Nach­rich­ten nach Guts­her­ren­art

Am 22.03.2010 wur­de die Ver­haf­tung von Jörg Ka­chelm­ann ge­mel­det. Er wird der Ver­ge­wal­ti­gung ver­däch­tigt, was er be­strei­tet. Al­le Me­di­en be­rich­ten von dem Er­eig­nis; ei­ni­ge er­ei­fern sich in vor­aus­ei­len­dem Rich­ter­spie­len (nicht nur die üb­li­chen Ver­däch­ti­gen der Volks­ver­dum­mungs­agen­tur ‘Bild’). Auch das ZDF be­rich­tet in ih­rer »heute«-Sendung um 19 Uhr über die Ver­haf­tung und er­wähnt aus­drück­lich, dass Ka­chelm­ann die Vor­wür­fe be­strei­tet.

Al­le Me­di­en? Nein, »ta­ges­schau« und »ta­ges­the­men« der ARD schwei­gen da­zu. Ka­chelm­anns Fir­ma »Me­teo­me­dia« pro­du­ziert für die ARD ei­ni­ge Wet­ter­sen­dun­gen, u. a. in den »ta­ges­the­men« (in der »ta­ges­schau« wird die Vor­her­sa­ge des Deut­schen Wet­ter­dien­stes ge­zeigt; ein müh­sam aus­ge­han­del­ter Kom­pro­miss zwi­schen den wi­der­strei­ten­den An­bie­tern). Ist das der Grund? Im­mer­hin nimmt der »Er­ste Chef­re­dak­teur« von »ARD-ak­tu­ell«, Dr. Kai Gniff­ke, im »tagesschau«-Blog noch am glei­chen Tag Stel­lung zur Nicht­be­richt­erstat­tung und be­strei­tet das. Als Be­grün­dung für das Schwei­gen in den von ihm be­treu­ten Nach­rich­ten­sen­dun­gen be­müht er un­ter an­de­rem die Fol­gen, falls sich der Ver­dacht als falsch her­aus­stel­len soll­te:

    Aber was, wenn sich Ka­chelm­anns Un­schuld her­aus­stellt? Dann ma­chen wir ei­ne sau­be­re Mel­dung, dass der gan­ze Me­di­en­zau­ber halt nur ein klit­ze­klei­ner Irr­tum war. Da­bei kann nach der heu­ti­gen Be­richt­erstat­tung der Wet­ter­kund­ler doch jetzt schon ein­packen.

Es ent­wickel­te sich ei­ne durch­aus kon­tro­ver­se Dis­kus­si­on (man muss wis­sen, dass die Kom­men­ta­re im »tagesschau«-Blog »mo­de­riert« wer­den). Gniff­ke sah sich ge­nö­tigt, zwei Ta­ge spä­ter noch ei­nen Bei­trag zu ver­fas­sen – ob­wohl die Zahl der Be­für­wor­ter sei­ner Po­si­ti­on leicht über­wog. Da­bei ging er in die Of­fen­si­ve und for­mu­lier­te ei­nen für »ta­ges­schau«- und »tagesthemen«-Zuschauer neu­en jour­na­li­sti­schen An­satz:

    Ge­gen­über ge­stern hat sich aus mei­ner Sicht qua­li­ta­tiv nichts ge­än­dert. Der Ver­dacht ei­ner Ver­ge­wal­ti­gung be­steht wei­ter. In­so­fern gilt mei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on von ge­stern auch heu­te. Nun ha­ben Kom­men­ta­to­ren im Blog ein­ge­wandt, wir hät­ten vor sechs Jah­ren auch über den Fall Tür­ck be­rich­tet. Stimmt, wir hat­ten ei­ne Mel­dung, und zwar über die An­kla­ge­er­he­bung. Das hat ei­ne an­de­re ju­ri­sti­sche Qua­li­tät. Das ist der Maß­stab, der für uns heu­te noch gilt wie 2004.

Gniff­ke er­klärt non­cha­lant ei­ne An­kla­ge­er­he­bung als Kri­te­ri­um für die Be­richt­erstat­tung in den Nach­rich­ten­sen­dun­gen der ARD. So weit, so gut, könn­te man sa­gen. Wer’s an­ders möch­te, kann ja die an­de­ren Sen­dun­gen an­schau­en.

Als Ka­chelm­ann am 19.05.2010 an­ge­klagt wird, gibt es dann tat­säch­lich ei­ne Mel­dung hier­zu in der »ta­ges­schau«, was Gniff­ke auch pflicht­schul­digst im Blog mel­det. Und ein biss­chen lar­moy­ant die Vor­wür­fe er sei »um­ge­fal­len« kom­men­tiert:

    Da ha­be ich mal wie­der ge­merkt, dass man es ei­gent­lich im­mer nur falsch ma­chen kann, un­ab­hän­gig da­von, wie man sich ent­schei­det.

Da­bei hat Gniff­ke das, was er in sei­nem Blog­ein­trag vom 24.03. for­mu­liert hat, kon­se­quent durch­ge­hal­ten.

Aber nur in die­sem Fall.

Vor­her und nach­her war dies kei­nes­falls der Fall. Gniff­ke wird nach­weis­lich sei­nem ei­ge­nen Grund­satz nicht ge­recht. Kom­men­ta­re auf sei­nem Blog, die ihn auf die­se In­kon­se­quenz hin­wei­sen, wer­den nicht be­ant­wor­tet.

Al­so dann ein paar Bei­spie­le für die Ver­stö­ße an den ei­ge­nen »Qua­li­täts­maß­stä­ben«:


Der »Fall« Bi­schof Mixa (Ver­dacht: »se­xu­el­ler Miss­brauch«)
Vor­er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft in der »ta­ges­schau« ge­mel­det: 08.05.2010.
Ein­stel­lung der Er­mitt­lun­gen: 14.05.2010 (eben­falls ge­mel­det).


Der »Fall« Jörg Tauss ehe­ma­li­ger SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter (Ver­dacht: »Be­sitz von kin­der­por­no­gra­fi­schem Ma­te­ri­al«)
Ge­mel­det in der »ta­ges­schau«: 05.03.2009
Auf­he­bung der Ab­ge­ord­ne­ten-Im­mu­ni­tät: erst­mals 05.03.2009 und 09.09.2009
An­kla­ge­er­he­bung: 09.09.2009.
Hier er­folg­te 188 Ta­ge vor An­kla­ge­er­he­bung die Be­richt­erstat­tung.

Gniff­kes süf­fi­san­te Über­schrift zur Be­richt­erstat­tung: Aus der Tauss (07.03.2009)


Der »Fall« Klaus Zum­win­kel – ehe­ma­li­ger Post-Vor­stand (Ver­dacht: u.a. »Steu­er­hin­ter­zie­hung«)
Ver­haf­tung: 14.02.2008.
Ge­mel­det in der »ta­ges­schau«: 14.02.2008 (mit ent­spre­chen­dem Film­ma­te­ri­al).
An­kla­ge­er­he­bung: 07.11.2008.
Hier er­folg­te 267 Ta­ge vor An­kla­ge­er­he­bung ei­ne Be­richt­erstat­tung.

Gniff­ke im »tagesschau«-Blog zur Be­richt­erstat­tung am 15.02.2008:

    Denn ei­nes ist für mich auch klar: Wir müs­sen dar­über be­rich­ten und kön­nen nicht war­ten bis die Er­mitt­lun­gen ab­ge­schlos­sen sind.

Der »Fall« Wil­fried Moh­ren – Ex-MDR-Sport­chef (Ver­dacht: »Be­stech­lich­keit«)
Ver­haf­tung: 14.07.2005.
Ge­mel­det in der »ta­ges­schau«: 14.07.2005.
(Frist­lo­se Ent­las­sung durch den MDR: 21.07.2005).
An­kla­ge­er­he­bung: 13.12.2007.
Hier er­folg­te 882 Ta­ge vor An­kla­ge­er­he­bung ei­ne Be­richt­erstat­tung.


Auch in we­ni­ger spek­ta­ku­lä­ren Fäl­len wird re­gel­mä­ßig das Ge­bot ver­letzt, nach dem es erst bei der An­kla­ge­er­he­bung zur Be­richt­stat­tung kommt:

Der »Fall« Wen­de­lin Wie­deking – ehe­ma­li­ger Por­sche-Vor­stand (Ver­dacht: »In­si­der­han­del und Kurs­ma­ni­pu­la­ti­on«)
Ge­mel­det in der »ta­ges­schau«: 21.08.2009
An­kla­ge­er­he­bung: kei­ne An­ga­ben auf­zu­fin­den
Per heu­te (24.05.2010) sind 276 Ta­ge ver­gan­gen, oh­ne dass es zu ei­ner An­kla­ge­er­he­bung ge­kom­men ist.


Der »Fall« Tho­mas Mid­del­hoff – ehe­ma­li­ger Ar­can­dor-Chef (Ver­dacht: »Un­treue«)
Ge­mel­det in der »ta­ges­schau«, dass es »Vor­er­mitt­lun­gen« gibt: 08.06.2009
Ge­mel­det in der »ta­ges­schau«, dass es ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren gibt: 21.06.2009
An­kla­ge­er­he­bung: kei­ne An­ga­ben auf­zu­fin­den
Per heu­te (24.05.2010) sind 350 bzw. 337 Ta­ge ver­gan­gen, oh­ne dass es zu ei­ner An­kla­ge­er­he­bung ge­kom­men ist.


Der »Fall« Diet­rich Gar­lichs – ehe­ma­li­ger Unicef-Ge­schäfts­füh­rer (Ver­dacht: »Un­treue«)
Ge­mel­det in der »ta­ges­schau«: 01.12.2007.
Rück­tritt Gar­lichs von sei­nem Amt: 09.02.2008.
Ein­stel­lun­gen der Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft: 22.10.2008.


Zahl­rei­che an­de­re »Fäl­le« könn­te man noch auf­füh­ren. Ak­tu­ell bei­spiels­wei­se die Vor­wür­fe ge­gen zwei CDU-Ab­ge­ord­ne­te (Mel­dung vom 05.05.10) oder auch ge­gen RTL und ProSiebenSat.1 we­gen des Ver­dachts auf Preis­ab­spra­chen (19.05.10). Die Kri­mi­nal­fäl­le der letz­ten Jah­re mit ho­hem Auf­merk­sam­keits­po­ten­ti­al aber oh­ne »Mit­wir­kung« von Pro­mi­nen­ten aus Po­li­tik, Wirt­schaft oder Ge­sell­schaft [Fritzl/Amstetten, Mar­co W.] wur­den erst gar nicht be­rück­sich­tigt. Auch hier fal­len über­ra­schend schnell die Dar­stel­lungs­schwel­len bei­spiels­wei­se von Echt­na­men und/oder Fo­to­gra­fien.

Es gibt selbst­ver­ständ­lich in all die­sen Fäl­len durch­aus stich­hal­ti­ge Be­grün­dun­gen, war­um auch bei ei­nem blo­ßen Straf­tat­ver­dacht be­rich­ten wer­den soll. Ein Ab­ge­ord­ne­ter, des­sen Im­mu­ni­tät auf­ge­ho­ben wird – der Bür­ger kann durch­aus ein Recht dar­auf re­kla­mie­ren, dies zu er­fah­ren. Ein ho­her Wirt­schafts­re­prä­sen­tant, der in gro­ßem Stil ver­mut­lich Steu­er­hin­ter­zie­hung be­treibt – auch hier ist das In­for­ma­ti­ons­recht nicht von der Hand zu wei­sen. (Ob dann al­ler­dings bei­spiels­wei­se die Bil­der der Ver­haf­tung des Ver­däch­ti­gen vor sei­nem Haus ge­zeigt wer­den müs­sen, steht auf ei­nem an­de­ren Blatt.)

Es geht auch nicht dar­um, ob die Per­so­nen spä­ter schul­dig wa­ren oder nicht. Es geht um die Kri­te­ri­en für ei­ne Be­richt­erstat­tung. Und hier zeigt sich, dass ins­be­son­de­re bei Ver­dachts­mo­men­ten von pro­mi­nen­ten Fi­gu­ren, die ak­tu­ell we­nig Rück­halt aus ih­rem ei­ge­nen La­ger er­hal­ten, Gniff­ke eher »frei­zü­gig« agiert. Be­son­ders bei Wirtschafts­managern wird sehr schnell be­rich­tet, was durch­aus den Nerv des Pu­bli­kums zu tref­fen scheint. Viel­leicht ist das ei­ne Art »Gniff­ke-Prin­zip«: Und ist der Ruf erst rui­niert, be­rich­tet sich’s ganz un­ge­niert.

Es gibt durch­aus gu­te Grün­de, den »Fall Ka­chelm­ann« NICHT zu mel­den. Zum Bei­spiel kann man be­haup­ten, dass die ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Re­le­vanz feh­le. Die fehlt je­doch auch bei den Mel­dun­gen über ent­las­se­ne bzw. neu ver­pflich­te­te Fuß­ball­trai­ner, Bus­un­fäl­le in Süd­ame­ri­ka oder Gru­ben­un­glücke in Chi­na. Auch dies sind Vor­gän­ge, die nicht in ei­ne all­ge­mei­ne Nach­rich­ten­sen­dung ge­hö­ren. Hier­für gibt es Spar­ten­for­ma­te. Gniff­kes Feh­ler liegt dar­in, dass er mit zwei­er­lei Maß misst. Be­züg­lich der Cau­sa Ka­chelm­ann nährt dies auf ge­ra­de­zu fa­ta­le Wei­se Ver­schwö­rungs­theo­rien, dass hier ein »Kol­le­ge« ge­schützt wer­den soll­te.

Die Ar­gu­men­ta­ti­on des Er­sten Chef­re­dak­teurs von ARD-ak­tu­ell ist fa­den­schei­nig. In na­he­zu al­len Fäl­len igno­riert er sei­ne Ma­xi­me. Und auch das Ar­gu­ment der me­dia­len Vor­ver­ur­tei­lung gilt of­fen­sicht­lich für die be­schrie­be­nen Fäl­le nicht mehr. Der »Qua­li­täts­maß­stab« ge­rät zur hoh­len Flos­kel. Im­mer deut­li­cher kri­stal­li­siert sich her­aus, dass Gniff­ke sei­ne Po­si­ti­on nach Guts­her­ren­art aus­übt. Zu­neh­mend wer­den Er­eig­nis­se aus­ge­son­dert, über die längst die gan­ze Re­pu­blik spricht. Sie wer­den ta­ge­lang igno­riert wie bei­spiels­wei­se der bru­ta­le An­griff zwei­er Ju­gend­li­cher auf ei­nen Rent­ner im De­zem­ber 2007. Da­mit über­lässt man ge­ra­de in sen­si­blen Si­tua­tio­nen dem Nach­rich­ten­pö­bel das Feld und ver­säumt ei­ne ad­äqua­te, se­riö­se Be­richt­erstat­tung. Gniff­ke ver­spielt da­mit den Ruf der In­sti­tu­ti­on »ta­ges­schau«. Es fällt zu­se­hends schwe­rer, so et­was zu ver­tei­di­gen.

38 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Al­le in der­sel­ben Höl­le
    Ich muss ge­ste­hen, dass ich mich bei die­ser Ma­te­rie längst als völ­lig schi­zo­phren er­le­be (und ei­ne Su­che nach „jour­na­li­sti­schen“ Kri­te­ri­en früh auf­ge­ge­ben ha­be): Ich glau­be, in der­ar­tig un­schar­fen La­gen weiß auch Gniff­ke letzt­lich kei­ne über­zeu­gen­den und la­viert her­um von Fall zu Fall.

    Ei­ner­seits bin ich mir be­wusst, wie sehr ich, ob ich will oder nicht, Teil der blut­rün­sti­gen Mas­se bin. (Skan­da­le! Hol­ly­wood-Nym­phen! Strau­cheln­de Po­li­ti­ker – ich ha­be die Blut­runst dar­an ge­wis­ser­ma­ßen ge­lernt, und kann sie manch­mal auch ge­nie­ßen. Wo­bei ich so­gar ah­ne, wie­so ein Zum­win­kel sich noch un­schul­dig emp­fin­det.)

    An­de­rer­seits so was wie bei Ka­chelm­ann (des­sen Fall mich en de­tail nicht in­ter­es­siert, das geht mich ein­fach nichts an): So, wie er von ei­gent­lich nur noch has­sen­swer­ten klein­gei­sti­gen Pro­mi-Gei­ern durch den Dreck ge­zo­gen wird, wün­sche ich mir manch­mal ei­ne Art mo­bi­len Me­di­en-Ter­ro­ris­mus: All die­se häss­li­chen Vö­gel vom Him­mel ho­len, und das am be­sten so, dass sie ih­re auf­ge­zo­ge­nen Öf­fent­lich­keits­höl­le am ei­ge­nen Leib er­fah­ren um sich in Zu­kunft sel­ber da­vor zu schau­dern.

    Die Wi­der­sprüch­lich­kei­ten von so et­was wie Re­le­vanz aber könn­te ich nicht auf­lö­sen, höch­stens durch ei­ne stren­ge Ethik – die sich aber nie­mals wird durch­set­zen kön­nen. Auch das Ar­gu­ment des Ge­ben und Neh­mens ver­fängt nicht: Ka­chelm­ann ist längst Gei­sel! Und das in mehr­fa­cher Hin­sicht, und er wird auf scham­lo­se­ste Wei­se zum Ob­jekt, das kei­nen Wi­der­stand lei­sten kann.

    Ich ver­mu­te, hier ar­bei­tet ei­ne Art Ekel-Fas­zi­na­ti­on über uns selbst: Wir schau­dern und win­den uns über et­was, das uns nicht zu­sto­ßen soll, für des­sen Scha­dens­ab­wehr zum Vor­teil ei­nes an­de­ren wir aber ver­lernt ha­ben uns ein­zu­set­zen. Die mie­sen klei­nen Ver­rech­nun­gen für ein Le­ben in Pro­mi­nenz kön­nen wir aber auch nicht mehr auf­ma­chen – der näch­ste Be­ste ist uns recht zu ei­ner Art Über­trag auf of­fen ste­hen­de Rech­nung mit all de­nen, die uns al­lein durch ihr Vor­han­den­sein schon lan­ge ner­ven: Die „nie­de­ren In­stink­te“ aus­rot­ten, sol­che Leu­te end­lich fal­len zu se­hen, wird man nie.

     

  2. Ich fin­de, man soll­te die »nie­de­ren« In­stink­te auch de­nen ge­gen­über aus­le­ben dür­fen, die sie uns im­plan­tie­ren. Mich in­ter­es­siert Ka­chelm­ann als Tä­ter auch nur am Ran­de – die Me­di­en kann man dar­an sehr gut spie­geln. Auch bei die­ser klei­nen Sän­ge­rin Le­na Mey­er-Land­rut, die, weil sie sich Fra­gen nach ih­rem Pri­vat­le­ben ver­wei­gert und der »Bild«-Zeitung kei­ne »Ko­ope­ra­ti­on« ge­währt, gna­den­los »ver­folgt« wird. Und war­um? Weil sie singt!

    Will sa­gen: Die Me­di­en scho­nen ih­re ei­ge­nen Re­prä­sen­tan­ten im­mer ein biss­chen über Ge­bühr. Wer re­cher­chiert das Pri­vat­le­ben der »Bild«-Verblöder Dieck­mann oder Wag­ner? Wer deckt ih­re »Skan­da­le« auf? Nie­mand. Lei­der. Weil sie sich in ei­nem Ko­kon son­nen, der ih­nen nicht zu­steht und den sie so un­ver­schämt miß­brau­chen wie ein Pfar­rer sei­ne Schutz­be­foh­le­nen: Sie nen­nen es »Pres­se­frei­heit« und wol­len da­mit je­den Hieb pa­rie­ren.

    Bei ei­nem halb­wegs se­riö­sen Jour­na­li­sten wie Gniff­ke fällt ei­ne sol­che Be­gün­sti­gung eben noch auf. Weil der Nach­rich­ten­pö­bel längst über die Prot­ago­ni­sten her­ge­fal­len ist. Die sen­sa­ti­ons­gei­len Re­por­ter sind da­bei auf ei­ne merk­wür­di­ge Wei­se sa­kro­sankt, selbst von den Me­di­en­jour­na­li­sten.

    Kä­ß­manns Al­ko­hol­fahrt wird ent­hüllt. Aber wer ent­hüllt die Amok‑, Al­ko­hol- und an­de­ren Ex­zes­se der Ent­hül­ler? Es gibt sie be­stimmt, kei­ne Fra­ge. Ich fin­de, ich ha­be ein Recht auch die­sen Dreck zu er­fah­ren. Wenn schon, denn schon.

  3. Wi­der­stands­lo­sig­keit
    Dass die­se Bild-Leu­te ei­gent­lich nur ver­schanz­te Wich­te sind, weiß man, glau­be ich selbst in der Le­ser­schaft. Was ich bis­her über Diek­mann er­fuhr, brach­te mich eher da­zu ab­wen­den. Ich fra­ge mich aber, wie sehr die Ohn­macht je­des Ein­zel­nen ge­gen­über die­sen Ap­pa­ra­ten, die ei­nem ja die bun­te Welt nicht nur ins Haus brin­gen son­dern auch noch fär­ben oder um­fär­ben wol­len, be­wusst ist? Und auf wel­che Wei­se die er­zwun­ge­ne, lang er­dul­de­te Wi­der­stands­lo­sig­keit da­mit kor­re­spon­diert, und wie­so sich so we­nig von dem zwei­fel­los viel wei­ter ver­brei­te­ten Ekel äu­ßert.

    Die „Me­di­en­gue­ril­la“ kann na­tür­lich nur dar­in be­stehen punk­tu­ell (à la Nig­ge­mei­er) die Ar­beit der Ge­nau­ig­keit ge­gen die­se Schlam­pe­rei­en der Ver­ant­wort­li­chen zu rich­ten.
    (Und was soll­te Gniff­ke Ih­nen schon ant­wor­ten? Dass er mit sei­nen Kri­te­ri­en falsch lag und er in­kon­se­quent han­delt und es ei­gent­lich nicht recht weiß? So­viel Grö­ße wä­re sel­ten.)

    So bleibt es dann im­mer bit­ter zu­zu­se­hen, dass und wie sol­cher­art Frei­heit der Me­di­en miss­braucht wird. Aber Frei­heit wird eben im­mer miss­braucht. Wo­mög­lich ha­ben wir bald eng­li­sche Ver­hält­nis­se. (Oder auch mal rus­si­sche? Oder fran­zö­si­sche?) Ich fürch­te je­den­falls, mit dem Pres­se­ko­dex geht es wei­ter berg­ab. Und im­mer mehr sieht Jour­na­lis­mus so aus wie die Start­sei­te von rp-on­line. Und auf ge­wis­se Wei­se zeigt sich auch dar­in ei­ne Art Wi­der­stands­lo­sig­keit – vor eben dem letzt­lich doch in­ter­agie­ren­den Pu­bli­kum.
    (Das konn­te man ei­ne Zeit lang ja mal hö­ren: je­des Land hat die Pres­se (die Me­di­en), die es ver­dient.)

     

  4. Na­tür­lich weiss auch der letz­te »Bild«-Leser längst min­de­stens an­satz­wei­se um die Me­tho­den. Aber war­um müs­sen ei­gent­lich al­le Schlamm­schlach­ten nur von die­sen leu­ten an­ge­zet­telt wer­den, nie wel­che über sie?

    Als Diek­mann mit sei­ner »Leserreporter«-Kampagne zum öf­fent­li­chen De­nun­zi­an­ten­tum per Han­dy-Ka­me­ra auf­rief, hat­te Nig­ge­mei­er mal die Idee, dies so­zu­sa­gen mit ihm zu tun. Das kam – merk­wür­di­ger­wei­se – nicht so gut an. Und als dann ir­gend­wel­che Schwach­köp­fe Diek­manns Au­to de­mo­lier­ten, kam so­fort die Op­fer­po­se die­ses mo­der­nen Lü­gen­ba­rons zum Vor­schein.

    Tat­säch­lich blei­ben auch die schärf­sten »Bild«-Kritiker im­mer auf ei­nem Ni­veau, wel­ches die­se schon längst un­ter­schrit­ten ha­ben. Ich fra­ge mich nur, ob man da­mit auf Dau­er nicht zu nach­gie­big ist. Die Lei­chen, die sol­che Leu­te im Kel­ler ha­ben müs­sen, wür­de ich dann auch mal ger­ne se­hen.

    Und na­tür­lich wird ein Dr. Gniff­ke nie­mals sei­ne Zeit an ei­ne Ant­wort ei­nes no­to­risch fra­gen­den Zu­schau­ers ver­schwen­den. Sei­ne Ar­ro­ganz ist die Ar­ro­ganz des Guts­her­ren. Diek­manns Ar­ro­ganz ist die des un­ver­wund­ba­ren Dem­ago­gen.

  5. Al­les über ei­nen Kamm sche­ren?
    Ich se­he nicht den Sinn dar­in, al­les über ei­nen Kamm zu sche­ren. Ein Ma­na­ger, der we­gen Steu­er­hin­ter­zie­hung ver­ur­teilt wird, wird sich doch höch­stens den Vor­wurf von den »Kol­le­gen« ge­fal­len las­sen müs­sen, er­wischt wor­den zu sein.
    Mid­del­hoffs Ruf ist im Ei­mer we­gen der Plei­te, nicht we­gen der Ver­un­treu­ung.
    Viel­leicht bleibt ein klei­nes »Ge­schmäck­le«, aber ich se­he nicht, dass ein Wie­dekind durch den In­si­der­han­del­ver­dacht nen­nens­wert be­ein­träch­tigt wur­de. Wo­hin­ge­gen Ka­chelm­anns und Tauss’ Ruf, Be­rufs- und Pri­vat­le­ben schon durch die Vor­er­mitt­lun­gen zer­stört sind.

    Das kann man doch nicht al­les be­triebs­blind gleich be­han­deln?!

  6. Es geht nicht dar­um, al­les über ei­nen Kamm zu sche­ren. Auch Steu­er­hin­ter­zie­hung ist üb­ri­gens kein Ka­va­liers­de­likt. Es geht auch nicht um den Ruf der Be­tei­lig­ten. Es geht dar­um, dass je­mand schreibt, er mel­de ei­nen Ver­dacht erst bei An­kla­ger­he­bung. Das ist nach­weis­lich nicht der Fall.

    Wel­chem »Be­trieb« ge­hö­re ich ei­gent­lich Ih­rer Mei­nung nach an, um »be­triebs­blind« zu sein?

  7. Und?
    Und wenn ich schreibe:»Es ist straf­bar ei­nen Men­schen zu tö­ten.«, dann kommt mit Si­cher­heit auch je­mand an mit:»Aber Sol­da­ten dür­fen (wahr­schein­lich, gibt ja pa­ra­do­xer­wei­se im­mer ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren)«, »Schwer­ver­bre­cher dür­fen ge­tö­tet wer­den in man­chen Län­dern«, »Not­wehr!«, »Es muss fahr­läs­sig oder vor­sätz­lich ge­han­delt wor­den sein« etc. pp.

    100% rich­tig, 100% nutz­los.

    Da fra­ge ich mich: Was sol­len sol­che Ein­wän­de? Muss man zu je­der Aus­sa­ge 3 Sei­ten »Haf­tungs­aus­schluss« schrei­ben, um das ab­sicht­li­che Miß­ver­ste­hen ei­ni­ger Zeit­ge­nos­sen zu un­ter­bin­den?

    Es wur­de ei­ne all­ge­mei­ne Re­gel er­wähnt und dann an di­ver­sen Ein­zel­fäl­len aus­ein­an­der­ge­nom­men. Man könn­te ja mal fragen:»In wie­vie­len Fäl­len hat sich die ta­ges­schau an den Leit­satz ge­hal­ten?« Das ist na­tür­lich schwie­ri­ger, denn die »Nicht-Be­richt­erstat­tung« lässt sich schlech­ter zäh­len.

    Aber man kann es ja so ma­chen: Wie­vie­le Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen Ver­ge­wal­ti­gung wer­den in D im Jahr er­öff­net und wie­vie­le Be­rich­te Im Jahr gibt es in der ta­ges­schau? Die Zahl ist nicht deckungs­gleich? Was zie­hen wir da für ei­nen Schluss draus? Ge­nau: Es ar­bei­ten al­le für die Ta­ges­schau! Das ist ja ein­fach.

    [EDIT: 2010-05-26 10:07]

  8. @Lars
    Witt­gen­stein hat ein­mal ge­schrie­ben: »Die Men­schen, die im­mer­fort ‘war­um’ fra­gen, sind wie die Tou­ri­sten, die im Bä­de­ker le­send, vor ei­nem Ge­bäu­de ste­hen und durch das Le­sen der Ent­ste­hungs­ge­schich­te etc. etc. dar­an ge­hin­dert wer­den, das Ge­bäu­de zu se­hen.«

    Ihr letz­ter Ab­schnitt ist pu­re Po­le­mik und zeigt mir tat­säch­lich, dass Sie die In­ten­ti­on die­ses Bei­tra­ges nicht ver­stan­den ha­ben. Set­zen Sie sich sel­ber dar­an und re­cher­chie­ren im »tagesschau«-Archiv: So­fern ein so­ge­nann­ter Pro­mi­nen­ter und/oder Amts­trä­ger ir­gend­wie »ver­däch­tigt« wird, er­scheint die­se Mel­dung.

    [EDIT: 2010-05-26 10:17]

  9. der Un­ter­schied zu Ka­chelm­ann ist, dass al­le an­de­ren Fäl­le von Per­so­nen han­deln, die ent­we­der Äm­ter hiel­ten oder in ent­schei­den­den Po­si­tio­nen wa­ren. Und da hat man auch nicht vor ARD-Kol­le­gen halt ge­macht.
    Ka­chelm­ann ist nur en­ga­giert ge­we­sen und der Fall hat nichts mit sei­nem Han­deln in sei­ner Fir­ma zu tun. Es ist – ab­ge­se­hen vom mög­li­chen Op­fer der Ver­ge­wal­ti­gung – nur Klatsch und Tratsch.

    Die Be­grün­dung von Gniff­ke ist na­tür­lich so nur hin­ge­bo­gen und trifft so auch nicht auf die an­de­ren Per­so­nen zu. Aber vlt. ist das der Un­ter­schied im Stand und in der Po­si­ti­on der Be­schul­dig­ten.

  10. @cwc
    Tat­säch­lich ein be­den­kens­wer­tes Ar­gu­ment, was die Re­le­vanz des The­mas Ka­chelm­ann an­geht.

    Ob­wohl die »ta­ges­schau« ja auch ty­pi­schen Klatsch-The­men nicht ab­ge­neigt zu sein scheint, wie man an den Miß­brauchs­vor­wür­fen ge­gen Mi­cha­el Jack­son sieht, über die ja auch be­rich­tet wur­de.

  11. Was soll das gan­ze hier?
    Ich ha­be mich schon zum Be­gin der gan­zen Dis­kus­si­on auf dem ARD-Blog ge­fragt, war­um so vie­le Leu­te so ver­ses­sen dar­auf sind die Ta­ges­schau und de­ren Leu­te zu kri­ti­sie­ren.
    Lei­der scheint auch die­ser Bei­trag wie­der zu die­ser Ka­te­go­rie zu ge­hö­ren. Herr Gniff­ke hat ein Kri­te­ri­um für ei­ne Be­richt­erstat­tung ge­nannt: Zi­tat: »Gniff­ke er­klärt non­cha­lant ei­ne An­kla­ge­er­he­bung als Kri­te­ri­um für die Be­richt­erstat­tung in den Nach­rich­ten­sen­dun­gen der ARD«.
    Und die­ses ei­ne Kri­te­ri­um zur Be­richt­erstat­tung wird nun ge­prüft an al­len mög­li­chen, mei­ner Mei­nung nach meist ab­so­lut nicht ver­gleich­ba­ren Fäl­len. War­um die­se Fäl­le nicht ver­gleich­bar sind wird selbst hier im zweit­letz­ten Ab­satz deut­lich auf­ge­führt und wur­de, so­weit ich mich er­in­ne­re auch von Herrn Gniff­ke in ähn­li­cher Wei­se be­grün­det.
    Ich weiß auch gar nicht war­um Herr K. in die­sem Zu­sam­men­hang als so wich­ti­ge Per­son der Zeit­ge­schich­te hoch­sti­li­siert wird? Hier wird er ja so­gar schon mit Mi­cha­el Jack­son gleich ge­setzt!
    Al­so mal ehr­lich, wenn ich ihn auf der Stra­ße tref­fen wür­de, ich wür­de ihn wahr­schein­lich noch nicht mal er­ken­nen, auch wenn ich die Ta­ges­schau re­gel­mä­ßig se­he. Von da­her kann ich die Ar­gu­men­ta­ti­on von Herrn Gniff­ke sehr gut nach­voll­zie­hen und bin auch der Mei­nung es gibt we­sent­lich wich­ti­ge­re The­men für die Ta­ges­schau.

  12. @HaPe
    Ich ha­be K. nicht mit Mi­cha­el Jack­son ver­gli­chen, son­dern die Be­richt­erstat­tung über ver­gleich­ba­re Fäl­le. Mir fällt auch noch der Sip­son-Mord ein – auch ein für ei­ne deut­sche NAch­rich­ten­sen­dung m. E. un­wich­ti­ges The­ma, wel­ches aus­führ­lich aus­ge­wälzt wur­de. Da­bei ha­be ich – das ist ei­gent­lich deut­lich – nicht die PEr­so­nen mit­ein­an­der ver­gli­chen, son­dern die »Fäl­le«.

    Wo fin­den Sie Gniff­kes Kri­te­ri­en in sich stim­mig? Ist für Sie Kri­tik gleich Ma­je­stäts­be­lei­di­gung?

    Wich­ti­ge­re The­men für die »ta­ges­s­schau« : Ja, die gibt es. Bei­spiels­wei­se, dass Herr F. Trai­ner vom VfL Bo­chum wird? Oder ein »Spe­zi­al« für Bal­lacks Ver­let­zung?

  13. Tat bei Ka­chelm­ann an­sich nicht re­le­vant
    Wie cwc schon an­führ­te ha­ben al­le an­de­ren auf­ge­führ­ten Per­so­nen ei­ne lei­ten­de Funk­ti­on und ih­re Ta­ten sind al­le nur im Rah­men die­ser Po­si­ti­on mög­lich ge­we­sen und ha­ben teils Ein­fluss auf vie­le an­de­re, Kurs­ma­ni­pu­la­ti­on, Un­treue oder eben als Bi­schof se­xu­el­ler Miss­brauch.

    Das was Ka­chelm­ann vor­ge­wor­fen wird ist ei­ne qua­si all­täg­li­che Tat die so je­der­zeit pas­sie­ren könn­te, wäh­rend Ka­chelm­ann na­tür­lich ei­ne mehr oder we­ni­ger re­le­van­te Per­sön­lich­keit ist, ist die Tat, los­ge­löst von dem der sie be­gan­gen ha­ben soll, für ein na­tio­na­les Nach­rich­ten­ma­ga­zin völ­lig un­re­le­vant.

  14. Den Ver­gleich mit Mi­cha­el Jack­son ha­be ich auch Ih­rem vor­letz­ten Kom­men­tar ent­nom­men. Aber auch wenn Sie die »nur« die Be­richt­erstat­tung ver­gleich­ba­rer Fäl­le ver­glei­chen, müs­sen Sie doch auch die Re­le­vanz der be­tref­fen­den Per­so­nen ver­glei­chen, oder et­wa nicht? So­mit ver­glei­chen Sie Herrn K. di­rekt mit ei­nem Bi­sch­off der in Deutsch­land die kath. Kir­che ver­tritt oder ei­nem Ge­schäfts­füh­rer ei­nes welt­weit agie­ren­den Kon­zerns. Und in Ih­rer Ant­wort ver­glei­chen Sie die Be­richt­erstat­tung zu ei­nem Vor­wurf der Ver­ge­wal­ti­gung mit der zu ei­nem mehr­fa­chen MORD im Um­feld ei­nes Foot­ball Welt­stars? Das ei­ne ist zum jet­zi­gen Zeit­punkt nur ein Vorwurf(eine Be­wer­tung hier­zu kann und will ich gar nicht vor­neh­men), das an­de­re sind har­te Fak­ten.
    Das der Sport im all­ge­mei­nen viel Platz in der Ta­ges­schau ein­nimmt, hal­te ich per­sön­lich auch für sub­op­ti­mal, aber im Ge­gen­satz zu mir in­ter­es­sie­ren sich nun mal sehr vie­le Deut­sche für die Bun­des­li­ga.
    Kri­tik hal­te ich kei­nes­falls für Ma­je­stäts­be­lei­di­gung, ich fra­ge mich nur war­um in die­sem Fall so spitz­fin­dig ver­sucht wird der Ta­ges­schau bzw. de­ren Ma­chern ei­nen Feh­ler nach­zu­wei­sen?

  15. Ka­chelm­ann
    Ge­schich­ten in der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on wie ak­tu­ell um Herrn Ka­chelm­ann wer­den im­mer wie­der auf­tau­chen. Ich den­ke, es gibt kei­nen Kö­nigs­weg für den Um­gang in der Be­richt­erstat­tung. So, oder so: Egal wie die Sa­che aus­geht, Ka­chelm­anns Image wird wohl nicht mehr zu ret­ten sein. Der Vor­wurf ei­ner Steu­er­hin­ter­zie­hung oder Schleich­wer­bung hät­te ihm ver­mut­lich nicht ge­scha­det. Ver­ge­wal­ti­gung, se­xu­el­le Nö­ti­gung etc. wird das Pu­bli­kum nicht ver­zei­hen.

  16. #16
    Ich glau­be auch nicht, dass es ei­nen Kö­nigs­weg gibt. Ich hät­te es aber ehr­li­cher ge­fun­den, wenn man ge­sagt hät­te: Wir wol­len hier ei­nen Kol­le­gen nicht »rein­hau­en«, be­vor es mehr De­tail sgibt. Aber sein ver­wei­sen auf das ARD-Bou­le­vard­ma­ga­zin »Bri­sant« ist ja auch ein biss­chen heuch­le­risch, oder?

  17. #15 Ha­Pe – Spitz­fin­dig­keit
    Was ist ge­gen Spitz­fin­dig­keit ein­zu­wen­den? Und ist nicht Gnif­fes Ar­gu­me­na­ti­on auch reich­lich spitz­fin­dig? (Das gibt er durch­aus zu.)

    Ich ver­glei­che in der Tat die Be­richt­erstat­tung über »Klatsch und Tratsch«-Ereignisse mit­ein­an­der. O. J. Simpson in­ter­es­siert mich rein gar nicht; sein »Foot­ball« ist eh nicht »un­se­rer«. Auch das ist ein »bun­tes« The­ma oh­ne jeg­li­che Re­le­vanz.

    Im Kern gibt es drei Ar­gu­men­ta­ti­ons­li­ni­en, war­um der Fall K. nicht in die »ta­ges­schau« ge­hört:

    1. Re­le­vanz
    2. Vor­ver­ur­tei­lung
    3. For­mal­ju­ri­stisch (kei­ne An­kla­ge er­ho­ben)

    Al­le drei Grün­de gel­ten in an­de­ren, durch­aus ver­gleich­ba­ren Fäl­len merk­wür­di­ger­wei­se nicht. Wo­bei Punkt 1 m. E. das stärk­ste Ar­gu­ment ist,w enn man es so aus­legt, wie es hier zwei Kom­men­ta­to­ren ge­macht ha­ben: K. hat­te kei­ne »Po­sten« in­ne und re­prä­sen­tiert nicht ir­gend­et­was – au­ßer sich sel­ber.

    Par­don, aber es ist ge­ra­de­zu lä­cher­lich zu in­si­nu­ie­ren, man wür­de der »ta­ges­schau« »bzw. de­ren Ma­cher« ei­nen Feh­ler nach­wei­sen wol­len. Das mein­te ich mit Ma­je­stäts­be­lei­di­gung. Und: Sind die »Ma­cher« von »heu­te« und »heu­te-jour­nal« ir­gend­wie un­jour­na­li­sti­scher, bloß weil sie es ge­mel­det ha­ben?

  18. Al­so war­um das gan­ze?
    Wenn es der ei­ge­nen Pro­fi­lie­rung dient hal­te ich die­se Spitz­fin­dig­keit wirk­lich nicht für an­ge­bracht. Ich ha­be lei­der kei­ne In­for­ma­ti­on hier ge­fun­den ob Sie Ih­re Bei­trä­ge als Jur­na­li­sti­sche Lei­stung se­hen oder nicht, von ei­nem Jur­na­li­sten hät­te ich al­ler­dings weit mehr ob­jek­ti­vi­tät er­war­tet, Zi­tat »Und na­tür­lich wird ein Dr. Gniff­ke nie­mals sei­ne Zeit an ei­ne Ant­wort ei­nes no­to­risch fra­gen­den Zu­schau­ers ver­schwen­den. Sei­ne Ar­ro­ganz ist die Ar­ro­ganz des Guts­her­ren.«
    Und um auf mei­ne Ein­gangs­fra­ge zu­rück zu kom­men: Sie sind doch of­fen­sicht­lich der glei­chen Mei­nung mit Herrn Gniff­ke was die Be­richt­erstat­tung über Herrn K. be­trifft, auch wenn aus an­de­ren Grün­den. Dann ver­ste­he ich Ih­re Kri­tik nicht, ei­gent­lich müss­ten Sie ihn doch lo­ben?
    Ist Ih­re ein­zi­ge Kri­tik al­so dass die Be­richt­erstat­tung im Fal­le der an­de­ren über­haupt statt ge­fun­den hat? Das hal­te ich für ei­nen Ver­gleich von Äp­fel mit Bir­nen und wi­der­spricht ih­rem viert­letz­tem Ab­satz. Wahr­schein­lich wer­de ich jetzt auch schon Spitz­fin­dig, scheint an­steckend zu sein.
    Zi­tat: »Und: Sind die »Ma­cher« von »heu­te« und »heu­te-jour­nal« ir­gend­wie un­jour­na­li­sti­scher, bloß weil sie es ge­mel­det ha­ben?«
    Stellt sich eben die Fra­ge was Sie ei­gent­lich mit Ih­rem Blog-Ein­trag aus­drücken woll­ten. Für mich ist das et­was rein per­sön­li­ches und ge­hört in ei­ne Mail, aber nicht ins Netz.

  19. @HaPe
    Ich weiss nicht, ob Ih­nen die Funk­ti­on von »Kri­tik« et­was sagt. Zum Bei­spiel Li­te­ra­tur­kri­tik. Oder Me­di­en­kri­tik. Kri­tik an Journa­lis­mus. Bei­spiels­wei­se. Gibt es üb­ri­gens im­mer und über­all. »Kri­tik« an Po­li­tik gibt es auch in Be­rich­ten bei­spiels­wei­se der »ta­ges­the­men«. Oder in Ma­ga­zin­for­ma­ten.

    Wie Sie auf den Ge­dan­ken kom­men, dass ich der glei­chen Mei­nung wie Herr Gniff­ke bin, weiss ich nicht. Nur weil ich die Mög­lich­keit er­ör­tert ha­be, dass ei­ni­ges da­für spricht, den Fall Ka­chelm­ann NICHT zu mel­den? War­um mel­det man aber dann die an­de­ren Fäl­le? Gniff­ke stellt ein for­ma­les Kri­te­ri­um auf – und bricht es dau­ernd sel­ber.

    Das hat üb­ri­gens rein gar nichts mit »per­sön­li­chem« zu tun (ich ken­ne ja Herrn Gniff­ke gar nicht; als Mensch in­ter­es­siert er mich doch gar nicht), son­dern – in die­sem Fall zum Bei­spiel: mit gründ­sätz­li­chen Er­wä­gun­gen. Mails und/oder Brie­fe wer­den (das ist mei­ne Er­fah­rung) wenn nicht igno­riert, so doch meist als lä­stig be­trach­tet. Ich ha­be ein­fach die Mög­lich­keit er­grif­fen, die Dis­kre­pan­zen in der »tagesschau«-Vorgehensweise auf­zu­schrei­ben.

    Die Fra­ge nach ei­nem »war­um« ist da­her – mit Ver­laub – lä­cher­lich. Und ich muss nicht Koch sein um fest­zu­stel­len, dass die Sup­pe ver­sal­zen ist. Die­se Form des pa­ter­na­li­sti­schen Ver­schwei­gens von Sach­ver­hal­ten, die ei­nem nicht pas­sen, hat­ten ih­re Zeit. Das ist längst vor­bei. Glück­li­cher­wei­se.

    Herr Gniff­ke wird mei­nen Bei­trag – sei­en Sie da si­cher – »un­be­scha­det« über­ste­hen. Die »ta­ges­schau« mei­nes Er­ach­tens auf Dau­er nicht. So löb­lich die EIn­rich­tung des »tagesschau«-Blogs ist – so fa­tal ist das Igno­rie­ren der kri­ti­schen Stim­men. Da ist man dann eher doch be­lei­digt. Aber auch das ist de­ren gu­tes Recht.

  20. @HaPe

    »Ich ha­be lei­der kei­ne In­for­ma­ti­on hier ge­fun­den ob Sie Ih­re Bei­trä­ge als Jur­na­li­sti­sche Lei­stung se­hen oder nicht, von ei­nem Jur­na­li­sten hät­te ich al­ler­dings weit mehr ob­jek­ti­vi­tät er­war­tet, Zi­tat »Und na­tür­lich wird ein Dr. Gniff­ke nie­mals sei­ne Zeit an ei­ne Ant­wort ei­nes no­to­risch fra­gen­den Zu­schau­ers ver­schwen­den. Sei­ne Ar­ro­ganz ist die Ar­ro­ganz des Guts­her­ren.’ «

    So­weit ich es weiß, ist der Haus­herr kein Jour­na­list. Al­ler Wahr­schein­lich­keit nach ist das ein po­si­ti­ver Um­stand. Was mich an den mei­sten jour­na­li­sti­schen Lei­stun­gen stört, ist die vor­ge­gau­kel­te Ob­jek­ti­vi­tät, denn ob­jek­tiv ist na­tür­lich nie­mand. So ist es mir lie­ber, wenn mir die Mei­nung ei­nes Au­tors (in ei­nem Blog-Bei­trag oder Ar­ti­kel) of­fen ge­gen­über tritt, so­lan­ge je­den­falls, wie we­sent­li­che Fak­ten nicht der Mei­nung des Au­tors ge­op­fert wer­den. Ich fin­de hier al­so al­les rich­tig.

    Das hier ist ein Blog. Es nennt sich »Be­gleit­schrei­ben«. Das ist ei­ne wun­der­ba­re Na­mens­ge­bung, bringt sie doch al­les auf ei­nen Punkt, wenn man sich fragt, was man hier er­war­ten darf: Den li­te­ra­ri­schen Schwer­punkt und manch­mal son­stig re­le­van­tes und ir­rele­van­tes, die Ge­sell­schaft be­tref­fen­des. Ne­ben­bei. Oh­ne ne­ben­säch­lich zu sein. Be­glei­tend eben.

    »Stellt sich eben die Fra­ge was Sie ei­gent­lich mit Ih­rem Blog-Ein­trag aus­drücken woll­ten.«

    Le­sen Sie noch­mal, es steht näm­lich da. Man kann sich (viel­leicht) treff­lich dar­über strei­ten, in­wie­weit es Herrn Keu­sch­nig ge­lun­gen ist, sei­ne The­se zu un­ter­mau­ern (Das ist es ihm, mei­ner Mei­nung nach), aber die The­se selbst ist mir nicht ent­gan­gen.

    »Für mich ist das et­was rein per­sön­li­ches und ge­hört in ei­ne Mail, aber nicht ins Netz.«

    Hier schwingt un­ter­schwel­lig die Hal­tung mit, es dür­fe nicht je­der­mann öf­fent­lich die Ta­ges­schau oder Herrn Gniff­ke kri­ti­sie­ren. Je­den­falls nicht im Netz. Das ist na­tür­lich Un­fug.
    Auch wenn Ham­bur­ger Rich­ter flei­ßig dar­an sä­gen, ist ge­nau das der Ge­halt der Mei­nungs­frei­heit: Je­der, ja wirk­lich je­der, darf das. Die Mei­nungs­frei­heit ist nicht an ir­gend­ei­nen Ort ge­bun­den, an kein Me­di­um, an kei­ne be­ruf­li­che oder son­sti­ge Qua­li­fi­ka­ti­on, oder dar­an, ob die Mei­nung rich­tig ist oder re­le­vant, son­dern ein­zig an die Tat­sa­che, daß man Mensch ist. Das reicht voll­kom­men aus.

    Wie schon un­längst das Ver­fas­sungs­ge­richt schrieb:

    »Die Er­wä­gung des Ober­lan­des­ge­richts, der Be­richt­erstat­tungs­ge­gen­stand sei ob­jek­tiv be­lang­los und be­grün­de da­her je­den­falls kein das In­ter­es­se des Klä­gers, un­ge­nannt zu blei­ben, über­wie­gen­des öf­fent­li­ches In­for­ma­ti­ons­in­ter­es­se, deu­tet auf ein grund­le­gen­des Fehl­ver­ständ­nis des Ge­währ­lei­stungs­ge­hal­tes der Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit hin. Sie lässt näm­lich nicht hin­rei­chend er­ken­nen, ob das Ge­richt sich be­wusst war, dass es zu­nächst vom Selbst­be­stim­mungs­recht der Pres­se oder auch des jour­na­li­sti­schen Lai­en als Trä­gers der Mei­nungs­frei­heit um­fasst ist, den Ge­gen­stand der Be­richt­erstat­tung frei zu wäh­len, und es da­her nicht Auf­ga­be der Ge­rich­te sein kann zu ent­schei­den, ob ein be­stimm­tes The­ma über­haupt be­rich­tens­wert ist oder nicht (vgl. BVerfG, Be­schluss der 1. Kam­mer des Er­sten Se­nats vom 26. April 2001 – 1 ByR 758/97 u.a. – , NJW 2001, S. 1921 <1922›).«

    Al­so Herr Keu­sch­nig: Wei­ter­ma­chen! ;-)

  21. @Gregor Keu­sch­nig
    War­um nun aber die­ser Bei­trag nicht auf Ih­rer Haupt­sei­te ge­li­stet ist, müs­sen Sie mir mal bei Ge­le­gen­heit er­klä­ren...

  22. Schwer zu sa­gen. Ich fand den Gast­bei­trag über die »Welt­fremd­heit« ein­fach schö­ner...

    Was Sie zu Ha­Pe ge­sagt ha­ben, fin­de ich rich­tig, wo­bei ich glau­be, sei­ne In­ten­ti­on war nicht »zen­so­ri­scher« Na­tur. Die »ta­ges­schau« gilt im­mer (noch) als Boll­werk der ob­jek­ti­ven Be­richt­erstat­tung (was ich üb­ri­gens weit­ge­hend un­ter­schrei­ben wür­de). Wenn man mei­nen Text zu En­de liest, wird man auf den Link zu mei­ner Be­spre­chung über das sehr bös­ar­ti­ge von-Ros­sum-Buch ge­führt – was zei­gen soll, dass mir durch­aus was an der »ta­ges­schau« et. al. liegt.

    Üb­ri­gens ver­mu­ten Sie rich­tig. Ich war und bin kein Jour­na­list.

  23. Prak­ti­scher wä­re es al­le Bei­trä­ge auf die er­ste Sei­te zu stel­len (ich bin kein all­zu gro­ßer feed-Nut­zer, und ab und an ist mir schon et­was ent­gan­gen). Aber ich kann Dei­ne Ein­wän­de nach­voll­zie­hen.

  24. »Schwer zu sa­gen. Ich fand den Gast­bei­trag über die »Welt­fremd­heit« ein­fach schö­ner...«

    Ich will Ih­nen gar nicht in Ih­re Ge­wich­tung und Wer­tung hin­ein­re­den, aber Sie bre­chen mit ei­nem wich­ti­gen Grund­satz: Je­der Bei­trag ei­nes Blogs kommt in um­ge­kehrt chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge auf die Haupt­sei­te. Ein­zi­ge Aus­nah­men sind a) Im­pres­sum und AGB so­wie b) wie bei Ih­nen ein even­tu­el­les (Sach- und Per­so­nen-) Re­gi­ster.

    Wenn man kein E‑­Mail-Abon­nent ist (oder man den RSS-Feed nicht abon­niert), dann kann man die­sen Bei­trag nur fin­den, wenn man die je­wei­li­gen Ka­te­go­rien nach ak­tu­el­lem durch­wühlt, was mit die­ser In­ten­ti­on na­tür­lich kaum ei­ner macht.

    Ich fin­de die­ses Ver­steck­spiel nicht gut. Und auch un­an­ge­bracht. Sie soll­ten das än­dern, wenn Sie mir die­se Deut­lich­keit ge­stat­ten wol­len.

  25. Die Deut­lich­keit sei Ih­nen na­tür­lich ge­stat­tet.

    Als two­day-User kann man die­sen Blog abon­nie­ren und be­kommt – wenn man es möch­te – ei­ne Mail. Und es gibt die Feeds. Dann ha­be ich auch noch auf Twit­ter die­sen Bei­trag ver­linkt. Ich glau­be, das ge­nügt. Mehr als ein Dut­zend re­gel­mä­ssi­ger Le­ser ha­be ich nicht. In­so­fern reicht das. Jetzt kommt die Bild­blog-Ver­lin­kung da­zu. Mehr Öf­fent­lich­keit geht ja kaum noch für ei­nen der­art un­wich­ti­gen Blog.

    Ich ken­ne durch­aus Blogs, die Bei­trä­ge so­zu­sa­gen »ver­stecken« in ih­ren je­wei­li­gen Ru­bri­ken. Sie ha­ben na­tür­lich recht, dass es für ei­nen zu­fäl­li­gen Be­su­cher nicht er­kenn­bar ist.

    Und noch ein­mal: Ich woll­te den Gast­bei­trag, der sehr un­ver­hofft kam und den ich für sehr schön hal­te, nicht so­fort wie­der ins zwei­te Glied stel­len.

    PS: Die PT-Me­di­en­ticker-Ver­lin­kung gab es ja auch noch.

  26. Aus der Sicht ei­nes bei­na­he ehe­ma­li­gen two­day-Users

    Lie­ber Herr Keu­sch­nig,

    tag­täg­lich au­ßer Sonn­tag be­kom­me ich zwi­schen 50 und 200 E‑Mails. In vie­len Fäl­len schaue ich dann nur kurz auf den Be­treff und hal­te für mich dann bei­spiels­wei­se fest, daß sich auf Ih­rem Blog wie­der et­was ge­tan hat. Mehr läßt sich aus dem Be­treff (»[twoday.net] begleitschreiben.twoday.net«) nicht ab­lei­ten.

    Ir­gend­wann, wenn ich dann die Zeit fin­de, al­so Mi­nu­ten bis Ta­ge spä­ter, ge­he ich auf Ih­re Haupt­sei­te und le­se, was ich an neu­em fin­den kann. Wenn mich das The­ma in­ter­es­siert oder die Auf­be­rei­tung mir ge­lun­gen er­scheint, dann bis zu En­de und ein­schließ­lich al­ler Kom­men­ta­re.

    Sie wol­len mir jetzt al­so er­zäh­len, daß auf die­se Wei­se ein Groß­teil Ih­res Blogs mir ent­gan­gen ist? Ob­wohl ich mei­ne Bring­schuld ge­lei­stet ha­be? Weil mir Ver­lin­kun­gen auf Ihr Blog an an­de­rer Stel­le ent­gan­gen sind? Oder weil ich nicht auch noch den RSS-Feed abon­niert ha­be?

    Ich ver­ste­he Ihr Di­lem­ma durch­aus, nicht, daß Sie mich für tumb hal­ten.

    Aber ent­we­der müs­sen Sie da durch. Oder an der ein­ge­stell­ten Ver­öf­fent­li­chungs­zeit bzw. dem Da­tum Ih­res Bei­tra­ges et­was dre­hen, so daß er ins zwei­te Glied rückt. Kann man das hier nicht? Ich ver­mei­ne näm­lich, mich zu er­in­nern, daß das mög­lich sei.

  27. Na­ja, es ist bei mir nicht die Re­gel, dass Bei­trä­ge nicht auf der Start­sei­te er­schei­nen. Ich fin­de das auch nicht schlimm; ei­ne Zei­tung bringt auch nicht je­des The­ma auf die Ti­tel­sei­te.

    Schau’­mer mal.

  28. Zeit­ver­schwen­dung!
    Hat Gre­gor Keu­sch­nig ei­nen In­ti­mus? Ist Ver­dachts­be­richt­erstat­tung und sei­ne im­pli­ka­tio­nen be­kannt? Hat das Amt und der Vor­wurf et­was mit ein­an­der zu tun? Mus ich mir die­se Fra­gen stel­len?

    Zeit­ver­schwen­dung!

  29. Fol­gen­der­ma­ßen stel­le ich mir das vor
    Die Re­dak­ti­on der Ta­ges­the­men/-schau über­legt sich, ob sie was zu K. brin­gen wol­len, sol­len oder müs­sen, und ei­ni­gen sich auf ‘müs­sen nicht, und wol­len auch nicht’.

    In­wie­weit die Grün­de re­flek­tiert wer­den – ich den­ke nur zum Teil. Auf Nach­fra­ge wer­den dann 1–2 Punk­te be­nannt (Ver­fah­ren er­öff­net), aber nicht das gan­ze Wust ein­fluß­neh­men­der Fak­to­ren of­fen­ge­legt.

    Im Fall Moh­ren z.B. ging es um be­ruf­li­che Ver­feh­lun­gen, so­weit ich weiß, die den Zu­schau­er na­tür­lich et­was an­ge­hen. Das ge­hört auf­ge­deckt.

    Ver­bre­chen mit Be­rei­che­rung in Mil­lio­nen­hö­he ge­hö­ren m.E. auch in die Nach­rich­ten (Zum­win­kel) – zu­ge­ge­ben muß die Vil­la nicht ins Bild.

    Ein Bi­schof, des­sen Or­ga­ni­sa­ti­on in Afri­ka und an an­de­ren AIDS-Schwer­punk­ten al­len Ern­stes Kon­do­me ver­teu­felt, und Ab­sti­nenz pre­digt, wis­send, dass das nicht funk­tio­niert, und da­mit Mil­lio­nen in den Tod treibt, die­se Schein­hei­li­ge Or­ga­ni­sa­ti­on ge­hört tat­säch­lich am Na­sen­ring durch die Ma­ne­ge ge­führt. Die sind ja selbst nicht zu Ab­sti­nenz fä­hig, die­se schein­hei­li­gen Ge­sel­len, nicht­mals ge­gen Schutz­be­foh­le­ne, Min­der­jäh­ri­ge.

    Die Kri­te­ri­en, die man in Be­tracht zie­hen kann, sind ein bun­ter Gar­ten, und es gibt nicht ein Kar­di­nal­kri­te­ri­um ‘Straf­ver­fah­ren’, den­ke ich, son­dern vie­le Aspek­te spie­len ei­ne Rol­le, und über vie­le kann man auch un­ter­schied­li­cher Mei­nung sein.

    In der O.J. Simpson-Kau­sa war ich auch ver­wun­dert, was mich das an­geht – ich kann­te den Na­men vor­her nicht, und ken­ne auch sonst kei­nen aus der Li­ga, aber in den USA hat er wohl so viel Staub auf­ge­wir­belt, dass ein kom­plet­tes Ver­schwei­gen bei uns auch selt­sam ge­we­sen wä­re.

    Ins­ge­samt fin­de ich es an­ge­mes­sen und to­le­rier­bar, dass die ARD ein we­nig Loya­li­tät mit K. zeigt. Hät­te er da­ge­gen Wet­ter­s­ate­lit­ten ma­ni­pu­liert, das wür­de ver­öf­fent­licht ge­hö­ren.

  30. Ja, ich fin­de es auch to­le­rier­bar, dass die Re­dak­ti­on zu K. ei­ne ge­wis­se Loya­li­tät emp­fin­det. Aber dann soll man das bit­te so kom­mu­ni­zie­ren und nicht in ins­ge­samt drei Blog­ein­trä­gen ir­gend­wel­che Kon­struk­tio­nen ent­wer­fen, ge­gen die man sel­ber ver­stösst.

    Auch die von Ih­nen auf­ge­führ­ten Grün­de, über die an­de­ren Fäl­le zu be­rich­ten, sind für mich al­le­samt nach­voll­zieh­bar. Im Fall des UNICEF-Ge­schäfts­füh­rers, der dann schnell sei­nen Hut nahm, ging man al­ler­dings sehr weit und ich weiss nicht mehr, wie breit man dann da­von be­rich­tet hat, dass die Er­mitt­lun­gen ge­gen ihn ein­ge­stellt wur­den.

  31. Ent­mün­di­gung
    Ich weiß, das war hier ei­gent­lich nicht die Fra­ge, aber trotz­dem: Was ist denn mit Ka­chelm­ann, dem ag­gres­siv Ent­mün­dig­ten, des­sen Per­spek­ti­ve über­all de fac­to ganz aus­ge­blen­det bleibt?

    Ich se­he hier ein Op­fer-Ver­hält­nis, selbst wenn es um ir­gends recht­fer­ti­gen­de „Fak­ten“ schon gin­ge. (Ma­chen wir uns nichts vor: Die Hub­schrau­ber­per­spek­ti­ve »live« auf das flüch­ti­ge Tä­ter­au­to, DAS ist, was der ge­mei­ne (im dop­pel­ten Wort­sin­ne) Zu­schau­er will.) Da­bei be­fin­den wir uns bei »un­se­rem« bra­ven Ka­chelm­ann ja noch weit da­vor! Und sämt­li­che Me­di­en ar­bei­ten dar­an mit, mit der ja im­mer auch et­was dum­men Ge­wiss­heit ih­rer ein­ge­for­der­ten (und so oft eher lüg­ne­ri­schen, im­mer aber – mit dem Sen­sa­ti­ons- al­so wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se – zu­min­dest zwei­deu­ti­gen) Rech­te.

    Al­lein, dass da gar nicht mehr ge­fragt wird, lässt mich an Ver­hält­nis­se von Recht­lo­sig­keit den­ken, vom „Vo­gel­frei­en“ in der Ge­sell­schaft im Sin­ne Gi­or­gio Agam­bens. Da heu­te Me­di­en weit­ge­hend die Rea­li­tä­ten schaf­fen, die sie an­geb­lich ab­bil­den, dürf­te man da über­haupt auf­hö­ren nach den Grund­sätz­lich­kei­ten ih­rer Rech­te da­zu zu fra­gen? Und wä­ren, auch wenn es lä­stig ist und das trä­ge, blut­rün­sti­ge Pu­bli­kum da kaum Ver­ständ­nis auf­brin­gen wird, die Fra­gen nicht sehr hoch an­zu­sie­deln?

    Statt­des­sen sind es mal wie­der „die Ge­walt der Pro­duk­ti­ons­ge­wiss­hei­ten“ (Rai­nald Goetz), die al­les be­stim­men. Und dass die Öf­fent­lich­keit ei­ne dum­me, ei­ne auf­ge­sta­chel­te, zu­letzt krie­ge­ri­sche ist, hat eben da­mit zu tun, dass man den „mün­di­gen“ Me­di­en­nut­zer bes­chört – der mei­sten­falls tat­säch­lich aber nur ein kurz­ge­hal­te­ner Kon­su­ment sein wird.

    In­so­fern sind Ge­nau­ig­keit des dau­ern­den, kri­ti­schen Fra­gens da viel­leicht viel wich­ti­ger, als wir hirn­lo­sen Knöpf­chen­drücker uns das klar ma­chen. Die Ent­mün­dig­ten wä­ren näm­lich letz­tens wir selbst.

     

  32. Im Ge­gen­satz zu He­le­ne He­ge­manns Hel­din ken­ne ich Agam­ben nicht so ge­nau (das war ein Scherz, aber ich ken­ne das wirk­lich nicht). In­so­fern mut­ma­ße ich, was mit den »Vo­gel­frei­en« ge­meint sein könn­te – und es leuch­tet ei­gent­lich so­fort ein: Fuß­bal­ler, Film­stars, Kö­nigs­haus­be­woh­ner und an­de­re Pro­mi­nen­te sind Er­satz­hel­den. Sie ha­ben den Sol­da­ten des 19. und An­fang 20. Jahr­hun­derts Platz ge­macht (man den­ke an Zuck­may­ers Haupt­mann von Kö­pe­nick und die­ser Re­spekt vor den Of­fi­zie­ren). Heu­te wer­den die Pro­mis an­ge­be­tet.

    Der Preis, den sie zu zah­len ha­ben, ist hoch: Ei­ner­seits sind sie nur bei dau­er­haf­tem Auf­merk­sam­keits­pe­gel in­ter­es­sant. An­de­rer­seits in­ter­es­sie­ren sie so­fort al­le als »Ge­samt­kunst­werk«, d. h. ne­ben dem fach­li­chen Han­deln ist auch das Pri­va­te im­mer von In­ter­es­se. (Da­her schon oben mein Bei­spiel mit die­ser 19jährigen Sän­ge­rin le­na, die sich da kon­se­quent ver­wei­gert). Ei­ner­seits wol­len bzw. brau­chen sie me­dia­le Auf­merk­sam­keit, an­de­rer­seits wird sie zum Fluch. ir­gend­wann wer­den sie so­zu­sa­gen »ent­zau­bert« (oder ent­zau­bern sich sel­ber).

    Da­bei ist es ein Irr­tum zu glau­ben, man kön­ne die Me­di­en für sich in­stru­men­ta­li­sie­ren und bei Be­darf ab­stel­len wie ei­nen Licht­schal­ter (wie das bspw. La­dy Dia­na ver­sucht hat – teil­wei­se mei­ster­lich die Pres­se ge­gen ih­ren gross­oh­ri­gen Mann mo­bi­li­siert, ei­ne auf »Cha­ri­ty« ge­macht und an­de­rer­seits dann ihr Pri­vat­le­ben ge­schützt ha­ben woll­te).

    Das recht­fer­tigt kei­ne Hetz­jagd der Pres­se – es er­klärt nur, war­um der Zu­schau­er dem wil­lig folgt. Dass er da­durch »ent­mün­digt« wird – na­ja, das kann sein, weil ihm je nach Be­darf im­mer nur ei­ne Sei­te ge­zeigt wird, und die an­de­re dann im­mer – auch nach Be­darf – un­ter­drückt bleibt.

    Will aber auch sa­gen: Es ist ei­ne gro­sse Por­ti­on Schein­hei­lig­keit bei je­der Ge­le­gen­heit sein Ge­sicht in die Ka­me­ras zu hal­ten, im­mer auf al­le Fra­gen ei­ne Ant­wort zu ge­ben, als Wer­be­mensch zu agie­ren – und dann plötz­lich mit sei­ner Pri­vat­sphä­re zu ar­gu­men­tie­ren (ich glau­be, Ka­chelm­ann macht das eher nicht). Der Kon­su­ment glaubt ein Recht auf um­fas­sen­de Kennt­nis­se »sei­nes« Lieb­lings zu ha­ben. Er nimmt die Über­schrei­tung der Gren­zen zum In­ti­men nicht mehr wahr. Der Be­trof­fe­ne auf ein­mal doch und kann die Pan­do­ra nicht mehr in die Büch­se brin­gen.

    Kurz: Pro­mis sind Er­satzkrie­ger (im fast wört­li­chen Sin­ne). Sie ver­die­nen da­bei viel Ruhm und/oder Geld. Aber sie wer­den u. U. »vo­gel­frei«. Je­der weiss um die­se Ri­si­ken. Und es gibt ge­nug Pro­mis, die sich ab­schot­ten und das durch­hal­ten.

  33. die brei­te mas­se zählt
    Gniff­ke kann ge­treu dem al­ten Mot­to »Was küm­mert mich mein Ge­schwätz von ge­stern« in sei­nem mo­de­rier­ten Fo­rum ar­gu­men­tie­ren, so wie es von Fall zu Fall passt. Die mei­sten Leu­te ver­ges­sen doch so­fort was gestern/letzte Wo­che in den Nach­rich­ten war, was man bei dem me­dia­len Ge­ze­ter, wel­ches wg. je­dem Scheiß­dreck ver­an­stal­tet wird, auch ver­ste­hen kann.
    Je­den Tag ist es »Hor­ror-«, »Wahn­sinns-« oder »Schreckens-« dies-und-das, heu­te Bal­lack und Öl­pest, ge­stern Mixx­xa & Tauss, Hor­ror-Win­ter....
    Wir sind in den letz­ten Wochen/Monaten/Jahren mit so viel Mist über­schüt­tet wor­den, dass es (auch mir) schwer­fällt BSE, Tsu­na­mi, Hor­ror-Win­ter, furcht­ba­re Som­mer, Schwei­negrip­pe, Vo­gel­pest, etc... in Ge­dan­ken noch chro­no­lo­gisch zu ord­nen. Je­de Wo­che wird ei­ne neue Sau durchs Dorf ge­trie­ben und die Top-Mel­dung von da­vor ver­schwin­det sang- und klang­los.
    Die Hoff­nung, dass sich dar­an et­was än­dert, weil die­se Zu­stän­de ein paar Leu­ten wie uns un­an­ge­nehm auf­fal­len, schwin­det bei mir lei­der im­mer mehr, ir­gend­wie feh­len mir die er­mu­ti­gen­den Licht­blicke. Klar freue ich mich über je­den Bei­trag von Leu­ten, die es ähn­lich se­hen, al­ler­dings be­fürch­te ich, dass der »im­pact« von ‘uns’ zu klein ist, im Großen&Ganzen se­he ich we­nig Mut­ma­chen­des. bildblog.de z.B. ist toll, aber auch viel zu we­ni­gen be­kannt (im Ver­gleich zur BILD), au­ßer­dem gel­ten die Bild und Bou­le­vard-Ge­set­ze lei­der so gut wie über­all (s.o.)!

  34. In­ter­es­san­ter
    ... als den kon­kre­ten Fall fin­de ich ei­gent­lich die ge­ne­rel­le Pro­ble­ma­tik, die sich da­hin­ter ver­birgt: Ist ei­ne Be­richt­erstat­tung al­lein schon des­halb ob­jek­tiv, weil sie frei von Par­tei­nah­me ist? Oder spielt in die­sem Zu­sam­men­hang nicht auch schon die rei­ne The­men­aus­wahl ei­ne ge­wich­ti­ge Rol­le?
    Ich ten­die­re zu letz­te­rer The­se. Na­tür­lich kön­nen auf Kür­ze an­ge­leg­te For­ma­te wie die TV-Nach­rich­ten­sen­dun­gen nicht je­des ir­gend­wie span­nen­de oder fol­gen­schwan­ge­re Er­eig­nis auf­grei­fen. Aber es ist doch be­zeich­nend, dass be­stimm­te Kon­tex­te ei­nen si­che­ren Platz in den Schlag­zei­len ha­ben, wäh­rend an­de­re ein Schat­ten­da­sein füh­ren. Ganz of­fen­sicht­lich wird das bei der Be­richt­erstat­tung über Kri­sen­her­de und Kon­flik­te. Man hat da wirk­lich den Ein­druck, dass die Welt hin­ter dem Mit­tel­meer und Af­gha­ni­stan auf­hört (wo­bei Af­gha­ni­stan auch nur we­gen der west­li­chen Kon­flikt­be­tei­li­gung auf der Ta­ges­ord­nung steht).
    Das hier an­ge­spro­che­ne Kri­te­ri­um der Re­le­vanz scheint mir kaum greif­bar zu sein. Wer soll be­stim­men, was für den deut­schen Durch­schnitts­bür­ger von Be­lang ist? Müs­sen wir uns für ei­nen Bür­ger­krieg in Afri­ka in­ter­es­sie­ren? Vor­der­hand wohl nicht, aber was ist, wenn sich Flücht­lings­strö­me aus dem Kri­sen­ge­biet in Rich­tung EU auf­ma­chen?

    Die Lö­sung die­ses Aus­wahl­pro­blems liegt wohl in den noch zu er­grün­den­den Mög­lich­kei­ten des In­ter­nets. Der­zeit ist es tech­nisch nicht mög­lich, die vir­tu­el­le In­for­ma­ti­ons­flut wirk­lich so zu über­blicken, dass man sich als mün­di­ger Me­di­en­kon­su­ment qua­si sei­ne ei­ge­ne Ta­ges­schau zu­sam­men­stel­len kann. An­de­rer­seits fehlt es uns auch noch in ganz dra­ma­ti­scher Wei­se an der ent­spre­chen­den Fil­te­rungs­kom­pe­tenz. Das In­ter­net spie­gelt doch in ge­wis­ser Wei­se die Ver­mitt­lungs­struk­tu­ren der klas­si­schen Me­di­en. Nur dass die Mul­ti­pli­ka­to­ren dort nicht Gniff­ke, son­dern zum Bei­spiel Nig­ge­mei­er hei­ßen.
    So wie die Leu­te nach der Gu­ten­berg-Re­vo­lu­ti­on erst mal le­sen ler­nen muss­ten, um von der In­no­va­ti­on zu pro­fi­tie­ren, müs­sen wir nach der Ber­ners-Lee-Re­vo­lu­ti­on wohl erst un­se­re al­te Au­to­ri­tä­ten­hö­rig­keit über­win­den, um ir­gend­wann ein­mal wirk­lich selbst be­stim­men zu kön­nen, was wir le­sen, se­hen und hö­ren.

  35. Zwei The­sen da­zu: 1. Es gibt kei­ne ob­jek­ti­ve Be­richt­erstat­tung; es ist im­mer nur ei­ne An­nä­he­rung. Und 2. Es wird ge­ra­de in die­sen Nach­rich­ten­sen­dun­gen zu viel mit Sym­bol­nach­rich­ten und ‑bil­dern und zu we­nig mit rei­nen Fak­ten ope­riert.

    Was ist in ei­ner deut­schen Nach­rich­ten­sen­dung von Be­lang? Zu­nächst ein­mal die in­nen­po­li­ti­schen The­men. Dann EU. Dann die welt­po­li­ti­schen Im­pli­ka­tio­nen, so­fern sie Be­deu­tung für D / EU ha­ben. Trai­ner­wech­sel bei Fuß­ball­mann­schaf­ten, ba­na­le Vor-Sport­be­richt­erstat­tung (ins­be­son­de­re beim ZDF, wenn die in der Wo­che ei­nen Box­kampf ha­ben), Leu­te, die ge­fragt wer­den, wie ih­nen das Wet­ter ge­fällt oder die im Eng­li­schen Gar­ten sit­zen – all dies ist Un­sinn und ge­hört da nicht hin­ein.

    Auch wenn der Po­li­ti­ker zu­sam­men­tref­fen und nichts­sa­gen­de Er­klä­run­gen ab­ge­ben – all die­se Bil­der von ein­fah­ren­den Au­tos kann man sich spa­ren. Statt­des­sen: X traf Y – man sag­te A, B und C. Ba­sta.

    Mit­te der 70er Jah­re wur­de für ein paar Jah­re Kurz­wel­len­hö­rer. Durch den Kal­ten Krieg gab es et­li­che Kurz­wel­len­sen­der, die ein deutsch­spra­chi­ges Pro­gramm aus­strahl­ten. Sehr vie­le die­ser Sen­dun­gen (spe­zi­ell aus Ost­eu­ro­pa) wa­ren in­dok­tri­niert. Hör­te man mehr da­von und dann auch BBC und Voice of Ame­ri­ca (in eng­lisch), er­gab sich au­to­ma­tisch ein Bild, wenn auch ein ver­wir­ren­des mit Wi­der­sprü­chen, die man ir­gend­wann spä­ter auf­ge­löst be­kam. Man lern­te »zwi­schen den Zei­len« zu hö­ren, usw. All dies ist ab­han­den ge­kom­men, weil die heu­ti­ge Viel­falt an Ra­dio- und Fern­seh­pro­gram­men nur si­mu­liert ist. Man stützt sich weit­ge­hend auf die glei­chen Quel­len. Und hier be­ginnt dann das In­ter­net heu­te in­ter­es­sant zu wer­den. Da stim­me ich Ih­nen zu. Und es ist noch ver­dammt viel Ent­deckungs­ar­beit zu lei­sten. Und die Ge­fahr be­steht – wie Sie schrei­ben – dass der ei­ne Mul­ti­pli­ka­tor durch den an­de­ren, ei­ne In­stanz durch ei­ne an­de­re ein­fach nur er­setzt wird. Die Zeit, in der man ei­nen Jour­na­li­sten 100% ver­trau­te sind wohl ein für al­le­mal vor­bei. Für den­je­ni­gen, der sich schon län­ger kri­tisch in­for­miert hat, schon sehr lan­ge.

  36. Zu Ih­rer 1. The­se:
    Zu­stim­mung. Ei­ne ob­jek­ti­ve Be­richt­erstat­tung ist nicht mög­lich, weil es auch kei­ne ob­jek­ti­ve Wahr­neh­mung gibt. Aber das ist viel­leicht zu phi­lo­so­phisch. Trotz red­lich­sten Be­mü­hens weist je­de pu­bli­zi­sti­sche Lei­stung ei­nen ge­wis­sen Grad an Sub­jek­ti­vi­tät auf, und sei es nur in der Wort­wahl oder auch nur in dem Um­stand, dass man über ei­nen Vor­fall über­haupt ein paar Wor­te ver­liert.
    Ge­ra­de des­halb sind nach­voll­zieh­ba­re und gut be­grün­de­te Aus­wahl-Stan­dards für das Rin­gen um Ob­jek­ti­vi­tät so wich­tig: Wenn ei­ne Nach­rich­ten­re­dak­ti­on all­ge­mein-ge­ne­rell fest­legt, wel­che Er­eig­nis­se sie ver­wer­tet und wel­che nicht, so kann nur die­ses Grund­ge­setz, nicht aber der ein­zel­ne Voll­zugs­akt (so­fern er dem Grund­ge­setz ent­spricht) kri­ti­siert wer­den. (Was sei­ne Ge­stal­tung be­trifft, so kann an ihm na­tür­lich schon noch et­was be­män­gelt wer­den, sein Auf­schei­nen in dem be­tref­fen­den Nach­rich­ten­for­mat wä­re dann aber jen­seits der An­fecht­bar­keit.)
    Mit Ih­rer Re­le­vanz-Hier­ar­chie be­fin­den Sie sich zwei­fel­los auf dem rich­ti­gen Weg. Al­ler­dings müss­te es mei­nes Er­ach­tens zu Ih­ren Ka­te­go­rien noch ein (da­zu qua­si quer lie­gen­des) Be­deu­tungs­kri­te­ri­um ge­ben. Es ist nicht not­wen­dig, dass mit ho­her Wahr­schein­lich­keit nur auf den Pu­bli­ci­ty-Ef­fekt ab­zie­len­de Äu­ße­run­gen ei­nes Hin­ter­bänk­lers oder Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den in den Nach­rich­ten kol­por­tiert wer­den. Da sind Be­rich­te über Na­tur­ka­ta­stro­phen oder Bür­ger­krie­ge in fer­nen Län­dern wich­ti­ger, weil die­se Er­eig­nis­se un­ter Um­stän­den für den Durch­schnitts­bür­ger spür­ba­re Fol­gen zei­ti­gen kön­nen (Flücht­lings­strö­me, oder wenn das be­trof­fe­ne Land über Bo­den­schät­ze ver­fügt: Preis­stei­ge­run­gen bei den ge­gen­ständ­li­chen Bo­den­schät­zen etc.)
    Al­ler­dings be­fürch­te ich, dass in den klas­si­schen Me­di­en und auch im In­ter­net al­les beim Al­ten blei­ben wird. War­um? Weil der ty­pi­sche Nach­rich­ten­kon­su­ment nicht auf ob­jek­ti­ve In­for­ma­ti­on, son­dern auf die Fe­sti­gung sei­nes Welt­bil­des Wert legt. Das sieht man auch treff­lich an den Al­pha-Blogs: Dort wer­den ab­wei­chen­de Mei­nun­gen in der Re­gel nicht in­halt­lich dis­ku­tiert, son­dern man (der Blog­be­trei­ber oder sei­ne Jün­ger) un­ter­stellt den Dis­si­den­ten ei­ne ob­sku­re, je­den­falls nicht sa­lon­fä­hi­ge Ge­sin­nung oder man schießt gleich aus dem Ad-ho­mi­nem-Ge­schütz. Lei­der wird mit dem In­ter­net nicht au­to­ma­tisch al­les bes­ser. Wir müs­sen hier­zu schon auch noch un­se­ren per­sön­li­chen Bei­trag lei­sten.

  37. D’­ac­cord in al­len Punk­ten. Tat­säch­lich neigt ja auch das In­ter­net (und Blogs) da­zu, nur die­je­ni­gen an­zu­zie­hen, die der Mei­nung der »Com­mu­ni­ty« sind. Die Mei­nungs­viel­falt bleibt da­bei auf der Strecke; wird be­sten­falls to­le­riert, meist je­doch von Adep­ten weg­ge­bis­sen. (Die »Gro­ßen« ver­fah­ren ja ähn­lich; mein Track­back auf dem ta­ges­schau-Blog wur­de nicht ge­setzt [wie man an den Back­links un­ter­halb die­ses Bei­tra­ges se­hen kann] – für den öf­fent­li­chen-recht­li­chen Mei­nungs­ma­cher gilt ein sol­cher Bei­trag als Be­lei­di­gung; hin­zu kommt, dass er von ei­nem »No­bo­dy« ge­schrie­ben wur­de.)

    Ge­ra­de den Ver­such, we­nig­stens teil­wei­se ob­jek­tiv zu sein, se­he ich auch in der »ta­ges­schau« und »ta­ges­the­men« im­mer mehr auf dem Rück­zug. Heu­te war bspw. zum Tauss-Pro­zess ein Bild von Tauss, wel­ches ihn mit ver­zerr­tem Ge­sicht zeig­te. Es gibt be­stimmt tau­sen­de Bil­der von Tauss – war­um nimmt man aus­ge­rech­net ei­nes, wel­ches ihn ne­ga­tiv dar­stellt? Der Sach­ver­halt sel­ber wur­de m. E. kor­rekt wie­der­ge­ge­ben – aber eben das Bild. So wird der an sich ob­jek­ti­ven Mel­dung ei­ne sub­jek­ti­ve No­te ge­ge­ben (ähn­lich bei Mixa, der im­mer mit ei­nem Bild ge­zeigt wird, in dem er nach oben schaut; so, als fle­he er Bei­stand an). Man mag zu den Per­so­nen ste­hen, wie man will – ich hal­te die­se Form der sub­ti­len Ein­fluss­nah­me für pro­ble­ma­tisch.