Ur­he­ber­recht und gei­sti­ges Ei­gen­tum. Ver­such ei­ner knap­pen und grund­sätz­li­chen Nä­he­rung.*

Bei­de Be­grif­fe, Ur­he­ber­recht und gei­sti­ges Ei­gen­tum, sind nicht als zeit­los gül­ti­ge Fest­schreibungen zu klä­ren, son­dern in­ner­halb ei­ner kon­kre­ten Ge­sell­schaft, ih­rem »Welt­bild«, ih­rer Kul­tur, ih­ren Wert­vor­stel­lun­gen, ih­ren öko­no­mi­schen Prak­ti­ken, ih­ren tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten und dem gel­ten Recht. Es ist nicht nur denk­bar, dass an­de­re Zei­ten oder Men­schen nach an­de­ren Lö­sun­gen ver­lan­gen oder sie na­he le­gen, das war ge­wiss so und wird wie­der der Fall sein. Das ist mei­ne er­ste An­nah­me.

Die zwei­te ist, dass aus­drück­lich je­der Mensch die Fä­hig­keit be­sitzt Neu­heit zu schaf­fen, et­was, das er in die­ser Form noch nicht ge­se­hen oder ge­hört hat, selbst wenn sein Werk nicht aus­schließ­lich ihm – und das ist fast im­mer der Fall – zu ver­dan­ken ist. Um ein Bei­spiel zu nen­nen: Je­mand der schreibt, pro­fi­tiert von an­de­ren, hat Vor­gän­ger, schreibt im­mer auch ab und nach, mit­un­ter oh­ne es zu wis­sen und doch ent­stammt ein Gut­teil des Werks sei­ner Per­son, ih­rem Den­ken, Füh­len und Han­deln und so­mit ih­rer spe­zi­fi­schen Welt, und wä­re dem nicht so, hät­te es nie ei­ne Ent­wick­lung und Ver­än­de­rung mensch­li­cher Kul­tur ge­ge­ben.

Ent­ste­hung und Wei­ter­ent­wick­lung ver­langt Zeit und Mü­he, be­rei­tet Freu­de und macht si­cher­lich auch stolz. Der ent­schei­den­de Punkt deu­tet sich be­reits an: Ge­ste­hen wir dem­jenigen, der et­was Neu­es her­vor­ge­bracht hat, – wo­bei es ir­rele­vant ist, ob je­mand irgend­wann oder ir­gend­wo auf die­sem Pla­ne­ten be­reits das­sel­be tat – je­nen fun­da­men­ta­len Re­spekt über die wei­te­re Hand­ha­bung des von ihm Ge­schaf­fe­nen selbst und frei zu ent­schei­den, zu? Dies gäl­te zu­nächst ein­mal grund­sätz­lich und glei­cher­ma­ßen für ein be­mal­tes Oster­ei, ei­nen Ro­man, ein Stück Mu­sik oder ei­nen Tisch, un­ab­hän­gig da­von was spä­ter ein­mal mit ih­nen ge­sche­hen soll.

Das bis­lang Be­schrie­be­ne ist selbst­ver­ständ­lich ver­ein­facht: Wir le­ben in Zei­ten maschi­neller Fer­ti­gung und Re­pro­du­zier­bar­keit, Schöp­fun­gen und Ent­wick­lun­gen sind nicht zwin­gend das Werk ein­zel­ner und Teil­schrit­te der Ar­beit kön­nen au­to­ma­ti­siert er­fol­gen; die Ei­gen­art be­stimm­ter Me­di­en, so­wie an­der­wär­ti­ge Zweck­mä­ßig­kei­ten, wie die Möglich­keit oder Not­wen­dig­keit ge­werb­li­cher Nut­zung blei­ben un­be­rück­sich­tigt. Den­noch: Die Ver­fü­gungs­ge­walt des Ur­he­bers ist fak­tisch nach der Be­en­di­gung der Ar­beit in Anbe­tracht sei­ner Schöp­fung ge­ge­ben und be­grün­det in der An­er­ken­nung sei­ner Per­son, ih­res Tuns und ih­rer Frei­heit, al­so der Mög­lich­keit von Ge­stal­tung. Je­de Ent­schei­dung – wie könn­te es auch an­ders sein? – liegt zu­nächst beim Ur­he­ber und da­mit auch, ob das Ge­schaf­fe­ne ei­ner grö­ße­ren Öf­fent­lich­keit be­kannt ge­macht wer­den oder im wei­te­ren bzw. en­ge­ren pri­va­ten Um­feld ver­blei­ben soll.

Ei­ne Ver­öf­fent­li­chung, ein Öf­fent­lich­ma­chen, stellt die Fra­ge nach Ver­füg­bar­keit, nach Ver­fü­gungs­ge­walt und Ei­gen­tum neu und ei­nen Frei­heits­kon­flikt dar. Je­der Freiheits­begriff muss, so­fern er sich selbst ernst nimmt, sei­ne Be­gren­zung auf den an­de­ren und des­sen Frei­heit­an­spruch hin mit­be­den­ken: Wenn Ei­gen­tum die voll­stän­di­ge Verfügungs­gewalt über ei­ne Sa­che oder ein gei­sti­ges Er­zeug­nis be­zeich­net, dann fin­det sie mit dem ge­woll­ten und be­wuss­ten Hin­aus­tre­ten aus dem rein per­sön­li­chen Be­reich und Um­feld ihr En­de. Ent­schei­de ich mich als Ur­he­ber für ei­ne Ver­öf­fent­li­chung, dann tre­te ich in ei­nem kom­mu­ni­ka­ti­ven Akt ein Stück weit von mei­nem Ei­gen­tums­recht zu­rück: Ich möch­te, dass an­de­re hö­ren oder se­hen, sich mit mei­nem Werk be­schäf­ti­gen, es ver­wen­den und er­klä­re da­mit, dass ich nicht mehr völ­lig dar­über ver­fü­gen will wie an­de­re mit mei­nem Werk um­ge­hen, es wo­mög­lich ver­to­nen oder be­ar­bei­ten; mit dem Akt der Ver­öf­fent­li­chung glie­de­re ich mein Werk in den Pro­zess kul­tu­rel­ler Ent­wick­lung ein. Ein Ur­he­ber kann da­nach nicht mehr fest­le­gen wie und ob ich sein Buch le­se und ver­ste­he und was ich dar­aus zi­tie­re, wel­che Ge­dan­ken ich auf­neh­me und viel­leicht wei­ter­ver­ar­bei­te. Tat­säch­lich, lo­gisch und um­fas­send ist der Be­griff gei­sti­gen Ei­gen­tums aus­schließ­lich im Fall ei­ner Nichtveröf­fentlichung; nur dann kann man ei­ner um­fas­sen­den Ver­fü­gung si­cher sein und ei­gent­lich ist sie auch nur dann sinn­voll.

Ei­gen­tum hat mit Frei­heit zu tun, das, wor­über ich grund­sätz­lich ver­fü­gen kann, hilft mir Hand­lungs­spiel­räu­me zu er­hal­ten, wir ver­fü­gen über be­stimm­te Din­ge oder Er­zeug­nis­se und weil wir das kön­nen, er­lan­gen wir die Frei­heit et­was zu tun, ich schrei­be auf mei­nem Lap­top, ich nut­ze ei­nen Topf zum Ko­chen, ein Au­to zur Fort­be­we­gung, usw. — Der Ein­tritt ei­nes Werks in den Pro­zess kul­tu­rel­ler Ent­wick­lung aber be­grenzt die Ver­fü­gungs­ge­walt sei­nes Ur­he­bers und stellt es in ei­ne Span­nung von Ver­füg­bar­keit und Be­schrän­kung: Es ist ein Zu­sam­men­tref­fen von Frei­heits­an­sprü­chen un­ter­schied­li­cher Per­so­nen, Re­zi­pi­en­ten und Schöp­fer, mit ih­ren je­weils spe­zi­fi­schen In­ter­es­sen, in ei­ner Ge­sell­schaft nichts Außer­gewöhnliches oder Sel­te­nes und für den Pro­zess kul­tu­rel­ler Ent­wick­lung not­wen­dig. Dar­über wie der Rück­tritt des Schöp­fers aus­se­hen kann und wel­che An­sprü­che die Re­zi­pi­en­ten (auch als po­ten­zi­el­le Schöp­fer) be­sit­zen, kann und soll­te der Ur­he­ber mit­entscheiden, aber eben­so die Ge­sell­schaft und da­mit mög­lichst ein Kon­sens an­ge­strebt wer­den; Über­le­gun­gen, grund­sätz­li­che An­nah­men und ei­ne Re­fle­xi­on der ge­ge­be­nen Um­stän­de könn­ten im Rah­men ei­ner breit an­ge­leg­ten Dis­kus­si­on ver­bun­den wer­den und in ei­ner Über­ein­kunft mög­lichst vie­ler mün­den.

Of­fen­bar ist, dass es kul­tu­rel­le Ent­wick­lung gibt und of­fen­bar ist auch, dass ein Schöp­fer im Re­gel­fall un­mit­tel­bar über das Ge­schaf­fe­ne ver­fü­gen kann. Der Raum im dem kul­tu­rel­le Ent­wick­lung statt­fin­det, das »Wie« des Zu­griffs auf das Ge­schaf­fe­ne aber ist in ei­nem Pro­zess ge­sell­schaft­li­cher In­ter­ak­ti­on aus­zu­dif­fe­ren­zie­ren, er ist weit­ge­hend un­be­stimmt. Für den Pro­zess der kul­tu­rel­len Ent­wick­lung und je­nem der Teil­ha­be ist die re­la­tiv ein­fache und ver­gleichs­wei­se ra­sche Ver­füg­bar­keit nicht un­we­sent­lich. Bei­de sind Gemein­samkeit, Frei­heit und Schön­heit.

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*Ich ver­su­che kei­ne ju­ri­sti­sche Ar­gu­men­ta­ti­on oder ei­ne an­de­re fach­li­che Auseinander­setzung, son­dern ei­ne Nä­he­rung aus ei­nem mög­lichst all­täg­li­chen Ver­ständ­nis her­aus.

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  2. Es ist si­cher nur ein Zu­fall – weil ich mich ge­ra­de, wg. ei­nem schö­nen Es­say von W.G. Se­bald, mal wie­der mit ihm be­schäf­ti­ge -, aber mir fal­len zu der gan­zen Pro­ble­ma­tik jetzt zum wie­der­hol­ten Ma­le zwei glas­kla­re Sät­ze des [schi­zo­phre­nen, gleich­wohl wir­kungs­rei­chen] Dich­ters Ernst Her­beck ein:

    Als er­stes: »Die Ver­gan­gen­heit ist klar vor­bei.«
    Und als zwei­tes: »Es ist al­les viel zu sehr um­sonst.«

     

  3. du sprichst mir aus der see­le. ge­nau die­se an­nä­he­rung braucht das the­ma, we­der ju­ri­stisch noch be­sitz­stands­ver­wal­te­risch son­dern ge­sund im sin­ne des men­schen­ver­stan­des...

  4. Ähn­lich be­dacht wie hier me­tep­si­lo­n­e­ma äu­ßert sich Kath­rin Hacker in ei­nem Es­say auf dem Per­len­tau­cher: http://www.perlentaucher.de/artikel/7553.html

    Dass im­mer mehr sol­cher Ge­dan­ken­gän­ge auf­tau­chen, lässt mich hof­fen, dass der auf mich sehr un­in­for­miert wir­ken­de Auf­ruf »Wir sind die Ur­he­ber« kei­nen blei­ben­den Scha­den an­ge­rich­tet hat, son­dern die Dis­kus­si­on – un­ab­sicht­lich – in die rich­ti­ge Rich­tung ge­sto­ßen hat.

    Dass aus­ge­rech­net der Li­te­ra­tur­agent von He­le­ne He­ge­mann die­sen Auf­ruf in­sze­niert hat, ent­behrt nicht ei­ner ge­wis­sen Iro­nie. Der Welt­geist hat Hu­mor, scheint mir.

  5. Ich ha­be ab­sicht­lich auf die Kom­men­ta­re ge­war­tet und ge­ste­he: ich ver­mag mich in die­ser äu­ßerst emo­tio­nal ge­führ­ten De­bat­te nicht ein­deu­tig zu po­si­tio­nie­ren. Da­bei über­rascht mit die Ver­ve, mit der dies ge­führt wird (von bei­den Sei­ten). Dass es ei­ne wie auch im­mer neue Re­ge­lung ge­ben muss, leuch­tet mir ei­ner­seits ein, an­de­rer­seits fin­de ich die Be­haup­tung an sich noch kein Be­leg. Und nur weil et­was plötz­lich be­lie­big ver­füg­bar und re­pro­du­zier­bar ist, muss man et­was än­dern? Ich fra­ge mich, ob man den Ei­gen­tums­be­griff auch dann ver­än­dern wür­de, wenn an al­le In­ter­es­sen­ten Diet­ri­che ver­teilt wür­den, so dass je­der in je­de Woh­nung kom­men könn­te. Ein hin­ken­der Ver­gleich? Viel­leicht.

    Hin­ter ei­ner ge­ne­rel­len In­fra­ge­stel­lung von so et­was wie »gei­sti­ges Ei­gen­tum« se­he ich ei­ne to­ta­li­tä­re Ideo­lo­gie her­vor­blit­zen, die glaubt, ge­sell­schaft­li­che Fra­gen mit ega­li­tä­ren Mit­teln lö­sen zu kön­nen. Ob man sich die Kon­se­quen­zen aus­ge­malt hat? Klar ist, dass auch die netz­um­fas­sen­den Ab­mahn­wel­len lä­cher­lich sind. Das In­ter­es­se der Po­li­tik dar­an ist gleich null. War­um?

    me­tep­si­lo­n­e­mas Text plä­diert für et­was, das in die­ser De­bat­te schon fast nicht mehr mög­lich scheint: für Be­son­nen­heit, für sach­ge­rech­te Ar­gu­men­ta­ti­on, für Dis­kurs. Viel­leicht wird er des­halb so spar­sam re­zi­piert. Wir ha­ben uns ge­wöhnt, nur noch vo­lu­mi­nö­ses, lau­tes Ge­tö­se wahr­zu­neh­men. Pro­blem­lö­sun­gen er­reicht man da­mit aber mei­stens nicht.

  6. Die­se Ab­hand­lung bie­tet sehr viel Flä­che für er­gän­zen­des An­docken, weil sie mit kei­ner­lei Sta­cheln be­wehrt ist – da­für vor­ab mei­ne vor­züg­lich­ste Hoch­ach­tung.

    Die Be­trach­tungs­wei­se des Au­tors scheint sich ent­lang der Er­werbs­ar­beits­not­wen­dig­keit auf­fä­deln zu wol­len. Das leuch­tet be­stimmt nicht nur mir ein. Ich möch­te zum Kon­text, in wel­chen hier die Be­grif­fe »Ur­he­ber­recht« und »gei­sti­ges Ei­gen­tum« ein­ge­bet­tet wer­den, noch als Fak­tum hin­zu­fü­gen, dass Lohn­ab­hän­gi­ge in der Re­gel kei­nen Zu­gang zu die­sem Rechts­schutz ha­ben. Die »Dienst­er­fin­dung« kon­su­miert bei­des. Das be­deu­tet im all­ge­mei­nen, dass gei­sti­ge Ar­beit aus­schließ­lich vom Dienst­herrn in An­spruch ge­nom­men und ver­wer­tet wird. Es ist al­so durch­aus zu un­ter­schei­den, un­ter wel­chen (recht­li­chen) Prä­mis­sen ei­ne Er­fin­dung, ein gei­sti­ges Werk, ei­ne pa­tent­rei­fe Neue­rung in die Welt kommt. Für den Dienst­neh­mer stellt sol­ches recht­li­ches Kon­strukt kei­ne exi­sten­ti­el­le Be­dro­hung dar – schließ­lich be­zieht er ein re­gel­mä­ßi­ges Ein­kom­men.

    An­ders sieht es für un­ter Um­stän­den in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen le­ben­de frei­schaf­fen­de Künst­ler aus. Für je­ne soll­te es ge­währ­lei­stet sein, das Er­geb­nis ih­rer Ar­beit zum ei­ge­nen Le­bens­un­ter­halt ver­wer­ten zu kön­nen. Näh­men wir die Un­ter­men­ge der Au­toren nä­her in Au­gen­schein, stell­ten wir rasch fest, dass de­ren Über­le­ben tat­säch­lich dem Zu­fall über­las­sen ist. Denn ob ihr Werk vom kauf­wil­li­gen Main­stream an die Ober­flä­che der Über­le­bens­fä­hig­keit ge­spült wird, hat nichts mit Vor­her­seh­bar­keit zu tun. Es ist ein Glücks­spiel, das noch da­zu vom »Be­trieb« zu Un­gun­sten des Künst­lers be­ein­flusst wird. Schließ­lich muss der »Be­trieb« auch von et­was le­ben, nicht wahr. Die Un­glück­li­chen ge­hen un­ter und müs­sen sich in lei­stungs­ge­sell­schafts­ge­neh­men Tä­tig­kei­ten ver­din­gen. Ob sie wol­len, oder nicht – da­nach wird nicht ge­fragt. Glei­ches gilt auch für Kom­po­ni­sten, Ma­ler, Kunst­schaf­fen­de schlecht­hin.

    Letzt­lich geht es beim Schaf­fen von Neu­em zu­erst dar­um, die Ein­zig­ar­tig­keit zu su­chen – ein Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal. Da­mit ver­bun­den ist aber auch die Not­wen­dig­keit, die ei­ge­ne Exi­stenz durch mo­ne­tä­re Ver­wer­tung des Neu­en zu si­chern. Dieb­stahl un­ter­läuft dies. So sind wir heu­te ge­prägt: Je­der sei für sein Fort­kom­men selbst ver­ant­wort­lich. Dass un­ter sol­chen er­drücken­den Rah­men­be­din­gun­gen über­haupt erst die Idee des Ur­he­ber­rechts ent­ste­hen konn­te, möch­te ich nun nicht in den Vor­der­grund rücken. Er­wähnt wer­den soll­te es al­ler­dings schon, wie ich mei­ne.

    Die Kul­tur­im­pul­se, wel­che von Neue­run­gen aus­ge­hen kön­nen, dürf­ten eben­so weit­ge­hend un­be­strit­ten sein. Das trifft auch für jed­we­des li­te­ra­ri­sche Werk zu – die Fra­ge ist le­dig­lich, ob und wie breit es an­ge­nom­men wird. Be­acht­lich ist in die­sem Zu­sam­men­hang al­ler­dings, was als li­te­ra­risch wert­voll ver­stan­den wer­den darf. Da­zu hat sich ei­ne be­son­de­re Grup­pe von Mit­men­schen er­kenn­bar ge­macht, wel­che sich dar­über – ob mit oder oh­ne zu­rei­chen­de Fach­bil­dung aus­ge­stat­tet – zu be­fin­den be­ru­fen wähnt.

    Wie sä­he aber ei­ne Ge­sell­schaft aus, wenn Neu­es ans Licht kom­men könn­te, OHNE dass die­ser Vor­gang dem exi­stenz­si­chern­den Er­werbs­zwang un­ter­lä­ge? Die­ser rhe­to­ri­schen Fra­ge liegt die Ge­wiss­heit zu­grun­de, dass es je­den­falls denk­bar ist, dass »Schöp­fer« nicht un­aus­weich­lich um ih­re Exi­stenz fürch­ten müss­ten. Wer der un­be­ding­ten Ge­währ­lei­stung sei­nes Da­seins ver­si­chert ist, kann sein krea­ti­ves Po­ten­zi­al in bis­lang nicht ge­kann­ter Wei­se nut­zen. Das gilt für jede:n Einzelne:n von uns, denn »je­der Mensch ist ein Künst­ler«. Oder Er­fin­der. Oder Ge­schich­ten­er­zäh­ler.

    Im Kon­text des eben Ge­sag­ten möch­te ich auch dar­auf hin­wei­sen, dass Ei­gen­tum zwar frei macht – aber be­dau­er­li­chers­wei­se auf Ko­sten de­rer, die da­von aus­ge­schlos­sen wer­den. Auch die Ver­si­che­rung der Ge­sell­schaft auf un­be­ding­te wür­di­ge Exi­stenz des In­di­vi­du­ums ver­mag die­se Frei­heit zu lei­sten. Die Kon­se­quenz ist nach mei­nem Men­schen­bild aber ei­ne völ­lig an­de­re: In­no­va­ti­on (ob künst­le­risch, tech­nisch, so­zi­al oder sonst wie, spielt da­bei kei­ne Rol­le) er­eig­net sich dann nicht mehr im Wett­be­werb, son­dern in der Ko­ope­ra­ti­on, was eben­falls voll­kom­men neu wä­re. Ich räu­me selbst­ver­ständ­lich ein, dass auch von Künst­lern mit­un­ter der Stand­punkt ver­tre­ten wird, dass ei­ne lin­de Exi­stenz­be­dro­hung der Schaf­fens­kraft Flü­gel ver­lei­he. Hier ste­hen sich dann Men­schen­bil­der – wie ich vor­sich­tig glau­ben mag: ver­söhn­lich – ge­gen­über. Denn am En­de geht es stets um Wür­de, die wir uns hier strei­tig ma­chen, dort aber frei zu­ge­ste­hen könn­ten.

    Ab­schlie­ßend will ich auf das Bei­spiel der open-source-soft­ware (quell­of­fen: frei ver­füg­bar) hin­wei­sen, von der tat­säch­lich nicht mehr be­haup­tet wer­den kann, dass sie ro­man­ti­sche Spin­ne­rei dar­stel­le. Li­nux (samt De­ri­va­ten) wä­re ein Bei­spiel für ein wei­te Ver­brei­tung fin­den­des Com­pu­ter­be­triebs­sy­stem, Open­Of­fice (Libre­Of­fice) ein sol­ches für ein Of­fice-Pa­ket. Wä­re dem­entspre­chend ein »Open­Mo­ve« (für frei nach­bau­ba­re Trans­port­mit­tel), ein »Open­Med« (für frei her­stell­ba­re Me­di­ka­men­te), ein »Open­Stu­dy« (für frei wähl­ba­re Bil­dung) vor­stell­bar? Wie sä­he es aus mit der Sub­sti­tu­ie­rung sel­te­ner Roh­stof­fe? Wä­re in Zei­ten des In­ter­nets durch glo­bal-kol­la­bo­ra­ti­ves Re­de­sign die ge­winn­ma­xi­mie­ren­de Ver­knap­pung be­heb­bar? Res­sour­cen­scho­nen­des Wirt­schaf­ten ge­ne­rell?

    Das sind Fra­gen, die mir aus An­lass der vor­lie­gen­den Ab­hand­lung durch den Kopf gin­gen. Es wer­den nach mei­nem Emp­fin­den noch viel zu we­nig Ge­schich­ten ge­schrie­ben mit der Ein­lei­tung: »Was wä­re, wenn...« Des­halb noch­mals mei­nen herz­li­chen Dank an den Au­tor für den An­lass zum Nach­den­ken.

    (Flüch­tig­keits­feh­ler bit­te ich oh­ne Rück­spra­che kor­ri­gie­ren zu wol­len)

  7. Sehr ge­ehr­ter Herr Struck,

    eben muss­te ich be­stürzt fest­stel­len, dass mein Kom­men­tar ei­ner »Mo­de­ra­ti­on« un­ter­liegt. Un­ter sol­chen Vor­aus­set­zun­gen bin ich nicht ge­willt, am öf­fent­li­chen Mei­nungs­aus­tausch teil­zu­neh­men und er­su­che Sie da­her höf­lichst, mei­nen vor­hin ein­ge­stell­ten Ko­men­tar zu me­tep­si­lo­n­e­mas Bei­trag zu ent­fer­nen.
    Vie­len Dank.

  8. @kienspan
    Fall­wei­se ent­schei­de ich be­stimm­te Mo­de­ra­ti­ons­mo­di ein­zu­schal­ten. Es steht nun Ih­nen und al­len an­de­ren frei, die Dis­kus­si­on fort­zu­set­zen.

  9. Pingback: Überlegungen zum Urheberrecht « Kaminknistern

  10. Tut mir leid die Ver­zö­ge­rung, mir ist eben mein Brow­ser ab­ge­stürzt und mit ihm ein be­gon­ne­ner Kom­men­tar. Ich ver­su­che es mor­gen noch ein­mal. Bit­te Ge­duld!

  11. @Doktor D
    Mich hat es, wie vie­le an­de­re auch, er­staunt welch be­kann­te Na­men un­ter dem Auf­ruf zu fin­den wa­ren (un­be­ach­tet völ­lig an­de­rer Le­bens­um­stän­de, ich hät­te ihn nicht un­ter­zeich­net). Der Grund für mei­nen Text war aber ein an­de­rer: Ich hat­te den Ein­druck, dass be­reits zu sehr aus In­ter­es­sens- und Fach­be­rei­chen ar­gu­men­tiert wur­de (von den Emo­tio­na­li­tä­ten zu schwei­gen), oh­ne sich über die grund­sätz­li­che Si­tua­ti­on klar­ge­wor­den zu sein (da­zu hof­fe ich ein Stück bei­getra­gen zu ha­ben).

    @Gregor
    Die ein­deu­ti­ge Po­si­ti­on ver­mag ich lo­gisch auch nicht zu fin­den und glau­be, dass sie letzt­lich ei­ne Sa­che von Ver­ein­ba­rung ist. Ich kann schon nach­voll­zie­hen, dass die Ver­füg­bar­keit über das Netz be­quem und not­wen­dig ist, aber man darf sich trotz­dem nicht über die Rech­te der Ur­he­ber hin­weg­set­zen, wo­bei ich da­mit kei­ne ju­ri­sti­schen Be­lan­ge mei­ne, son­dern ganz ba­sa­le Über­le­gun­gen und An­nah­men von In­di­vi­dua­li­tät und Frei­heit (al­so letzt­lich das wor­auf sich un­se­re Ge­sell­schaft grün­det, bzw. das wor­an wir uns täg­lich ori­en­tie­ren). Was hin­zu­kommt ist, dass be­stimm­te Re­strik­ti­ons­maß­nah­men ei­nen sen­si­blen per­sön­li­chen Be­reich be­tref­fen, al­so wie­der­um je­ne ba­sa­len An­nah­men von In­di­vi­dua­li­tät und Frei­heit. Letzt­lich kann, wie kien­span und Du rich­tig er­kannt ha­ben, nur ei­ne brei­ter und aus­ge­wo­ge­ner Dis­kurs ei­ne Lö­sung fin­den.

    Die Emo­tio­na­li­tä­ten kann ich mir schon er­klä­ren, die Dis­kus­si­on be­trifft doch Selbst­ver­ständ­nis­se (Iden­ti­tä­ten!), von Ur­he­bern, Ver­le­gern, Ver­wer­tern und Re­zi­pi­en­ten (vor al­lem je­nen die mit dem Netz in­ten­siv »ver­bun­den« sind oder so­zia­li­siert wur­den).

  12. @kienspan
    Ich ant­wor­te ein­mal hier, um die Dis­kus­si­on nicht zu ver­ein­zeln. Dan­ke für den Kom­men­tar — das An­docken freut mich be­son­ders!

    Sie ha­ben völ­lig recht, dass die öko­no­mi­sche La­ge die Si­tua­ti­on ver­kom­pli­ziert und un­be­dingt mit­zu­be­den­ken ist. Al­ler­dings glau­be ich, dass die grund­le­gen­de Über­le­gung zu­nächst ein­mal oh­ne aus­kom­men kann (oder muss): Was be­deu­tet die Ver­öf­fent­li­chung und Re­zep­ti­on ei­nes Werks (im wei­te­sten Sinn) in­ner­halb ei­ner Ge­sell­schaft, die sich aus – tat­säch­li­chen oder so ver­stan­de­nen – selbst­be­stimm­ten (al­so zu frei­en Ent­schlüs­sen fä­hi­gen) In­di­vi­du­en zu­sam­men­setzt? Im näch­sten Schritt müss­ten dann die öko­no­mi­schen Be­din­gun­gen (Zwän­ge, etc.) hin­zu­ge­nom­men wer­den.

    Ich glau­be, dass das Ur­he­ber­recht grund­sätz­lich in un­se­rem in­di­vi­du­el­len und frei­heit­li­chen Mensch­bild (und ‑ver­ständ­nis) be­grün­det wer­den soll­te (auch wenn das tat­säch­li­che, ju­ri­stisch for­mu­lier­te auch öko­no­mi­scher Her­kunft sein soll­te). Da­von un­be­nom­men, füh­ren an­de­re An­nah­men zu an­de­ren Schluß­fol­ge­run­gen. Wenn wir da­von aus­ge­hen, dass ein Schöp­fer (wie­der­um im all­ge­mein­sten Ver­ständ­nis) et­was Neu­es (selbst wenn es nur re­la­tiv sein soll­te) her­vor­brin­gen kann, dann müs­sen wir ihm hin­sicht­lich des­sen Frei­heits­rech­te zu­ge­ste­hen. Ge­hen wir von ei­ner Wie­der­kehr des Im­mer­glei­chen aus, dann könn­te das an­ders sein.

    Zu Frei­heit und Ei­gen­tum: Ich glau­be das ist wie­der­um ei­ne Fra­ge des Aus­gleichs, des Re­spekts und der Ein­sicht, dass Frei­heit nicht nur für ei­nen selbst gilt. Die Ver­füg­bar­keit über Din­ge (al­so Ei­gen­tum) hat sei­ne Gren­ze wo sie die Frei­heit an­de­rer (emp­find­lich) be­rührt. Was Sie wei­ter be­schrei­ben liest sich wie ei­ne schö­ne Uto­pie, die sich im Netz tat­säch­lich be­reits ein we­nig zu rea­li­sie­ren be­ginnt. Herz­li­chen Dank noch ein­mal für die An­re­gun­gen!

  13. Noch hin­zu­ge­fügt: Ein zu ri­gi­des Ei­gen­tums- oder Ver­wer­tungs­ver­ständ­nis, wür­de die­se Uto­pie be­dro­hen (um­ge­kehrt kann man sie al­ler­dings auch nicht er­zwin­gen).

  14. Wenn Ei­gen­tum die voll­stän­di­ge Verfügungs­gewalt über ei­ne Sa­che oder ein gei­sti­ges Er­zeug­nis be­zeich­net, dann fin­det sie mit dem ge­woll­ten und be­wuss­ten Hin­aus­tre­ten aus dem rein per­sön­li­chen Be­reich und Um­feld ihr En­de.
    Die­se Aus­sa­ge ist »wahr« un­ter der wei­te­ren An­nah­me, dass ein­schrän­kend bin­den­de Ver­ab­re­dun­gen zwi­schen Schöp­fer und Ge­sell­schaft nicht statt­fin­den. Tat­säch­lich ver­hält es sich so, dass in­di­ge­ne Kul­tu­ren exi­stier­ten, de­nen in­di­vi­du­el­les Ei­gen­tum fremd war. Was »in die Welt« kam – es muss­te nicht ein­mal über­ge­ben wer­den – stand der Ge­mein­schaft zur Ver­fü­gung, was eben­falls ei­ne ge­sell­schaft­lich an­er­kann­te Ver­ab­re­dung dar­stellt.

    Um nun ei­nen wei­te­ren Nach­denk­im­puls bei­zu­tra­gen, möch­te ich auf den Um­stand hin­wei­sen, dass nicht »Ei­gen­tum« zur Hand­lungs- und Ge­stal­tungs­frei­heit be­fä­higt, son­dern »Be­sitz«. Das ist sehr wich­tig, da Be­sit­zer und Ei­gen­tü­mer nicht un­be­dingt iden­tisch sein müs­sen. Nur als Be­sit­zer ver­fü­ge ich über das Gut, um zu tun, zu schaf­fen. Zur Voll­stän­dig­keit füh­re ich noch den »In­ne­ha­ber« an, zum Bei­spiel ei­nen Fin­der, der das ge­fun­de­ne Gut we­der be­sit­zen, noch sein Ei­gen­tum nen­nen und folg­lich auch kei­ne Ver­fü­gungs­ge­walt über die Fund­sa­che aus­üben kann. Wir be­grei­fen bei der Ver­wen­dung der Wor­te »Ei­gen­tum«, »Be­sitz« und »In­ne­ha­bung« Rechts­ver­hält­nis­se. Das wur­de uns mit Sei­ten­blick auf die glo­ba­le wirt­schaft­li­che Sy­stem­ent­wick­lung zum Ver­häng­nis.

    Nach mei­ner Auf­fas­sung kom­men wir nicht um­hin, die tren­nend-si­chern­de Wir­kungs­ab­sicht des Be­griffs Ei­gen­tum an­zu­er­ken­nen. So­weit es die Si­che­rung der in­di­vi­du­el­len Exi­stenz be­trifft, gä­be es an­de­re, sinn­vol­le­re We­ge, dies zu ge­währ­lei­sten. So­weit es die Aus­übung von Macht über Be­sit­zer be­trifft, soll­te dar­über nicht nur mit dem Kopf, son­dern auch mit dem Her­zen nach­ge­dacht wer­den.

    Wie könn­te kul­tu­rel­le Ent­wick­lung aus­se­hen, wel­che die be­droh­li­che Wir­kungs­sei­te des Be­griffs Ei­gen­tum zu ent­schär­fen er­mög­licht? Mei­nes Er­ach­tens wä­re es da­zu er­for­der­lich, im ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­hang und ‑halt das Emp­fin­den für »Wür­de« zu för­dern und ins­be­son­de­re mit dem Vor­gang der »Wür­di­gung« zu ver­bin­den. Dem Schöp­fer muss an­ge­mes­se­ne Wür­di­gung zu­teil wer­den – ge­schul­det der Tat­sa­che, dass der Mensch ei­ne der drei oder vier bis­her be­kann­ten Spe­zi­es ist, wel­che zur »Ich«-Wahrnehmung be­fä­higt ist. Der Ei­gen­tums­be­griff be­hin­dert die­se Ent­wick­lung seit je­her, wie ich mei­ne.

    (ei­ne An­mer­kung in ei­ge­ner Sa­che: mei­nem Wunsch, die oben­ste­hen­de An­knüp­fung an Me­tep­si­lo­n­e­mas Aus­füh­run­gen zu ent­fer­nen, hät­te ent­spro­chen wer­den kön­nen mit der gleich­zei­ti­gen Ein­la­dung, den Kom­men­tar noch­mals – dann un­be­hin­dert – ein­zu­stel­len. Die Wir­kung hät­te ei­ne völ­lig an­de­re sein kön­nen.)

  15. @kienspan – OT
    Ich hat­te klar­ge­stellt, dass ich mir das Recht her­aus­neh­me, zu be­stimm­ten Zei­ten bzw. bei be­stimm­ten Kom­men­ta­to­ren auf »Mo­de­ra­ti­on« um­zu­schal­ten. Ganz au­to­ma­tisch er­folgt dies üb­ri­gens wenn ei­ne ge­wis­se Zahl an Links ab­ge­setzt wird (was bei Ih­nen nicht der Fall war). Ihr wie­der­hol­tes In­si­stie­ren und Ein­kla­gen von Lö­schun­gen ist ex­trem ner­vig. Üb­ri­gens ist Mo­de­ra­ti­on nichts un­ge­wöhn­li­ches und wird auf sehr vie­len Blogs und Fo­ren prak­ti­ziert (mei­sten­teils üb­ri­gens oh­ne ent­spre­chen­de Vor­ankün­di­gung). Ich fal­le ge­le­gent­lich sel­ber durch den »Rost« mo­de­rier­ter Kom­men­ta­re, bspw. bei der FAZ. Das ist är­ger­lich, aber von mei­ner Sei­te nicht zu be­an­stan­den – das Haus­recht muss ge­ach­tet wer­den.

    Sie hat­ten sich auf ei­nem an­de­ren Blog dar­über mo­kiert, dass ich Ih­rem Wunsch nicht ent­spro­chen hät­te. Ich hät­te die­sen Ein­wand ger­ne hier ge­le­sen, aber auch das ist Ihr gu­tes Recht. Die Fra­ge ist nicht ganz un­in­ter­es­sant, ob ei­ne ein­mal ge­schick­ter Kom­men­tar Ver­fü­gungs­mas­se des Kom­men­tie­ren­den bleibt. Ich stel­le mir da­bei ge­ra­de vor, wie ein Viel­kom­men­tie­rer bei der FAZ oder im Spie­gel-On­line-Fo­rum plötz­lich den Be­trei­ber nach Lö­schung sei­ner Kom­men­ta­re an­schreibt und wel­che Wel­len dies schla­gen könn­te.

    Ih­ren er­neu­ten Ein­lass zu der Sa­che in Kom­men­tar #14 in Klam­mern hal­te ich für ziem­lich lä­cher­lich: Ich hät­te Ih­ren Kom­men­tar, Ih­rem Wunsch ge­mäß lö­schen sol­len, Sie dann kon­tak­tie­ren und um Neu­ein­stel­lung bit­ten. Sie wuss­ten ja zum Zeit­punkt des Ver­sands gar nicht, dass der Kom­men­tar »mo­de­riert« wird, al­so wel­cher grund­sätz­li­che Un­ter­schied soll­te dar­in be­stehen, ihn zu lö­schen und dann – wort­gleich – von Ih­nen ein­zu­stel­len? Ei­ne »an­de­re Wir­kung« von der Sie spre­chen, ver­mag ich auch nicht zu ent­decken.

    Bit­te be­rück­sich­ti­gen Sie, dass ich zur Pfle­ge sol­cher Ei­tel­kei­ten we­der Zeit noch Lust ha­be. Wenn Ih­re Äu­ße­run­gen sach­be­zo­gen sind (d. h. los­ge­löst von sol­chen »ad­mi­ni­stra­ti­ven« Pro­ble­men) schät­ze ich Ih­re Kom­men­ta­re, auch wenn ich mit ih­nen nicht im­mer über­ein­stim­me (das ei­ne soll­te mit dem an­de­ren nichts zu tun ha­ben). Auf spe­zi­el­le Ein­la­dun­gen (oder son­sti­gen Maß­nah­men), Kom­men­ta­re auf mei­nen Blog zu zie­hen, möch­te ich je­doch ver­zich­ten.

    Un­ter »Grund­sätz­li­ches« steht un­ter an­de­rem: »Grund­sätzlich gilt: Was ge­sagt ist, ist ge­sagt.« Ich möch­te die­ses Prin­zip be­las­sen, es sei denn, es gibt wirk­lich gra­vie­ren­de Grün­de (bspw. nach­träg­lich be­merk­te un­rich­ti­ge Aus­sa­gen; Be­lei­di­gun­gen; Miss­ver­ständ­li­ches).

  16. @Keuschnig – zur tat­säch­li­chen Be­rich­ti­gung
    Den Wunsch, mich zu kon­tak­tie­ren, kön­nen Sie bei ver­nünf­ti­gem Ge­brauch der Spra­che in mei­ne An­mer­kung nicht hin­ein­le­sen. Da­ge­gen ver­wah­re ich mich.

    So­lan­ge ein zur Ver­öf­fent­li­chung be­stimm­ter Text oder Kom­men­tar noch nicht ver­öf­fent­licht ist, un­ter­liegt er voll­stän­dig der Ver­fü­gungs­ge­walt des Ver­fas­sers. Das ist so­wohl durch Me­tep­si­lo­n­e­mas Aus­füh­run­gen ge­deckt, als auch durch die (recht­li­che) Pra­xis. Dem kön­nen Sie ar­gu­men­ta­tiv ent­ge­gen­tre­ten.

    Ih­re üb­ri­gen Be­haup­tun­gen be­ant­wor­te ich hier nicht, um ei­ne mög­li­che (und auch er­wünsch­te) Dis­kus­si­on nicht zu zer­split­tern.

  17. @Metepsilonema – Er­gän­zung
    Ein si­cher un­er­war­te­tes Bei­spiel für das Aus­ein­an­der­fal­len von Ei­gen­tum und Be­sitz fin­den Sie in der ge­bräuch­li­chen Fik­ti­on »Geld«. Wir be­sit­zen zwar (Giral)Geld; es ist aber Ei­gen­tum des Ban­ken­sy­stems, von dem es er­schaf­fen wur­de. Dass frei ver­füg­ba­res Geld (Bar­geld + Sicht­ein­la­gen = M1) die Grund­la­ge der Exi­stenz­si­che­rung dar­stellt, wird un­wi­der­spro­chen hin­ge­nom­men wer­den kön­nen. Da es im Eu­ro­raum zu rund 6/7 und mit Zins­dienst be­la­stet im Ei­gen­tum von pri­va­ten Ban­ken steht, kann leicht ab­ge­lei­tet wer­den, dass es mit der Frei­heit nicht weit her sein kann. Die­ser spon­ta­ne Ge­dan­ke ist mei­ner­seits je­doch nicht ge­äu­ßert, um das Ge­spräch vom ge­ge­be­nen The­ma weg­zu­len­ken.

  18. @Kienspan
    Ich möch­te nicht in Ab­re­de stel­len, dass Tra­di­ti­on und So­zia­li­sa­ti­on hier ein Rol­le spie­len; es geht mir aus­drück­lich nicht um Be­sitz­stands­wah­rung, aber ich kann mir ei­ne Ge­sell­schaft oh­ne um­fas­sen­de Ver­füg­bar­keit über be­stimm­te, per­sön­li­che Din­ge nur schwer vor­stel­len. Ob man das Ei­gen­tum oder ver­trag­lich ab­ge­si­cher­ten Be­sitz nennt, ist zweit­ran­gig.

    Es hat si­cher­lich Kul­tu­ren ge­ge­ben (oder gibt sie noch) die stark ge­mein­schaft­lich or­ga­ni­siert wa­ren, mit we­nig per­sön­li­chen Ver­fü­gungs­rech­ten. Ob uns das im Hier und Jetzt un­se­rer Ge­sell­schaft al­ler­dings viel wei­ter hilft, ich weiß es nicht.

    Ei­gen­tü­mer und Be­sit­zer fal­len bei Nicht­ver­öf­fent­li­chung zu­sam­men (ein Dieb­stahl ein­mal aus­ge­schlos­sen). Man könn­te fra­gen, wie weit mit ei­ner Ver­öf­fent­li­chung nicht al­le zu (Mit)Besitzern ei­ner (gei­sti­gen) Schöp­fung (ge­macht) wer­den. Ei­nen In­ne­ha­ber gä­be es im Fal­le ei­nes Wie­der­fun­des nach lan­ger Zeit, ein ent­deck­tes Ma­nu­skript in ei­nem Nach­lass, z.B. Tat­säch­lich lä­gen dann un­ge­klä­re Ver­hält­nis­se vor, denn man weiß ja im Re­gel­fall nicht mehr was der Schöp­fer vor­hat­te.

    Ich weiß nicht: Hängt die Wür­de im Fal­le der An­er­ken­nung ei­ner Schöp­fung nicht am Ich des Schöp­fers und da­mit dar­an, dass die Schöp­fung die sei­ni­ge ist (oder war) und in wei­te­rer Fol­ge an (teil)aufgegebenem Ei­gen­tum re­spek­ti­ve Be­sitz?

    Wor­an den­ken sie bei der Si­che­rung der in­di­vi­du­el­len Exi­stenz? An ein Grund­ein­kom­men?

    [Zum Geld: Ein Sy­stem kann nichts be­sit­zen, ist Geld nicht viel­mehr das Ei­gen­tum al­ler, nur mehr­heit­lich im Be­sitz we­ni­ger (In­sti­tu­te)?]

  19. @Metepsilonema
    Den Hin­weis auf in­di­ge­nen Kul­tu­ren brach­te ich als Be­leg da­für an, dass ich Ih­re grund­sätz­li­chen Über­le­gun­gen als zu­tref­fend er­ach­te. Das hät­te, wie ich nun ver­mu­te, deut­li­cher for­mu­liert wer­den sol­len.

    Zur Fra­ge der Wür­de ist mir wich­tig, je­ne des Schöp­fers ins Au­ge zu fas­sen – ihm die an­ge­mes­se­ne Wür­di­gung zu­teil wer­den zu las­sen und nicht der Schöp­fung. Dar­in er­blicke ich ei­nen be­deut­sa­men Un­ter­schied, der auch am in Ih­ren Über­le­gun­gen be­ab­sich­tigt aus­ge­klam­mer­ten Rechts­ver­ständ­nis vor­bei und weg führt. Ich schrieb ja auch: »Dem Schöp­fer muss an­ge­mes­se­ne Wür­di­gung zu­teil wer­den...«

    Mit der Si­che­rung der in­di­vi­du­el­len Exi­stenz mein­te ich hier nicht ein »Grund­ein­kom­men«, son­dern das ei­gen­ver­ant­wort­li­che Be­mü­hen um ma­te­ri­el­le Ab­si­che­rung des in­di­vi­du­el­len Da­seins.

    [zum Geld: Nein. Gi­ral­geld wird von Ban­ken bei der Kre­dit­ver­ga­be bi­lanz­ver­län­gernd (Kreditforderung|Gutschrift) er­schaf­fen. Schon al­lein aus der Til­gungs­pflicht er­hellt sich, dass der Be­sit­zer (Kre­dit­neh­mer) dem Ei­gen­tü­mer (Kre­dit­ge­ber) den ver­trags­ge­gen­ständ­li­chen Be­trag zu­rück­ge­ben muss. Ge­samt­heit­lich be­trach­tet ent­ste­hen Gut­ha­ben da­durch, dass bei Ban­ken Kre­di­te auf­ge­nom­men wer­den. Es ist eben nicht so, dass Kre­di­te ver­ge­ben wer­den, weil Gut­ha­ben da­für zur Ver­fü­gung ste­hen.]

  20. @kienspan
    Schöp­fer, Schöp­fung und Wür­de: Ich be­mer­ke ge­ra­de, dass mir gar nicht klar ist was Sie ge­nau mei­nen. Ist Wür­de die all­ge­mein mensch­li­che oder ei­ne in Be­zug auf das Ge­schaf­fe­ne? Wenn die all­ge­mein mensch­li­che ge­meint ist, dann wä­re sie als un­ab­hän­gig (al­so oh­ne Re­fe­renz au­ßer den Men­schen selbst) zu ver­ste­hen. Sie wä­re ver­letz­bar, aber nicht an­ders als bei je­dem an­de­ren Men­schen. Und ei­ne spe­zi­el­le Wür­de ei­nes Schöp­fers kä­me mir selt­sam vor (au­ßer es wä­re ei­ne Cha­rak­ter­ei­gen­schaft ge­meint). Ei­ne Wür­di­gung wä­re al­ler­dings erst Er­geb­nis ei­ner Re­zep­ti­on und kann nicht von vorn­her­ein ver­ge­ben wer­den (man wür­digt je­mand erst, wenn man sein Werk oder Schaf­fen ei­ni­ger­ma­ßen über­blicken kann). Viel­leicht ist das Wort Re­spekt oder Ach­tung bes­ser (es könn­te dann auch der Tä­tig­keit und dem Be­mü­hen ge­schul­det wer­den, nicht aber [zwin­gend] dem Er­geb­nis)?

  21. @Metepsilonema
    Mit der Wür­di­gung des Schöp­fers mei­ne ich die wert­schät­zen­de Be­ach­tung des Schöp­fungs­pro­zes­ses bis hin zu Ver­öf­fent­li­chung. Sie be­zieht sich auf den Vor­gang und nicht auf das Ge­schaf­fe­ne selbst, un­ter­schei­det sich dar­in auch von der all­ge­mei­nen Men­schen­wür­de.

    Wenn das selt­sam er­scheint, muss ge­nau­er un­ter­sucht und nach dem Grund da­für ge­fragt wer­den. Wir sind ge­wohnt, der Sa­che, dem Werk im­pli­zit (meist aber durch­aus ex­pli­zit) Wert bei­zu­mes­sen. Da­bei wird aber die Bin­dung des Schöp­fers an das Ge­schaf­fe­ne nicht nur ver­nach­läs­sigt, son­dern gänz­lich auf­ge­ho­ben. Der Schöp­fer, nein: die Schöpfer:in wird vom Werk ge­trennt und er­fährt Wür­di­gung erst dann, wenn sich das Er­schaf­fe­ne in un­se­ren Au­gen als wür­dig er­weist. Wel­chen Rück­halt in wel­chen Wert­vor­stel­lun­gen könn­te es da­für ge­ben?

    Um zu­zu­spit­zen, be­mü­he ich als Ana­lo­gie das schen­ken­de Kind, das mit Freu­de ei­ne schö­ne hand­werk­li­che Ar­beit voll­endet hat und sich so­dann im Akt des Schen­kens da­von trennt. Ich mei­ne hier nicht den vor­der­grün­di­gen Aus­druck von Ver­bun­den­hheit, der den Be­schenk­ten zu be­we­gen ver­mag. Viel­mehr den­ke ich an den in­ne­ren Vor­gang des Los­las­sens des Schöp­fers. Das ist ein see­li­scher Kraft­akt, der Wür­di­gung ver­dient, weil ihm, nun wie­der ver­all­ge­mei­nert, der Im­puls zur kul­tu­rel­len Ent­wick­lung in­ne­wohnt.

    Viel­leicht fällt es auch schwer, sich emo­tio­nal vom Be­griff des »sich An­eig­nens« zu di­stan­zie­ren, denn Re­zep­ti­on ist schließ­lich nichts an­de­res. Was an­ge­eig­net wird, geht in Ei­gen­tum über – je­doch, um wel­chen Preis? Der­zeit um kei­nen, be­haup­te ich, ei­nen all­fäl­li­gen »schuld­be­frei­en­den« Kauf­preis be­wusst au­ßer Acht las­send.

  22. @kienspan
    Schöp­fer bzw. Künst­ler be­sit­zen si­cher­lich be­mer­kens­wer­te Ei­gen­schaf­ten und brin­gen et­was Be­son­de­res her­vor. Dies macht sie aber kei­nes­wegs zu bes­se­ren Men­schen, ganz im Ge­gen­teil, vie­le Künst­ler wa­ren in mensch­li­cher Hin­sicht ge­wiss kei­ne Vor­bil­der. Ich se­he da ei­ne ge­wis­se Ge­fahr der Über­schät­zung über den Be­reich der Kunst hin­aus. Ver­ste­hen Sie die wert­schät­zen­de Be­trach­tung des Schöp­fungs­pro­zes­ses ei­nes Künst­lers als et­was an­de­res, als z.B. die ei­nes Tisch­lers oder Gla­sers (Ih­re Ana­lo­gie scheint mir in ei­ne sehr all­ge­mei­ne Rich­tung zu zie­len, was ich be­für­wor­ten wür­de)?

    Re­zep­ti­on ist nicht nur An­eig­nung, sie be­deu­tet im­mer auch Schöp­fung, im Fall von Kunst nei­ge ich zu­min­dest stark in die­se Rich­tung (ich muss mich be­mü­hen, mich dar­auf ein­las­sen, deu­te und le­se das Werk in Rich­tung ei­nes be­stimm­ten Ver­ständ­nis­ses — das ist teil­wei­se das Ge­gen­teil von An­eig­nung).

    Das Los­las­sen ist m.E. ver­schie­dent­lich zu be­wer­ten, bzw. ein­zu­schrän­ken: Wird ein Werk nicht im­mer auch ge­schaf­fen um ver­mit­telt, um wei­ter­ge­ge­ben zu wer­den? Au­ßer­dem: Der Grad des Ei­gen­tums bzw. Beit­zen­wol­lens ist hin­sicht­lich der bil­den­den Kunst ein an­de­rer als im Hin­blick auf Li­te­ra­tur und Mu­sik (Ko­pie, Her­vor­brin­gung, In­ter­pre­ta­ti­on).

  23. @Metepsilonema
    Die Wür­di­gung des Schöp­fungs­ak­tes be­deu­tet nicht, den Men­schen in sei­nen ge­sam­ten cha­rak­ter­li­chen Ei­gen­schaf­ten zu be­stär­ken. Wür­di­gung ist schon in der La­ge zu dif­fe­ren­zie­ren. Dem Ver­all­ge­mei­ne­rungs­stre­ben stand­zu­hal­ten und viel­leicht wei­ter­hin be­stehen­blei­ben­de Dis­so­nan­zen aus­zu­hal­ten, da­zu ge­hört si­cher auch ein ge­wis­ses Maß an Mut – auf den man sich all­ge­mein wie­der be­sin­nen müss­te.

    Sie ha­ben mit Ih­rer Fra­ge nach der wert­schät­zen­den Be­trach­tung mei­ne Sicht­wei­se zu­tref­fend auf­ge­grif­fen: das schöp­fe­ri­sche Ver­mö­gen des Men­schen ist ein Wert an sich. Für ei­ne Tren­nung der schöp­fe­ri­schen Lei­stung von Tisch­ler und Gla­ser auf der ei­nen und je­ner der Künstler:in auf der an­de­ren Sei­te kann es im Kern kei­ne fun­dier­te Be­grün­dung ge­ben. Das drückt sich auch im ge­bräuch­li­chen Be­griff Kunsthand­werk aus.

    In Ih­rem letz­ten Ge­dan­ken­ab­satz ha­be ich ein in­ter­es­san­tes De­tail, näm­lich das Wört­chen »auch«, ent­deckt. Die Vor­der­sei­te ist oh­ne Zwei­fel zu­zu­ge­ste­hen, doch führt dies so­gleich zu der Über­le­gung, was »auch« auf sei­ner Rück­sei­te trägt. Ist es mög­li­cher­wei­se der Ein­kom­mens­wil­le? Wes­halb, üb­ri­gens, spre­chen wir im­mer von »Ein­kom­men«, nicht aber von »Ver­dienst« im Sin­ne von »sich ver­dient ma­chen«? Et­wa, weil wir nicht die­nen woll­ten? Wie wird der z.B. li­te­ra­ri­sche Schaf­fens­pro­zess be­ein­flusst durch die un­aus­ge­spro­che­ne Not­wen­dig­keit, sei­nen Le­bens­un­ter­halt zu be­strei­ten? Wie könn­te hin­ge­gen ein Schaf­fens­pro­zess aus­se­hen, wenn nicht an­dau­ernd er­zwun­ge­ner­ma­ßen be- und ge­strit­ten wer­den müss­te?

    Dar­in möch­te ich auch Ih­ren ab­schlie­ßen­den Ge­dan­ken zum gra­du­el­len Un­ter­schied im Be­sit­zen­wol­len hin­ein­flech­ten und auf die Stel­le in Ih­rer Ab­hand­lung zu­rück­kom­men, in der Sie über den Kon­sens schrie­ben – den Rück­tritt des Ur­he­bers, die An­sprü­che der Re­zi­pi­en­ten (auch als po­ten­zi­el­le Schöp­fer) und eben den er­stre­bens­wer­ten ge­sell­schaft­li­chen Kon­sens. Ich mei­ne, dass vom »Ge­brauchs­wert« ei­ner Schöp­fung ab­ge­las­sen wer­den müss­te, um die­sem Kon­sens nä­her kom­men zu kön­nen. Über exi­stenz­si­chern­de For­men der Wür­di­gung des Schöp­fungs­pro­zes­ses an sich zu ver­han­deln, könn­te dann ge­wiss leich­ter fal­len, wo­bei ich al­ler­dings die An­sicht ver­tre­te, dass vor­ab ge­si­cher­te Exi­stenz den rei­nen, von Er­werbs­not­wen­dig­kei­ten nicht ver­fälsch­ten Schöp­fungs­akt erst er­mög­lich­te.

  24. Na­tür­lich be­deu­tet die Wür­di­gung des Schöp­fungs­ak­tes nicht (zwin­gend) die Be­stär­kung des ge­sam­ten Cha­rak­ters; al­ler­dings zei­gen die Re­zep­ti­ons­ge­schich­te und et­li­che bio­gra­phi­sche Ar­bei­ten, dass das oft­mals der Fall war. Dies kann aber kein Grund sein, ei­ne Wür­di­gung zu ver­wei­gern. Die näch­ste wich­ti­ge Fra­ge wä­re, ob und war­um der Schöp­fungs­akt ge­gen­über an­de­ren Tä­tig­kei­ten hin­sicht­lich sei­ner Wer­tig­keit zu be­vor­zu­gen ist.

    Die Ein­sicht, dass Kunst auch ein Hand­werk ist, scheint mir in­ner­halb des deutsch­spra­chi­gen Raums, zu­min­dest was die Li­te­ra­tur be­trifft, we­nig ver­brei­tet zu sein.

    Nein, das »auch« be­zog sich auf den As­pekt, dass sich Künst­ler (mit­un­ter) ge­drängt füh­len, et­was schaf­fen zu müs­sen. Von Beet­ho­ven ist fol­gen­der Satz über­lie­fert: »Was ich auf dem Her­zen ha­be, muss her­aus, und dar­um schrei­be ich.« Da scheint mir der kom­mu­ni­ka­ti­ve As­pekt zu­nächst in den Hin­ter­grund ge­rückt zu sein.

    Ich glau­be schon, dass die mei­sten gu­te Ar­beit ma­chen und ihr Geld ver­die­nen wol­len. Ein­kom­men ist ein­fach der neu­tra­le­re Be­griff, den man auch be­nö­tigt, der al­ler­dings ver­schweigt ob je­mand ver­dient was er er­hält. Trotz­dem sind Ih­re Fra­gen wich­tig. Ich ver­mu­te, dass der Schaf­fens­pro­zess ei­ne ge­wis­se Nö­ti­gung er­fährt, weil er Nut­zen (Geld) ab­wer­fen soll. Man wird dem Be­trieb nicht aus­wei­chen kön­nen und Kom­pro­mis­se ein­ge­hen müs­sen. An­de­rer­seits kön­nen ge­nau die­se Kon­flik­te und Wi­der­sprü­che neue Kräf­te frei­ma­chen. Soll­te das Ein­kom­men ge­si­chert sein und die­se Pro­ble­ma­tik kein we­sent­li­cher An­trieb für das je­wei­li­ge Schaf­fen dar­stel­len, wird es si­cher­lich be­que­mer und be­frei­ter er­fol­gen (es wä­re in­ter­es­sant sich an­zu­se­hen wel­che Aus­wir­kun­gen Gön­ner oder Sti­pen­di­en lang­fri­stig auf den Schaf­fens­pro­zess ha­ben). — Viel hängt si­cher­lich von der Per­sön­lich­keit des Künst­lers ab.

    Ge­brauchs­wert meint den mo­ne­tä­ren Wert und/oder jeg­li­chen »Nut­zen« (auch äs­the­ti­schen Wert) für den Re­zi­pi­en­ten?

    Exi­sten­zi­el­le Fra­gen se­he nicht als Ver­fäl­schung, weil die­se Pro­ble­ma­tik dem Men­schen in­hä­rent ist. Der Er­werb fin­det in ei­ner Art von Be­trieb statt und der hat selbst­ver­ständ­lich Aus­wir­kun­gen.

  25. @Metepsilonema
    Den Be­griff »Ge­brauchs­wert« ha­be ich durch Ih­re Nach­fra­ge als un­taug­lich er­kannt und muss ihn des­halb zu­rück­zie­hen – ge­meint war das Ver­hält­nis zwi­schen mo­ne­tä­rem Wert und sub­jek­ti­vem Nut­zen.

    Wenn wir den Schaf­fens­pro­zess von der »ge­wis­sen Nö­ti­gung«, wie Sie zu­rück­hal­tend for­mu­lier­ten, frei­den­ken könn­ten, wä­ren wir viel­leicht ein­mal zur Fort­set­zung kul­tu­rel­ler Ent­wick­lung be­fä­higt. Ich nä­her­te mich Ih­rer Ab­hand­lung an mit der Ab­sicht, mir die dar­in auf­ge­fä­del­ten Über­le­gun­gen jen­seits der ak­tu­el­len Ur­he­ber­rechts­de­bat­te zu er­schlie­ßen, ei­ne ver­all­ge­mei­ner­ba­re Re­le­vanz zu un­ter­su­chen. Die­se Re­le­vanz hat sich für mich im ent­fal­te­ten Ge­spräch dar­über er­här­tet.

    Mei­ne uto­pi­schen Über­le­gun­gen, wir spra­chen an­dern­orts dar­über, ge­hen in die Rich­tung, wel­che Aus­wir­kun­gen nicht-nö­ti­gen­de Le­bens­be­din­gun­gen auf die Her­an­bil­dung von Per­sön­lich­keit ha­ben; was ent­steht, wenn Wi­der­stand (z.B. ge­gen mit Nö­ti­gung ver­bun­de­ner Exi­stenz­be­dro­hung) un­ter­las­sen wer­den kann; ob sol­ches tat­säch­lich als »Kul­tur­im­puls« dar­stell­bar und be­greif­bar sein kann.
    Für Ih­re An­re­gun­gen da­zu möch­te ich Ih­nen recht herz­lich dan­ken.

  26. @kienspan
    Ich be­dan­ke mich eben­falls für das er­gie­bi­ge Ge­spräch. Die Dis­kus­si­on an­dern Orts möch­te ich fort­set­zen, ich bit­te noch um et­was Ge­duld.

    Ei­ne letz­te Fra­ge ha­be ich noch: Was ge­nau mei­nen Sie mit der Fort­set­zung kul­tu­rel­ler Ent­wick­lung? Das ge­schieht ja be­reits. Oder?