toes (un­ter an­de­rem der ge­quält fröh­li­che Die­ter Nuhr) zu eben­falls ab­fäl­li­gem La­chen und Ge­sti­ku­lie­ren. Ir­gend­wann er­klingt dann die Stim­me des Über­set­zers – es gab of­fen­sicht­lich ein tech­ni­sches Pro­blem. Jetzt weiss ich als Zu­schau­er, dass der Ita­lie­ner nicht der Depp ist, wie mir dies Gott­schalk und Nuhr sug­ge­rie­ren wol­len.

Gott­schalk hört aber nicht auf, den Mann zu un­ter­bre­chen. ‘Von Ita­lie­nern ha­be ich erst ein­mal ge­nug’ – so heisst es sinn­ge­mäss spä­ter in der Sen­dung. Man merkt: Gott­schalk hat nicht ei­nen Fun­ken In­ter­es­se an dem, was die­ser Kan­di­dat zu sa­gen hat. Er hat ei­gent­lich – das zeigt sich in die­ser kur­zen Sze­ne – nur Lust, sich selbst in Sze­ne zu set­zen. Hier­für hält er sich güt­lich an den Kan­di­da­ten – be­son­ders per­fi­de, wenn sie der deut­schen Spra­che nicht mäch­tig sind.

Die­sen Sach­ver­halt ha­be ich beim ZDF re­kla­miert und be­kam tat­säch­lich nach we­ni­gen Ta­gen ei­ne Ant­wort, die ich hier – mit Ge­neh­mi­gung von Dirk Beil­stein (»ZDF, Zu­schau­er­re­dak­ti­on«) aus­zugs­wei­se zi­tie­re:

    Ih­re kri­ti­schen An­mer­kun­gen zu Tho­mas Gott­schalks Auf­tre­ten ge­gen­über dem ita­lie­ni­schen Kan­di­da­ten der »Hür­den-Wet­te« in der letz­ten Sen­dung am 01. März kön­nen wir – für sich be­trach­tet – nach­voll­zie­hen und be­dau­ern dies.

    Wir bit­ten aber zu be­den­ken, dass es sich bei »Wet­ten, dass ..?« um ei­ne Live-Sen­dung han­delt, die von Tho­mas Gott­schalk auch live und vor al­lem frei mo­de­riert wird. Da­bei kommt es im­mer ein­mal wie­der zu spon­ta­nen, auch un­re­flek­tier­ten Äu­ße­run­gen Tho­mas Gott­schalks, die vor­ab durch sei­ne Re­dak­ti­on nicht »kon­trol­liert« wer­den kön­nen. Da die Spon­ta­ni­tät Tho­mas Gott­schalks aber ge­ra­de auch ein wich­ti­ges und von vie­len zu­schau­ern ge­schätz­tes Ele­ment der Show »Wet­ten, dass ..?« ist, lässt sich lei­der in Ein­zel­fäl­len nicht ver­mei­den, dass auch Tho­mas Gott­schalk die mög­li­che Trag­wei­te ei­ner Äu­ße­rung oder sei­nes Auf­tre­tens nicht so­fort be­wusst ist. Sie kön­nen aber ver­si­chert sein, dass es nie­mals vor­sätz­lich Gä­ste dif­fa­miert oder be­lei­digt.

    Ih­re An­mer­kun­gen ha­ben wir selbst­ver­ständ­lich der zu­stän­di­gen Re­dak­ti­on zur Kennt­nis ge­bracht. Dort wer­den sie in un­se­rer in­ter­nen Aus­ein­an­der­set­zung mit un­se­rem Pro­gramm­an­ge­bot bzw. im Rah­men un­se­rer Nach­be­spre­chun­gen zu den Sen­dun­gen zu­sam­men mit an­de­ren Zu­schau­er­re­ak­tio­nen be­rück­sich­tigt.

Dass Gä­ste nicht vor­sätz­lich be­lei­digt wer­den, be­ru­higt ja ein biss­chen. Und ob Gott­schalk sei­ne Mo­de­ra­tio­nen wirk­lich frei ge­stal­tet, las­sen wir mal da­hin­ge­stellt (die­ser Ar­ti­kel hat da Vor­be­hal­te – min­de­stens was an­de­re Sen­dun­gen be­trifft). Aber las­sen wir das. Im­mer­hin wis­sen wir jetzt, dass es bei Gott­schalk zu un­re­flek­tier­ten Äu­sse­run­gen kommt. Die­se las­sen ja in­zwi­schen ge­hö­ri­ge Zwei­fel an Kon­zept und Mo­de­ra­tor auf­kom­men.

Scha­de nur im­mer wie­der für die­je­ni­gen, die für die paar Mi­nu­ten ein­mal im Ram­pen­licht ste­hen. Sie ha­ben bei Gott­schalk kaum ei­ne Chan­ce. Der hof­fiert lie­ber sei­ne Pro­mis und lullt sie mit Fra­gen ein, die er dann ge­le­gent­lich auch schon mal selbst be­ant­wor­tet. Gott­schalk ist – das ist mei­ne Be­ob­ach­tung – nicht pro­fes­sio­nel­ler oder un­eit­ler ge­wor­den – just im Ge­gen­teil. Und das gilt nicht nur für Gott­schalk.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Rich­tig! Pein­li­che „Dau­er­wer­be­sen­dung“
    „Lei­der“ kann ich nicht sa­gen im Zu­sam­men­hang da­mit, dass wir „Wet­ten dass..?“ nicht ge­se­hen ha­ben. Ge­nau we­gen des von Ih­nen zu­tref­fend be­schrie­be­nen Über­ma­ßes an Pein­lich­kei­ten, nicht nur des Mo­de­ra­tors, son­dern des ge­sam­ten an­ge­staub­ten Sen­dungs­kon­zepts, tun wir uns das schon lan­ge nicht mehr an. Das gilt aber auch für al­le an­de­ren „Gro­ße-Sams­tag­abend-Un­ter­hal­tungs­shows“ der Öf­fent­lich-Recht­li­chen, von den Pri­va­ten ganz zu schwei­gen. Egal, ob da Wett­kö­ni­ge, Wit­ze­kö­ni­ge, Volks­mu­sik- oder son­sti­ge Su­per­stars ge­kürt wer­den – bloß so­fort weg­zap­pen, es sei denn, man mag das Ge­fühl sich vor Pein­lich­keit zu­sam­men­zie­hen­der Kopf­haut.
    Zu Gott­schalk im Spe­zi­el­len: Den ha­be ich mal sehr ge­mocht, vor 30 Jah­ren als Ra­dio­mo­de­ra­tor, be­son­ders gut zu­sam­men mit Gün­ther Jauch in der BR-Ra­dio­show, locker, wit­zig und ein we­nig re­spekt­los, aber nie­mals lang­wei­lig oder gar pein­lich, kurz, das ge­naue Ge­gen­teil sei­ner Auf­trit­te heu­te. Fa­zit: Nicht mal als Hin­ter­grund­ku­lis­se zu ge­brau­chen – ab­schal­ten und viel­leicht mal wie­der ein Alt­stadt­bum­mel. Bie­tet sich in Düs­sel­dorf doch an und ist be­stimmt in­ter­es­san­ter.

  2. Ja, das hört man oft: Gott­schalk und Jauch beim Ra­dio. Bei­de gal­ten als »Hoff­nun­gen« – und sind in­zwi­schen nur noch zu eit­len Gecken er­starrt (Jauch kann ich aber gut se­hen bei WWM, vor­aus­ge­setzt der Kan­di­dat ist kei­ne Kan­di­da­tin und nicht blond). Manch­mal fra­ge ich mich, ob das zwangs­läu­fig so pas­sie­ren muss, oder an den Prot­ago­ni­sten liegt – oder an den Re­ze­pi­en­ten.

    Ich ar­bei­te in ei­nem Bü­ro in der Alt­stadt. Da will man da auch ir­gend­wann mal raus. Sie wis­sen doch: Man will im­mer das, was man nicht hat. Ich ver­spre­che auch, beim näch­sten Mal wie­der brav 3sat zu gucken.