Ver­such über die Dicht­kunst im In­ka­reich (I)

Pro­log

Apo­lo­gie an ent­setz­te Wis­sen­schaft­s­pu­ri­sten

Ich ha­be in mei­ner Ju­gend lan­ge ge­nug (natur)wissenschaftlich ge­ar­bei­tet. Jetzt ge­nie­sse ich die Nar­ren­frei­heit des Al­ters und neh­me mir her­aus, mich nur noch mit Din­gen zu be­fas­sen, die mich wirk­lich in­ter­es­sie­ren (mehr noch: die ich lie­be), und dies vor al­lem auf ei­ne Wei­se, die mir ent­spricht. Ich mag nicht ei­nen ein­zi­gen wei­te­ren Tag mei­nes Rest­le­bens in Ernst­haft ver­brin­gen. Ei­ner­seits ha­be ich den Dog­men der Wis­sen­schaft („ob­jek­tiv, re­pro­du­zier­bar, wert­frei“) längst ab­ge­schwo­ren, denn sie sind pu­re Lü­ge und Selbst­täu­schung, an­de­rer­seits wä­re es oh­ne­hin ver­mes­sen, ei­ne Ar­beit auf ei­nem Ge­biet, in dem ich nicht qua­li­fi­ziert bin, als „wis­sen­schaft­lich“ zu be­zeich­nen. Ich ste­he, ganz in Mon­tai­gnes Tra­di­ti­on, zu ra­di­ka­ler Sub­jek­ti­vi­tät, auch wenn ich nicht den Schneid vor­wei­sen kann, der ei­nem raf­fi­nier­ten Es­say­isten an­ste­hen wür­de. Ich ver­ber­ge per­sön­li­che Vor­lie­ben und Ab­nei­gun­gen nicht, er­grei­fe Par­tei, beu­te die ei­ge­ne In­tui­ti­on, Er­fah­rung und das Hö­ren­sa­gen ge­nau­so aus wie die Quel­len­tex­te, fal­le mir mun­ter selbst ins Wort, schwei­fe ab, wo et­was zu span­nend ist, um es zu un­ter­schla­gen, ob­wohl es schein­bar nicht zum Kon­text ge­hört, und las­se auch mal Fün­fe gra­de sein, wenn sich die Re­fe­ren­zen wi­der­spre­chen und die Re­cher­che vom Hun­dert­sten ins Tau­send­ste führt. Da­bei ver­su­che ich aber, ganz wahr­haf­tig und ein biss­chen se­ri­ös zu blei­ben – wo kei­ne Ver­si­on schö­ner ist als die an­de­re, ra­te ich si­cher nicht ins Blaue hin­aus, son­dern prak­ti­zie­re den Über­mut zur Lücke. Für all die ele­gan­ten Un­schär­fen über­neh­me ich die vol­le Ver­ant­wor­tung. Ich wa­ge zu be­haup­ten, dass die­se Vor­ge­hens­wei­se durch­aus im Sin­ne der an­di­nen Dich­ter und Sän­ger und über­haupt kom­pa­ti­bel mit dem Geist des ru­na si­mi ist.



Eins: que­chua, da wo der Mais wächst, und ru­na si­mi, die Spra­che der Men­schen.

Das Wort que­chua be­zeich­net ur­sprüng­lich nicht die Spra­che der In­ka, son­dern ei­ne an­di­ne Hö­hen­stu­fe, die von un­ge­fähr 2300 bis 3500 m ü. M. reicht, so­wie die da­zu­ge­hö­ri­ge Kli­ma­zo­ne, die sich über land­wirt­schaft­li­che Grenz­pro­duk­te de­fi­niert. Die que­chua ist durch ihr ge­mä­ssig­tes Kli­ma und die aus­rei­chen­den Nie­der­schlä­ge die für die Land­wirt­schaft am Viel­sei­tig­sten nutz­ba­re Kli­ma­zo­ne der An­den. Erst die Spa­ni­er wand­ten den Be­griff que­chua auf die Spra­che und ih­re Spre­cher an, und die mo­der­ne Eth­no­lo­gie fasst meh­re­re an­di­ne Eth­ni­en un­ter die­sem Be­griff zu­sam­men. Die In­ka selbst nann­ten ih­re Spra­che ru­na si­mi, „Spra­che der Men­schen“. Das al­lein ist zwar nicht un­ge­wöhn­lich; aber es ist den­noch nicht von der Hand zu wei­sen, dass sich dar­in auch der Dün­kel des In­ka-Adels wi­der­spie­gelt. Nicht nur wur­den die Spra­chen der in­te­grier­ten oder un­ter­wor­fe­nen Völ­ker als min­der­wer­tig be­trach­tet (die Spra­chen der Va­sal­len­völ­ker wur­den kol­lek­tiv wa­wa si­mi ge­nannt, „Kin­der­spra­che“); auch in­ner­halb der In­ka-Spra­che gab es in Ab­gren­zung zu den zahl­rei­chen Dia­lek­ten ei­ne Hoch­spra­che, die den hö­her­ge­stell­ten Fa­mi­li­en und Be­am­ten vor­be­hal­ten war. Man nimmt an, dass das heu­te in der Re­gi­on Ayacucho (que­chua ayacucha­no) ge­spro­che­ne ru­na si­mi die­ser Hoch­spra­che am näch­sten kommt. Zwar wird die Be­zeich­nung ru­na si­mi ak­tu­ell wie­der von ra­di­ka­len na­tio­na­li­sti­schen Be­we­gun­gen in­stru­men­ta­li­siert, aber ih­rer Prä­zi­si­on we­gen über­neh­men wir sie hier, wenn wir die Spra­che mei­nen.

Da je­de Schreib­wei­se nur ei­ne pho­ne­ti­sche sein kann, ist es auf­grund der viel­fäl­ti­gen Quel­len un­mög­lich, oh­ne ver­tief­te Kennt­nis­se des ru­na si­mi auch nur auf die kur­ze Strecke ei­nes Es­says ei­nen ein­heit­li­chen Stan­dard ein­zu­hal­ten (que­chua oder kich­wa; ya­ra­wí, ha­ra­hui, ja­ra­vi,… Ab­hil­fe wür­de nur schaf­fen, den qui­pu le­sen zu ler­nen!). Satz­zei­chen und Un­ter­tei­lung der Suf­fi­x­rei­hen in ein­zel­ne Wör­ter sind all­ge­mein üb­lich, ent­spre­chen aber nicht der Gram­ma­tik der Spra­che und die­nen da­her nur der bes­se­ren Les­bar­keit.

Eben­so un­sin­nig ist üb­ri­gens jeg­li­che Ein­tei­lung oder Un­ter­tei­lung, so wie ich hier un­ter an­de­rem die dich­te­ri­schen Be­ru­fe oder die li­te­ra­ri­schen Gat­tun­gen aus­ein­an­der­zu­drö­seln ver­su­che. Ka­pi­tel und Ab­schnit­te um der Über­sicht wil­len sind so­mit völ­lig will­kür­lich und künst­lich.

Zwei: ta­huan­tin­su­yu, räum­li­che und zeit­li­che Ver­or­tung; sei kein Dieb!, sei kein Faul­pelz!, sei kein Lüg­ner!, und wo bleibt der Dich­ter?

Tahuantinsuyu (Quelle: http://www.editionviktoria.at/ )

Ta­huan­tin­su­yu (Quel­le: Edi­ti­on Vik­to­ria)

Geo­gra­phi­scher und hi­sto­ri­scher Ab­riss: das ta­huan­tin­su­yu („die vier Re­gio­nen“) reich­te zur Zeit sei­ner gröss­ten Aus­deh­nung von Süd­ko­lum­bi­en über Ecua­dor, Pe­ru, und Bo­li­vi­en bis Zen­tral­chi­le und in den Nord­we­sten Ar­gen­ti­ni­ens – das ent­spricht ei­ner Flä­che von zwei Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­tern so­wie ei­ner Kü­sten­li­nie von 9000 Ki­lo­me­tern Län­ge. Nach We­sten wur­de das Reich durch den Pa­zi­fik be­grenzt (man­che be­haup­ten, dass die In­kas auf dem See­weg Po­ly­ne­si­en er­reicht hät­ten); im Osten blieb der Ur­wald trotz im­mer neu­er Er­obe­rungs­ver­su­che je­ne Gren­ze, die den wohl­or­ga­ni­sier­ten In­kas schlicht zu bunt war, um sie zu über­schrei­ten und dau­er­haft zu kon­trol­lie­ren. Je­des der vier Vier­tel, die sich am Na­bel der Welt, in der Haupt­stadt Cuz­co, be­rühr­ten – chin­chay su­yu im Nor­den, an­ti su­yu im Osten, kun­ti su­yu im We­sten und qul­la su­yu im Sü­den – wur­de von ei­nem Gou­ver­neur re­giert.

Die Grün­der des Rei­ches wa­ren der my­thi­sche Man­co Ca­pac und sei­ne Ge­fähr­tin Ma­ma Ocllo, wo­mög­lich letz­te Über­le­ben­de und Bo­ten der Zi­vi­li­sa­ti­on aus dem kurz (?!) zu­vor ver­sun­ke­nen At­lan­tis, nicht wahr!, das ge­schah ja vie­ler­orts so oder ähn­lich. Ei­ni­ge Chro­ni­sten da­tie­ren die­ses Er­eig­nis auf das frü­he 6. Jahr­hun­dert; das wür­de be­deu­ten, dass es das Me­thu­salem­phä­no­men eben­falls in heid­ni­schen Kul­tu­ren ge­ge­ben hät­te, weil dar­aus für die my­thi­schen In­ka­kö­ni­ge Re­gie­rungs­zei­ten von über hun­dert Jah­ren re­sul­tie­ren wür­den. Ar­chäo­lo­gen ten­die­ren des­halb eher zum Jahr 1200 (sie las­sen aber das ru­na-si­mi-Zeit­emp­fin­den au­ssen vor).

Das hi­sto­ri­sche Im­pe­ri­um be­ginnt mit dem neun­ten In­ka Pach­a­ku­tiq und sei­nem Sieg über die Kon­fö­de­rier­ten Na­tio­nen der Chan­cas im Jahr 1438. Der elf­te In­ka Huay­na Ca­pac kon­so­li­dier­te das Reich, das zu sei­ner Re­gie­rungs­zeit den höch­sten kul­tu­rel­len, tech­ni­schen und wis­sen­schaft­li­chen Ent­wick­lungs­stand er­reich­te. Die­se Pracht soll­te je­doch nicht ein­mal ein Jahr­hun­dert über­dau­ern. Kurz vor dem Ein­tref­fen der Spa­ni­er ent­brann­te ein Bür­ger­krieg um die Erb­fol­ge zwi­schen Huas­car und Ata­hual­pa. Letz­te­rer sieg­te, stieg 1532 auf den Thron, und nur ein Jahr spä­ter ging er sei­nes Kop­fes ver­lu­stig. Die Spa­ni­er krön­ten wei­ter­hin „Kö­ni­ge des In­ka­rei­ches“ – Ma­rio­net­ten des spa­ni­schen Vi­ze­kö­nigs. Ei­ne Grup­pe In­kas (nicht aus der kö­nig­li­chen Fa­mi­lie, da­her mit leicht de­spek­tier­li­chem Un­ter­ton als „In­cas de Vil­ca­bam­ba“ be­zeich­net) ver­schanz­te sich im Osten und hielt sich bis 1572, als ihr An­füh­rer Tú­pac Ama­ru I ent­haup­tet wur­de. Der letz­te In­ka von Vil­ca­bam­ba, der ge­gen den spa­ni­schen Vi­ze­kö­nig die Re­vo­lu­ti­on aus­rief, war Tú­pac Ama­ru II (Jo­sé Ga­bri­el Condorcan­qui), der 1781, vier­zig Jah­re vor der Un­ab­hän­gig­keit Pe­rus, hin­ge­rich­tet wur­de. Tú­pac Ama­ru, die Gro­sse Schlan­ge, wird al­le paar Jahr­hun­der­te wie­der­ge­bo­ren und nicht ru­hen, bis das Im­pe­ri­um re­instal­liert ist.

Im ta­huan­tin­su­yu hat­te nie­mand Hun­ger und je­der Ob­dach, me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung und Ar­beit. Krieg wur­de erst ge­führt, wenn di­plo­ma­ti­sche Ver­hand­lun­gen nicht fruch­te­ten (was na­tür­lich dem Ex­pan­si­ons­drang nichts von sei­ner über­heb­li­chen Ag­gres­si­vi­tät nahm). Ver­wal­tung und Lo­gi­stik wa­ren bis ins al­ler­letz­te De­tail durch­or­ga­ni­siert, die In­fra­struk­tur funk­tio­nier­te oh­ne Fehl; Stra­ssen­netz, Post­we­sen, Was­ser­ver­sor­gung, An­bau­pla­nung. Die In­kas wuss­ten (die Rö­mer und die Mon­go­len auch, mo­der­ne Im­pe­ria­li­sten be­grei­fen es nie), dass das Reich nur sta­bil blei­ben kann, wenn re­li­giö­se und kul­tu­rel­le To­le­ranz ge­gen­über den un­ter­wor­fe­nen Völ­kern ge­übt wird. Zwar war die Ge­sell­schaft streng hier­ar­chisch or­ga­ni­siert und der sa­pa in­ka gött­li­cher Ab­stam­mung, aber man konn­te durch­aus auch durch Me­ri­ten in den Adel auf­stei­gen, un­ge­ach­tet der Her­kunft. Ne­ben all den kul­tu­rel­len und wis­sen­schaft­li­chen Er­run­gen­schaf­ten und der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Per­fek­ti­on be­wun­dert der Agro­nom vor al­lem die so­ge­nann­te „ver­ti­ka­le In­te­gra­ti­on“: ei­ne Le­bens­mit­tel­er­zeu­gung und ‑ver­sor­gung, die die na­tür­li­chen Res­sour­cen auf al­len Hö­hen­stu­fen, in bei­nah al­len auf der Er­de vor­kom­men­den Öko­sy­ste­men (!) nutzt, oh­ne sie zu rui­nie­ren. Der Fi­scher an der Kü­ste konn­te ge­frier­ge­trock­ne­te Kar­tof­feln und char­qui (ge­dörr­tes Al­pa­ka­fleisch) es­sen, der Hir­te in der Pu­na Salz­was­ser­fisch oder Af­fe aus der Sel­va; al­les stand je­der­zeit über­all zur Ver­fü­gung, oh­ne ne­ga­ti­ve so­zia­le oder öko­lo­gi­sche Fol­gen. Ei­ne Er­run­gen­schaft, der der Welt­han­del seit­her ver­ge­bens hin­ter­her­he­chelt.

Nicht nur, um die he­te­ro­ge­ne Be­völ­ke­rungs­struk­tur aus­zu­glei­chen, son­dern auch, um das ru­na si­mi als Men­schen­spra­che zu eta­blie­ren, prak­ti­zier­ten die In­ka­herr­scher mit­i­maes: sie ent­wur­zel­ten gan­ze Ge­mein­schaf­ten aus den er­ober­ten Ge­bie­ten und sie­del­ten sie nä­her am Zen­trum an, wäh­rend längst ak­kul­turier­te Ge­mein­den in die neu an­nek­tier­ten Zo­nen aus­ge­sie­delt wur­den. (Wohl nicht im­mer mit Er­folg – die Che­til­la­nos, mit de­nen ich zu­sam­men­ge­ar­bei­tet ha­be, wur­den vor Jahr­hun­der­ten von den In­kas aus dem heu­ti­gen Ecua­dor zwangs­um­ge­sie­delt. Sie sind aber stur sie selbst ge­blie­ben und ha­ben sich we­der den In­kas noch den Spa­ni­ern an­ge­passt, ge­nau so, wie sie jetzt der Nest­lé und den Schwei­zer NGOs die Stirn bie­ten. Noch nicht ein­mal ein Mis­sio­nar scheint es je lang bei ih­nen aus­ge­hal­ten zu ha­ben, und nie­mand sonst in ganz Pe­ru ver­steht ih­ren haus­ge­mach­ten ru­na-si­mi-Dia­lekt.)

Der Ver­gleich zwi­schen Rö­mern und In­kas drängt sich bei al­len Un­ter­schie­den un­wei­ger­lich auf. Die Rö­mer kann­ten kei­ne Null und die In­kas er­fan­den das Rad nicht; bei­de Kul­tu­ren kann man nur be­wun­dern, und al­lein schon we­gen der nun ent­täusch­ten Neu­gier, wie lang sich das ta­huan­tin­su­yu ge­hal­ten und wie es sich wei­ter­ent­wickelt hät­te, war die Con­qui­sta ein über­aus är­ger­li­cher Un­fall der Ge­schich­te. Aber, um per­sön­lich zu wer­den, bei al­ler Be­wun­de­rung und Fas­zi­na­ti­on he­ge ich ei­ne hef­ti­ge Ab­nei­gung so­wohl ge­gen die Rö­mer als auch ge­gen die In­kas. Bei­de wa­ren gna­den­los ef­fi­zi­ent und be­schä­mend phan­ta­sie­los. Al­les dien­te ei­nem öko­no­mi­schen oder po­li­ti­schen Zweck; für nutz­lo­se, bun­te, schnör­ke­li­ge, gir­lan­den­haf­te Din­ge war kein Platz. Sie bau­ten eckig und funk­tio­nal, ih­re Göt­ter be­klei­de­ten Äm­ter in der Ver­wal­tung, die Kunst wur­de in­stru­men­ta­li­siert, und weil man selbst kei­ne Mu­sse hat­te, auf die In­spi­ra­ti­on zu war­ten, über­nahm man von den Bar­ba­ren, was halt ge­ra­de so brauch­bar war (viel­leicht mit heim­li­chem Neid?). Das Mot­to des ta­huan­tin­su­yu lau­te­te: ama sua, ama quella, ama llul­la – sei kein Dieb!, sei kein Faul­pelz!, sei kein Lüg­ner! Ist ja al­les ganz eh­ren­haft; aber mal im Ernst, wür­de das ei­nen Dich­ter mo­ti­vie­ren, sich dort nie­der­zu­las­sen? So­was kann doch nur Be­am­te, Mi­li­tärs und Po­li­zi­sten an­zie­hen!

Ich ver­mu­te, dass auch die ru­na-si­mi-Poe­sie in der Dich­tung der Vor­gän­ger­kul­tu­ren und der er­ober­ten Völ­ker wur­zelt und viel­leicht gar nicht in be­deu­ten­dem Mass ei­gen­stän­dig wei­ter­ent­wickelt wur­de. Wenn es mög­lich wä­re, wenn es ge­nü­gend Quel­len gä­be, wür­de ich viel lie­ber über die Poe­sie der Nicht-In­kas schrei­ben. Selbst das, was uns von den In­kas über­lie­fert ist, ist grau­sam we­nig und un­scharf. Si­cher aber ist es im­mer noch mehr als ein schwa­cher Ab­glanz des­sen, was einst ge­sun­gen wur­de. Und es bleibt die Hoff­nung, dass der ei­ne oder an­de­re Dich­ter am Hof (oder viel­leicht im Hin­ter­hof) des sa­pa in­ka nicht ein­fach nur ein Be­am­ter war, son­dern tief im Her­zen eben dies: sub­ver­siv. Ein Dich­ter.

[Teil II]


Über­las­sung des Bil­des mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung der »Edi­ti­on Vik­to­ria«, Wien

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schön.
    So­weit ich das zu be­ur­tei­len ver­mag. Und es freut, hier auf ei­ne Be­kann­te aus ver­gan­ge­nen, »grau­en« N‑Zeiten zu tref­fen.

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    Ist es dann nicht doch wie­der Ernst den »Dog­men der Wis­sen­schaft« ab­zu­schwö­ren? Und wenn ob­jek­tiv, re­pro­du­zier­bar, wert­frei ein Ide­al ist, nicht zu ver­wirk­li­chen, was blie­be als sich dar­an zu hal­ten (vor­aus­ge­setzt es ist der Weg den man ge­hen will, der ei­nem liegt)?

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    Vor »lan­ger« Zeit bin ich ein­mal auf ei­ne mei­ner Er­in­ne­rung nach sehr gu­te Di­plom­ar­beit über die­se ge­fin­kel­ten öko­lo­gi­schen Agrar­sy­ste­me ge­sto­ßen; falls von In­ter­es­se kann ich nach­se­hen ob ich das Zi­tat noch fin­de.

  2. In­ter­es­sant.
    Ich ha­be mich lan­ge Zeit nicht mehr mit die­sem Blog aus­ein­an­der­ge­setzt, aber nach­dem ich heu­te er­neut end­lich mal wie­der ei­nen Blick auf die­se Site ge­wor­fen ha­be, bin ich doch der An­sicht, dass es sich lohnt!

    Es ist ei­ne sehr in­ter­es­san­te und er­fri­schen­de Ab­wech­se­lung. Ich pro­kla­mie­re all­ge­mein im­mer mal ei­nen re­gel­mä­ßi­gen Ta­pe­ten­wech­sel (bit­te nicht als hef­ti­ge­re Kri­tik ver­ste­hen, als sie ei­gent­lich ist).

    Der Epi­log (müss­te es nicht »Pro­log« hei­ßen? Die­ser Ab­schnitt steht schließ­lich VOR dem ei­gent­lich Haupt­teil.) schafft in mir auch ei­ne ge­wis­se Vor­freu­de und po­si­ti­ve Er­war­tung, da ich mich von ei­ner selbst­kri­ti­schen Hal­tung arg be­ein­drucken las­se.

  3. Ja, es müss­te PRO­log hei­ssen. Die Au­torin hat­te dies je­doch ei­gent­lich am En­de ih­res Es­says ge­stellt und ich ha­be dann (halb feh­ler­haft – halb un­be­wusst) dies ste­hen­ge­las­sen.

  4. Nar­ren­frei­heit im Al­ter
    »Ich ha­be in mei­ner Ju­gend lan­ge ge­nug (natur)wissenschaftlich ge­ar­bei­tet. Jetzt ge­nie­sse ich die Nar­ren­frei­heit des Al­ters und neh­me mir her­aus, mich nur noch mit Din­gen zu be­fas­sen, die mich wirk­lich in­ter­es­sie­ren (mehr noch: die ich lie­be), und dies vor al­lem auf ei­ne Wei­se, die mir ent­spricht.«

    Mit die­ser (sehr ver­ständ­li­chen) Hal­tung er­in­nern Sie mich an al­te Pro­fes­so­ren bzw. Eme­ri­ti, die das ge­nau wie Sie ma­chen und die sich das auch lei­sten kön­nen. Der aka­de­mi­sche Nach­wuchs darf das nicht, der muss erst­mal Or­tho­do­xie bis ins Mark prak­ti­zie­ren und mit Fuß­no­ten um­her­wer­fen. Die von Ih­nen be­schwo­re­nen Frei­hei­ten wer­den bei den Jun­gen schwer be­straft mit Re­pu­ta­ti­ons­ent­zug. Die Al­ten da­ge­gen ent­wickeln fröh­lich The­sen quer­beet und jen­seits ih­rer an­ge­stamm­ten Fä­cher und sie wer­den da­für be­klatscht.

    Das ist ei­ne selt­sa­me Hier­ar­chie im Reich der gei­sti­gen Frei­heit (die ich Ih­nen – um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen – kei­nes­wegs vor­wer­fen will und die ich Ih­nen von Her­zen gön­ne. Schließ­lich ha­be ich als Le­ser was da­von).

  5. @ in­ter­net­aus­drucker
    Ent­we­der ha­ben Sie die Über­schrift und den Na­men der Ver­fas­se­rin igno­riert oder ich ha­be da et­was falsch in­ter­pre­tiert. Ich ha­be das ge­sam­te Es­say der Ur­he­be­rin zu­ge­schrie­ben und G.K. als sog. »Sprung­brett« be­trach­tet.
    Aber viel­leicht sind mei­ne Au­gen schon et­was mü­de.

  6. #3 – Zum Glück
    ha­be ich hin­ter­rücks er­fah­ren, wer Du bist, sonst wür­de ich jetzt fürch­ter­lich vor mich hin neu­gie­ren. Ja, schön, Dich wiederzu»sehen«!
    Ich bin mir nicht si­cher, ob ich ver­ste­he wie Du das meinst mit dem »Sich-dar­an-Hal­ten, ob­wohl es nicht zu ver­wirk­li­chen ist«. So et­was wie das exi­sten­tia­li­sti­sche Aus­hal­ten des Ab­sur­den? DAS wür­de mir schon lie­gen. Aber die Dog­men der Wis­sen­schaft ... ich kann nicht mehr. Schaue aber im­mer noch gern von au­ssen zu.

    Wenn Du das Zi­tat grad zur Hand hast, oh­ne in den Kel­ler stei­gen zu müs­sen bei der Käl­te..?

    U.T.R.E.S.

  7. Es ist ganz ein­fach,
    ich ha­be mich aus dem Aka­de­mi­schen an sich aus­ge­klinkt, oh­ne auf die Eme­ri­tie­rung zu war­ten. Das kann man sich in je­dem Al­ter lei­sten, und es wird ja kei­ner ge­zwun­gen, über­haupt in die­se ob­sku­ren Zir­kel ein­zu­tre­ten. Aber es ist schon gut, ein­mal in ei­ner Sek­te ge­we­sen zu sein, sonst wür­de man dor­ten all­zeit ei­ne Wahr­heit ver­mu­ten.

    (Re­pu­ta­ti­on? Wenn man das will, ja dann hat man kei­ne Wahl.)

    U.T.R.E.S.

  8. #8
    Nein, mit dem Ab­sur­den wür­de ich es nicht ver­glei­chen. Die wis­sen­schaft­li­chen Tu­gen­den sind Idea­le, nicht rest­los ver­wirk­lich­bar und auch nicht un­pro­ble­ma­tisch. Des­sen ein­ge­denk glau­be ich aber, dass uns viel­fach kei­ne an­de­re Wahl bleibt, als uns an die­se Kri­te­ri­en zu hal­ten, auch wenn man per­sön­lich da­mit ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen hat(te).

    Das Zi­tat su­che ich, und kommt (wenn es sich auf­trei­ben lässt) per mail, Kel­ler ha­be kei­nen, die Ge­fahr des Er­frie­rens be­steht da­her nicht.

  9. @ u r e s zur ru­na si­mi
    Vor­weg ei­ne klei­ne Er­klä­rung, war­um ich erst jetzt auf Ih­ren äu­sserst in­ter­es­san­ten Es­say-Aus­schnitt re­agie­re: hat­te ein­fach bis jetzt kei­ne Zeit, mich in Ru­he mit den ge­schrie­be­nen Sei­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen. Aber heu­te abend ha­be ich sie mir aus­ge­druckt und ge­le­sen und wer­de Ih­nen lei­der kein em­pi­ri­sches Feed­back ge­ben kön­nen, da ich kei­ne Fach­frau für Que­chua o.ä. bin. Nun be­dau­re ich es ja (ein ganz klein we­nig), das Buch von Mi­cha­el D. Coe „ Das Ge­heim­nis der Ma­ya­schrift“ nicht rich­tig ge­le­sen zu ha­ben und es nur als Bü­cher­schrank­zier­de be­nut­ze. Denn dann hät­te ich jetzt viel­leicht Par­al­le­len fin­den kön­nen.

    Er­klä­ren Sie an­fangs den Be­griff Que­chua, den ich üb­ri­gens bis­her nur auf die Spra­che pro­ji­ziert hat­te, ge­hen Sie im Text wei­ter mit der geo­gra­phi­schen La­ge und der Hi­sto­rie.
    Da ha­be ich üb­ri­gens nicht ver­stan­den, war­um Man­co Ca­pac an­schei­nend nur my­thi­sche Le­gen­de ist. Hat man hier, so wie Sie an an­de­rer Text­stel­le zu ei­nem an­de­ren As­pekt schrei­ben, kei­ne münd­li­che Über­lie­fe­rung ge­si­chert ( = durch die spä­ter ein­ge­drun­ge­nen Spa­ni­er fest­ge­hal­ten) oder gibt es Bil­der in Form von Stein­skulp­tu­ren oder Zeich­nun­gen? Und sonst kei­ne Fak­ten? Und was ist mit den Kno­ten­schnü­ren? Wur­den die nur zum Rech­nen be­nutzt oder auch als sog. Buch?

    Ach ja, und das ver­sun­ke­ne At­lan­tis. Nun soll es auch dort lie­gen. Ei­ne mei­ner letz­ten In­for­ma­tio­nen be­ruht dar­auf, dass Akro­ti­ri auf San­to­rin das ver­sun­ke­ne At­lan­tis sein könn­te, das ca. 1500 v.u.Z. durch den Vul­kan­aus­bruch auf San­to­rin in Asche und Schutt ge­legt wur­de. Ah, dar­über lässt sich auch nur zu ger­ne le­sen, über die Zeit der mi­noi­schen Kul­tur. Aber zu­rück zu den In­kas.

    Bis auf Ih­ren kur­zen Ab­schnitt zur Schreib­wei­se des ru­na si­mi er­fah­re ich in die­sem Teil des Es­says nicht, in wel­cher Form Dich­ter ih­re Ly­rik fest­hiel­ten. Und bis hier­her schrei­ben Sie so­wie­so kaum über die Dich­ter. Des­halb hof­fe ich sehr, dass Sie auch den zwei­ten Teil des Es­says auf Be­gleit­schrei­ben ver­öf­fent­li­chen, denn mich hat der In­halt neu­gie­rig ge­macht und ich möch­te wei­te­res über Ly­rik-In­kas wis­sen.

    Mein Lai­en-State­ment: Geo­gra­phisch, hi­sto­risch, so­zio­lo­gisch und po­li­tisch ha­ben Sie die In­for­ma­tio­nen in ver­dich­te­ter Form wie­der­ge­ge­ben, ver­ständ­lich und gut nach­voll­zieh­bar.
    Ei­ne win­zi­ge Kri­tik übe ich nur an Ih­ren ein­ge­streu­ten Be­grif­fen, wie z.B. „aus­ein­an­der­zu­drö­seln“. Das passt in mei­nen Au­gen über­haupt nicht in das em­pi­ri­sche Ge­samt­bild Ih­res Es­says. Es lockert auf und lässt un­wei­ger­lich ein Schmun­zeln ent­ste­hen, aber die Ge­samt­form ist aus ei­nem an­de­ren Guß.
    An­mer­kung: Von den Kel­ten weiß ich, dass hier nur münd­li­che Über­lie­fe­run­gen be­kannt sind. Es gab an­schei­nend kei­ne Schrift. Par­al­le­len zur Inka­zeit?
    LG von lou-sa­lo­me

  10. lie­be lou-sa­lo­me,
    dan­ke fürs prä­zi­se Le­sen, fürs Fra­gen und Kri­ti­sie­ren. Rich­tig schön, so hat man das Ge­fühl, dass sich so ei­ne Ar­beit nicht nur zur Freu­de im stil­len Käm­mer­lein lohnt.
    Wie Gre­gor schon sagt, die mei­sten Fra­gen wer­den in den fol­gen­den Ka­pi­teln auf­ge­grif­fen und teils aus­führ­lich be­han­delt (Kno­ten­schnü­re, Über­lie­fe­rung, Ly­rik etc.); ich wer­de am Schluss gern noch of­fe­ne Fra­gen be­ant­wor­ten – so­fern ich kann.

    Zu Man­co Ca­pac: ich glau­be, die­se Un­ter­tei­lung in my­thi­sche und hi­sto­ri­sche In­kas ist ei­ne (eu­ro­zen­trisch) wis­sen­schaft­li­che; erst für den neun­ten In­ka Pach­a­ku­tiq hat man hand­fe­ste Da­ten, man kennt sei­ne Re­gie­rungs­zeit, sein Wir­ken, sei­ne Po­li­tik etc. Wor­auf die­se Da­ten im ein­zel­nen be­ru­hen, weiss ich nicht, ver­mut­lich auf ar­chäo­lo­gi­schen Be­fun­den, da »schrift­li­che« Zeug­nis­se im en­ge­ren Sin­ne nicht exi­stie­ren (sie­he spä­ter, bei den Kno­ten­schnü­ren). Des­halb spricht man vom »my­thi­schen Im­pe­ri­um« vor Pach­a­ku­tiq und vom »hi­sto­ri­schen Im­pe­ri­um« da­nach. So ähn­lich un­ter­teilt man mei­nes Wis­sens auch in my­thi­sche und hi­sto­ri­sche Kö­ni­ge z.B. im Al­ten Te­sta­ment. Wahr­schein­lich das­sel­be wie die Un­ter­schei­dung Prähistorie/Historie, nur dass man hier kein so schar­fes Ab­gren­zungs­kri­te­ri­um hat wie die Er­fin­dung der Schrift. Das ist ein Ge­lot­ter (ver­schwom­men wie das »my­thi­sche Zeit­al­ter«), ich weiss, aber ge­nau­er kann ich es lei­der nicht er­klä­ren.

    Den Sei­ten­hieb auf At­lan­tis konn­te ich mir ein­fach nicht ver­knei­fen. Soll­ten Man­co Ca­pac und Ma­ma Ocllo At­lan­ter ge­we­sen sein, wä­re die In­sel wahr­schein­lich doch eher im At­lan­tik its­elf zu su­chen als auf/unter San­to­rin. Der Ti­ti­ca­ca­see soll aus ei­nem Schwapp Was­ser nach der In­sel­sin­kung ent­stan­den sein (üb­ri­gens ge­hört Ti­ti Pe­ru und Ca­ca Bo­li­vi­en!).
    Ich fin­de At­lan­tis su­per, ich wä­re sehr ent­täuscht, wenn es nie exi­stiert hät­te oder wenn es ge­fun­den wür­de. Mei­ne be­vor­zug­te Theo­rie ist die Ver­schie­bung der ehe­mals sub­tro­pi­schen Ant­ark­tis an den Pol. :-)

    Es stimmt, Sa­chen wie »aus­ein­an­der­drö­seln« rut­schen mir öf­ters aus. Halb­wegs bin ich mir des­sen be­wusst. Es zeigt wohl auch, dass mir die­ses »sach­li­che« Ar­bei­ten nicht be­son­ders liegt und dass da­her der Form­wil­le nicht all­zu aus­ge­prägt ist – ei­ne Saue­rei an­ge­sichts der Qua­li­täts­stan­dards, die ich mir sonst auf­er­le­ge.
    Ich bin sehr froh um sol­che Hin­wei­se, im­mer frisch drauf­los, wenn noch mehr da­von auf­taucht!

  11. Saue­rei? Nein.
    Ich fin­de, der Ton passt zur Ein­lei­tung (die ich dum­mer­wei­se als »Epi­log« ste­hen­liess – und jetzt auch so las­se). Ich mag ihn, weil man doch spürt, dass es trotz­dem kein ober­fläch­li­ches Schrei­ben ist, son­dern ei­nes mit Lei­den­schaft für die Sa­che. Und das ist, was zählt.

  12. Ich fin­de die Kri­tik schon be­rech­tigt. Auch wie­der mal schön, vor­ge­führt zu be­kom­men, dass man vor dem Le­ser nicht die lei­se­ste Re­gung ver­ber­gen kann. Je nach Emp­fin­den be­wegt sich das zwi­schen sa­lopp und schlam­pig. Ich er­in­ne­re mich deut­lich an das »Schlam­pen­ge­fühl«, als ich das tipp­te. Je wei­ter die Ar­beit fort­schritt, um­so mehr ge­noss ich die­ses Ge­fühl und dach­te ir­gend­wann: ach zum Teu­fel, ich will ja gar nichts Ern­stes ma­chen! Der Zi­vi­li­sa­ti­ons­grad die­ses Es­says nimmt ge­gen En­de hin im­mer mehr ab.
    Mal se­hen, ob es dann viel­leicht doch wie­der »aus ei­nem Guss« wirkt. Ob nun stramm oder schlam­pig, das wä­re tat­säch­lich ein oder DAS Kri­te­ri­um der ge­lun­ge­nen Form.

  13. Schlam­pig ist er nicht; auch nicht sa­lopp. Eher viel­leicht non­cha­lant.

    (Mir wirft man mei­ne Ver­bis­sen­heit, Ernst­haf­tig­keit, die­ses deutsch­ty­pisch-hu­mor­lo­se ja oft ge­nug vor [lou-sa­lo­me al­ler­dings nicht]. Ich fin­de den­noch, dass die Komp­tenz, die Du aus­strahlst, er­hal­ten bleibt.)

  14. Ei­gent­lich bin ich ja weg, an­de­rer­seits ha­be ich wohl et­was vom hie­si­gen Vi­rus ab­be­kom­men und konn­te es nicht las­sen, nach dem nach Hau­se kom­men, kurz hier rein­zu­le­sen :).
    @ Tor­tu­ga: Ich emp­fin­de Ih­re Art zu schrei­ben sehr erfrischend!!Und wenn es nach mir gin­ge, dann könn­te gern das star­re Schrei­ben im wis­sen­schaft­li­chem Kon­text auf­ge­bro­chen wer­den. Aber wo fängt man/frau an und wo lässt man/frau es? Der ei­ne kommt aus Sach­sen, der an­de­re aus Bay­ern, wie­der ei­ne an­de­re aus dem Saar­land. Und bei wis­sen­schaft­li­chen Ar­bei­ten kann schlecht mit Dia­lekt oder um­gangs­sprach­li­chem Aus­druck ge­ar­bei­tet wer­den. Viel­leicht weil ich/wir es ge­wohnt sind, dem Sach­the­ma ei­ne sach­li­che Spra­che zu ge­ben, sprich: ei­ne »Neu­tra­li­tät«. Da­mit ei­ne ge­wis­se Ernst­haf­tig­keit, die im wis­sen­schaft­li­chen Be­reich un­um­gäng­lich ist, zum Aus­druck ge­bracht wird und je­der es ver­ste­hen kann, wie ei­ne sog. Amts­spra­che.
    Aber bit­te, hal­ten Sie sich jetzt bloß nicht an die­sen Klei­nig­kei­ten fest! Mir ist das schon viel zu lang dar­über ge­spro­chen.
    Ihr o.a. Werk ist da­für zu scha­de, denn es kommt ja auf den In­halt an und der ist in mei­nen Au­gen reif!
    @ Gre­gor Keu­sch­nig: Wis­sen Sie, das ist es ja, was ich an die­sem Blog, dem Ih­ri­gen, schät­ze, dass das tral­la­li und tral­la­la ei­ne ab­so­lu­te Ne­ben­rol­le spielt, ob­wohl und über­haupt, es ist mir noch gar nicht un­ter­ge­kom­men.
    LG l‑s