Jan­ko Ferk: An­sichts­sa­chen

Janko Ferk: Ansichtssachen
Jan­ko Ferk: An­sichts­sa­chen

An­sichts­sa­chen nennt der Ju­rist, Au­tor, In­itia­tor ei­nes Le­xi­kons Kärnt­ner slo­we­ni­scher Li­te­ra­tur und »Kaf­ka­lo­ge« Jan­ko Ferk sein neue­stes Buch mit et­was mehr als 30 Kurz- und Kür­zest­tex­ten, teil­wei­se skur­ril, bis­wei­len poin­tiert, manch­mal sa­gen- bis mär­chen­haft aber fast im­mer mit per­sön­li­chen Re­fe­ren­zen und dies be­wusst. Ei­ni­ge Bei­trä­ge sind neu, an­de­re in ver­schie­de­nen Me­di­en er­schie­nen. Man liest (kur­ze) Por­traits über die Künst­ler Va­len­tin Oman (zum 90. Ge­burts­tag) oder den »Pu­ri­sten« Wal­ter Vo­pa­va, Aus­füh­run­gen über Ge­rech­tig­keit, da­zu pas­send ei­ne fik­ti­ve Ver­tei­di­gungs­re­de ei­ner Mad­da­le­na vor ei­nem Rich­ter, die den Mord an ei­nem Frei­er stell­ver­tre­tend für ih­re Er­nied­ri­gun­gen des bis­he­ri­gen Le­bens be­grün­det. Es fin­det sich ei­ne Be­mer­kung über die Ver­ur­tei­lung des Dorf­rich­ters Adam durch den Bun­des­ge­richts­hof so­wie ei­ne »hi­sto­ri­sche Col­la­ge« über Leo Pfef­fer, der 1914 den Dop­pel­mord von Sa­ra­je­vo un­ter­such­te und von Ferk an­knüp­fend an ei­nem Ro­man von Mi­lo Dor eben­falls in ei­nem sol­chen dar­ge­stellt wur­de.

Wie so häu­fig zi­tiert sich Ferk auch hier sel­ber, was bei der Fül­le sei­ner the­ma­ti­schen Ein­las­sun­gen ir­gend­wann fast un­um­gäng­lich er­scheint. So­gar in der Lie­bes­ge­schich­te der Aka­de­mi­ker von Chri­sti­an und Astrid, die sich zu vor­ge­rück­tem Al­ter fin­den und ei­nen Kin­der­wunsch mit Hil­fe der PID rea­li­sie­ren wol­len, taucht er pseud­ony­mi­siert als in­tel­lek­tu­el­ler und vor al­lem ju­ri­sti­scher Men­tor auf.

Da hat sich ei­ni­ges an­ge­sam­melt. Zwei Fa­sten­pre­dig­ten et­wa. In ei­ner spricht er frank und frei Prie­stern die Be­fug­nis ab, Men­schen als »Sün­der« zu be­zeich­nen (was na­tür­lich Aus­wir­kun­gen auf das Sa­kra­ment der Beich­te ha­ben wür­de). Oder ei­ne An­lei­tung zum Ba­steln ei­nes Pa­pier­flie­gers (ver­mut­lich ei­ne Al­le­go­rie, die sich mir ver­bor­gen hat). Dann ei­ne hal­be Sei­te ge­gen den Krieg. Aha.

Man weiß nicht so ge­nau, ob die Ge­schich­te von der Stu­den­tin, die als For­schungs­ge­gen­stand aus­er­ko­ren hat­te und nun per Mail nach sei­nem Nach­las­sort frag­te, er­fun­den ist oder nicht (ich ver­mu­te nicht). Selt­sam auch die Fest­stel­lung, dass sich auf dem Au­toren­le­xi­kon der Web­sei­te literaturport.de ver­stor­be­ne Schrift­stel­ler im­mer noch ein­log­gen, was die Ber­li­ner Be­trei­ber ach­sel­zuckend zur Kennt­nis neh­men. Oder ei­ne An­fra­ge für ei­nen Kaf­ka-Text für ei­ne omi­nö­se Web­sei­te. Sol­che eher be­lang­lo­sen Ku­rio­sa ste­hen dann et­wa ne­ben ei­nem sehr in­ter­es­san­ten Kurz­text über die Slo­we­ni­en­feind­lich­keit in Kärn­ten, wie sie sich für Ferk von Ju­gend an zeig­te.

Na­tür­lich dreht sich vie­les um Franz Kaf­ka. Manch­mal ist ein eher be­schei­de­ner Er­klär­text, der wo­mög­lich ei­ne Zei­tungs­sei­te fül­len soll­te (»Franz Kaf­ka war ei­ne in­ter­es­san­te Per­sön­lich­keit.«), mal ist es mehr. Et­wa wenn in ei­nem Traum des Au­tors der Rechts­wis­sen­schaft­ler Hans Kel­sen, Franz Kaf­ka und Rai­ner Ma­ria Ril­ke über die öster­rei­chi­sche Nach­kriegs­li­te­ra­tur und de­ren No­bel­preis­trä­ger rä­so­nie­ren. Et­was über­ra­schend, wenn Ferk in ei­ner an­de­ren Sen­tenz die Ver­wand­lung der Pup­pe zum Schmet­ter­ling »grö­ßer« schätzt als Kaf­kas Ver­wand­lung und der Le­ser ist über­rascht, dies über­haupt ver­glei­chen zu wol­len. Viel zu kurz der Ein­ak­ter mit Kaf­ka, Hand­ke und Bern­hard. Na­tür­lich gibt’s was über Kaf­kas Kat­ze. Lau­nig sei­ne Aus­füh­run­gen über Dich­ter­ju­ri­sten (sich in ei­ne Rei­he stel­lend). Und ja: Wenn es um Li­te­ra­tur geht, ist mir Ferk am lieb­sten.

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