Die Kra­wall­schach­teln

Wenn man erst ein­mal weiß, dass ei­ni­ge (Polit-)Talkshows im (deut­schen) Fern­se­hen nach ge­wis­sen dra­ma­tur­gi­schen In­sze­nie­run­gen be­setzt wer­den – bei­spiels­wei­se um wäh­rend der Sen­dung or­dent­lich Kra­wall zu er­zeu­gen – kann man die­se per­ver­tier­te Form des Dis­kur­ses nur noch als lä­cher­li­ches Schmie­ren­thea­ter er­tra­gen. Sein ei­ge­nes Ur­teil wird man hier kaum schär­fen kön­nen, zu be­schei­den sind die in­tel­lek­tu­el­len Herausfor­derungen. Es spricht lei­der ei­ni­ges da­für, dass das Feuil­le­ton in ähn­li­ches Fahr­was­ser ab­drif­tet. Und nein: Da­mit sind nicht die (teil­wei­se zu Recht dis­kre­di­tier­ten) Twitter­lümmel und Blog­da­men und ‑her­ren ge­meint, die ih­re ge­sin­nungs­trie­fen­de Mei­nungs-Halb­bil­dung in die Welt hin­aus­po­sau­nen und je­des noch so klei­ne Phä­no­men skanda­lisieren. Längst hat das or­ga­ni­sier­te De­nun­zie­ren auch die sich selbst im­mer noch als Qua­li­täts­me­di­en be­zeich­nen­den In­sti­tu­tio­nen er­grif­fen.

Lillian Birnbaum: Peter Handke - Portrait des Dichters in seiner Abwesenheit

Lil­li­an Birn­baum: Pe­ter Hand­ke – Por­trait des Dich­ters in sei­ner Ab­we­sen­heit

Im ver­gan­ge­nen Jahr er­schien im klei­nen, aber fei­nen Mü­ry Salz­mann Ver­lag ein Bild­band von Lil­li­an Birn­baum mit dem Ti­tel »Pe­ter Hand­ke. Por­trait des Dich­ters in sei­ner Ab­we­sen­heit.« Es gibt nun ei­ni­ge Hin­wei­se und Be­spre­chun­gen auf die­ses Buch, die Birn­baums Ab­sicht, den Dich­ter in der blo­ßen An­we­sen­heit der Din­ge sei­nes Hau­ses (sei­ner Um­ge­bung) zu zei­gen, nach­spü­ren (bspw. von Tho­mas Stro­bl in der »FAZ« oder im Ge­spräch mit der Fo­to­gra­fin in den »Salz­bur­ger Nach­rich­ten«). Und es gibt ei­nen Text von Alex­an­der Schim­mel­busch im »Frei­tag«. Der Ver­lag ver­linkt ihn al­ler­dings nicht un­ter »Re­zen­sio­nen« – was voll­kom­men be­rech­tigt ist. Denn Schim­mel­busch hat­te über­haupt kein ästhe­tisches In­ter­es­se an die­sem Buch, das er als »er­schreckenden Bild­band« apo­stro­phiert. Das Buch dien­te ihm le­dig­lich als Waf­fe, denn er will den Mensch Pe­ter Hand­ke de­nun­zie­ren. Hier­für nimmt er ei­ni­ge Bil­der zum An­laß, um ihn der »be­klem­men­den Ver­wahr­lo­sung« zu zei­hen, schil­dert Hand­ke als ei­nen Wil­den und be­schimpft ihn für sei­ne Ser­bi­en-Tex­te. Da­bei un­ter­lau­fen ihm in sei­nem Fu­ror et­li­che sach­li­che Feh­ler (die nur zum Teil nach Hin­wei­sen von Le­sern kor­ri­giert wur­den) und Un­ge­nau­ig­kei­ten. Egal: Haupt­sa­che, die Krawall­maschine läuft.

Nichts ge­gen be­grün­de­te Kri­tik, aber And­res Mü­ry woll­te wohl Ge­naue­res über die­se Form der rhe­to­ri­schen Ver­wahr­lo­sung in Er­fah­rung brin­gen und schrieb an den Her­aus­ge­ber des »Frei­tag«, Ja­kob Aug­stein. Tat­säch­lich stell­te sich auch ei­ne Ant­wort ein, al­ler­dings von Mi­cha­el An­ge­le, dem »ver­ant­wort­li­chen Re­dak­teur« für das Feuil­le­ton beim »Frei­tag«. Te­nor: Er ha­be ge­hofft we­nig­stens in Öster­reich, dem Land von Karl Kraus, hät­te man noch Sinn für sa­ti­ri­sche Po­le­mik ad per­so­nam. Der »Frei­tag« wol­le das un­säg­lich lang­wei­lig ge­wor­de­ne deut­sche Feuil­le­ton auf­mi­schen, das kön­ne na­tür­lich auch (ge­meint war wohl: in die­sem Fall) et­was da­ne­ben ge­hen. Spä­ter, als der Schim­mel­busch-Ar­ti­kel mehr als 100 Kom­men­ta­re nach sich zog, setz­te er in ei­ner Mail noch lau­nig nach: Er schla­ge vor, aus den Po­stings ein Büch­lein zu ma­chen.*

Nun sei all de­nen, die Schim­mel­buschs Mach­werk für ei­ne »Po­le­mik« hal­ten, ge­ra­ten, den Be­griff noch ein­mal ge­nau nach­zu­schla­gen. Auch der Ver­gleich mit Karl Kraus ist un­ge­fähr so ge­lun­gen, als woll­te man den Jour­na­li­sten Hans Ley­en­decker mit Kai Diek­mann ver­gleichen wol­len. We­ni­ge Ta­ge spä­ter ver­such­te sich An­ge­le dann noch als Pa­pa­raz­zo, als er Hand­ke in des­sen Vor­ort nach­stell­te und dann tat­säch­lich als Tro­phäe ein Bild des Dich­ters an der Bus­hal­te­stel­le prä­sen­tier­te. Das war dann der Mo­ment, als man nur noch Mit­leid für Herrn An­ge­le emp­fin­den konn­te.

Aber wie der neu­este Aus­fall von Ge­org Diez (dies­mal des »Spie­gel«) in Be­zug auf den Au­tor Chri­sti­an Kracht zeigt, be­ginnt die Not der schwin­den­den Auf­la­ge im­mer mehr ih­re häss­li­chen Blü­ten zu trei­ben. Schim­mel­busch und Diez eint: In Zei­ten sin­ken­der Auf­lagenzahlen grei­fen sie be­wusst zu Hy­ste­ri­sie­run­gen und De­nun­zia­tio­nen von unlieb­samen Au­toren. Da­bei rücken sie nicht mehr den Ge­gen­stand ih­rer Auf­merk­sam­keit in den Vor­der­grund, son­dern sich sel­ber. Ihr Ur­teil wird da­bei nicht be­grün­det, son­dern mit ver­fälsch­ten Zi­ta­ten wer­den Be­haup­tun­gen auf­ge­stellt, die dann skan­da­li­siert wer­den kön­nen. Schim­mel­busch macht dies mit den Bil­dern von Lil­li­an Birn­baum, Diez mon­tiert Zi­ta­te, in dem er die­se be­wusst und mut­wil­lig aus Kon­tex­ten reißt. Gip­fel der In­fa­mie ist da­bei, wenn er, wie am Mon­tag in ei­nem In­ter­view in »Kul­tur­zeit«, von ei­nem »Unbe­hagen« spricht, wel­ches ihn bei der Lek­tü­re von Krachts Ro­man »Im­pe­ri­um« be­fal­len ha­be. Im Text im »Spie­gel« spricht er von der Ge­wiss­heit der »Me­tho­de Kracht«.

Wenn man »Im­pe­ri­um« ge­le­sen hat, kommt ei­nem der Vor­wurf, Kracht sei der »der Tür­ste­her der rech­ten Ge­dan­ken«, in dop­pel­ter Hin­sicht lä­cher­lich vor (zum Buch ir­gend­wann spä­ter mehr). Aber man darf die­ses Vor­ge­hen nicht als Ma­rot­te ei­nes von (Profil-)Neurosen ge­plag­ten Kri­ti­kers ab­tun. Diez’ Vor­stoß ist to­ta­li­tär, weil er sein »Un­be­ha­gen« als nor­ma­ti­ve Ba­sis fest­stellt und da­mit die Un­schulds­ver­mu­tung um­kehrt: Nicht er, Diez, hat sei­ne Po­si­ti­on zu be­grün­den, son­dern der Schrift­stel­ler muss nun »Be­le­ge« bei­brin­gen, um die Un­ter­stel­lun­gen zu wi­der­le­gen. Ei­ne äs­the­ti­sche Aus­einandersetzung fin­det nicht mehr statt; sie ist in Diez’ Lo­gik auch nicht mehr not­wendig, weil es um die Ge­sin­nung des Au­tors geht. Li­te­ra­tur­kri­tik mu­tiert zur Ge­sin­nungs­prü­fung.

Nur ein Schelm denkt dar­an, dass es sich um ei­ne ab­ge­kar­te­te Me­di­en­kam­pa­gne han­deln könn­te (da­bei ist Kracht viel zu po­pu­lär, um die­se Form der Auf­merk­sam­keit nö­tig zu ha­ben). Ver­lag und Kol­le­gen ha­ben schnell und ein­deu­tig Po­si­ti­on be­zo­gen. Pi­kant am Ran­de, dass Ja­kob Aug­stein in sei­ner »Spiegel«-Kolumne ge­gen Diez ar­gu­men­tiert – aus­ge­rech­net er, der bei ei­nem ähn­li­chen Vor­ge­hen in sei­nem Blatt sei­nen Feuil­le­ton­chef vor­schickt. Aber: Et­was bleibt im­mer zu­rück – und das ist kein re­si­gna­ti­ves State­ment ei­nes Zy­ni­kers. In der me­dia­len Kom­ple­xi­täts­re­du­zie­rung wird im­mer ein Halb­satz zum »Ver­dacht« ge­gen Kracht dro­hen. Oder das Kains­mal in Form des klei­nen, so harm­los da­her­kom­men­den Wört­chens »um­strit­ten«. Und dies trotz ‑zig­fa­cher an­ders­lau­ten­der Er- und Be­kennt­nis­se.

So wird die Kri­tik über Li­te­ra­tur schlei­chend re­du­ziert auf das Ni­veau ei­ner Nachmittags­talkshow bei RTL oder sat1. Ich brau­che die­se Form der »Auf­mi­schung« nicht. Ich mag die »al­ten Tan­ten«. Wenn An­ge­le oder Diez das Feuil­le­ton »lang­wei­lig« fin­den, ist dies ihr Pro­blem. Ich möch­te da­mit nicht be­hel­ligt wer­den.


* Der Te­nor der An­ge­le-Stel­lung­nah­me wur­de mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung aus ei­ner Mail von And­res Mü­ry an mich zi­tiert.

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  1. ziem­lich auf­ge­bla­se­ner, hy­ste­ri­scher unisnn, den sie (mal wie­der) schrei­ben. da­bei ver­fol­gen ty­pen wie sie im­mer ein und die­sel­be ar­gu­men­ta­ti­ons­li­nie: ir­gend­was in ei­nem deut­schen vor­zei­ge-feuil­le­ton läuft nicht ganz sau­ber und die ge­sam­te li­te­ra­tur­kri­tik ist ih­rer mei­nung nach »schlei­chend re­du­ziert auf das Ni­veau ei­ner Nachmittags­talkshow bei RTL oder sat1« und so­wie­so nur noch »lä­cher­li­ches Schmie­ren­thea­ter«. und in punk­to diez ver­schwei­gen sie dann auch noch die ent­schei­den­den punk­te, die den ei­gent­li­chen kern des vor­wurfs bil­den, näm­lich die höchst be­mer­kens­wer­ten pas­sa­gen im woo­dard-brief­wech­sel. gut – ha­be auch nicht mehr von ih­nen er­war­tet!

  2. @bob sin­c­lair
    Lei­der sind Sie auf­grund Ih­rer ober­fläch­li­chen Lek­tü­re nicht ganz auf dem rich­ti­gen Stand. So ha­be ich nie­mals von der »ge­sam­ten« Li­te­ra­tur­kri­tik ge­spro­chen, die sich auf ein Talk­show-Ni­veau zu be­ge­ben droht, son­dern von ei­nem schlei­chen­den Pro­zess, der auch vor den so­ge­nann­ten Qua­li­täts­me­di­en nicht mehr Halt macht (in Wirk­lich­keit ist das tat­säch­lich schon lan­ge im Schwan­ge – vgl. Ul­rich Grei­ners Kri­tik an der Re­zep­ti­on von Chri­sta Wolf an­läß­lich ih­rer No­vel­le »Was bleibt«). Auch zie­hen Sie es vor, das »lä­cher­li­che Schmie­ren­thea­ter« als mein Zi­tat über die Li­te­ra­tur­kri­tik her­an­zu­zie­hen. Da­mit be­trei­ben die glei­che üb­le Ent­stel­lung von Aus­sa­gen wie Diez.

    Ver­mut­lich he­gen Sie das Ide­al­bild des »sau­be­ren« Au­tors – ein m. E. leicht fa­schi­stoi­des Bild, was »schlim­mer« sein dürf­te als ver­meint­li­che ras­si­sti­sche Äu­ße­run­gen von Krachts Er­zäh­ler in »Im­pe­ri­um«.

    Wenn Sie sach­dien­li­che­re Hin­wei­se als sol­che an­zu­bie­ten ha­ben, kön­nen Sie sich ger­ne wie­der mel­den. An­son­sten – Sie wis­sen ja, wo der Aus­gang ist.

  3. Lie­ber Herr Keu­sch­nig, war­um wer­fen Sie mit At­tri­bu­ten wie »to­ta­li­tär« oder »leicht fa­schi­sto­id« um sich, wo Sie doch sonst mit Ih­ren Aus­füh­run­gen recht ha­ben? Ich se­he ein, dass es bei die­sen Has­sor­gi­en, die da ge­gen­wär­tig in Blogs und Printor­ga­nen wu­chern, schwer ist, Fas­sung zu be­wah­ren. Aber man soll­te es ver­su­chen. Im üb­ri­gen sei Ih­nen noch ei­ne Kra­wall­schach­tel ans Herz ge­legt, dies­mal bei un­se­rer heiss­ge­lieb­ten taz: Deniz Yücel am 21. 2., Ti­tel: »Ein Stink­stie­fel na­mens Gauck« !88071/. Das über­trifft al­les, was mir bis­her vor Au­gen ge­tre­ten ist.

  4. Lie­ber Herr Deutsch­mann, was den Be­griff »fa­schi­sto­id« an­geht – er steht »nur« in ei­nem Kom­men­tar. Und da darf er viel­leicht auch ein­mal ste­hen. Und »to­ta­li­tär«? Ja, wie ist das an­ders zu be­zeich­nen? »Au­to­ri­tär«? Hier er­hebt doch je­mand sei­ne Ideo­lo­gie (um nicht »Mei­nung« zu sa­gen) zur al­lei­ni­gen Richt­li­nie. Je­mand, der mit den Me­di­en ei­ne Macht zu­ge­spielt be­kommt, die be­sten­falls »ge­lie­hen« ist.

    Der taz-Ar­ti­kel ist doch ei­ne Auf­trags­ar­beit von Frau Pohl an ei­nen ih­rer Schreib­knech­te, der sich da­durch ir­gend­wann et­was mehr Zei­len­raum er­gat­tern möch­te. (Ich ge­ste­he: Die taz ist ei­gent­lich für mich seit den Ju­go­sla­wi­en-Krie­gen und Herrn Rath­fel­der, der weit­ge­hend wi­der­spruchs­los sei­ne Mach­wer­ke ab­son­dern durf­te, ge­stor­ben. Was nicht aus­schließt, dort ge­le­gent­lich das ein oder an­de­re Gold­stäub­chen ge­fun­den zu ha­ben.)

  5. Die­se Re­ak­ti­on wie auch die Re­ak­tio­nen in den Kom­men­ta­ren zu dem Schim­mel­fel­der-Ar­ti­kel er­schien mir zu­nächst et­was hart, über­zo­gen. Nun da ich den zu­ge­hö­ri­gen Ar­ti­kel end­lich ge­le­sen ha­be, bin ich voll­kom­men rat­los. (Die­se »De­bat­te« um den Diez-Ar­ti­kel möch­te ich mir schon gar nicht mehr an­tun, das ist ver­mut­lich ähn­lich sub­stanz­los.)
    Was soll man da­zu sa­gen? Si­cher­lich ist das nicht ernst ge­meint, und man kann es ja auch nicht ernst neh­men – aber für mich ist das noch par­secs da­von ent­fernt geist­reich oder wit­zig zu sein. Das ist doch nur wie Nel­sons »Ha-Ha«. Hand­kes »Ser­bi­en-Schwä­che«, sein Äu­ße­res – al­les gut für ein paar pri­mi­ti­ve Schen­kel­klop­fer; ‘Hand­ke, ei­ne He­xe?’ – ha­ha.
    Das ist doch grob ent­täu­schend: die­se Lust an der De­nun­zia­ti­on, am Tre­ten des­sen, den man mo­ra­lisch so­wie­so schon am Bo­den wähnt. Das ist doch fei­ge und arm­se­lig.

    (In­des­sen sind die zur De­nun­zia­ti­on her­bei­ge­zo­ge­nen Wort­fel­der viel­leicht ganz er­hel­lend: Das Schmut­zi­ge, Ver­gam­mel­te des Hand­ke-Kos­mos – lässt das auch Rück­schlüs­se auf die po­si­ti­ve Ge­gen­welt zu, in die der Au­tor lie­ber lebt? Ei­ne kli­nisch-rei­ne, glatt­po­lier­te, [po­li­tisch-kor­rek­te] touch­scre­en­ge­steu­er­te Toy­s’R’Us-Eta­ge? – Es ist zum Wald­schrat­wer­den.)

  6. @phorkyas
    Die Wor­te von Schim­mel­busch ent­hül­len viel­leicht mehr als ihm be­wusst sein dürf­te die Dis­kre­panz zwi­schen dem, wie ein Dich­ter Schrift­stel­ler wie Hand­ke in der Welt Prio­ri­tä­ten setzt und – im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes – »an­rich­tet« (an­ge­lehnt an Pe­ter Hamms Vor­wort in die­sem fa­mo­sen Bild­band) und dem, wie »mo­der­ne« Zeit­gei­ster Ding­welt de­fi­nie­ren. Ab­ge­se­hen von den un­durch­dring­li­chen Mo­ti­ven der Denunziation(en) Schim­mel­buschs (ist’s, weil er als Bern­hard-Adept von Hand­kes Äu­ße­run­gen zum gro­ßen T. B. be­lei­digt fühl­te?) ist sie da­mit viel­leicht auch Do­ku­ment ei­ner Ver­stö­rung, die mit an­de­ren Le­bens- bzw. Exi­stenz­ent­wür­fen ein­fach nicht mehr zu­recht­kommt. Das ist dann wie­der ei­ne schö­ne Er­klä­rung für mei­ne Ver­wen­dung des Be­griffs »to­ta­li­tär«.

    In­ter­es­sant ist in die­sem Zu­sam­men­hang eben, wie Me­di­en in ih­rer Auf­merk­sam­keits­geil­heit in­zwi­schen je­des noch so üb­le Spiel nicht nur mit­spie­len, son­dern qua­si als Auf­trags­ar­beit die An- und Brand­stif­ter sind. Es schlägt sich der Bo­gen zur An­ma­ßung des po­li­ti­schen Jour­na­lis­mus von der »Vier­ten Ge­walt«. Das ist al­lei­ne schon des­halb falsch, weil die Ge­wal­ten in ei­nem Rechts­staat ge­gen­sei­ti­ger Kon­trol­le un­ter­wor­fen sind – die Me­di­en sich je­doch je nach La­ge aus der Kon­trol­le mit dem Ar­gu­ment der Frei­heit der Pres­se her­aus­zu­mo­geln dro­hen. Da­mit set­zen sie sich au­ßer­halb jeg­li­cher Nor­mie­rung (au­ßer der ge­richt­li­chen, die je­doch ver­mint ist). Das Di­lem­ma ist per­fekt, denn bei je­der sich bie­ten­den Ge­le­gen­heit ge­riert man sich als »Op­fer« bzw. »Kämp­fer« für die frei­heit­li­che Grund­ord­nung. Wie pro­ble­ma­tisch das ist zeig­te sich am omi­nö­sen Diek­mann-An­ruf des Ex-Bun­des­prä­si­den­ten Wulff: So­fort stand die »Bild«-Zeitung als Säu­le der De­mo­kra­tie (wenn auch nicht di­rekt als »Sturm­ge­schütz«, wie man wei­land vom »Spie­gel« schrieb). Wenn man dann die Kör­per­spra­che der ent­spre­chen­den Jour­na­li­sten wahr­nimmt, er­kennt man ih­ren mis­sio­na­ri­schen Ei­fer über­deut­lich.

  7. Lie­ber Keu­sch­nig. Durch Zu­fall, al­so Selbst-Goog­len, ent­decke ich ge­ra­de die­sen Blog­ein­trag hier. 1.) Der Au­tor heißt nicht »An­dre­as Schim­mel­busch« son­dern Alex­an­der Schim­mel­busch.
    2. Wer fin­det, dass man mit mir nur noch »Mit­leid« ha­ben muss, soll­te sich das Fol­gen­de ein­fach mal an­hö­ren und schlucken: Wie kann man so dumm und hu­mor­los sein zu glau­ben, ich hät­te den ech­ten Hand­ke auf mei­ner klei­nen Bild-Re­por­ta­ge ab­ge­lich­tet? Das wa­ren zwei, oder drei Jah­re al­te Han­dy­fo­tos, ich woll­te schon lan­ge Mal ei­ne klei­ne Re­por­ta­ge »Auf den Spu­ren von P.H.« ma­chen, völ­lig harm­los. Der Mann, den ich iro­nisch als Hand­ke be­zeich­ne, ist ein War­ten­der an der Bus­hal­te­stel­le in Cha­vil­le, der Hand­ke tat­säch­lich ja ein we­nig ähn­lich sieht!
    Nun sah ich ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit ei­ne klei­ne Bild­ge­schich­te zu er­zäh­len, um ein we­nig die Wo­gen im Ge­fol­ge des Schim­mel­busch-Tex­tes zu glät­ten. Ist ei­gent­lich auch ver­stan­den wor­den in den Kom­men­ta­ren. Nur von ih­nen halt nicht. Da sie nicht zum er­sten Mal ge­gen mich schie­ßen und of­fen­bar ei­ne Fi­xie­rung ha­ben: Bit­te su­chen Sie sich ei­nen an­de­ren. Dan­ke!

  8. Lie­ber An­ge­le, Sie ha­ben recht, der Au­tor heisst Alex­an­der Schim­mel­busch. Ich ha­be es auch so­fort ge­än­dert. Mea cul­pa.

    Wie kom­men sie dar­auf, dass ich es auf Sie ab­ge­se­hen ha­be? Das ist Un­sinn. Sie sind zum er­sten Mal Ge­gen­stand in ei­nem Blog-Bei­trag von mir. Und jetzt? Was sagt das aus?

  9. Kommt da­von, wenn man sei­nen Klar­na­men und sei­nen Blog­ger­na­men nicht mehr un­ter ei­nen Hut kriegt. Das hier ha­ben Sie doch ge­schrie­ben:

    http://web.archive.org/web/20140930092248/http://medienwoche.ch/2011/12/05/sensationen-und-krokodilstranen/

    »So et­wa Mi­cha­el An­ge­le vom «Frei­tag». Er konn­te es nicht aus­hal­ten und fik­tio­na­li­siert das En­de des In­ter­views mit dem Ab­bruch durch Gut­ten­berg. Ein ty­pi­scher Aus­bruch ei­ner Sehn­sucht nach Kra­wall­jour­na­lis­mus. «

    Was die­ses klei­ne Stück mit »Kra­wall­jour­na­lis­mus« zu tun hat, er­schließt sich mir nun wirk­lich nicht:

    http://www.freitag.de/kultur/1148-medientagebuch

  10. Ach Herr An­ge­le. Glau­ben Sie sind so wich­tig, dass Sie mich in­di­rekt des Stal­kings be­zich­ti­gen kön­nen? Wie lä­cher­lich ist das denn? Da kommt bei mir ja noch mehr Mit­leid auf.

    Ich las halt den »Frei­tag« ge­le­gent­lich. Das mag falsch sein oder für Sie stö­rend, weil sich je­der – auch Sie – lie­ber mit Schul­ter­klop­fern um­gibt. Ich kann nichts 100% ver­spre­chen, aber ich wer­de mein Be­stes tun, Sie und das Blätt­chen (das frü­her ein Blatt war) zu igno­rie­ren.

  11. Lie­ber Herr Struck, das hat mit Stal­king nichts zu tun. Das will ich Ih­nen auch nicht vor­wer­fen. Mich wun­dert ein­fach nur, dass sie ge­gen mich ge­schos­sen ha­ben in ei­ner Sa­che, die nicht nur ich nicht ganz nach­voll­zieh­bar fin­de. Aber nicht so wild. Et­was un­an­ge­neh­mer fin­de ich al­ler­dings, dass Sie in­di­rekt aus ei­ner pri­va­ten Mail von mir an den Ver­le­ger Mü­ry zi­tie­ren und dann schrei­ben:

    »Der Te­nor der An­ge­le-Stel­lung­nah­me wur­de mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung aus ei­ner Mail von And­res Mü­ry an mich zi­tiert.«

    Von mir ha­ben sie die­se Ge­neh­mi­gung je­den­falls nicht. Hat schon mal ei­ner ge­macht, Herr Roth­schild, der auch mein­te, beim FREITAG gin­ge al­les denn Bach run­ter, und er ha­be des­halb nicht nur das Recht, son­dern auch die Pflicht, Per­sön­lich­kei­tes­rech­te zu ver­let­zen und zi­tiert al­so aus ei­ner pri­va­ten Mail (al­ler­dings we­nig­stens an ihn selbst). Ir­gend­wie et­was ja­ko­bi­nisch, fin­de ich.

    Aber nun gut, »Mit­leid« brau­chen Sie nicht zu ha­ben, das ist auch so ein we­nig ver­rutscht ind der Aus­sa­ge, denn Sie grei­fen mich ja an, und ha­ben dann Mit­leid, dass ich der An­ge­grif­fe­ne bin. Was soll das denn? Ich fän­de al­so bes­ser, sie wür­den mich ein­fach nur igo­rie­ren. Da­mit kann ich dann gut le­ben. Und sie hof­fent­lich auch. Al­les Gu­te!

  12. Lie­ber Herr An­ge­le, noch ein­mal: We­der der »Frei­tag« noch Sie »in­ter­es­sie­ren« mich als Or­gan bzw. Per­son. Es geht mir um das Prin­zip und hier­für ha­be ich zwei Bei­spie­le ge­fun­den. Ähn­li­che For­men von Kra­wall­jour­na­lis­mus gibt es über­all. Mit ein biss­chen Mü­he hät­ten Sie fest­ge­stellt, dass ich hier im Blog et­li­che an­de­re Bei­spie­le da­für the­ma­ti­siert hat­te (»FAZ«, »Spie­gel«, »ta­ges­schau«). Ich bin der Mei­nung, dass man das darf. Was ich nicht ver­ste­he so ganz ver­ste­he: war­um sich Jour­na­li­sten da­bei sel­ber für un­an­tast­bar hal­ten.

    Bzgl. des Zi­ta­tes: Ich hat­te aus ei­ner Mail von Herrn Mü­ry an mich zi­tiert. In die­ser Mail teil­te er mir den Te­nor Ih­rer Aus­sa­gen mit; den ge­nau­en In­halt schick­te er mir nicht.

  13. Er hat ih­nen den In­halt re­la­tiv ge­nau mit­ge­teilt. Sor­ry, das wird mir nun zu blöd. Und: Mei­ne Hand­ke-Bild-Ge­schich­te oder die klei­ne Sa­ti­re auf das Gut­ten­berg-di-Lo­ren­zo-In­ter­view ha­ben mit »Kra­wall­jour­na­lis­mus« m.E. ein­fach nichts zu tun. Aber Sie sind da ja der Ex­per­te. Auf ein an­der­mal.