Fran­cis Fu­ku­ya­ma: Schei­tert Ame­ri­ka? – Su­per­macht am Schei­de­weg

Francis Fukuyama: Scheitert Amerika? Supermacht am Scheideweg

Fran­cis Fu­ku­ya­ma: Schei­tert Ame­ri­ka? Su­per­macht am Schei­de­weg

Ei­nes vor­weg: Der deut­sche Ti­tel von „Ame­ri­ca at the cross­roads“ ist wie­der ein­mal Be­leg für den un­nö­ti­gen und pri­mi­ti­ven Alar­mis­mus, mit dem Ver­le­ger glau­ben, hö­he­re Ver­kaufs­zah­len er­zie­len zu kön­nen. „Ame­ri­ka am Schei­de­weg“ reicht nicht, es muss hei­ssen: Schei­tert Ame­ri­ka? – Su­per­macht am Schei­de­weg.

Auch die Er­war­tung, die vom Ver­lag ge­schürt und ge­le­gent­lich von Re­zen­sen­ten über­nom­men wur­de, näm­lich ei­ne „Ab­rech­nung“ des (ehe­ma­li­gen) „Neo­con“ (Neo­kon­ser­va­ti­ven) Fran­cis Fu­ku­ya­ma, Pro­fes­sor der Po­li­tik­wis­sen­schaf­ten, mit der Ad­mi­ni­stra­ti­on Bush, bleibt aus. Im gro­ssen und gan­zen kri­ti­siert der Au­tor nur ei­nen be­stimm­ten Aus­wuchs ei­ner von ihm im Kern durch­aus rich­tig emp­fun­de­nen Po­li­tik; da hel­fen auch al­le Di­stan­zie­run­gen (auch in In­ter­views) nicht; an den Kern­the­sen des Neo­kon­ser­va­tis­mus rüt­telt er nicht.

Im Ver­lauf des Bu­ches scheint sich sei­ne Kri­tik im­mer mehr auf den Irak­krieg der Bush-Ad­mi­ni­stra­ti­on zu fo­kus­sie­ren (und zu mo­no­po­li­sie­ren), wo­bei er selbst die­sen noch fast un­fall­haft dar­stellt und den Spiess ir­gend­wann schlicht­weg um­dreht: Die Kri­se des kol­lek­ti­ven Han­delns der in­ter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft wur­de nicht, wie vie­le an­nah­men, von der Bush-Re­gie­rung ver­ur­sacht, son­dern von den Ver­ein­ten Na­tio­nen und je­nen Eu­ro­pä­ern, die im Rah­men der UNO Si­cher­heit ge­wäh­ren woll­ten.

Sol­che Sät­ze gibt es sehr vie­le in die­sem Buch. Fu­ku­ya­ma lässt in all sei­nen Be­trach­tun­gen kei­nen Zwei­fel dar­an, dass er grund­le­gen­den The­sen des ak­tu­el­len Neo­kon­ser­va­tis­mus der USA im­mer noch zu­ge­neigt ist. Sein Buch kann als Ver­such ge­wer­tet wer­den, die­se Be­we­gung in ei­ne be­stimm­te Rich­tung zu füh­ren.

Im er­sten Vier­tel des Bu­ches gibt der Au­tor ei­nen Ab­riss der hi­sto­ri­schen Ent­wick­lung der neo­kon­ser­va­ti­ven Be­we­gung. Die­se sei, so Fu­ku­ya­ma, zu­nächst aus ei­ner an­ti­kom­mu­ni­sti­schen, an­ti­mar­xi­sti­schen, aber auch an­ti­li­be­ra­len, an­ti­li­ber­tä­ren (!) Lin­ken der 30er und 40er Jah­re her­vor­ge­gan­gen. Ih­re Keim­zel­le sieht er im Ci­ty Col­le­ge New York (CCNY); sehr häu­fig wa­ren es Söh­ne jü­di­scher Ein­wan­de­rer. Es folgt ein aus­führ­li­cher Ex­kurs über die hi­sto­ri­schen Ent­wick­lun­gen und Ver­zwei­gun­gen, die vor al­lem ei­nes zei­gen: Neo­kon­ser­va­tis­mus war (und ist) nie ei­ne strin­gen­te Welt­an­schau­ung ge­we­sen. Ein Teil sei­ner An­hän­ger wand­te sich ir­gend­wann dem rech­ten An­ti­kom­mu­nis­mus der Mc­Car­thy-Ära zu; ein an­de­rer Teil wie­der­um wur­de ei­ne eher ge­mä­ssig­ter Re­pu­bli­ka­ner oder ein eher „rech­ter“ De­mo­krat. Ei­nig­keit herrsch­te am ehe­sten noch in ei­ner Ab­leh­nung ei­nes ir­gend­wie ge­ar­te­ten Wer­te­re­la­ti­vis­mus (und na­tür­lich Zu­stim­mung für ei­ne Po­si­ti­on des fre­ne­ti­schen und un­nach­gie­bi­gen An­ti­kom­mu­nis­mus).

Fu­ku­ya­ma be­strei­tet hef­tig ei­nen be­stim­men­den Ein­fluss von Leo Strauss auf die wei­te­re in­tel­lek­tu­el­le Zu­rü­stung der Be­we­gung; gar ein di­rek­tes Hin­füh­ren des Den­kens von Strauss zum Irak­krieg der Bush-Re­gie­rung. Als Kron­zeu­gen zieht Fu­ku­ya­ma Mark Lil­la her­an, der Strauss als ei­nen Es­say­isten vor­mo­der­ner, eu­ro­päi­scher Den­ker sieht und nicht als den Leh­rer ei­ner po­li­ti­schen Be­we­gung. Die Af­fi­ni­tät, die Strauss’ Den­ken zum „Freund-Feind-Den­ken“ des Staats­rechts­phi­lo­so­phen Carl Schmitt ent­wickelt, un­ter­schlägt Fu­ku­ya­ma. (Es gibt meh­re­re sol­cher „Un­ter­schla­gun­gen“ im Buch, die nicht nur är­ger­lich sind, da ich da­mit au­to­ma­tisch den In­halt der an­de­ren Tei­le auch re­la­ti­vie­ren muss – „Was ver­schweigt der Au­tor hier viel­leicht?“.)

Die Be­schrei­bung der Ver­zwei­gun­gen der neo­kon­ser­va­ti­ven Be­we­gun­gen mag für In­si­der in­ter­es­sant sein, sagt aber dem Eu­ro­pä­er, der die­se Per­so­nen nicht zu­ord­nen kann, we­nig. In­ter­es­sant wird es wie­der, wenn Fu­ku­ya­ma auf die Zeit ab den 70er Jah­ren re­kur­riert. Neo­kon­ser­va­ti­ve Kräf­te stel­len sich de­zi­diert ge­gen „Rea­li­sten“ (wich­tig­ster Prot­ago­nist war hier Hen­ry Kis­sin­ger; die Wahl des De­mo­kra­ten Jim­my Car­ter zum Prä­si­den­ten war ein Alp­traum für kon­ser­va­ti­ve Krei­se al­ler Art), die ei­ne Au­ssen­po­li­tik be­trie­ben, die die da­ma­li­ge UdSSR als fe­ste Grö­sse der Welt­po­li­tik ak­zep­tier­ten und auch über Ver­hand­lun­gen ver­such­ten, An­nä­he­run­gen in strit­ti­gen Fra­gen zu er­rei­chen (wäh­rend par­al­lel ver­sucht wur­de, der „Do­mi­no­theo­rie“ durch Im­ple­men­tie­rung freund­lich ge­son­ne­ner Dik­ta­to­ren in Schlüs­sel­staa­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken). Gleich­zei­tig wur­de neo­kon­ser­va­ti­ves Ide­en­gut in an­de­re, „tra­di­to­nel­le“ Denk­mo­del­le bei­spiels­wei­se der Re­pu­bli­ka­ner über­nom­men.

Auf an­de­ren Ge­bie­ten – Öko­no­mie, Ge­sell­schaft, gar Öko­lo­gie – hat­ten Neo­kon­ser­va­ti­ve kei­ne de­zi­dier­ten Kon­zep­te vor­zu­wei­sen. Ihr Ge­biet er­schöpf­te sich fast aus­schliess­lich in au­ssen- und geo­po­li­ti­schen Fra­gen. Gro­sse Tei­le der neo­kon­ser­va­ti­ven Den­ker hat­ten so­gar ih­ren Frie­den mit dem Markt­ka­pi­ta­lis­mus ge­schlos­sen; spä­ter wur­den sie so­gar teil­wei­se glü­hen­de An­hän­ger.

Na­tür­lich setzt sich Fu­ku­ya­ma mit der Rea­gan-Ära aus­ein­an­der. Er hält Rea­gan (im Ge­gen­satz zu Ge­or­ge W. Bush) für ei­nen wasch­ech­ten Neo­kon­ser­va­ti­ven; der er­ste, der es ins Prä­si­den­ten­amt schaff­te. Ein biss­chen aben­teu­er­lich scheint mir sei­ne The­se, Rea­gan sei ein In­tel­lek­tu­el­ler ge­we­sen, der sehr früh ge­gen Kom­mu­ni­sten oder de­ren Sym­pa­thi­san­ten in Hol­ly­wood Stel­lung be­zo­gen ha­be und in sei­ner wei­te­ren po­li­ti­schen Lauf­bahn hier­durch ge­prägt wor­den sei.

Rea­gans An­ti­kom­mu­nis­mus, sein Wort an Gor­bat­schow die Mau­er nie­der­zu­rei­ssen, sei­ne Re­de vom „Reich des Bö­sen“, das Pro­jekt ei­nes Welt­raum­schutz­schil­des, die dra­ma­ti­sche Auf­rü­stung des ame­ri­ka­ni­schen Mi­li­tärs – all das sieht Fu­ku­ya­ma nicht als Aus­wüch­se ei­nes eher toll­pat­schi­gen und un­di­plo­ma­tisch agie­ren­den, schlech­ten Schau­spie­lers, son­dern als Pro­dukt ei­ner strin­gen­ten, auf die „Frei­heit“ und „De­mo­kra­tie“ an­de­rer Län­der aus­ge­rich­te­ten Po­li­tik. Wie­der wird Es­sen­ti­el­les ver­schwie­gen – hier Rea­gans wahn­wit­zi­ge au­ssen­po­li­ti­sche Stell­ver­tre­ter­krie­ge (ins­be­son­de­re in Süd- und Mit­tel­ame­ri­ka; die ent­spre­chen­den Kon­flik­te wer­den sehr viel spä­ter in an­de­rem Zu­sam­men­hang mit den je­wei­li­gen Län­der­na­men an­ge­deu­tet), die tat­säch­lich ei­nem fast ma­nisch-krank­haf­ten An­ti­kom­mu­nis­mus ge­schul­det sein dürf­ten, aber den Keim für noch heu­te an­dau­ern­de so­zia­le und öko­no­mi­sche Pro­ble­me in den ent­spre­chen­den Län­dern leg­te.

Am En­de des Ka­pi­tels ar­bei­tet Fu­ku­ya­ma vier Grund­prin­zi­pi­en her­aus, die von der gro­ssen Mehr­zahl der Neo­kon­ser­va­ti­ven ver­tre­ten wer­den:

  • Die Über­zeu­gung, dass der in­nen­po­li­ti­sche Cha­rak­ter ei­nes Re­gimes sich auch auf des­sen Au­ssen­po­li­tik aus­wirkt und dass sich in der Au­ssen­po­li­tik die tief­sten li­be­ra­len Wer­te de­mo­kra­ti­scher Ge­sell­schaf­ten aus­drücken müs­sen. Die Auf­fas­sung, dass der Cha­rak­ter ei­nes Re­gimes auch des­sen Au­ssen­po­li­tik be­stim­me, wur­de von den Neo­kon­ser­va­ti­ven kon­se­quen­ter ver­tre­ten als die al­ter­na­ti­ve rea­li­sti­sche Auf­fas­sung, dass al­le Staa­ten un­ge­ach­tet ih­rer Re­gie­rungs­form glei­cher­ma­ssen nach Macht stre­ben. [...]
  • Die Über­zeu­gung, dass die ame­ri­ka­ni­sche Macht zu mo­ra­li­schen Zwecken ein­ge­setzt wur­de und wer­den soll­te und dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten sich auch wei­ter­hin in in­ter­na­tio­na­len An­ge­le­gen­hei­ten en­ga­gie­ren müs­sen. [...]
  • Ein Miss­trau­en ge­gen­über Pro­jek­ten ei­ner So­zi­al­tech­no­lo­gie in gro­ssem Mass­stab. [...]
  • Schliess­lich ei­ne skep­ti­sche Hal­tung ge­gen­über der Le­gi­ti­mi­tät und Ef­fek­ti­vi­tät des Völ­ker­rechts und in­ter­na­tio­na­ler In­sti­tu­tio­nen zur Ver­wirk­li­chung von Si­cher­heit oder Ge­rech­tig­keit. [...]


Der wei­te­re Fort­gang des Bu­ches weist Fu­ku­ya­ma deut­lich – wie be­reits er­wähnt – als neo­kon­ser­va­ti­ven Den­ker aus. Sei­ne Re­ser­viert­heit ent­springt aus­schliess­lich der Po­li­tik Bushs seit dem 11. Sep­tem­ber 2001 und spe­zi­ell dem uni­la­te­ra­len (Quasi-)Alleingang im Irak­krieg 2003; ein biss­chen wohl auch der Per­son Ge­or­ge W. Bush, den er in ei­nem der sel­te­nen poin­tier­ten For­mu­lie­run­gen in die­sem Buch in­di­rekt als schlech­ten po­li­ti­schen Füh­rer be­zeich­net.

Fu­ku­ya­ma weist im ein­drück­lich­sten Ka­pi­tel des Bu­ches nach, dass die Ad­mi­ni­stra­ti­on Bush die Ge­fah­ren des is­la­mi­sti­schen Dschi­ha­dis­mus nach den An­schlä­gen voll­kom­men über­trie­ben dar­ge­stellt hat und noch im­mer dar­stellt.

Die Ge­fahr für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ei­ner Wie­der­ho­lung ei­ner Al-Qai­da At­tacke ähn­li­chen Aus­ma­sses schätzt er (wohl be­grün­det) als sehr ge­ring ein. Letzt­lich sieht er eher Eu­ro­pa und die un­mit­tel­bar be­trof­fe­nen Re­gio­nen des Mitt­le­ren Ostens als Zie­le. Lu­zi­de und sehr in­ter­es­sant sei­ne The­se, die „ge­fähr­li­chen“ Dschi­ha­di­sten sei­en in der Mehr­zahl nicht in die west­li­che Ge­sell­schaft­ord­nung Eu­ro­pas in­te­grier­te Ein­wan­de­r­er­söh­ne der 2. oder 3. Ge­nera­ti­on. Nicht feh­len­de de­mo­kra­ti­sche Struk­tu­ren in den Hei­mat­län­dern sei der Grund für den welt­wei­ten Ter­ro­ris­mus. Fu­ku­ya­ma ver­weist das Pro­blem an die eu­ro­päi­schen So­zi­al­po­li­ti­ker und be­legt dies mit den Le­bens­läu­fen der At­ten­tä­ter des 11. Sep­tem­ber, die fast al­le gut aus­ge­bil­det, aber nicht so­zi­al in­te­griert und ak­zep­tiert ge­we­sen sei­en und dar­auf­hin mit der Zeit ih­ren Hass auf die west­li­che Ord­nung ge­bil­det hät­ten.

Als zwei­ten, gra­vie­ren­de­ren, Grund ge­gen den Irak­krieg führt Fu­ku­ya­ma die The­se an, dass ei­ne De­mo­kra­ti­sie­rungs­kam­pa­gne nie oh­ne ent­spre­chen­de Un­ter­stüt­zung und ent­spre­chen­de In­fra­struk­tur im je­wei­li­gen Land er­folg­reich sein kann. Er be­dient sich neo­kon­ser­va­ti­ver The­sen, um nach­zu­wei­sen, dass die Re­gie­rung Bush falsch ge­han­delt hat:

Be­vor es ei­ne De­mo­kra­tie ge­ben kann, braucht man ei­nen Staat: die Schaf­fung und Stär­kung staat­li­cher In­sti­tu­tio­nen in Kon­flikt­re­gio­nen, kurz: Sta­te-Buil­ding, ist ei­ne Ak­ti­vi­tät, die sich nur par­ti­ell mit De­mo­kra­tie­ver­brei­tung über­schnei­det.

Fu­ku­ya­ma schliesst sich Hun­ting­tons The­se an, dass die Ent­wick­lung ei­ner star­ken po­li­ti­schen Au­to­ri­tät für ei­ne wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung not­wen­dig sei und ei­ner de­mo­kra­ti­schen Re­gie­rungs­form vor­aus­ge­hen müss­te.

Die­se „vor­de­mo­kra­ti­sche“ Re­gie­rung kann je­doch nicht oh­ne Zu­stim­mung der in­tel­lek­tu­el­len, re­li­giö­sen und so­zia­len Eli­ten ei­nes Staa­tes im­ple­men­tiert wer­den und schon gar nicht durch ei­ne Be­sat­zungs­ar­mee oder ein Re­gime, wel­ches von der Gna­de der je­wei­li­gen Be­sat­zer ab­hän­gig ist, ein­ge­rich­tet wer­den. Da­her exi­stie­re, so Fu­ku­ya­ma, ein grund­le­gen­der Un­ter­schied zwi­schen Deutsch­land und Ja­pan nach dem Zwei­ten Welt­krieg und dem ak­tu­el­len Irak.

Die Bush-Ad­mi­ni­stra­ti­on ha­be den Feh­ler ge­macht, über die Be­sei­ti­gung des Dik­ta­tors nicht hin­aus ge­dacht zu ha­ben. Hier macht Fu­ku­ya­ma ins­be­son­de­re Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster Rums­feld ver­ant­wort­lich, der aus ego­isti­schen Grün­den das Kon­tin­gent an Sol­da­ten so ge­ring wie mög­lich hal­ten woll­te und im Vor­feld kei­ner­lei Ex­per­ten zur Im­ple­men­tie­rung ei­ner für al­le Sei­ten ak­zep­ta­blen Nach­kriegs­ord­nung zu­ge­zo­gen hat.

Wenn Fu­ku­ya­ma dann spä­ter be­klagt, dass die USA 1991 bei der Be­frei­ung Ku­waits Sad­dam Hus­sein in Bag­dad hät­ten „ent­waff­nen“ sol­len (ob­wohl dies nicht durch die Re­so­lu­tio­nen des Welt­si­cher­heits­rats ge­deckt ge­we­sen wä­re), so wi­der­spricht er sich sel­ber: Auch da­mals hät­te ei­ne Be­sat­zung oder Ko­lo­nia­li­sie­rung des Irak zu ähn­li­chen Ef­fek­ten ge­führt wie heu­te, da die ent­spre­chen­de „La­ge“ nicht „auf­be­rei­tet“ ge­we­sen wä­re.

Bei al­ler Kri­tik auch an den The­sen neo­kon­ser­va­ti­ver Po­li­ti­ker der 90er Jah­re, die Welt be­dür­fe ei­ner ben­evo­lent he­ge­mo­ny, al­so ei­ner wohl­mei­nen­den und gü­ti­gen He­ge­mo­nie, so ver­nich­tend fällt Fu­ku­ya­mas Ur­teil über die Ver­ein­ten Na­tio­nen aus, de­nen er jeg­li­che Le­gi­ti­ma­ti­on ab­spricht und die In­sti­tu­tio­nen (ins­be­son­de­re den Welt­si­cher­heits­rat) für voll­kom­men un­ef­fi­zi­ent hält.

Wer wis­sen will, wie die Bush-Re­gie­rung hier denkt, ist mit den ent­spre­chen­den Ka­pi­teln die­ses Bu­ches sehr gut be­dient. Fu­ku­ya­ma spricht der UNO nicht nur jeg­li­che Le­gi­ti­ma­ti­on ab (ei­ner der Grün­de ist, dass et­li­che Län­der der UNO an­ge­hö­ren, die nicht de­mo­kra­tisch re­giert wer­den und die häu­fi­ge Patt-Si­tua­ti­on des Welt­si­cher­heits­ra­tes, in dem ein Ve­to ei­nes stän­di­gen Mit­glie­des aus­reicht, ei­ne Re­so­lu­ti­on zu blockie­ren), son­dern auch jeg­li­che Re­form­fä­hig­keit. In Bausch und Bo­gen – und oh­ne auch nur mit ei­nem Wort Re­form­vor­schlä­ge aus­zu­brei­ten – lan­det die Or­ga­ni­sa­ti­on bei Fu­ku­ya­ma in den Or­kus der Ge­schich­te.

Nur müh­sam ver­birgt der Au­tor die wah­ren Grün­de: Die USA kön­nen durch die spe­zi­el­le Kon­stel­la­ti­on des Welt­si­cher­heits­ra­tes kei­ne Macht­po­li­tik be­trei­ben, in der sie das letz­te Wort ha­ben. Das ist aber ex­akt das, was Fu­ku­ya­ma als „ef­fi­zi­ent“ be­zeich­net. Still­schwei­gend über­nimmt er die The­se des US-ame­ri­ka­ni­schen Ex­zep­tio­na­lis­mus (führt ihn auf Ge­or­ge Wa­shing­ton zu­rück) und möch­te ihn – in ab­ge­schwäch­ter Form als heu­te von der Bush-Re­gie­rung be­reits um­ge­setzt – den­noch als Ul­ti­ma ra­tio be­hal­ten, wie es in der NSS vor­ge­zeich­net ist: Man kön­ne dar­auf ver­trau­en, dass sie [die USA] von ih­rer mi­li­tä­ri­schen Macht in ei­ner ge­rech­ter und ver­nünf­ti­gen Art und Wei­se Ge­brauch mach­ten, wie es an­de­ren gro­ssen Staa­ten nicht mög­lich sei.

Dass die USA durch ih­re ei­ge­ne Po­li­tik selbst an ei­ner In­ef­fi­zi­enz der UNO ei­ne Mit­schuld tra­gen, er­wähnt Fu­ku­ya­ma nur am Ran­de und ent­schul­digt es wie­der­um als not­wen­di­ge Bünd­nis­mass­nah­me. In dem er je­doch die Le­gi­ti­ma­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen zur Durch­set­zung des Völ­ker­rechts ab­lehnt und die Or­ga­ni­sa­ti­on nur als exe­ku­ti­ves Aus­füh­rungs­or­gan frie­de­ner­hal­ten­der Mis­sio­nen sieht, sägt er am Ast, der ihn selbst trägt: Nur ein­mal stellt er sich die Fra­ge, was wä­re, wenn ei­ne an­de­re Macht auf der Welt wie im Irak­krieg mit der­art fal­schen Be­grün­dun­gen ei­nen sou­ve­rä­nen Staat be­setzt hät­te. Wie hät­ten die USA wohl re­agiert? Fu­ku­ya­ma ver­folgt den Ge­dan­ken nicht wei­ter – ver­mut­lich denkt er, dass dies (we­nig­stens der­zeit) kei­ne Na­ti­on wa­gen wür­de, da sie mit der Re­ak­ti­on (auch mi­li­tä­ri­scher Art) der USA zu rech­nen ha­be.

Wenn die UNO nun ab­ge­lehnt wird – was setzt er da­ge­gen? Nun, um es vor­weg zu neh­men – hier wird Fu­ku­ya­ma sehr schmal­lip­pig; spricht von mul­ti-mul­ti­la­te­ra­len Or­ga­ni­sa­tio­nen und In­sti­tu­tio­nen (als Bei­spiel nennt er u. a. die ICANN). Mal plä­diert für ei­nen lo­sen Bund mul­ti­la­te­ra­ler Or­ga­ni­sa­tio­nen (ins­be­son­de­re die NATO ist ihm sehr recht; wenn­gleich er auch die Fa­den­schei­nig­keit ame­ri­ka­ni­scher Po­li­tik der NATO ge­gen­über an­läss­lich des Irak­krieg gei­sselt), mal schwebt ihm ei­ne Art Ge­mein­schaft de­mo­kra­ti­scher Staa­ten vor; auch ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich für die »rich­ti­gen« Zie­le ein­set­zen, kommt für ihn in­fra­ge. Kon­kret wird er nicht. Statt­des­sen bie­tet er fol­gen­de Gra­phik an:

In sei­ner Bünd­nis­po­li­tik, die sich mit ver­schie­den­sten Or­ga­ni­sa­tio­nen und In­sti­tu­tio­nen be­stimm­te In­ter­es­sen­c­laims ab­steckt, er­in­nert er an Bis­marck – und tat­säch­lich am En­de des Bu­ches hebt er die Bünd­nis­po­li­tik des Reichs­kanz­lers als bei­spiel­haft und rich­tung­wei­send her­aus. Den Zu­sam­men­bruch, der in die Ka­ta­stro­phe des Er­sten Welt­kriegs mün­de­te, la­stet Fu­ku­ya­ma den Nach­fol­gern an, die die Ge­nia­li­tät Bis­marcks nicht hät­ten nach­voll­zie­hen kön­nen.

War­um er je­doch bei al­lem „UNO-Bashing“ aus­ge­rech­net das ein­zi­ge Ex­em­pel in der jün­ge­ren Ge­schich­te, in dem der von ihm so er­wünsch­te „rea­li­sti­sche Wil­so­nia­nis­mus“ (be­nannt nach dem ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Woo­d­row Wil­son [1856–1914], der ve­he­ment für ei­nen de­mo­ka­ti­schen In­ter­na­tio­na­lis­mus im Rah­men ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on wie bei­spiels­wei­se des Völ­ker­bunds [Vor­läu­fer der UNO] ein­trat) we­nig­stens an­satz­wei­se ver­sucht und auch durch­ge­zo­gen wur­de, ver­schweigt, ist nur da­hin­ge­hend zu ver­ste­hen, wenn man Fu­ku­ya­ma un­ter­stellt, dass dies schlicht­weg nicht in sein Kon­zept der un­ef­fi­zi­en­ten UNO passt.

Als näm­lich Sad­dam Hus­sein 1990 Ku­wait über­fiel, schmie­de­te der da­ma­li­ge US-Prä­si­dent Ge­or­ge H. W. Bush ei­ne gro­sse, welt­wei­te Ko­ali­ti­on, u. a. auch Län­der wie Sy­ri­en oder Sau­di-Ara­bi­en um­fas­send, die in­sti­tu­tio­nell über die Or­ga­ne der Ver­ein­ten Na­tio­nen bis zum Welt­si­cher­heits­rat hin­ein ei­ne mi­li­tä­ri­sche Ak­ti­on im Fal­le des Schei­terns von Ver­hand­lun­gen vor­sah, um im an­ge­grif­fe­nen und be­setz­ten Land wie­der den Sta­tus quo her­zu­stel­len.

Man muss die pro­pa­gan­di­sti­schen Lü­gen, die im Vor­feld zur Prä­pa­rie­rung der Ko­ali­ti­on und In­ter­ven­ti­ons­stim­mung in den ent­spre­chen­den Län­dern ge­führt ha­ben, ver­ur­tei­len und auch das ne­po­ti­sti­sche Re­gime von Ku­wait als nicht be­son­ders un­ter­stüt­zens­wert er­ach­ten und in ei­ner der Fol­gen die­ser Ko­ali­ti­on (die Ver­wen­dung Sau­di-Ara­bi­ens als Stütz­punkt des US-Mi­li­tärs) den ak­tu­el­len Dschi­ha­dis­mus se­hen – die­se Ein­schrän­kun­gen, die den kon­kre­ten Fall durch­aus als zwie­lich­ti­ge Mass­nah­me er­schei­nen las­sen, sol­len je­doch nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass min­de­stens in die­sem Fall die In­sti­tu­tio­nen der UNO durch­aus „funk­tio­nier­ten“. Die von Fu­ku­ya­ma so pla­ka­ti­ve Ver­dam­mung der Ver­ein­ten Na­tio­nen ist eben nicht ein zwin­gen­des Na­tur­ge­setz und sei­ne Schluss­fol­ge­rung, ei­ner ein­zi­gen, glo­ba­len In­sti­tu­ti­on zu fol­gen, be­deu­te ein si­che­res Mit­tel ent­we­der für ei­ne Ty­ran­nei, falls die­se In­sti­tu­tio­nen tat­säch­lich be­stimm­te Macht­be­fug­nis­se hät­te, oder für In­ef­fi­zi­enz, wie wir sie seit lan­gem von der ge­gen­wär­ti­gen UNO ken­nen ist in die­ser Dich­to­mie in­tel­lek­tu­ell nicht halt­bar.

Man darf als Le­ser durch­aus er­war­ten, die­ses Fak­tum nicht vor­ent­hal­ten zu be­kom­men, son­dern hät­te sich hier ei­ne ent­spre­chen­de Be­rück­sich­ti­gung ge­wünscht.

Über­haupt ver­lässt Fu­ku­ya­ma sehr oft die vor­ur­teils­freie, neu­tra­le Sicht­wei­se des Ana­ly­sten. Zu sehr scheint er in sein Denk­mo­dell ver­haf­tet zu sein. Das führt zu oft­mals aben­teu­er­li­chen Ver­all­ge­mei­ne­run­gen – ins­be­son­de­re, wenn es um au­sser­ame­ri­ka­ni­sche Be­lan­ge geht.

So sieht er den Kom­mu­nis­mus auf­grund in­ne­rer mo­ra­li­scher Schwä­chen als ge­schei­tert – die ent­schei­den­den, öko­no­mi­schen As­pek­te spie­len kei­ne Rol­le bei ihm. Die Ab­rü­stungs­ver­hand­lun­gen der 70er und 80er Jah­re mit der UdSSR sieht er als eher sta­bi­li­sie­rend für den da­ma­li­gen War­schau­er Pakt und die ent­spre­chen­den Re­gime.

Sei­ne Sicht auf Afri­ka ist ko­lo­nia­li­stisch – ge­le­gent­lich ver­zet­telt er sich in Wi­der­sprü­che, wenn er ei­ner­seits den Na­tio­nal­staat als al­ter­na­tiv­los dar­stellt, an­de­rer­seits je­doch (ins­be­son­de­re in Schwarz­afri­ka) zu­ge­ben muss, dass die­ses „Mo­dell“ nicht an­nä­he­rend zur glei­chen po­li­ti­schen Sta­bi­li­tät wie bei­spiels­wei­se in Eu­ro­pa ge­führt hat.

Die NATO setzt Fu­ku­ya­ma flugs als al­ter­na­ti­ven Ge­gen­ent­wurf zur EU und de­ren Ver­fas­sungs­ent­wurf. Das „Nein“ Frank­reichs und den Nie­der­lan­den er­öff­net für ihn neue Mög­lich­kei­ten für ei­ne Ver­stär­kung der Rol­le der NATO. Es mag ei­nem angst und ban­ge wer­den an­läss­lich die­ses geo­stra­te­gi­schen Mi­ni­ma­lis­mus. Zu­mal Fu­ku­ya­ma selbst die In­ef­fi­zi­enz des Ein­stim­mig­keits­prin­zips der NATO ein­räumt und auch hier kei­ne Pro­ble­me mit ei­ner Vor­macht­stel­lung der USA hat [ne­ben­bei er­wähnt, hät­te es ei­nem Lek­tor auf­fal­len müs­sen, daa nicht die Bush-Re­gie­rung im Ko­so­vo-Krieg ein uni­la­te­ra­les Vor­ge­hen aus­sprach, son­dern die Clin­ton-Ad­mi­ni­stra­ti­on ver­ant­wort­lich zeich­ne­te]. Ne­ben­bei ver­gisst Fu­ku­ya­ma plötz­lich den be­son­de­ren Sta­tus von Frank­reich in der NATO. Die Ab­leh­nung des EU-Ver­fas­sungs­ent­wurfs in die­sen bei­den Län­dern hat­te ganz si­cher an­de­re Grün­de, als die von Fu­ku­ya­ma ge­dach­ten.

Sei­ne em­pha­ti­sche Re­de von der kul­tur­un­ab­hän­gi­gen An­zie­hungs­kraft der De­mo­kra­tie gilt merk­wür­di­ger­wei­se im­mer nur dann, wenn die ent­spre­chen­de Re­gie­rung dem macht­po­li­ti­schen Spiel der USA dien­lich ist.

Ge­ra­de­zu ge­schichts­klit­ternd wirkt Fu­ku­ya­mas Sicht auf die Au­ssen­po­li­tik der USA nach dem Zu­sam­men­bruch 1989/90: Sie hät­ten we­sent­lich zur Be­sei­ti­gung von Dik­ta­tu­ren (bei­spiels­wei­se in Chi­le oder Ni­ca­ra­gua) bei­getra­gen und De­mo­kra­tie in vie­len Län­dern er­mög­licht. Lei­der »ver­gisst« er, dass die­se Schur­ken Jahr­zehn­te vor­her erst durch di­rek­te oder in­di­rek­te Ein­mi­schun­gen eta­bliert wur­den.

Und auch kein Wort von der ak­tu­el­len Ge­menge­la­ge der US-Au­ssen­po­li­tik bei­spiels­wei­se in Zen­tral­asi­en und die Un­ter­stüt­zung der dor­ti­gen Dik­ta­tu­ren, so­fern sie nur im »Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus« dien­lich sind. Mit ex­akt der glei­chen Po­li­tik wie im Kal­ten Krieg – »Der Feind mei­nes Fein­des ist mein Freund« – wird dort agiert. Die steht nicht nur in ekla­tan­tem Wi­der­spruch zu den heh­ren Zie­len des Neo­kon­ser­va­tis­mus, son­dern ist, das ist längst an un­zäh­li­gen Bei­spie­len be­leg­bar, ge­schei­tert.

Auch auf die Ent­wick­lung von Län­dern wie Chi­na oder In­di­en, die mit­tel­fri­stig den USA das Gross­macht­mo­no­pol strei­tig ma­chen wer­den, geht Fu­ku­ya­ma nicht ein. Für ihn scheint die Vor­macht­stel­lung der USA lang­fri­stig und dau­er­haft. Hier­in könn­te sein gröss­ter, sein ent­schei­den­der Irr­tum lie­gen.

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5 Kommentare zu »Fran­cis Fu­ku­ya­ma: Schei­tert Ame­ri­ka? – Su­per­macht am Schei­de­weg«:

  1. kranich05 sagt:

    Dan­ke
    für die­se aus­führ­li­che Re­zen­si­on bzw. Dar­stel­lung.
    Ich kom­me wie­der zum gründ­li­chen Le­sen.

    #1

  2. kranich05 sagt:

    Wenn ich den Zu­sam­men­hang rich­tig ver­stan­den ha­be, sucht F. nach ei­ner tak­ti­schen An­pas­sung an­ge­sichts von Miß­er­fol­gen vor al­lem im Irak. Daß man grü­belt, ist be­mer­kens­wert.
    Die Grund­li­ni­en neo­kon­ser­va­ti­ver Po­li­tik will er nicht än­dern, im Ge­gen­teil, wie sich be­son­ders an der Be­hand­lung des Pro­blems UNO zeigt. (Sehr in­ter­es­sant hier der Link auf den Ar­ti­kel von Hinsch zu Ex­zep­tio­na­lis­mus.)
    Sei­ne Sicht­wei­se, den is­la­mi­schen Dschi­ha­dis­mus nicht zu über­schät­zen und die Wur­zeln des Ter­rors in un­be­wäl­tig­ter In­te­gra­ti­on nicht zu­letzt in Eu­ro­pa zu su­chen, fin­de ich in­ter­es­sant.
    Er scheint aber nicht zu be­trach­ten bzw. nicht zu ver­ste­hen, war­um Bush und Co. zu die­ser Hy­po­st­asie­rung grei­fen (müs­sen).
    Und so scheint es, daß F. an den wirk­li­chen tek­to­ni­schen Kräf­te­schie­bun­gen vor­bei ana­ly­siert. Ganz Im Sin­ne des letz­ten Ab­sat­zes Dei­ner Re­zen­si­on.

    #2

  3. Tak­ti­sche An­pas­sung
    ist ei­ne sehr schö­ne For­mu­lie­rung und Be­schrei­bung für das, wie ich es emp­fun­den ha­be.

    Das in­ter­es­san­te­ste Ka­pi­tel ist tat­säch­lich das über Eu­ro­pa und den Dschi­ha­dis­mus; es fällt ein we­nig her­aus, da er da­mit nur il­lu­strie­ren möch­te, dass die Hy­ste­rie der Bush-Ad­mi­ni­stra­ti­on (Kraut­ham­mer-Pa­pier) über­zo­gen ist. Auf die Idee, wel­chen zu­sätz­li­chen As­pekt man mit dem »Pa­tri­ot Act« auch noch »ab­deckt« (Über­wa­chung der Be­völ­ke­rung), kommt er gar nicht.

    Teil­wei­se er­schreckend fand ich sei­ne manch­mal fast nai­ve Sicht auf eu­ro­päi­sche Po­li­tik.

    Im üb­ri­gen gibt es ei­ne sehr schö­ne Re­zen­si­on von Claus Leg­ge­wie in der ZEIT (die ich mir zu le­sen bis zum En­de mei­ner Be­spre­chung ver­knif­fen hat­te). Er hält Fu­ku­ya­ma mehr oder we­ni­ger nur für ein Me­di­en­phä­no­men.

    #3

  4. kranich05 sagt:

    »Me­di­en­phä­no­men«
    ist ein gu­tes Stich­wort.
    Nach Dei­ner Be­spre­chung hab ich mich auch ge­fragt, was bleibt denn nun ei­gent­lich als Sub­stanz üb­rig...

    #4

  5. Bis­marck & NGO
    Fu­ku­ya­ma lehnt den »wohl­mei­nen­den He­ge­mon«, der in­ter­ven­tio­na­li­stisch oh­ne Rück­sicht auf die lo­ka­len Ge­ge­ben­hei­ten das Glück der De­mo­kra­tie in die Welt hin­ein­bomt zwar ab, lässt aber letzt­lich kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die USA mo­ra­lisch le­gi­ti­miert, ja ver­pflich­tet sind, der­art tä­tig zu wer­den, wenn dies nur ge­wünscht wird.

    Im Rah­men des­sen schwebt ihm ei­ne Art glo­ba­ler Bis­marck­scher Bünd­nis­po­li­tik vor, even­tu­ell as­si­stiert von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die von den je­wei­li­gen Bünd­nis­part­nern dem­entspre­chend le­gi­ti­miert sind. Auch hier bleibt es al­ler­dings für ihn klar, wer Koch und wer Kell­ner ist.

    Was üb­rig­bleibt? Schwie­rig zu sa­gen. Ein biss­chen wirkt es manch­mal, dass dort je­mand zu­tiefst ent­täuscht ist, dass man nicht auf ihn ge­hört hat... (aber das ist fast an­ma­ssend)

    #5