T. C. Boyle: Amé­ri­ca

Ein viel­ge­rühm­ter Ro­man – aber war­um? An­geb­lich sei das al­le­go­ri­sche, bild­haf­te so stark, so mäch­tig: hie die ein­wan­dern­den Me­xi­ka­ner, die ihr Stück vom Wohl­stand mit­ha­ben wol­len – dort das li­be­ra­le Bür­ger­tum der USA, schliess­lich ka­pi­tu­lie­rend vor den Scharf­ma­chern und Emi­gran­ten­has­sern. Es ist in T. C. Boyl­es »Amé­ri­ca« dann tat­säch­lich so, wie sich Lies­chen Mül­ler im ...

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Got­tes­sen

I – Pro­vo­ka­tio­nen

Die Ta­bus, die in un­se­rer Ge­sell­schaft Schau­der und Ent­rü­stung her­vor­ru­fen, wer­den im­mer we­ni­ger. Für ge­ziel­te Ta­bu­bre­cher, die ih­re Wir­kung nur noch auf die­se Art er­zie­len kön­nen, wird der Markt schwie­ri­ger. Ei­le ist ge­bo­ten – der Kol­le­ge könn­te am glei­chen Stoff ar­bei­ten. Bes­ser als die Prä­sen­ta­ti­on des ta­bu­bre­chen­den Kunst­wer­kes ist de­ren me­di­al in­sze­nier­te Ver­hin­de­rung. So­viel Öf­fent­lich­keit ist sel­ten und tut gut. Ker­ner ist ge­wiss. In die­se Rich­tung ge­hen die Ma­cher und Ver­lei­her des Films über die Er­eig­nis­se um den so­ge­nann­ten „Kan­ni­ba­len von Ro(h)tenburg“.

Denn: Kan­ni­ba­lis­mus ist noch ein Ta­bu. Aber war­um ei­gent­lich?

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Das Ver­schwin­den des Re­spekts

Es ist sel­ten, dass ich mit Iris Ra­disch in äs­the­ti­schen Fra­gen über­ein­stim­me, aber in der neue­sten Glos­se (am Link er­kenn­bar, dass es ei­ne ist!) hat die den Na­gel auf den Kopf ge­trof­fen: Wo ist sie nur ge­blie­ben, die gu­te al­te Schreib­hem­mung?

Nein, ich bin na­tür­lich nicht Koep­pen oder John­son, mit­nich­ten. Aber im Kern hat Ra­disch recht:

Ach, was wa­ren das für Zei­ten, als die Ver­schrift­li­chung der Welt of­fen­bar noch ei­ne Schwie­rig­keit dar­stell­te, mit der nicht je­der spie­lend fer­tig wur­de.

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Gebt Do­ping frei!

Wenn man die ak­tu­el­le Do­ping-Hy­ste­rie an­läss­lich der Olym­pi­schen Win­ter­spie­le und die Be­kennt­nis­se zum „sau­be­ren Sport­ler“ ver­folgt, so fühlt man sich in die Zei­ten der 70er und 80er Jah­re zu­rück­ver­setzt, als die so um­strit­te­ne Ama­teur­re­ge­lung für hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen und – aus heu­ti­ger Sicht – lä­cher­li­che Dis­qua­li­fi­ka­tio­nen sorg­te.

Als man der ver­meint­lich wach­sen­den Kom­mer­zia­li­sie­rung nicht mehr wi­der­ste­hen konn­te, in­ter­es­sier­te das IOC das Ge­schwätz von ge­stern nicht mehr. Galt vor­her ein Sport­ler, der ir­gend­wann ein­mal für 1000 Dol­lar an ir­gend­ei­nem Sport­fest teil­ge­nom­men hat­te als Ver­bre­cher, so voll­zog man fast von heu­te auf mor­gen die Keh­re. Konn­te man doch pri­ma sel­ber von Über­tra­gungs­rech­ten, Wer­be­ein­nah­men und Spon­so­ren par­ti­zi­pie­ren – na­tür­lich al­les zum Woh­le des Sports.

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Zwi­schen den Stüh­len

Nach rund 16 Jah­ren ist der neue An­ti­po­de des We­stens end­gül­tig ge­fun­den: es ist der Is­lam. Re­spek­ti­ve das, was wir da­für hal­ten.

Mehr als 40 Jah­re leb­ten die Eu­ro­pä­er in ei­nem bi­po­la­ren Den­ken, NATO oder War­schau­er Pakt – ver­dich­tet im däm­li­chen deut­schen Wahl­kampf­slo­gan von 1976: Frei­heit oder So­zia­lis­mus.

An­nä­he­rung
Ins­be­son­de­re in den er­sten Wahl­kämp­fen der jun­gen Bun­des­re­pu­blik ver­stand es Kon­rad Ade­nau­er per­fekt, die durch jah­re­lan­ge, ras­si­sti­sche Na­zi­pro­pa­gan­da ein­ge­trich­ter­ten an­ti­so­wje­ti­schen Res­sen­ti­ments in der Be­völ­ke­rung neu zu wecken, in­dem er die SPD mit dem Kom­mu­nis­mus in ideo­lo­gi­sche Nä­he brach­te. Be­kannt ist sein flam­men­der Ap­pell an­läss­lich der Wie­der­be­waff­nungs­de­bat­te 1953 als er sug­ge­rier­te, nur ei­ne neu er­stark­te deut­sche Ar­mee kön­ne vor der Be­dro­hung durch „So­wjet­russ­land“ schüt­zen. Die wah­ren Grün­de ver­schwieg der Al­te.

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»...nur noch ge­dul­det« – Der ‘bö­se’ Franz Xa­ver Kroetz

In der Sen­dung „Druck­frisch“ am ver­gan­ge­nen Sonn­tag in der ARD führ­te Den­nis Scheck ein In­ter­view mit Franz Xa­ver Kroetz an­läss­lich sei­nes neu­en Bu­ches „Blut und Bier“.

Vom üb­li­chen Ge­plau­der ent­wickel­te es sich rasch – wie bei Kroetz nicht an­ders zu er­war­ten – zu ei­nem sehr poin­tier­ten »Ge­schimp­fe«.

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Von Ner­ven­sä­gen und Que­ru­lan­ten

Vor ei­ni­gen Wo­chen lief in der ARD ein Film mit dem Ti­tel „Ner­ven­sä­gen – Que­ru­lan­ten in Deutsch­land“. Un­ter an­de­rem wur­de dort Ha­rald Fied­ler ge­zeigt, ein schlan­ker, äl­te­rer, höf­li­cher Herr, wie er in Su­per­märk­ten, Kauf­häu­sern oder Fri­seur­sa­lons mit den Ab­tei­lungs­lei­tern, In­ha­bern oder Fi­li­al­lei­tern spricht und dar­um bit­tet, die be­schal­len­de Hin­ter­grund­mu­sik für die Dau­er sei­nes Auf­ent­hal­tes ein­fach ab­zu­stel­len.

Die­ses An­sin­nen ge­nügt of­fen­sicht­lich den Fil­me­ma­chern Thi­lo Kn­ops und Kir­sten Wasch­kau, Herrn Fied­ler die Rol­le ei­ner Ner­ven­sä­ge zu­zu­wei­sen. Zu­ge­ge­ben, das Vor­ge­hen er­scheint auf den er­sten Blick skur­ril oder als Lau­ne ei­nes pen­sio­nier­ten Her­ren, der sei­ne Zeit nicht an­der­wei­tig ver­bin­gen kann, aber ist es des­we­gen per se durch Schnitt, Zoom und ent­spre­chen­dem Kom­men­tar er­laubt, ihn der Lä­cher­lich­keit aus­zu­lie­fern?

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Au­ge um Au­ge, Zahn um Zahn

»SPIEGEL TV Spe­cial« zu Mün­chen 1972 und die Fol­gen

Es ist wohl et­was an­de­res, wenn sich ein Re­gis­seur wie Ste­ven Spiel­berg mit der The­ma­tik des Olym­pia-At­ten­tats 1972 be­schäf­tigt. Plötz­lich ist, in zeit­li­cher Nä­he zum Start sei­nes Fil­mes „Mün­chen“, das The­ma (me­di­al) in al­ler Mun­de. Par­al­lel hier­zu rückt na­tür­lich auch der über­ra­schen­de Wahl­sieg der „Ha­mas“ in den pa­lä­sti­nen­si­schen Ge­bie­ten, der Kon­flikt um das ira­ni­sche Atom­pro­gramm und die Hy­ste­rie (auf bei­den Sei­ten) um un­säg­li­che Mo­ham­med-Ka­ri­ka­tu­ren den „Na­hen Osten“ bzw. die mus­li­mi­sche Welt in den Fo­kus.

Der Be­richt von „SPIEGEL TV“ (auf „VOX“ ge­stern ab 21.55 Uhr) folg­te dem be­kann­ten Mu­ster: Aus­schnit­te aus (fik­tio­na­len) Dar­stel­lun­gen (als sol­che ge­kenn­zeich­net), do­ku­men­ta­ri­schen Fil­men oder Fo­to­gra­fien und Be­fra­gun­gen von Prot­ago­ni­sten – dies al­les ge­kop­pelt mit nach­ge­stell­ten Sze­nen soll­ten das Ra­che­pro­jekt der is­rae­li­schen Re­gie­rung nach dem An­schlag 1972 auf­zei­gen.

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