Li­te­ra­tur als Zweck

Kürz­lich er­hielt ich ei­ne Mail von ei­nem leid­lich be­kann­ten öster­rei­chi­schen Pu­bli­zi­sten und Kri­ti­ker, der mich für ei­nen Wett­be­werb des öster­rei­chi­schen Au­ßen­mi­ni­ste­ri­ums als »Wi­der­part« ge­win­nen woll­te. Die Aus­schrei­bung steht un­ter dem Mot­to: »War­um braucht De­mo­kra­tie Li­te­ra­tur? Die Rol­le der Kunst in Kri­sen­zei­ten.« Je­der teil­neh­men­de Öster­rei­cher soll im Team mit ei­nem Aus­län­der ih­re je­wei­li­gen »Pro­jek­te« über den Zu­sam­men­hang von De­mo­kra­tie und Li­te­ra­tur vor­stel­len. Ver­mut­lich sind Prä­sen­ta­tio­nen, Work­shops oder Se­mi­na­re ge­meint, die der Ten­denz der (sug­ge­sti­ven) Fra­ge des Wett­be­werbs ent­spre­chen.

Aus mehr­fa­chen Grün­den bin ich na­tür­lich da­für der fal­sche. Zum ei­nen ha­be ich über­haupt kein »Pro­jekt«, Ich möch­te kein Ziel er­rei­chen, möch­te nie­man­den über­zeu­gen bei­spiels­wei­se mehr zu le­sen, oder, ver­mut­lich wä­re das noch bes­ser, »das Rich­ti­ge« zu le­sen oder »das Fal­sche« zu mei­den. Ich ha­be al­so kei­ne Mis­si­on, bin, im wört­li­chen Sinn, ein Idi­ot, ein Pri­vat­mann. Das ist der tech­ni­sche Ein­wand, der ei­gent­lich je­de wei­te­re Dis­kus­si­on be­en­det.

Ein zwei­te Ein­wand wä­re grund­sätz­li­cher Na­tur. Die Fra­ge lau­tet nicht et­wa »War­um braucht die Li­te­ra­tur De­mo­kra­tie?« Das wä­re auch tö­richt (sie­he un­ten). Es geht um an­de­res. Ge­nau­er hin­ge­se­hen ist »War­um braucht die De­mo­kra­tie Li­te­ra­tur?« kei­ne Fra­ge, son­dern im­pli­ziert be­reits die Ant­wort. Es ist ei­ne dog­ma­ti­sche Prä­mis­se. Ein Zwei­fel ist nicht vor­ge­se­hen. Das löst bei mir Un­be­ha­gen aus.

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Deutsch-deut­sche Pflicht­lek­tü­re

Ein Streif­zug durch die Ste­­fan-Heym-Wer­k­aus­­ga­­be Wer kennt ihn noch, Ste­fan Heym? Ein Mann mit ei­nem gro­ßen Kopf, bu­schi­gen wei­ßen Haa­ren an den Sei­ten, tie­fer Stim­me, fast ein Bass, bis­wei­len mit Bas­ken­müt­ze oder in ei­nem opu­len­ten Ses­sel sit­zend und ziem­lich lang­sam, fast su­chend, spre­chend. Da­mals, in den 1970er Jah­ren, kam er häu­fig in den Kul­tur­sen­dun­gen im ...

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