Das Hei­den­reich-Kaf­fee­kränz­chen: »Le­sen!« im ZDF

Ge­stern wie­der „Le­sen!“ im ZDF mit El­ke Hei­den­reich, der Frau mit dem „gro­ssen Herz für schlech­te Bü­cher“ (Iris Ra­disch).

Die­se Sen­dung zeigt das Elend der Ver­mitt­lung von Li­te­ra­tur durch / im Fern­se­hen. In drei­ssig Mi­nu­ten nu­delt Frau Hei­den­reich ih­re höchst­per­sön­li­che Aus­wahl von Bü­chern her­un­ter. Es sind meist um die 20 – de­zi­dier­te Be­spre­chun­gen sind da na­tür­lich nicht mög­lich. Haupt­sa­che „Le­sen“! (Der läng­ste Part der Ru­he in der Sen­dung ist das Vor­le­sen aus ei­nem Hör­buch – dies­mal Scott Fitz­ge­rald.)

Ih­re Kri­te­ri­en blei­ben da­bei im Dun­keln bzw. sind (ver­mut­lich) an ei­ner vul­gär-äs­the­ti­schen Li­nie zwi­schen Un­ter­hal­tungs­ro­man und po­li­tisch-kor­rek­ter Mi­lieu­pro­sa fest­zu­ma­chen. Nicht um­sonst hat sie für die Zeit­schrift »Bri­git­te« ei­ne Buch­edi­ti­on »er­le­sen«.

Der Gast (dies­mal Hape Ker­ke­ling) kommt so gut wie gar nicht zu Wort, dient al­len­falls als Stich­wort­ge­ber, um un­ab­läs­sig den pa­ter­na­li­sti­schen Ser­mon der Gast­ge­be­rin zu pro­du­zie­ren. Ei­ner sei­ner Vor­schlä­ge („Das ti­be­ti­sche Buch vom Le­ben und Ster­ben“) wur­de flugs als „In­ner­lich­keits­buch“ ab­ge­fer­tigt.

Der mit Pa­thos vor­ge­brach­te „Lesen!“-Imperativ über­rascht mich im­mer wie­der neu (als sei dies schon al­lei­ne ge­nü­gend Pro­gramm). Zeigt doch die „Be­ar­bei­tung“, die Bü­cher in die­ser Sen­dung er­fah­ren, dass Hei­den­reich ei­gent­lich das Ge­gen­teil ei­nes Le­sers dar­stellt: Sie ist nicht mehr neu­gie­rig, sie weiss im­mer al­les bes­ser und schon im vor­aus und sie lässt sich im­mer nur das be­stä­ti­gen, was sie oh­ne­hin schon ka­no­ni­siert hat.

Wer Wolf­gang Ko­ep­pens „Tri­lo­gie des Schei­terns“ als Lek­tü­re vor­stellt, die sich „so run­ter­le­sen lässt“, ist für mich nicht mehr se­ri­ös. Ge­ra­de bei Ko­ep­pen muss man Wort für Wort und ganz ge­nau le­sen – dann er­schliesst sich die Kraft sei­ner Spra­che (die in der Tat enorm und – ja, lei­der – im­mer noch weit un­ter­schätzt wird). Da wer­den sich die Le­se­rIn­nen beim Hei­den­reich-Kaf­fee­kränz­chen noch ge­wal­tig wun­dern, wen sie denn da emp­foh­len hat.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wer schlech­te Bü­cher run­ter­macht, er­zielt, dass we­ni­ger ge­le­sen wird.
    Wer schlech­te Bü­cher nicht er­wähnt, dergl.
    Wer gu­te Bü­cher schlecht macht, wie Reich, soll­te den Mund hal­ten.
    Wer schlech­te­re Bü­cher gut­re­det, hat gut ge­tan, dann wird ge­le­sen, sol­che Le­ser bil­den sich dann all­mäh­lich sel­ber ein Ur­teil, aber der An­fang ist ge­macht, bra­vo El­ke!

  2. Le­sen an sich...
    recht­fer­tigt al­les?

    Wer schlech­te Bü­cher run­ter­macht, er­zielt, dass we­ni­ger ge­le­sen wird.
    Wä­re es schlimm, wenn we­ni­ger schlech­te Bü­cher ge­le­sen wür­den? (Jetzt ab­ge­se­hen von der schwie­ri­gen De­fi­ni­ti­ons­fra­ge.)

    Und: Glau­ben Sie an ei­nen Eman­zi­pa­ti­ons­pro­zess des Le­sers?

    Oder: Soll­te man nicht bes­ser an ihn glau­ben?

  3. ich tu mir halt im­mer schwer mit der ka­te­go­ri­sie­rung in »schlech­te« und »gu­te« bü­cher.

    und je­de re­zen­si­on über ein buch ist im­mer nur ei­ne per­sön­li­che mei­nung. als das seh ich sie auch. nicht mehr, aber auch nicht we­ni­ger. es gibt bü­cher, die lie­ben an­de­re men­schen, mir ha­ben sie nichts ge­sagt. um­ge­kehrt gibt es bü­cher, die ich lie­be (zu­letzt zum bei­spiel »en­gels­zun­gen« von di­mit­rev di­nev), die kei­ne best­sel­ler ge­wor­den sind.

    mein ei­ge­nes buch fin­de ich (und ei­gent­lich die mei­sten kin­der, de­nen es vor­ge­le­sen wur­de) sa­gen­haft gut, aber es ver­kauft sich schlecht *grinst*. der ver­lag hats el­ke hei­den­reich zwar ge­schickt, aber vor­ge­stellt wur­de es nicht.

    ich glau­be, die sen­dung »le­sen!« soll­te man ein­fach als das se­hen, was es ist. näm­lich un­ter­hal­tung. lust auf bü­cher krieg ich in er­ster li­nie durch emp­feh­lung von freun­den und freun­din­nen, durchs schmö­kern im in­ter­net oder in der buch­hand­lung.

  4. Gut / Schlecht
    Rich­tig. Ur­tei­le wie »gut / schlecht« sind nor­ma­ler­wei­se im­mer falsch oder un­ge­recht oder bei­des. Sie stam­men eher aus dem Vo­ka­bu­lar ei­nes Reich-Ra­nicki.

    Den­noch bin ich der Mei­nung, dass man sehr wohl Schwä­chen ei­nes Bu­ches in Be­spre­chun­gen oder Re­zen­sio­nen auf­zei­gen darf; wenn’s geht, be­grün­det. Hei­den­reich re­zen­siert aber in ih­rer Sen­dung kei­ne Bü­cher, son­dern stellt ih­ren Ge­schmack zur Schau. Das mag den Ver­la­gen bzw. Bü­chern hel­fen, die vor­ge­stellt wer­den, aber sehr vie­le As­pek­te von Li­te­ra­tur kom­men bei ihr gar nicht vor (bspw. neue­re, deutsch­spra­chi­ge Li­te­ra­tur).

    Vor vie­len Jah­ren gab es mal ei­ne Sen­dung nach der »Be­sten­li­ste« (mit Hu­bert Win­kels). Hier wur­de in Fil­men, Ge­sprä­chen, Kri­tiker­dis­kus­sio­nen die Bü­cher der so­ge­nann­ten Be­sten­li­ste vor­ge­stellt (wie ge­sagt, es ist kei­ne Bestsel­lerli­ste). Da kam ei­ne Men­ge ‘rü­ber; vor al­lem nicht nur Main­stream­li­te­ra­tur. Lei­der ist die Sen­dung ir­gend­wann ein­ge­stellt wor­den.

    Jetzt gibt’s im deutsch­spra­chi­gen Fern­se­hen ei­gent­lich nur noch den Li­te­ra­tur­club. An­son­sten eben Re­zen­sio­nen in di­ver­sen Zei­tun­gen und – vor al­lem -: Quer­ver­wei­se von Au­toren (Bü­cher / Au­toren, die sie in ih­ren Bü­chern er­wäh­nen oder Be­zug dar­auf neh­men).

  5. Knack­punkt?
    Was ist der wirk­li­che Knack­punkt? Eher die Art von Frau Hei­den­reich, oder liegt es viel­mehr am »Elend der Ver­mitt­lung von Li­te­ra­tur durch/im Fern­se­hen«, für das min­de­stens ge­nau so sehr der Sen­der ver­ant­wort­lich ist?

    »Le­sen!« be­kommt ge­ra­de mal 30 Mi­nu­ten Platz im Pro­gramm. »Li­te­ra­tur­club« da­ge­gen 75 Mi­nu­ten. Schon des­halb müs­sen bei bei­den Sen­dun­gen grund­ver­schie­de­ne Kon­zep­te her­hal­ten.

    Du bist, glau­be ich, Vielleser und kennst dich auch recht gut in der Li­te­ra­tur aus. Sol­che »Ken­ner« sol­len gar nicht mit »Le­sen!« an­ge­spro­chen wer­den – sie le­sen ja so­wie­so. Son­dern sol­che, die eher we­nig le­sen, die bei ei­nem 75-mi­nü­ti­gen »Li­te­ra­tur­club« spä­te­stens nach 5 Mi­nu­ten ge­lang­weilt weg­zap­pen und die mit nichts an­de­rem als ein paar kurz vor­ge­stell­ten Mehr-Oder-We­ni­ger-Main­stream-Bü­chern zu packen sind.

    Kurz: Die Sen­dung wen­det sich an Nicht-Le­ser, nicht an Le­ser. Ge­nau dar­auf ist sie zu­ge­schnit­ten. Der noch neu­gie­ri­ge Le­ser zappt weg. Darf er auch.

    Wenn ZDF und Hei­den­reich woll­ten, könn­ten sie si­cher ei­ne min­de­stens dop­pelt so lan­ge Sen­dung pro­du­zie­ren, die we­sent­lich mehr in die Tie­fe geht und die So­wie­so-Le­ser an­spricht. Wol­len sie aber gar nicht.

  6. Knack­punk­te
    die Art von Frau Hei­den­reich, oder liegt es viel­mehr am »Elend der Ver­mitt­lung von Li­te­ra­tur durch/im Fern­se­hen«, für das min­de­stens ge­nau so sehr der Sen­der ver­ant­wort­lich ist?
    Bei­des. Der Sen­der hat da­mit nichts zu tun. Die Leu­te sind so ah­nungs­los, was Li­te­ra­tur an­geht, wie man nur sein kann. Sie bu­chen die 30 Mi­nu­ten un­ter Li­te­ra­tur; die ARD macht das mit „Druck­frisch“ von Den­nis Scheck. In den 70er Jah­ren gab es sehr in­ter­es­san­te For­ma­te – eben bis vor ei­ni­gen Jah­ren noch die Be­sten­li­ste. Ein ähn­li­ches For­mat könn­te man m. E. pro­blem­los ein­rich­ten; von mir aus auch in 30 Mi­nu­ten Sen­dun­gen. Das macht man nicht – aus vie­ler­lei Grün­den.

    »Le­sen!« be­kommt ge­ra­de mal 30 Mi­nu­ten Platz im Pro­gramm. »Li­te­ra­tur­club« da­ge­gen 75 Mi­nu­ten. Schon des­halb müs­sen bei bei­den Sen­dun­gen grund­ver­schie­de­ne Kon­zep­te her­hal­ten.
    Das ist nicht zwin­gend. Man könn­te auch ei­ne 30 Mi­nu­ten Sen­dung ma­chen, in der sich zwei oder drei Leu­te über zwei Bü­cher un­ter­hal­ten bzw. die­se kon­tro­vers dis­ku­tie­ren. Noch ein­mal: Hei­den­reich nu­delt in 30 Mi­nu­ten rd. 20 Bü­cher durch (Ge­samt­aus­ga­be Scott-Fitz­ge­rald und Ko­ep­pens Tri­lo­gie in­klu­si­ve). Au­sser dem pro­fa­nen Hin­weis, die­se Bü­cher zu le­sen, bleibt kei­ne Zeit. Al­len­falls für drei Bü­cher und das Hör­buch gibt es et­was mehr Platz.

    Wo­mit ist ei­nem „Nicht-Le­ser“ (da­zu kom­me ich noch) ge­dient? Ihn an die Hand zu neh­men, um ihm im Dickicht der Neu­erschei­nun­gen dann 20 Bü­cher auf den Tisch zu knal­len – oder ihm zwei oder drei Bü­cher auf­zu­zei­gen, die von u. U. noch di­ver­giert ar­gu­men­tie­ren­den vor­ge­stellt wer­den?

    Hei­den­reichs Vor­stel­lun­gen sind meist In­halts­an­ga­ben mit nichts­sa­gen­den Äu­sse­run­gen wie „müs­sen Sie le­sen“ oder „ganz gross­ar­tig“. Der In­for­ma­ti­ons­wert für den „Nicht-Le­ser“ ist null.

    Ab­sto­ssend ist es ge­ra­de­zu, wenn tags dar­auf (manch­mal auch schon vor­her) in den Buch­hand­lun­gen des nicht so gu­ten Ge­schmacks ei­gens Bü­cher­ti­sche mit den Emp­feh­lun­gen de­ko­riert wer­den, wo denn dann der Jün­ger sei­ne Bi­bel käuf­lich er­wer­ben kann (ich weiss, das ist po­le­misch und viel­leicht so­gar bös­ar­tig). Man kann zu Reich-Ra­nicki ste­hen, wie man will (ich sehr kri­tisch), aber das „Li­te­ra­ri­sche Quar­tett“ zeig­te im­mer meh­re­re As­pek­te ei­nes Bu­ches; Hei­den­reich ist – dem Zeit­geist ge­schul­det – ein­di­men­sio­nal. Da­bei ist noch nicht ein­mal schlimm, was sie vor­stellt – schlim­mer ist, wie und vor al­lem was sie nie­mals vor­stellt oder in Ne­ben­sät­zen en pas­sant fer­tig­macht.

    »Ken­ner« sol­len gar nicht mit »Le­sen!« an­ge­spro­chen wer­den – sie le­sen ja so­wie­so.
    War­um? Der Buch- bzw. Neu­erschei­nungs­markt ist der­art kom­plex und un­über­sicht­lich – al­so ich bin über je­den Tip dank­bar.

    bei ei­nem 75-mi­nü­ti­gen »Li­te­ra­tur­club« spä­te­stens nach 5 Mi­nu­ten ge­lang­weilt weg­zap­pen und die mit nichts an­de­rem als ein paar kurz vor­ge­stell­ten Mehr-Oder-We­ni­ger-Main­stream-Bü­chern zu packen sind.
    Ich weiss nicht, ob Du den Li­te­ra­tur­club schon mal ge­se­hen hast (die Hei­den­reich hat ihn vor sehr vie­len Jah­ren auch schon mo­de­riert – sie kann al­so auch an­ders, ob­wohl ih­re Dis­kus­si­ons­be­reit­schaft recht ein­ge­schränkt war) – lang­wei­lig ist der nie. Die „Frech­heit“ liegt na­tür­lich in den 75 Mi­nu­ten. Aber – sehr sehr oft reicht die Sen­de­zeit für die As­pek­te, die von den Dis­ku­tan­ten kom­men, nicht aus. Man be­spricht 4 Bü­cher (am En­de gibt es noch von je­dem ei­nen kur­zen Tip). Zieht man die Vor­stel­lung des wech­seln­den Ga­stes ab, blei­ben rd. 65 Mi­nu­ten für die­se vier Bü­cher. Das ist doch schon mal was. Aber zu­viel?

    Und wer sagt, dass die Leu­te a prio­ri so ge­strickt sind, dass sie nur mit „Mainstream“-Büchern „zu packen“ sind? Das ist un­ge­fähr so, als wür­de man da­für plä­die­ren, nur noch „Bild“ und „Fo­cus“ zu pro­du­zie­ren, weil die „SZ“ oder „Die Zeit“ eh zu kom­pli­ziert sei­en.

    Die Sen­dung wen­det sich an Nicht-Le­ser, nicht an Le­ser. Ge­nau dar­auf ist sie zu­ge­schnit­ten. Der noch neu­gie­ri­ge Le­ser zappt weg. Darf er auch.
    Der neu­gie­ri­ge, po­ten­ti­el­le Le­ser zappt weg – wie kann er dann zum Le­ser wer­den? Wer lässt sich von fünf­zig Se­kun­den Ge­schwa­fel über Ko­ep­pen, wo­von 30 Se­kun­den sich auf das Fo­to von ihm be­zie­hen, was 50 Jah­re alt ist („mit Ar­no-Schmidt-Kas­sen­ge­stell“), zur Lek­tü­re von sei­nen Bü­chern über­zeu­gen? Neh­men wir ein­mal an, die Leu­te kau­fen die­se Bü­cher ob der Emp­feh­lung. Reicht das schon? Oder soll­te man nicht viel­leicht ein­mal über­le­gen, wer sich dann durch die drei Bän­de liest.
    Wird nicht je­mand wie­der zum Nicht-Le­ser, der auf fal­sche, ober­fläch­li­che, lieb­lo­se Tips re­kur­riert hat?

    Wenn ZDF und Hei­den­reich woll­ten, könn­ten sie si­cher ei­ne min­de­stens dop­pelt so lan­ge Sen­dung pro­du­zie­ren, die we­sent­lich mehr in die Tie­fe geht und die So­wie­so-Le­ser an­spricht. Wol­len sie aber gar nicht.
    Das ge­nau ist das zwei­te Elend.

    Ver­steh’ mich nicht falsch. Ich bin kein Apo­lo­get ei­ner Nur-Hoch­kul­tur. Aber es ist schon al­les so seicht und so weich – war­um dann al­so ei­ne Li­te­ra­tur-Sen­dung, die das fort­setzt?

    Ei­gent­lich ist es wie mit dem öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr: Strecken wer­den zu­erst nicht mehr so stark fre­quen­tiert. Die po­ten­ti­el­len Fahr­gä­ste müs­sen sich zu sehr an ei­nen en­gen Fahr­plan rich­ten. Sie stei­gen auf das Au­to um. Es gibt we­ni­ger Fahr­gä­ste. Der Ver­kehrs­be­trieb setzt den Fahr­plan wie­der wei­ter aus – es gibt noch we­ni­ger Fahr­gä­ste. Schliess­lich wird die Li­nie ein­ge­stellt. Be­grün­dung: Es gab kei­ne Fahr­gä­ste mehr.

    Üb­ri­gens will­kom­men!

  7. Et­was spät mein Kom­men­tar. Aber hier geht’s ja nicht um fri­sche Milch.
    Ich las ge­ra­de ein paar al­te Ar­ti­kel hier durch und blieb am »Lesen!.Kaffekränzchen« hän­gen.
    Kur­ze Ge­schich­te:
    Ge­stern (Kar­frei­tag) sah ich ein Buch beim Buch­händ­ler im Fen­ster, das mich in­ter­es­sier­te: Kurz­ge­schich­ten von Her­mann Har­ry Schmitz.
    Dann sah ich, dass auf dem Um­schlag oben drü­ber stand, es ist ein BRI­GIT­TE-Buch, »er­le­sen von Frau Hei­den­reich« o.s.ä..
    Ich ent­schloss mich, bei Ama­zon nach ei­ner ver­nünf­ti­gen Aus­ga­be zu su­chen. Mei­ner Frau er­klär­te ich: so ein Buch möch­te ich nicht in mei­nem Re­gal ha­ben, und er­zähl­te ihr et­was über den Kaf­fe­kränz­chen-Ge­schmack der Da­me E.H. ...
    Und heu­te les ich hier den Ar­ti­kel über die net­te Da­me.
    Ich freu’ mich im­mer, wenn ich mit mei­nem Ge­schmack nicht al­lei­ne bin.

  8. Of­fe­ner Brief an das Zwei­te Deut­sche Fern­se­hen
    In­no­va­ti­ve Buch­be­spre­chung statt spät­abend­li­che Kaf­fee­fahrt
    Ei­ne For­de­rung für das Nach­fol­ge­sen­dungs­for­mat von »le­sen!«

    Sehr ge­ehr­te Pro­gramm­lei­tung des ZDF,

    nach­dem mit Ent­las­sung von El­ke Hei­den­reich der Sen­de­platz ih­rer Bü­cher­sen­dung »le­sen!« frei ge­wor­den ist, bie­tet sich für das ZDF die ein­zig­ar­ti­ge Ge­le­gen­heit, ein jun­ges und dy­na­mi­sches neu­es Buch­sen­dungs­for­mat an ih­re Stel­le zu set­zen.

    Die Zeit ei­ner spät­abend­li­chen „li­te­ra­ri­schen Kaf­fee­fahrt“ muss vor­bei sein, in de­nen Bü­cher von Pro­mi­nen­ten nur in die Ka­me­ra ge­hal­ten und ge­lobt wer­den, wo­bei ins­be­son­de­re Bü­cher aus dem Aus­land oder Best­sel­ler in der Hei­den­reich-Sen­dung häu­fig ih­ren Sen­de­platz be­ka­men. Was bei Hei­den­reich in den er­sten Sen­dun­gen noch als recht frisch er­schien, zeig­te sich zu­letzt nur noch als ei­ne rei­ne Wer­be­ver­an­stal­tung für be­stimm­te Bü­cher mit Star­al­lü­ren-Cha­rak­ter. Dies be­dau­ern wir sehr. Wir be­fürch­ten gar, dass das neue For­mat so­gar noch fla­cher, noch we­ni­ger ana­ly­tisch und kri­tisch mit Li­te­ra­tur um­geht als “le­sen!” und wei­ter­hin „Star­al­lü­ren“ her­vor­hebt.

    Nach­dem das ZDF be­reits mit der kurz­fri­sti­gen Er­satz­sen­dung von Chri­sti­ne We­ster­mann und as­pek­te-Mo­de­ra­tor Wolf­gang Her­les nach der über­ra­schen­den Be­en­di­gung der Zu­sam­men­ar­beit mit El­ke Hei­den­reich die Chan­ce ver­tan hat, ein fri­sches For­mat – et­wa mit ei­nem Mo­de­ra­tor un­ter 35 Jah­ren und auf­re­gen­der jun­ger Li­te­ra­tur – an­zu­bie­ten und statt­des­sen auf ei­ne lust­lo­se An­prei­sung von Bü­chern wie­der durch be­kann­te Fern­seh­leu­te setz­te, ist es nun höch­ste Zeit, end­lich ein in­no­va­ti­ves Buch­sen­dungs-For­mat zu ent­wickeln und wie­der mehr Kul­tur statt schlich­te An­prei­sung zu wa­gen.

    Denn jun­ge Li­te­ra­tur in Deutsch­land und Eu­ro­pa ist sehr viel­fäl­tig. Sie ist es wert, ge­le­sen und ent­deckt zu wer­den. So ist es z.B. auch wert, et­wa an­hand von Ein­spie­lern auf die vi­ta­le und in­no­va­ti­ve jun­ge Buch­sze­ne ein­zu­ge­hen und zu zei­gen, dass das Buch ein ge­nera­tio­nen­über­grei­fen­des Kul­tur­me­di­um dar­stellt. Li­te­ra­tur lebt von der Be­gei­ste­rung der Men­schen, und nicht al­lein durch die An­prei­sung von Au­toren­na­men und Buch­ti­teln. Jun­ge Li­te­ra­ten wün­schen sich, dass das ZDF von dem Kon­zept letzt­lich ei­ner Wer­be­ver­an­stal­tung für be­stimm­te Bü­cher wie­der weg­kommt und die­ses Feld dem­zu­fol­ge lie­ber an­de­ren Sen­dern über­lässt.

    Statt­des­sen soll wie­der der ernst­haf­te­re Aus­tausch über Plots und in­no­va­ti­ve Ide­en von Bü­chern ge­führt wer­den. Wir for­dern, dass in der neu­en Sen­dung wie­der Bü­cher „be­spro­chen“ wer­den, und nicht nur über sie „ge­spro­chen“ wird. Der Bun­des­ver­band jun­ger Au­toren und Au­torin­nen sieht es an der Zeit an, et­was Neu­es und Un­ge­wöhn­li­che­res aus­zu­pro­bie­ren und da­mit jun­ger Li­te­ra­tur auf die­sem be­son­de­ren Sen­de­platz mit ei­nem in­no­va­ti­ven, mo­der­nen und von Spon­ta­nei­tät über­zeug­ten For­mat ei­ne Platt­form zu bie­ten.

    Wir bit­ten Sie, die Chan­ce ei­nes in­no­va­ti­ven und über­zeu­gen­den Sen­dungs­for­mats nun zu nut­zen und nicht wie­der zu über­ge­hen. Ge­hen Sie weg von dem Star­al­lü­ren-Cha­rak­ter, der von die­sem Sen­de­platz in den letz­ten Jahr­zehn­ten erst durch Mar­cel Reich-Ra­nicki und zu­letzt durch El­ke Hei­den­reich stets aus­ge­gan­gen war und set­zen Sie z.B. ei­nen un­be­kann­ten jun­gen Mo­de­ra­tor mit ei­nem neu­en Sen­de­kon­zept an ih­re Stel­le.

    Fer­ner bit­ten wir Sie, Ih­re Pra­xis der Aus­strah­lungs­fre­quenz und der zu­letzt spä­ten Sen­de­zeit zu über­den­ken und da­mit Ih­rem öf­fent­lich-recht­li­chen Pro­gramm­auf­trag zur ge­büh­ren­den För­de­rung von Kul­tur wie­der im vol­len Um­fang nach­zu­kom­men.

    Für kon­kre­te An­re­gun­gen scheu­en Sie sich nicht, den Kon­takt zu uns zu su­chen. Der BVjA steht Ih­nen als Dis­kus­si­ons­part­ner für die Be­lan­ge jun­ger Au­toren und zeit­ge­nös­si­scher Li­te­ra­tur im­mer ger­ne zur Ver­fü­gung.

    Bonn, im Ja­nu­ar 2009
    gez.
    Bun­des­ver­band jun­ger Au­toren und Au­torin­nen