Fran­cis Fu­ku­ya­ma: Der letz­te Mensch

Francis Fukuyama: Der letzte Mensch
Fran­cis Fu­ku­ya­ma: Der letz­te Mensch

Der Ti­tel des neu­en Bu­ches ist et­was merk­wür­dig, wenn man Fran­cis Fu­ku­ya­mas Schrif­ten nicht kennt: Der letz­te Mensch (Über­set­zer: Hel­mut Dier­lamm und Tho­mas Stau­der). Nach dem kur­zen Vor­wort scheint der 1952 ge­bo­re­ne Ame­ri­ka­ner mit ja­pa­ni­schen Wur­zeln mit die­sem Buch ei­ne Art Au­to­bio­gra­phie, ein Me­moir, vor­zu­le­gen. Er er­zählt von sei­ner Fa­mi­lie, den Drang­sa­lie­run­gen und In­ter­nie­run­gen ei­ni­ger Fa­mi­li­en­mit­glie­dern nach Pearl Har­bor, als in den USA al­le Ja­pa­ner un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht fie­len. Er er­zählt wei­ter von zer­stör­ten Kar­rie­ren, ge­bro­che­nen See­len, aus­ein­an­der­ge­ris­se­nen Fa­mi­li­en, der star­ken Per­sön­lich­keit sei­ner aka­de­misch ge­bil­de­ten Mut­ter und den li­be­ra­len An­sich­ten sei­nes pa­zi­fi­stisch ein­ge­stell­ten Va­ters, ein pro­mo­vier­ter Re­li­gi­ons­so­zio­lo­ge. Der Va­ter stand fünf­zehn Jah­re der »United Church of Christ« vor. Auch die Mut­ter war Chri­stin.

Fu­ku­ya­ma er­zählt über sein Stu­di­um, sei­nen be­ruf­li­chen Wer­de­gang, der zum größ­ten Teil in »In­sti­tu­tio­nen der öf­fent­li­chen Po­li­tik« statt­fand, streift nur kurz die Tätigkeit(en) im US-Au­ßen­mi­ni­ste­ri­um (Stich­wort: Ver­trau­lich­keit), schließ­lich sei­ne Lehr­tä­tig­kei­ten. Er er­zählt von sei­nen hand­werk­li­chen Fä­hig­kei­ten, den Schrei­ner­ar­bei­ten, der Her­stel­lung vom Baum­roh­ling bis zum »Pem­bro­ke-Tisch­chen im Fe­de­ral Style« (ei­ne fünf­jäh­ri­ge Ar­beit), der tie­fen Be­frie­di­gung die­ser Hand­ar­beit. Ei­ne Zeit lang sam­mel­te Fu­ku­ya­ma Lei­ca-Ka­me­ras. Spä­ter bau­te er Com­pu­ter, schrieb Pro­gram­me, will von den An­ge­bo­ten der Tech-Gi­gan­ten au­to­nom sein. Be­reit­wil­lig of­fen­bart er sei­ne Schwä­chen: Er ist un­sport­lich und zu sei­nem Be­dau­ern lei­der voll­kom­men un­mu­si­ka­lisch. Letz­te­res de­kre­tiert er auch als ein Ur-Pro­blem der USA, die in der Mu­sik im Ge­gen­satz zu Eu­ro­pa kei­ne »tie­fen kul­tu­rel­len Wur­zeln« ha­be. Es feh­le ei­ne »star­ke na­tio­na­le Mu­sik­tra­di­ti­on«; eu­ro­päi­sche klas­si­sche Mu­sik blie­be ein Phä­no­men der Ober­schicht.

Bis­wei­len por­trai­tiert er Per­sön­lich­kei­ten aus sei­nem aka­de­mi­schen Mi­lieu. Et­wa ei­ner sei­ner Leh­rer, Allan Bloom, der ein Schü­ler von Leo Strauss war (des­sen Phi­lo­so­phie wird knapp er­läu­tert). Man hät­te nach die­sen Aus­füh­run­gen Blooms Buch Der Nie­der­gang des ame­ri­ka­ni­schen Gei­stes von 1987 ger­ne ge­le­sen, aber es ist nicht mal mehr aus se­riö­sen an­ti­qua­ri­schen Quel­len ver­füg­bar. Man er­fährt et­was über sein Ver­hält­nis zu Sa­mu­el Hun­ting­ton und ist über­rascht zu er­fah­ren, wel­ches Fu­ku­ya­ma als sein wich­tig­stes Buch ein­schätzt.

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Fran­cis Fu­ku­ya­ma: Schei­tert Ame­ri­ka? – Su­per­macht am Schei­de­weg

Francis Fukuyama: Scheitert Amerika? Supermacht am Scheideweg
Fran­cis Fu­ku­ya­ma: Schei­tert Ame­ri­ka? Su­per­macht am Schei­de­weg

Ei­nes vor­weg: Der deut­sche Ti­tel von „Ame­ri­ca at the cross­roads“ ist wie­der ein­mal Be­leg für den un­nö­ti­gen und pri­mi­ti­ven Alar­mis­mus, mit dem Ver­le­ger glau­ben, hö­he­re Ver­kaufs­zah­len er­zie­len zu kön­nen. „Ame­ri­ka am Schei­de­weg“ reicht nicht, es muss hei­ssen: Schei­tert Ame­ri­ka? – Su­per­macht am Schei­de­weg.

Auch die Er­war­tung, die vom Ver­lag ge­schürt und ge­le­gent­lich von Re­zen­sen­ten über­nom­men wur­de, näm­lich ei­ne „Ab­rech­nung“ des (ehe­ma­li­gen) „Neo­con“ (Neo­kon­ser­va­ti­ven) Fran­cis Fu­ku­ya­ma, Pro­fes­sor der Po­li­tik­wis­sen­schaf­ten, mit der Ad­mi­ni­stra­ti­on Bush, bleibt aus. Im gro­ssen und gan­zen kri­ti­siert der Au­tor nur ei­nen be­stimm­ten Aus­wuchs ei­ner von ihm im Kern durch­aus rich­tig emp­fun­de­nen Po­li­tik; da hel­fen auch al­le Di­stan­zie­run­gen (auch in In­ter­views) nicht; an den Kern­the­sen des Neo­kon­ser­va­tis­mus rüt­telt er nicht.

Im Ver­lauf des Bu­ches scheint sich sei­ne Kri­tik im­mer mehr auf den Irak­krieg der Bush-Ad­mi­ni­stra­ti­on zu fo­kus­sie­ren (und zu mo­no­po­li­sie­ren), wo­bei er selbst die­sen noch fast un­fall­haft dar­stellt und den Spiess ir­gend­wann schlicht­weg um­dreht: Die Kri­se des kol­lek­ti­ven Han­delns der in­ter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft wur­de nicht, wie vie­le an­nah­men, von der Bush-Re­gie­rung ver­ur­sacht, son­dern von den Ver­ein­ten Na­tio­nen und je­nen Eu­ro­pä­ern, die im Rah­men der UNO Si­cher­heit ge­wäh­ren woll­ten.

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