Hans Ma­gnus En­zens­ber­ger: Schreckens Män­ner – Ver­such über den ra­di­ka­len Ver­lie­rer

Hans Magnus Enzensberger: Schreckens Männer - Versuch über den radikalen Verlierer

Hans Ma­gnus En­zens­ber­ger: Schreckens Män­ner – Ver­such über den ra­di­ka­len Ver­lie­rer


Was „Schreckens Män­ner“ am An­fang in­ter­es­sant macht, ist, dass En­zens­ber­ger ver­sucht, ei­ne Ty­po­lo­gie des fru­strier­ten, ge­schei­ter­ten und dann „aus­ra­sten­den“ Mes­ser­ste­chers, Mör­ders oder Amok­läu­fers zu ent­wer­fen, oh­ne mit dem er­ho­be­nen Zei­ge­fin­ger in alt­lin­ker Ma­nier aus­schliess­lich „die Ge­sell­schaft“ ver­ant­wort­lich zu ma­chen. Sein Ver­such geht da­hin, die per­sön­li­chen Um­stän­de des­je­ni­gen zu hin­ter­fra­gen, oh­ne in psy­cho­lo­gi­sche, vor al­lem je­doch so­zio­lo­gi­sche Deu­tungs­mu­ster zu ver­fal­len (letz­te­res de­zi­diert – er­ste­res schei­tert zwangs­läu­fig [so­viel muss vor­weg­ge­nom­men wer­den]).

Im Ty­pus des „ra­di­ka­len Ver­lie­rers“ er­kennt En­zens­ber­ger den des Pri­mats des Haus­hal­tungs­vor­stan­des ver­lu­stig ge­gan­ge­nen „Schlä­fers“, des­sen Fass zum Über­lau­fen ge­bracht, ir­gend­wann die Se­kun­den ei­ner un­be­grenz­ten Macht über an­de­re aus­ko­stend, aus­ra­stend wahl­los(?) an­de­re und end­lich (meist) sich selbst rich­tet. In dem Au­gen­blick, wenn es kei­nen ge­sell­schaft­li­chen, so­zia­len Ab­stieg mehr gibt, son­dern die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Un­er­reich­ba­ren am stärk­sten ist, wenn er sich das Vo­tum der an­de­ren, die er für Ge­win­ner hält, zu ei­gen ge­macht hat, er­folgt die für uns so un­be­greif­li­che Tat: Je­den Mo­ment kann er ex­plo­die­ren. Dar­in be­steht die ein­zi­ge Lö­sung sei­nes Pro­blems, die er sich vor­stel­len kann: die Stei­ge­rung des Übels, un­ter dem er leidet...Um ihn zu krän­ken, ge­nügt ein Blick oder ein Witz...Die ab­fäl­li­ge Be­mer­kung ei­nes Vor­ge­setz­ten ge­nügt, und der Mann steigt auf ei­nen Turm und zielt auf al­les, was sich vor dem Su­per­markt be­wegt, nicht ob­wohl, son­dern weil das Mas­sa­ker sein ei­ge­nes En­de be­schleu­ni­gen wird.

Ein be­trächt­li­ches Be­dro­hungs­sze­na­rio ent­wirft En­zens­ber­ger da; wer das liest, geht am glei­chen Tag wohl erst ein­mal nicht mehr ein­kau­fen. Aber es kommt noch dicker. Auf Sei­te 21 die­ses dün­nen Bänd­chens (53 Sei­ten hat es ins­ge­samt) gibt dann den Hit­ler-Ver­gleich. Hit­ler als Füh­rer ei­ner Na­ti­on, die sich als “ra­di­ka­le Ver­lie­rer“ fühl­te. Er, Hit­ler, sei sel­ber ei­ner ge­we­sen und gleich­zei­tig der Voll­strecker; ra­di­ka­ler Ver­lie­rer auf der Me­ta­ebe­ne. Von An­fang an sei Hit­lers Pro­jekt die Nie­der­la­ge ge­we­sen, das Zer­stö­ren Deutsch­lands und das Mit­rei­ssen mög­lichst vie­ler Men­schen in den Tod. Der ra­di­ka­le Ver­lie­rer will gar nicht mehr ge­win­nen, er will ver­lie­ren und ver­nich­ten; er hat sich der­art mit sei­ner Rol­le iden­ti­fi­ziert, dass es kein Ent­rin­nen mehr gibt.

Hit­ler als Me­ta­pher ei­nes un­steu­er­ba­ren, un­ent­rinn­ba­ren Fa­tums? Qua­si ein Amok­läu­fer über 12 Jah­re, der als Sün­den­böcke sei­nes Selbst­has­ses Ju­den, Bol­sche­wi­sten, Eng­län­der, Ame­ri­ka­ner, Kom­mu­ni­sten, usw. brauch­te? Je­der wild um sich schie­ssen­de ein (ver­kapp­ter) Hit­ler?

Nicht das er­ste Mal, dass En­zens­ber­gers Re­kurs auf Hit­ler min­de­stens merk­wür­dig, wenn nicht über­zo­gen wirkt (das ist nicht im „po­li­tisch-kor­rek­ten“ Sin­ne ge­meint). Dass Hit­ler der sehn­süch­tig her­bei­ge­wünsch­te Voll­strecker des Un­ter­gangs Deutsch­lands ge­we­sen sein soll – das ist die reich­lich ver­kür­zen­de und die tat­säch­li­chen po­li­ti­schen Ver­strickun­gen und Ent­wick­lun­gen ver­ken­nen­de The­se.

Und im glei­chen Mas­se wie En­zens­ber­ger von amok­lau­fen­den Schul­jun­gen, ge­de­mü­tig­ten An­ge­stell­ten oder ge­hörn­ten Ehe­män­nern sei­ne The­se des ra­di­ka­len Ver­lie­rers auf die na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Schreckens­herr­schaft trans­for­miert – im glei­chen Mas­se ab­stra­hiert er von der ängst­lich ge­wor­de­nen glo­ba­li­sier­ten Wohl­stands­ge­sell­schaft des We­stens auf die is­la­mi­sche Welt (die er oft un­ge­nau als „ara­bi­sche Staa­ten“ be­zeich­net). Auch der is­la­mi­sti­sche Selbst­mord­at­ten­tä­ter sei ein ra­di­ka­ler Ver­lie­rer, auch sei­ne In­ten­ti­on sei ein auf an­de­rer Schuld auf­ge­bau­ter Selbst­hass (na­tür­lich hier ins­be­son­de­re die Is­rae­lis und die Ame­ri­ka­ner): Sein Tri­umph be­steht dar­in, dass man ihn we­der be­kämp­fen noch be­stra­fen kann, denn das be­sorgt er selbst. Dass er nicht nur an­de­re aus­löscht, son­dern sich sel­ber, ist sei­ne letz­te Be­frie­di­gung...

Aber wie auch schon vor­her in sei­nem Text bleibt er nicht bei den in­di­vi­du­el­len Ge­ge­ben­hei­ten ste­hen, son­dern ver­all­ge­mei­nert (was er zwar durch­aus an­spricht und auch zu­gibt, dies je­doch als le­gi­tim für den Rah­men die­ses klei­nen Es­says hält): Die Ara­ber, die, wie es ein­mal heisst, in den letz­ten vier­hun­dert Jah­ren [...] kei­ne nen­nens­wer­te Er­fin­dung her­vor­ge­bracht hät­ten, sei­en durch ih­re po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen Eli­ten selbst Schuld an ih­rer emp­fun­de­nen Be­deu­tungs­lo­sig­keit. An Ein­zel­bei­spie­len ver­sucht En­zens­ber­ger ei­ne so­zia­le und kul­tu­rel­le Sta­gna­ti­on oder gar Re­gres­si­on des Is­lam zu dia­gno­sti­zie­ren – bei­spiels­wei­se in dem er auf die stark un­ter­ent­wickel­te Buch­kul­tur hin­weist (nur 0.8% der Welt­buch­pro­duk­ti­on wer­den in der ara­bi­schen Welt ge­druckt) oder die man­gel­haft ent­wickel­ten Frau­en­rech­te the­ma­ti­siert (wo­bei er sehr wohl auf die Stu­den­tin­nen­quo­te im Iran hin­weist – gleich­zei­tig aber die­se in Sau­di-Ara­bi­en un­ter­schlägt).

Kron­zeu­ge ist der zwi­schen 2002 und 2004 im Auf­trag der Ver­ein­ten Na­tio­nen er­stell­te „Arab Hu­man De­ve­lop­ment Re­port”.

En­zens­ber­ger be­merkt, dass – trotz der enor­men Ein­nah­men durch die Öl­för­de­rung – die 22 Mit­glieds­staa­ten der Ara­bi­schen Li­ga (280 Mil­lio­nen Men­schen) kaum bes­se­re In­di­ka­to­ren als schwarz­afri­ka­ni­sche Staa­ten hin­sicht­lich Pro-Kopf-Ein­kom­men, Le­bens­er­war­tung, Schul­bil­dung und Al­pha­be­ti­sie­rungs­grad auf­wei­sen. Die Fra­ge Wie ist es zum Nie­der­gang je­ner Zi­vi­li­sa­ti­on ge­kom­men? be­ant­wor­tet er u. a. mit Dan Di­ners Buch „Ver­sie­gel­te Zeit. Über den Still­stand in der is­la­mi­schen Welt”, in der er das schwin­den­de Wis­sens­ka­pi­tal der ara­bi­schen Ge­sell­schaf­ten durch Sa­bo­tie­rung der Ein­füh­rung der Druck­pres­se durch is­la­mi­sche Rechts­ge­lehr­te re­kur­riert wird: Erst mit drei­hun­dert­jäh­ri­ger Ver­spä­tung konn­te die er­ste Drucke­rei ge­grün­det wer­den, die in der La­ge war, Bü­cher in ara­bi­scher Spra­che zu pro­du­zie­ren. Die Fol­gen für Wis­sen­schaft und Tech­nik der Re­gi­on sind bis heu­te spür­bar.

Des­wei­te­ren macht En­zens­ber­ger den feh­len­de Aus­bau ei­ner um­fas­sen­den In­fra­struk­tur für das Hin­ter­her­hin­ken ver­ant­wort­lich. Auch kon­sta­tiert er ei­ne sehr ho­he Aus­wan­de­rungs­quo­te von In­tel­lek­tu­el­len, Wis­sen­schaft­lern und In­ge­nieu­ren aus der Re­gi­on. Die Öl­för­der­staa­ten be­zeich­net er als pa­ra­si­tär, da sie nicht ein­mal in der La­ge ge­we­sen wä­ren, die not­wen­di­ge Tech­nik zur För­de­rung des Öls sel­ber zu pro­du­zie­ren, son­dern auf west­li­che Un­ter­neh­men zu­rück­grei­fen müs­sen. Ein bei nä­he­rer Be­trach­tung in ei­ner ar­beits­tei­lig or­ga­ni­sier­ten Welt­wirt­schaft merk­wür­dig an­mu­ten­der Vor­wurf – auch und ge­ra­de po­li­tisch be­trach­tet, da Ver­su­che von Staa­ten, die Wert­schöp­fung ih­rer Roh­stof­fe sel­ber in die Hand zu neh­men sehr oft zu In­ter­ven­tio­nen des We­stens ge­führt ha­ben (bspw. Mos­sa­degh im Iran 1953).

Wie in der west­li­chen Welt sieht der ra­di­ka­le Ver­lie­rer in der is­la­mi­schen Welt die Feh­ler für die Un­ter­ent­wick­lun­gen und De­mü­ti­gun­gen aus­schliess­lich bei den an­de­ren; das ei­ge­ne Sy­stem wird nie be­fragt. En­zens­ber­ger hält die Mehr­heit der Mus­li­me (die er mit 1,3 Mrd. Men­schen an­gibt) für durch­aus fried­lich – den­noch äu­ssert er (nur müh­sam ein­schrän­kend) die Ver­mu­tung, dass rund 7 Mil­lio­nen der­ar­ti­ger „ra­di­ka­ler Ver­lie­rer“ zum äu­sser­sten ent­schlos­sen sei­en (Wolf­gang Sof­skys Zahl zi­tie­rend).

In­ter­es­sant ist die Par­al­le­le zu Fu­ku­ya­mas The­se, was die Prot­ago­ni­sten des Is­la­mis­mus (ge­nau­er müss­te man wohl Dschi­ha­dis­mus sa­gen) an­geht. Wie der Ame­ri­ka­ner sieht En­zens­ber­ger auch, dass die Emi­gra­ti­on die psy­chi­schen Ri­si­ken der Ver­lie­rer nicht min­dert, son­dern ver­schärft. Un­ab­hän­gig von ih­rer öko­no­mi­schen La­ge sind die ent­wur­zel­ten Mi­gran­ten aus dem ara­bi­schen Raum durch die un­mit­tel­ba­re Kon­fron­ta­ti­on mit der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on ei­nem dau­er­haf­ten Kul­tur­schock ausgesetzt...Der schein­ba­re Über­fluss an Wa­ren, Mei­nun­gen, öko­no­mi­schen und se­xu­el­len Op­tio­nen führt zum ‚dou­ble bind’ von At­trak­ti­on und Ab­leh­nung, und die fort­wäh­ren­de Er­in­ne­rung an den Rück­stand der ei­ge­nen Zi­vi­li­sa­ti­on wird un­er­träg­lich.

Wo Fu­ku­ya­ma (vor­sich­tig) die eu­ro­päi­sche So­zi­al­po­li­tik in der Pflicht sieht, spielt En­zens­ber­ger den Ball an das In­di­vi­du­um zu­rück. Den Rück­stand der ei­ge­nen Zi­vi­li­sa­ti­on hält En­zens­ber­ger für aus­ge­macht. Er wird nicht hin­ter­fragt; im Ge­gen­teil, der west­li­che „Dia­log“ mit dem Is­lam, ein ir­gend­wie ge­ar­te­ter Wer­te­re­la­ti­vis­mus wird von ihm als Schwä­che emp­fun­den. Hier ist En­zens­ber­ger ganz dicht bei den ame­ri­ka­ni­schen Neo­kon­ser­va­ti­ven à la Kraut­ham­mer an­ge­kom­men.

Zwar ist sein Ge­dan­ke, der sich or­tho­dox ge­ben­de Is­la­mis­mus sei in Wahr­heit ein Kind der (meist links-)terroristischen „Be­frei­ungs­or­ga­ni­sa­tio­nen“ der 70er und 80er Jah­re, sehr gut nach­voll­zieh­bar (wo­bei er – en pas­sant – die­se „Or­ga­ni­sa­tio­nen“ als re­gio­nal mar­gi­na­li­siert aus­macht, wäh­rend er den Is­la­mis­mus als ein­zig ver­blie­be­ne, glo­bal agie­ren­de „Ver­lie­rer“ sieht). Die The­se, der or­tho­dox agie­ren­de Is­lam set­ze den Ko­ran an die Stel­le von Marx, Le­nin und Mao und als re­vo­lu­tio­nä­res Sub­jekt dient nicht mehr das Welt­pro­le­ta­ri­at, son­dern sie ‚um­mah’, als Avant­gar­de und selbst­er­nann­ter Stell­ver­tre­ter der Massen nicht die Par­tei, son­dern das weit ver­zweig­te kon­spi­ra­ti­ve Netz­werk der is­la­mi­schen Krie­ger stellt je­doch ein kras­ser Fehl­griff in der hi­sto­ri­schen (und ge­sell­schaft­li­chen) In­ter­pre­ta­ti­on des Phä­no­mens des Kom­mu­nis­mus auf der ei­nen und des (so­ge­nann­ten) Is­la­mis­mus auf der an­de­ren Sei­te dar.

Und na­tür­lich wer­den dann noch ent­spre­chen­de Su­ren zi­tiert, wenn es um Frau­en und ih­re Rech­te und Pflich­ten geht und auch 9,29 darf nicht feh­len – wenn es dar­um geht, die „Un­gläu­bi­gen“ zu be­kämp­fen. En­zens­ber­ger gibt sich erst gar nicht die Mü­he, „ent­la­sten­des“ Ma­te­ri­al zu zi­tie­ren und be­gibt sich da­mit ex­akt in die Fal­le de­rer, die er vor­gibt zu be­kämp­fen. Da mag ein Lek­tor ge­fehlt ha­ben oder ein­fach nur die Be­reit­schaft zur et­was ob­jek­ti­ve­ren Sicht. Je­den­falls springt er dem stamm­tisch­ähn­li­chen Pau­schal-Bashing des Ko­ran all­zu wil­lig bei, frei­lich hübsch for­mu­liert.

Lö­sun­gen bie­tet En­zens­ber­ger (wie auch schon in sei­nen an­de­ren Es­says bei­spiels­wei­se über den welt­wei­ten Bür­ger­krieg oder die Zu­wan­de­rung) nicht an. Das muss er auch nicht. Aber sei­ne Dia­gno­se ist der­art holz­schnitt­ar­tig, dass man sich ge­naue­re, de­tail­lier­te­re Aus­füh­run­gen schon ge­wünscht hät­te. So kommt das Büch­lein (als Son­der­druck in der „edi­ti­on suhr­kamp“ er­schie­nen) all­zu forsch da­her. Da­bei wirkt es ge­le­gent­lich wie ein Pfei­fen im Wald wenn es um die Be­schwö­rung der Über­le­gen­heit des We­stens geht. Das ist – al­les in al­lem – we­nig ori­gi­nell.


Al­le kur­siv ge­setz­ten Wen­dun­gen und Sät­ze sind Zi­ta­te aus dem be­spro­che­nen Buch.

Zu­sätz­li­che Ma­te­ria­li­en:
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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Im­mer wie­der ein­mal wun­de­re ich mich dar­über, daß die Äu­ße­run­gen des »größ­ten In­tel­lek­tu­el­len der Ge­gen­wart« mir kaum je­mals In­ter­es­se wecken.
    Auch obi­ge Be­spre­chung ha­be ich ger­ne zur Kennt­nis ge­nom­men, oh­ne daß der ge­ring­ste Wunsch ent­stan­den wä­re, E.s Ver­such selbst zu le­sen.
    Viel­leicht hängt das da­mit zu­sam­men, daß E. von sich sagt, er ha­be den So­zia­lis­mus rauf und run­ter ken­nen­ge­lernt und sei mit ihm kom­plett fer­tig.
    Ich ha­be Et­li­ches vom So­zia­lis­mus ken­nen­ge­lernt und bin er­freu­li­cher­wei­se da­mit gar nicht fer­tig.
    So ent- und ver­wir­ren sich die We­ge an­ders.

  2. Der Vor­teil
    der En­zens­ber­ger Es­says: Sie sind kurz. Der Nach­teil: Sie zeich­nen sich (mei­ner un­mass­geb­li­chen Mei­nung nach) nicht un­be­dingt durch strin­gen­te Ar­gu­men­ta­tio­nen aus, son­dern rei­hen Ver­mu­tun­gen und The­sen an­ein­an­der. Sym­pa­thisch fand ich im Ge­spräch mit Jof­fe, dass er Es­says als »Ver­su­che« be­wer­tet, al­so den Be­griff so­zu­sa­gen wört­lich nimmt. Sei­ne letz­ten »Ver­su­che« sind m. E. merk­wür­dig schwach.

    Viel­leicht ist ihm sein frü­he­res, un­aus­lösch­ba­res En­ga­ge­ment für den So­zia­lis­mus ein­fach nur pein­lich und wie so oft sind die Kon­ver­ti­ten die schlimm­sten...

  3. enzens­er­ger, adolf hit­ler, etc.
    I was just rea­ding your comments on enzensberger’s la­test, lo­thar. i call your at­ten­ti­on to two ex­cel­lent psy­cho­ana­ly­tic stu­dies on Hit­ler, by fritz red­lich,
    http:// www. yale. edu/ opa/ v32.n15/ story21. html
    [LINK INAKTIV – G.K. 15.11.2016]
    very tho­rough, by
    so­meo­ne who had gre­at Vi­en­nese me­di­cal trai­ning too; and ted dorpat’s
    WOUNDED MONSTER who has, for me,a con­vin­cing the­ses. asi­de h.s child­hood pro­blems
    which he sha­red with kaf­ka, ce­lan and no end of gen­ti­le sons, i.e. a fa­mi­ly con­stel­la­ti­on of a pe­tit bour­geois fa­ther, mo­re or less bru­tal, and an in­dul­gent self-pi­ty­ing mo­ther, h. spent
    fi­ve ye­ars at the front, wi­t­hout in­ter­rup­ti­on, as a cou­ra­ge­ous run­ner; un­til he was gas­sed, re­co­ve­r­ed, then went in­to shock when a shell ex­plo­ded ne­ar­by.
    post trau­ma­tic stress which me­ans that fo­re­ver af­ter you will want to re­turn to the sta­te in which you we­re trau­ma­ti­zed so as to be ab­le to over­co­me it, im­pos­si­ble, fr. pron.unciation.
    and then the bad com­pa­ny he kept. he was a ger­man na­tio­na­list when he joi­ned the ger­man ar­my as an au­stri­an na­tio­nal in 1914, he might have al­so joi­ned the au­stri­an ar­my.
    the self-pi­ty was the­re at the very end too, when he said that the ger­man peop­le had fai­led him; and the dis­pla­ced guilt in thin­king that he would be re­mem­be­red as the »mass mur­de­rer of the swiss«....[see go­eb­bles dia­ry] no ex­tre­me res­sen­ti­ment on the part of the ger­man peop­le, no hit­ler. howeve,r he ne­ver won, na­tio­nal­ly, mo­re than 33 % of the vo­te. on­ly ex­ce­e­ded that per­cen­ti­le in cer­tain re­gi­ons ie Thu­rin­gia,
    the re-in­sti­tuted fa­ther /fuehrer/kaiser dic­ta­tor­ship points to the weak­ness of ge­ne­ral po­pu­la­ti­on in nee­ding to have a dis­pla­ced su­per-ego that leads it, freud on mass psy­cho­lo­gy, mit­cher­lich then as so­meo­ne who de­mon­stra­ted the con­se­quen­ces.
    i still have to read the en­zens­ber­ger, have on­ly read sum­ma­ries of it. it’s a questi­on of how to di­rect ag­gres­si­on. i would say, the­re was a big ana­ly­tic dis­cus­sion on li­ne on this too at
    the ijpa.org/ [LINK INAKTIV – G. K. 20.05.2015]
    as you know i know enzensberger’s work. ba­si­cal­ly he is tal­king t:urning against the self,« ma­so­chism. ma­so­chists as was poin­ted out a long time ago are the most gran­dio­se of vic­tors. its a win win win si­tua­ti­on for the ter­ro­rist, in­ra­psychi­cal­ly speaking, that i think gets to the he­ar of the issue.
    e. al­rea­dy wro­te qui­te brill­li­ant­ly about the rus­si­an 19th cen­tu­ry ter­orists back in the 70s. in po­li­tics and crime/ po­li­tik und ver­bre­chen. me­an­while, li­ke hit­chens he­re, he has sold out.