En­ten­wahl

Kurz nach den Kom­mu­nal­wah­len konn­te man im Sü­den Düs­sel­dorfs plötz­lich ein sehr merk­wür­di­ges Pla­kat se­hen:

Die Wahr­schein­lich­keit war groß, dass es sich um ei­nen Hin­weis zur Bun­des­tags­wahl in we­ni­gen Wo­chen han­deln soll­te. Al­lei­ne: Wel­che Par­tei ent­schließt nach den ge­schei­ter­ten Spaß­wahl­kämp­fen ge­wis­ser Po­li­ti­ker in den Jah­ren zu­vor, ei­nen sol­chen Blöd­sinn als po­li­ti­sche Aus­sa­ge zu ver­kau­fen?

Seit Frei­tag weiß der Düs­sel­dor­fer Wäh­ler, wer da­hin­ter­steckt. Die »Voll­ver­si­on« wur­de von wacke­ren Frei­wil­li­gen über­klebt:

Es ist die CDU-Kan­di­da­tin Bea­trix Phil­ipp (MdB seit 1994). Ir­gend­wel­che Leu­te sind auf den Ge­dan­ken ge­kom­men, ei­ne im Düs­sel­dor­fer Idi­om ver­steck­te Aus­sa­ge (»Nicht re­den, ma­chen«) mit ei­nem Quiet­sche­ent­chen zu ver­knüp­fen. Man muss nicht Se­xist sei um zu ver­mu­ten, dass Frau Phil­ipps De­kol­le­té viel­leicht nicht mit dem von Ve­ra Lengs­feld mit­hal­ten kann. Die Da­me aus Düs­sel­dorf schafft es pro­blem­los, selbst die­ses Ni­veau noch zu un­ter­bie­ten. Stil­ge­recht dürf­te es am Wahl­stand auch noch das ent­spre­chen­de Ent­chen ge­ben und man sieht schon förm­lich vor sei­nem gei­sti­gen Au­ge, wie enorm lu­stig die Ho­no­ra­tio­ren die­se Idee fin­den. So »spielt« man Wirt­schafts­kri­se in der Pro­vinz.

Das ist Re­duk­tio­nis­mus pur: Nicht ein­mal mehr die Per­son um die es geht wird pla­ka­tiert (von sach­be­zo­ge­nen Aus­sa­gen ganz zu schwei­gen), son­dern es geht nur noch um die af­fekt­ge­steu­er­te Re­ak­ti­on. Der Wäh­ler wird nicht mehr un­nö­tig über­for­dert; ent­schei­dend ist die Iden­ti­fi­ka­ti­on der En­te mit Frau Phil­ipp. Und sie­he da: es wirkt.

Liest man sich die Be­rich­te der Ak­ti­vi­tä­ten von Frau Phil­ipp im Bun­des­tag durch, so ent­deckt man nichts Spek­ta­ku­lä­res: Sie ist das, was man ei­ne Hin­ter­bänk­le­rin nennt. Kan­ten hat sie kei­ne; ih­re Mei­nun­gen sind stets Mehr­heits­mei­nung. Das Bild scheint in an­de­rer Hin­sicht zu stim­men: Wie ein En­ten­jun­ges sei­ner Mut­ter hin­terher­mar­schiert, so agiert sie als MdB.

Viel­leicht pla­ka­tiert die SPD noch um und zi­tiert Herrn Mül­ler-Lü­den­scheidt, der im un­ver­gess­li­chen Dia­log mit Dr. Klöb­ner die ent­schei­den­den Wor­te aus­sprach, de­nen sich der Düs­sel­dor­fer Sü­den am 27. Sep­tem­ber an­schlie­ßen soll­te: »Die En­te bleibt drau­ßen«.


ERGÄNZUNG 10.09.09: Die En­te ist über­klebt. Seit ge­stern ist Frau Phil­ipp auf ei­nem neu­en Pla­kat zu se­hen.
LETZTE ERGÄNZUNG 28.09.09: Die Da­me wur­de di­rekt ge­wählt. Wie ver­zwei­felt müs­sen die Wäh­ler ge­we­sen sein...

28 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Im­mer­hin hat die Da­me ein ab­ge­schlos­se­nes Stu­di­um (und nicht in En­ten­hau­sen und auch nicht im Fach Do­nal­dis­mus) vor­zu­wei­sen. Über Mi­ke Mohrings Qua­li­tä­ten schrieb ich be­reits, aber die SPD ist auch nicht viel bes­ser, als MdB gibt es ei­nen Herrn Car­sten Schnei­der, der zu­vor fi­nanz­po­li­ti­scher Spre­cher in Er­furt war – er war der ein­zi­ge Ab­sol­vent sei­nes Jahr­gangs, der nach Ab­schluss sei­ner Ban­ken­leh­re nicht über­nom­men wur­de. Heu­te sitzt er im Aus­schuss(*) Fi­nan­zen des Bun­des­ta­ges.

    Ihr soll­tet in Düs­sel­dorf doch froh sein, wenn euch die Po­li­ti­ker we­nig­stens ein biss­chen be­spa­ßen, wenn wir Bür­ger doch sonst nichts zu la­chen ha­ben.

    (*) Aus­schuss ist so ein tol­les ein Wort mit vie­len Be­deu­tun­gen.

  2. Ver­mut­lich
    wur­de das po­li­ti­sche Per­so­nal im Osten be­son­ders »ge­siebt«. Wenn es kei­ne West­im­por­te gab, dann muss­te der SED-Nach­weis bis in die zwei­te Ge­nera­ti­on er­bracht wer­den.

    Ich wur­de nach mei­ner Aus­bil­dung auch als ein­zi­ger nicht über­nom­men. Man sag­te mir da­mals glaub­wür­di­ger­wei­se, ich sei seit sehr lan­ger der ein­zi­ge, zu­mal ich der zweit­be­ste des »Jahr­gangs« war (es wa­ren nur sechs oder sie­ben). Ich hat­te ei­nen da­ma­li­gen Ab­tei­lungs­lei­ter A******* ge­nannt (al­ler­dings aus gu­ten Grün­den) und ei­ne Per­so­nal­ent­schei­dung der Chefs kri­ti­siert. Das ge­fiel de­nen nicht so.

    Frau Phil­ipp war tat­säch­lich 13 Jah­re in Schul­dienst. Ich fra­ge mich, war­um sie dort nicht ge­blie­ben ist. Ja­sa­ger hat­te die Re­pu­blik im­mer ge­nug.

  3. Na­ja, die bei­den vor­ge­stell­ten »Über­flie­ger« sind bei­des jun­ge Nach­wen­de­ge­schöp­fe und des­halb schon Evo­lu­ti­ons­pro­duk­te der west­li­chen De­mo­kra­tie.

    In der DDR ver­such­te man ei­nen un­mög­li­chen Spa­gat. Ei­ner­seits war ei­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dung für vie­le Tä­tig­kei­ten un­ver­zicht­bar, an­de­rer­seits woll­te man aber 80% Ar­bei­ter­kin­der bei den Ab­itu­ri­en­ten und Stu­den­ten. Das zog den Be­gab­ten in je­der Ge­nera­ti­on aufs Neue die Bei­ne weg.

    Jetzt ent­wickeln sich al­ler­dings auch hier die er­sten Po­li­tiker­dy­na­sti­en (so wie Ur­su­la von der Ley­en im We­sten). Dag­mar Schip­anskis Mann Ti­gran Schip­an­ski ist Lo­kal­po­li­ti­ker (stell­vertr. Land­rat?), und jetzt grinst ei­ner ih­rer Söh­ne in je­de Ka­me­ra, die er krie­gen kann, denn er will für die CDU in den Bun­des­tag. Die Mut­ter (oder Groß­mutter) von Ti­gran kann­te ich, das war wohl ei­ne rus­si­sche Ad­li­ge, die vor den So­wjets nach Deutsch­land ge­flo­hen ist.

  4. Ge­ne­rell lei­den die Par­tei­en an qua­li­ta­ti­vem und quan­ti­ta­ti­ven Nach­wuchs. Es ist eben ein Spie­gel der Ge­sell­schaft. Zu­dem sind die po­li­ti­schen Äm­ter ein­fach zu schlecht do­tiert. In der Wirt­schaft kön­nen die Leu­te viel mehr ver­die­nen und sind nicht der­ar­tig den Me­di­en aus­ge­setzt. Da bleibt nur für Be­rufs­ab­bre­chern noch der Weg in die Po­li­tik. Die sieht ja zu­neh­mend auch ent­spre­chend aus.

  5. Ich hal­te das Pla­kat für blöd.

    Ent­we­der es heißt: Not qua­ke, make! – Da­mit kann ich le­ben. Wie weit man da­mit bei den Wäh­lern ist ei­ne an­de­re Fra­ge. Wo­her soll­te ich die deut­sche See­le ken­nen?
    -
    So aber ist das »nit« deutsch und da­her lau­tet der Spruch:

    Nit qwa­ke, maake! Was mir so vor­kommt, als wür­de mir als des Deut­schen nicht mäch­ti­gen Aus­län­der in Ba­by­spra­che et­was in­si­nu­iert. Das wür­de ich be­lei­di­gend auf­fas­send und gä­be ei­nen dicken Mi­nus­punkt für die Par­tei.

    Al­so ir­gend­wie ist das we­ni­ger spa­ßig als dar­auf hin­wei­send, für wie blöd die Par­tei­en ihr Wäh­ler­volk hal­ten...

    In Öster­reich gab es üb­ri­gens ein ähn­li­ches Pla­kat, was wirk­lich für mich die Grü­nen un­mög­lich ge­macht hat:

    die jet­zi­ge Ob­frau der Par­tei wur­de mit fol­gen­dem Slo­gan ge­zeigt:

    Glei­ches Recht für al­le,
    Vor­fahrt für die Frau!

    Was ge­meint war, ist mir schon klar und die be­ab­sich­tig­te Po­li­tik wür­de ich an­ge­sichts der rest­li­chen Pro­gramm­punk­te der Grü­nen auch ak­zep­tie­ren. Doch so ei­nen lo­gi­schen Fehl­schluss in zwei kur­zen Zei­len zu for­mu­lie­ren, be­deu­tet für mich, dass die Po­li­ti­ker tat­säch­lich so blöd sind, wie blöd ich sie hal­te.

  6. »Nit quake...make« ist aus dem Düs­sel­dor­fer Platt ent­lehnt. Ver­mut­lich in­ter­es­siert die CDU nicht, ob Aus­län­der das le­sen kön­nen – sie sind ja eh nicht wahl­be­rech­tigt.

    Ehr­lich ge­sagt hat­te ich bei der »neu­tra­len« Fas­sung des Pla­kats an ei­nen 30jährigen Be­wer­ber ge­dacht, der ein biss­chen pfif­fig sein will. Dass Frau Phil­ipp noch ein­mal kan­di­diert, war mir (be­wusst) ent­gan­gen.

  7. Ob­wohl des rhei­ni­schen Idi­oms nicht ganz un­kun­dig er­schloss sich mir der Sinn die­ses Wahl­spru­ches erst durch die Lek­tü­re Dei­nes Bei­tra­ges. Ne­ben „zit­tern, be­ben“ und „ma­chen“ er­schien mir das „nit“ wie ein Druck­feh­ler, aber das liegt be­stimmt an mei­nem eng­lisch­sprach­li­chen Um­feld. An­son­sten hat Lo­ri­ot tat­säch­lich schon al­les not­wen­di­ge ge­sagt.

  8. Ich hab’s zu­nächst auch für ei­nen un­glück­li­chen An­gli­zis­mus ge­hal­ten (kom­me ja nicht ex­pli­zit aus Düs­sel­dorf). Erst die Web­sei­te der Da­me mit dem ins Hoch­deut­sche über­setz­ten Mot­to ver­schaff­te dann Klar­heit.

  9. Jecke Zei­ten
    Viel­l­echt soll­te man er­wäh­nen, dass der Spruch »Nit qua­ke – make« das Mot­to des Düs­sel­dor­fer Kar­ne­vals der Ses­si­on 2005/06 war. Für die Ein­hei­mi­schen hat es ei­nen ge­wis­sen Wie­der­erken­nungs­wert. Ob’s hilft... In der ak­tu­el­len Ses­si­on funk­tio­niert die Ver­wer­tungs­ket­te in der an­de­ren Rich­tung, dies­mal al­so von der Po­li­tik in die Nar­re­tei, denn das Mot­to lau­tet: »Jeck – we can«

  10. Ob­wohl ich schon 2005/06 in Düs­sel­dorf ge­lebt ha­be, ist die­ser Kar­ne­val­spruch an mir vor­bei ge­gan­gen (weil ich mich nicht für Kar­ne­val in­ter­es­sie­re).

    Dan­ke für die­sen Hin­weis. Es wä­re in­ter­es­sant, ob der Be­zug ge­wollt oder nur zu­fäl­lig ist... (vie­les spricht für das Er­ste).

  11. Der an­de­re Düs­sel­dor­fer CDU-Kan­di­dat
    ...na­ment­lich Tho­mas Jar­zom­bek, ließ schwar­ze Pla­ka­te auf­hän­gen, die nichts wei­ter als den oran­ge­nen Schrift­zug »Jar­zom­bek« tra­gen. Sieht aus, als hät­te die CDU von ei­ne Me­dia-Agen­tur ei­ne Bran­ding­kam­pa­gne auf­ge­drückt be­kom­men. Oder sie the­ma­ti­sie­ren auf mo­der­ne Wei­se das Nicht­vor­han­den­sein von In­hal­ten.
    So und so ist es ir­gend­wie doof.

  12. Wel­che In­hal­te?
    Heißt es nicht, die Per­son ist das Pro­gramm?
    (Bis in die Spit­ze? Oder sie­he das »Kan­di­da­ten-Du­ell«. Oder sie­he den neu­en Po­la­ri­sa­teur Gut­ten­berg. Oder den neu­en Mi­ni­ster­prä­si­den­ten von Bay­ern usw. – kaum ei­ner kann sa­gen, wer wo­für steht.)

    Ich will mal als Mi­kro­phong­al­gen­hal­ter für den WDR da­bei auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz, als ein NRW-Mi­ni­ster sei­nen Rück­tritt be­kannt gab. Das ein­zi­ge, was die ver­sam­mel­te Meu­te wis­sen woll­te, war: Wer wird der neue Min­ster?

    Na­men sind al­les. In ei­ner Me­di­en-De­mo­kra­tie geht es nur um Per­so­nen (die die »In­hal­te« dann zu re­prä­sen­tie­ren ha­ben). Und ge­nau dar­an ori­en­tiert sich das Pu­bli­kum, an den »Kan­di­da­ten« (Deutsch­land sucht den ...).

    In­so­fern wä­re aus­schließ­lich der Na­me auf ei­nem Pla­kat (und danke!ohne Ge­sicht!) nur kon­se­quent.

     

    [EDIT: 2009-09-14 16:44]

  13. Spaß­pla­ka­te
    In Zei­ten von „Big-Bro­ther“, „Deutsch­land sucht den Su­per­star“ und di­ver­ser, auf glei­chem Ni­veau an­ge­sie­del­ten, Un­ter­hal­tungs­pro­gram­men, passt die­ses Wahl-Spaß-Pla­kat doch wun­der­bar. Kom­mu­ni­ka­ti­on auf „Quit­sche­en­ten­ba­sis“, sonst „ver­steht viel­leicht die brei­te Mas­se nicht, was die Par­tei will“, au­sser Wäh­ler­stim­men. Aber der Spaß­fak­tor Quit­sche­en­te ( weiß man/frau aus der Ba­de­wan­nen­zeit der ei­ge­nen Kin­der) hält im­mer nur für kur­ze Zeit an. Herr Lü­den­scheid hat­te Recht: „Die En­te bleibt drau­ßen“.
    ( Da­bei bin ich durch­aus of­fen, für neue Pla­kat­ge­stal­tun­gen. Auch für sol­che, die Hu­mor zu­las­sen. Aber ei­ne Quit­sche­en­te as­so­zi­iert bei mir nun wirk­lich nur ein: da-da-da. Bit­te, – bloß kein Kreuz­chen hin­ter Quit­sche­en­ten­na­men!)

  14. Und da es noch nicht ge­nug ga­ga war,
    kommt noch ein TV-Du­ell da­her.. mit ’ner put­zi­gen Ti­ger­en­ten­ko­ali­ti­on, bräuch­te al­so noch ein paar schwar­ze Strei­fen, das in­kri­mi­nier­te Ob­jekt.

    [EDIT: 2009-09-14 10:34]

  15. Das han­deln­de Ent­lein
    Da ich nicht in Frau Phil­ipps Wahl­kreis woh­ne, kom­me ich auch nicht in die Ver­le­gen­heit, ihr mei­ne Stim­me (nicht) ge­ben zu müs­sen. Aber die En­te mit der in Düs­sel­dor­fer Mund­art ge­hal­te­nen Auf­schrift hät­te ich schon gern, als Ac­ces­soire für mein Ba­de­zim­mer. Bin ich der Ein­zi­ge, der in sei­ner Kindheit/Jugend so sehr von »Ein Colt für al­le Fäl­le« ge­prägt wur­de, dass er sich wünscht, mal Zi­gar­re rau­chend in ei­ner Blech­wan­ne zu plan­schen und da­bei ei­ne Pla­stik-En­te über den Was­ser­spie­gel glei­ten zu las­sen?

  16. Ich muss Sie lei­der ent­täu­schen. Am Sams­tag wur­de uns auf der Stra­sse »In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al« zu Frau Phil­ipp mit­ge­ge­ben – in­klu­si­ve Ku­gel­schrei­ber. Ei­ne En­te war nicht da­bei. So kon­se­quent ist man dann doch nicht.

    [EDIT: 18:07]

  17. Ja, es ist wahr,
    Ga-Ga ( fast) über­all!
    Hät­te ich doch nur auf den Rat­schlag ge­hört, das Duell/Kanzlerduett nicht an­zu­schau­en, es sei nur ver­geu­de­te Zeit. Aber ich woll­te dem gut ge­mein­ten Rat nicht fol­gen, viel­leicht ver­pas­se ich et­was und be­reue es hin­ter­her, dach­te ich mir.
    Hät­te ich nur ... ! – Her­ta Müller’s Atemschau­kel wür­de dann nicht im­mer noch auf mich war­ten.
    Es gab in den 90 Mi­nu­ten für mich nichts Auf­re­gen­des zu hö­ren und zu se­hen – bis auf die schwarz-gel­be Ti­ge­ne­ren­ten­ver­si­on. Da fiel mir na­tür­lich so­fort das En­ten-Ga­ga-Bild auf die­sem Blog ein. Und in Ge­dan­ken se­he ich G. We­ster­wel­le die En­te zie­hen.

  18. Duell/Duett
    Ei­gent­lich soll­te man ganz dank­bar sein, dass wir die Zeit der »Du­el­le« über­wun­den ha­ben. Die gro­ssen Aus­ein­an­der­set­zun­gen fin­den nicht statt, und das aus zwei Grün­den: 1. Es feh­len die gro­ssen ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Ent­wür­fe und 2. es gibt nicht das ent­spre­chen­de Per­so­nal, 1. zu er­zeu­gen. Rat­lo­sig­keit al­ler­or­ten – nur muss man noch so tun, als wüss­te man, wor­um und vor al­lem wie es geht, denn die Aus­sa­ge, dass man et­was nicht so ge­nau weiss, straft der Wäh­ler ab; er will die un­an­ge­neh­me Nach­richt nicht hö­ren. (Und wer wählt schon je­man­den, der sagt, dass er nicht weiss, wie es wei­ter­geht?)

    Mer­kel hat­te 2005 ei­nen poin­tier­ten Wahl­kampf mit ex­trem markt­ra­di­ka­len The­sen ge­führt. Sie stürz­te von den Um­fra­gen (ca. 40%) auf 35% ab und hät­te um ein Haar ver­lo­ren. Und das, ob­wohl Schrö­der da­mals schon po­li­tisch k.o. war – aber sein »geht al­les so wei­ter« war plötz­lich at­trak­ti­ver bzw. hat et­li­che po­ten­ti­el­le CDU-Wäh­ler ver­prellt.

    2009 macht Mer­kel das, was sie am be­sten kann: ab­war­ten und sich mög­lichst lan­ge al­le Op­tio­nen of­fen hal­ten. Am 28.09. weiss man mehr. Dann wer­den wir er­fah­ren, was not­wen­dig ist.

    Das Ge­spräch ge­stern fand ich nicht so schlecht. Mer­kel sah m. E. eher schwach aus; wuss­te bei Zwi­schen­fra­gen nur auf ihr Re­de­recht zu po­chen und der Spruch, sie wol­le »Wachs­tum« er­in­nert wirk­lich nur noch an die 70er Jah­re. Man merk­te deut­lich: Sie glaubt das, was sie da sagt, sel­ber nicht. Stein­mei­er hat die Ge­le­gen­heit ver­strei­chen las­sen, den Zu­schau­er an die Mer­kel von vor vier Jah­ren (sie­he oben) zu er­in­nern.

    Un­er­träg­lich die­se Ver­su­che der so­ge­nann­ten Mo­de­ra­to­ren, den Kra­wall zu in­sze­nie­ren. Bei­de Kan­di­da­ten re­de­ten rd. 35 Mi­nu­ten – die rest­li­chen 20 Mi­nu­ten gin­gen al­so für die­se vier drauf. Wie Mi­cha­el Spreng heu­te an­merkt: Nutz­lo­se Zeit.

  19. Noch ein (paar) Gedanke(n)
    Viel­leicht will die Düs­sel­dor­fer CDU-Kan­di­da­tin ja kei­ne En­ten ver­tei­len, weil sonst ir­gend­ein Schelm auf die Idee kom­men könn­te, dass sie mit ih­ren Wahl­ver­spre­chen sel­bi­ge ver­brei­te?
    Viel­leicht hat Herr Stein­mei­er Frau Mer­kel nicht an ih­re markt­ra­di­ka­len Po­si­tio­nen er­in­nert, weil sie ihm dann als Re­tour­kut­sche die Agen­da 2010 hät­te vor­wer­fen kön­nen. Nie­mand will mehr an die Zeit er­in­nert wer­den, als man den Wett­be­werb und die Selbst­hei­lungs­kräf­te des Mark­tes als Pa­tent­re­zept ver­kauf­te: Der mitt­ler­wei­le von al­len Par­tei­en ge­bil­lig­te Staats­in­ter­ven­tio­nis­mus, den man dar­ben­den Klein- und Mit­tel­be­trie­ben un­ter Hin­weis auf ord­nungs­po­li­tisch li­be­ra­le Theo­ri­en stets ver­wehr­te, straft die ein­sti­ge De­re­gu­lie­rungs-Eu­pho­rie ja kräf­tig Lü­gen.
    In ei­nem Punkt ha­ben Sie zu hun­dert Pro­zent Recht, Gre­gor Keu­sch­nig: Das Schlimm­ste an die­sem Du­ell wa­ren – wie das bei Po­lit­talk­for­ma­ten lei­der fast im­mer der Fall ist – die Mo­de­ra­to­ren, ins­be­son­de­re de­ren zwang­haf­te Pro­fi­lie­rungs­ver­su­che und de­ren nu­me­ri­sche Über­le­gen­heit ge­gen­über den Kan­di­da­ten. Mein Vor­schlag: Die Re­de­zeit für Mo­de­ra­to­ren be­gren­zen!

  20. Ich fand das Ge­spräch ge­stern lang­wei­lig.
    Brav ha­ben Mer­kel und Stein­mei­er auf die Fra­gen der Mo­de­ra­to­ren ge­ant­wor­tet, denn die vor­ge­ge­be­ne Zeit von 90 Se­kun­den lässt doch kei­nen Streit zu! Al­so, ich kann nicht in je­weils 90 Se­kun­den mei­nen Stand­punkt zur En­er­gie­po­li­tik, oder zum Af­gha­ni­stan­ein­satz oder zur Ge­sund­heits­po­li­tik oder zu den Ma­na­ger­ge­häl­tern oder... dar­stel­len, ge­schwei­ge dar­über „strei­ten“. Mit der Auf­zäh­lung von Schlüs­sel­wör­tern be­stän­de si­cher­lich die Mög­lich­keit, in­ner­halb die­ser kur­zen Zeit, Fach­kom­pe­tenz zu prä­sen­tie­ren, aber da­mit kön­nen si­cher vie­le Men­schen nicht er­reicht wer­den, de­nen man/frau durch ein me­dia­les Ereignis/ In­fo­tai­ne­ment un­ter­schied­li­che Wahlprogramme/politische Entwürfe/ zu­kom­men las­sen will.

    Ja, und mit Ih­rer Fest­stel­lung:
    Man merk­te deut­lich: Sie glaubt das, was sie da sagt, sel­ber nicht.
    Dem stim­me ich ger­ne zu. Ich emp­fand es be­son­ders so bei ih­rer Aus­füh­rung zu den Ma­na­ger­ge­häl­tern so­wie zu den stän­di­gen Wie­der­ho­lun­gen der „Wachs­tums­glei­chung“.
    Stein­mei­ers Auf­tre­ten ge­fiel mir des­halb bes­ser, weil er mit Aus­sa­gen ( und Mi­mik ) au­then­ti­scher wirk­te als sei­ne Ge­sprächs­part­ne­rin. Die Zeit­fra­ge (2013) nach dem En­de des Af­gha­ni­stan­ein­sat­zes hat er m.E. gut pa­riert. En­er­gie­po­li­tik, Min­dest­lohn, was hät­te man da­zu al­les sa­gen müs­sen, man merk­te es Stein­mei­er an, dass er das sehr ger­ne ge­macht hät­te, – aber bei 90 Se­kun­den?

    Die Pro­fes­sio­na­li­tät der bei­den Be­rufs­po­li­ti­ker ist be­kannt und ih­re Ko­ali­ti­on funk­tio­niert ( auch wenn Fr. Mer­kel im­mer wie­der ex­pli­zit be­ton­te, mit der FDP gin­ge es aber noch bes­ser ( wer’s denn glaubt)), fra­ge ich mich doch, war­um nicht so wei­ter?
    Ist es das Schlech­te­ste, wenn sich ein ein­ge­spiel­tes po­li­ti­sches Team wei­ter­hin im Sin­ne ei­ner fried­li­chen Po­li­tik ein­setzt, auch wenn ih­re po­li­ti­schen Leit­bil­der nicht über­ein­stim­men? Das emp­fin­de ich in die­sen Zei­ten, ganz ak­tu­ell ge­ra­de der Dis­put im Vor­feld zur Frank­fur­ter Buch­mes­se ( und noch so vie­les mehr) als über­le­gens­wert.

    Ich se­he seit vie­len Jah­ren nur noch sel­ten Fern­se­hen. In­for­ma­tio­nen ho­le ich mir über das In­ter­net, Print­me­di­en und das Ra­dio. Im letz­ten Jahr hat­te ich mir den Bach­mann-Preis im TV an­ge­se­hen und war von der Art des Mo­de­ra­tors echt! ge­schockt! Ich war von den gest­ri­gen Mo­de­ra­to­ren nicht ent­setzt, aber de­ren ge­sam­ter Auf­tritt hat mir von An­fang an nicht ge­fal­len.
    Ich plä­die­re da­für: lasst die Po­li­ti­ker ih­re knap­pe Zeit bes­ser nut­zen, als sie zu sog. Fern­seh­du­el­len zu dik­tie­ren.

  21. Asche auf mein Haupt
    Ich ha­be mir das nicht an­ge­tan, son­dern mir lie­ber die Blö­del­ar­ti­sten vom 3Sat-Fe­sti­val an­ge­schaut. Das war zwar zu­min­dest in den er­sten 45 Mi­nu­ten auch nicht ge­ra­de der Brül­ler, aber die wun­der­ba­re Ina Mül­ler mit Band war an­schlie­ßend um­so er­fri­schen­der. Den Ent­schluss auf das „Du­ell“ zu ver­zich­ten fass­te ich so­fort, nach­dem ich im Vor­feld hör­te, dass der Mo­de­ra­tor Plass­berg den Kom­bat­tan­ten die Mas­ken ent­rei­ßen wol­le. Ach du mei­ne Gü­te – aus­ge­rech­net die­ser Selbst­dar­stel­ler! Und als ich spä­ter von An­ne Will dann hör­te, dass Stein­mei­ers Ein­wand ge­gen die Kanz­le­rin ( ir­gend­was mit noch nie er­reich­tem Wachs­tum ) der Hö­he­punkt des Abends ge­we­sen sei, da wuss­te ich, dass ich nun wirk­lich nichts ver­passt hat­te. Al­ler­dings will ich auch ger­ne zu­ge­ben, dass ich be­fürch­te­te, dem Charme der Kanz­le­rin zu er­lie­gen und ich dann all mei­ner sorg­sam ge­pfleg­ten Vor­ur­tei­le ver­lu­stig gin­ge.

  22. #22
    Dass das For­mat schlecht ist – kei­ne Fra­ge. Den­noch spricht viel für ei­ne 90 Se­kun­den-Re­gel. Eben weil nie­mand de­tail­lier­te und ex­pli­zi­te Aus­füh­run­gen er­war­tet, son­dern nur Skiz­zen. Aber die soll­ten es dann auch sein. Statt­des­sen wer­den die aus­wen­dig ge­lern­ten State­ments ab­ge­spult.

    Ich bin auch für das Un­ter­bre­chen des Re­de­flus­ses – wenn die Fra­ge nicht be­ant­wor­tet wird, son­dern das Auf­ge­sag­te kommt. Nie­mand hat Mer­kel ge­fragt, wie das Wachs­tum er­zeugt wer­den soll – das Per­pe­tu­um Mo­bi­le gibt es ja nach­weis­lich nicht. Und The­men wie Bil­dung (na­tür­lich eher Län­der­sa­che) und ge­samt­ge­sell­schaft­li­cher Kon­sens wur­den erst gar nicht an­ge­schnit­ten, weil die Fra­ger lie­ber af­fekt­ge­steu­er­tes auf­wärm­ten (»Dienst­wa­gen«).

    90 Se­kun­den wä­ren im Prin­zip nicht falsch. Aber so, wie die­ses For­mat ge­strickt ist, funk­tio­niert es na­tür­lich nicht (wenn dann auch nach­her ins­ge­samt 20 Mi­nu­ten für die Mo­de­ra­to­ren ge­zählt wer­den).

    Das gan­ze »Du­ell« war für mich mich nicht hin­sicht­lich der bei­den Prot­ago­ni­sten ver­lo­re­ne Zeit. Es war er­schüt­ternd zu se­hen, wie vier Jour­na­li­sten ele­men­ta­re Auf­ga­ben ih­res Be­ru­fes nicht mehr in der La­ge sind, aus­zu­füh­ren und sich als Selbst­dar­stel­ler ge­rie­ren. Un­er­träg­lich.

  23. Merk­wür­di­ger­wei­se war dies­mal der Charme der Kanz­le­rin – fast ver­schwun­den. In der »Wahl­are­na« we­ni­ge Ta­ge vor­her in der ARD wirk­te sie we­sent­lich über­zeu­gen­der (oh­ne mehr zu sa­gen wohl­ge­merkt).

  24. Fern­seh­jour­na­li­sten creme de la creme
    Vie­len Dank für die er­neu­te Be­stä­ti­gung, dass ein Fern­se­her nur noch für das Schau­en von DVD’s ein­ge­setzt wer­den soll­te. Viel­leicht fehl­te mir dann auch die Ab­här­tung und ich bin ah­nungs- und arg­lo­ser dar­an ge­gan­gen als Sie, lou-sa­lo­me. Ne­ben die­sen Me­di­en­ver­tre­tern je­den­falls wirk­ten die bei­den Kan­di­da­ten an­ge­nehm ru­hig, prof­fes­sio­nell, in­tel­li­gent und kul­ti­viert. – Wen bit­te in­ter­es­siert, ob die bei­den sich du­zen? Wer möch­te so in­fan­ti­le Wort­schöp­fun­gen, vor­pro­gram­mier­te Ver­glei­che über sich er­ge­hen las­sen?
    Die bei­den Po­li­ti­ker schie­nen sich be­stens vor­be­rei­tet zu ha­ben, bei den Jour­na­li­sten ha­be ich das ver­misst. An kei­ner Stel­le ist es ih­nen ge­lun­gen die Kan­di­da­ten aus ih­ren ein­stu­dier­ten Phra­sen zu sto­ßen, zu über­ra­schen, ei­nen Ak­zent zu set­zen.., au­ßer den von Pein­lich­keit und so ein iro­ni­sches Lä­cheln bei Frau Mer­kel oder Herrn Stein­mei­er her­vor­zu­ru­fen.

  25. @ G.Keuschnig & @ Phor­kyas
    Kom­me jetzt erst da­zu, noch kurz zu ant­wor­ten. Schlie­ße mich Ih­ren Ge­dan­ken­gän­gen an.
    @ Phor­kyas: Ha­be auf Ih­rem Blog Ih­ren letz­ten Ein­trag quer­ge­le­sen, kann mir aber erst die näch­sten Ta­ge mehr Zeit da­für neh­men. Rüch­mel­dung er­folgt. LG