Wenn der Chir­urg mit Pla­stik­be­steck ope­riert

Sie­ben­mal kommt das Wort »Dis­kurs« im Text von Uwe Kam­mann, dem Di­rek­tor des Grim­me-In­sti­tuts, vor, in dem er die No­mi­nie­rung des »Dschun­gel­camps« in der Ka­te­go­rie Un­ter­hal­tung ver­tei­digt. Es ist ein merk­wür­di­ger Dis­kurs, der hier fast be­schwo­ren wird: »…die Stär­ke des Grim­me-Prei­ses ist nicht al­lein die ho­he Qua­li­täts­kon­stanz bei der Aus­wahl, son­dern sie be­steht auch und vor al­lem im Dis­kurs über eben die­se Qua­li­tät.« Was Kam­mann dar­un­ter ver­steht, kommt gleich da­nach: Rund »60 re­nom­mier­te, unab­hängige Per­so­nen« be­ra­ten »über sie­ben Wo­chen das Ge­samt­an­ge­bot ei­nes Fernseh­jahres«. Wie gut, dass da schon die Ad­jek­ti­ve »re­nom­miert« und »un­ab­hän­gig« ste­hen, das ent­la­stet den Le­ser von der ei­ge­nen Prü­fung. Merk­wür­dig, dass die Mit­glie­der der No­mi­nie­rungs­kom­mis­sio­nen deut­lich we­ni­ger als 60 sind. Und wer da »un­ab­hän­gig« und/oder »re­nom­miert« ist, mö­ge je­der sel­ber ent­schei­den.

Der »Dis­kurs« fin­det al­so in den Gre­mi­en des Grim­me-Prei­ses statt. Der öf­fent­li­che Dis­kurs fin­det al­so frü­he­stens erst nach dem Er­eig­nis (= No­mi­nie­rung) statt. Er ist so­mit »nur« als Kri­tik mög­lich. Ei­nen di­rek­ten Ein­fluss hat das Pu­bli­kum nicht. Das ist mei­nes Er­ach­tens auch nicht das Pro­blem. Es galt ja bis­her als ein Mar­ken­zei­chen des Grim­me-Prei­ses eben nicht nach Quo­ten und Markt­an­tei­len zu schie­len und sei­ne Ent­schei­dung un­ab­hän­gig da­von zu tref­fen. Es ging, so die Idee, um »Qua­li­tät«. Hier­auf geht Kam­mann auch ein, in dem er ei­ne »Qua­li­täts­kon­stanz« bei den No­mi­nie­run­gen aus­macht. Das muss er na­tür­lich un­ter­stel­len, weil es an­son­sten die Prei­se ad ab­sur­dum füh­ren wür­de. Und hier­an ent­zün­det sich ja auch die Kri­tik. Die gab es reich­lich. Kam­mann fühlt sich be­ru­fen, die No­mi­nie­rung, die »ein­stim­mig« er­folg­te, zu ver­tei­di­gen. Das ist gut so, weil die­ser Text mehr zeigt, als zehn Grim­me-Prei­se aus­sa­gen könn­ten.

Das quan­ti­ta­ti­ve Ar­gu­ment kommt zu Be­ginn. Plötz­lich ent­schei­det bei Kam­mann die Mas­se – man kom­me an acht Mil­lio­nen Zu­schau­ern nicht vor­bei, so der dann ein biss­chen re­si­gna­ti­ve Te­nor. Gin­ge es nach die­sem Kri­te­ri­um müs­sen wir uns wohl bald auf Prei­se für die »Bild«-Zeitung ein­rich­ten (da gibt es ja durch­aus schon ei­ne Ten­denz) und der Mu­si­kan­ten­stadl hät­te längst den Grim­me-Preis ge­win­nen müs­sen. Kam­mann macht dann auch ganz schnell wie­der ei­nen Rück­zie­her, be­müht die Ver­gan­gen­heit: Die Unterhaltungs­sendungen der 70er-80er Jah­re hät­ten ja auch kei­ne Grim­me-Prei­se be­kom­men – und dass ob­wohl sie Pu­bli­kums­ma­gne­ten wa­ren. Kam­mann sagt hier zwei Din­ge: Zum ei­nen will er, dass das als po­ma­dig wahr­ge­nom­me­ne Grim­me-In­sti­tut end­lich auch ein­mal mit dem Strom schwimmt. Und zum an­de­ren steckt dar­in die be­drücken­de Bot­schaft, dass wir in we­ni­gen Jah­ren das »Dschun­gel­camp« als »Kult­se­rie« fei­ern wer­den wäh­rend­des­sen das Pro­gramm noch wei­ter ver­kom­men ist. Mot­to: Wir wol­len end­lich ein­mal er­ken­nen, wenn et­was spä­ter zum »Kult« er­klärt wird.

Nach­hol­be­darf

In der Tat: Grim­me hat zu­meist Un­ter­hal­tungs­for­ma­te, die ih­rer Zeit weit vor­aus wa­ren, nicht er­kannt. »Wünsch Dir was« wä­re ein sol­cher Fall ge­we­sen. Ei­ne in vie­len Punk­ten in­no­va­ti­ve Un­ter­hal­tungs­sen­dung; im Geist der 70er nicht ganz oh­ne ge­wis­se mo­ra­lin­saure Päd­ago­gik. Den­noch oh­ne Preis. Aber es gab ein­fach kei­ne ei­gen­stän­di­ge Ka­te­go­rie »Un­ter­hal­tung«. Die wur­de erst 2007 ein­ge­führt, als man »Fik­ti­on & Un­ter­hal­tung« trenn­te, was Kam­mann de­zen­ter­wei­se nicht er­wähnt.

Jetzt wird nach­ge­holt, was lan­ge mit spit­zen Fin­gern an­ge­fasst wur­de. Die zy­ni­sche Avant­gar­de labt sich mit der fast re­li­giö­sen Af­fir­ma­ti­on der Sen­dung in ih­rer Ver­ach­tung für »ab­ge­stürz­te« ehe­ma­li­ge Pro­mi­nen­te, die von hä­mi­schen Kom­men­ta­to­ren mit Süf­fi­sanz ver­spot­tet wer­den. Hä­me wird zur »Iro­nie« ver­klärt; ein Phä­no­men, das man bei Twit­ter und Face­book längst um­fas­send be­sich­ti­gen kann. Ste­fan Nig­ge­mei­er ant­wor­te­te mir neu­lich in ei­nem Kom­men­tar, ei­ni­ge der Kan­di­da­ten er­schie­nen durch die Sen­dung »mensch­li­cher als je zu­vor«. Als brau­che man ei­nen sich in Ekelge­tier win­den­den und wim­mern­den Men­schen, um sei­ne Em­pa­thiefä­hig­keit auf­zu­ru­fen. Da­mit könn­te man im üb­ri­gen auch das in Jour­na­li­sten­krei­sen so über­aus be­lieb­te »Wit­wen­schüt­teln« recht­fertigen (was, um das aus­drück­lich zu sa­gen, Nig­ge­mei­er nicht macht). Min­de­stens hier­zu – bzw. da­ge­gen – hat sich vor zehn Jah­ren das Grim­me In­sti­tut aus­ge­spro­chen, aber viel­leicht gel­ten die »Thesen…zum ge­gen­wär­ti­gen Fern­seh­jour­na­lis­mus« nicht mehr bzw. gel­ten in der Un­ter­hal­tungs­bran­che an­de­re Maß­stä­be?

Da­mit ich nicht falsch ver­stan­den wer­de: Ich ha­be kein mo­ra­li­sches Pro­blem mit dem »Dschun­gel­camp«. Die mei­sten Ab­läu­fe dürf­ten min­de­stens in gro­ben Zü­gen in­sze­niert sein und mit ge­schick­ten, ma­ni­pu­la­ti­ven Schnit­ten lässt sich si­cher­lich zu­sätz­li­che Un­ter­hal­tung her­stel­len. Zu­dem be­kom­men die Kan­di­da­ten Geld da­für und sie dürf­ten längst wis­sen, was ih­nen da an­ge­tan wird. Das »Schick­sal« der Kan­di­da­ten, de­ren an­geb­lich oder wirk­lich ver­letz­te »Men­schen­wür­de« in­ter­es­siert mich nicht pri­mär. Die rö­mi­schen Gla­dia­to­ren wa­ren schlech­ter dran; das Ur­teil des Zu­schau­ers war da­mals we­sent­lich fol­gen­rei­cher als heu­te.

Grim­mes ka­te­go­ri­scher Im­pe­ra­tiv

Das Pro­blem ist äs­the­ti­scher Na­tur. In den Sta­tu­ten des Grim­me-Prei­ses steht tat­säch­lich so et­was wie ein ka­te­go­ri­scher Im­pe­ra­tiv. Da­nach sol­len Sen­dun­gen aus­ge­zeich­net wer­den, die »die spe­zi­fi­schen Mög­lich­kei­ten des Me­di­ums Fern­se­hen auf her­vor­ra­gen­de Wei­se nut­zen und da­bei nach In­halt und Form Vor­bild für die Fern­seh­pra­xis sein kön­nen.« (Es ist der ein­zi­ge Satz, der mir von den Sta­tu­ten ad hoc ver­füg­bar ist. Er wird ent­spre­chend häu­fig zi­tiert.) Das »Dschun­gel­camp« nutzt dem­zu­fol­ge nicht nur »auf her­vor­ra­gen­de Wei­se« das Me­di­um Fern­se­hen (dies kann man durch­aus kon­ze­die­ren, oh­ne ein äs­the­ti­sches Ur­teil ab­zu­ge­ben), son­dern es dient auch als »Vor­bild für die Fern­seh­pra­xis«. Je­der mö­ge sich sel­ber ein Ur­teil bil­den, ob Ge­fur­ze auf Toi­let­ten vor­bild­haft für das Fern­se­hen sein soll­te.

Ir­gend­wie muss Kam­mann ge­ahnt ha­ben, dass sei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on höchst fra­gil ist. Al­so macht er das, was man ge­mein­hin zur Recht­fer­ti­gung al­len mög­li­chen Un­sinns her­an­zie­hen kann: Man kon­sta­tiert ei­nen »tief­grei­fen­den Wer­te­wan­del«, den »die Ge­sell­schaft seit der Nach­kriegs­zeit und be­schleu­nigt seit En­de der 60er Jah­re voll­zieht.« Lei­der er­läu­tert Kam­mann nur un­zu­rei­chend, wor­in die­ser Wer­te­wan­del be­steht. Da wird zwar ha­stig in die Kla­mot­ten­ki­ste des Pri­vat­fern­se­hens ge­grif­fen (auch die »soft­por­ni­gen Schul­mäd­chen-Re­ports« müs­sen her­hal­ten), aber was jetzt ge­nau da­mit aus­ge­drückt wer­den soll, bleibt dif­fus.

Es kann ja durch­aus sein, dass in­ner­halb ei­ner sich wan­deln­den Ge­sell­schaft sehr wohl ge­wis­se Kon­stan­ten wei­ter Be­stand ha­ben. (Viel­leicht zeigt sich dies am Pro­test ge­gen die­se No­mi­nie­rung.) Was für das Fern­se­hen be­deu­ten könn­te: Es gibt Kon­stan­ten von Qua­li­tät, die sich jen­seits von An­bie­de­run­gen an den Mas­sen­ge­schmack be­we­gen. Na­tür­lich hat der Grim­me-Preis auch im­mer ei­nen Ruf von Exo­tis­mus und ei­ner ge­wis­sen Un­zeit­ge­mäß­heit. Da­her hat­te man wohl die »Brüll-Show« vom »Hei­ßen Stuhl« da­mals nicht aus­ge­zeich­net. Wenn­gleich ich bei man­chen die­ser Sen­dun­gen wo­mög­lich mehr er­fah­ren ha­be als in die­sen in­zwi­schen üb­li­chen Talk­shows mit Po­li­ti­ker- und Experten­darstellern, die ih­re Sprech­bla­sen mehr oder we­ni­ger rou­ti­niert her­un­ter­lei­ern.

Und es muss nicht im­mer sein, das pu­bli­kums- bzw- mas­sen­kom­pa­ti­ble Sen­dun­gen per se schlecht sind. Um­ge­kehrt ist es auch nicht im­mer rich­tig, dass Ni­schen­pro­gram­me al­lei­ne schon we­gen ih­rer schlech­ten Ein­schalt­quo­ten Ga­ran­ten für Qua­li­tät sind. Ge­ra­de um die­se Af­fek­te zu ban­nen, gä­be es ja so et­was wie ei­ne Ju­ry (bzw., um im Mar­ler Ter­mi­nus zu blei­ben: ei­ne No­mi­nie­rungs­kom­mis­si­on).

Ta­bu­brü­che und Wer­te­wan­del

Schließ­lich wird die mo­der­ne Kunst als drit­te Ver­tei­di­gungs­li­nie ein­ge­baut, als lä­ge in der ge­ra­de hier ex­or­bi­tant wü­ten­den Skan­da­li­sie­rung ei­ne Vor­bild­funk­ti­on. Wo­mög­lich die­nen die in der Kunst aus­ge­mach­ten »Ta­bu­brü­che« als Be­leg für den oben kon­sta­tier­ten »Wer­te­wan­del«. Da aber der Zweck des »Ta­bu­bruchs« äs­the­tisch nicht be­fragt wird (d. h. die Fra­ge nach dem Mehr­wert für den Re­zi­pi­en­ten jen­seits der pu­ren Aufmerksamkeits­ökonomie ge­stellt wird), bleibt der Re­kurs ei­ne eher ver­un­glück­te Vol­te. Denn ein Rem­brandt-Bild gilt heu­te wie vor drei­hun­dert Jah­ren als groß­ar­ti­ge Ma­le­rei. Und nach Jeff Ko­ons und Her­mann Nitsch, die als Kron­zeu­gen für ei­nen kon­tro­ver­sen Dis­kurs her­hal­ten müs­sen, wo­bei sie ei­gent­lich mehr Er­schei­nun­gen ei­nes hy­per­ner­vö­sen Kunst­mark­tes sind, der stän­dig neu­es »Ma­te­ri­al« für die Markt­ma­schi­ne braucht, wird dann et­was alt­vä­ter­lich be­merkt, dass »Vielem…auch nicht zu ent­kom­men« sei, denn »jedefrau/jedermann jeg­li­chen Al­ters« (al­lei­ne für die­se Vor­la­ge per­fekt-kor­rekt- ge­schlech­ter­ge­rech­ter Sprach­kunst lohn­te sich schon die Lek­tü­re) »sieht an Bus­haltestellen Des­sous-Wer­bung, die frü­her ins por­no­gra­phi­sche Ka­bi­nett ge­sperrt wor­den wä­re.«

Die­se Aus­sa­ge ist na­tür­lich rich­tig, aber au­ßer viel­leicht die Wer­be­bran­che sel­ber kä­me nie­mand auf die Idee, die Des­sous-Wer­bung für preis­wür­dig zu emp­fin­den. Sie dient aus­schließ­lich da­zu, die Auf­merk­sam­keit zu er­lan­gen. Dies ist kein Wert an sich, was dem­nach min­de­stens auch für die so­ge­nann­ten »Ta­bu­brü­che« gel­ten soll­te. Kam­mann ver­wech­selt in sei­nem Text auf fast klas­si­sche Wei­se die un­leug­ba­re Rea­li­tät des All­tags mit ei­nem viel­leicht il­lu­so­ri­schen, aber min­de­stens doch er­stre­bens­wer­tem Ide­al. Er sieht sich statt­des­sen dem Main­stream aus­ge­lie­fert, oh­ne zu be­fra­gen, wer die­sen Main­stream aus wel­chen Grün­den ge­schaf­fen hat. Die­ses un­aus­weich­li­che Schick­sal ha­be sich, so die Bot­schaft, wie ich sie le­se, auch in No­mi­nie­run­gen (und letzt­lich Prei­sen) zu spie­geln. Da­bei ver­lässt Kam­mann die äs­the­ti­schen Be­ur­tei­lungs­kri­te­ri­en bzw. passt sie in vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam den (schein­ba­ren) ge­sell­schaft­li­chen Nor­men an, die in Wirk­lich­keit vor al­lem öko­no­mi­sche Nor­men sind. »Das Mil­lio­nen­spiel« von Wolf­gang Men­ge und Tom To­el­le aus dem Jahr 1970 als Dys­to­pie ei­nes er­eig­nis­gei­len Fern­se­hens in­sze­niert, ist al­so nur noch ei­ne Fra­ge der Zeit?

Kam­manns Text schließt mit dem letz­ten Satz von Franz Kaf­kas Pa­ra­bel »Auf der Ga­le­rie«. Der Ga­le­rie­be­su­cher weint am En­de ob der Vor­stel­lung ei­ner »lun­gen­süch­ti­gen Kunst­rei­te­rin« (na­tür­lich ei­ne au­to­bio­gra­fi­sche Selbst­skiz­ze Kaf­kas). Aber der Di­rek­tor des Grim­me-In­sti­tuts ver­schweigt den An­fang der klei­nen Mi­nia­tur. Kaf­ka ent­wirft dort das Ide­al des »viel­leicht« durch die Ga­le­rie ei­len­den Be­su­chers, der auch ein Zu­schau­er ist, und »Halt! durch die Fan­fa­ren des im­mer sich an­pas­sen­den Or­che­sters« rief. Beim »Dschun­gel­camp« ruft Kam­mann nicht »Halt!«, son­dern »Wei­ter!«

Wenn es so wei­ter­geht, kann sich der Grim­me-Preis pro­blem­los mit der »Gol­de­nen Ka­me­ra« und/oder dem »Bam­bi« ver­ei­ni­gen. Aber was wird dann aus Marl?

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schön! Das Her­um­ge­eie­re zeigt, dass die Ju­ro­ren sich ih­rer Maß­stä­be nicht mehr si­cher sind – »der ei­ne sagt so, der an­de­re so«. Es scheint, dem Grim­me-Preis sind sei­ne al­ten Maß­stä­be lä­stig ge­wor­den, weil er sie nicht auf­recht­erhal­ten kann. Das Pri­mat hat im TV jetzt die Quo­te. Wie soll man aber Preis­wür­di­ges fin­den, wenn es nie­man­den gibt, der Preis­wür­di­ges her­stel­len will? Als ob ein Pro­du­zent von Pri­vat-TV-Wa­re sich um die Kri­te­ri­en des Grim­me-Prei­ses küm­mern wür­de oder dürf­te. Nicht 1 Se­kun­de. Man stellt Ho­nig­töp­fe her, in der die Ziel­grup­pen kle­ben blei­ben soll. Im­mer­hin muss man kon­zi­die­ren, dass es für En­ter­tain­ment per se schwer ist, ver­nunft­vol­le Kri­te­ri­en zu ent­wickeln. Die gu­te Form des Tra­la­la – was soll das sein?! Es wä­re das Ehr­lich­ste, die Un­ter­hal­tungs­shows aus­zu­klam­mern, ein­fach weil man nicht weiß, wie man denn da ur­tei­len soll?

  2. Man könn­te auch ein­mal sa­gen: Wir no­mi­nie­ren die­ses Jahr nie­man­den in ei­ner Ka­te­go­rie (oder meh­re­ren) und ver­ge­ben kei­nen Preis. Aber da­durch wür­de na­tür­lich das »Dschun­gel­camp« nicht bes­ser.

    Tat­säch­lich scheint es ja so, dass ir­gend­wann je­der ein­mal ei­nen Preis in ei­ner »Unterhaltungs«-Kategorie ge­win­nen muss. Es gibt ein­fach zu we­ni­ge neue »For­ma­te« (was na­tür­lich auch mit der schwin­den­den Be­deu­tung des Fern­se­hens zu­sam­men­hängt).

  3. Ei­gent­lich muss ich mich aus die­ser Dis­kus­si­on raus­hal­ten, da ich das Dschun­gel­camp we­der je­mals ge­se­hen ha­be noch je an­schau­en wer­de. Da ich aber um das BILD-ähn­li­che Ni­veau des Pri­vat­fern­se­hens weiß, bin ich mir si­cher, dass ich beim Zu­schau­en mit glei­chem kör­per­li­chem Un­wohl­sein zu kämp­fen hät­te, wie beim Le­sen der BILD-Zei­tung. Ge­nau wie ich die BILD-Zei­tung nicht mal mit der Kneif­zan­ge an­packe, sind auch die Pro­gramm­ta­sten der Pri­vat-TV-Sen­der ta­bu und so­mit be­ruht mei­ne Mei­nung, z.B. zum „Dschun­gel­camp“, nur auf Vor­ur­tei­len oh­ne ei­ge­nes Er­le­ben. Al­ler­dings muss man sich ja auch nicht je­den Scheiß­hau­fen ge­nau an­schau­en, um zu wis­sen, dass der stinkt. Das weiß man ein­fach und wenn der Hans-Ul­rich Jör­ges dem „Dschun­gel­camp“ schein­hei­lig be­schei­nigt, es sei „…gu­te Un­ter­hal­tung, die ich mit Ver­gnü­gen schaue!“, dann sagt das ei­ni­ges über die­sen dau­er­prä­sen­ten Talk­show-Kas­per.
    Wenn das „Drecks­blatt“ ( Leyendecker/SZ) BILD den Hen­ry-Nan­nen-Preis be­kommt, dann kann der Grim­me-Preis für das „Dschun­gel­camp“ ei­gent­lich nicht mehr über­ra­schen. So geht lang­sam aber si­cher je­des Ni­veau den Bach run­ter. Nein, der letz­te Satz ist kei­ne An­spie­lung auf den ver­stor­be­nen „Dschun­gel­camp“ Mo­de­ra­tor

  4. Phä­no­me­nal wird die Sa­che ja, dass das »Dschun­gel­camp« von an­son­sten voll­kom­men nor­ma­len Men­schen, die auch die »Bild«-Zeitung has­sen wie die Pest, als ge­ra­de­zu elek­tri­sie­rend ge­fei­ert wird. Das ist der wo­mög­lich der Grund der No­mi­nie­rung (man schaue sich die ent­spre­chen­de Kom­mis­si­on an). Die Sen­dung gilt in ge­wis­sen Krei­sen als avant­gar­di­stisch. Das ist das wirk­lich be­drücken­de: Sol­che Gei­ster be­stim­men in­zwi­schen.

  5. Das stimmt. Das macht mich auch ziem­lich fas­sungs­los. Von den Leu­ten der Aus­wahl­kom­mis­si­on ken­ne ich zwar kei­nen, aber auf dem Fo­to se­hen die nicht aus wie be­ken­nen­de Pri­vat-TV-Fans.

  6. Nur ei­ne kur­ze In­fo: Ju­ry und No­mi­nie­rungs­kom­mis­si­on sind zwei ver­schie­de­ne Din­ge im Grim­me-Kos­mos.

  7. Ich un­ter­schei­de das sehr wohl. Wer le­sen kann... Mir war am En­de die­ser Jar­gon zu kom­pli­ziert. Aber viel­leicht er­klä­ren Sie mir, wie Herr Kam­mann auf die mehr als 50 60 Schaue­rin­nen und Schau­er kommt?

  8. »weil die­ser Text mehr zeigt, als zehn Grim­me-Prei­se aus­sa­gen könn­ten.«
    Das ist in der Tat so ...und zum Glück ist er’s sehr deut­lich.
    Weil das Ab­sicht war? Ge­schrie­ben von ei­nem mit der Ent­schei­dung selbst un­glück­li­chen Men­schen, der den Kä­se nun ver­zwei­felt be­grün­den und ver­kau­fen muss und sich »hin­ten­rum« rächt? (nee, glaub’ ich nicht recht. Der Schmus ist wohl »echt«, sie­he die ge­schlech­ter­ge­rech­te Rum-ei­ern ... oder ist das Iro­nie?).
    Dis­clo­sure: Seit ei­ni­gen Jah­ren seh’ ich kein TV mehr, ha­ben be­wusst kei­nen An­schluss und kein Ge­rät. Ich hab das ge­lernt beim Zi­ga­ret­ten­rau­chen­auf­hö­ren, vor 23 Jah­ren: ein­fach kei­ne die­ser süch­tig ma­chen­den Din­ge im Haus ha­ben, das hilft un­ge­mein.

  9. Ehr­lich ge­sagt hat­te ich auch kurz ein­mal das Ge­fühl, Kam­mann schrei­be ei­ne selbst­iro­ni­sche Vol­te, aber das gibt der Text dann wirk­lich nicht her.

    Das Fern­se­hen wür­de ich im Mo­ment noch ver­mis­sen. Ich be­nut­ze es in­zwi­schen haupt­säch­lich als Ent­span­nungs­me­di­um.

  10. Ich den­ke dass Dschun­gel­camp ist nicht nur we­gen dem Un­ter­hal­tungs­wert so be­liebt. Erst neu­lich gab es ei­ne Re­por­ta­ge dar­über, dass so­gar So­zi­al­wis­sen­schaft­ler und Psy­cho­lo­gen die­se Sen­dung ver­fol­gen, da man hier gut mensch­li­ches Ver­hal­ten ana­ly­sie­ren kann und das sind doch ei­gent­lich Leu­te von de­nen man ei­nen ge­wis­sen Bil­dungs­stand er­war­tet und zeigt, dass an der Sen­dung doch mehr dran ist, als die pu­re Un­ter­hal­tung. Und um auf die Bild-Zei­tung zu spre­chen zu kom­men, na­tür­lich ist das Ni­veau hier ge­ring und auch der Wert/die Ge­nau­ig­keit der »gut re­cher­chier­ten Ar­ti­kel« lässt zwei­feln, den­noch bin ich der Mei­nung, dass es nicht scha­det, da ab und zu ei­nen Blick hin­ein zu wer­fen, schließ­lich soll­te man, wenn man von sich be­haup­tet mehr Ni­veau zu ha­ben und in­tel­li­gen­ter zu sein, auch wis­sen was der In­fan­ti­le im all­ge­mei­nen so liest und mit Hil­fe wel­cher Mit­tel er sich Mei­nun­gen bil­det.

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