Angst­ha­sen­jour­na­lis­mus

Da ist sie al­so wie­der, die Me­di­en­kri­tik. So zu­ver­läs­sig wie Po­li­ti­ker auf »un­se­re Wer­te« re­kur­rie­ren und »Kon­se­quen­zen« zie­hen wol­len, so zu­ver­läs­sig dis­ku­tiert man in den Me­di­en über die Me­di­en und de­ren Be­richt­erstat­tung nach Ter­ror­ta­ten, Amok­läu­fen und an­de­ren Ge­walt­ex­zes­sen. Zwei Lö­sun­gen schei­nen sich an­zu­bah­nen: Zum ei­nen sol­len die Tä­ter nicht mehr ge­nannt, min­de­stens je­doch nicht mehr im Bild ge­zeigt wer­den. Letz­te­res ge­schieht ja oh­ne­hin kaum; statt­des­sen wird auf dem zur Fuß­ball-EM an­ge­schaff­ten Fern­se­her mit 110 cm Dia­go­na­le ein ver­pi­xel­ter Hau­fen ge­sen­det, was man sich tat­säch­lich spa­ren könn­te. Auch Aus­schnit­te aus even­tu­el­len Pro­pa­gan­da­vi­de­os sol­len nicht mehr ge­zeigt wer­den. Die näch­ste For­de­rung ist ver­mut­lich, dass man nicht mehr über die Ta­ten be­rich­ten soll.

Tat­säch­lich lebt der Ter­ro­ris­mus (und nicht nur er) von den me­dia­len Wir­kun­gen, die er er­zeugt. Na­he­zu al­le se­riö­sen Quel­len, die sich mit Ter­ro­ris­mus be­schäf­ti­gen, in­ter­pre­tie­ren sol­che Ta­ten auch als kom­mu­ni­ka­ti­ve Ak­te. Ter­ro­ris­mus ist ei­ne per­ver­se Form von Spra­che; ver­wen­det von de­nen, die sich be­wusst sind, in ei­ner macht­lo­sen Po­si­ti­on zu sein und auch zu blei­ben. Der Ter­ro­rist weiß, dass er die po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se mit sei­ner Tat nicht än­dern wird. Er braucht ei­nen Sinn jen­seits des ra­tio­na­len Dis­kur­ses. Die­sen Sinn fin­det er in ei­ner Ideo­lo­gie und/oder der Re­li­gi­on.

Der Ter­ro­rist spricht aber durch die Tat auch zu sei­nen Sym­pa­thi­san­ten. Er sagt: Wir sind da. Und wir kön­nen et­was be­we­gen. Das Ziel des Ter­ro­ris­mus ist es (min­de­stens zu­nächst) nicht, die Ge­sell­schaft im Sin­ne sei­ner Ideo­lo­gie zu ver­än­dern. Das Ziel be­steht dar­in, die Ge­sell­schaft pau­schal zu ver­un­si­chern. Die Bot­schaft ist ein­deu­tig: Kei­ner ist mehr si­cher. Je­der ist schul­dig – ob Po­li­ti­ker oder Markt­frau, ob Pro­mi­nen­ter oder Prie­ster. Es gilt das Mo­men­tum des Schick­sals: Wer zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort ist, kann zum Op­fer wer­den.

Die­se Bot­schaft muss im­mer wie­der durch neue Ak­tio­nen er­neu­ert wer­den. In­zwi­schen agie­ren die Sym­pa­thi­san­ten ver­mut­lich weit­ge­hend selb­stän­dig. Ob Me­tro­po­le oder Klein­stadt, ob Kir­che oder Mu­sik­fest – kein Ort ist mehr »si­cher«. Da­bei ist es auch egal, wel­che Di­men­sio­nen ein sol­cher An­schlag hat. Si­cher ist: Je­de Tat er­hält ei­ne na­he­zu glo­ba­le Auf­merk­sam­keit. Ein biss­chen als sich das An­dy War­hol mit sei­nen 15 Mi­nu­ten Be­rühmt­heit vor­ge­stellt ha­ben dürf­te.

Ist es da­her nicht ver­nünf­tig, die Be­richt­erstat­tung zu­rück­zu­fah­ren? Bei Au­to­un­fäl­len schaf­fen es ja auch nur die spek­ta­ku­lä­ren in die Nach­rich­ten. Und von den Schuss­waf­fen­an­schlä­gen in den USA er­fah­ren wir auch nur, wenn die­se ras­si­stisch mo­ti­viert sind. Es gibt Un­ter­su­chun­gen die zei­gen, dass die Zahl der Schie­nen­sui­zi­de zu­rück­ge­gan­gen war, wenn nicht stän­dig in den Durch­sa­gen und in den Me­di­en dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de. Und spä­te­stens jetzt ist man beim Nach­ah­mer­ef­fekt, ge­le­gent­lich auch »Wert­her-Ef­fekt« ge­nannt.

Der »Wert­her-Ef­fekt« re­kur­riert auf den Ro­man »Die Lei­den des jun­gen Wert­hers« von Jo­hann Wolf­gang Goe­the, der 1774 er­schie­nen war. Die Haupt­fi­gur des Ro­mans ist Wert­her, der sich, wie man zu Be­ginn er­fährt, in ei­ne Frau ver­liebt hat und nun das da­durch das Le­ben hoff­nungs­froh und zu­ver­sicht­lich sieht. Je­der kennt das En­de: Wert­her konn­te sei­ne Lie­be nicht ge­win­nen (die Grün­de wa­ren viel­fäl­tig) und er er­schießt sich. Goe­the schil­dert die­sen Tod nicht als zwangs­läu­fi­gen Akt ei­nes psy­chisch Ge­stör­ten. Noch Se­kun­den vor der Tat hat Wert­her die Mög­lich­keit, da­von ab­zu­las­sen. Er macht es nicht, weil er nach Ab­wä­gung in sei­nem Le­ben kei­nen Sinn mehr sieht. Der Ro­man löst auch heu­te noch beim Le­ser ei­ne star­ke Er­re­gung aus. Der Grund ist ein­fach: Über mehr als ein­hun­dert Sei­ten ler­nen wir ei­ne Per­son ken­nen. Wir neh­men An­teil an sei­ner Freu­de, an den Schön­hei­ten der Na­tur, die er er­lebt, an sei­ner Lie­be (die, wie er glaubt, auch er­wi­dert wird). Und wir er­fah­ren in al­len De­tails sei­ne Ver­zweif­lung. Goe­the er­zeugt ei­nen ho­hen Grad von Em­pa­thie für die Haupt­fi­gur (ein Grund üb­ri­gens, war­um er spä­ter die­sen Ro­man nicht mehr moch­te). Ähn­li­ches wur­de durch das Fern­se­hen 1981 mit der ZDF-Se­rie »Tod ei­nes Schü­lers« er­reicht. Im Le­sen ei­nes Ro­mans wie im An­schau­en ei­ner Fern­seh­se­rie be­schäf­tigt sich der je­wei­li­ge Re­zi­pi­ent stun­den- ja ta­ge­lang mit den Prot­ago­ni­sten und na­tür­lich auch der Haupt­fi­gur. Es ent­steht ei­ne star­ke emo­tio­na­le Ver­strickung. Man ent­deckt Par­al­le­len (und auch Un­ter­schie­de), We­sens­ge­mein­sam­kei­ten und –fremd­hei­ten. Mit­leid und Schrecken, ähn­lich wie in ei­ner grie­chi­schen Tra­gö­die, sind die Fol­gen. Der Un­ter­schied zur De­fi­ni­ti­on der Tra­gö­die liegt dar­in, dass es nicht zur Ka­thar­sis, zur Rei­ni­gung kommt. Der Re­zi­pi­ent muss sich so­zu­sa­gen selbst mit dem Schopf aus dem Sumpf zie­hen.

Der Wert­her-Ef­fekt be­ruht al­so auf ei­ner län­ge­ren emo­tio­na­len Bin­dung an ei­ne Fi­gur, die sich un­ter Um­stän­den in ei­ner ähn­li­chen, viel­leicht la­bi­len Ge­müts­la­ge be­fin­det wie der Re­zi­pi­ent. Die Ro­man­tik des spä­ten 18. Jahr­hun­derts war vol­ler un­glück­li­cher Lie­bes­ver­hält­nis­se. Die­se Ge­füh­le traf Goe­the ge­nau. Der harm­lo­se Wert­her-Ef­fekt be­stand dar­in, sich ge­mäß Wert­her zu klei­den und zu re­den. Nicht ein­deu­tig be­leg­bar sind die zum Teil ho­hen Zah­len der Sui­zi­de, die mit dem Buch in Ver­bin­dung ge­bracht wur­den. Das Buch wur­de tat­säch­lich 1775 in Leip­zig (und spä­ter auch in an­de­ren Städ­ten) ver­bo­ten. Al­ler­dings we­ni­ger aus Für­sor­ge­pflicht denn aus der Sor­ge, der Frei­geist und Re­bell Wert­her, der auch an den ge­sell­schaft­li­chen Kon­ven­tio­nen An­stoß nahm, könn­te zu po­li­ti­sche Un­ru­hen An­lass ge­ben.

Al­so gibt es Nach­ah­mungs­tä­ter? Stu­di­en zei­gen dies durch­aus. Je pro­mi­nen­ter ein Sui­zi­d­ent ist, de­sto eher steigt die Quo­te der Sui­zi­de in der Be­völ­ke­rung an. Aber wel­che Fol­gen hat das? Dass man über den Tod von Ma­ri­lyn Mon­roe (an­geb­lich Sui­zid) bes­ser nicht be­rich­tet hät­te? Dass man kei­ne Trau­er­fei­er im Sta­di­on zum Ge­den­ken an Ro­bert En­ke ver­an­stal­tet hät­te? Dass man Al­ter, Ge­schlecht, Her­kunft und Bio­gra­fie der Ter­ro­ri­sten nicht pu­bli­ziert? Dass man auch den Mas­sen­mör­der B. aus Nor­we­gen nicht mehr zeigt? Oder gar, man stel­le sich das vor, Do­ku­men­ta­tio­nen zu Na­zi-Ver­bre­chern an­ony­mi­siert und ver­pi­xelt oder, noch ver­rück­ter, aus den Buch­lä­den und Fern­seh­pro­gram­men ver­bannt? Dem­nächst noch die Über­tra­gung von Au­to­ren­nen ver­bie­ten, weil es zu Nach­ah­mern führt, die in In­nen­städ­ten Ren­nen ver­an­stal­ten? Pa­ra­dox wird es ja, wenn die Ver­fech­ter der an­ony­mi­sier­ten Be­richt­erstat­tung aus Furcht vor Nach­ah­mern im glei­chen Atem­zug Kil­ler­spie­len wie Coun­ter­strike (die auch noch, wie man neu­lich hör­te, in psych­ia­tri­schen Be­hand­lungs­häu­sern ge­spielt wer­den dür­fen) kei­ner­lei Aus­wir­kun­gen at­te­stie­ren. Ei­nen sol­chen Spa­gat muss man erst ein­mal hin­be­kom­men.

Aber wo bleibt ei­gent­lich die Es­senz un­se­rer so­ge­nann­ten Wer­te, die Auf­klä­rung? Was ist mit all den Ver­su­chen, hi­sto­ri­sche Be­ge­ben­hei­ten (Ter­ror­an­schlä­ge sind nichts an­de­res) als sol­che zu be­nen­nen, Ur­sa­chen aus­zu­for­schen und zu be­wer­ten? Und dann stellt sich noch die Fra­ge, war­um die Ge­sell­schaft der­art we­nig Zu­trau­en zu sich sel­ber hat, dass sie glaubt, Ju­gend­li­che wür­den durch all­zu vie­le In­for­ma­tio­nen und Bil­der über die Ter­ro­ri­sten an­ge­sta­chelt? Als könn­ten sie sich wo auch im­mer nicht die­se In­for­ma­tio­nen schon sel­ber be­sor­gen.

Von Angst­ha­sen wer­de ein »kein-Fo­rum-Bie­ten-Jour­na­lis­mus« be­trie­ben – so re­agier­te Mal­te Her­wig neu­lich in ei­nem Tweet auf mei­ne Ver­blüf­fung, dass man sich dar­über auf­regt, dass (nicht un­be­dingt nur: wie) die ARD den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Er­dogan in­ter­viewt ha­be. Auch hier die­se Furcht, die in selt­sa­mem Kon­trast zu un­se­ren doch an­geb­lich so stand­haf­ten De­mo­kra­tie und tol­len Plu­ra­lis­mus steht: Al­les, was nicht ge­fällt (die Grün­de hier­für mö­gen ja noch so eh­ren­haft sein), soll nicht mehr dis­ku­tiert, son­dern am be­sten so­fort aus dem Dis­kurs­raum ent­fernt wer­den. So ent­ste­hen – das müss­te man ei­gent­lich wis­sen – eher mehr als we­ni­ger Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Und man soll­te den Re­zi­pi­en­ten ja sel­ber über­las­sen, ob sie sich den Tort ei­nes Er­dogan-In­ter­views an­tun, auch wenn es als »In­ter­view« oder »Ge­spräch« jour­na­li­stisch miss­glückt ist.

Si­cher, man muss nicht über je­des Stöck­chen sprin­gen, wel­ches po­pu­li­sti­sche oder ras­si­sti­sche Po­li­ti­ker hin­hal­ten. Ak­tu­ell in­stru­men­ta­li­siert Do­nald Trump ge­ra­de­zu per­fekt die Me­di­en für sich. Mel­den muss man das schon; al­lei­ne die Tat­sa­che, dass er – heu­te – for­dert, rus­si­sche Hacker soll­ten das Mail­kon­to von Hil­la­ry Clin­ton hacken, spricht für sich sel­ber. Und da­her muss man auch nicht bei je­der Mel­dung über Trumps Ge­schwätz die psy­cho­lo­gi­sche Be­hand­lungs­couch her­vor­zie­hen. Der rich­ti­ge Trump-An­hän­ger wird es nicht le­sen.

Wer Angst vor Nach­ah­mern hat, soll­te viel­leicht dem­nächst auch die über­bor­den­de Zahl von »Kri­mis« re­du­zie­ren, die wie Gül­le in die Fern­seh­ka­nä­le ein­ge­sickert sind und die ei­nem, wenn man das tat­säch­lich schaut, das Ge­fühl ver­mit­teln, ein Mord sei so selbst­ver­ständ­lich wie ei­ne Ge­schwin­dig­keits­über­tre­tung. Wer dies möch­te, könn­te auch Spiel­fil­me von Kult­re­gis­seu­ren zen­sie­ren, in de­nen li­ter­wei­se (fal­sches) Blut fließt. Wer ernst­haft glaubt, die He­roi­sie­rung von Ter­ro­ri­sten wür­de auf ARD, ZDF, RTL oder N24 be­trie­ben, ist gren­zen­los na­iv.

Und noch ei­ne Fra­ge stellt sich bei dem vi­ru­lent ver­tre­te­nen Angst­ha­sen­jour­na­lis­mus: Wie sieht es mit un­se­rer Er­in­ne­rungs­kul­tur aus? Die hat ja schon seit der Aus­ein­an­der­set­zung um das »Recht auf Ver­ges­sen« ei­ne grö­ße­re Del­le er­fah­ren. Wenn man je­doch die vor­aus­ei­len­de Angst vor Nach­ah­mun­gen ernst nimmt, müss­te man auf die in den letz­ten Jah­ren fast schon ri­tu­ell ge­wor­de­nen Er­in­ne­run­gen klei­ner und grö­ße­rer Ka­ta­stro­phen bei­spiels­wei­se in den Haupt­nach­rich­ten­sen­dun­gen des Fern­se­hens ver­zich­ten. Tat­säch­lich ist nicht im­mer ganz ein­zu­se­hen, war­um die Er­in­ne­rungs­da­ten der­art fest ein­ze­men­tiert wer­den. Muss es wirk­lich sein, je­des Jahr auf den 24.3., 22.7., 11.9. und dem­nächst dann 13.11. hin­zu­wei­sen? Wä­re es nicht wirk­lich bes­ser, auf die­se in Flos­kel­wol­ken re­gel­mä­ssig er­sticken­den Er­in­ne­rungs­ru­fe, zu ver­zich­ten? Der Jour­na­list Frank Lüb­ber­ding wies neu­lich dar­auf hin, dass sol­che Art des Denk­mal­t­ums im­mer auch aufs Neue den/die Tä­ter in den Fo­kus rückt. Be­deu­tet Er­in­ne­rung im­mer auch das zwang­haf­te Dar­an-Den­ken-Müs­sen?

Me­di­en­kri­tik müss­te die bei­den un­ter­schied­li­chen Po­le zwi­schen le­gi­ti­mem In­for­ma­ti­ons­be­dürf­nis und blo­ßer Schau- und Sen­sa­ti­ons­lust aus­lo­ten und be­nen­nen. Es mag ja für die per­sön­li­che Hy­gie­ne an­ge­bracht sein auf Fi­gu­ren wie Bro­der oder gar Ulfkot­te ein­zu­dre­schen und der Bild-Zei­tung oder auch al­len an­de­ren vor­zu­wer­fen, ein Por­trait nicht ord­nungs­ge­mäss ver­pi­xelt zu ha­ben. Das sind gut­ge­mein­te Re­fle­xe; mit ernst­haf­ter Me­di­en­kri­tik hat das nichts zu tun. Ein Ga­stro­kri­ti­ker be­sucht schließ­lich auch kei­ne Mc­Do­nalds-Lä­den. Auch der Wunsch mehr gu­te Nach­rich­ten zu ver­brei­ten, ist eher ein hilf­lo­ser Akt denn se­riö­se Aus­ein­an­der­set­zung. Das er­in­nert von Fer­ne an den Witz, dass der Nach­rich­ten­spre­cher mel­det, heu­te sei­en 3.476 Flug­zeu­ge ge­star­tet und 3.475 ord­nungs­ge­mäß ge­lan­det.

Kei­ne Fra­ge: Die Me­di­en­kri­tik ist im glei­chen Di­lem­ma wie der Jour­na­lis­mus, den sie kri­ti­siert. Sie soll (glaubt, zu sol­len) im ta­ges­ak­tu­el­len Mo­dus die Be­richt­erstat­tung über das Ge­se­he­ne, Ge­hör­te, Ge­le­se­ne ein­ord­nen. Da­mit be­fin­det sie sich sel­ber in Teu­fels­kreis ei­ner Ak­tua­li­tät, die, so wird uns im­mer noch er­zählt, von uns ge­wünscht wird. Wie hilf­los die­ser Ak­tua­li­täts­zwang wird zeigt sich im­mer wie­der, wenn »Brea­king News« auf dem Schirm kom­men. Es ist schwie­rig, dem Sen­de- und Pu­bli­ka­ti­ons­zwang zu ent­kom­men. Selbst die hef­tig­sten Spon­tan­kri­ti­ker auf Twit­ter, die die bei die­ser Ge­le­gen­heit über­bor­den­de Do­mi­nanz des Kon­junk­tivs be­kla­gen, blei­ben »da­bei«.

Das ist üb­ri­gens kein Phä­no­men der neu­en Zei­ten, des In­ter­nets. Der größ­te Sün­den­fall ge­schah im Au­gust 1988 mit der Gei­sel­nah­me von Glad­beck. An die­ses Er­eig­nis wird glück­li­cher­wei­se in den Nach­rich­ten nicht mehr er­in­nert. Al­ler­dings soll­ten sich an­ge­hen­de und viel­leicht auch ei­ni­ge prak­ti­zie­ren­de Jour­na­li­sten da­mit im­mer wie­der ein­mal be­schäf­ti­gen. Als ab­schrecken­des Bei­spiel.

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14 Kommentare zu »Angst­ha­sen­jour­na­lis­mus«:

  1. Gerald Fix sagt:

    Der Ter­ro­rist weiß, dass er die po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se mit sei­ner Tat nicht än­dern wird.
    Da­mit bin ich nicht ein­ver­stan­den. Die An­schlä­ge von Ho­yers­wer­da und Ro­stock-Lich­ten­ha­gen wa­ren, so mei­ne Er­in­ne­rung, er­folg­reich, weil sie von der par­la­men­ta­ri­schen Mehr­heit als Aus­druck des Volks­wil­lens ver­stan­den wur­den. Der Er­folg be­stand dar­in, dass sich ei­ne Mehr­heit für Ein­schrän­kun­gen des Asyl­rechts fand.

    #1

  2. Ho­yers­wer­da und Ro­stock wa­ren kei­ne Ter­ro­ri­sten, son­dern Ver­bre­cher.

    #2

  3. die_kalte_Sophie sagt:

    Ei­ne ver­rück­te The­se: es könn­te ei­ne Ver­un­si­che­rung dar­über ge­ben, wie die Op­fer-Tä­ter-Ka­te­go­ri­en bei den ver­schie­de­nen At­ten­tats-For­men an­zu­wen­den wä­ren. Wir be­ob­ach­ten ar­ro­gan­te Men­schen­schläch­ter, Dschi­ha­di­sten, Amok-Schüt­zen und »Selbst­mord-At­ten­tä­ter«. Das ist ei­ne Ge­menge­la­ge. In ei­ner An­zahl (aber eben nicht aus­schließ­lich, da­her die Ver­un­si­che­rung) der Fäl­le kom­men sui­zi­da­le As­pek­te zum Vor­schein, die den Tä­ter dia­lek­tisch auch als Op­fer kenn­zeich­nen.
    Ei­ne Ab­bil­dung der Tä­ter in al­len Fäl­len ist sehr zwei­deu­tig, es könn­te zu Mo­men­ten der Em­pa­thie beim Be­trach­ter kom­men, und die­se Em­pa­thie könn­te von dem ei­nen Fall auf den an­de­ren Fall ÜBERGEHEN. Rich­tig, das ist ab­surd. Denn das im­pli­ziert, dass sich ein Mit­ge­fühl in Be­wun­de­rung ver­wan­deln könn­te.
    Ist Ih­nen schon mal in den Sinn ge­kom­men, dass Men­schen ei­ne ge­wis­se Sor­ge plagt, dass sie a) Ge­füh­le nicht un­ter­schei­den, und b) Ge­füh­le häu­fig von an­de­ren fehl­ein­ge­schätzt wer­den, so­dass es manch­mal eh­ren­rüh­rig wird?!
    Das ist klas­sisch neu­ro­tisch, wer­den sie sa­gen. Und es stimmt. Aber ha­ben un­se­re Jour­na­li­sten kein An­recht auf ein biss­chen Neu­ro­se?!
    Al­so, mei­ne The­se, wenn Sie so wol­len, wä­re: po­li­ti­sche Li­nie­treue trifft psy­cho­lo­gisch über­for­der­ten All­tags­ver­stand des Jour­na­li­sten.

    #3

  4. Mag sein, dass sich bei ei­ni­gen ein Ge­fühl der Be­wun­de­rung ein­schleicht. Aber hier­für be­darf es nicht der »of­fi­ziö­sen« Me­di­en; es gibt ge­nug Ni­schen­dreck im Netz, der das noch ent­spre­chend un­ter­malt. Den­ken Sie dar­an, dass »der« IS schein­bar prak­tisch je­des At­ten­tat für sich ein­fach über­nimmt. Beim nä­he­ren Hin­se­hen wird dann klar, dass der Tä­ter je­man­den kann­te, der je­man­den kann­te, etc.

    In­ter­es­san­ter fin­de ich den Ge­dan­ken der voll­kom­me­nen An­ony­mi­sie­rung da­hin­ge­hend, dass sich hier ein Ver­fah­ren auf­baut, dass al­les Un­an­ge­neh­me plötz­lich ent­per­so­na­li­sie­ren möch­te. Das ist sehr un­ge­wöhn­lich, denn Me­di­en nei­gen ja da­zu al­les so­fort zu per­so­na­li­sie­ren, um ihm ein Bild zu ge­ben. Das gilt auch für all die ne­ga­ti­ven Fi­gu­ren wie Trump, Er­dogan oder Pu­tin. Aus­ge­rech­net bei ein­deu­ti­gen Mör­dern und Ver­bre­chern lässt man da­von ab – zum ei­nen, weil man die Pri­vat­sphä­re der Ver­bre­cher schüt­zen möch­te und zum an­de­ren um Nach­ah­mer zu ver­hin­dern. Bei­des mag sei­ne Be­rech­ti­gung ha­ben, führt dann am En­de aber zu im wört­li­chen Sinn ge­sichts­lo­sen Ta­ten, die da­durch ei­ne neue, an­de­re, even­tu­ell ver­häng­nis­vol­le­re Au­ra er­hal­ten. Dem ge­gen­über ste­hen die stän­dig prä­sen­ten Bil­der­bö­gen der po­li­ti­schen Schur­ken. Auf die Idee Er­dogans Bild zu ver­pi­xeln, um nicht noch mehr An­hän­ger in Deutsch­land zu er­zeu­gen, ist noch nie­mand ge­kom­men. Das wä­re ja auch ab­surd, zu­mal Er­dogan als »Per­son der Zeit­ge­schich­te« gilt. Aber ein Ter­ro­rist, der 100 Men­schen er­schießt, ist es wo­mög­lich auch.

    In Wahr­heit geht es dar­um, wie sta­bil ei­ne Ge­sell­schaft ist und was man ihr zu­mu­ten kann. Die Dis­kus­si­on um die Ver­öf­fent­li­chung nebst Kom­men­tie­rung von »Mein Kampf« zeigt dies be­son­ders. Auf der ei­nen Sei­te die pa­ter­na­li­sti­schen Be­schüt­zer auf der an­de­ren Sei­te die Ver­fech­ter der Mei­nungs­frei­heit. Wie groß das In­ter­es­se ist zeigt sich ja dar­in, dass die kom­men­tier­te Aus­ga­be von 2015 ein Best­sel­ler wur­de. Es be­steht al­so ein In­ter­es­se, oh­ne dass die­se Leu­te Na­zis wä­ren (die Neo-Na­zis ha­ben das Ding längst im Netz oder an­ders­wo).

    Dass das Buch heu­te ei­ne Strahl­kraft jen­seits de­rer, die be­reits mit dem Neo­na­zi-Vi­rus in­fi­ziert sind, ha­ben könn­te, er­scheint mir ab­surd. Zu­mal ja in der kom­men­tier­ten Aus­ga­be die hi­sto­ri­schen Fehl­schlüs­se und Lü­gen des Au­tors be­ho­ben wur­den.

    #4

  5. Gerald Fix sagt:

    Ho­yers­wer­da und Ro­stock wa­ren kei­ne Ter­ro­ri­sten, son­dern Ver­bre­cher.

    Gut. Die Er­mor­dung Ra­bins. Da­nach war die is­rae­li­sche Ge­sell­schaft ei­ne an­de­re. Das war ein Ziel des At­ten­tä­ters.

    #5

  6. Im Buch von Ri­chard­son kann man die in­zwi­schen weit­ge­hend ak­zep­tier­te De­fi­ni­ti­on von Ter­ro­ris­mus nach­le­sen. Sie lau­tet, kurz ge­fasst: »Ter­ro­ris­mus be­deu­tet ein­fach, für po­li­ti­sche Zwecke plan­mä­ssig und ge­walt­sam ge­gen Zi­vi­li­sten vor­zu­ge­hen.« Wei­ter heisst es bei ihr: »Das...wichtigste Merk­mal des Ter­ro­ris­mus ist, dass er sich be­wusst ge­gen Zi­vi­li­sten rich­tet. Das un­ter­schei­det ihn von an­de­ren For­men po­li­ti­scher Ge­walt, auch vom eng ver­wand­ten wie dem Gue­ril­la­krieg. [Das Tö­ten von] Nicht­kämp­fen­den ist kein Un­fall oder un­be­ab­sich­tig­ter Ne­ben­ef­fekt, […] son­dern stra­te­gisch ge­plant. « Ein wich­ti­ger Punkt ist üb­ri­gens auch die Ver­brei­tung der Tat über die Me­di­en und die Platz­ie­rung der »Bot­schaft«.

    In­so­fern ist der Mord von Ra­bin – der tat­säch­lich die is­rae­li­sche Ge­sell­schaft nach­hal­tig ver­än­dert und be­stimmt hat – kein Ter­ro­ris­mus. Er rich­te­te sich ge­gen ei­ne ver­hass­te Per­son (hier ein Po­li­ti­ker). Dem­zu­fol­ge sind At­ten­ta­te (Lin­coln, Ken­ne­dy, Ra­bin) kei­ne ter­ro­ri­sti­schen Ak­tio­nen, auch wenn da­bei wo­mög­lich an­de­re Per­so­nen ums Le­ben kom­men soll­ten.

    Da­her ist es min­de­stens un­ge­nau von den Char­lie-Heb­do-Kil­lern von Ter­ro­ri­sten zu spre­chen (ob­wohl sie auch Po­li­zi­sten er­mor­det ha­ben). Ihr An­griff galt ge­zielt den Her­aus­ge­bern und Zeich­nern ei­ner Zeit­schrift.

    #6

  7. Joseph Branco sagt:

    Man könn­te ket­ze­risch Fra­gen, ob es nicht eher ma­ter­na­li­sti­sche Be­schüt­zer sind. Deutsch­land und da­mit auch die öf­fent­li­che Mei­nung ist weib­li­cher ge­wor­den. So wie Pa­ter­no­ster plötz­lich To­des­fal­len sind, mag viel­leicht auch der Jour­na­lis­mus ku­sche­li­ger ge­wor­den sein. Schaut man sich den Au­to­auf­ga­lopp mor­gens an un­se­ren Schu­len an, könn­te man auf die Idee kom­men in Alep­po zu woh­nen. Die An­zahl der Bei­spie­le ist Le­gi­on. Chau­vi­ni­stisch? Viel­leicht. Ent­spricht aber mei­ner Wahr­neh­mung.

    #7

  8. Na­ja, der Ver­gleich mit Alep­po ist ge­wagt.

    Die Idee mit dem ma­ter­na­li­sti­schen Be­schüt­zen ist in­ter­es­sant, weil ja ver­blüf­fen­der­wei­se seit ei­ni­gen Jah­ren als Spitz­na­me für die Kanz­le­rin »Mut­ti« im Ge­spräch ist. Ei­gent­lich kann die­ses Eti­kett von An­fang an nur pe­jo­ra­tiv ge­dacht ge­we­sen sein, denn er­stens ist Mer­kel kin­der­los und zwei­tens ist ihr Ver­hal­ten als Par­tei­vor­sit­zen­de ei­ner (min­de­stens da­mals männ­lich do­mi­nier­ten CDU) nie »müt­ter­lich« ge­we­sen. Man muss al­ler­dings sa­gen, dass Mut­ter­ge­füh­le in po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen we­nig kar­rie­re­för­dernd sind.

    #8

  9. Joseph Branco sagt:

    Ich hat­te we­ni­ger an Mer­kel, als an die Jour­na­li­stin­nen ge­dacht, die nicht nur an­de­re The­men set­zen, son­dern auch an­ders be­rich­ten. Na­tür­lich gibt es bei je­dem Ge­schlecht die vol­le Band­brei­te, aber Frau­en sind im Mit­tel kon­sens­ori­en­tier­ter und eher bei spe­zi­el­len The­men fo­kus­siert (puh, Klip­pe um­schifft). Das führt dann nicht nur zu an­de­rer Ge­wich­tung, son­dern auch zu an­de­ren Schluss­fol­ge­run­gen. Mer­kel ist mit ih­rem Op­por­tu­nis­mus da eher ei­ne Aus­nah­me. Und die Mut­ti ha­be ich ihr noch nie ab­ge­kauft.

    #9

  10. Sor­ry, dann ha­be ich das miss­ver­stan­den. Ich be­mü­he mich ja im­mer zu­nächst den Au­tor ei­nes jour­na­li­sti­schen Ar­ti­kels so weit es geht zu igno­rie­ren bzw., wenn das nicht mög­lich ist, ihn ei­ni­ger­ma­ßen vor­ur­teils­frei zu re­zi­pie­ren. Bei ei­ni­gen Au­torIn­nen ge­lingt das nur schwie­rig; man­che le­se ich aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den nicht mehr. Ich glau­be, dass das Ge­schlecht we­ni­ger ei­ne Rol­le spielt als die po­li­ti­schen und so­zia­len Prä­gun­gen, die am En­de dann das Welt­bild for­men. Mich amü­sie­ren die At­tri­bu­te wie »weib­li­ches Schrei­ben« oder »Frau­en le­sen...« eher; be­son­ders wenn es fast re­li­gö­se Aus­ma­ße an­nimmt. Es ist ja ein Mär­chen, dass der Jour­na­lis­mus heu­te we­ni­ger ka­the­der­haft ist als frü­her. Er ist es auf ei­ne per­fi­de Art und Wei­se so­gar mehr. Oh­ne das em­pi­risch be­le­gen zu kön­nen glau­be ich dass die To­le­ranz- und Mei­nungs­viel­falt in den 1970er und 1980er-Jah­ren sehr viel aus­ge­präg­ter war.

    #10

  11. die_kalte_Sophie sagt:

    Kom­me zu spät, noch zu #4: gu­ter Ge­dan­ke, die pro­mi­nen­ten Schur­ken sind aus­ge­wie­sen, und ein sub­al­ter­nes Hel­den­tum wird nicht ge­dul­det.
    Ich mei­ne zu ah­nen, dass hin­ter dem Ent­zug der Pu­bli­zi­tät auch die Vor­ent­hal­tung der An­er­ken­nung steckt.
    »Der Geg­ner hat kein Ge­sicht«, kann ja sehr un­ter­schied­lich ge­deu­tet wer­den.
    Die pa­ra­noi­de Va­ri­an­te lau­tet: die Ge­fahr lau­ert über­all, es ist kei­ne Per­son, son­dern ei­ne Ideo­lo­gie.
    Die Ver­drän­ger-Va­ri­an­te, um die es sich eher han­deln dürf­te, lau­tet: der Geg­ner kann als Per­son nicht wahr­ge­nom­men wer­den, weil er den kul­tur-im­ma­nen­ten An­for­de­run­gen nicht ent­spricht. Per­son und »Pro­blem« fal­len kom­plett aus­ein­an­der.

    Ich kann Gre­gor zu­stim­men: die De-Per­so­na­li­sie­rung scheint auf ei­nen Zu­sam­men­hang von Per­son (Iden­ti­tät) und Wahr­nehm­bar­keit hin­zu­deu­ten. Die An­ti-The­se wür­de be­haup­ten: es nützt nichts, die Fo­tos zu ver­öf­fent­li­chen, ihr könnt dar­auf nicht er­ken­nen, dass es Ter­ro­ri­sten sind.
    Der Ter­ro­ris­mus wird als ein Sach­ver­halt be­haup­tet, der kei­ne Sicht­bar­kei­ten bei den Per­so­nen im­pli­ziert. Dass es sich in Re­gel um Ab­kömm­lin­ge aus dem mus­li­mi­schen Kul­tur­raum han­delt, ist erst recht ir­rele­vant.
    Die Ab­strak­ti­on des Tat­be­stands hat al­so den glück­li­chen Ne­ben­ef­fekt, dass man die emi­nen­te Kul­tur­schwel­le, die sich zwi­schen Eu­ro­pa und dem Na­hen Osten be­merk­bar macht, wei­ter­hin leug­nen kann.
    Es le­be die Glo­ba­li­tät, weg mit den Ge­sich­tern!

    #11

  12. Die An­ti-The­se wür­de be­haup­ten: es nützt nichts, die Fo­tos zu ver­öf­fent­li­chen, ihr könnt dar­auf nicht er­ken­nen, dass es Ter­ro­ri­sten sind.
    Ja, das ist ein sehr in­ter­es­san­ter Ge­dan­ke, auf den ich nicht ge­kom­men wä­re. In­dem die ge­zeig­ten Tä­ter als sol­che nicht den (gän­gi­gen) Kli­schees von Dschi­ha­di­sten ent­spre­chen, wür­de, so die­se The­se, das zei­gen der Fo­tos nur den Grad der Ver­un­si­che­rung stei­gern.

    #12

  13. Gerald Fix sagt:

    »Ter­ro­ris­mus be­deu­tet ein­fach, für po­li­ti­sche Zwecke plan­mä­ssig und ge­walt­sam ge­gen Zi­vi­li­sten vor­zu­ge­hen.«
    Das ist aber ei­ne sehr ein­schrän­ken­de De­fi­ni­ti­on, die si­cher nicht den Ter­ro­ris­mus­be­griff der Me­di­en ab­deckt. Dar­un­ter wür­de nicht mal die RAF fal­len.

    Aber egal, das ist ja ei­ne Ne­ben­sa­che; es ging ja um die Dar­stel­lung. Mei­ner Er­in­ne­rung nach hat die Sym­pa­thi­san­ten­sze­ne in den 70ern mit dem Ver­schwin­den von Stars wie Baa­der und Mein­hof ab­ge­nom­men – die drit­te Ge­nera­ti­on war weit­ge­hend un­be­kannt. Kor­re­la­ti­on oder Kau­sa­li­tät? (Ver­mut­lich er­ste­res.)

    #13

  14. Die RAF hat­te ja durch­aus zu­nächst die Ab­sicht, zi­vi­le Per­so­nen von ih­ren »Ta­ten« zu ver­scho­nen (Bot­schafts­an­ge­hö­ri­ge, Wach­män­ner und Po­li­zi­sten ge­hör­ten nicht da­zu, die wur­den ein­fach un­ter »Sy­stem« sub­su­miert). Bei der Bu­back-Ent­füh­rung wur­de die­ses »Ta­bu« 1977 mit der Er­mor­dung des Fah­rers auf­ge­weicht. Mit der Ent­füh­rung der »Landshut«-Maschine fiel es dann end­gül­tig.

    Die drit­te Ge­nera­ti­on blieb mei­nes Er­ach­tens eher un­be­kannt, weil man bis heu­te nicht so viel über die­se Leu­te weiss. Es ist ja ei­gent­lich ab­surd, dass sie sich in­zwi­schen 25 Jah­re im Un­ter­grund hal­ten sol­len und nur ab und zu Bank­über­fäl­le ver­üben – die auch je­des Mal ge­lin­gen.

    #14