Vol­ker Per­thes: Die Mul­ti­po­la­ri­sie­rung der Welt

Volker Perthes: Die Multipolarisierung der Welt
Vol­ker Per­thes:
Die Mul­ti­po­la­ri­sie­rung der Welt

Es ist nicht leicht in die­sen dis­rup­tiv ge­präg­ten Zei­ten Bü­cher über geo­stra­te­gi­sche The­men zu schrei­ben, die Be­stand ha­ben. Vol­ker Per­thes hat es mit sei­nem »geo­po­li­ti­schen Rat­ge­ber« Die Mul­ti­po­la­ri­sie­rung der Welt ver­sucht. Die Fah­nen, die mir vor­lie­gen, sind im Ok­to­ber 2025 er­stellt wor­den. Ob es ei­ne An­pas­sung auf­grund der ak­tu­el­len Er­eig­nis­se (Ve­ne­zue­la, Grön­land, Frie­dens­rat) gab, ist mir zum Zeit­punkt mei­ner Re­zen­si­on nicht be­kannt. An­de­rer­seits kann es auch von Vor­teil sein, sich nicht den Lau­nen des Ta­ges­ge­schäfts hin­zu­ge­ben. Geo­po­li­ti­sche Stra­te­gien ent­ste­hen zu­meist un­ab­hän­gig von ak­tu­el­len Hy­ste­rien.

Vol­ker Per­thes, lang­jäh­ri­ger Lei­ter der Stif­tung Wis­sen­schaft und Po­li­tik und UN-Di­plo­mat, was man zum ei­nen dar­an er­kennt, dass er in sei­nem Buch die UNO mit dem im deut­schen Au­ßen­amt üb­li­chen Akro­nym »VN« be­zeich­net und zum an­de­ren, dass er die Ver­ein­ten Na­tio­nen als geo­po­li­ti­schen Spie­ler im­mer noch ernst nimmt.

Zu­nächst wird er­läu­tert wie aus der Bi­po­la­ri­tät des Kal­ten Krie­ges (USA vs UdSSR) nach dem Mau­er­fall der He­ge­mon USA als ein­zi­ge Welt­macht üb­rig­blieb. Es war die Zeit, als das »En­de der Ge­schich­te« for­mu­liert und der (Neu-)Beginn der »re­gel­ba­sier­ten Ord­nung« des Völ­ker­rechts als all­seits ak­zep­tier­te Hand­lungs­ma­xi­me aus­ge­ru­fen wur­de. Hier­in fällt die Rück­erobe­rung von Ku­wait aus ira­ki­scher Be­sat­zung, die un­ter Fe­der­füh­rung der USA vom da­ma­li­gen Prä­si­den­ten Ge­or­ge Bush mit aus­drück­li­chem Man­dat der UN und den re­gio­na­len Mäch­ten durch­ge­führt wur­de. Die­se Welt­ord­nung mit den Ver­ein­ten Na­tio­nen als Mo­tor währ­te nur kurz (und wur­de ei­gent­lich schon durch die Bür­ger­krie­ge in Ex-Ju­go­sla­wi­en aus­ge­he­belt).

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Wir bom­bar­die­ren.

Herr Prä­si­dent, Herr Ge­ne­ral­se­kre­tär, ver­ehr­te De­le­gier­te, mei­ne Da­men und Her­ren,

ich möch­te zu Be­ginn an ei­ne der schwer­sten Stun­den der Ver­ei­nig­ten Staa­ten in de­ren jüng­ster Ge­schich­te er­in­nern, an un­se­re ei­ge­ne Ver­letz­lich­keit und die Wich­tig­keit der in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit: Als am 25. Mai 1995 die MiG- und So­ko-Ver­bän­de New York er­reich­ten und die er­sten ser­bi­schen Bom­ben fie­len, er­füll­ten un­se­re Ver­bün­de­ten ih­re Pflicht: Es war der er­ste Bünd­nis­fall der NATO und wir dan­ken un­se­ren west­li­chen Part­nern noch heu­te für de­ren Un­ter­stüt­zung zur Ab­wehr der ser­bi­schen Ag­gres­si­on. Wir ha­ben, als Na­ti­on, da­durch zwei­er­lei mit den Au­gen der un­mit­tel­bar Be­trof­fe­nen zu se­hen ge­lernt: Den Re­spekt vor der Sou­ve­rä­ni­tät an­de­rer Staa­ten und die Wich­tig­keit des Ge­walt­ver­bots der Ver­ein­ten Na­tio­nen.

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