Viel­leicht ein paar Än­de­run­gen?

Die letz­ten Wo­chen ha­ben ge­zeigt: Tex­te, die nicht Buch­be­spre­chun­gen von Neuer­scheinungen sind, wer­den eher kom­men­tiert und dis­ku­tiert als die ei­gent­li­chen »Be­gleit­schrei­ben«.

Der Grund er­scheint mir klar: Die be­spro­che­nen Bü­cher sind fast im­mer Neuer­scheinungen. Be­vor man mei­nen Text kom­men­tiert, müss­te man das Buch ge­le­sen ha­ben – vor al­lem, wenn man wi­der­spre­chen möch­te. Cross­posts, d. h. »Dop­pel­sen­dun­gen« – so­wohl bei »Glanz und Elend« als auch hier – sind je­doch aus tech­ni­schen Grün­den even­tu­ell so­gar pro­ble­ma­tisch, wie ich mir ha­be sa­gen las­sen. Such­ma­schi­nen re­agie­ren hier­auf mit dem schlimm­sten, was sie kön­nen: mit Igno­ranz. Hin­zu kommt, dass ich Cross­posts nicht be­son­ders mag.

Was al­so tun? Mei­ne Idee: Die Buch-Be­gleit­schrei­ben wer­den bei »Glanz und Elend« (oder, in Aus­nah­me­fäl­len, auf ei­ner an­de­ren Platt­form) pu­bli­ziert. (Aus­nah­men be­stä­ti­gen die Re­gel.) Hier im Blog wer­den Es­says, Auf­sät­ze, Po­le­mi­ken, Ta­ge­buch­ein­tra­gun­gen, viel­leicht so­gar Feuil­le­tons und ge­le­gent­lich Fik­tio­na­les ge­po­stet – ei­gent­lich wie bis­her.

Was sagt der Leser/die Le­se­rin da­zu?

Zwei­te Idee: In ei­nem se­pa­ra­ten, auf der Ti­tel­sei­te nicht sicht­ba­ren Res­sort – Ar­beits­ti­tel: »apro­pos« – wer­den von mir ta­ge­buch­ar­tig in mal mehr, mal we­ni­ger aus­führ­li­chen Stel­lung­nah­men ak­tu­el­le Er­eig­nis­se im wei­te­sten Sinn aus dem Be­reich des Feuil­le­tons so­zu­sa­gen ins »Un­rei­ne« ge­po­stet. Kom­men­tar­mög­lich­keit im­mer nur ei­ne be­grenz­te Zeit.

Oder ist das al­les – over­dres­sed?

Wä­re schön, hier­zu auch von de­nen zu hö­ren, die an­son­sten »nur« le­sen… (Bit­te nur hier im Blog; kei­ne Mails.)

35 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. da »glanz und elend« kei­nen rss-/atom-feed an­bie­tet, wür­de ich das mei­ste wahr­schein­lich nicht mehr mit­be­kom­men – und das fän­de ich scha­de (auch wenn ich wenig/nie kom­men­tie­re)

  2. Wird man durch die­ses Hin­weis-/Link­feld eben­so wie bis­her über Buch­be­spre­chun­gen be­nach­rich­tigt? Oder wä­re es mög­lich, die bei Glanz und Elend er­schei­nen­den Re­zen­sio­nen mit in den News­let­ter zu neh­men?

  3. Das mit dem klei­nen »Hin­weis-/Link­feld rechts oben« ver­ste­he ich nicht.
    Glanz und Elend ist ok, aber mein Ein­stieg in Blog­posts ist ein RSS-Feed. Und da ist ein Teaser auf Be­gleit­schrei­ben wie ein Wecker; weiß nicht, ob ich sonst noch halb­wegs re­gel­mä­ßig auf G&E vor­bei­schau­en wer­de.
    Zu Re­zen­sio­nen von Neu­erschei­nun­gen kann ich i.d.R. auch nichts sa­gen / kom­men­tie­ren. Im be­sten Fall ist es ei­ne An­re­gung, den un­ge­le­se­nen Bü­cher­sta­pel zu er­hö­hen.
    Im Au­gen­blick ner­ven mich hek­ti­sche Än­de­run­gen, meist ge­trie­ben durch die Jagd auf zähl­ba­re Le­ser. Z.B. Ent­frem­de ich mich ge­ra­de we­gen des­sen Frag­men­tie­rung vom Per­len­tau­cher. Aber das liegt si­cher an mir, wer­de äl­ter / kon­ser­va­ti­ver.
    Sor­ry für das Ge­stam­mel, aber Sie frag­ten...

  4. Es könn­te gut sein, dass ich die Buch­be­spre­chun­gen dann nicht mehr le­se (an­de­ren geht es viel­leicht eben­so), ein­fach weil ich »Glanz und Elend« sel­ten be­su­che. Ich glau­be auch, dass die Mi­schung »Be­gleit­schrei­ben« aus­macht.

    Bei Sach­bü­chern sind ad hoc Kom­men­ta­re oh­ne Lek­tü­re des Buchs si­cher­lich ein­fa­cher (bei li­te­ra­ri­schem ist die Lek­tü­re ei­gent­lich er­for­der­lich und die hängt na­tür­lich mit Neu­gier­de, In­ter­es­se und Zeit zu­sam­men).

    Ei­ne Mög­lich­keit wä­re die Cross­posts weg­zu­las­sen und man­ches nur mehr auf GuE zu ver­öf­fent­li­chen und an­de­res nach wie vor hier.

    Das Ta­ge­buch (viel­leicht tat­säch­lich als Ta­ge­buch, nicht täg­lich aber von der Form her) wä­re ein Ort der mehr der of­fe­nen Dis­kus­si­on und we­ni­ger dem schon fer­ti­gen Text gel­ten könn­te: War­um nicht?

  5. Ich könn­te ei­ner­seits in »Apro­pos« ei­nen Link zu Glanz und Elend po­sten, an­de­rer­seits oben rechts prak­tisch über »Mach-Wer­ke« ei­nen Link set­zen. Dann gä­be es al­ler­dings kei­ne Alarm­wir­kung. Über Twit­ter wer­den die Be­nach­rich­ti­gun­gen ja wei­ter er­fol­gen.

    Die Sa­che mit RSS ver­steh’ ich, aber was ist, wenn es das Sy­stem viel­leicht bald nicht mehr gibt?

    Ich bin auch in sol­chen Din­gen kon­ser­va­tiv, die Än­de­run­gen im Per­len­tau­cher fin­de ich auch eher ... sub­op­ti­mal. Aber ich bin auch nicht Face­book, die ja prak­tisch al­le sechs Mo­na­te al­les än­dern.

  6. Wenn wir schon da­bei sind: Mit dem Per­len­tau­cher geht es mir ge­nau­so (eher ei­ne In­for­ma­ti­ons­ver­viel­fäl­ti­gung als Bän­di­gung).

  7. Ich wür­de hier sehr gern wei­ter Ih­re bril­lan­ten Re­zen­sio­nen le­sen. Oft ge­nug wa­ren sie mir An­re­gung, ein Buch zu kau­fen oder zu emp­feh­len – und in­ter­es­sant zu le­sen sind sie eh. Es ist ver­ständ­lich, dass die »Ant­wort­lo­sig­keit« bei den Buch­be­spre­chun­gen für Sie et­was un­be­frie­di­gend ist, sie hat ih­re Ur­sa­che aber si­cher wirk­lich dar­in, dass die mei­sten Le­ser das vor­ge­stell­te Buch noch nicht ken­nen. Bei Glanz und Elend le­se ich auch so, aber Ihr Blog ist ir­gend­wie per­sön­li­cher und ge­ra­de auch in der Mi­schung sehr ge­lun­gen. Wenn ich mir et­was wün­schen dürf­te: Ma­chen Sie wei­ter wie bis­her. Viel­leicht könn­ten Sie da­mit le­ben, dass es so we­nig Echo auf die Buch­be­spre­chun­gen gibt? An In­ter­es­se fehlt es je­den­falls rings­um ganz be­stimmt nicht!

  8. Auch ich schät­ze Ih­re Bei­trä­ge sehr und bin auch kein gro­ßer Freund von Mehr­fach-/Cross­posts. In­so­fern ist ei­ne Tren­nung si­cher nicht ver­kehrt, al­ler­dings be­steht auf Sei­ten von G+E das klei­ne Man­ko der feh­len­den Be­nach­rich­ti­gung (RSS, News­let­ter o. ä.). Schaut mal nicht re­gel­mä­ßig auf die Sei­te, über­sieht man auch schnell et­was. Ha­be Herrn De­bes vor­hin ein Mail bzgl. der The­ma­tik ge­schickt.

    An­son­sten bit­te so wei­ter­ma­chen, Ih­re Bei­trä­ge sind wirk­lich sehr le­sens- und emp­feh­lens­wert!

    Be­ste Grü­ße

    1. »Dou­ble con­tent« ist sub­op­ti­mal und ver­wir­rend, nicht nur we­gen Goog­le & Co.

    2. RSS-Feeds, RSS-Re­ader und Leu­te, die bei­des schät­zen, wird es noch in vie­len Jah­ren ge­ben.

    3. Wo dau­er­haft Qua­li­tät ge­bo­ten wird, fin­det sich ein ent­spre­chen­des Pu­bli­kum ein, wel­ches sich mit un­qua­li­fi­zier­ten Äu­ße­run­gen zu­rück­hält. Des­halb blei­ben Be­spre­chun­gen brand­neu­er Bü­cher zwangs­läu­fig oh­ne (sicht­ba­re) Re­so­nanz.

    4. Neue Tricks wie die »un­sicht­ba­re« Ru­brik ver­wir­ren die Leser(innen) eher, zu­mal die ge­le­gent­lich vor­bei­fla­nie­ren­den. »Keep it simp­le and stu­pid«(KISS) soll­te zu­min­dest struk­tu­rell der An­satz sein.

    Fa­zit: Keep calm and car­ry on

  9. Von mir ein »Su­per!« oh­ne Ein­schrän­kun­gen.
    Ha­be die Dop­pel-Ver­öf­fent­li­chung oh­ne­hin für un­nö­tig er­ach­tet.
    Der »ord­nungs­po­li­ti­sche Ge­dan­ke« scheint mir be­son­ders wich­tig. Wir ha­ben schon so viel über die fal­schen Dis­kur­se des Feuil­le­tons dis­ku­tiert. Da­bei schien es aber im­mer so, als wür­den wir ganz ge­nau das­sel­be tun– Bü­cher links lie­gen las­sen, um den Mei­nungs­kampf mög­lichst breit zu ent­fal­ten.
    Sehr sehr gu­te Idee!

  10. Der In­halt ist wich­tig. Der stimmt, egal ob es nun ei­ne Ta­ge­buch­ein­tra­gung oder ei­ne Buch­be­spre­chung ist.
    Ob Blog, Web­sei­te oder Bi­blio­thek: wenn ich weiß, was ich su­che, fin­de ich es auch. Wer­den se­hen ob das in Zu­kunft von Schwarm-In­tel­li­genz ab­ge­löst wird.

  11. Als Blog­ger kann man so­gar eta­blier­te For­men und For­ma­te auf­wei­chen, oh­ne als un­se­ri­ös zu er­schei­nen: Freund Le­xi­ka­li­ker zum Ex­em­pel ist ei­ne welt­weit aner­kannte Ko­ry­phäe in Sa­chen Blei­stif­te, streut aber gleich­wohl im­mer wie­der sehr pri­va­te Din­ge ein (wie bei­spiels­wei­se Fo­tos sei­nes Hun­des). Das schmä­lert sei­nen Ruf in Fach­krei­sen nicht im Min­de­sten, im Ge­gen­teil, es läßt den Au­tor als Persön­lichkeit sehr sym­pa­thisch her­vor­tre­ten. Die mei­sten Leser(innen) mö­gen so­was, so mei­ne ei­ge­ne, nicht im min­de­sten me­tho­disch un­ter­mau­er­ba­re, em­pi­ri­sche Erfah­rung.

    Die heu­te ge­ge­be­nen Fil­ter­mög­lich­kei­ten nach Stich­wor­ten, Ru­bri­ken etc. ma­chen es der Le­ser­schaft ein­fach, selbst in ei­nem vir­tu­el­len Ge­mischtwarenladen die In­halte des ei­ge­nen In­ter­es­ses rasch auf­zu­fin­den. Der­lei ele­men­ta­re Ori­en­tie­­rungs-Fä­hig­kei­ten kann man heut­zu­ta­ge als vor­han­den vor­aus­set­zen, das In­ter­net ist ja nun (für die mei­sten je­den­falls) kein Neu­land mehr...

    Zu­dem: Wer sich den Neid und die Ab­leh­nung der eta­blier­ten Deutungshoheits­beansprucher zu­ge­zo­gen hat, wird auch durch noch so stren­ge Form­wa­h­rung nicht in de­ren Ach­tung stei­gen. Heißt für mich im Um­kehr­schluß, daß man gleich drauf pfei­fen kann und sich kei­ner­lei Be­schrän­kun­gen auf­er­le­gen muß, so­lan­ge man im Rah­men des Er­laub­ten bleibt und die Qua­li­tät stimmt: Ge­le­gent­li­che Couch­fo­tos von Gre­gor Keu­sch­nigs schnur­ren­der Mie­ze­kat­ze wür­den mei­nes Er­ach­tens dem Ni­veau sei­nes li­te­ra­ri­schen Sa­lons in kei­ner Wei­se ab­träg­lich sein. Wenn er denn über­haupt ei­nen Stu­ben­ti­ger hat... ;-)

  12. Mir ge­fällt Be­gleit­schrei­ben sehr gut wie es ge­ra­de ist. Ich kann aber auch nach­voll­zie­hen, dass die Stil­le un­ter den mei­sten Buch-Kri­ti­ken un­be­frie­di­gend ist. Den­ke aber auch: Das spricht für die Le­se­rin­nen­schaft, das man hier nicht ein­fach über un­ge­le­se­ne Bü­cher rein­quakt. Al­so, was tun?
    Auf ei­ni­gen US­ame­ri­ka­ni­schen und UK-Blogs, die ich ger­ne le­se, ver­su­chen sie das Mo­dell »Le­se­grup­pe«. Das Buch wird ein, zwei Wo­chen vor­her an­ge­kün­digt – mit ei­ner in­for­ma­ti­ven Vor­stel­lun­gen und der Be­grün­dung, war­um der Blog­ger da­zu Mei­nun­gen, AN­mer­kun­gen, Kri­ti­ken von sei­nen Le­se­rin­nen ha­ebn möch­te. Je nach Um­fang und Art des Bu­ches wird dann nach der al­len ein­ge­räum­ten Le­se­zeit ka­pi­tel­wei­se oder im Gan­zen über das Buch dis­ku­tiert. Das funk­tio­niert sehr gut bei wis­sen­schaft­li­cher Li­te­ra­tur / Sach­li­te­ra­tur, bei Ro­ma­nen mal mehr, mal we­ni­ger. Viel­leicht könn­te man das mal aus­pro­bie­ren? Was auch im­mer Sie ma­chen, Gre­gor Keu­sch­nig, ich wer­de wei­ter da­bei sein.

  13. @Gregor Keu­sch­nig

    Das be­ru­higt. Ich kom­me näm­lich wahr­schein­lich erst in der Nacht zur Sor­tie­rung und Aus­for­mu­lie­rung.

  14. Die Ein­be­zie­hung der Le­se­rIn­nen­schaft in Form von Le­serun­den funk­tio­niert m.E. nur bei Sach­bü­chern und Bel­le­tri­stik: Da fin­det sich am ehe­sten ein hin­rei­chend gro­ßer Kreis an In­ter­es­sier­ten. Je in­tel­lek­tu­el­ler und spe­zi­el­ler die Sa­che wird, de­sto ge­rin­ger wird die Re­so­nanz aus­fal­len, denn wer nicht mit­hal­ten zu kön­nen meint, wird sich zu­rück­hal­ten aus Angst vor ei­ner mög­li­chen Bla­ma­ge...

    Ähn­li­ches ist zu be­ob­ach­ten im von mir über­wie­gend le­send fre­quen­tier­ten Ca­pric­cio Kul­tur­fo­rum: Da gibt es ei­nen Thread na­mens »Wie­so schrei­ben die Neu­mit­glie­der so we­nig?« (Ver­lin­kung zweck­los, da im in­ter­nen Be­reich nur an­ge­mel­de­ten Mit­glie­dern zu­gäng­lich). Dort be­ken­nen ei­ni­ge Mi­glie­der frei­mü­tig, den oft auf höch­sten Ni­veau (z.B. von Pro­fi-Mu­si­kern) ge­führ­ten Dis­kus­sio­nen mit Ge­winn zu fol­gen, aber nicht wirk­lich Sub­stan­ti­el­les bei­tra­gen zu kön­nen und sich des­halb eben nicht zu äu­ßern.

    Schließ­lich muß dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, daß jeg­li­che Ein­be­zie­hung des Publi­kums über die Kom­men­tier­mög­lich­keit hin­aus er­heb­li­chen Mehr­auf­wand an Zeit (und wo­mög­lich auch Ner­ven) mit sich bringt. Ob das loh­nens- und er­stre­bens­wert er­scheint, will wohl ab­ge­wo­gen sein...

  15. Ich muss­te erst nach­schla­gen, was Cross­po­sting über­haupt ist. Wenn du den Ar­ti­kel eh ge­schrie­ben hast, dann kannst du ihn auch an al­len Stel­len ver­öf­fent­li­chen, wo du ak­tiv bist. Mir wä­ren an dei­ner Stel­le die Al­go­rith­men von Such­ma­schi­nen pie­pe­gal, er­stens kön­nen die sich än­dern und zwei­tens zählt für die SM wahr­schein­lich mehr die Zahl der Ver­lin­kun­gen als al­les an­de­re.

  16. Zu­min­dest die all­fäl­li­gen Sinn­kri­sen ei­nes Künst­lers sind Ih­nen schon ei­gen, Herr Keu­sch­nig. Viel­leicht wan­dern Sie da­zu pas­send doch häu­fi­ger in schrift­stel­le­ri­sche Ge­fil­de?
    Ich bit­te um Ent­schul­di­gung, wenn mein Ver­such ei­nes iro­ni­schen Ein­stiegs in die The­ma­tik miß­rät. Doch ha­ben Sie ei­ne weit­ge­hend wohl­erzo­ge­ne, dis­zi­pli­nier­te, an­spruchs­vol­le, em­pa­thi­sche und vor al­lem gei­stig an­spruchs­vol­le Le­ser­schaft. Und Sie neh­men die­se Tat­sa­che her, um sie ge­gen sich und Ih­re Le­ser­schaft zu wen­den. Ich ge­be zu, das nervt, weil un­re­gel­mä­ßig, aber zu­ver­läs­sig wie­der­keh­rend. Manch­mal ge­lingt es mir bes­ser, die­sem – ich nen­ne es jetzt hilfs­wei­se so – Phä­no­men Ih­ren ei­ge­nen Charme zu­zu­den­ken. Dann wie­der hal­te ich es für Ko­ket­te­rie, ob­wohl ich weiß, daß es zu­min­dest nicht als sol­che ge­meint ist.
    Was hin­dert Sie nun dar­an, die an­dern­orts pu­bli­zier­ten Bei­trä­ge hier per Teaser be­kannt­zu­ge­ben? E‑­Mail-Abon­nen­ten, Feed-Abon­nen­ten, re­gel­mä­ßi­ge, un­re­gel­mä­ßi­ge und zu­fäl­li­ge Be­su­cher Ih­rer Sei­te be­kä­men wei­ter­hin gleich­be­rech­tig­ten Zu­griff auf Ih­re Buch­re­zen­sio­nen und bei Be­darf Kom­men­tar­mög­lich­kei­ten hier. Gibt es da auch ein Goog­le-Ver­bot?
    Und was soll die­ser Un­sinn, ei­ne ge­hei­me Ka­te­go­rie ein­füh­ren zu wol­len? Mich är­gern sol­che Ge­dan­ken­spie­le Ih­rer­seits. Und die Ar­gu­men­ta­ti­ons­fo­lie ist wirk­lich dünn: Das Dik­tat des Finanz‑, Monopol‑, Suchmaschinen‑, su­chen Sie sich was aus, Ka­pi­ta­li­sten. Dem man sich na­tür­lich nur un­ter­wer­fen kann. Der Ha­des ist nah, kein Zwei­fel, wir brau­chen ei­ne Ge­heim­ka­te­go­rie. Gleich ei­ne Ge­heim­ge­sell­schaft am be­sten.
    Bei Glanz & Elend je­den­falls gibt es nun gar kei­ne Kom­men­tar­mög­lich­keit. Und auf Feeds und E‑­Mail-Abon­ne­ments, ei­ne der be­sten Mög­lich­kei­ten, die Ein­fluß­sphä­re ge­nau die­ses Ka­pi­ta­li­sten et­was klei­ner zu hal­ten, ver­zich­tet man dort auch groß­zü­gig. Für Web­sei­ten­pro­gram­mie­rer wä­re das ein Klacks, letz­te­res ein­zu­rich­ten. Und we­nig­stens die RSS- oder Atom-Feeds sind auch in der Traf­fic­ver­ur­sa­chung im Ge­samt­ver­hält­nis ver­nach­läs­sig­bar.

    Noch kurz zu den Grün­den, war­um ich die Re­zen­sio­nen nicht kom­men­tie­re.

    1. Fi­nan­zi­ell.
    Mein Bud­get ist be­schei­den, ich muß auch schmerz­haf­te Prio­ri­tä­ten set­zen. Die­se auf­wei­chen­de Aus­nah­men blei­ben ge­nau das: Aus­nah­men. Sel­ten.
    Und dann greift, was be­reits an­de­re hier vor mir aus­ge­führt ha­ben, ich hal­te mei­ne Grif­fel still, weil sonst nur Dumm­fug und All­ge­mein­plät­ze die­sen ent­flö­ssen.

    2. Zeit­lich
    Selbst wenn er­ste­res nicht göl­te, nut­ze ich die mir ver­blei­ben­de freie Zeit über­wie­gend für Gei­stes­fut­ter, das sich mit po­li­ti­schen und ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Fra­ge­stel­lun­gen aus­ein­an­der­setzt. Es han­delt sich um ei­ne per­sön­li­che In­ter­es­sens­ab­wä­gung. Die Re­zen­sio­nen hier sind da­zu ein be­wußt ge­wähl­ter Kon­tra­punkt, ei­ne »Ge­gen­welt«, um nicht gänz­lich gei­stig zu ver­stau­ben.

    3. Ihr Hand­ke
    Mit dem kann ich ein­fach nichts an­fan­gen. Da Sie die­sen nun be­son­ders lie­ben, bleibt mir auch da nur Schwei­gen.

    Im üb­ri­gen hat Herr Sten­zel al­les mir zum The­ma er­for­der­lich schei­nen­de ge­sagt.

  17. @ Pe­ter Vieh­rig
    Ra­te drin­gend zu ei­ner Re­fle­xi­on über Sinn und Un­sinn von Psy­cho­lo­gis­men 3. Gra­des. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on wird da­durch voll­kom­men ver­kün­stelt. Es han­delt sich um den ver­bit­ter­ten Ver­such, die an­ge­spro­che­ne Per­son, das DU resp. SIE, für tot, für be­lang­los zu er­klä­ren.
    Bei­spiel:
    »Dann wie­der hal­te ich es für Ko­ket­te­rie, ob­wohl ich weiß, daß es zu­min­dest nicht als sol­che ge­meint ist.«
    Bit­te sa­gen Sie nicht, dass Sie sich mit Schrift­stel­le­rei be­fas­sen...

  18. Vie­len Dank für die bis­her ein­ge­gan­gen Kom­men­ta­re.

    Dass es bei den Be­spre­chun­gen zu Buch­neu­erschei­nun­gen kaum Kom­men­ta­re gibt, be­trach­te ich nicht un­be­dingt als Ma­kel. Ich kon­sta­tier­te dies nur. Tat­säch­lich kann es ja auch ge­bo­te­ne Zu­rück­hal­tung sein. Das ist in Ord­nung. Aber die Tex­te zu den neu­en Bü­chern brin­gen viel­leicht ei­ne Fre­quenz in die­sen Blog – spe­zi­ell auf der Ti­tel­sei­te -, wel­che die Mu­ße für an­de­re Bei­trä­ge stört. Da­her die Über­le­gung ei­ner Ent­zer­rung.

    Dass man ei­ne Web­sei­te, die be­wusst kei­nen RSS-Feed oder gar News­let­ter vor­zu­wei­sen hat (Hand aufs Herz: Wer liest denn die News­let­ter noch, die man so be­kommt?), per se als nicht sa­tis­fak­ti­ons­fä­hig be­trach­tet, fin­de ich ir­gend­wie merk­wür­dig. Ist es so schwer, die Sei­te sel­ber ir­gend­wo ab­zu­spei­chern? Oder auf Twit­ter-Hin­wei­se zu re­agie­ren? (Wo­bei ich ver­ste­he, dass man das auch nicht möch­te: meh­re­re Me­di­en her­an­zie­hen müs­sen.) Wer hier ei­nen Teaser for­dert, ver­kennt, dass das al­les Zeit ko­stet. MEINE Zeit.

    Und, um es mal deut­lich zu sa­gen: Ich bin sehr wohl da­für, dass man Le­ser auch mal ver­wir­ren darf. Oder, um es an­ders zu nen­nen, »for­dern«. Muss al­les auf dem Prä­sen­tier­tel­ler lie­gen? Nein. Ich bin kein kom­mer­zi­el­les An­ge­bot, dass stän­dig be­müht sein muss, den Ge­wohn­hei­ten po­ten­ti­el­ler Re­zi­pi­en­ten hin­ter­her zu lau­fen. Ich muss das nicht ma­chen. Hier­in liegt – mei­nes Er­ach­tens – al­ler­dings auch ei­ne Chan­ce.

    Geht es noch et­was deut­li­cher? Ja. Ins­be­son­de­re der im Kom­men­tar von Herrn Vieh­rig nicht zu ver­nach­läs­si­gen­de For­de­rungs-Duk­tus mit al­ler­lei Gar­nie­run­gen stört mich. Dass es Herrn Vieh­rig nervt, dass ich ge­le­gent­lich Kom­men­ta­re er­bit­te, muss ich hin­neh­men. Es in­ter­es­siert mich im üb­ri­gen über­haupt nicht, was ihn nervt. Den Hin­weis dar­auf, dass ich bes­ser Pro­sa schrei­ben soll­te, be­trach­te ich al­ler­dings als ei­ne Frech­heit; im­mer­hin hat er aber, im Ge­gen­satz zu an­de­ren Schul­ter­klop­fern, das Buch ge­kauft (neh­me ich we­nig­stens an). Ich schrei­be nie­man­dem vor, was er/sie zu schrei­ben hat. Und das glei­che er­war­te ich auch.

    Es ist auch kein »Un­sinn«, ein Res­sort zu im­ple­men­tie­ren, des­sen Tex­te nicht auf der Ti­tel­sei­te er­schei­nen. Das ist gän­gi­ge Pra­xis bspw. in Zei­tun­gen, wo es auch meh­re­re Sei­ten gibt. Wem das be­reits zu­viel ist oder gar fin­ste­re Mäch­te wit­tert, dem ist nicht zu hel­fen. Ich möch­te – sie­he oben – die Fre­quenz der Bei­trä­ge auf der Ti­tel­sei­te ver­lang­sa­men. Und das wer­de ich tun.

    Dass sich (ver­meint­li­che) Qua­li­tät durch­setzt, glau­be ich zwar im­mer noch. Aber es blie­be zu de­fi­nie­ren, was »durch­set­zen« be­deu­tet. Ich ha­be über feed­ly und die Mail­be­nach­rich­tun­gen ei­ne ins­ge­samt an­schei­nend si­che­re Le­ser­schar von rd. 120 Per­so­nen. (Ge­ra­de ka­men zwei Mails zu­rück – der Ser­ver der Le­ser ist voll; ich wer­de sie al­so lö­schen.) Er­fah­rungs­ge­mäss weiss ich, dass ich auch mei­ne eher we­ni­gen Feeds (rd. 50 – in­klu­si­ve Ra­dio­pod­casts) nicht durch­gän­gig le­se und hö­re, son­dern se­lek­tiv vor­ge­he. Ähn­li­ches wird mit mir ge­macht wer­den – was auch voll­kom­men in Ord­nung ist. So gibt es in den letz­ten Mo­na­ten ei­ne über­schau­ba­re Men­ge re­gel­mä­ssi­ger Kom­men­ta­to­ren. Das Ni­veau ist – man mö­ge mich kor­ri­gie­ren – fast im­mer weit hö­her als in so manch an­de­ren Blogs. Das ist sehr gut (und nicht mein Ver­dienst).

    Aber die Dis­kre­panz zwi­schen an­geb­li­cher Le­ser­schaft und der Re­so­nanz klafft aus­ein­an­der. Das ist ja nicht nur in mei­nem Blog so. An­de­re ha­ben hun­der­te, gar tau­sen­de von feed­ly-Le­sern. Aber wie­vie­le kom­men­tie­ren dort? Bruch­tei­le. Ei­ne Web­sei­te warb mit mehr als 10000 News­let­ter-Abon­nen­ten. Wenn aber ein Bei­trag von mir dort ver­linkt war, er­hal­te ich zwi­schen 5 und – in den letz­ten Jah­ren das Ma­xi­mum – 200 »Klicks«; im Schnitt 40–60. (Wo­bei: »Klick« be­deu­tet ja nicht, dass es bis zu Schluss ge­le­sen wird.) Es ist ein­fach so: Es gibt zu viel An­ge­bot; der in­ter­es­sier­te Le­ser er­stickt in Links, Tex­ten, Ar­ti­kel, Es­says. Es müs­sen Prio­ri­tä­ten ge­setzt wer­den. Von je­dem. Da­mit geht es al­so längst nicht mehr dar­um, mög­lichst vie­le Le­ser zu er­rei­chen. Es geht ei­gent­lich nur dar­um, ei­ne be­stimm­te Le­ser­kli­en­tel auf ei­nen Text, ei­nen Es­say, ei­ne Ta­ge­buch­no­tiz auf­merk­sam zu ma­chen. Es geht nur noch um die­se Kli­en­tel, die in Deutsch­land viel­leicht 1000 Leu­te, die an ei­nen Text über Bo­tho Strauß, den (ver­meint­li­chen) Zu­stand der Li­te­ra­tur­kri­tik, das Mehr­heits­wahl­recht oder ei­nen Hin­weis auf den Schwei­zer »Li­te­ra­tur­club« in­ter­es­siert sind. Von den 1000 In­ter­es­sen­ten möch­te ich für ei­nen Text viel­leicht 10% er­rei­chen. Dar­um geht es. Da­für gibt es im üb­ri­gen Such­ma­schi­nen. Die brauch ich, weil ich die­se Le­ser – ne­ben den Stamm­le­sern – er­rei­chen will. Das hat mit Ka­pi­tal rein gar nix zu tun. Das ist kom­plet­ter Blöd­sinn.

    Ein Blog wie die­ser hier wird ein Ni­schen­pro­dukt blei­ben. Da­bei steht nicht fest, ob die­se »Ni­sche« ei­ne Aus­zeich­nung ist oder ein­fach nur Aus­druck des Exo­ti­schen. Neu­lich schrieb mir ei­ner auf ei­nen Face­book-Kom­men­tar mei­ner­seits ge­gen Diek­mann, die­ser (Diek­mann) hät­te we­nig­stens Er­folg – und frag­te mich, ob ich auch Er­folg hät­te. »Er­folg« wird hier pe­ku­ni­är und quan­ti­ta­tiv be­ur­teilt. Die Fal­le ist, zu glau­ben, dass Ni­sche per se »Qua­li­tät« be­deu­tet. Das ist nicht zwangs­läu­fig so. Man­che glau­ben dies aber. Ich nicht. Da­her fra­ge ich ge­le­gent­lich nach – bspw. wel­cher Bei­trag aus dem letz­ten Jahr ge­fal­len hat.

    Ein Wort zu den Le­serun­den. Der Vor­schlag ist in­ter­es­sant und ich hat­te schon sel­ber an­satz­wei­se mal die Idee. An Le­serun­den, die von Ver­la­gen or­ga­ni­siert wer­den, ha­be ich mich bis­her nie be­tei­ligt. Mei­ne Ab­sa­ge hat­te im­mer ei­nen Grund: Ich kann nicht in Häpp­chen le­sen und mich dann da­zu äu­ssern. So soll­te das näm­lich aus­se­hen. Ich muss mei­nen Rhyth­mus sel­ber fin­den. Der Vor­schlag, man be­spre­che das gan­ze Buch, ist in­ter­es­sant. Aber hier ist ein an­de­rer Pfer­de­fuss: Die Le­ser müss­ten sich das Buch auch kau­fen. Da es sich um Neu­erschei­nun­gen han­delt, sind es meist ge­bun­de­ne Bü­cher. Ei­nen Ver­lag an­zu­schnor­ren, Le­se­ex­em­pla­re zur Ver­fü­gung zu stel­len – das wä­re mir zu un­ter­wür­fig. So ganz bin ich mit der Sa­che noch nicht durch, aber es stel­len sich ein­fach zu vie­le Hür­den auf. (Ein an­de­rer Vor­schlag ei­nes Le­sers von vor ei­ni­gen Jah­ren: Be­spre­chung von Klas­si­kern. Das wä­re ei­ne Al­ter­na­ti­ve.)

    So, das zu­nächst ein­mal (ei­ni­ges im Zorn).

  19. @die_kalte_Sophie

    Ih­re An­mer­kung ver­ste­he ich nicht. Um si­cher zu sein, ha­be ich noch­mal »nach­ge­schla­gen«, was mir beim Ver­ständ­nis eben­so­we­nig half. Ich er­klä­re nie­man­den hier für be­lang­los, Herrn Keu­sch­nig schon gar nicht. Ich be­daue­re je­doch, die­sen Ein­druck zu er­wecken.

    Bit­te sa­gen Sie nicht, dass Sie sich mit Schrift­stel­le­rei be­fas­sen…

    Wenn es denn hilft, ich sa­ge es nicht.

    @Gregor Keu­sch­nig

    Den Hin­weis dar­auf, dass ich bes­ser Pro­sa schrei­ben soll­te, be­trach­te ich al­ler­dings als ei­ne Frech­heit;

    Das war so nicht ge­meint. Es tut mir leid, daß es bei Ih­nen so an­kam. Ent­schul­di­gen Sie bit­te.

    im­mer­hin hat er aber, im Ge­gen­satz zu an­de­ren Schul­ter­klop­fern, das Buch ge­kauft (neh­me ich we­nig­stens an).

    Hat er. Und er fin­det es noch im­mer groß­ar­tig.

    Ich schrei­be nie­man­dem vor, was er/sie zu schrei­ben hat. Und das glei­che er­war­te ich auch.

    Ich wie­der­ho­le mich, trotz­dem: Ich woll­te nichts vor­schrei­ben, noch nicht mal an­re­gen.
    Zum üb­ri­gen spä­ter.

  20. Dass Sie sich Feed­back er­bit­ten spricht wei­ter für die Of­fen­heit die­ser Platt­form und dass da­nach fra­gen was zu tun sei, um mehr Kom­men­ta­re zu er­hal­ten, scheint mir sehr ver­ständ­lich – so wie der Ap­plaus das Brot des Künst­lers sei, so sind es in Blogs nun ein­mal die Kom­men­ta­re.

    War­um ich so we­nig kom­men­tie­re? Zu­al­ler­erst ist das für mich ih­re Schlag­zahl. Auch wenn die fürs Di­gi­ta­le viel­leicht noch mo­de­rat ist, für mich ist das zu­viel. Un­ge­fähr je­de oder je­de zwei­te Wo­che ei­nen Ro­man? Da kann ich mich wirk­lich nur zu de­nen äu­ßern, zu de­nen ich auch mei­ne, et­was zu sa­gen zu ha­ben.. und auch dann geht es an ei­nem Lang­sam­schrei­ber wie mir manch­mal vor­bei, weil mei­ne Frau sich wie­der be­schwert, dass ich vor der ol­len Ki­ste hän­ge und wie­der stun­den­lang für so blö­de Kom­men­ta­re brau­che. Dar­an lässt sich von Ih­rer Sei­te lei­der nix än­dern.

    Zu dem was Sie än­dern könn­ten, aber viel­leicht nicht soll­ten, han­delt es sich doch viel­leicht um Chi­mä­ren oder per­sön­li­che Idio­syn­kra­si­en: Ich hat­te den Ein­druck, dass sich Ih­re Re­zen­sio­nen im letz­ten Jahr et­was ge­än­dert ha­ben: So fehl­ten mir manch­mal, dar­in fand ich Sie im Ge­gen­satz zum Feuil­le­ton sonst so stark, die kno­chen­trocke, de­tail­ver­ses­se­ne Be­grün­di­gung für ein Ur­teil. Vllt. ist das so va­ge, dass es auch wie­der ge­gen mich ge­wen­det wer­den kann, aber z.B. wet­tern Sie ger­ne ge­gen die­se Schreib­schul­schrei­ber oder lo­ben et­was, weil es ge­ra­de nicht die Cha­rak­te­ri­sti­ka ei­nes Schreib­schul­schrift­werks ha­be. Mir ist das et­was ab­strakt... und müss­te man emp­find­sa­men Dop­pel­na­men­schrei­be­rin­nen und Pro­fes­so­ren­söhn­chen dann nicht auch in die­se Ki­ste der Ver­fem­ten mit auf­neh­men. (Ei­ne an­de­re Idio­syn­kra­sie be­trifft das Wort »lu­zi­de«, wel­che auf mcih schon ab­schrecken­de Wir­kung aus­übt.)

    Ich bin nicht so gut im Schul­ter­klop­fen und Sie wahr­schein­lich auch nicht der selbst­zu­frie­de­ne Emp­fän­ger, ich hof­fe Sie le­sen statt­des­sen das rich­ti­ge aus die­ser, na­ja, Kri­tik.

  21. Ein biss­chen bin ich jetzt ir­ri­tiert, auch wenn ich das oft auch mal läh­men­de Ge­fühl der Ant­wort­lo­sig­keit nach der Ar­beit und dem Po­sting gut nach­voll­zie­hen kann. Aber was ist denn das Kern­ge­schäft von Be­gleit­schrei­ben? Doch wohl die nach-er­zäh­len­de, die kennt­nis­rei­che, sich auf das Buch ein­las­sen­de, auch mal un­ge­wöhn­lich aus­führ­li­che, sich um al­le an­fal­len­den As­pek­te plus Aus­ge­wo­gen­heit be­mü­hen­de li­te­ra­ri­sche Kri­tik. Viel­leicht bin ich ja da et­was ko­misch, aber ich le­se das ganz ger­ne, auch oh­ne das Buch zu ken­nen, so­gar wenn ich dann gar nicht vor­ha­be, es zu le­sen – es wird mir doch vor-ge­stellt. Die Kri­tik als sol­che (der Nie­der­schlag ei­ner den­ke­ri­schen Ar­beit) kann ein Le­se­ge­winn sein. Und wo gibt es das sonst?

    (Rad­datz auf G+E hat­te ich mir in klei­ner Schrift aus­ge­druckt – es wa­ren über drei Sei­ten -, und am näch­sten Tag mit je­man­dem dar­über ge­spro­chen. Klar, das er­fährt der­je­ni­ge, der sich die Ar­beit ge­macht hat, üb­li­cher­wei­se nicht, aber er muss ja doch an das Gu­te sei­ner Mü­he glau­ben, denn sonst un­ter­näh­me er sie nicht.)

    Das wä­re al­so für mich das wich­tig­ste Al­lein­stel­lungs­merk­mal von Be­gleit­schrei­ben. Und das sä­he ich doch un­gern ver­än­dert.

     

    Noch zu Phor­kyas / Vieh­rig: Je­der Blog­ger / Schrei­ber muss auf sei­ner Platt­form ja doch auch als Per­sön­lich­keit deut­lich wer­den, und auch wenn man nicht mit al­lem ein­ver­stan­den sein kann (und ja auch nicht muss), ge­hört das, glau­be ich, da­zu. Ei­ne Kon­tur. Ein Ton.

    An­son­sten liest man ja be­que­m­er­wei­se all­zu oft dort, wo man schon ein­ver­stan­den ist und sich be­stä­tigt füh­len kann – und es fehlt ei­nem ein Mo­ment an Wi­der­spruch. Aber nicht nur in­di­vi­du­el­le Stär­ken ge­hö­ren zu ei­ner Stim­me, son­dern, glau­be ich, auch die je per­sön­li­chen Un­leid­lich­kei­ten. Will sa­gen: Ge­äu­ßer­te Ab­nei­gun­gen und ei­ne ge­wis­se Schär­fe im Ur­teil, sind Tei­le der Deut­lich­keit des­sen, was mit­ge­teilt wird. Auch dass man sich in dem wei­te­ren Um­feld der The­men / Feuil­le­ton schon be­wegt hat, soll­te man ru­hig mer­ken kön­nen: Sie sind als ein­ge­flos­se­ne Be­ob­ach­tung 2. Ord­nung zu­sätz­lich „In­for­ma­ti­on“ wie An­lass wie­der­um für den ei­ge­nen Re­flex.

     

    Zum Schluss: Die hier ein­mal „Frag­men­tie­rung“ ge­nann­te Ver­än­de­rung beim Per­len­tau­cher ge­fällt mir eher gut: Ich kann auch gleich Ru­bri­ken über­le­sen.

    Falls es aber mal zu­sätz­lich „Gen­re“, Schwer­punk­te, The­men­krei­se auf Be­gleit­schrei­ben gä­be, fän­de ich das als Ver­such erst mal gut. Ich er­in­ne­re mich an den Be­richt vom Be­such ei­ner Beuys-Aus­stel­lung – hat­te mir gut ge­fal­len. Oder wie wä­re es mal mit „dem Ge­ruch“ ei­nes Films, ei­ner Film­kri­tik? Es wür­de, als un­ge­wohnt, zwar wo­mög­lich auch das erst ein­mal Tei­le der Le­ser­schaft frag­men­tie­ren, bräch­te aber auch viel­leicht neue Le­ser und de­ren Par­ti­zi­pa­ti­on su­chen­des Wis­sen hin­ein? Es ent­schie­de sich so oder so wie­der an ei­ner Sa­che von Qua­li­tät.

  22. @Phorkyas
    Ja, die Schlag­zahl ist’s. Ge­nau! Das ist das Wort. Ich kann ja nicht ver­lan­gen, dass al­le mein Pen­sum mit­ma­chen (wenn auch nur kon­su­mie­rend).

    In­ter­es­sant der Hin­weis, die Kri­tik, auf das zu­wei­len sich er­eig­nen­de Feh­len ei­ner »knochentrocke[nen], detailversessene[n] Be­grün­di­gung für ein Ur­teil«. Ich will nicht den Al­ler­welts­ein­wand nen­nen: Das ist Ab­sicht. Es wä­re nur die hal­be Wahr­heit; im­mer­hin: die Hälf­te. Ge­le­gent­lich hör­te ich, mei­ne Tex­te sei­en so, dass man das Buch nicht mehr le­sen brau­che. Das ist nun ex­akt das, was ich nicht möch­te. Wenn ein de­tail­lier­tes Ur­teil aus­bleibt, so auch um ei­ne Rück­fra­ge – oder, idea­ler­wei­se – ei­nen sub­stan­ti­el­len (!) Wi­der­spruch zu er­hal­ten. Und letzt­lich kann in der nicht im­mer ge­währ­ten Aus­führ­lich­keit auch ei­ne Ab­sicht stecken.

    (Nach »Dschi­had« nun »lu­zi­de«. Man soll­te, könn­te, müss­te(?) ei­ne Ru­brik der idio­syn­kra­ti­schen Wör­ter ein­rich­ten. Kur­ze Be­grün­dung, nicht mehr als zehn, ma­xi­mal 15 Zei­len. Was mei­nen Sie?)

    @en-passant
    Sie se­hen al­so die »Kern­kom­pe­tenz« die­ses Blogs in der Buch­be­spre­chung. Das ist tat­säch­lich für mich ei­ne ver­blüf­fen­de Er­kennt­nis. Nicht, weil es so ab­we­gig ist, son­dern weil es mir an­schei­nend so ab­we­gig wur­de. Dar­über muss ich nach­den­ken.

    Zu Film / Aus­stel­lung: Sehr, sehr gern. Aber: Wann soll ich das ma­chen? Oder, bes­ser: Wo fin­den sich Au­toren? Sie müs­sen mir ja auch »zu­sa­gen«. Ich bin – shame on me – kein Ki­no­gän­ger. Mit Mo­der­ner Kunst kann ich we­nig an­fan­gen; ich bin ir­gend­wann bei Beuys ste­hen­ge­blie­ben. Fast al­les was da­nach kommt fin­de ich über­wie­gend läp­pisch. Nichts­de­sto­trotz...

    (PS: Den Rad­datz gibts hier als pdf.)

  23. Sie be­fin­den sich in ei­nem un­auf­lös­ba­ren Wi­der­spruch: Ihr Blog ist an­zie­hend für nach­denk­li­che und dis­kre­te Men­schen, die gern le­sen und schwei­gen. Die­se Leu­te le­sen gern Sa­chen, die nach dem Le­sen nicht er­lö­schen, son­dern in ih­nen zum Le­ben kom­men. Des­halb le­sen sie Be­gleit­schrei­ben.

    Und was ist an grö­ße­ren Men­gen von Kom­men­ta­ren so an­zie­hend? Die er­sten fünf sind mei­stens mit der Sa­che be­schäf­tigt und recht gründ­lich. Bald aber fühlt sich der er­ste miss­ver­stan­den und muss auf je­man­den ant­wor­ten, wor­auf­hin der An­ge­spro­che­ne sich wie­der­um miss­ver­stan­den fühlt. Der Kom­men­tarle­ser be­ginnt zu lei­den und fragt sich, in wel­cher Kü­che er hier sitzt, und ob die Ge­trän­ke, die auf dem Tisch ste­hen, wirk­lich gut sind.

    Die Ge­trän­ke sind gut!

  24. »Und was ist an grö­ße­ren Men­gen von Kom­men­ta­ren so an­zie­hend?«

    Man un­ter­schät­ze nicht den Wert, den Kom­men­ta­re für ei­nen Au­tor, der ei­ni­ge Ar­beit auf ei­ne Be­spre­chung oder ei­nen Es­say ver­wandt hat, be­sit­zen: Er­stens ge­ben sie ei­nen Teil der Mü­he zu­rück, sind al­so: Wert­schät­zung. Und zwei­tens er­wei­tern sie den Ho­ri­zont des Au­tors, brin­gen neue Ge­dan­ken und Über­le­gun­gen mit: Man lernt von ein­an­der. — Die Kom­men­ta­re ma­chen aus dem Ein­sei­ti­gen et­was Ge­mein­sa­mes, Ge­teil­tes.

  25. Zu den Le­se­grup­pen / ‑run­den:
    Nein, nein, kei­ne Ver­la­ge an­schnor­ren. Und ja, kau­fen ist ein Pro­blem, das ha­be ich als je­mand, dem es im­mer noch gut mög­lich ist, auch Hard­co­ver-Bü­cher zu kau­fen, nicht be­dacht. Die Le­se­grup­pen, in de­nen ich bis­her mit­ge­macht ha­be, ha­ben ent­we­der Sach­bü­cher ge­le­sen, die schon in Bi­blio­the­ken vor­han­den wa­ren oder als Ta­schen­buch er­hält­lich wa­ren, oder Ro­ma­ne, die es schon als Ta­schen­buch oder Fo­lio gab. Bei den Sach­bü­chern spiel­te das Zu­sam­men­tra­gen un­ter­schied­li­cher fach­li­cher Kom­pe­ten­zen und Le­bens­er­fah­run­gen zum The­ma des Bu­ches ei­ne wich­ti­ge Rol­le – und wie man von dem Buch aus wei­ter­denkt. Und na­tür­lich die Dis­kus­si­on kon­tro­ver­ser The­sen (das v.a. bei Gra­e­bers Schul­den. Die er­sten 5.000 Jah­re). Ro­ma­ne ha­ben wir ka­pi­tel­wei­se ge­le­sen, das war gar nicht so schlecht, was ver­mut­lich auch et­was da­mit zu tun hat­te, dass die an­gel­säch­si­sche Buch- und aka­de­mi­sche Kul­tur das schon lan­ge als For­mat kennt und Leu­te mit Col­le­ge-Ab­schluss dar­in ge­übt sind. Aber nach al­lem, was ich so mit­be­kom­men ha­be, ist das für die Mo­de­ra­to­ren / den Mo­de­ra­tor und Dis­kus­si­ons­lei­ter ein recht auf­wän­di­ges Ge­schäft.
    Viel­leicht ge­nügt es schon, ein­fach ein, zwei Wo­chen, be­vor Sie ei­ne Re­zen­si­on / Kri­tik po­sten, auf das Buch hin­zu­wei­sen und was Sie dar­an in­ter­es­siert / stört / be­gei­stert / rat­los zu­rück­lässt? Wer sich dann an­ge­spro­chen fühlt, liest sich ein oder kann sich we­nig­stens ein biss­chen in­for­mie­ren.

    Zu Aus­stel­lungs­be­spre­chun­gen:
    Ich bin ziem­lich viel in Mu­se­en un­ter­wegs, aber fast aus­schließ­lich im Süd­west­deut­schen / Deutsch­schwei­zer Raum. Da könn­te ich ab und zu mal was bei­tra­gen.

  26. @Doktor D
    Ich be­hal­te das mit den Le­serun­den mal im Kopf; viel­leicht nimmt man dann tat­säch­lich erst ein­mal ei­nen Klas­si­ker (und nicht di­rekt »Krieg und Frie­den«, son­dern was dün­ne­res).

    Herz­li­chen Dank für Ihr An­ge­bot über Aus­stel­lun­gen zu schrei­ben. Das wür­de mir sehr gut ge­fal­len. Mehr viel­leicht per Mail? Ich rich­te mich da nach Ih­nen...

  27. @Gregor Keu­sch­nig:
    Ich mel­de mich per info@begleitschreiben.de bei Ih­nen mit ei­nem kur­zen CV, da­mit Sie auch wis­sen, wer ich bin.
    Klas­si­ker le­sen fän­de ich toll. Ge­ra­de schmö­ke­re ich mich durch Die Drei Mus­ke­tie­ren. Da kann Herr Schät­zung noch viel von ler­nen.

  28. @Hermann Quitt [Nur In­si­der kön­nen die­ses Pseud­onym oh­ne Such­ma­schi­ne zu­ord­nen! Mer­ci!]
    Ei­gent­lich ha­ben Sie Recht. Kom­men­ta­re sind ver­dammt schwie­rig zu ver­fas­sen. Es gibt kei­ne Ge­stik, die das Ge­spro­che­ne ab­schwächt oder ver­stärkt oder an­ders ge­wich­tet. Und es gibt kei­ne Be­to­nung. Man (=ich?) sieht, wie miss­ver­ständ­lich et­was sein kann; hier ist so­gar in die­sem Kom­men­tar­t­he­read et­was zer­bro­chen; shit hap­pens.

    Und tat­säch­lich: Bei so man­cher Kom­men­tar­mel­dung wer­de ich un­ru­hig – und doch gleich­zei­tig wünscht man es sich, um eben ei­ne ge­wis­se Re­ak­ti­on zu be­kom­men und – sel­ten ge­nug, aber nicht exo­tisch sel­ten – viel­leicht ei­nen neu­en As­pekt. Es ist und bleibt ein zwie­späl­ti­ges Ge­schäft.

  29. @Keuschnig: War­um re­den Sie von Ih­rem Blog ei­gent­lich als »Pro­dukt« und dem Kom­men­tar­emp­fan­gen als »Ge­schäft« – sind wir nun me­ta­pho­ro­lo­gisch auch schon voll­kom­men durch­öko­no­mi­siert, ich dach­te wir sei­en Gra­tis-Idio­ten? (Lie­ber ein Idi­ot, wenn auch ein an­de­rer als Hand­ke, als ein Pro­dukt.)

    Ich könn­te Ih­nen ja ein idio­syn­kra­ti­sches Wör­ter­buch dar­rei­chen, das wä­re ei­ne ähn­lich sinn­lo­se Idio­tie wie die der po­li­tisch kor­rek­ten Sprach­wäch­te­rei.

  30. @Phorkyas
    Ih­re Idio­syn­kra­si­en sind mit­un­ter recht an­stren­gend. Ein Pro­dukt ist nicht per se et­was kom­mer­zi­el­les. Es ist et­was Her­ge­stell­tes, Ge-Mach­tes (um nicht gleich zu hei­deg­gern). Ich in­ter­pre­tie­re die­se Öko­no­mie­äng­ste als Furcht vor ei­ner längst über all raum­grei­fen­den Mo­ne­ta­ri­sie­rung der Welt, die üb­ri­gens auch hier, im ver­bor­ge­nen, west: Der Ser­ver, auf dem die­ser Blog läuft, ist we­der ge­spen­det noch ist er ko­sten­los. Ich be­zah­le ihn. So­viel zum Wunsch der Idio­tie – er wird in der Pra­xis im­mer schon von der Rea­li­tät ein­ge­holt. Aber viel­leicht ja­gen Sie ja noch Ihr Es­sen, oder sind, hei­lig gar, Ve­ge­ta­ri­er?

    Gra­tis-Idio­ten sind wir, weil wir NUR Aus­ga­ben ha­ben, KEINE Ein­nah­men. Wenn Ein­nah­men, dann ide­el­le, aber das ist too few to men­ti­on. Den Ver­such der Mo­ne­ta­ri­sie­rung des Blogs ha­be ich erst gar nicht un­ter­nom­men, weil ich mir die­se Er­nüch­te­rung er­spa­ren woll­te. Mein Stolz wä­re bei ei­ner Ein­nah­me von 56 Cent mo­nat­lich wo­mög­lich in die De­pres­si­on über­ge­gan­gen. Mir reich­ten schon die soge­nannten Buch­pu­bli­ka­tio­nen: als Pro­duk­te al­le prak­tisch un­ver­käuf­lich; selbst als Ge­schenk dräng­te man sich nur auf. Ei­ne wie auch im­mer ge­ar­te­te Amor­ti­sa­ti­on (ich weiss, ei­ne Qual für den­je­ni­gen, der nur das Schö­ne, Gu­te und Wah­re im Sinn hat) – il­lu­so­risch wie der Kon­takt mit Au­ßer­ir­di­schen.