Ali­ce Mun­ro: Zu viel Glück

Alice Munro: Zu viel Glück
Ali­ce Mun­ro: Zu viel Glück

Es gibt Au­toren, die seit Jah­ren der­art in­nig ge­lobt wer­den, dass man ih­nen ir­gend­wann nicht ent­kom­men kann. Die über die Jah­re auf­ge­bau­te Er­war­tungs­hal­tung (»Literaturnobelpreis­kandidat!«) führt fast zwangs­läu­fig in ei­ne Ent­täu­schung (zu­meist mitt­le­rer Di­men­si­on): Na­ja, nicht schlecht – aber gleich No­bel­preis?

Es ge­hört zu den letzt­lich un­er­klär­li­chen Ge­heim­nis­sen ei­nes Le­ser­le­bens, war­um man sich aus­ge­rech­net für die­sen oder je­nen Au­toren be­gei­stert. Ist man dem Au­tor, der Au­torin na­he? Oder ist es das Ge­gen­teil, die un­er­reich­ba­re Di­stanz? Ergriffen­heit ver­sus Aben­teu­er­lust? Su­chen nach Par­al­le­len oder Flucht aus dem Be­kann­ten? Auf­ge­ho­ben­sein oder Stell­ver­tre­ter­le­ben?

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Noch ein­mal zur Bau­stel­le

AKTUALISIERUNG 15. Ju­li: Es ist ge­schafft. 408 Bei­trä­ge ste­hen jetzt zur Ver­fü­gung; et­was über 50 ver­blei­ben in der pri­va­ten Scha­tul­le (man­gels Qua­li­tät und/oder Aktu­alität). Die Kom­men­ta­re wur­den teil­wei­se von Hand hin­zu­ge­fügt bzw. er­gänzt. Es sind mehr als 5.000. Da­bei wur­de von mei­ner Sei­te fest­ge­stellt, dass es vie­le Dis­kus­sio­nen gibt, die das Nach­le­sen loh­nen – auch wenn sie teil­wei­se schon ei­ni­ge Jah­re alt sind. Manch­mal hat­te ich mich tat­säch­lich fest­ge­le­sen.

Es sind im Hin­ter­grund noch klei­ne­re Ar­bei­ten zu lei­sten; das er­folgt zü­gig, aber nicht un­be­dingt ei­lig.


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Pro­zent­rech­nung

Pro­zess­ko­sten bei Zi­vil­ver­fah­ren sind nach ei­nem neu­en Ur­teil des Bun­des­fi­nanz­ho­fes jetzt steu­er­lich ab­setz­bar. Die »ta­ges­schau« be­rich­te­te in ih­rer 20-Uhr-Aus­­­ga­­be dar­über und woll­te zei­gen, wie die Er­stat­tung, die nach dem Ein­kom­men ge­staf­felt ist, aus­se­hen könn­te. Man nahm ei­nen un­ver­hei­ra­te­ten Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Jah­res­ein­kom­men von 70.000 Eu­ro an. Das Ur­teil sieht wohl in die­sem Fall ei­ne Selbst­be­tei­li­gung ...

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In­ge­borg Bach­mann: Die Ra­dio­fa­mi­lie

Ingeborg Bachmann: Die Radiofamilie
In­ge­borg Bach­mann:
Die Ra­dio­fa­mi­lie

Im Rah­men ih­rer Tä­tig­keit als »Script Edi­tor« beim öster­rei­chi­schen Sen­der »Rot-Weiß-Rot« (RWR) ver­fass­te In­ge­borg Bach­mann – ne­ben an­de­ren Hör­spiel­be­ar­bei­tun­gen und –über­set­zun­gen – zwi­schen Fe­bru­ar 1952 und Ju­li 1953 ins­ge­samt 15 Fol­gen der sei­fen­oper­ähn­li­chen Se­rie »Die Ra­dio­fa­mi­lie«, die zu­nächst 14tätig, bald je­doch wö­chent­lich aus­ge­strahlt wur­de (mit Aus­nah­me ei­ner Som­mer­pau­se); im­mer ge­nau 30 Mi­nu­ten. In­ge­borg Bach­mann kann zu­sammen mit den bei­den an­de­ren Au­toren Jörg Mau­the und Pe­ter Wei­ser als Schöp­fe­rin der »Ra­dio­fa­mi­lie« gel­ten. Die letz­te von ihr ge­schrie­be­ne Fol­ge war Nr. 63 und wur­de im Sep­tem­ber 1953 aus­ge­strahlt. »Die Ra­dio­fa­mi­lie« wur­de 1955 nach 153 Fol­gen im Sen­der RWR auf­grund ih­rer Be­liebt­heit im ORF wei­ter­ge­führt. Erst im Ju­ni 1960, mit der 351. Fol­ge, wur­de die Se­rie ein­ge­stellt.

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Kurz­zeit­ge­dächt­nis auf zwei Bei­nen

Ein Er­leb­nis­ta­ge­buch von den 32. Ta­gen der deutsch­spra­chi­gen Li­te­ra­tur in Kla­gen­furt

Don­ners­tag, der 26. Ju­ni 2008: Von der Wie­ge bis zur Ur­ne

Wo blie­ben sie denn, die lei­sen Tö­ne, die man ei­gent­lich von Schrift­stel­lern er­war­ten müß­te, er­war­ten dürf­te, ge­ra­de von ih­nen, nur von ih­nen, von wem denn sonst, wo­zu sei­en sie denn da? D., Über­set­zer aus dem Fran­zö­si­schen, schwa­dro­niert mit ver­drieß­li­cher, mit ver­dros­se­ner Mie­ne und ver­teilt da­bei Bröt­chen­krü­mel auf der Tisch­decke. Kla­gen­furt sei Deutsch­land-sucht-den-Su­per-Dich­ter, die Me­di­en such­ten kul­tu­rel­les Bil­lig­fut­ter, die Kul­tur­in­du­strie wol­le mit un­ge­sät­tig­ten Fett­säu­ren ab­ge­füt­tert wer­den, und schließ­lich sei er ja auch ein Kurz­zeit­ge­dächt­nis auf zwei Bei­nen, der Le­ser von heu­te. Mir egal, den­ke ich, mir egal, denn ich ha­be ge­ra­de Salz in mei­nen Ver­län­ger­ten (deutsch­län­disch: Kaf­fee) ge­schüt­tet und es zu spät ge­merkt.

Wir sit­zen in der Häs­chen­schu­le bei der Le­sung des Kla­gen­fur­ter Li­te­ra­tur­kur­ses, gleich­sam der Wie­ge des Bach­mann-Wett­be­werbs. Wir sit­zen im Ro­bert-Mu­sil-Mu­se­um, im Raum, in dem Klein-Ro­bert das Ge­hen ge­lernt hat oder das Lal­len, und wir sind selbst schuld. Au­ßer mir lie­gen al­le Au­toren am Wör­ther­see, bei 36 Grad im Schat­ten. Nur ich sit­ze in der Hit­ze. Die steht mit­ten im Raum wie ein Gast, den man nicht los­ge­wor­den ist. Trotz her­un­ter­ge­las­se­ner Ja­lou­sien und dem all­ge­mei­nen Ge­fä­chel mit Pro­gramm­hef­ten spü­re ich, wie ich schon nach we­ni­ger als zehn Mi­nu­ten gar bin. Ei­nem, dem man an­merkt, daß er heu­te zum er­sten Mal in sei­nem Le­ben vor Pu­bli­kum liest, fal­len die Schweiß­trop­fen aufs Pa­pier. Sei­ne drei­ßig­mi­nü­ti­ge Er­zäh­lung ist ein Weg­wol­len auf Ab­ruf, sei­nen Schluß­satz spricht er schon im Auf­ste­hen.

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Hän­gen las­sen

A.d.L.e.R: Aus dem Le­ben ei­ner Rik­scha­fah­re­rin – Nr. 17

Es ist Frei­tag. Es ist heiß, auf der Kip­pe zu schwül. Die Stadt ist voll. Al­le Rä­der rol­len für das Porte­mon­naie. Die Gä­ste ar­bei­ten das tou­ri­sti­sche Pflicht­pro­gramm ab. Die Ein­heimischen müs­sen mit dem Au­to et­was lie­fern, zur Be­spre­chung, Kun­den be­su­chen. Blin­ker wer­den nicht be­tä­tigt, Stra­ßen oh­ne links und rechts zu schau­en über­quert, We­ge ge­schnit­ten. Man muss hal­ten, an­fah­ren, flu­chen, dan­ken fürs Rein­las­sen, sich durch­kämpfen zwi­schen wü­ten­den Hu­pen. Auf mei­nem Kör­per klebt ei­ne Schicht aus Schweiß und Staub. An mei­nem Mund hän­gen end­los ge­sab­bel­te Stadt­füh­rungs­fran­sen.

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Lá­szló Vé­gel: Be­kennt­nis­se ei­nes Zu­häl­ters

László Végel: Bekenntnisse eines Zuhälters
Lá­szló Vé­gel:
Be­kennt­nis­se ei­nes Zu­häl­ters

Blue ist ein Stu­dent, der nicht fer­tig wird, Vor­le­sun­gen schwänzt und sei­nen Pro­fes­sor Sík mit ei­ner Mi­schung aus Re­spekt (als Wis­sen­der und Hu­ma­nist) und Ver­ach­tung (als Re­prä­sen­tant ei­nes Sy­stems) be­trach­tet. Er nimmt ei­nen »Job« bei ei­nem »In­ge­nieur« an. Die­ser ga­belt un­ter der Jeu­nesse do­rée der Stadt jun­ge Mäd­chen und Frau­en auf und ver­führt sie in sei­ner Woh­nung. Blue fo­to­gra­fiert die bei­den bei den se­xu­el­len Hand­lun­gen, um dann die Frau­en mit den Bil­dern zu kon­fron­tie­ren und da­hin­ge­hend zu be­ein­flus­sen, es wei­ter mit dem In­ge­nieur zu trei­ben. Aber die ver­meint­li­che Er­pres­sung ist ei­gent­lich un­nö­tig; die an­ge­spro­che­nen Frau­en wür­den sich auch wei­ter frei­wil­lig mit dem In­ge­nieur ab­ge­ben, um ih­rem schnö­den All­tag zu ent­flie­hen. Schließ­lich ver­guckt sich Blue in die jun­ge Gym­na­sia­stin Bea. Der In­ge­nieur ist ent­zückt und »über­lässt« ihm das Mäd­chen.

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Ach­tung, Bau­stel­le!

Hier ent­steht der­zeit das Nach­fol­ge­b­log von begleitschreiben.twoday.net. Noch sind hin­ter den Ku­lis­sen die Hand- und Kopf­wer­ker tä­tig, aber Sie kön­nen sich schon mal ein biß­chen hier um­schau­en. Die of­fi­zi­el­le Er­öff­nung die­ses li­te­ra­ri­schen Sa­lons wird vom Haus­herrn per­sön­lich be­kannt­ge­ge­ben, so­bald der Um­zugs­un­ter­neh­mer die vir­tu­el­le Ein­rich­tung des al­ten Hei­mes mit mög­lichst we­nig Schram­men und Del­len hier her­über­ge­schafft ...

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