Pe­ter Hand­ke: Ge­stern un­ter­wegs

Gestern unterwegs - Hörbuch

Ge­stern un­ter­wegs – Hör­buch

In »Ge­stern un­ter­wegs« setz­te sich die Ent­wick­lung aus den Jour­na­len von Pe­ter Hand­ke fort, die sich schon bei sei­nem vor­letz­ten Jour­nal »Am Fels­fen­ster, mor­gens« ab­zeich­ne­te. Wäh­rend die ta­ge­buch­ähn­li­che Jour­na­le da­vor durch­aus auch apho­ri­sti­sches ent­hiel­ten, teil­wei­se ein biss­chen jun­gen­haft da­her­ka­men, zei­gen sich in der von Hand­ke vor­ge­nom­me­nen Aus­wahl ins­be­son­de­re bei »Ge­stern un­ter­wegs« ne­ben den Reise‑, nein, bes­ser: Geh-Im­pres­sio­nen auch die Fin­ger­übun­gen zu spä­ter ent­ste­hen­den Bü­chern. Das ist bei ei­nem Dich­ter si­cher­lich nicht un­ge­wöhn­lich, setzt je­doch beim Le­ser ei­ne ge­wis­se Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Werk vor­aus, oh­ne die sol­che Ver­wei­se (auf zu­künf­ti­ge Li­te­ra­tur) si­cher­lich nur halb so in­ter­es­sant sein mö­gen.

So kann man sich über­rascht zei­gen, dass Hand­kes (bis­her weit­ge­hend un­ver­stan­de­nes Buch) »Der Bild­ver­lust« (2002 er­schie­nen) durch­aus be­reits in den »Auf­zeich­nun­gen No­vem­ber 1987 bis Ju­li 1990« (so der Un­ter­ti­tel des Bu­ches) Form an­nahm und mehr als nur ein va­ges Pro­jekt ge­we­sen sein muss (frei­lich be­tont Hand­ke im kur­zen Vor­wort [Lie­ber Le­ser!], dass ei­ni­ges be­reits in dem 1994 er­schie­ne­nen Buch »Mein Jahr in der Nie­mands­bucht« auf­ge­nom­men wur­de). Na­tür­lich fal­len in die Zeit Hand­kes »Ver­su­che« (die sich an zahl­rei­chen Stel­len ab­zeich­nen), der Er­zähl- und No­vel­len­band »Noch ein­mal für Thuky­di­des« und sein Thea­ter­stück »Das Spiel vom Fra­gen«.

Lös­ge­löst von die­sen manch­mal fast phi­lo­lo­gi­schen De­tails hat man sich im vor­lie­gen­den Hör­buch (4 CDs mit ins­ge­samt 232 Mi­nu­ten) bei Hoff­mann und Cam­pe fast aus­schliess­lich auf die wun­der­ba­ren Rei­se­no­ti­zen Hand­kes kon­zen­triert. Und das al­les von ihm selbst ge­le­sen, be­däch­tig, in ei­ner ad­äqua­ten Lang­sam­keit (die kei­ne Träg­heit ist), die die Epi­so­den oft wie ein Ge­dicht re­zi­tie­ren, ja ze­le­brie­ren; ge­le­gent­lich psal­mo­die­ren. (Wie schön, dass ei­ni­ge Ma­le Vo­gel­ge­zwit­scher im Hin­ter­grund zu hö­ren ist.) Und ab und zu scheint Hand­ke ge­ra­de­zu über ei­ne For­mu­lie­rung, ein Wort, ein Bild über­rascht; manch­mal er­hei­tert und ein paar Mal fügt er et­was hin­zu.

Hand­ke, der Au­gen­blick­den­ker und Ge­gen­wart­samm­ler mit dem Ver­ge­wis­se­rungs­blick, der rast­los Su­chen­de mit der Sehn­sucht nach Stil­le (und Ru­he), reist al­lei­ne durch das ju­go­sla­wi­sche Karst, das Fri­aul, Tri­est, Grie­chen­land, Kai­ro, dann nach Frank­reich, Bel­gi­en, ir­gend­wann ist er in To­kio und dann ir­gend­wo an­ders in Ja­pan durch Wäl­der ir­rend ei­ne Bud­dha­sta­tue su­chend (und dann fin­dend). Dann im Flug­zeug nach An­cho­ra­ge (man er­in­nert sich an »Lang­sa­me Heim­kehr«), dann Lon­don, Lissabon/Portugal, Ga­li­zi­en, Bas­ken­land; Nimes/Aix en Pro­vence; wie­der Tri­est, das Fri­aul; Ver­sailles, Lon­don (er lan­de­te am Tag des Locker­bie-Un­glücks mit der »Zubringer«-Maschine aus Frank­furt in Lon­don – ei­ne der we­ni­gen Ma­le, wo Hand­ke »zeitak­tu­ell« wird); Schott­land; Rouen/Bretagne; die Py­re­nä­en – und so wei­ter. Und im­mer wie­der kommt er nach Ju­go­sla­wi­en, ins­be­son­de­re nach Slo­we­ni­en und es klingt nun (nach­träg­lich) wie ei­ne lan­ge Ab­schieds­rei­se von sei­nem Ar­ka­di­en, dem Land Ju­go­sla­wi­en, wel­ches er, wie er ein­mal sagt, als Ge­gen­land zu Hof­mannsthals Deutsch­land.

‘Stau­nend un­ter­wegs’ oder ‘Ex­er­zi­ti­en des Schau­ens’ hät­te man es auch nen­nen kön­nen. Hand­kes Auf­zeich­nun­gen »han­deln« im land­läu­fi­gen Sin­ne von – nichts; schein­bar nichts! Vom Fal­len ei­nes Blat­tes, von Spat­zen (den ein­zel­nen oder auch den Schwär­men) , der Was­ser­la­che ei­nes Feld­wegs, den Fi­gu­ren ei­ner Kir­che oder Mo­schee, den Kin­dern des Abends (Am­seln), Pas­san­ten­zü­gen, dem Fah­ren in Bus­sen oder Zü­gen (Hand­ke kann nicht Au­to­fah­ren); der Stil­le ei­nes Or­tes – mit und oh­ne Men­schen; von so et­was wie den Glücks­mo­men­ten des Le­bens und wenn sich so et­was un­ge­heu­er­li­ches dann »er­eig­net«, wenn Hand­ke so et­was in Spra­che bringt, da be­greift man erst ein­mal, was man im all­ge­mei­nen Lärm des (so­ge­nann­ten) All­tags al­les nicht mehr mit­be­kommt und man lernt – im Ide­al­fall – wie­der das Schau­en, das Ru­hen (das Aus­ru­hen kön­nen) und viel­leicht so­gar wie­der das Stau­nen. (Und Hand­kes Be­schwö­rung des Ver­bots der Sor­ge [an Hei­deg­ger an­ge­lehnt] – und die­ser Ap­pell an sich selbst zeigt ja auch so ei­ni­ges.)

Vie­les ist bei Hand­ke auch Su­che (er nennt sich ei­nen Stö­be­rer); im Wis­sen um die »Un­voll­kom­men­heit«. Ein­mal heisst es: ... und jetzt lass dem Phä­no­men wie­der sei­ne Ru­he – als ver­un­rei­ni­ge der mensch­li­che Blick ge­ra­de­zu die Welt. Das Stre­ben nach der Voll­stän­dig­keit des Mensch-Da­seins – nichts we­ni­ger als das ist sein Wunsch; und es wä­re fast ei­ne Plat­ti­tü­de wür­de man sa­gen, Hand­ke wol­le »eins sein« mit der Na­tur – nein: er will mit den Din­gen wirk­lich sein. Ein frei­lich ephe­me­res Glück (das weiss Hand­ke na­tür­lich), aber ei­nes, das un­be­dingt ver­sucht wer­den muss (und kann). Und das Be­schwö­ren, das Ta­sten, das Of­fen-Wer­den für die­se auf­wand­lo­sen Au­gen­blicke, das Er­zäh­len die­ser Be­ge­ben­hei­ten (die dann manch­mal noch mit ei­nem Da­tum ver­se­hen wer­den – so­zu­sa­gen als ei­ne Art wah­res, neu­es, letz­tes Ge­schichts­buch [Wann wur­de das Eich­hörn­chen von Jä­gern in Ma­ze­do­ni­en ge­tö­tet? Wann zog der Spat­zen­schwarm da­von? Wann er­eig­ne­te sich die Kell­ner­ge­schich­te?]), das Verb­su­chen; die »Und-Ge­dich­te« (Zwei­zei­ler) – all dies mit der ein­gangs be­schrie­be­nen Hand­ke-Stim­me: Und der Le­ser sieht das ge­le­se­ne Buch noch ein­mal ganz neu – durch das Hö­ren.

Ein­mal heisst es: Ein (halb­wegs) ge­glück­tes Le­ben er­kennst Du dar­an, dass der­je­ni­ge nicht zum Po­panz sei­ner selbst (sei­nes Selbst) wird, son­dern zit­tert, und zit­tert, kind­lich, schwach, auf der Kip­pe, bis zu­letzt. Und der letz­te Satz auf der vier­ten CD im Hör­buch ist plötz­lich nicht mehr so ganz ab­we­gig: »…ein Re­gen­trop­fen fiel in sei­ne Ober­lip­pen­fur­che. Ei­ne Flocke streif­te sie und das war das Le­ben. (==> Hör­pro­be hier: )

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Von den drei­ein­halb Jah­ren die­ses Jour­nals ist Hand­ke be­stimmt ins­ge­samt drei Jah­re un­ter­wegs. Die­ses Jour­nal sei denn das letz­te sei­ner Art, schreibt er. Lei­der – fügt der Le­ser hin­zu. Seit 1991 ist Hand­ke – für sei­ne Ver­hält­nis­se – sess­haft ge­wor­den und lebt in Cha­vil­le (in der Nä­he von Pa­ris). Sei­ne wei­te­ren Rei­se­bü­cher sind dann schon die­je­ni­gen, die vom Ab­ge­sang Ju­go­sla­wi­ens er­zäh­len.

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Hör­bu­cher ha­ben ge­le­gent­lich den Feh­ler, dass die Stim­me des Vor­le­sers – meist ei­nes Schau­spie­lers, aber nicht nur bei ih­nen – über In­halt und Form des Ge­schrie­be­nen do­mi­niert. Stim­me und Be­to­nun­gen len­ken ab von der Er­fas­sung des Tex­tes. Sei es, weil die­se Vor­le­ser sich be­son­ders hin­ge­zo­gen füh­len zu dem Text und ihn noch ein biss­chen her­aus­he­ben wol­len (was meist un­nö­tig ist) oder ein­fach aus Ei­tel­keit, um sich selbst her­aus­zu­stel­len (was schreck­lich ist). Von all dem hier nichts. Hand­ke stellt sich so­zu­sa­gen voll im Dien­ste des Wor­tes, des Sat­zes, des Be­grif­fes, des Bil­des – prak­tisch mit ihm ver­schmel­zend, oh­ne es (das Ge­schrie­be­ne) zu do­mi­nie­ren zu wol­len; ein gra­vi­tä­ti­sches Le­sen.

Ach ja, und noch et­was für (oder bes­ser: ge­gen) al­le die­je­ni­gen, die uns von den »tol­len Mög­lich­kei­ten« er­zäh­len, Hör­bu­cher »beim Au­to­fah­ren« qua­si zu kon­su­mie­ren: Glaubt die­sen Möch­te­gern­le­sern, die­sen Li­te­ra­tur­kri­ti­ker-Imi­ta­tio­nen kein Wort! We­nig­stens nicht hier und mit die­sem Hör­buch. Aber auch sonst: Räumt dem Le­sen, dem Hö­ren, dem Schau­en den Platz ein, der ihm ge­bührt. Nicht als Ge­räusch­ku­lis­se im Hin­ter­grund soll Li­te­ra­tur die­nen, son­dern als in die­sem Au­gen­blick das Wich­tig­ste auf der Welt. Man erschaf­fe sich sol­che Au­gen­blicke. Und staunt dann wie­der. End­lich. Recht so.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Or­pheus in der Ober­welt
    Kaum je­mand, der der­art im be­sten Sin­ne noch In­ten­si­tä­ten, ganz­heit­li­che, mi­ni­mal-übewäl­ti­gen­de, au­gen­blicks-an­de­re Sich­ten ver­mit­teln kann, da­zu Stau­nen und Wun­dern und doch zu hö­he­ren Gra­den von Prä­zi­sio­nen schrei­ben, d.h. auch hand­werk­lich auf ei­ner be­stimm­ten, fast ei­ge­nen Hö­he ist, wie Pe­ter Hand­ke.

    Ich ha­be im­mer ge­fun­den, dass sei­ne Jour­na­le eben im wie Un­fer­ti­gen – Öff­nen und Of­fen­las­sen­den – ei­ne ganz ei­ge­ne Qua­li­tät ha­ben und be­stim­men, wo das ent­leer­te, da für al­len Un­sinn ent­lehn­te Wort „poe­tisch“ ei­ne an sei­ne Quel­len an­knüp­fen­de Be­deu­tung hat: Et­was auf hö­he­re Art Be­sin­gen, es Fei­ern.

    Dass die­se Sa­che heut­zu­ta­ge et­was qua­si Exo­ti­sches ge­wor­den ist – und im Ge­gen­zug sol­che Men­schen wie Rein­hard May et.al. als „Poe­ten“ sich ti­tu­lie­ren las­sen dür­fen, weil sie rei­mend an kon­ven­tio­nel­le, d.h. mehr­heits­fä­hi­ge For­men an­knüp­fen – das ist schon merk­wür­dig. Vor al­lem da se­he ich Hand­ke als be­har­ren­de und sin­gu­lä­re Ge­stalt. Und er ist es für uns al­le!

  2. Ja, und wie...
    Hand­ke das »Poe­ti­sche« im­mer wie­der »fas­sen« will; um­kreist; neu de­fi­niert – nur, um es der all­ge­mei­nen Ver­hun­zung zu ent­rei­ssen. Das hat schon et­was Rüh­ren­des. Wie da je­mand ver­sucht, ei­nen Be­griff, der zur Flos­kel ver­kom­men ist, wie­der zu re-ak­ti­vie­ren. Und das nicht nur über die »De­fi­ni­ti­on« bzw. das Bild, son­dern durch die Tat.

  3. Ge­ständ­nis
    Zu Hör­bü­chern konn­te ich mich noch nie durch­rin­gen, ich glau­be es fällt mir schwer mich län­ger dar­auf zu kon­zen­trie­ren. Aber viel­leicht soll­te ich es ein­fach mal pro­bie­ren.

    (Zu Hand­ke ver­mag ich lei­der nichts zu sa­gen.)

  4. Rüh­rung
    Das “Rüh­ren­de” stieß mir auf – ob­wohl ich zu wis­sen glau­be, wie Sie es mei­nen.

    In ganz an­de­rem Zu­sam­men­hang las ich neu­lich ei­ne De­fi­ni­ti­on von Kitsch (ich mei­ne, es war von Gum­brecht... es ist mir aber auch nicht wich­tig ge­nug, jetzt da­nach zu su­chen): Das sei, wenn es ei­nem Ge­rühr­ten um die­se ei­ge­ne Rüh­rung ge­he. Ich fühl­te mich gleich schul­dig – woll­te aber eben­so auf die­se (in der Ten­denz ja eher sel­te­nen) Fäl­le be­stehen, wo es mich schon mal aus mei­ner an­ge­streng­ten Hal­tung von Un­an­ge­rührt­heit reißt.

    Könn­te man es nicht auch dem eher (Handke-)Kindlichen zu­schla­gen, dem In­si­stie­ren auf das Stau­nens­wer­te, das im Wun­dern bes­ser An­rüh­ren­de, das ei­nen eben Be-rüh­ren­de?

    Aber das al­les sind ja dann im­mer auch Grat­wan­de­run­gen, und es ist schon mu­ti­ger auf dem schma­len ge­fähr­li­che­ren Weg sich zu be­we­gen („un­ter­wegs“ zu blei­ben), als in der Ge­wiss­heit der mit sol­chen Schuld­wör­tern de­le­gier­ten Ur­tei­le. Was mich dann eben auch an je­ner Ge­lehr­ten-De­fi­ni­ti­on stör­te: Die Un­zwei­fel­haf­tig­keit des Pro­fes­so­ra­len, der sich al­len Kitsch­ver­dach­tes ent­le­digt weiß (oder wis­sen will).

    Aber: Fehlt ihm dann nicht aber auch et­was?

  5. Nein,
    es geht ihm (so le­se [und hö­re] ich das) nicht um die »ei­ge­ne Rüh­rung«; es ist eher ei­ne fast fort­lau­fen­de Selbst­ver­ge­wis­se­rung, die sich im Su­chen zeigt. Al­so tat­säch­lich: ..das im Wun­dern bes­ser An­rüh­ren­de..., das ihm Be-rüh­ren­de.

    Das wirkt na­tür­lich (un­ter Um­stän­den) ge­le­gent­lich ein biss­chen ge­spielt welt­fremd oder na­iv. Es gibt bei Hand­ke im »Spiel vom Fra­gen« die Dia­lo­ge zwi­schen »Mau­er­schau­er« und »Spiel­ver­der­ber« – das könn­ten auch Selbst­ge­sprä­che (Ver­ge­wis­se­rungs-Ge­sprä­che) sein. Der »Spiel­ver­der­ber« sieht im­mer nur das Ne­ga­ti­ve – der »Mau­er­schau­er« neigt zum »Kind­li­chen«. Ir­gend­wann folgt dann die Selbst­cha­rak­te­ri­sie­rung des Schön­schau­ers: Er sei wohl – und dies als Not­wen­dig­keit – »ge­sund dumm«. In die­sem Sin­ne wird viel­leicht der sehr, sehr schma­le Grat, von dem Sie spre­chen, ge­streift. Aber gleich­zei­tig zeigt es Hand­kes »Pro­gramm« (ein schreck­li­ches Wort in die­sem Zu­sam­men­hang).

    Und es ist ein sich-die­sem-Aus­set­zen, was ihn (den Au­tor) aus­zeich­net.

  6. Hand­ke ist ein ‘Wahr­neh­mungs­künst­ler’, oder bes­ser, weil we­ni­ger tau­to­lo­gisch, ein ‘Wahr­neh­mer’ der Welt jen­seits ih­rer tech­ni­schen Wahr­neh­mungs­or­ga­ne: Zei­tung, Fern­se­hen, In­ter­net. Oder noch deut­li­cher: Hand­ke app­er­zep­tiert* die fad ge­wor­de­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit der Welt in ei­ner ana­chro­ni­sti­schen Wei­se und bür­stet sie qua­si ge­gen den Strich... Er ist in die­sem Sin­ne ein ‘Hin­zu­wahr­neh­mungs­künst­ler’!
    Hand­ke hat da­mit be­wusst die Rol­le des ‘rei­nen To­ren’ über­nom­men, der Be­griff trägt zum Ver­ständ­nis sei­ner Li­te­ra­tur eben­so bei, wie er Hand­kes ‘po­li­ti­sche’ Aus­sa­gen in ein ih­nen ‘ge­mä­ßes’ Licht setzt.

    *(App­er­zep­ti­on aus neu­lat. ad­per­ci­pe­re »hin­zu­wahr­neh­men«, von Leib­niz im Un­ter­schied zu Per­zep­ti­on ge­braucht für den see­li­schen Vor­gang, durch den sinn­lich Ge­ge­be­nes mit­tels Auf­merk­sam­keit und Ge­dächt­nis auf­ge­fasst, an­ge­eig­net, ins Be­wusst­sein er­ho­ben, in den Be­wusst­seins­zu­sam­men­hang ein­ge­ord­net wird).

  7. so­me comments on lothar’s re­spon­se to FELSFENSTER
    ger­man feels dif­fi­cult to­day sin­ce i am over­wor­ked and ti­red, so i am go­ing to com­ment on lothar’s fi­ne pie­ce in eng­lish.

    1] the rea­son hand­ke does not know how to dri­ve is be­cau­se his co­lor vi­si­on pro­blems he can’t get a driver’s li­cen­se. thus all tho­se bus trips, de­scrip­ti­ons of what pas­sen­gers look li­ke in bu­ses [nie­mands­bucht] and al­so the wal­king. bu­ses and rail­ways or wal­king. you see a lot mo­re, are left un­dis­trac­ted by con­cen­tra­ting on dan­gers. hand­ke, un­li­ke me, did not learn to ri­de a hor­se or mu­le. al­so, re­aders of the ma­jor yu­go­s­lav texts will no­te that hand­ke needs friends to dri­ve him around.

    2] the dia­ry no­ta­ti­ons that are most re­ve­la­to­ry of ar­tis­tic plan­ning, chan­ging is GESCHICHTE DES BLEISTIFTS. Perhaps still my fa­vo­ri­te book of them all. The na­ked ego ex­hi­bi­ti­on of GEWICHT DER WELT cea­ses and ar­tis­tic pro­jects, es­pe­ci­al­ly what would be­co­me UEBER DIE DOERFER, step in­to the fo­re­ground, we can see the chan­ge in mo­dus be­fo­re our eyes. one of the im­pli­ca­ti­ons of GEWICHT, not ar­ti­cu­la­ted as such, was :I MUST CHANGE. well, he did, and for the bet­ter as far as I am con­cer­ned, at least for a while.

    3] i am puz­zled, but rea­dy to be en­ligh­te­ned, by lothar’s men­ti­on (Und Hand­kes Be­schwö­rung des Ver­bots der Sor­ge [an Hei­deg­ger an­ge­lehnt] – und die­ser Ap­pell an sich selbst zeigt ja auch so ei­ni­ges.) sin­ce the per­so­na of Sor­ger that Hand­ke ad­opts for LANGSAME HEIMKEHR is ca­ring in the best sen­se that sen­si­ti­ve priests are. ca­ring for lan­guage first of all in the man­ner in which it na­mes, or does not na­me; the book is a big ad­van­ce on LINKHAENDIGE FRAU in sen­si­ti­ve de­scrip­ti­on and evo­ca­ti­on wi­t­hout sho­wing of the ex­tra­or­di­na­ry de­li­ca­cy and sen­si­ti­vi­ty re­qui­red both ver­bal­ly and in sen­se in­ta­ke. so who knows why hand­ke tried not to be too ca­ring: be­cau­se other­wi­se he’d be de­stroy­ed now that, at a gre­at re­mo­ve, has be­co­me em­pa­the­tic?

    http://www.roloff.freehosting.net/index.html
    will lead to a va­rie­ty of sites de­vo­ted to the work and per­son of pe­ter hand­ke

    HANDKE LINKS + BLOGS
    SCRIPTMANIA PROJECT MAIN SITE: http://www.handke.scriptmania.com
    and 12 sub-sites

    http://www.handkelectures.freeservers.com

    http://www.handke.scriptmania.com/realblog.html

    [dem hand­ke auf die schliche/ pro­sa]

    http://handke-discussion.blogspot.com/

    http://www.artscritic.blogspot.com [so­me hand­ke ma­te­ri­al, too, the mi­lo­se­vic con­tro­ver­sy sum­ma­ri­zed]

  8. Dan­ke
    für Ih­ren Kom­men­tar.

    Es ist auch in »Ge­stern un­ter­wegs« sehr viel Ma­te­ri­al zu le­sen, wel­ches sich in den näch­sten Hand­ke-Bü­chern (bis zum »Bild­ver­lust«) wie­der­fin­det. Sie ha­ben recht, dass ins­be­son­de­re im »Ge­wicht der Welt« sehr viel stär­ke­rer Selbst­be­zug auf Hand­kes (pri­va­te bis in­tim­ste) Be­find­lich­kei­ten zu fin­den ist; so et­was fehlt im »Fels­fen­ster« und »Ge­stern un­ter­wegs« fast voll­kom­men. Das ist aber nicht un­be­dingt ein Nach­teil.

    Hand­ke sag­te mal, dass er für die Jour­na­le nur ei­nen Bruch­teil sei­ner No­ti­zen ver­wen­det, in­so­fern dürf­te das oben be­schrie­be­ne Ab­sicht sein.

    Zu sei­ner mehr­fa­chen Er­wäh­nung der »Sor­ge« ver­blüfft mich der Ge­dan­ke an »Sor­ger«, der Prot­ago­nist aus »Lang­sa­me Heim­kehr«. Dar­an hat­te nun ich nicht ge­dacht. Wie über­haupt – und durch die Aus­wahl zum Hör­buch wird das be­son­ders deut­lich – sehr vie­les von sei­nen Rei­sebe­schwö­run­gen im­mer Ge­schich­ten der »Heim­kehr« sind. Man hat das Ge­fühl, er kommt stän­dig ir­gend­wo an.

    Und jetzt er­in­ne­re ich mich an den »an­kom­men­den« Gre­gor in »Über die Dör­fer«...