Der Er­fin­der des ana­lo­gen Dau­ers­hitstorms

Zu Axel Cä­sar Sprin­ger wur­de ei­ni­ges ge­schrie­ben, ge­sagt und ge­filmt. Schließ­lich fei­ert man sei­nen 100. Ge­burts­tag. Zwar wür­den ei­nem bei nä­he­rem Nach­den­ken meh­re­re Per­sön­lich­kei­ten ein­fal­len, de­ren Ge­burts­tag zu fei­ern at­trak­ti­ver wä­re (Wer­ner Finck, Gott­fried Benn, No­va­lis) – aber der 2. Mai 2012 ist nun zum Axel-Sprin­ger-Ge­dächt­nis­tag aus­ge­ru­fen wor­den. Ich neh­me, dass der/die In­ter­es­sier­te al­les not­we­ni­ge aus dem Bio­gra­phied­schun­gel Sprin­gers her­aus­ge­fischt hat. Die Wel­le wird in ei­nem klei­nen Nach-Tsu­na­mi En­de Ju­ni noch ein­mal zu­rück­kom­men: Dann wird der 60. Ge­burts­tag der BILD ge­fei­ert.

Sprin­ger war al­so 40, als er den ana­lo­gen Dau­er-Shitstorm BILD er­fand und in die deut­sche Me­di­en­land­schaft press­te. Da­bei gab es die so­ge­nann­ten Bou­le­vard-Zei­tun­gen in Eu­ro­pa schon Jahr­zehn­te vor­her. Sie wa­ren mit­nich­ten Sprin­gers Er­fin­dung. Wenn über­haupt, so woll­te Sprin­ger den me­dia­len Re­duk­tio­nis­mus auf das nicht ge­schrie­be­ne Wort be­för­dern. In der Wirt­schafts­wun­der­zeit hat­te man we­nig Mu­ße lan­ge Ar­ti­kel zu le­sen. Hier­in liegt ei­ne ge­wis­se Lei­stung: Man kon­zi­pier­te ein Blatt, an dem be­reits der Na­me Pro­gramm war. Das al­les ge­schah zu­nächst voll­kom­men un­po­li­tisch: Ei­ne pho­to­gra­phier­te, täg­lich er­schei­nen­de Gar­ten­lau­be mit Klatsch und Tratsch.

Erst En­de der 50er Jah­re än­der­te sich dies. Sprin­ger war in ei­ner selt­sa­men Mi­schung aus Ego­ma­nie, Nai­vi­tät und christ­li­chem Sen­dungs­be­wusst­sein nach Mos­kau ge­fah­ren und woll­te dem dort am­tie­ren­den Re­gie­rungs­chef Chruscht­schow sei­nen Plan zur Wieder­ver­einigung Deutsch­lands prä­sen­tie­ren. Die­ser zeig­te we­nig In­ter­es­se – man er­in­ne­re sich: der Kal­te Krieg war be­reits in vol­ler Blü­te. Es gab ei­ne kur­ze Au­di­enz, mehr nicht. Die­se Krän­kung hat Sprin­ger wohl sein gan­zes Le­ben nicht über­wun­den. Er ver­ord­ne­te BILD ei­nen stren­gen an­ti­kom­mu­ni­sti­schen Kurs. Ade­nau­ers Zö­gern beim Mau­er­bau 1961 (der Al­te woll­te den Welt­frie­den nicht für Ber­lin ris­kie­ren) be­för­der­te Sprin­gers pa­ra­noi­den Kom­mu­ni­sten­hass. Man hät­te ihn sich gut bei Mc­Car­thy vor­stel­len kön­nen, der bis 1956 in den USA ver­meint­li­che Kom­mu­ni­sten vor (s)ein Tri­bu­nal zerr­te. Da­bei rann­te Sprin­ger in Deutsch­land noch halb­of­fe­ne Tü­ren ein: Die Go­eb­bels-Pro­­­pa­gan­da war noch in al­ler Ohr. Sprin­ger hat­te nur die ras­si­sti­schen Tö­ne un­ter­drückt. Das Feind­bild blieb; BILD be­gann das nie­mals ganz ver­dorr­te Pflänz­chen wei­ter zu gie­ßen.

Im­mer wie­der wird Axel Sprin­ger als »Vi­sio­när« be­zeich­net, was die deut­sche Ein­heit an­geht. Nichts ist fal­scher als das. Sprin­gers Geg­ner­schaft zur Ost­po­li­tik von Egon Bahr und Wil­ly Brandt zu Zei­ten der so­zi­al­li­be­ra­len Ko­ali­ti­on zeigt, dass er die In­ten­ti­on die­ser Po­li­tik nicht ver­stan­den hat­te. Da­mit war er üb­ri­gens in gu­ter, lin­ker Ge­sell­schaft. De­ren Ah­nungs­lo­sig­keit zeig­te sich al­ler­dings erst 1989/90. Sprin­ger hat­te von stra­te­gi­schen Po­li­tik­ent­wür­fen kei­ne Ah­nung. Die For­mel »Wan­del durch An­nä­he­rung« in­ter­pre­tier­te er als ein Ge­mein­ma­chen, ja als An­pas­sungs­pro­zess der de­mo­kra­ti­schen Bun­des­re­pu­blik mit den un­ter­drücke­ri­schen Re­gi­men des »Ost­blocks«. Nichts war fal­scher als dies: Die Ak­zep­tanz von zwei deut­schen Staa­ten war ei­ne vor­über­ge­hen­de Maß­nah­me. Brandt/Bahr hat­ten das Ziel nie aus den Au­gen ver­lo­ren. Sprin­ger da­ge­gen ver­trat ei­nen »Hau-drauf«-Stil, den er sich viel­leicht in sei­ner Rol­le als Ver­le­ger er­lau­ben konn­te. In po­li­ti­schen Zu­sam­men­hän­gen konn­te er nicht den­ken.

Das wä­re nicht wei­ter schlimm ge­we­sen, wenn nicht die pu­bli­zi­sti­sche Macht sei­nes Im­pe­ri­ums (und ins­be­son­de­re der BILD) der­art groß ge­wor­den wä­re. BILD war seit An­fang der 60er Jah­re ein po­li­ti­sches Kampf­blatt ge­wor­den. Bis heu­te wähnt man sich dort, für das »Volk« zu spre­chen. Sprin­ger hat – mehr als man heu­te be­reit ist zu­zu­ge­ben – da­zu bei­getra­gen, dass die »Mei­nung« zur sa­tis­fak­ti­ons­fä­hi­gen Wäh­rung wur­de. Es ist von er­bärm­li­cher Of­fen­heit, wenn Ed­mund Stoi­ber die BILD-Zei­tung als ein Stück di­rek­ter De­mo­kra­tie be­zeich­net. Aus die­sem Satz spricht ei­ne fast un­ge­heu­er­li­che Ver­ach­tung für all die­je­ni­gen, die sich be­wusst dem Ein­fluss die­ses sim­pli­fi­zie­ren­den, al­les po­li­ti­sche tri­via­li­sie­ren­den Blat­tes durch Igno­ranz ent­zie­hen. Denn man darf nicht ver­ges­sen: Selbst wenn die op­ti­mi­sti­schen Zah­len des Sprin­ger-Ver­lags stim­men, er­reicht selbst die BILD-Zei­tung nur ei­ne Min­der­heit. Aber Stoi­ber ist mit die­sem vor­aus­ei­len­den Ge­hor­sam der Ak­zep­tanz des Sprach­rohrs BILD als »Bür­ger­zei­tung« nicht al­lei­ne. Le­gen­där das Schrö­der-Wort von »BILD, BamS und Glot­ze« als die ein­zi­ge In­gre­di­en­zi­en, die er zur Po­li­tik brau­che.

Sprin­ger zeigt: Es ist es nicht gut, wenn Jour­na­li­sten ih­re pu­bli­zi­sti­schen Pri­vi­le­gi­en da­zu ein­set­zen, Po­li­tik zu be­trei­ben. Selbst se­riö­se Jour­na­li­sten ge­rie­ren sich zu­wei­len als »Vier­te Ge­walt«. Ei­ne ge­fähr­li­che An­ma­ßung, denn un­ter dem Schutz der grund­ge­setz­lich ge­schütz­ten Pres­se­frei­heit sind dann eben auch Pro­pa­gan­da, Un­wahr­hei­ten und ver­bo­ge­ne Fak­ten zu­nächst Tür und Tor ge­öff­net.

Es gibt fast un­zäh­li­ge Bü­cher zum Ver­hält­nis der 68er (die ja ei­gent­lich 67er sind) und Sprin­ger. Fest steht: Die Schüs­se auf Oh­nes­org hat­te Sprin­ger nicht zu ver­ant­wor­ten, son­dern – wenn es denn so stimmt, was man weiss – schoss die Staats­si­cher­heit mit. Beim An­schlag auf Ru­di Dutsch­ke sieht die La­ge an­ders aus. (In­ter­es­sant am Ran­de, dass vie­le von den­je­ni­gen, die be­haup­ten Ego-shoo­ter-Spie­le hät­ten kei­ner­lei Ein­fluss auf die Spie­len­den im »re­al li­fe« am lau­te­sten ru­fen, wenn es um die Ver­ant­wor­tung Sprin­gers un­ter an­de­rem in die­ser Sa­che geht.) Sprin­ger hat die 68er-Be­we­gung und die suk­zes­si­ve Durch­drin­gung der deut­schen Ge­sell­schaft mit de­ren Ge­dan­ken­gut (spä­ter dann de­ren »Marsch durch die In­sti­tu­tio­nen«) auf das Schärf­ste be­kämpft. Ver­hin­dert wur­den die­se Ent­wick­lun­gen nicht. Und das, ob­wohl BILD et.al. in den 70er und 80er Jah­ren ei­ne noch po­ten­te­re Macht wa­ren als heu­te. Es wä­re höchst in­ter­es­sant, wenn man die Kam­pa­gnen, die BILD in die­ser Zeit los­ge­sto­ßen hat­te, ent­spre­chend ana­ly­sie­ren wür­de: Wel­che ha­ben ge­zün­det? Wel­che nicht und war­um?

Ich be­haup­te, dass BILD heu­te nicht mehr der­art beim Pu­bli­kum ver­fängt wie zu ih­ren Hoch­zei­ten. Die Leu­te sind skep­ti­scher ge­wor­den. Selbst ein BILD-Le­ser glaubt nicht mehr al­les, was im Blatt steht. BILD funk­tio­niert eher wie mo­der­ne Wer­bung: Ent­schei­dend ist, was dann doch ir­gend­wo haf­ten bleibt. Die Ge­fahr liegt nicht mehr un­be­dingt in den bil­li­gen Über­schrif­ten, den drei­sten Lü­gen über Pro­mis oder dem geist­lo­sen Ge­schreib­sel ei­nes Herrn Wag­ner. Hier­zu gibt es in­zwi­schen Re­gu­la­ti­ve (nicht zu­letzt den BILD­blog). Gefähr­lich ist die suk­zes­si­ve In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung von BILD, die mit gro­ßem stra­te­gi­schem Ge­schick von Kai Diek­mann be­trie­ben wird. Ei­nen Vor­ge­schmack be­kam man in der Af­fä­re um den An­ruf des da­ma­li­gen Bun­des­prä­si­den­ten Wulff auf Diek­manns Mail­box. BILD war­te­te Wo­chen ab, um den Text dann scheib­chen­wei­se an FAZ, SZ und Spie­gel zu lan­cie­ren. Ge­nau­es wuss­ten die Re­dak­teu­re auch nicht; sie wa­ren auf BILD an­ge­wie­sen. Der Bri­sanz we­gen über­nah­men sie kri­tik- und re­cher­che­los die Do­sen, die ih­nen verab­reicht wur­den. Ich wer­de so schnell nicht ver­ges­sen, wie der Spie­gel-Chef­re­dak­teur in ei­ner TV-Talk­show saß und ein BILD-Mann ihm die Rich­tig­keit des­sen be­stä­tig­te, was im Spie­gel zi­tiert wur­de. Der Coup, der, Sprin­gers Dik­ti­on ein­mal pa­ra­phra­sie­rend, als Sünden­fall an­ge­se­hen wer­den muss, zeig­te: BILD ist »an­ge­kom­men«. Selbst se­riö­se Me­di­en las­sen sich in­zwi­schen be­reit­wil­lig vor ih­ren Kar­ren span­nen, wenn sie sel­ber hier­aus Vor­tei­le zie­hen. BILD gilt auf ein­mal als Speer­spit­ze der Pres­se­frei­heit. Ein Pa­ra­do­xon und ei­ne Per­ver­si­on von »Wan­del durch An­nä­he­rung«.

Axel Sprin­ger wä­re ver­mut­lich stolz auf Kai Diek­mann ge­we­sen. Zwei »sei­ner« Jour­na­li­sten kön­nen so­gar ei­nen Hen­ri-Nan­nen-Preis ge­win­nen – der ul­ti­ma­ti­ve Rit­ter­schlag in der Zunft. Was da­zu wohl all die BILD-Op­fer sa­gen, die in den letz­ten Jahr­zehn­ten von die­sem Or­gan de­nun­ziert und ge­de­mü­tigt wur­den?

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  1. Gu­ter Bei­trag. Aber das hier geht doch to­tal am The­ma vor­bei:
    »In­ter­es­sant am Ran­de, dass vie­le von den­je­ni­gen, die be­haup­ten Ego-shoo­ter-Spie­le hät­ten kei­ner­lei Ein­fluss auf die Spie­len­den im »re­al li­fe« am lau­te­sten ru­fen, wenn es um die Ver­ant­wor­tung Sprin­gers un­ter an­de­rem in die­ser Sa­che geht.«
    Hat denn Herr Bach­mann ein Ego-Shoo­ter-Spiel ge­spielt? So­weit mir be­kannt ist, war das nicht der Fall. Herr Bach­mann hat sich mit rech­tem Ge­dan­ken­gut be­schäf­tigt, sei­ne Waf­fen und Schuss­kün­ste in rechts­ra­di­ka­len Krei­sen er­wor­ben. Wa­ren die bis­he­ri­gen Amok­läu­fer, die in Ver­bin­dung mit Ego-Shoo­tern ge­bracht wer­den, durch die rech­te Sze­ne zu ih­ren Ta­ten an­ge­sta­chelt? Auch das ist mir nicht be­kannt.

    War­um stel­len Sie al­so die­sen Zu­sam­men­hang her? Ei­ne Ge­mein­sam­keit al­ler Amok­läu­fer der neue­ren Zeit ist üb­ri­gens nicht, dass sie Ego-Shoo­ter ge­spielt ha­ben, son­dern er­stens der Zu­gang zu Waf­fen und zwei­tens man­geln­de In­tel­li­genz und so­zia­le Kom­pe­tenz. Wie vie­le Ego-Shoo­ter Spie­ler ha­ben in die­sen Spie­len schon mit ei­ner M4 oder M16 ge­schos­sen und könn­ten die­se in der Rea­li­tät nicht ein­mal la­den und ent­si­chern.

    Ich bin nun wahr­lich kein Be­für­wor­ter die­ser Spie­le, im Ge­gen­teil. Aber wer ver­sucht die wah­ren Hin­ter­grün­de der Amok-Läu­fer durch den Hin­weis auf Ego-Shoo­ter zu ver­harm­lo­sen, macht sich an zu­künf­ti­gen Amok-Ta­ten mit­schul­dig.

    Und noch­mal zum ei­gent­li­chen The­ma: si­cher­lich hat Sprin­ger zum Auf­hei­zen der Stim­mung ge­gen bspw. Herrn Dutsch­ke bei­getra­gen. Die in­di­vi­du­el­len Hin­ter- und Be­weg­grün­de der Tat von Herrn Bach­mann aber da­mit über­decken zu wol­len, hal­te ich für sehr ge­fähr­lich.

    Tim

  2. Es geht mir gar nicht um den zi­tier­ten Fall, son­dern um die grund­sätz­lich im­mer wie­der auf­tau­chen­de Ar­gu­men­ta­ti­on über die Be­ein­fluss­bar­keit durch Me­di­en ge­ne­rell. Ent­schei­den wird dies meist nach Be­darf: Passt es in den Kram, wird ei­ne Be­ein­flus­sung un­ter­stellt – passt es nicht, wird sie ne­giert. Da­bei kann das we­der ver­all­ge­mei­nert noch voll­stän­dig ne­giert wer­den. (Im üb­ri­gen: Wo re­de ich von Amok­läu­fen?)

  3. Wo­bei der Ver­gleich den­noch hinkt: schließ­lich wur­de Sprin­ger ja nach den Schüs­sen auf Dutsch­ke vor­ge­wor­fen, dem Tä­ter so­zu­sa­gen bei der Mo­tiv­fin­dung ge­hol­fen zu ha­ben – und zwar durch het­ze­ri­sche Be­richt­erstat­tung, al­so auf der in­halt­li­chen Ebe­ne. In der Dis­kus­si­on um so­ge­nann­te Kil­ler­spie­le lau­tet der Vor­wurf in der Re­gel, die­se wür­den ganz all­ge­mein, qua­si durch Ein­übung, die Ge­walt­be­reit­schaft der Spie­le­rIn­nen er­hö­hen – ganz un­ab­hän­gig vom kon­kre­ten In­halt der Spie­le (der ja i.d.R. eben kei­nen Be­zug zu po­li­ti­schen oder ge­sell­schaft­li­chen Zu­stän­den her­stellt). Aber nun ge­nug da­von, an­son­sten Hut ab vor ei­nem sehr poin­tier­ten Ar­ti­kel.

  4. Die Het­ze da­mals, vor et­wa 45 Jah­ren, durch die Ber­li­ner Pres­se (mehr noch durch Sprin­gers B.Z. & Mor­gen­post & WELT als durch BILD; letz­te­re war in Ber­lin gar nicht so groß) war wirk­lich schreck­lich. Ich hat­te das da­mals als »Twen« al­les ge­sam­melt, die Het­ze und auch die klei­nen Zei­tun­gen (»883«, Ex­tra­di­enst, u.v.a.) und Flug­blät­ter ge­gen Sprin­ger – ha­be aber lei­der beim Um­zug 1999 al­les weg­ge­wor­fen, nie­mand (den ich ken­ne) woll­te das vie­le al­te be­druck­te Pa­pier ha­ben.
    Um­so mehr er­staun­te mich der kürz­lich von Sprin­ger ge­star­te­te Ver­such der Rein­wa­schung à la »wir wa­ren 1968 gar nicht so schlimm wie’s heu­te dar­ge­stellt wird«. Doch, sie wa­ren. Be­son­ders Sprin­gers B.Z.
    Sie ha­ben ge­hetzt ge­gen »Gamm­ler«, Stu­den­ten, Lang­haa­ri­ge, Lin­ke, »Kom­mu­ni­sten« (»Geht doch rü­ber!«) und die mei­sten Ber­li­ner Bür­ger ha­bens mit­ge­macht. Die Na­zi­pro­ga­gan­da vom »rus­si­schen Un­ter­men­schen« war wohl tat­säch­lich noch in vie­len Köp­fen; die mei­sten Äl­te­ren er­in­ner­ten sich ja noch und wur­den bis ’45 ja in die­ser Form »er­zo­gen«. Sie kannten’s nicht an­ders und Sprin­ger (& CDU) nutz­ten voll die­se noch beim Pu­bli­kum vor­han­de­ne an­ti­kom­mu­ni­sti­sche Welt­sicht, die ja von Ade­nau­er (und den Amis) wei­ter ge­pflegt wur­de.
    Schon zu­vor, als Schü­ler in den Fif­ties, ha­ben ein Freund und ich Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al (von Ost wie von West, klei­ne Heft­chen, Flug­blät­ter) ge­sam­melt und ich er­in­ne­re mich, wie wir Stepp­kes uns mal dar­über na­iv un­ter­hiel­ten und mein­ten: Das wird spä­ter si­cher mal sehr wich­tig und auch ul­kig zu le­sen sein. Na­tür­lich ist das al­les längst weg, ver­ges­sen, denn man hat­te kurz dar­auf als Pu­ber­tie­ren­der oder Be­rufs­an­fän­ger ganz an­de­re Sor­gen und In­ter­es­sen. Zum Bei­spiel in der Jazz­knei­pe am Thresen den Bier­zap­fer ver­tre­ten, weil der zum Sprin­ger­hoch­haus ging um dort ak­tiv die Aus­lie­fe­rung zu stop­pen... Welch Ge­joh­le und Be­säuf­nis, als er sieg­reich wie­der­kam.
    .
    Ja, ja, Opa er­zählt vom Krieg. Ich weiß....

  5. Der ei­gent­lich recht au­gen­fäl­li­ge Un­ter­schied ist, dass Bild so tut, als ob sie ei­ne Zei­tung ist, al­so Fak­ten zu Ge­schich­ten ver­ar­bei­tet. Vi­deo­spie­le hin­ge­gen sind Spie­le, wel­che sich da­durch aus­zeich­nen, dass in­ner­halb ih­res ei­ge­nen Sy­stems Re­geln gel­ten, die nicht auf das Le­ben über­trag­bar sind. Die Fä­hig­keit, die­sen Un­ter­schied zu er­ken­nen, nennt man Rah­mungs­kom­pe­tenz. Dass die Bild­le­ser in­zwi­schen mer­ken, dass Bild nicht zu den rich­ti­gen Zei­tun­gen ge­hört, wie sie ar­gu­men­tie­ren, be­weist, dass sie Rah­mungs­kom­pe­tenz ent­wickeln: Nicht al­les, was in Bild steht, darf ernst ge­nom­men wer­den. Nicht je­der Ju­gend­li­che mag rah­mungs­kom­pe­tent sein, wes­we­gen Egos­hoo­ter im Ge­gen­satz zu Bild i.d.R. ab 18 sind.

    An­son­sten, da kann ich den Vor­red­nern bei­pflich­ten, ein ge­lun­ge­ner Ar­ti­kel. Das Ver­hal­ten der ver­meint­lich se­riö­sen Zei­tun­gen in der Wulff-Af­fä­re ist hoch­not­pein­lich. Diek­manns wil­de­ste Träu­me sind da wohl in Er­fül­lung ge­gan­gen.

    Zwei Din­ge wür­de ich noch an­mer­ken:

    Wie­so ha­ben sie den Drang ver­spürt, die Vi­deo­spiel­de­bat­te in die­sen the­ma­tisch an­son­sten ganz an­ders ge­la­ger­ten Ar­ti­kel an­zu­spre­chen? Bzw. wie­so muss­ten sie, um auf die von Ih­nen an­ge­bo­te­ne Stoss­rich­tung ein­zu­ge­hen, ein­brin­gen, dass sich Lin­ke ih­rer Mei­nung nach ih­re Ideo­lo­gie je nach The­ma zu­recht­le­gen? Mit die­sem Ver­weis, der ja an­deu­ten soll, dass die Lin­ke we­der in Sa­chen Sprin­ger noch in Sa­chen Egos­hoo­ter rich­tig lie­gen kann, weil sie ih­rer Mei­nung nach da ja un­ter­schied­li­che Po­si­tio­nen­ver­tre­ten ver­tre­ten, pau­scha­li­sie­ren sie wie Bild auch.
    In­ter­es­sant ist in die­sem Zu­sam­men­hang fol­gen­der Ar­ti­kel:

    Schrö­ders Kom­men­tar kann man auch als zy­ni­sche Be­schrei­bung der Rea­li­tät aus sei­ner Sicht le­sen, nicht wie bei Stoi­ber als de­mü­ti­ge An­er­ken­nung der Macht von Bild.

  6. @Thankmar
    So­weit kommt es noch, dass man sich für ein­zel­ne Sät­ze recht­fer­ti­gen muss.

    Das al­les hat mit »links« und »rechts« oder gar mit ei­ner »Vi­deo­spiel­de­bat­te« rein gar nichts zu tun. Grund­sätz­lich geht es dar­um, ob Men­schen Ein­flüs­sen durch Me­di­en un­ter­lie­gen oder nicht. Oft ge­nug sind die­se Wir­kun­gen ja be­ab­sich­tigt. Die Un­ter­hal­tungs­in­du­strie lebt da­von. Die Wer­bung auch. Und nicht um­sonst spricht man bei der in­ten­si­ven Dar­stel­lung von Frei­to­den in (fik­tio­na­len) Fil­men oder so­gar in Nach­rich­ten (En­ke) vom »Wert­her-Ef­fekt«.

    Wer denn sagt, Sprin­ger ha­be bei Dutsch­ke mit­ge­schos­sen muss kon­sta­tie­ren, dass an­de­re Me­di­en ggf. zu ähn­li­chen bzw. äqui­va­len­ten Ta­ten in­spi­rie­ren kön­nen. Wer heu­te noch (im­mer noch) sagt, BILD et. al. sei­en »Hetz­blät­ter« ge­we­sen, ge­steht die­sen Er­zeug­nis­sen ei­ne ge­wis­se Wir­kung zu. (Ich tei­le die­se Ein­schät­zung üb­ri­gens.) Es geht nicht dar­um, dass nach der Lek­tü­re von BILD 500 Leu­te Mord­plä­ne ge­gen Dutsch­ke ge­schmie­det hat­ten oder nur drei. Ei­ner hat eben ge­reicht. Dass die­ser von der Sprin­ger­pres­se in­spi­riert wur­de, hat­te er ja sel­ber zu­ge­ge­ben.

    Es ist nicht zu leug­nen, dass an­de­re Me­di­en Re­ak­tio­nen her­vor­ru­fen, die na­tur­ge­mäß nicht ge­wollt sind. Wer das rund­her­um be­strei­tet bzw. für »sein« Me­di­um ei­ne Son­der­stel­lung be­an­sprucht , ist ent­we­der na­iv oder ver­blen­det.

    Was Sie zu Schrö­ders Kom­men­tar sa­gen, ist ei­ne Mög­lich­keit der In­ter­pre­ta­ti­on. In­zwi­schen glau­be ich dar­an nicht mehr – ich fürch­te, dass war voll­kom­men ernst ge­meint.

  7. @ Gre­gor Keu­sch­nig

    Noch ein­mal: Ich fin­den den Ar­ti­kel in sei­ner Ge­samt­aus­sa­ge ge­lun­gen und zu­tref­fend. Aber der ent­schei­den­de Punkt ist, dass der Satz im Text ein sol­cher Fremd­kör­per ist, dass er ei­nem so­fort auf­fällt und vor al­lem, wie man sieht, vom ei­gent­li­chen Ar­ti­kel ab­lenkt.

    Zu ih­rer Ant­wort:

    Er­stens:
    Sie sub­sum­mie­ren al­les un­ter Me­di­en, Fik­tio­na­les und Nicht­fik­tio­na­les. Das hal­te ich hin­sicht­lich der Wir­kung für ei­ne ent­schei­den­de Pau­scha­li­sie­rung, zu der ich be­reits al­les nö­ti­ge ge­schrie­ben ha­be.

    Zwei­tens:
    »Lin­ke« steht nicht im Ar­ti­kel, aber Sie un­ter­stel­len, dass die, »die am lau­te­sten ru­fen, wenn es um die Ver­ant­wor­tung Sprin­gers un­ter an­de­rem in die­ser Sa­che geht« die­je­ni­gen wä­ren, die bei Ego-Shoo­tern Wir­kun­gen ver­nei­nen. Bei­des kei­ne Po­si­tio­nen von, sa­gen wir mal, wert­kon­ser­va­ti­ven Men­schen. Son­dern den an­de­ren. Den Zu­sam­men­hang stel­len sie durch ih­re For­mu­lie­rung her. Das wä­re, wenn es nur um die Wirk­sam­keit ge­hen wür­de, nicht nö­tig ge­we­sen.

    Drit­tens:
    muss ich mich in­so­fern ent­schul­di­gen, als dass ich ihr Ar­gu­ment re­flex­ar­tig en­ger ge­dacht ha­be, als sie es ge­meint ha­ben.
    Me­di­en, auch Vi­deo­spie­le wir­ken, na­tür­lich. Ernst­zu­neh­men­de Kri­ti­ker der Ge­ne­ral­ver­dam­mung von Vi­deo­spie­len wer­den das nicht ab­strei­ten. Die Fra­ge ist, wie sie wir­ken und wie mit der Wir­kung um­ge­gan­gen wird. Ge­ne­rel­le Aus­sa­gen über die Wir­kun­gen von Me­di­en kön­nen nach mei­ner Über­zeu­gung nicht ge­macht wer­den kön­nen, son­dern im­mer nur in­di­vi­du­el­le. (s. Rah­mungs­kom­pe­tenz)

  8. @Thankmar
    Me­di­en wir­ken je längst un­ab­hän­gig ih­res je­wei­li­gen Rea­li­täts­ge­halts. Ob sich Wert­her nun in ei­nem Ro­man um­bringt oder En­ke in der Rea­li­tät – die Wir­kun­gen, die er­zeugt wer­den kön­nen, sind ähn­lich bzw. gleich. Ein­zig der Stem­pel der Au­then­ti­zi­tät mag im ein oder an­de­ren Fall die ent­spre­chen­de Wir­kung noch zu be­schleu­ni­gen. Längst ist aber die star­re Tren­nung zwi­schen Fik­ti­on und Rea­li­tät wenn nicht auf­ge­ho­ben, so doch weit­ge­hend durch­läs­sig (zum Teil ab­sichts­voll, wie bspw. in so­ge­nann­ten »Do­ku-Dra­men«).

    Me­di­en wir­ken – ob BILD, Vi­deo­spie­le, Spen­den­ga­la, Pres­se­fo­to oder Wahl­kampf­spot. Da­mit mei­ne ich nicht die evtl. be­ab­sich­tig­ten In­ten­tio­nen, die ja bspw. bei der Spen­den­ga­la oder dem Wahl­kampf­spot ein­deu­tig zu de­fi­nie­ren und auch zu durch­schau­en sind. Ver­fech­ter von Vi­deo­spie­len ver­tre­ten ja die The­se, dass die Spie­le­rei aus­schließ­lich der Un­ter­hal­tung dient und da­nach wie­der zum »nor­ma­len« Le­ben über­ge­gan­gen wird. Die­se Wir­kungs­lo­sig­keit per se be­strei­te ich – üb­ri­gens nicht nur bei Vi­deo­spie­len, son­dern auch bei BILD, be­stimm­ten Pro­pa­gan­da­wer­ken oder auch ein­fach nur sug­ge­stiv ge­mach­ten Fil­men. Die ei­gent­lich tri­vi­al in­sze­nier­te Se­rie »Ho­lo­caust«, die in den 70er Jah­ren in Deutsch­land ge­zeigt wur­de und ei­ne Fa­mi­lie und de­ren Lei­den in Na­zi­deutsch­land zeig­te, hat mehr Leu­te für die The­ma­tik des in­du­stri­el­len Ju­den­mor­des sen­si­bi­li­siert als ‑zig Bü­cher und Lehr­fil­me vor­her. Was der­art po­si­ti­ve Fol­gen ha­ben kann, kann na­tür­lich auch »miss­braucht« wer­den.

    Es ist ein be­lieb­tes Vor­ge­hen je nach Ge­sin­nung die Ver­ant­wor­tung für Wir­kung durch me­dia­le Pro­zes­se dem In­di­vi­du­um al­lei­ne zu­zu­wei­sen. (De ju­re stimmt das na­tür­lich und ich bin auch da­ge­gen, im­mer an­de­ren, »der Kind­heit« oder bö­sen Mit­schü­lern die Schuld zu­zu­wei­sen.) Das mein­te ich mit dem – zu­ge­ge­ben holz­schnitt­ar­ti­gen – Duk­tus des »Lin­ken«. Sprin­ger hat dann auf Dutsch­ke ge­schos­sen und ist ein Hetz­blatt – »Ram­bo« oder »Ein Mann sieht rot« aber sind tol­le Fil­me (ich grei­fe zur Über­trei­bung um die Sa­che in der ge­bo­te­nen Kür­ze deut­lich zu ma­chen [und be­haup­te nicht, dass Sie das ge­sagt ha­ben]) .

    Ist es nicht be­zeich­nend, dass bis auf ei­ne Aus­nah­me die an­de­ren Kom­men­ta­to­ren mei­nen Text mit ei­nem »Ja, aber...« ver­se­hen ha­ben und auf den ei­nen Satz in Pa­ren­the­se re­kur­rier­ten? (Da­bei geht es nicht dar­um, dies zu kri­ti­sie­ren – es ist ei­ne Fest­stel­lung.) Das mag jetzt an der holp­ri­gen, viel­leicht über­fall­ar­ti­gen Po­si­ti­on die­ses Sat­zes lie­gen – das wä­re dann tat­säch­lich mein Feh­ler. Grund­sätz­lich aber woll­te ich auf ein Miss­ver­hält­nis von Ar­gu­men­ta­ti­on und ent­spre­chen­der Kon­se­quenz hin­wei­sen, wie es mir oft be­geg­net – ins­be­son­de­re wenn es um BILD geht. der Sprin­ger-pres­se wird nach wie vor viel zu­ge­traut – an­de­ren Me­di­en be­geg­net man sehr viel läs­si­ger, ja: nach­läs­si­ger. Das Ur­teil wird dem je­wei­li­gen Stand­punkt an­ge­passt. Ich fin­de das in­ter­es­sant und dan­ke für die bis­her ein­ge­gan­gen Kom­men­ta­re.

  9. Und noch ein „Ja, aber“ Kom­men­tar …

    Mei­ne Mei­nung zu BILD? Ich has­se die­ses in mei­nen Au­gen an­ti­de­mo­kra­ti­sche, rech­te, het­ze­ri­sche und lü­gen­de „Or­gan der Nie­der­tracht“ (Max Goldt).

    Ich fin­de den Ar­ti­kel ge­lun­gen. Sie fas­sen prä­zi­se zu­sam­men und lie­fern mir neue Denk­an­stö­ße. Viel­leicht ist es auch nur die in mir schlum­mern­de Hoff­nung, dass Sie recht ha­ben wenn Sie be­haup­ten „Die Leu­te sind skep­ti­scher ge­wor­den.“

    „Ist es nicht be­zeich­nend, dass bis auf ei­ne Aus­nah­me die an­de­ren Kom­men­ta­to­ren mei­nen Text mit ei­nem »Ja, aber…« ver­se­hen ha­ben und auf den ei­nen Satz in Pa­ren­the­se re­kur­rier­ten?“ Ja, na­tür­lich ist das Be­zeich­nend. Aber nur weil der Satz (in­halt­lich) ab­so­lut de­pla­ziert ist, so­dass er Ih­rem sonst sehr ge­lun­ge­nen Ar­ti­kel ei­nen Ma­kel ver­leiht. Nun ha­ben Sie ih­ren Ge­dan­ken­gang er­läu­tert, da­mit kann ich Le­ben und ich re­spek­tie­re Ih­re Mei­nung. Viel schwe­rer wiegt, dass Sie mei­ner Mei­nung nach Äp­fel mit Bir­nen ver­glei­chen.
    Auf der ei­nen Sei­te ste­hen die ge­walt­hal­ti­gen Vi­deo­spie­le, Fil­me, Bü­cher?, Co­mics?, Nach­rich­ten? durch de­ren Kon­sum man an­geb­lich ab­stumpft und Ge­walt­be­rei­ter wird (die Dis­kus­si­on hier­zu möch­te ich nicht auf­wär­men). Auf der an­de­ren Sei­te steht ei­ne „Zei­tung“, die di­rekt da­zu auf­ge­for­dert hat et­was ge­gen die Stu­den­ten zu un­ter­neh­men „Sie rief Ta­ge vor dem At­ten­tat zum „Er­grei­fen“ der „Rä­dels­füh­rer“ auf.[25]“ Ei­ne Auf­for­de­rung zu ei­ner rea­len Hand­lung. Ich ha­be schon ei­ni­ge Com­pu­ter­spie­le ge­spielt und noch in kei­nem ist mir die Auf­for­de­rung be­geg­net ich sol­le das, was ich im Spiel tue und „er­le­be“ auch auf die Rea­li­tät an­wen­den. Im Ge­gen­teil, bei vie­len liest man (teil­wei­se auch schein­hei­li­ge) Sät­ze wie „Don’t try this at home“. Nicht oh­ne Grund steht die An­stif­tung zu ei­ner Straf­tat in die­sem Land auch un­ter Stra­fe.

    „So­weit kommt es noch, dass man sich für ein­zel­ne Sät­ze recht­fer­ti­gen muss.“ Bit­te was? Na­tür­lich! Ok, viel­leicht ist recht­fer­ti­gen das fal­sche Wort; wie wärs mit er­klä­ren? Ge­sag­tes und ge­schrie­be­nes hat doch kei­nen Wert wenn man da­für nicht ein­steht oder ein­ste­hen kann. Dann ver­kom­men Sät­ze nur zu hoh­len Phra­sen und das möch­te ich Ih­nen bei Lei­be nicht un­ter­stel­len.

    Na­tür­lich wir­ken Me­di­en auf Men­schen, dass ist ih­re ele­men­tar­ste Grund­auf­ga­be. Wie ge­nau, nun dar­über kann man sich strei­ten. So ge­se­hen ist Ihr Ar­ti­kel gut ge­lun­gen. Dass sich die Le­ser mit Ih­rem Ar­ti­kel aus­ein­an­der­set­zen und Kom­men­tie­ren zeigt doch deut­lich sei­ne und Ih­re Wir­kung.

  10. @Hans
    Na­ja, Sie ha­ben Ih­re Af­fek­te ab­son­dern kön­nen. Wenn’s hilft. An­son­sten ha­be ich al­les zu dem The­ma ge­sagt.

    @Christian Him­ber­ger
    In den 70ern wur­de bis hin­ein in den links­in­tel­lek­tu­el­len Main­stream der Ge­walt­dis­kurs auch öf­fent­lich ge­führt (man den­ke an die Dis­kus­si­on um Ge­walt ge­gen Sa­chen als ei­ne Art »Zwi­schen­lö­sung«).

  11. »Ge­walt ge­gen Sa­chen« ist ein Kampf­be­griff aus der Law-and-Or­der-Frak­ti­on, mit dem sich Sach­be­schä­di­gung oder Van­da­lis­mus gleich viel ge­fähr­li­cher an­hö­ren.

  12. @hilti
    Es mag auch ein »Kampf­be­griff« (ge­we­sen) sein. In der Ge­walt­for­schung spielt er aber durch­aus ei­ne Rol­le. Ne­ben­bei: »Law-and-Or­der-Frak­ti­on« ist eben­falls ein »Kampf­be­griff«.

  13. Schö­ner Ar­ti­kel. Die An­ek­do­te um Chruscht­schow war mir neu.

    Der Sei­ten­hieb auf Shoo­ter war für mich aber eben­falls nicht an­ge­bracht – schliess­lich un­ter­schei­den sich die­se Me­di­en grund­sätz­lich von­ein­an­der – noch viel mehr als die Bild Zei­tung sich von ei­nem Kri­mi­nal­ro­man un­ter­schei­det.

    Der ty­pi­sche GTA Spie­ler weiss durch­aus, dass die­ses Spiel nicht der Rea­li­tät ent­spricht und kann ab­schät­zen, was mit ihm pas­siert, wenn er ei­ne an­de­re Per­son aus de­ren Au­to zerrt und da­mit weg­fährt. Der ty­pi­sche Bild-Le­ser aber wird in­zwi­schen ei­nen rea­len Groll ge­gen Grie­chen­land ha­ben. Die Zei­tung selbst er­hebt den An­spruch, dass ih­re Ge­schicht­li der Rea­li­tät ent­spre­chen und im Ge­gen­satz zu Spie­len nicht nur der rei­nen Un­ter­hal­tung die­nen.

  14. @proforma + evtl. an­de­re
    Ich bit­te mei­ne Äu­ße­run­gen zu die­sem Ver­gleich in den Kom­men­ta­ren mit in evtl. ei­ge­ne Kom­men­ta­re mit ein­schlie­ßen zu las­sen. Ich ha­be kei­ne Lust, im­mer das Glei­che zu schrei­ben.

  15. Ich will in die Me­di­en­dis­kus­si­on nicht ein­stei­gen, aber mir fiel der Satz auch auf. Ich ha­be ihn aber, wie ich den Kom­men­ta­ren ent­neh­me, im Sin­ne des Au­tors ver­stan­den, als Kri­tik se­lek­ti­ver bzw. will­kür­li­cher »Ar­gu­men­ta­ti­on«.

  16. Schö­ner Ar­ti­kel vol­ler Op­ti­mis­mus, den ich ger­ne glau­ben wür­de.

    Wo­bei, mein On­kel hat vor ein paar Jah­ren mal von sich ge­ge­ben: »Al­so eins muss ich mal sa­gen... die Bild­zei­tung ma­ni­pu­liert schon ganz schön!«

    Ich ha­be ihm La Ola Wel­len ge­wid­met. Ich wuss­te das zwar schon mit 14, aber auch lang­sam ler­nen­de Men­schen muss man un­ter­stüt­zen ;)

  17. @Robin Ur­ban
    Ich weiss nicht, ob es nur Op­ti­mis­mus ist. Wenn man sich so ei­ni­ge Kam­pa­gnen von BILD – be­son­ders in den letz­ten Jah­ren – an­sieht, so muss man doch sa­gen, dass ih­nen vie­les nicht ge­lun­gen ist.

  18. @Gregor Keu­sch­nig

    Ich will die Dis­kus­si­on nicht wie­der an­fan­gen und nur fest­stel­len, nach­dem ich in der Wo­che lei­der kei­ne Zeit mehr hat­te, dass der ein­zi­ge Dis­sens wahr­schein­lich dar­in liegt, das ich durch aus der Mei­nung bin, dass man nach­dem Ego-Shoo­ter ge­spielt hat, sich so­fort auch im an­de­ren Le­ben an­de­ren Din­gen zu­wen­den kann. Au­ßer Ad­re­na­lin (wie es mei­net­we­gen auch nach dem Fuss­ball oder was durch die Blut­bah­nen pumpt) bleibt da nix. Was für mich nach wie vor dar­an liegt, dass Vi­deo­spie­le als Spiel, Bild als Zei­tung, nicht als Fik­ti­on wahr­ge­nom­men wird.

    Aber das lässt sich nicht aus­dis­ku­tie­ren, da wer­den wir bei un­se­ren Stand­punk­ten blei­ben.