
Eine Glückssuche wie Sophia verfolgt auch Cindy in Grubers neuem Roman »Chorprobe«, wenn auch auf einem anderen Feld – dem der Kunst.

Eine Glückssuche wie Sophia verfolgt auch Cindy in Grubers neuem Roman »Chorprobe«, wenn auch auf einem anderen Feld – dem der Kunst.
Vermutlich eine Schmierenkomödie
Raddatz: Scharlatan!
Schmidt den Zigarettenrauch ausblasend und nach der Tasse Kaffee tastend
Raddatz: Seht meine violetten Socken. Passend zum Einstecktuch.
Grass: Was?
Raddatz tänzelt leicht an Grass vorbei
Grass: Soll ich uns eigentlich was kochen?
Enzensberger: Nein, bitte nicht.
Raddatz: Ich suche den Champagner aus.
Grass: Dachte an Nierchen mit Kohlgemüse.
Enzensberger geht mit einem Korb reihum So, hier bitte Eure Handys abgeben. Ich nehme die Akkus selber raus und vernichte beides dann. Alle werfen nacheinander ihre Mobiltelefone in den Korb.
Grass: Wo ist die Küche?
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen über das sogenannte Journalisten-Bashing nichts zu schreiben. Da gibt es kluge Artikel wie den von Stefan Niggemeier, der den Gründen innerhalb der Zunft nachspürt und irgendetwas wie einen dritten Weg zwischen Verschwörungstheorie und branchenüblichen Durchhalteparolen nebst partieller Jubelarien versucht.
Aber dann gibt es den Artikel von Bernhard Pörksen auf ZEIT-Online, der eine Ehrenrettung des Journalismus versucht. Weniger die Tatsache an sich ist bemerkenswert, als die Art und Weise in der dies geschieht.
Zu Beginn räumt Pörksen Verfehlungen des Journalismus ein. Dennoch hält er – so der Schluss aus seinen Ausführungen – die Reaktionen darauf für überzogen. Wut und Skepsis habe sich in Hass verwandelt. Dokumente dieser Medienverdrossenheit findet er in einer Studie aus dem Jahr 2010. Immerhin konstatiert er, dass es nicht den einen Grund gebe, sondern eine Vielzahl von Aspekten, die zu dieser negativen Sicht auf den Journalismus führe.
Pörksen zählt zwar die einzelnen Aspekte auf (Einfluss von Lobby- und PR-Agenturen auf Journalismus; die überbordende Skandalisierungsrhetorik, usw.), unterlässt es jedoch, auf sie etwas genauer einzugehen. Stattdessen widmet er sich den Kritikern und findet verwirrte Reichsdeutsche […] wie Friedensbewegte darunter. Zunächst soll damit die Spannbreite der Unzufriedenheit jenseits politischer und weltanschaulicher Grenzen dokumentiert werden. Auf den zweiten Blick dient diese Formulierung aber auch dazu die am Journalismus unserer Tage Zweifelnden zu denunzieren. Bei der Zuweisung als »Reichsdeutsche« leuchtet das sofort ein, aber auch »Friedensbewegte« wird hier pejorativ eingesetzt. Zwischen den Zeilen wird erstmals die moralische Frage an den Leser gestellt: ‘Willst Du in dieser Reihe stehen?’
Interessante und vor allem lebhafte »Sternstunde Philosophie« mit Philipp Tingler und Thomas Macho im Schweizer Fernsehen. Der Moderator Juri Steiner ist zwar gelegentlich etwas konfus (besonders ab Minute 40), aber das stört dann doch kaum. Macho wirft Tingler mehrfach »krude Kulturkritik« vor, weil dieser dem Selfie den Kunststatus abspricht und kein Kontinuum zum Barock-Selbstportrait erkennt. ...
Es ist noch eine der letzten Literatursendungen im deutschen Fernsehen: »Das blaue Sofa«, »von und mit Wolfgang Herles«. Herles befragt Schriftsteller zu ihren Büchern (daher das Sofa, das anfangs sogar zu allen möglichen und unmöglichen Orten – auf Kosten der Gebührenzahler – durch die Weltgeschichte geflogen wurde) und stellt dann noch ein oder zwei Bücher vor.
In der Sendung vom 24.10. auch Stephanie Barts »Deutscher Meister« (ab ca. 19:00). Herles liest einige wenige Zeilen aus dem Buch und lobt dann etwas mehr als eine Minute das Buch inklusive kurzer Nacherzählung des Inhalts. Dabei unterlaufen ihm massive Fehler. So schildert er wie Trollmann zu seinem letzten Kampf »mit blonder Perücke und weiß gepudert« erschien und sich »wehrlos bewußtlos schlagen« ließ, was Herles als »Provokation« bezeichnet.
In diesem Satz sind drei Dinge falsch. Zum einen färbte sich Trollmann die Haare blond und trug keine Perücke (»Deutscher Meister«, Seite 354). Zum anderen verwarf er ausdrücklich den Gedanken, sich mit Kolophonium die Haut weiß zu pudern (Seite 352). Und die »Provokation« bestand nicht darin, sich wehrlos zusammenschlagen zu lassen – das war ausdrücklich von den Nazis so »vorgesehen« und Trollmann durch »spezielle« Regeln oktroyiert worden. Das kommt im Buch ausführlich zur Sprache. Die »Provokation« bestand darin, dass er sich seine schwarzen Haare blond färbte und damit gegen den Rassenwahn der Nazis protestierte. Die Weißfärbung der Haut – in unendlich vielen Anekdoten und auch Filmen über Trollmann stets kolportiert – hat nach Recherchen der Autorin nicht stattgefunden.
So sitzt Herles also Irrtümern auf, die nur den einen Schluß zulassen: Er hat das Buch nicht zu Ende gelesen. (Wie auch Frédéric Schwilden von der Hamburger Morgenpost.)
In Thüringen hat die SPD beschlossen, mit der Linken und den Grünen eine sogenannte Rot-Rot-Grüne Koalition zu verhandeln. Trotz der prozentualen Einbusse von einem Drittel der Wählerstimmen (12,4% statt 18,5%) kam es nämlich auf die SPD an. Sie hätte die Koalition mit der Dauer-Regierungspartei CDU fortsetzen können – oder eben etwas Neues versuchen. Man entschied ...
Im METRO Kinokulturhaus in Wien gibt es derzeit eine interessante Filmschau: »Peter Handke geht ins Kino«. 27 Filme, die Peter Handke ausgesucht hat, werden hier bis Mitte November gezeigt werden. Sofern man die Zettel Handkes lesen kann, sind nicht alle seine Wünsche erfüllt worden, aber sehr viele. Das Panorama der Auswahl ist breit gefächert: Es ...

Zum 25. Gründungsjubiläum der Kunststiftung Nordrhein Westfalen wurde ein Erzählband konzipiert, der, so im Vorwort, zeigen soll, »was das Land Nordrhein-Westfalen an Literatur zu bieten hat«. Herausgekommen ist ein Band mit 29 Erzählungen von Autorinnen und Autoren, die jeweils mit einem Ort in Nordrhein-Westfalen verknüpft sind; einem Geburtsort, Wohnort, Studierort, manchmal auch nur einem Sehnsuchts- und Vergangenheitsort. Geplant sei dies nicht gewesen, so die beiden Herausgeberinnen Bettina Fischer und Dagmar Fretter, aber am Ende seien es mehr als man dachte Heimatgeschichten geworden. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen und der drohenden Vereinnahmung durch den Kitsch entgegenzuwirken wurde wohl der relativierende Titel »Eigentlich Heimat« gefunden.
Was Separatisten wie Wilfried Scharnagl nie einleuchten wird: Bindestrichländer sind nicht trotz sondern wegen ihrer Vielheit, ihrer Heterogenität, interessant. Das wird im vorliegenden Band sehr schön sichtbar, obwohl es mit dem Ruhrgebiet und dem Großraum Köln durchaus Schwerpunkte gibt. Zu Beginn erzählt Jörg Albrecht (»Vor dem Roadmovie«) von den Vorbereitungen zur 30-Jahr-Feier der leicht dystopisch angehauchten »Ruhrstadt« (53 Städte von Camp Lintfort [sic!] bis Hamm haben sich zusammengeschlossen), die im »nächsten Jahr«, hier: 2045, anstehen soll und von der Sehnsucht seiner Bewohner, die Zeit vor dieser Vereinigung, die Zeit des wimmelnden, unorganisierten »Ruhrgebiets«, wieder aufleben zu lassen.