Lo­se Fä­den (III)

Doch noch, ein letz­tes Mal, (ver­spro­chen!)...

Er­tap­pe mich bei im­mer grö­sse­rer Wut. Ein Land wie Deutsch­land ist nicht in der La­ge, Schutz­aus­rü­stung für Kran­ken­häu­ser und Mas­ken für die Zi­vil­be­völ­ke­rung zu be­schaf­fen. Statt­des­sen gibt es lä­cher­li­che Tips bspw. für das »Home Of­fice«. Das RKI ver­brei­te­te so­gar die Mär, das Mas­ken gar nicht hel­fen. Das ist schon ge­ziel­te Des­in­for­ma­ti­on, die wil­lig von tagesschau.de ver­brei­tet wur­de. Fake-News, die kein Me­di­en­por­tal the­ma­ti­siert.

In den Haupt­nach­rich­ten­sen­dun­gen fast eu­pho­risch die In­for­ma­tio­nen über die bald zu­sam­men­bre­chen­den Ge­sund­heits­sy­ste­me in GB, den USA oder sonst­wo. Die un­säg­li­che Dit­tert ge­stern aus Lon­don. Na­tür­lich ist John­son ein Voll­idi­ot, aber die Hä­me über das dem­nächst über­for­der­te Ge­sund­heits­sy­stem ist wi­der­lich. Man soll­te vor der ei­ge­nen Tü­re keh­ren.

* * *

Mit dem letz­ten Buch von By­ung-Chul Han hat­te ich mei­ne Schwie­rig­kei­ten. Sein Text in der WELT zum Vi­rus (Be­zahl­schran­ke – lohnt sich, ei­nen Mo­nat ko­sten­los zu bu­chen), ist trotz ei­ni­ger stei­ler The­sen (oder ge­ra­de we­gen ihr?) auf­schluss­reich.

Zu­nächst be­schreibt er, wie die di­gi­ta­le Über­wa­chung in Chi­na und Ko­rea ef­fi­zi­ent hilft. Das aus sei­nem Mund! Dann geht es kurz um Atem­schutz­mas­ken. Han ist ver­wun­dert, dass es die hier im­mer noch nicht gibt. Nicht nur er.

Da­nach stösst er wie­der in sein di­gi­tal­kri­ti­sches Horn:

Un­se­re pa­ni­sche Re­ak­ti­on auf das Vi­rus legt die­ses exi­sten­ti­el­le Fun­da­ment un­se­rer Ge­sell­schaft bloß. Das Vi­rus macht den Tod wie­der so sicht­bar, den wir ins Un­sicht­ba­re ver­bannt zu ha­ben glaub­ten. An­ge­sichts der dro­hen­den Ge­fahr des To­des op­fern wir be­reit­wil­lig al­les, was das Le­ben doch le­bens­wert macht. […] Die Ge­sell­schaft des Über­le­bens zeigt nun ih­re un­mensch­li­chen Zü­ge. Der an­de­re ist in er­ster Li­nie po­ten­ti­el­ler Vi­rus­trä­ger, vom dem man Ab­stand zu neh­men hat, der mein Über­le­ben ge­fähr­det. Dem Kampf ums Über­le­ben ist die Sor­ge ums gu­te Le­ben ent­ge­gen­zu­set­zen. Sonst wird das Le­ben nach der Epi­de­mie mehr Über­le­ben als vor der Epi­de­mie. Dann glei­chen wir selbst dem Vi­rus, die­sem un­to­ten We­sen, das sich nur ver­mehrt, nur über­lebt, oh­ne zu le­ben.

Sei­ne Zu­kunfts­pro­gno­se macht auch nicht mehr Hoff­nung:

Chi­na wird sei­nen di­gi­ta­len Über­wa­chungs­staat nun auch als Er­folgs­mo­dell ge­gen die Epi­de­mie ver­kau­fen. Chi­na wird die Über­le­gen­heit sei­nes Sy­stems mit noch mehr Stolz de­mon­strie­ren. Und nach der Epi­de­mie wird der Ka­pi­ta­lis­mus mit noch mehr Wucht wei­ter­ge­hen. Und Tou­ri­sten wer­den den Pla­ne­ten wei­ter­hin tot­tram­peln. Das Vi­rus kann die Ver­nunft nicht er­set­zen. Dar­über hin­aus be­kom­men wir im We­sten wo­mög­lich auch noch den di­gi­ta­len Über­wa­chungs­staat à la Chi­na.

Und:

Die So­li­da­ri­tät, von­ein­an­der Ab­stand zu neh­men, ist kei­ne So­li­da­ri­tät, die von ei­ner an­de­ren, fried­li­che­ren, ge­rech­te­ren Ge­sell­schaft träu­men lie­ße.

Ich wer­de nach­denk­lich.

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Neu­lich ge­le­sen, dass die eu­ro­päi­sche Öf­fent­lich­keit und de­ren po­li­ti­sche Ver­tre­ter für ei­ne sol­che Kri­se nicht mehr ge­eig­net ist. Ich glau­be das auch. Ihr fehlt Aus­dau­er. Und Ab­strak­ti­ons­ver­mö­gen. Die Aus­gangs­be­schrän­kun­gen sind not­wen­dig, aber mehr als das hat man nicht. Pro­duk­te ei­ner po­li­ti­schen Hilf­lo­sig­keit. Ver­säum­nis­se wer­den ca­mou­fliert. Das ist nor­mal. Aber es gibt nach wie vor kei­ne Ak­tio­nen. Und was macht man nach vier Wo­chen? Plan­lo­sig­keit. Wer die­se Fra­ge stellt, wird als »Ver­un­si­che­rer« de­nun­ziert. Das er­in­nert tat­säch­lich bis­wei­len schon an Or­well.

* * *

Ge­sucht im Bü­cher­schrank: »Ta­ge­buch ei­ner Über­le­ben­den« von Do­ris Les­sing. Nicht ge­fun­den. Dunk­le Er­in­ne­rung dann, es ent­sorgt zu ha­ben. Die be­schrie­be­nen ge­sell­schaft­li­chen Ver­wer­fun­gen nach ei­ner nicht be­nann­ten Ka­ta­stro­phe da­mals für un­mög­lich ge­hal­ten. Wa­ren das noch Zei­ten, als man an das Gu­te ge­glaubt hat.

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In den Me­di­en, ins­be­son­de­re im Fern­se­hen, wird der Er­re­gungs­pe­gel hoch ge­hal­ten. Je­den Abend Son­der­sen­dun­gen. Es ist klar, war­um. Auf RTL ei­ne »Qua­ran­tä­ne-WG«: Gott­schalk, Jauch und der in­fi­zier­te Po­cher je von zu Hau­se aus mit ganz vie­len Pro­mis, die ih­ren Dreck ab­son­dern dür­fen. Beim Chan­nel­crossing ge­stern To­ni Kross. Der ver­dient 21 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr. Ein Sän­ger muss­te sei­ne Tour­nee ab­sa­gen. Ja, schlimm, auch für all die Leu­te, die (ver­mut­lich mit Bil­lig­löh­nen) mit­ar­bei­ten. Aber war­um glaubt man ei­gent­lich, dass mich die »Schick­sa­le« die­ser Leu­te in­ter­es­sie­ren? War­um glaubt man, dass mich die Aus­sa­gen des 54. Vi­ro­lo­gen neu­gie­rig ma­chen? Die rich­ti­gen Fra­gen stellt nie­mand. Sie­he oben: »Ver­un­si­che­rer«.

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Twit­ter er­staun­lich. Wenn man ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Time­li­ne hat. Aber Zeit­fres­ser.

Bei ei­ni­gen lie­gen die Ner­ven blank.

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Ge­stern Nacht ei­ni­ge Ge­dich­te von Fabjan Haf­ner ge­le­sen. Über­wäl­tigt.

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  1. Lo­se Fä­den aus Süd­afri­ka:
    Seit an­dert­halb Wo­chen na­tio­na­ler Not­stand, bis­her eher harm­los, aber ab Frei­tag 0 Uhr wird’s hef­tig – das Land wird für 3 Wo­chen, al­so bis zum 16. April, still­ge­legt. Aus­nah­men nur für ver­sor­gungs­wich­ti­ge Ein­rich­tun­gen und Be­trie­be. Ban­ken, Su­per­märk­te und me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung blei­ben of­fen. Na­tür­lich Haus­ar­rest für je­der­mann und zur Über­wa­chung und Ein­hal­tung der prä­si­den­tia­len Ver­fü­gung wird das gan­ze zu­sätz­lich zu den üb­li­chen Si­cher­heits­kräf­ten (Po­li­zei und pri­va­te Si­cher­heits­dien­ste) das Mi­li­tär ein­ge­setzt.

    Toch­ter mit Mann hän­gen mo­men­tan in Na­mi­bia fest. Woll­ten ei­gent­lich am 28. zu uns kom­men, wor­aus na­tür­lich jetzt nix wird. Statt­des­sen ver­su­chen sie ei­nen Weg zu fin­den, aus Na­mi­bia zu­rück nach Deutsch­land zu kom­men. Die Aus­künf­te der Bot­schaft sind da mo­men­tan sehr va­ge. Na­ja, ist für sie z.Zt. in Na­mi­bia an­ge­neh­mer als in Deutsch­land.

    Un­ser neu­er Hund wird uns ab Frei­tag dann ver­geb­lich zu dem täg­li­chen Strand­spa­zier­gang auf­for­dern, vol­ler Un­ver­ständ­nis, dass er nun in den Gar­ten sch... soll. Ja, neu­er Hund, denn die Ol­ga hat En­de letz­ten Jah­res ihr Hun­de­le­ben al­ters­schwach be­en­det.

    (Ent­schul­di­gung, ist ja ei­gent­lich kein Kom­men­tar, aber un­ter »lo­se Fä­den« even­tu­ell ak­zep­ta­bel.)

  2. Ich darf mich, in Be­zug auf Han, selbst zi­tie­ren:

    »[...] Ich be­mer­ke die­se Fremd­be­stim­mung auch an­ders­wo, z.B. ka­men mei­ne Nich­te und mein Nef­fe heu­te vor­bei, stan­den im Gar­ten, aber ei­ne Art frem­der Be­fehl – und die Ge­gen­wart mei­nes Bru­ders – ver­hin­der­te die ge­wohn­te Be­grü­ßung, wir blie­ben auf Di­stanz. Das mag ver­nünf­tig sein; da ich selbst ge­ra­de ver­kühlt bin, hät­te ich viel­leicht ge­sagt: Kommt mir nicht zu na­he, ich bin krank. Da­zu kam es aber nicht. Mein Nef­fe hät­te ger­ne ei­ne be­gon­ne­ne Ar­beit fort­ge­setzt, das ver­hin­der­ten die Um­stän­de, ich muss­te ei­ne kind­li­che Re­gung zu­rück­wei­sen, ei­ne die ich nicht nur schät­ze, son­dern ei­ne, die sehr viel mit un­se­rer Be­zie­hung zu tun hat (ich mein­te auch zu se­hen, dass die bei­den Kin­der mich ver­mis­sen). [...]«

    Al­le, die in So­zi­al­be­ru­fen tä­tig sind, dürf­ten das zu­erst zu spü­ren be­gon­nen ha­ben, denn kör­per­li­che Nä­he trö­stet und das Be­dürf­nis je­man­den zu trö­sten ge­rät in ei­nen Kon­flikt mit der ver­ord­ne­ten Di­stanz. — Ist nicht der Man­gel, der ge­gen­wär­tig of­fen­bar wird, dass vie­le kei­nen in­ne­ren Zu­stand von Ge­las­sen­heit (mehr) be­sit­zen, den sie den äu­ße­ren Zu­stän­den – Hy­ste­rie, Pan­de­mie, was auch im­mer – ent­ge­gen­set­zen kön­nen, der als ei­ne Art Puf­fer wirkt und wir­ken kann? Es ist nicht die Ver­nunft, nein es ist das Wi­der­la­ger, an dem es man­gelt. Ich ha­be mei­nen Ar­beits­kol­le­gen ge­ra­ten, die Hy­gie­ne­re­geln zu be­ach­ten, et­was ge­nau­er als sonst. Und sich nicht aus de Ru­he brin­gen las­sen. Fer­tig. Die Ver­nunft, die zur Vor­sicht mahnt, die Si­cher­heit her­stel­len will und die dif­fu­sen, un­be­merk­ten Äng­ste zie­hen am sel­ben Strang.

  3. Han leug­net nicht die Pan­de­mie und die Op­fer­zah­len. Er ana­ly­siert, war­um Län­der wie Chi­na und Süd­ko­rea durch schnel­les und bei uns aus Da­ten­schutz­grün­den un­mög­li­ches Han­deln die An­ge­le­gen­heit weit­ge­hend in den Griff be­kom­men ha­ben. Da­ge­gen sind die et­was ein­ge­schränk­ten so­zia­len Kon­tak­te Pea­nuts.

  4. Han leug­net nicht die Pan­de­mie und die Op­fer­zah­len.

    Das hat nie­mand be­haup­tet.

    Da­ge­gen sind die et­was ein­ge­schränk­ten so­zia­len Kon­tak­te Pea­nuts.

    Mir ist es des Uti­li­ta­ris­mus’ zu viel, wenn al­te Men­schen plötz­lich oh­ne Heim­pfle­ge­per­so­nal da­ste­hen und es so­gar da­zu kommt, dass Krebs­the­ra­pi­en un­ter­bro­chen und Pa­lia­tiv­bet­ten stor­niert wer­den, egal wo da in der Maß­nah­men­ket­te der »Feh­ler« zu lo­ka­li­sie­ren ist, ganz zu schwei­gen von vie­len an­de­ren Ope­ra­tio­nen. Oder an­ders: Die Pea­nuts­ent­schei­dung liegt da bei den Be­trof­fe­nen. Han schrieb ja auch, »die So­li­da­ri­tät, von­ein­an­der Ab­stand zu neh­men, ist kei­ne So­li­da­ri­tät, die von ei­ner an­de­ren, fried­li­che­ren, ge­rech­te­ren Ge­sell­schaft träu­men lie­ße.«

    In Öster­reich wur­den der ver­meint­li­chen Vo­gel­grip­pe we­gen, bei Bun­des­heer Mas­ken­be­stän­de an­ge­legt, al­ler­dings sind die­se mitt­ler­wei­le ab­ge­lau­fen. Wo­mög­lich hat­te die­se Fehl­an­schaf­fung, die in an­de­ren Län­dern wohl in ver­gleich­ba­rer Wei­se er­folg­te, Aus­wir­kun­gen auf die da­nach ge­tä­tig­ten bzw. nicht ge­tä­tig­ten An­schaf­fun­gen.

    John­son mag ein Voll­idi­ot sein, aber COVID-19 gilt in GB nicht mehr als »High con­se­quence in­fec­tious di­sea­ses« und das Ad­vi­so­ry Com­mit­tee on Dan­ge­rous Pa­tho­gens sieht die po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung hin­sicht­lich der Maß­nah­men und Emp­feh­lun­gen als für er­füllt an.

  5. Der Satz »Die So­li­da­ri­tät, von­ein­an­der Ab­stand zu neh­men, [...]« muss wohl im Kon­text ver­stan­den wer­den. Falls der Kon­text die ge­wähl­te For­mu­lie­rung nicht er­zwingt, könn­te dort aber auch ste­hen:

    »Die So­li­da­ri­tät, von­ein­an­der vor­über­ge­hend räum­li­che Di­stanz zu hal­ten, ist kei­ne So­li­da­ri­tät, die von ei­ner an­de­ren, fried­li­che­ren, ge­rech­te­ren Ge­sell­schaft träu­men lie­ße.«

    Der Wahr­heits­ge­halt die­ser mo­di­fi­zier­ten Aus­sa­ge er­schließt sich plötz­lich nicht mehr so ein­fach.

  6. Es könn­te auch ste­hen:

    »Die So­li­da­ri­tät, von­ein­an­der vor­über­ge­hend räum­li­che Di­stanz zu hal­ten, ist ei­ne So­li­da­ri­tät um in Zu­kunft wei­ter­hin von ei­ner an­de­ren, fried­li­che­ren, ge­rech­te­ren Ge­sell­schaft träu­men zu kön­nen.«

  7. Der Text Hans mä­an­dert. Zu­nächst wird ge­zeigt, wie man in Chi­na und Süd­ko­rea mit­tels Apps die Pan­de­mie da­hin­ge­hend in den Griff be­kommt bzw. be­kom­men möch­te, dass sich die Men­schen prak­tisch zu nack­ten, per­ma­nent über­wach­ten Sub­jek­ten ma­chen. Han, der das Di­gi­ta­le ja freund­lich aus­ge­drückt ne­ga­tiv be­wer­tet, spricht da­von durch­aus an­er­ken­nend. Fast könn­te man mei­nen, dass er dies den so­ge­nann­ten Aus­gangs­sper­ren (oder Kon­takt­sper­ren) vor­zieht. Ob­wohl es doch ei­gent­lich sei­nem Den­ken wi­der­spricht.

    Ge­stern in der phoe­nix-Run­de u. a. Shi Ming, ein chi­ne­si­scher Jour­na­list (mit üb­ri­gens voll­kom­men ak­zent­frei­em Deutsch). Er ist kein Adept des Re­gimes und sieht die Sa­che mit Chi­na als Vi­rus-Be­zwin­ger und Ge­win­ner der Kri­se deut­lich skep­ti­scher. An­fangs ha­be die lo­ka­le Füh­rung das Vi­rus ver­harm­lost, die bü­ro­kra­ti­schen We­ge wa­ren sehr ver­wor­ren. Dann die ein­schnei­den­den Maß­nah­men. Das Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung in das Re­gime wacke­le (was er im Mas­ken-Ge­brauch glaubt fest­zu­ma­chen) und es ge­be auch in­ner­halb der KP di­ver­gie­ren­de Strö­mun­gen. Lei­ser Pro­test zei­ge sich auch im Netz; er wird der­zeit nicht zen­siert. Als ein­zi­ger in der Run­de (es war auch ein Vi­ro­lo­ge per Sky­pe zu­ge­schal­tet, der al­ler­dings in­fi­ziert ist) pro­ble­ma­ti­sier­te Shi Ming die Mög­lich­keit ei­nes »zwei­ten Peaks«, wenn man zu früh zur Nor­ma­li­tät gin­ge. Dann wä­re das Ver­trau­en in die po­li­ti­sche Ka­ste voll­ends ver­spielt.

    Hans ka­pi­ta­lis­mus- und he­do­nis­mus­kri­ti­sche Vol­ten ver­puf­fen m. E. wenn er ei­ne Ge­sell­schaft her­auf­be­schwört, die sich wie das Vi­rus nur noch ver­mehrt und nicht mehr lebt. In Hans letz­tem Buch be­kommt man ei­ne klei­ne Idee da­von, was er mit »Le­ben« meint.

  8. Geht in Ord­nung. Ist ein Vor­schlag zu ei­nem wei­te­ren po­li­ti­schen Vor­ge­hen, im Sinn ei­nes Kon­sens’, ak­zep­ta­bel?

    Es kommt dar­auf an, was un­ter »von­ein­an­der vor­über­ge­hend räum­li­che Di­stanz [...] hal­ten« ver­stan­den wird. Als Me­ta­pher ist der Satz – wie rich­tig an­ge­merkt wur­de – sehr ela­stisch. Trotz un­ter­schied­li­cher Rea­li­täts­ein­schät­zung, sind die po­li­ti­schen Maß­nah­men für al­le Rea­li­tät; er­träg­lich und sinn­voll sind sie, durch­aus im Sinn ei­nes Mehr an Ge­rech­tig­keit, wenn sie sich an ei­nem brei­ten, ein­seh­ba­ren Kon­sens ori­en­tie­ren, der ei­ne eben­sol­che Rea­li­täts­ein­schät­zung be­inhal­tet, die sich zu kei­nem fik­ti­ven Ex­trem hin­neigt (sich zu ir­ren, bleibt da­her ei­ne [ein­grenz­ba­re] Mög­lich­keit). Das Ge­bot der Di­stanz wirkt ne­ga­tiv im je­wei­li­gen All­tag, den je­wei­li­gen Le­bens­rea­li­tä­ten; vor­über­ge­hen­des Han­deln ge­gen sich selbst und an­de­re, hängt mit die­sen, mit Aus­gleichs­mög­lich­kei­ten, mit Ab­sicht, Ein­seh­bar­keit und Sinn, zu­sam­men. Sol­che Ab­wä­gun­gen sind pro­ble­ma­tisch, viel­leicht un­mög­lich und müs­sen po­li­tisch den­noch ver­sucht wer­den.

  9. Ich ho­le mal kurz ei­ne sprach­kri­ti­sche Brech­stan­ge aus Werk­zeug­kam­mer.
    »von etwas/jemandem Ab­stand neh­men« evo­ziert ei­ne völ­lig an­de­re Be­find­lich­keit, als »zu­ein­an­der vor­über­ge­hend räum­li­che Di­stanz zu hal­ten« (»von­ein­an­der«, wie in mei­nem Kom­men­tar #7, ist na­tür­lich un­schö­ner sprach­li­cher Blech­scha­den). Wenn ich Ab­stand neh­me, di­stan­zie­re ich mich in­ner­lich – wo­von auch im­mer. Da­mit soll­te aus­rei­chend ge­klärt sein, was mich zu mei­nen An­mer­kun­gen be­wo­gen hat: Wenn ich Di­stanz hal­te, neh­me ich nicht Ab­stand. Ent­we­der schreibt Han nicht, was er tat­säch­lich meint, oder Han schreibt, Par­don, Un­sinn.

    Ro­bu­sten Wi­der­spruch (ein­ge­schränkt auf den Kri­sen­kon­text) le­ge ich ein ge­gen die The­se, po­li­ti­sche Maß­nah­men hät­ten sich an ei­nem brei­ten, ein­seh­ba­ren Kon­sens zu ori­en­tie­ren.

    Die po­li­ti­schen Maß­nah­men ha­ben sich zu­vör­derst an na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten zu ori­en­tie­ren. Hier­in gibt es kei­nen ver­nünf­ti­gen Dis­kus­si­ons­spiel­raum. Um die all­ge­mei­ne Ein­sicht zu er­leich­tern, sind Trans­pa­renz, Auf­klä­rung und ak­ku­ra­te In­for­ma­ti­on hilf­reich. Die in­di­vi­du­el­le Ein­sicht er­ach­te ich als Pri­vat­an­ge­le­gen­heit, die je­der für sich selbst zu er­ar­bei­ten hat. Kei­ne Fra­ge, dass sol­ches Un­ter­fan­gen auf al­len Ebe­nen zu un­ter­stüt­zen ist. Man­geln­de Ein­sicht kann Wi­der­stand ge­gen sol­che Maß­nah­men aber kei­nes­falls le­gi­ti­mie­ren.

    Dass ein [lan­ge an­hal­ten­des] Ge­bot der räum­li­chen Di­stanz ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen im All­tag hat, ist ernst­haft nicht zu be­strei­ten. Man be­fra­ge da­zu Men­schen, die von der Teil­nah­me am ge­sell­schaft­li­chen Le­ben, noch da­zu mehr­fach de­pri­viert, prak­tisch aus­ge­schlos­sen sind. Wir spre­chen hier je­doch von Zeit­räu­men grö­ßer sechs Mo­na­te.

    Soll­ten die Ge­schäf­te und Pro­duk­ti­ons­stät­ten an­nä­hernd so lan­ge ge­schlos­sen blei­ben, wird für die All­ge­mein­heit an­satz­wei­se er­leb­bar, was De­pri­va­ti­on be­deu­tet. Dar­aus nährt sich mei­ne Hoff­nung, dass nach der Kri­sen­be­wäl­ti­gung die Fra­ge der Wohl­stands­ver­tei­lung (und da­mit ein­her­ge­hend ei­ne Über­for­mung der Ge­sell­schaft) auf den po­li­ti­schen Büh­nen in­ten­sivst dis­ku­tiert wird.

    @Gregor Keu­sch­nig
    Ich ha­be ver­geb­lich ver­sucht, zum ver­link­ten Text zu ge­lan­gen. Vom dort an­ge­bo­te­nen Mo­dus neh­me ich Ab­stand, nach­dem ich in ver­gleich­ba­rer Si­tua­ti­on mit der FAZ äu­ßerst be­la­sten­de Müh­sal mir ein­ge­han­delt hat­te. Ih­re Re­zen­si­on zu »Vom Ver­schwin­den der Ri­tua­le« hat­te in­des schon da­mals mein In­ter­es­se am Au­tor ge­dämpft.
    (die an­ge­spro­che­ne phoe­nix-Run­de ha­be ich ge­se­hen und ei­ni­ge No­ta­te da­zu an­ge­fer­tigt)

  10. Wenn das Ver­spre­chen lau­tet, dass die ver­häng­ten Maß­nah­men und Rechts­ein­schrän­kun­gen dem all­ge­mei­nen Wohl die­nen, ge­nau­er: dem Er­halt der Ge­sund­heit und der Ver­hin­de­rung ei­ner Pan­d­mie, dann ha­ben sich die­se Maß­nah­men in ei­ner De­mo­kra­tie der ge­sell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on zu stel­len, ge­ra­de weil sie rasch und oh­ne brei­te Dis­kus­si­on ge­trof­fen wer­den muss­ten. Die Po­li­tik soll­te sich an die­ser ge­sell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on ori­en­tie­ren, sie muss ihr kei­nes­wegs in al­len Be­lan­gen fol­gen (die Dis­kus­si­on be­deu­tet ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung der La­ge). Ein­sicht, Er­träg­lich­keit und Sinn sind Re­sul­tat in­di­vi­du­el­len Han­delns, das die Über­schnei­dung des ei­ge­nen Le­bens­be­reichs mit den po­li­ti­schen Maß­nah­men prüft; die­se Prü­fung ist auch ei­ne Auf­ga­be der ge­sell­schaft­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung. Wert­vor­stel­lun­gen und kul­tu­rel­le Prak­ti­ken las­sen sich nicht na­tur­wis­sen­schaft­lich be­le­gen, es ist Ge­sell­schaf­ten in­hä­rent, dass sie nicht al­le gleich auf ei­ne äu­ße­re Be­dro­hung re­agie­ren, ob­wohl na­tur­wis­sen­schaft­li­che Ein­sich­ten für al­le gleich gel­ten (vgl. die Un­ter­schie­de zwi­schen Chi­na, Ja­pan, Ita­li­en, Öster­reich, Groß­bri­tan­ni­en und Deutsch­land).

  11. Zwei Irr­tü­mer sind auf­zu­klä­ren, wie mir klar wird.

    Die [hier in A] ver­ord­ne­ten Maßnahmen/Rechtseinschränkungen tra­gen kein Ver­spre­chen in sich. Sie sind auf­grund der ver­füg­ba­ren In­for­ma­tio­nen nach na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Ge­sichts­punk­ten für je­der­mann nach­voll­zieh­bar und nach ethi­schen Ge­sichts­punk­ten so­gar ge­bo­ten. Dar­an ver­mö­gen Zwei­fel ver­ur­sa­chen­de und Dis­kus­si­ons­be­dürf­nis (wel­ches im Kern ein Auf­klä­rungs­be­dürf­nis ist) aus­lö­sen­de In­for­ma­ti­ons­lücken beim ein­zel­nen In­di­vi­du­um nichts zu än­dern. Wer­den die Maß­nah­men aus­nahms­los be­folgt, steht die Wir­kung der Maß­nah­men ex an­te fest. Vor­sichts­hal­ber wie­der­ho­le ich die Ein­schrän­kung mei­ner Be­trach­tun­gen auf den un­mit­tel­ba­ren Kri­sen­kon­text.

    Zum an­de­ren wird über­se­hen, dass die Maßnahmen/Rechtseinschränkungen dem par­la­men­ta­ri­schen Re­gie­rungs­sy­stem ent­spre­chend von den ge­wähl­ten Volks­re­prä­sen­tan­ten zu er­ör­tern und zu be­schlie­ßen sind. Und das zu­ge­ständ­nis­frei ver­fas­sungs­kon­form, was so­wohl das Zu­stan­de­kom­men der Be­schlüs­se, als auch den In­halt der Maß­nah­men be­trifft. Vom ge­sell­schaft­li­chen Stand­punkt aus be­trach­tet ist dar­an ver­nünf­tig nichts zu be­an­stan­den. Das An­sin­nen, Ent­schei­dun­gen der ge­ge­be­nen Trag­wei­te hät­ten sich am brei­ten, ein­seh­ba­ren Kon­sens zu ori­en­tie­ren, rüt­telt des­halb an der Ver­fas­sung die­ser Ge­sell­schaft in­so­fern, als da­mit ein Über­gang zur par­ti­zi­pa­to­ri­schen De­mo­kra­tie ge­for­dert wird. Die For­de­rung nach ei­nem sol­chen Um­bau ist für sich ge­nom­men le­gi­tim. Sie hat sich aber ge­son­dert ei­ner ex­pli­zit dar­auf ge­rich­te­ten, brei­ten ge­sell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on zu un­ter­wer­fen.

    Ei­ne Dis­kus­si­on der ver­häng­ten Maß­nah­men fin­det sinn­vol­ler­wei­se statt, wenn da­mit die Ver­fas­sung ver­letzt wird. So ge­sche­hen mit der Ver­ord­nung des Ge­sund­heits­mi­ni­sters, wel­che ein pau­scha­les Be­tre­tungs­ver­bot für öf­fent­li­che Or­te mit auf­ge­zähl­ten Aus­nah­men (Zwecke der Be­tre­tung) sta­tu­iert. In der den Mi­ni­ster zur Ver­ord­nung er­mäch­ti­gen­den Ge­set­zes­stel­le heißt es al­ler­dings, dass die­ser die Be­tre­tung von »be­stimm­ten« Or­ten un­ter­sa­gen kann. Hier­zu kann er sich, dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers nach, auch ab­strak­ter Be­grif­fe, wie z.B. Spiel­plät­ze oder Park­an­la­gen, be­die­nen.

    Die­ses über­schie­ßend for­mu­lier­te pau­scha­le Be­tre­tungs­ver­bot (die Ver­ord­nung ver­letzt das ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­te Le­ga­li­täts­prin­zip) ist so­gleich ei­ner – wohl auch par­la­men­ta­ri­schen – Dis­kus­si­on zu un­ter­zie­hen. Dar­in zu­min­dest fol­gen­de Fra­gen zur Ver­hand­lung ste­hen: Kann der öf­fent­li­che Raum ein ein­zi­ger be­stimm­ter Ort sein? Ver­trägt sich der »öf­fent­li­che Ort« ge­mäß Mi­ni­ste­ri­al­ver­ord­nung mit der exi­sten­ten Le­gal­de­fi­ni­ti­on des »öf­fent­li­chen Or­tes« ge­mäß Si­cher­heits­po­li­zei­ge­setz? Und ganz prak­tisch: Was kann/soll das In­di­vi­du­um un­ter­neh­men im Fal­le ei­ner Be­an­stan­dung durch Or­ga­ne des öf­fent­li­chen Si­cher­heits­dien­stes?

    Nicht zu dis­ku­tie­ren ist al­ler­dings die Fra­ge, ob das pau­scha­le Be­tre­tungs­ver­bot an­ge­mes­sen sei, weil es da­durch kon­klu­dent le­gi­ti­miert wird. Auch nicht zu dis­ku­tie­ren sind un­ter die­sem spe­zi­el­len rechts­staat­li­chen As­pekt un­ter­schied­li­che Wert­vor­stel­lun­gen und kul­tu­rel­le Prak­ti­ken ver­schie­de­ner Ge­sell­schaf­ten.

    Ei­ne völ­lig an­de­re Qua­li­tät hat die nach­träg­li­che »Ma­nö­ver­kri­tik«. Die wird es drin­gend ge­ben müs­sen (Stich­wor­te: be­hörd­li­che Versäumnisse/staatsanwaltschaftliche Er­mitt­lun­gen in Ischgl, Kri­sen­fe­stig­keit der Wirt­schaft, in­län­di­sche Ver­sor­gungs­si­cher­heit mit kri­sen­re­le­van­ten Gü­tern). Da­zu braucht es tat­säch­lich brei­te­ste ge­sell­schaft­li­che Be­tei­li­gung. Im Er­geb­nis soll­te dann hof­fent­lich fest­ste­hen, wel­che po­li­ti­sche Kraft den Be­griff »Ge­mein­wohl« mit wel­chen kon­kre­ten In­hal­ten füllt. Denn die näch­ste Wahl soll­te be­reits im Be­wusst­sein statt­fin­den, dass der Staat in be­droh­li­chen Si­tua­tio­nen eben die­ses Ge­mein­wohl zu si­chern hat. Wel­ches zur Stun­de über die Ab­wen­dung der Ge­sund­heits­be­dro­hung durch COVID-19 weit hin­aus­reicht.

    (An­mer­kung: ei­ne Run­de wür­de ich noch mit­ge­hen kön­nen, dann aber würd’ ich’s gut sein las­sen)

  12. Ich find’s scha­de, dass mit die­ser Ru­brik schon Schluss sein soll, möch­te aber zu­gleich an­re­gen, dass die Ru­brik Zwischenruf(e) fort­ge­führt wer­den mö­ge, da ich so ei­nen klei­nen Was­ser- oder Zwi­schen­stand Ih­rer ak­tu­el­len Lek­tü­re oder viel­leicht auch ei­nen klei­nen Ein­wurf zum Zeit­ge­sche­hen sehr in­ter­es­sant fän­de. Die Ge­dich­te von Fabjan Haf­ner wer­de ich mir be­sor­gen.

  13. @h.z.
    Wir kön­nen ver­su­chen ab­schlie­ßend ei­nen Mi­ni­mal­kon­sens zu fin­den. Die ein- und aus­lei­ten­den Sät­ze nicht mit­ge­zählt, fin­de ich in den Ab­sät­zen 3–6 kaum Dis­sens, ich möch­te nur dar­auf hin­wei­sen, kei­ne Dis­kus­si­on von Wert­vor­stel­lun­gen und kul­tu­rel­len Prak­ti­ken ver­schie­de­ner Ge­sell­schaf­ten un­ter rechts­staat­li­chen Ge­sichts­punk­ten ge­for­dert zu ha­ben.

    Blei­ben die Ab­sät­ze 1 und 2: Ich schrieb nicht, dass die in der Kri­se ge­trof­fe­nen Maß­nah­men ein Ver­spre­chen in sich tra­gen, aber sie ha­ben ei­nen Grund und wenn ei­ne Rechts­ein­schrän­kung nicht au­to­ri­tär sein soll, dann soll­te sie be­grün­det wer­den, um nach­voll­zieh­bar und kri­ti­sier­bar zu blei­ben. Sach­li­che Rich­tig­keit, ethi­sche Ak­zep­tanz und die Le­ga­li­tät von Maß­nah­men sind ver­schie­de­ne As­pek­te, z.B. bleibt die Un­gleich­ver­tei­lung von Wohl­stand in ei­ner Ge­sell­schaft durch po­li­tisch le­ga­le Be­schlüs­se, trotz­dem kri­ti­sier­bar, so, wie Sie in der an­de­ren Dis­kus­si­on am Bei­spiel der Tür­kei schrie­ben, dass Sie Aus­gangs­sper­ren für al­te Men­schen für ethisch in­ak­zep­ta­bel hal­ten. Das po­li­ti­sche, al­so das Ver­spre­chen, ist, dass das Un­ter­bre­chen der In­fek­ti­ons­ket­ten durch Aus­gangs­be­schrän­kun­gen, To­te und Leid be­schrän­ken und die Ge­sund­heit wei­ter Be­völ­ke­rungs­tei­le in Ab­wä­gung mit als für ge­ring­fü­gi­ger er­ach­te­ten an­de­ren Ri­si­ken, er­hal­ten wird. Nie­mand weiß, wie die Zu­kunft aus­se­hen wird, das kann auch die Na­tur­wis­sen­schaft – die ja Irr­tums­wahr­schein­lich­kei­ten für ih­re Aus­sa­gen an­gibt – der Po­li­tik nicht ab­neh­men und tä­te sie es, dann eb­ne­te sie den Weg für ei­ne Tech­no­kra­tie. Ein Bei­spiel: Die Aus­sa­ge, dass das Un­ter­bre­chen der In­fek­ti­ons­ket­ten durch Aus­gangs­sper­ren, al­so die Re­duk­ti­on von so­zia­len Kon­tak­ten, ge­bo­ten ist, er­scheint völ­lig plau­si­bel. Trotz­dem bleibt ein Ri­si­ko, wenn man sich die Be­din­gun­gen ab­sieht: Neh­men wir Ita­li­en als Bei­spiel und neh­men wir ei­ne Ver­brei­tung des Vi­rus in der Ge­sell­schaft von x an, Trä­ger ist vor al­lem die jun­ge, mo­bi­le und ar­bei­ten­de Be­völ­ke­rung. Aus­gangs­sper­ren kön­nen in je­nen Fa­mi­li­en in de­nen jun­ge und al­te Men­schen zu­sam­men le­ben, in Ita­li­en häu­fig bis ins Al­ter von deut­lich über 30 Jah­ren üb­lich, die­se mit dem Vi­rus (und mög­li­chen an­de­ren Er­kran­kun­gen) zu­sam­men ge­hal­ten ha­ben. Ei­ne sol­che Über­le­gung kann ei­nen Teil der Ent­wick­lung in Ita­li­en er­klä­ren und zeigt, dass ein Ri­si­ko und ei­ne Ver­ant­wor­tung bleibt, die die Na­tur­wis­sen­schaft der Po­li­tik nicht ab­neh­men kann. An­ders: Die Aus­wir­kun­gen der Maß­nah­me Aus­gangs­sper­re ist nicht un­ab­hän­gig von der Fa­mi­li­en­struk­tur der be­trach­te­ten Ge­sell­schaft (für Öster­reich mit we­ni­ger Ri­si­ko be­haf­tet als für Ita­li­en).

    Dass Ent­schei­dun­gen der ge­ge­be­nen Trag­wei­te sich am brei­ten, ein­seh­ba­ren Kon­sens zu ori­en­tie­ren ha­ben, schrieb ich nicht, son­dern, dass da­nach ei­ne Ori­en­tie­rung an der ge­sell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on ge­bo­ten ist.

  14. @metepsilonema
    Der aus­ge­führ­ten Kri­tik an den Ab­sät­zen 1 und 2 wür­de ich die im Ver­fas­sungs­rang ste­hen­den Ver­pflich­tun­gen der Staats­ge­wal­ten ent­ge­gen hal­ten. Als Ver­fas­sungs­bür­ger fol­gen wir in letz­ter Kon­se­quenz un­se­ren ei­ge­nen, selbst­ge­wähl­ten Re­geln, ach­ten aber pein­lich ge­nau dar­auf, dass sie nicht ver­letzt wer­den (auf ei­ne der­ar­ti­ge Ver­let­zung wies ich hin).

    An­ge­sichts der vor­her­seh­bar dra­ma­ti­schen Ent­wick­lung hier­zu­lan­de (der in­ten­siv­me­di­zi­ni­sche Be­reich könn­te schon in der Kar­wo­che auf An­schlag ste­hen) möch­te ich auf das Ita­li­en­bei­spiel nicht mehr ein­ge­hen und auch sonst kei­ne Haar­spal­te­rei­en be­trei­ben.

    Sei­en Sie herz­lich be­dankt für Ihr kri­ti­sches En­ga­ge­ment in der Dis­kus­si­on.

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