...nachts

Oft kommt erst im Weg­wer­fen des Dings die (ei­ne) Ach­tung da­für

Das lieb­lo­se Bür­ger­tum (von Th. Mann bis hin­ab zur F.A.Z) darf nicht sie­gen. Aber was heißt schon »sie­gen«?

aus: Pe­ter Hand­ke: »Vor der Baum­schat­ten­wand nachts« in: »literatur/a«, Jahr­buch 2011/12, Pe­ter Hand­ke ge­wid­met; her­aus­ge­ge­ben von Klaus Amann, Fabjan Haf­ner und Do­ris Mo­ser, Rit­ter Ver­lag Kla­gen­furt, Sei­te 107

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5 Kommentare zu »...nachts«:

  1. Oft kommt erst im Weg­wer­fen des Dings die (ei­ne) Ach­tung da­für

    Ich mei­ne et­was sehr ähn­li­ches ein­mal bei Scho­pen­hau­er ge­le­sen zu ha­ben. Ver­sucht Hand­ke sei­ne Fra­ge zu be­ant­wor­ten oder bleibt sie rhe­to­risch?

    #1

  2. Hand­ke läßt die­sen Satz oh­ne wei­te­re Er­läu­te­rung.

    Die Stel­le bei Scho­pen­hau­er wä­re in­ter­es­sant; ich glau­be, die­ser Be­zug wä­re neu.

    #2

  3. Ich zi­tie­re et­was aus­führ­li­cher (aus den Apho­ris­men zur Le­bens­weis­heit):

    Beim An­blick des­sen, was wir nicht be­sit­zen, steigt gar leicht in uns der Ge­dan­ke auf: »wie, wenn das mein wä­re?« – und er macht uns die Ent­beh­rung fühl­bar. Statt des­sen soll­ten wir öf­ter fra­gen: »wie, wenn das nicht mein wä­re?« ich mei­ne, wir soll­ten das, was wir be­sit­zen, bis­wei­len so an­zu­se­hen uns be­mü­hen, wie es uns vor­schwe­ben wür­de, nach­dem wir es ver­lo­ren hät­ten; und zwar je­des, was es auch sei: Ei­gen­tum, Ge­sund­heit, Freu­de, Ge­lieb­te, Weib, Kind, Pferd und Hund: denn mei­stens be­lehrt erst der Ver­lust uns über den Wert der Din­ge. Hin­ge­gen in­fol­ge der an­emp­foh­le­nen Be­trach­tungs­wei­se der­sel­ben wird erst­lich ihr Be­sitz uns un­mit­tel­bar mehr, als zu­vor, be­glücken, und zwei­tens wer­den wir auf al­le Wei­se dem Ver­lust vor­beu­gen, al­so das Ei­gen­tum nicht in Ge­fahr brin­gen, die Freun­de nicht er­zür­nen, die Treue des Wei­bes nicht der Ver­su­chung aus­set­zen, die Ge­sund­heit der Kin­der be­wa­chen usw.

    Quel­le (gleich nach 14.)

    #3

  4. Ich hat­te Dich falsch ver­stan­den und dach­te, Hand­ke hät­te im Duk­tus Scho­pen­hau­ers ge­schrie­ben.

    Schö­ne Stel­le.

    Noch ein Zi­tat von Hand­ke aus dem »Ge­wicht der Welt«: Je­mand bricht in ein Ju­we­lier­ge­schäft ein, um die schö­nen li­la Kis­sen zu steh­len, auf de­nen die Bril­lan­ten lie­gen

    #4

  5. »Oft kommt erst im Weg­wer­fen des Dings die (ei­ne) Ach­tung da­für.«

    Viel­leicht ist die­se Ach­tung oft auch vor­her vor­han­den und des­we­gen wei­gern sich vie­le, un­brauch­ba­re Din­ge weg­zu­wer­fen :)

    #5