Haus Eu­ro­pa

Das einst hym­nisch be­schwo­re­ne »Haus Eu­ro­pa« hat seit ge­stern ei­ne neue, gro­ße Be­schä­di­gung er­fah­ren. Russ­lands Prä­si­dent Pu­tin hat die »Volks­re­pu­bli­ken« Do­nezk und Lu­hansk, die er sel­ber mit Hil­fe will­fäh­ri­ger Se­pa­ra­ti­sten als Pfahl im Ter­ri­to­ri­um der Ukrai­ne 2014 eta­bliert hat­te, jetzt so­zu­sa­gen di­plo­ma­tisch an­er­kannt. Das wi­der­spricht dem seit Jah­ren brach­lie­gen­den so­ge­nann­ten »Mins­ker-Ab­kom­men« zwar, aber egal. So schafft man Fak­ten, wie schon mit der Be­set­zung der Krim oder dem Ope­ret­ten­staat Süd-Os­se­ti­en in Ge­or­gi­en; letz­te­rer ist nur noch den wirk­lich In­ter­es­sier­ten ein Be­griff.

Das Ge­schrei ist groß, wie üb­lich. Der Ruf nach har­ten Sank­tio­nen wird laut, wo­bei nicht ganz klar ist, wel­cher Art die­se sein sol­len. NordStream2 kann man na­tür­lich ver­ges­sen. Aber dann? Nimmt man Russ­land ge­ne­rell das Gas nicht mehr ab? Mög­lich, aber wie wird es sub­sti­tu­iert? Wir be­fin­den uns doch, wie es so schön heißt, in ei­ner »Trans­for­ma­ti­on«. Al­so kei­ne Kern­kraft mehr in Zu­kunft, kei­ne Koh­le, kein Öl, kein Gas. Und das al­les auf ein­mal. Der Strom, so die Bot­schaft, kommt ja aus der Steck­do­se. Und die Hei­zung?

Was sonst? Da ist die Re­de von Hoch­tech­no­lo­gie, die nicht mehr nach Russ­land ex­por­tiert wer­den darf. Gu­te Idee, aber es wird im­mer Ni­schen ge­ben. Und dann gibt es ja noch die Chi­ne­sen. Die tau­chen bei den Über­le­gun­gen der Me­di­en-At­lan­ti­ker kaum auf. Da­bei ist klar, dass Pu­tins Ma­nö­ver zur De­sta­bi­li­sie­rung der Ukrai­ne oh­ne Dul­dung der Chi­ne­sen (oder ist es mehr?) gar nicht mög­lich wä­re. Ihm ist klar, dass der sich auf­plu­stern­de We­sten sei­ne Mo­no­po­le ver­lo­ren hat. Russ­lands Kurs spielt dem eben­falls ex­pan­sio­ni­sti­schen Chi­na in die Hän­de. Das nimmt Pu­tin in kauf.

Die USA mit ei­nem tat­t­ri­gen Prä­si­den­ten fällt der­zeit aus. Was soll sie auch tun? Selbst ei­ner San­da­len-Ar­mee wie den Ta­li­ban war man nicht ge­wach­sen, weil man nicht die Kon­se­quen­zen tra­gen woll­te – zahl­lo­se Op­fer und Bil­lio­nen Dol­lar Ein­satz für Jahr­zehn­te. Aber wo­für? Die Nie­der­la­ge in Viet­nam konn­te man noch mi­li­tä­risch er­klä­ren. Der wil­de Ab­zug aus Af­gha­ni­stan war ein Zei­chen der Ohn­macht.

So wird jetzt nicht mehr die Frei­heit am Hin­du­kusch ver­tei­digt. Und, so viel kann man ah­nen, auch am Dnepr eher nicht. Bis­marcks pom­mer­scher Gre­na­dier kommt ei­nem in den Sinn. Es bleibt ein Rät­sel, was Pu­tin mit den öko­no­misch ma­ro­den ost­ukrai­ni­schen Ge­bie­ten an­stel­len will. Sie die­nen wohl nur da­zu, in den Ge­schichts­bü­chern nicht als der Ver­we­ser ei­nes un­ter­ge­gan­ge­nen Rei­ches da­zu­ste­hen. Die bis­he­ri­gen »Ge­län­de­ge­win­ne« von Pu­ti­nia wa­ren ja eher über­sicht­lich. Wo­mög­lich will er sie auf die Pro­vinz­gren­zen der Ukrai­ne noch aus­deh­nen. Das wür­de Krieg be­deu­ten. Aber wie will man als »We­sten« dar­auf re­agie­ren?

Die Scharf­ma­cher wer­den aus ih­ren gut ge­pol­ster­ten Sit­zen her­aus Ma­xi­mal­for­de­run­gen stel­len. An­de­re wer­den Ver­hand­lun­gen be­vor­zu­gen. Bei­de sind für je ih­re Po­si­ti­on na­iv. Es bleibt am En­de bei Pa­pier­ge­ra­schel. Pu­tin weiß das und das macht die Si­tua­ti­on nicht bes­ser. Plötz­lich wirkt wie­der die Lo­gik des Kal­ten Krie­ges. Das ist nicht gut.

Der wich­tig­ste Spie­ler wur­de be­reits an­ge­spro­chen: Chi­na. Man wird sich sehr ge­nau an­se­hen, wie die USA re­agie­ren. Denn man lugt auf Tai­wan. Und das hät­te ei­ne an­de­re Di­men­si­on. Russ­land mag der We­sten mit ge­schick­ten Sank­tio­nen noch ei­ni­ge Schmer­zen zu­fü­gen kön­nen – Chi­na nicht. Man be­sitzt Wäh­rungs- und Gold­re­ser­ven und do­mi­niert die Welt­wirt­schaft. Und dass Glo­ba­li­sie­rung vor Krie­gen schützt, ist auch nur ein Mär­chen.

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  1. AM MITTWOCH BEGINNT DER KRIEG – Aus­zü­ge aus dem Jour­nal 2022

    15. Fe­bru­ar 2022, Bad Klein­heim (vul­go Ba­den bei Wien)
    Glaubt man den Be­rich­ten der ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­dien­ste, be­ginnt mor­gen der Krieg in der Ukrai­ne. Der se­ni­le ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent tut so, als glaub­te er es, und vie­le, die auf ihn hö­ren, ver­brei­ten die Kriegs-Hy­ste­rie im „west­li­chen La­ger“. Wie auf­ge­schreck­te Bie­nen schwir­ren die Ver­ant­wort­li­chen für den Bie­nen­stock Eu­ro­päi­sche Uni­on zwi­schen ih­ren je­wei­li­gen Flug­lö­chern und den Lan­de­bah­nen in Kiew und Mos­kau hin und her. Pu­tin sitzt an sei­nem lan­gen eis-wei­ßen Tisch (er er­in­nert mich an Hit­lers An­marsch­kor­ri­dor in der neu­en Reichs­kanz­lei) und ver­wahrt sein Lä­cheln für nach dem je­wei­li­gen Tref­fen. Pu­tin plant kei­nen Krieg, er will es bil­li­ger ha­ben. Was? Die Glo­rie der So­wjet­uni­on, die blu­ti­ge Kro­ne der Ro­ten Ar­mee auf dem Haupt des Za­ren­rei­ches. Aber oh­ne Blut. Auf die glat­te, blut­lo­se Wei­se, wie im Hand­streich um die Krim. Bei dem Wort Krim kann ich nicht ver­hin­dern, in die Fol­ge­ge­dan­ken hin­ein­ge­zo­gen zu wer­den, wie ich sie im Kopf von Pu­tin ih­ren fi­xen Platz ein­zu­neh­men ver­mu­te. Ich den­ke an den Krim-Ka­nal, der das drin­gend be­nö­tig­te Was­ser aus dem Dnepr. Oh­ne das Was­ser ist die nörd­li­che Krim we­nig wert. Das Was­ser muss man kon­trol­lie­ren. Zur­zeit ha­be es die Ukrai­ner ab­ge­sperrt. Das muss sich än­dern. Am be­sten er­reicht man das, wenn man den Zu­fluss zum Ka­nal kon­trol­liert. Die neue Brücke von der Pro­vinz Kras­no­dar nach Kertsch ist zwar ein Pre­sti­ge-Ob­jekt, aber kei­ne Lö­sung. Es geht um die Land­ver­bin­dung des Kern­lan­des Russ­land mit der Krim. Der Don­bas ist der An­fang da­von, aber Pu­tins Ge­dan­ken kann das nicht be­frie­di­gen. Ich bin si­cher, in sei­nem Kopf gibt es so et­was wie die Dnepr-Li­nie. Al­les öst­lich des Dnepr Ge­le­ge­ne ist Kern­russ­land, al­so auch die am lin­ken Ufer des Dnepr ge­le­ge­nen Stadt­vier­tel von Kiew, bis an die Mün­dung bei Cher­son, wo Kai­ser Jo­sef der Zwei­te die neue, im Bau be­find­li­che Flot­te der rus­si­schen Za­rin Ka­tha­ri­na be­such­te. „Das Holz ist zu grün!“ Da­mit flös­se wie­der das Was­ser im Krim-Ka­nal. Und Odes­sa ist nicht weit, die brei­te Trep­pe für Ei­sen­steins Po­tom­kin-Ma­tro­sen-Sturm, und mit Odes­sa na­tür­lich das ab­trün­ni­ge Mol­da­wi­sche Trans-Ni­stri­en – wo­mit die süd­li­che Klam­mer um die Rest-Ukrai­ne mit dem im Kopf Pu­tins schon mit Groß-Russ­land wie­der­ver­ei­nig­ten Weiß­rus­s­land per­fekt wä­re. Das se­he ich hin­ter der Stirn des am lan­gen eis-wei­ßen Tisch sit­zen­den Pu­tin, der ge­dul­dig den Re­den der aus ih­ren Flug­lö­chern in der un­ei­ni­gen Uni­on am an­de­ren En­de der Gas­lei­tun­gen aus Si­bi­ri­en um den An­schein ih­rer Rol­le be­sorg­ten NA­TO-Ab­hän­gi­gen. Die NATO, die­ses ana­chro­ni­sti­sche Ve­hi­kel der USA aus der Zeit des Ba­by­booms als Fol­ge des Rü­stungs­booms, den der Zwei­te Welt­krieg dem Land ver­passt hat­te, als Mao Tse-Tung sich nach dem Lan­gen Marsch und dem Ver­steck in den Ber­gen zu­rück in Pe­king die Re­pu­blik aus­rief.

    Seit­her ist über ein hal­bes Jahr­hun­dert ver­stri­chen und Chi­na zu­rück auf dem Weg, den es fünf­tau­send Jah­re lang als Reich der Mit­te (auf dem Erd­ball) in­ne­hat­te. Das ist das Pro­blem der USA, die Ukrai­ne nur ei­ne will­kom­me­ne Ab­len­kung vom Still­stand im Kon­gress und den Trucker-blocka­den an der ka­na­di­schen Gren­ze. Bla­ma­ge auf Bla­ma­ge von Te­he­ran über Bag­dad und Da­mas­kus bis Ka­bul, trotz der gi­gan­ti­schen Mi­li­tär­aus­ga­ben zu­la­sten ei­nes Ge­sund­heits­sy­stems für die ame­ri­ka­ni­sche All­ge­mein­heit. Und die Na­to-Zög­lin­ge schwir­ren im­mer noch aus ih­ren Flug­lö­chern nach Mos­kau an den lan­gen eis-wei­ßen Tisch im Kreml und sa­gen dort ih­re im Wei­ßen Haus vor­ge­präg­ten Sprü­che auf, statt Pu­tin die Hand zu rei­chen und zu sa­gen: He, Kum­pel, wir wis­sen, die Zeit der NATO ist vor­bei, die Welt der Nach­kriegs­zeit mit sei­ner ver­ein­fach­ten West-Ost Kon­fron­ta­ti­on exi­stiert nicht mehr. Die USA ha­ben ein West-Pro­blem und wir in Eu­ro­pa ein Süd-Pro­blem, da ist nichts we­ni­ger ge­fragt als ei­ne NATO. Da brau­chen wir, ja wir, West­eu­ro­pa und das eu­ra­sia­ti­sche Russ­land ei­ne ge­mein­sa­me Aus­rich­tung, um in dem neu­en Kräf­te­spiel zu be­stehen. Las­sen wir end­lich Ame­ri­ka aus dem Spiel. Das soll sich um sei­ne Pro­ble­me küm­mern, wir küm­mern uns um un­se­re Pro­ble­me, ver­län­gern die Gas­lei­tun­gen aus Si­bi­ri­en bis in die Bre­ta­gne, schal­ten die Atom­mai­ler an der Kü­ste des At­lan­tiks ab und stel­len den Im­port von Flüs­sig­gas aus Te­xas und North-Da­ko­ta ein. In der Eu­ra­sia­ti­schen Uni­on kommt die Ukrai­ne dann in die Mit­te zu lie­gen, die Gren­zen wer­den über­flüs­sig und die al­ten Fa­mi­li­en­ban­de zwi­schen Mos­kau und Kiew, der Wie­ge der „Rus“, kön­nen wie­der frei flie­ßen wie zu Zei­ten der wie auch im­mer be­wer­te­ten, weil ge­gen­wär­tig ir­rele­van­ten So­wjet-Uni­on. Bei frei­em in­ner-eu­ra­sia­ti­schem Ver­kehr ist es doch egal, ob der Krim-Ka­nal ukrai­ni­sches oder rus­si­sches Was­ser führt. Haupt­sa­che es fließt, wie der Djeper, die Wol­ga oder der Rhein, die Rho­ne und der Jen­nes­ei, die Do­nau und die Le­na, die Ne­ret­va und der Ei­sack. Ja, die Krim, die­ses Süd-Ti­rol der Rus­sen, mit dem Pa­last von Bacht­schi­sarai als Ro­sen­gar­ten, den die Za­rin von der al­ten Haupt­stadt hat ste­hen­las­sen, und dem Som­mer­sitz des Za­ren in Yal­ta, wo der ster­bens­kran­ke Ro­se­velt über ei­ne Zu­kunft ver­han­del­te, die er nicht mehr er­le­ben wür­de, und mit dem Haus wei­ter un­ten im Hang hin­un­ter zum Meer, wo Tsche­chow sei­ne Ge­schich­ten schrieb, und, und, und, wo die Ta­ta­ren nun wie­der in Be­dräng­nis kom­men, nach der Za­rin und nach Sta­lin das drit­te Mal, die tun mir leid. Auch für sie wä­re es das Be­ste, wenn Russ­land und West­eu­ro­pa end­lich ei­ne Uni­on bil­den wür­den, ei­nen wirt­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Macht­block, der Be­stand ha­ben könn­te, zu­min­dest für die näch­sten zwei­hun­dert Jah­re. Mehr wa­ge ich beim Lauf der Din­ge nicht zu sa­gen. Wir sind am 15. Fe­bru­ar und die Be­völ­ke­rung der Er­de hat sich in den sechs Wo­chen die­ses Jah­res um 12 Mil­lio­nen Men­schen ver­mehrt. Geht es nach den ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­dien­sten, herrscht mor­gen in der Ukrai­ne Krieg. Aber es geht nicht nach den ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­dien­sten, al­so wer­de ich ru­hig schla­fen und die Ukrai­ner mor­gen im ver­trau­ten Schla­mas­sel auf­wa­chen.

    16. Fe­bru­ar 2022
    „Stell dir vor, es ist Krieg und kei­ner geht hin.“ Der Satz ist mir aus den 68er-Jah­ren noch gut in Er­in­ne­rung. Seit Ta­gen sa­gen die US-Ge­heim­dien­ste, heu­te, Mitt­woch, be­gin­ne Russ­land den Krieg in der Ukrai­ne. Aber es geht kei­ner hin. In Russ­land mo­kiert sich der Ver­tei­dignungs­mi-ni­ster mit dem Satz, „Krie­ge fin­den nicht am Mitt­woch statt.“ Aber der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent hält wei­ter an der Vor­her­sa­ge ei­nes Krie­ges fest. Pu­tin macht Druck und lacht sich eins. Sei­ne Ge­schüt­ze und Pan­zer ste­hen im Halb­kreis um die Ukrai­ne. Er hat Zeit, noch vie­le Mitt­wo­che. Schließ­lich muss er auch Id­lib bom­bar­die­ren, in Berg Ka­ra­bach prä­sent sein, in Li­by­en, in der Zen­tral­afri­ka­ni­schen Re­pu­blik, jetzt auch in Ka­sach­stan und in Weiß­rus­s­land. Ob er dort wie­der weg­geht?

    21. Fe­bru­ar 2022
    Über die Un­ver­letz­bar­keit von Gren­zen in bü­ro­kra­tisch ein­ge­eng­ten Köp­fen.
    Seit Wo­chen wird über den dro­hen­den Krieg in der Ukrai­ne ge­spro­chen und was „der We­sten“ da­ge­gen un­ter­neh­men kön­ne. So er­neut ge­sche­hen ge­stern Abend im öster­rei­chi­schen Fern­se­hen. Un­ter den Teil­neh­mern der Dis­kus­si­ons­run­de auch ein Vi­ze­prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Uni­on stei­ri­scher Her­kunft, der mehr­fach be­ton­te, der Uni­on ge­he es in er­ster Li­nie um die Ein­hal­tung in­ter­na­tio­na­ler Ver­pflich­tun­gen, wo­nach sich al­le eu­ro­päi­schen Staa­ten, ein­schließ­lich Russ­lands oder der da­ma­li­gen So­wjet­uni­on, an die Un­ver­letz­bar­keit der Gren­zen sou­ve­rä­ner Staa­ten zu hal­ten ha­ben. Die­ser Auf­ga­be kä­me die Eu­ro­päi­sche Uni­on nach, und nichts wer­de sie dar­an hin­dern, al­le di­plo­ma­ti­schen Mit­tel zur Auf­recht­erhal­tung die­ses Sta­tus ein­zu­set­zen und, wenn nö­tig, schwe­re und schwer­ste wirt­schaft­li­che Sank­tio­nen (mi­li­tä­risch ist man trotz NATO zu schwach) ge­gen je­den zu er­grei­fen, der sich nicht an die un­ter­zeich­ne­te Ver­pflich­tung hält.

    Mir ist es un­be­greif­lich, wie ge­gen al­le Rea­li­tät ver­sperrt das Ge­hirn ei­nes Bü­ro­kra­ten sein kann, wenn er for­dert, dass Gren­zen von Staa­ten sich nicht än­dern dür­fen, weil ir­gend­wo ir­gend­wann un­ter­zeich­ne­te Pa­pie­re das nicht er­laub­ten. Als ob Hit­ler und Sta­lin nicht den Nicht-An­griffs­pakt un­ter­zeich­net hät­ten, um nur ein ekla­tan­tes Bei­spiel wir­kungs­lo­ser Ver­trä­ge oh­ne Zahl zu nen­nen. Hat denn der EU-Bü­ro­krat noch nie in ei­nen hi­sto­ri­schen Schul­at­las ge­schaut, wo sich die bunt ver­teil­ten Ter­ri­to­ri­en von Welt­rei­chen bis Zwerg­staa­ten von Sei­te zu Sei­te än­dern? Wie kann er ernst­haft glau­ben, sol­che, die ge­sam­te Mensch­heits­ge­schich­te an­dau­ern­de Ver­än­de­rung von Gren­zen lie­ße sich durch die Eu­ro­päi­sche Uni­on ver­mei­den, wenn doch je­der se­hen kann, wie Gren­zen ge­än­dert wer­den, auch ge­ra­de jetzt. Glaubt er wirk­lich, der Don­bas kön­ne zu­rück an die Ukrai­ne ge­hen, der er recht­lich zwar noch an­ge­hört, prak­tisch aber, noch nicht ganz aber fast schon wie die Krim zu Russ­land ge­hört? An der Krim ha­ben sich die Gren­zen ver­scho­ben, und da­nach in Berg Ka­ra­bach, zu­vor in Ose­ti­en und Ge­or­gi­en, in Trans­ni­stri­en. In Ju­go­sla­wi­en bil­de­ten sich in jün­ge­rer Zeit ei­ne Un­zahl neu­er Gren­zen, und an der Ab­spal­tung des ser­bi­schen Teils von Bos­ni­en wird ge­ra­de noch ge­ba­stelt.

    Of­fen­bar ist im Kopf ei­nes Bü­ro­kra­ten kein Platz für ein Grund­ge­setz der Evo­lu­ti­on, wo­nach je­de ver­füg­ba­re En­er­gie dar­auf ver­wen­det wird, den Le­bens­be­reich ei­ner Spe­zi­es zu ver­grö­ßern. Und da es auf der Er­de kei­nen un­be­leb­ten Be­reich gibt, muss die Aus­wei­tung ei­ner Spe­zi­es un­wei­ger-lich zu La­sten an­de­rer Spe­zi­es er­fol­gen. Das Ge­setz gilt auch in­ner­halb ei­ner Spe­zi­es, wie bei Co­ro­na-Vi­ren, wo sich Omi­kron zu La­sten von Del­ta an die (vor­über­ge­hen­de) Spit­ze der Aus­brei­tung setzt, so auch für die Spe­zi­es Ho­mo sa­pi­ens, wie der Ge­schichts­at­las der letz­ten zwei­tau­send Jah­re so far­ben­froh zeigt. Es wä­re da­her ganz ge­gen die Na­tur, wür­den Gren­zen von so­ge­nann­ten Na­tio­nal­staa­ten sich nicht an­dau­ernd ver­än­dern, als kön­ne das preu­ßi­sche Kö­nigs­berg nicht zum rus­si­schen Ka­li­nin­grad wer­den, das rö­mi­sche Fla­via Sol­va nicht zu Leib­niz in der Stei­er­mark. Und so ver­set­ze ich mich aus der En­ge des EU-Bü­ro­kra­ten­kop­fes in den vom KGB ge­präg­ten Kopf des der So­wjet­uni­on nach­trau­ern­den Wla­di­mir Wla­di­mi­ro­witsch Pu­tin, der es als sei­ne Le­bens­auf­ga­be sieht, so viel wie mög­lich von dem ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen Glanz des Groß-rei­ches und der Welt­macht CCCP wie­der­her­zu­stel­len. Und da se­he ich die Krim und den Don­bas nur als klei­ne Mo­sa­ik­stei­ne in ei­nem viel grö­ße­ren Bild. Da se­he ich ganz kon­kret ein Etap­pen­bild ei­ner rus­si­schen Fö­de­ra­ti­on, die bis an den Dnepr reicht, der Fluss, an dem Kiew, die Keim-zel­le des Rus­sen­tums Rus liegt, an des­sen Mün­dung die rus­si­sche Schwarz­meer­flot­te ge­grün­det wur­de und von dem so ne­ben­bei auch der Krim-Ka­nal ge­speist wird, der die nörd­li­che Krim-Halb­in­sel mit Was­ser ver­sorgt – ver­sorgt hat, bis zur An­nek­tie­rung durch Russ­land, wel­che die vom Ukrai­ner Ch­ruscht­schow 1954 per De­kret ab­ge­schaff­ten Gren­zen zwi­schen der rus­si­schen Krim und der Ukrai­ne wie­der­her­stell­te. Dar­auf­hin sperr­ten die Ukrai­ner den von Sta­lin in Zwangs­ar­beit er­rich­te­ten Ka­nal. Den braucht die Krim aber, denn auf der Halb­in­sel reg­net es we­nig, und au­ßer am ge­bir­gi­gen Süd­rand am Meer, wo all die schö­nen Fe­ri­en­or­te und Som­mer-re­si­den­zen des Za­ren und rei­cher Ge­schäfts­leu­te lie­gen, ist es auf dem fla­chen Teil der Krim zu trocken für ei­ne er­trag­rei­che Land­wirt­schaft. Den Ka­nal al­so se­he ich eben­so im Zu­kunfts­bild des Herrn Pu­tin, wie die Dnepr-Li­nie, wo­mit Kiew in zwei Staa­ten zu lie­gen kä­me, das al­te Kiew am rech­ten Ufer, das mit viel Geld aus Mos­kau ins Kraut schie­ßen­de neue Kiew am lin­ken Ufer. Und da ich mich un­schwer in die trei­ben­de Wunsch­vor­stel­lung ei­nes Pu­tin hin­ein­den­ken kann, bleibt na­tür­lich Odes­sa nicht ganz aus dem Bild, und die von den Ru­mä­nen Mol­da­wi­ens weg­wol­len­den Trans­ni­strier. Und dann bin ich gar nicht mehr so weit weg von dem rus­sisch­sten al­ler zur­zeit nicht groß­rus­si­schen Teil­staa­ten der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on, Weiß­rus­s­land. Dort sind jetzt die Trup­pen Pu­tins ein­mar­schiert, um zu … das ist nicht schwer zu er­ra­ten. Für den Bü­ro­kra­ten aus Brüs­sel na­tür­lich un­denk­bar, denn da gibt es ja die Ver­trä­ge, not­falls die Sank­tio­nen, das Gas aus Si­bi­ri­en (das die Chi­ne­sen eben­so gut brau­chen kön­nen wie die West-Eu­ro­pä­er), und die USA, der Eu­ro­pa in dem Grad un­wich­tig wird, wie der Druck Chi­nas im Pa­zi­fik wächst. Und so­mit lan­de ich wie­der bei mei­ner eu­ro-asia­ti­schen Stra­te­gie-Über­le­gung, ei­nem ver­ein­ten Eu­ra­si­en, West-Eu­ro­pa und Russ­land als ge­ein­tem Wirt­schafts- und Kul­tur­raum, stark ge­nug, um den ex­pan­die­ren­den Sub-Spe­zi­es des süd­li­chen Asi­ens (Chi­na und In­di­en al­lein zäh­len an die drei Mil­li­ar­den Men­schen, ein Drit­tel der Welt­be­völ­ke­rung) et­was ent­ge­gen­zu­set­zen, vor al­lem auch in der auf­kom­men­den Macht­ent­fal­tung Afri­kas, für das West-Eu­ro­pa (einst Hort al­ler Ko­lo­ni­al­her­ren die­ser Welt) nicht mehr als ein wei­ßes Hüt­chen sein wird, wäh­rend Chi­na al­le Fä­den ent­lang der Neu­en Sei­den­stra­ße zieht. Aber Eu­ro­pa strei­tet um den Glanz ver­gan­ge­ner Ta­ge und baut auf Mi­li­tär­al­li­an­zen ei­ner längst über­hol­ten Zeit. Und so wer­den sich die po­li­ti­schen Gren­zen kon-kur­rie­ren­der Men­schen­grup­pen wei­ter­hin ver­schie­ben, wie sie es zu al­len Zei­ten ge­tan ha­ben, tun muss­ten, Ver­trä­ge, münd­lich oder ge­schrie­ben, hin oder her, die tun nichts zur Sa­che.

    Ich weiß, sag­te ich heu­te ei­nem Ukrai­ner, die Ost­gren­ze sei­nes Lan­des ver­lie­fe ein­mal ent­lang des Dnepr, hiel­te er mich für ver­rückt, oder als ei­nen we­der mit Geo­gra­phie noch Ge­schich­te des Lan­des ver­trau­ten Phan­ta­sten. Aber das­sel­be hät­te je­der er­fah­ren, der ei­nem Ti­ro­ler vor 1918 ge­sagt hät­te, die Süd­gren­ze sei­nes Lan­des ver­lie­fe bald nicht mehr über den Ort­ler, son­dern den Bren­ner­pass, oder ei­nem Deut­schen vor 1945, die Ost­gren­ze Deutsch­lands wür­de nicht mehr sechs­hun­dert, son­dern sech­zig Ki­lo­me­ter von Ber­lin Mit­te ver­lau­fen, nicht in Til­sit an der Me­mel, son­dern an der Oder, an der Oder-Nei­ße-Li­nie. Selbst als es be­reits ein Fak­tum war und Mil­lio­nen Deut­scher aus Preu­ßen, Pom­mern, Po­sen und Schle­si­en ver­trie­ben wor­den wa­ren, konn­te man es nicht glau­ben, klam­mer­te sich an die Klau­sel „vor­über­ge­hend un­ter pol­ni­scher Ver­wal­tung“ und – das nörd­li­che Ost­preu­ßen mit Kö­nigs­berg und Til­sit be­tref­fend – „vor­über­ge­hend un­ter so­wje­ti­scher Ver­wal­tung“ (so in mei­nem gro­ßen Ber­tels­mann At­las In­ter­na­tio­nal aus dem Jahr 1963 zu le­sen). Wem hät­te man im Wien von 1900 weis­ma­chen wol­len, das schö­ne K&K pol­nisch-jid­disch-deutsch-ukrai­ni­sche Lem­berg wür­de ein­mal ei­nem kom­mu­ni­sti­schen So­wjet-reich an­ge­hö­ren? Heu­te wis­sen die mei­sten Wie­ner – schon gar nicht die in den letz­ten Jahr­zehn­ten aus Afri­ka und Asi­en Zu­ge­wan­der­ten – wo Lem­berg liegt, und die Deut­schen ha­ben sich so­wohl an die Oder-Nei­ße-Li­nie als auch dar­an ge­wöhnt, die aus der ehe­ma­li­gen DDR stam­men­den Bür­ger „Os­sis“ zu nen­nen, weil sie ja ih­rer Er­fah­rung nach aus dem Osten stam­men, ei­ne Be­zeich­nung, ge­gen die sich in mir im­mer noch al­les sträubt, denn für mich sind die so­ge­nann­ten Ost-Deut­schen (Sach­sen, Thü­rin­ger, Bran­den­bur­ger und Meck­len­bur­ger) Mit­tel- oder Zen­tral-Deut­sche, wäh­rend die Ost­deut­schen als Op­fer von Hit­lers ge­schei­ter­ter In­va­si­on aus Eu­ro­pa ver­schwun­den sind. Da fällt es mir we­sent­lich leich­ter die zum Teil Rus­sisch spre­chen­den Ukrai­ner öst­lich der Dnepr-Li­nie als Bür­ger Russ­lands zu se­hen. Die von Pu­tin un­ter­stütz­ten Se­pa­ra­ti­sten in Lug­ansk und Do­nezk ha­ben den Über­tritt be­reits voll­zo­gen, und ich se­he kei­ne Chan­ce, dass die­se Re­gio­nen je wie­der an die Ukrai­ne an­ge­schlos­sen wer­den könn­ten, ganz im Ge­gen­teil.

    Der Brüs­se­ler Bü­ro­krat aus der Stei­er­mark frei­lich be­steht dar­auf, dass die Eu­ro­päi­sche Uni­on, streng nach Ge­setz und Recht, auf die Un­ver­letz­bar­keit der Gren­zen in Eu­ro­pa schau­en wird (was am Horn von Afri­ka oder in Mau­ri­ta­ni­en oder gar in Hong­kong und Tai­wan ge­schieht, in­ter­es­siert die Uni­on oh­ne­dies nicht, denn das wä­re glo­bal, und glo­bal hat die Uni­on nichts zu mel­den). Die Sank­tio­nen frei­lich wer­den Russ­lands Ex­pan­si­ons­zie­le sehr teu­er ma­chen und letzt­lich ver­ei­teln, sagt der Bü­ro­krat, und ich glau­be er glaubt es so­gar. Man kann frei­lich Wet­ten dar­auf ab­schlie­ßen, wer als er­ster in der Uni­on Ab­spra­chen über Gas­lie­fe­run­gen aus Russ­land be­ginnt, wenn die Re­ser­ve­la­ger leer sind und das Flüs­sig­gas aus den USA dop­pelt so teu­er wie das Gas aus Si­bi­ri­en sein wird. Mi­li­tär­macht oder Wirt­schafts­macht, egal, es geht um den Druck, den ei­ne Spe­zi­es auf die an­de­re aus­zu­üben im­stan­de ist. Je­dem Zu­wachs an Macht (Stär­ke, En­er­gie, Le­bens­tüch­tig­keit, Ag­gres­si­on) steht ein Zu­wachs an Schwä­che ge­gen­über, das gilt für das Co­ro­na-Vi­rus wie für den Ho­mo sa­pi­ens. Das hat nichts mit sa­pi­en­tia, Weis­heit, zu tun, son­dern mit dem uni­ver­sel­len phy­si­ka­li­schen Grund­ge­setz, dem das Le­ben in je­der Form un­ter­liegt. Für je­man­den wie Pu­tin ist das ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, und da­nach han­delt er. Ver­trä­ge un­ter­lie­gen kei­nem phy­si­ka­li­schen Ge­setz. Je­der Ver­trag kann ge­bro­chen wer­den, oder er wird ge­gen­stands­los und ge­rät in Ver­ges­sen­heit. Das den­ke ich mir, Ch­rust­schows Ent­schei­dung be­tref­fend, die Krim kur­zer­hand von Russ­land an die Ukrai­ne zu ge­ben, wenn ich das Ge­jam­mer west­li­cher Po­li­ti­ker über Pu­tins Ver­let­zung in­ter­na­tio­na­len Rechts durch die An­ne­xi­on der Krim hö­re.

    21. Fe­bru­ar 2022, 21 Uhr MEZ
    Das Obi­ge ha­be ich heu­te Nach­mit­tag ge­schrie­ben, und nun, am Abend kom­men die Mel­dun­gen aus Mos­kau, wo­nach Pu­tin den er­war­te­ten Schritt vor Kur­zem tat­säch­lich ge­tan hat. Die Ge­bie­te Do­nezk und Lug­ansk sind von der Rus­si­schen Fö­de­ra­ti­on als selb­stän­di­ge Re­pu­bli­ken an­er­kannt wor­den. Pu­tin hat die De­kre­te un­ter­zeich­net, und wer will dar­an zwei­feln, dass der näch­ste Schritt die Bit­te der un­ab­hän­gi­gen Re­pu­bli­ken um Auf­nah­me in die Rus­si­sche Fö­de­ra­ti­on sein wer­den. Bis an die Dnepr-Li­nie ist noch ein wei­ter Weg, aber der (nach der Krim) zwei­te Schritt ist ge­tan. Pu­tin hat so­gar in der ein­stün­di­gen An­spra­che (ich hör­te sie in ru­di­men­tä­rer eng­li­scher Über-set­zung über Al­je­ze­e­ra) der ge­sam­ten Ukrai­ne die Be­rech­ti­gung zum ei­ge­nen Staat ab­ge­spro­chen. Die­se Vor­ga­be hat­te ich gar nicht er­war­tet, ob­wohl sie na­tür­lich im Kopf ei­nes Pu­tin lo­gisch ist. Da hat er so­gar mei­ne Dnepr-Li­nie über­sprun­gen. Jetzt wer­den im We­sten die rat­lo­sen Schä­del rau­chen. Und mei­ne Wet­te, was die Sank­tio­nen und Gas­lie­fe­run­gen be­trifft, gilt. Span­nen­de, für vie­le Ukrai­ner trau­ri­ge Ta­ge.

    22. Fe­bru­ar 2022
    Pu­tins Pan­zer rol­len west­wärts. Was sol­len die Ukrai­ner in ih­ren Schüt­zen­grä­ben ent­lang der Front­li­nie ma­chen? Wer soll ih­nen was ra­ten? Ih­re La­ge ist hoff­nungs­los, Ge­gen­wehr selbst­mör-de­risch. Ich wür­de mich aus dem Staub ma­chen, aber das hät­te ich schon vor lan­ger Zeit ge­tan. Ich ha­be mir die Gren­zen der bei­den Ob­la­ste (Ver­wal­tungs­be­zir­ke) Lug­ansk und Do­nezk auf der Kar­te an­ge­se­hen, da­nach geht es um grob ge­rech­net 50.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter (zum Ver­gleich Öster­reich um­fasst 83.000 km²). Da­von ist ein Drit­tel von den Se­pa­ra­ti­sten be­setzt. Aber Pu­tin kann nur die ge­sam­ten Ob­la­ste be­an­spru­chen. Bis zur Dnepr-Li­nie lie­gen dann noch ein­mal gut 200.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter, aber ge­ra­de ein­mal hun­dert Ki­lo­me­ter bis an das Dnepr-Knie bei Dne­pro­pe­trovsk, das von Po­tom­kin zur In­spek­ti­ons­rei­se von Ka­tha­ri­na der Gro­ßen im Jahr 1787 auf die Krim ge­grün­de­te Je­ka­ta­ri­no­slaw. Zu­nächst aber geht es um die von Russ­land an­er­kann­ten Volks­re­pu­bli­ken. De­ren Be­set­zung wird die näch­ste Zeit span­nend ma­chen. Und der We­sten, die selbst­er­nann­ten Schutz­mäch­te der Ukrai­ne? Was macht mein EU-Bü­ro­krat aus der vor­gest­ri­gen Ge­sprächs­run­de? Nach Recht und Ge­setz. Sank­tio­nen noch nie ge­se­he­nen Aus­ma­ßes hat er an­ge­kün­digt. Und nun ver­bie­tet Mi­ster Bi­den in Wa­shing­ton ame­ri­ka­ni­schen Ge­schäfts­leu­ten in Lug­ansk und Do­nezk Ge­schäf­te zu ma­chen. Wau! Wenn man schon macht­los ist, soll­te man we­nig­stens den Mund hal­ten. Aber Bi­den und „der We­sten“ schreckt vor kei­ner Lä­cher­lich­keit zu­rück.

    In sei­ner fast ein­stün­di­gen An­spra­che hat Pu­tin ge­sagt, dass es sich bei der Ukrai­ne um al­tes rus­si­sches Land hand­le. Ich ge­be ihm für den Groß­teil des Lan­des recht. Für den West­zip­fel gilt es aber nicht. Da­bei han­delt es sich eher um al­tes pol­ni­sches und li­taui­sches Land, um ein Ge­biet im Rei­bungs­raum zwi­schen feu­da­len Groß­rei­chen, der Habs­bur­ger der Za­ren. Fol­ge ich der West­gren­ze der Ob­la­ste Vin­ny­zia und Schi­to­mir von der Nord­spit­ze Mol­da­wi­ens ziem­lich ge­ra­de nach Nor­den bis zur weiß­rus­si­schen Gren­ze, bleibt ei­ne West-Ukrai­ne et­wa dop­pelt so groß wie Öster­reich üb­rig, ein knap­pes Vier­tel der jet­zi­gen Ukrai­ne, mit Lem­berg als Haupt­stadt. Das könn­te ich mir auch in der Zu­kunfts­vi­si­on ei­nes Pu­tin als ak­zep­ta­bel vor­stel­len. Ein „klei­ner“ Puf­fer­staat an der Ost­gren­ze der Gro­ßen Rus­si­schen Fö­de­ra­ti­on mit schö­nen Aus­flugs­mög-lich­kei­ten in die Ukrai­ni­schen Kar­pa­ten.

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