Mo­nod und Sar­ra­zin

Ich ha­be Mo­n­ods Buch nach et­li­chen Jah­ren wie­der in die Hand ge­nom­men, weil ich mich an ei­ne Stel­le er­in­ner­te, die an­schei­nend bei Thi­lo Sar­ra­zin wie­der auf­taucht war.

Auf et­wa ein­ein­halb Sei­ten streift Mo­nod in sei­ner knap­pen, tref­fen­den Art ein ge­sell­schafts­po­li­ti­sches The­ma und stellt ei­ne The­se auf, die man als ei­nen der Haupt­punk­te (wenn nicht so­gar den Kern) von Sar­ra­zins Ar­gu­men­ta­ti­on be­zeich­nen kann.

Mo­nod dis­ku­tiert die Be­deu­tung von Spra­che und Kul­tur für die Evo­lu­ti­on un­se­res Ge­hirns und den Zu­sam­men­halt von Grup­pen. Kul­tur war ein be­deu­ten­der Se­lek­ti­ons­fak­tor, al­ler­dings […] nur bis zu dem Au­gen­blick, wo sich we­gen der zu­neh­men­den Ge­schwin­dig­keit der Kul­tur­ent­wick­lung die­se und die ge­ne­ti­sche Evo­lu­ti­on voll­stän­dig von ein­an­der lö­sen soll­ten.

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Jac­ques Mo­nod: Zu­fall und Not­wen­dig­keit

Jacques Monod: Zufall und Notwendigkeit
Jac­ques Mo­nod: Zu­fall und Not­wen­dig­keit

Jac­ques Mo­nod legt an­hand zen­tra­ler Er­kennt­nis­se der mo­der­nen Bio­lo­gie ei­ne Angst frei, die uns al­le, be­wusst oder un­be­wusst, zeich­net. Sie ent­springt dem Ver­sa­gen un­se­rer sub­jek­ti­ven Deu­tung der Welt, das wir auch als das Un­be­ha­gen an der Mo­der­ne ken­nen — und der Ur­sprung die­ser Angst liegt, was über­ra­schen mag, in der Evo­lu­ti­on des Men­schen be­grün­det.

Mo­n­ods Dar­stel­lung ist knapp, zu­ge­spitzt, la­ko­nisch: Dar­in ist er ein Mei­ster; doch er hü­tet sich vor Ver­ein­fa­chun­gen, und wo er fürch­tet es den­noch zu tun, merkt er es an. Mo­nod zau­dert nicht, sei­ne Schlüs­se sind mes­ser­scharf, und er bleibt nicht ste­hen, ehe zu­letzt ei­ne ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Uto­pie er­scheint; aber er weiß auch was Zwei­fel be­deu­tet, und wie we­nig, trotz al­ler Lo­gik und Ent­schlos­sen­heit, am En­de ge­won­nen ist.

»Zu­fall und Not­wen­dig­keit« ist das Werk ei­nes Auf­klä­rers, der sich we­der als sol­chen be­zeich­net, noch das Wort Auf­klä­rung im Mund führt — man merkt die­sem Buch sei­nen vier­zig­jäh­ri­gen Ge­burts­tag kaum an.

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Zwi­schen Nicht­be­ach­tung und Hel­den­tum: Der Sol­dat und die (eu­ro­päi­sche) De­mo­kra­tie

Den Wan­del des Sol­da­ten­bil­des in­ner­halb der eu­ro­päi­schen Ge­schich­te (in­klu­si­ve ei­nes bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Schwer­punkts) hat Clau­de Haas in der letz­ten Aus­ga­be der Zeit er­hel­lend dar­ge­legt. Und dort wo er ge­en­det hat, gilt es wei­ter zu ge­hen. Man muss sei­ne Be­trach­tung, die et­was ab­rupt schließt, und we­sent­li­che Fra­gen auf­wirft, fort­spin­nen, und er­wei­tern, ge­ne­ra­li­sie­ren: Wie ist das sol­da­ti­sche „Hand­werk“, die­ser Be­ruf in Zei­ten ei­nes weit­ge­hend ge­ein­ten Eu­ro­pa, jen­seits ein­deu­ti­ger Be­dro­hungs- und Kon­flikt­sze­na­ri­en, zu be­ur­tei­len? Wol­len wir es be­ur­tei­len? Wir, d.h. die Po­li­tik muss es, soll­te es. Die Fra­ge war­um man am Hin­du­kusch steht, be­nö­tigt ei­ne kla­re Ant­wort. Man ist sie den Hin­ter­blie­be­nen schul­dig, und dem Bür­ger.

Krie­ge füh­ren, für den Frie­den (Pop­per). Ge­hen wir da­von aus, dass es ge­rech­te Krie­ge gibt, las­sen wir Ver­tei­di­gungs­sze­na­ri­en und die Ab­wehr von Ag­gres­si­on au­ßen vor, und eben­so Krie­ge als blo­ße Fort­füh­rung, als Mit­tel der Po­li­tik, der Macht. Wel­che Auf­ga­ben ha­ben Sol­da­ten dann zu er­le­di­gen, wel­che ge­rech­ten Krie­ge aus­zu­fech­ten, wenn wir da­von aus­ge­hen, dass sie da­für in ih­rer Hei­mat nicht be­nö­tigt wer­den?

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Flü­ge und Sprün­ge

Zwei Schrit­te, dann... Punkt­ge­nau lan­de­te sei­ne Hand auf dem Ge­län­der, im sel­ben Mo­ment stieß er sich wie­der ab, nahm die letz­ten, ver­blei­ben­den Zen­ti­me­ter an Hö­he, und glitt zwi­schen den bei­den Pfei­lern, die die paw­lat­schen­ähn­li­chen Auf­gän­ge tru­gen, ab­wärts ins Freie.

Ein Ge­men­ge von Er­de, Blät­tern und Stei­nen, von Mau­er­werk und feucht­war­mer Luft schlug ihm ent­ge­gen, und er lan­de­te, wie im­mer vor dem Schleh­dorn, und ei­nen Schritt weit hin­ter der lang­ge­streck­ten Pfüt­ze, ei­ner Ver­tie­fung im Asphalt, in der sich das ab­flie­ßen­de Was­ser sam­mel­te. Noch ein‑, zwei­mal wei­te­te sich sein Brust­korb ver­geb­lich, dann at­me­te er glatt und wie ge­wohnt.

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Links, das sind wir. Auf­bruch in die so­zia­le Mo­der­ne?

An­drea Yp­si­l­an­ti leg­te in der Zeit (Nr. 10/2008) ein Grund­satz­pa­pier* – in der ge­kürz­ten Ver­si­on der ge­druck­ten Aus­ga­be ist von ei­nem Ma­ni­fest die Re­de – vor, in dem sie ih­re per­sön­li­che Welt­sicht be­schreibt. Was kann der Wäh­ler, der po­li­tisch In­ter­es­sier­te da­von er­war­ten? Zu­min­dest zwei­er­lei: Kom­pakt­heit, da­für kei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on in al­len De­tails (eher ei­nen Über­blick), und klar her­aus­ge­ar­bei­te­te Pro­ble­me, Lö­sungs­vor­schlä­ge und ei­nen Blick in die Zu­kunft.

Man wird aber – in den nicht al­ler­be­sten Zei­ten für die SPD – auch jen­seits Yp­si­l­an­tis po­li­ti­scher Welt­sicht, nach Be­find­lich­kei­ten der Par­tei, bzw. nach Ideen für ei­ne Neu­po­si­tio­nie­rung im po­li­tisch lin­ken Spek­trum Aus­schau hal­ten. Yp­si­l­an­tis Ma­ni­fest wird man als pars pro to­to für die Bun­des-SPD zu be­trach­ten ver­su­chen.

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