Pe­ter Ste­phan Jungk: Markt­ge­flü­ster

»Ei­ne ver­bor­ge­ne Hei­mat in Pa­ris« – so lau­tet der Un­ter­ti­tel von Pe­ter Ste­phan Jungks neue­stem Buch »Markt­ge­flü­ster«. Es sind 27 Ka­pi­tel, ver­wo­ben zu ei­nem au­to­fik­tio­na­len Text (die Be­zeich­nung »Ro­man« fehlt), denn der Ich-Er­­zäh­­ler ist deut­lich er­kenn­bar als der Au­tor (auch, wenn man si­cher künst­le­ri­sche Frei­hei­ten at­te­stie­ren muss). Zoe, die Frau sei­nes Le­bens, nach der er ...

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Bea­trix Lang­ner: Der Vor­hang

Beatrix Langner: Der Vorhang
Bea­trix Lang­ner: Der Vor­hang

Ei­gent­lich sind es vier Er­zäh­lun­gen, die die Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Bea­trix Lang­ner in ih­rem 190 Sei­ten-Ro­man »Der Vor­hang« in­ein­an­der ver­wo­ben hat. Zum ei­nen, je­weils in Kur­siv­schrift, zu Be­ginn ei­nes je­den der 27 Ka­pi­tel, ein wild-par­odi­sti­scher Zei­ten­ritt der er­sten Men­schin (wahl­wei­se auch Be­he­mots Toch­ter oder »ein Am­phib«) durch die Erd­ge­schich­te, über »kä­no­zoi­sche Ufer« mit »ju­ras­si­schem Sand« in »vor­ter­tiä­rem Un­ter­grund«, ei­nem »wie ei­ne Glocke« schwin­gen­den Erd­man­tel und dann fest­stel­len, dass es am »di­luvia­ni­schen Ho­ri­zont« hell wird. Da jet­tet je­mand 2496 Mil­li­ar­den Jah­re (un­ter Be­rück­sich­ti­gung ei­ner von der Er­zäh­le­rin eher lang­wei­lig emp­fun­de­nen Epi­so­de von ei­ner Mil­li­ar­de Jah­ren) mit ei­nem – wie soll­te es an­ders sein – apo­ka­lyp­ti­schen Fi­na­le mit »rol­len­den Feu­er­ne­stern«. In­spi­riert wer­den die­se Phan­tas­ma­go­rien durch die Rie­sen­bag­ger, die seit Jahr­zehn­ten in der Köl­ner Bucht die Land­schaft um­frä­sen und von der Er­zäh­le­rin in ei­ner Mi­schung aus Ab­scheu und Fas­zi­na­ti­on be­trach­tet wer­den. Dör­fer wer­den um­ge­sie­delt, Men­schen ih­rer Hei­mat be­raubt (bis­wei­len so­gar ent­eig­net), nur (nur?) um Braun­koh­le zu för­dern, die, wie sich jetzt ei­ni­ger­ma­ßen über­ra­schend her­aus­stellt, für den dro­hen­den Kli­ma­wan­del nicht so gün­stig zu sein scheint.

Und dann gibt es noch die Ich-Er­zäh­le­rin, die aus ih­rer Kind­heit er­zählt, aus ei­ner Stadt, die, war­um auch im­mer, mit »E.« ab­ge­kürzt wird, ob­wohl man nach Se­kun­den er­ken­nen kann, dass es wohl doch Er­kel­enz ist. Die­se Kind­heits­er­in­ne­run­gen wie­der­um wer­den aus­ge­löst durch die Be­treu­ung, spä­ter Pfle­ge der durch ei­nen Schlag­an­fall und/oder De­menz ge­zeich­ne­ten Mut­ter, Jahr­gang 1924, de­ren jah­re­lan­ger Ver­fall bis hin zu Win­del­ho­sen und Bett­un­ter­la­gen in mit­leid­lo­sem Zorn er­zählt wird. Da die Mut­ter auf die zahl­rei­chen Fra­gen nicht mehr ant­wor­ten kann (oder will), über­nimmt die Toch­ter die Re­kon­struk­ti­on ih­res Le­bens gleich selbst, lässt, wie es ein­mal heißt, die Zeit rück­wärts lau­fen, füllt Leer­stel­len aus, ima­gi­niert Er­eig­nis­se, die sie nicht er­lebt hat, nicht er­lebt ha­ben kann und setzt dem (ge­woll­ten?) Ver­ges­sen das Fa­bu­lie­ren ent­ge­gen.

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Ul­rich Pelt­zer: Das bist du

Der na­men­los blei­ben­de Ich-Er­­zäh­­ler in Ul­rich Pelt­zers neu­em Ro­man »Das bist du« er­in­nert sich schrei­bend an sei­ne Zeit als Stu­dent An­fang der 1980er Jah­re in West-Ber­­lin. Vie­les spricht da­für, dass der An­lass ein Stadt­be­such ist. Was hat sich ver­än­dert? Was ist aus den Freun­den, Be­kann­ten ge­wor­den? Wo hat er frü­her ge­wohnt? Gibt es noch das ...

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An­na Baar: Nil

Ein Mensch sitzt in ei­nem Raum, ver­däch­tig ei­nes nicht nä­her de­fi­nier­ten De­likts. Ei­ne Ver­hör­si­tua­ti­on; ein Wär­ter, ei­ne Ka­me­ra­frau. Ein Fet­zen Pa­pier als In­diz (für was?), ein Über­bleib­sel ei­nes Au­to­da­fés? Die Uhr tickt zwar, aber im Leer­lauf; die Zeit ist nicht ab­les­bar. Was ist ge­sche­hen? Nicht ein­mal das Ge­schlecht des Ich-Er­­zäh­­lers ist klar. Als Be­ruf wird ...

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Pa­trick Mo­dia­no: Un­sicht­ba­re Tin­te

Be­reits 1978, im Prix-Gon­­court-prä­­mier­ten Ro­man »Rue des Bou­ti­ques Ob­scu­res« (1979 Deutsch von Ger­hard Hel­ler: »Die Gas­se der dunk­len Lä­den«), kommt bei Pa­trick Mo­dia­no die De­tek­tei Hut­te vor. Und nun, im neue­stem auf deutsch er­schie­ne­nen Buch »Un­sicht­ba­re Tin­te« (Über­set­zung Eli­sa­beth Edl), er­in­nert sich ein Ich-Er­­zäh­­ler mit dem Na­men Jean Ey­ben an sei­ne kur­ze Tä­tig­keit bei die­ser ...

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Chri­sti­an Kracht: Eu­ro­trash

Ich ge­ste­he, dass ich nach der Pres­se­mit­tei­lung des Ver­lags vom De­zem­ber letz­ten Jah­res, in der an­ge­kün­digt wur­de, dass Chri­sti­an Kracht mit »Eu­ro­trash« ei­ne Fort­set­zung von »Fa­ser­land« ge­schrie­ben ha­be und die ei­ni­ge Feuil­­le­­ton-Re­­dak­teu­­re prak­tisch eins-zu-eins über­nom­men hat­ten, »Fa­ser­land« noch ein­mal le­sen muss­te. Ich hat­te von der Lek­tü­re nichts mehr be­hal­ten, was, wie vie­le glau­ben, an mir ...

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Mar­tin Mo­se­bach: Krass

Der neue Ro­man von Mar­tin Mo­se­bach trägt den Ti­tel »Krass«. Ist der be­hut­sa­me Sprach­ar­tist jetzt in den Ju­gend­jar­gon ab­ge­drif­tet? Nein, man braucht sich kei­ne Sor­gen zu ma­chen: »Krass« ist der Na­me sei­nes Prot­ago­ni­sten, der Haupt­fi­gur des Ro­mans (erst spä­ter fragt man sich, ob er wirk­lich die Haupt­fi­gur ist, aber ge­mach). Wie­der so ei­ne Mosebach’sche Na­mens­schöp­fung, ...

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Ge­or­ges Si­me­non: Aus den Ak­ten der Agence O

Georges Simenon: Aus den Akten der Agence O
Ge­or­ges Si­me­non: Aus den Ak­ten der Agence O

Jo­seph Tor­rence, Ex-In­spek­tor der Pa­ri­ser Kri­mi­nal­po­li­zei und ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter von Kom­mis­sar Mai­gret, Mit­te 40, »ein un­be­küm­mer­ter Riese…sehr ge­pflegt und gut ge­nährt« ist jetzt der Chef ei­ner der »be­rühm­te­sten Pri­vat­de­tek­tei­en der Welt«, der »Agence O«. Ihm zur Sei­te steht der jun­ge, som­mer­spros­si­ge Rot­schopf Émi­le, der als Fo­to­graf fun­giert, der Bü­ro­die­ner und ehe­ma­li­ge Ta­schen­dieb Bar­bet so­wie die Se­kre­tä­rin Ma­de­moi­sel­le Ber­the. Das Bü­ro liegt fast ein biss­chen kon­spi­ra­tiv ge­gen­über von ei­nem Mu­si­cal-Thea­ter, über dem Fri­seur­sa­lon »Chez Adol­phe« in der Ci­té Ber­gè­re in Pa­ris.

Ge­or­ges Si­me­non hat bin­nen sehr kur­zer Zeit vier­zehn Er­zäh­lun­gen über die »Agence O« ver­fasst, die 1943 bei Gal­li­mard ver­öf­fent­licht wur­den. 1968 wur­den für das fran­zö­si­sche Fern­se­hen zwölf Epi­so­den der »Agence O« ver­filmt (Re­gie führ­te Si­me­nons Sohn Marc), die 1971 in der ARD un­ter dem Na­men »Agen­tur Null« aus­ge­strahlt wur­den.

Sechs Er­zäh­lun­gen sind jetzt un­ter dem Ti­tel »Aus den Ak­ten der Agence O« im Kam­pa-Ver­lag auf­ge­legt wor­den, wo­bei nur »Der Mann hin­ter dem Spie­gel« von Sa­bi­ne Schmidt über­setzt in ei­ner in­zwi­schen ver­grif­fe­nen An­tho­lo­gie be­reits er­schie­nen war. Die an­de­ren fünf Er­zäh­lun­gen, von Su­san­ne Röckel über­tra­gen, gibt es zum er­sten Mal in deut­scher Spra­che. Die wei­te­ren acht Er­zäh­lun­gen mit Aben­teu­ern der »Agence O« sol­len zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt er­schei­nen.

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